Hilfe! Krank in Indien

Indien hält für Touristen, aber auch für Einheimische ein umfangreiches Angebot an Viren und Bakterien bereit. Während sich das Immunsystem der Inder in der Regel an die Lebensbedingungen angepasst hat, so werden die Abwehrkräfte von Touristen doch arg auf die Probe gestellt.

Was kann ich vor der Reise tun?

Aus diesem Grund lohnt es sich meiner Meinung nach 2-3 Monate vor der geplanten Reise das eigene Immunsystem etwas aufzupeppen. Ich habe mit Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel gute Erfahrungen gemacht, aber es gibt sicherlich eine Fülle an guten Produkten. Am besten man lässt sich in einer guten Apotheke oder Drogerie beraten. Auch Impfungen sollten möglichst früh geplant werden, denn auch sie können unser Immunsystem erheblich schwächen.

Auf das Impfen gehe ich hier nicht weiter ein. Bei Impffragen gehen die Meinungen weit auseinander. Das Beste ist, wenn man sich von einem erfahrenen Tropenmediziner persönlich beraten lässt. Man kann keine pauschalen Empfehlungen abgeben, denn es kommt sehr darauf an wo, wann und wie man unterwegs sein wird.

Wenn man in Indien zum Arzt oder in die Apotheke geht, bekommt man die Medikamente in der Regel genau abgezählt und ohne Verpackung und Beschreibung. Wenn man das Medikament nicht kennt, sollte man daher nachfragen und den Namen notieren. Dies könnte bei eventuellen Unverträglichkeiten wichtig sein. Indische Ärzte und Apotheker tendieren oft zu starken Medikamenten, die schnelle Besserung versprechen. Auch werden gerne großzügig Antibiotika verabreicht. Will man dies nicht, sollte man gezielt nach ayurvedischen, pflanzlichen Medikamenten fragen.

Obwohl die Medikamentenpreise in Indien um ein Vielfaches günstiger sind, lohnt es sich vor der Reise, eine persönliche Reiseapotheke zusammenzustellen. Da man nie genau weiß, wie man auf neue Medikamente reagiert, ist es immer besser, auf Altbewährtes zurückzugreifen. In Indien gibt es zwar viele Medical Shops, wie die Apotheken oft genannt werden, aber durch die engen Platzverhältnisse ist das Angebot begrenzt und man kann auch nie ganz sicher sein, wie genau Verfallsdaten eingehalten werden.

Auch ist man im Falle einer Erkrankung froh, wenn man schnell etwas zu Hand hat und nicht noch groß organisieren muss. Dies wird noch wichtiger, wenn man alleine oder mit Kindern unterwegs ist.

Erkältungs- und Durchfallerkrankungen

Die häufigsten Erkrankungen, die man in Indien bekommt, sind Erkältungs- und Durchfallerkrankungen.

Die Klimaanlagen und auch die Zugluft von Ventilatoren führen gerne dazu, dass man sich auch bei sommerlichen Temperaturen erkältet. Ich beispielsweise bin recht anfällig für Halsschmerzen. So empfiehlt es sich, immer einen Schal griffbereit zu haben.

Durchfall kann man nur vorbeugen, indem man beim Essen und Trinken gewisse Vorsicht walten lässt. So hat die alte Regel “boil it, cook it, peel it – or forget it” durchaus seine Berechtigung. Bei Streetfood, auch wenn es noch so lecker aussieht, würde ich mich persönlich zurückhalten.

Am besten man isst in Restaurants, die gut besetzt sind, so kann man sicher sein, dass die Speisen nicht lange rumstehen und alles frisch zubereitet wurde. Vorsicht ist bei allem geboten, das gekühlt werden muss. Längere Stromausfälle, die die Kühlkette unterbrechen, gehören immer noch zum indischen Alltag. Ich bin Vegetarierin und esse auswärts meistens nur in Pure Veg Restaurants. Viele entscheiden sich, in Indien auf Fleisch zu verzichten.

Von Eiswürfeln, Fruchtsäften, Eiscreme, bereits geschnittenen Früchten und Salat besser die Finger lassen! (Ausser man weilt in einem 5 Sternhotel.)

Wasser steht in den meisten Restaurants immer auf dem Tisch. Meistens wird dieses Wasser in einem Water Purifier aufbereitet. Da man jedoch grade in billigeren Lokalen nicht sicher sein kann, wie diese gewartet werden, würde ich als Tourist Flaschenwasser oder selbst gereinigtes Wasser bevorzugen. Bei gekauften Flaschen sollte man immer schnell checken, ob der Verschluss in Ordnung ist. Viele brauchen auch zum Zähneputzen Trinkwasser.

Auch bei aller Vorsicht kann es einfach passieren, dass man an Durchfall oder/und Erbrechen erkrankt. In diesem Fall ist man fast gezwungen, eine Reisepause einzulegen und in der Nähe einer sauberen Toilette zu verweilen. Das Beste ist, auch wenn es sehr unangenehm ist, mal alles aus dem Körper rauszulassen. Starker Durchfall und Erbrechen können schnell schwächen. Größte Vorsicht ist bei Kindern geboten. Es kann unglaublich schnell zu einer gefährlichen Dehydration kommen. Ich habe dies mit unserem Sohn erlebt. Er hatte zwar immer wieder getrunken, aber kurz darauf alles erbrochen. Bereits nach einigen Stunden war er dehydriert. Viel zu trinken ist das Wichtigste. Da man viele körpereigene Salze verliert, empfiehlt es sich, eine Elektrolyt-Lösung einzunehmen. Gute Dienste erweisen hier auch Aktivkohle-Tabletten und Schonkost. Zwieback (Rusk), Bananen, weisser Reis, Bouillon und gesüßter Schwarztee ohne Milch sind zu empfehlen.

Für den Notfall sollte man auch ein stärkeres Durchfallmedikament dabei haben. Falls man einen gebuchten Flug oder eine längere Zugreise wahrnehmen muss, bleibt einem fast nichts anderes übrig als darmhemmende Medikamente wie Imodium einzunehmen. Sicher für die Gesundheit nicht die idealste Lösung, da die Bakterien so im Körper verbleiben, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Um die Darmflora nach der Erkrankung wieder etwas aufzubauen, empfehlen sich Probiotika-Kapseln. Hält der Durchfall über mehrere Tage an oder wenn Blut im Stuhl ist, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Oft sind Antibiotika dann unerlässlich und durchaus berechtigt.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Natürlich kann man sich bei der Zusammenstellung vom Arzt oder in der Apotheke beraten lassen. Meist läuft man dann Gefahr, dass man mit verschiedenen Medikamenten überhäuft wird.

Ich würde mich vor allem auf folgende Medikamente beschränken:

  • Persönliche Medikamente

Wenn man auf Medikamente angewiesen ist, sollte man genügend davon mitnehmen und für Notfälle auch eine Reserve einplanen. Je nach Medikamenten vom Arzt eine Bestätigung schreiben lassen, damit man beim Zoll keine Probleme bekommt.

  • ev. Pille

Wer die Pille einnimmt, sollte auch eine Reserve einplanen.

  • Einfaches Schmerz- und Fiebermittel

z. B. Dafalgan oder Aspirin (Für Kleinkinder Zäpfchen für das entsprechende Gewicht)

  • Aktivkohle Tabletten

Da gibt es ganz verschiedene Präparate wie Carbolevure oder Carbovit

  • Stärkeres Durchfallmittel für den Notfall

(Imodium oder andere Produkte) Bei Kindern unbedingt nachfragen oder nachlesen, ob Kinder diese einnehmen dürfen und wenn ja in welcher Dosierung.

  • Elektrolyt-Lösung

Diese kann gut am Anfang der Reise in Indien gekauft werden.

  • Halswehtabletten

  • Ev. Augentropfen / Ohrentropfen / Nasenspray

Ich decke mich in der Schweiz immer mit Similasan Augentropfen ein. Durch den vielen Staub und die Zugluft kann es auch mal zu Augenreizungen kommen. Reisen Kinder mit, dann ist es auch sinnvoll, etwas gegen Ohrenschmerzen zur Hand zu haben. Die hat man ja meistens ohnehin zu Hause und sie brauchen auch nicht viel Platz. Bei Kindern ist auch ein sanfter Nasenspray zu empfehlen, vor allem wenn Flüge geplant sind. Bei verstopfter Nase kann man nämlich den Luftdruck schlecht ausgleichen, was für Kinder sehr schmerzhaft werden kann.

  • Ev. in Absprache mit dem Hausarzt ein Breitband-Antibiotikum

Dies würde ich nur mitnehmen, wenn gewisse Antibiotika nicht vertragen werden oder Allergien vorliegen. Da empfiehlt es sich, auf bewährte Medikamente zu vertrauen.

  • Ev. Probiotische Kapseln zum Wiederaufbau der Darmflora

  • Ev. ein Fieberthermometer

Wenn Kinder dabei sind, würde ich dies unbedingt mitnehmen. Achtung in Indien wird Fieber in Fahrenheit gemessen. 37. 8 Grad Celsius entspricht 100 Grad Fahrenheit. Wenn der Arzt konsultiert werden muss, vorher bereits umrechnen, damit der Arzt mit den Angaben etwas anfangen kann.

  • Pflaster

  • Desinfektionsmittel / ev. Wundsalbe

Wunden können sich in Indien schnell entzünden. Daher auch kleinste Verletzungen immer desinfizieren und wenn nötig mit einem Pflaster abdecken.

  • Verbandsmaterial für den Notfall

  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor / ev. etwas gegen Sonnenbrand

  • Mückenspray

Diesen würde ich preisgünstig in Indien kaufen. Odomos ist als Spray oder Lotion fast überall erhältlich, wirkt gut und ist sehr hautverträglich. Guter Mückenschutz ist das A und O. Viele gefährliche Krankheiten Dengue, Chikungunya und Malaria werden durch Moskitos übertragen.

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Mehr Informationen dazu findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/09/klein-laestig-und-gefaehrlich/

  • Ev. etwas gegen Mückenstiche

z. B. Fenipic plus (sehr hilfreich bei Kindern)

Wenn man ernsthaft erkrankt

Leider gibt es in Indien auch Krankheiten, die einen Arztbesuch oder sogar einen Spitalaufenthalt zur Folge haben. Hat man über mehrere Tage hohes Fieber und Gliederschmerzen, sollte man dringend zum Arzt. Meistens macht es Sinn grade ein gutes, größeres Spital aufzusuchen, denn dort sind meistens alle nötigen Geräte vorhanden. Apollo verfügt inzwischen fast in ganz Indien über Spitäler und Apotheken.

Diese Spitäler kommen dem westlichen Standard am nächsten. Kleine Spitäler und Arztpraxen verfügen oft über keine speziellen Geräte, wie Röntgen, Computertomografie, Ultraschall, …. Auch die Blutuntersuchungen werden oft außerhalb in speziellen Instituten gemacht.

Wenn es nicht grade um Leben und Tod geht, lohnt es sich, mit dem Taxi auch eine längere Strecke in ein gutes Spital zu fahren.

Natürlich sind die Gesundheitskosten in Indien um ein vieles geringer als in Deutschland oder der Schweiz. Trotzdem kommen im Notfall eben doch hohe Kosten auf einem zu. So kostet beispielsweise nur das Bett auf der Intensivstation in der Apollo-Klinik zur Zeit 9500 Rupees (rund 119 Euro). So kommen in recht kurzer Zeit eben doch hohe Beträge zusammen.

Auch ein Rücktransport nach Deutschland oder in die Schweiz kostet schnell mal ein kleines Vermögen.

Eine gute Reise- und Krankenversicherung ist ein Muss! Auch sollte man immer einen größeren Betrag für Notfälle zurücklegen. In Indien ist es üblich, dass man erst mal bezahlt. Die Notfallnummer der Krankenversicherung unbedingt auf dem Handy speichern, damit man diese sofort informieren kann. Für die Abrechnung mit der Krankenkasse alle Rechnungen und Belege sorgfältig aufbewahren und gemeinsam mit Kopien der Flugtickets und dem Visums einreichen.

Alleinreisende haben es in solchen Fällen besonders schwer. Denn in indischen Spitälern sind die Angehörigen stark gefragt. So muss man Medikamente kaufen gehen, Verbands- und Verbrauchsmaterial ersetzen, sich immer wieder um Versicherungsfragen kümmern.

Als Tourist wird man meistens sehr zuvorkommend behandelt und man bekommt auch Unterstützung. Wenn man einen Arzttermin braucht, muss man sich erst etwas umständlich anmelden und ein Formular ausfüllen. Indische Spitäler sind praktisch zu jeder Tageszeit gut besetzt und man muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Daher unbedingt Wasser und eventuell einen Snack mitnehmen. Ich weiß nicht genau wie viele Konsultationen ein indischer Arzt pro Tag abfertigt, aber es sind sehr viele. Daher gehen die Besuche in der Regel auch sehr schnell. Da wird kurz gefragt, untersucht und sofort Medikamente verschrieben, die man später selbst organisieren und kaufen muss. Die Ärzte sind sich Rückfragen von Patienten nicht gewöhnt. Lasst euch aber ja nicht einschüchtern und fragt nach. Will der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, fragt nach, ob dies auch zwingend nötig sei.

Bei hohem Fieber wird meistens eine Blutprobe angeordnet. Bevor man sein Blut abgeben kann, muss man wieder zuerst die Untersuchung bezahlen. Alleine bei hohem Fieber und einem schlechten Allgemeinzustand kann man dies nicht alleine bewältigen und ihr müsst ganz klar Unterstützung verlangen. Das Spital wird schon einen Angestellten auftreiben, der euch hilft.

Als ich und unser Sohn am Dengue-Fieber erkrankten, lagen wir rund eine Woche im Spital. Natürlich ist dies nie eine tolle Erfahrung, vor allem wenn man auf Reisen und vielleicht alleine unterwegs ist. Doch wenn man ein gutes Spital ausgewählt hat und eine gute Krankenversicherung hat, ist die Versorgung durchaus mit den Standards der Schweiz oder Deutschland zu vergleichen.

Ich wünsche euch immer gute Gesundheit und wunderschöne Momente in Incredible India!

 

 

 

Bettler in Indien – wie gehe ich damit um?

„Amma, Money please“, spricht mich die alte Frau mit den verfilzten Haaren am Strand an und führt ihre rechte Hand zum Mund, um anzudeuten, dass sie hungrig ist.

An der roten Ampel klopft eine junge Mutter, in Lumpen gehüllt und einem süßen Baby auf dem Arm, an die Autoscheibe und faltet bittend die Hände.

Vor einem Restaurant fragen mich zwei Frauen in bunten Saris um Geld. Irritiert schaue ich genauer hin und merke, dass es Transsexuelle sind, die in Indien oft Hijra genannt werden.

Mit bunten Stickerheften in den kleinen Händen schaut mich ein 6-jähriger Junge mit traurigen großen Augen an. „Aunty, please buy!“

Nachdem ich den Tempel verlasse habe, fixieren mich viele Bettler mit erwartungsvollen Blicken. In langen Reihen sitzen sie da und jeder streckt mir bittend die Hände entgegen.

Ich bin in einer Autoriksha unterwegs und ein junger Mann ohne Beine schiebt sich auf einem kleinen Rollbrett auf mich zu.

Jemand zupft an meiner Kurta. Ein etwa 9-jähriges Mädchen in einem schäbigen Kleid mit einem Kleinkind auf dem Arm streckt mir bittend und aufdringlich die offene Hand hin.

Vor dem Tempel in Tiruvannamalai fragen mich zwei Sadhus, Bettelmönche um Geld.

Wie soll man da reagieren? Soll man etwas geben oder einfach ignorieren und weitergehen?

Reist man durch Indien, wird man immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. Man weiß, dass es in Indien große Armut und Bettler gibt. Die meisten Reisenden haben sich auf dieses Land vorbereitet und im Reiseführer darüber gelesen. Doch wenn die Bettler dann wirklich vor einem stehen und mit traurigen Augen um Geld bitten, ist es eben ganz anderes. Man ist persönlich betroffen, man ist gezwungen zu reagieren, man ist plötzlich, ohne es zu wollen, irgendwie in die Armut involviert. Der berühmte Kulturschock, der in jedem Reiseführer erwähnt wird, überrollt viele und lässt erst mal hilflos erstarren.

Ich lebe nun seit über zehn Jahren in diesem Land und muss gestehen, dass ich immer noch Mühe habe, solche Bilder zu ertragen. Doch in den Jahren musste ich gezwungenermaßen lernen, damit umzugehen.

Betteln ist in Indien ein grosses Geschäft. Oft werden Menschen, vor allem Kinder dazu gezwungen. Skrupellose Mafiosi ziehen im Hintergrund oftmals die Fäden und verdienen damit viel Geld. Für gute Standplätze an Ampeln müssen Bettler häufig Gebühren abliefern und viele sind den grausamen Halunken hilflos ausgeliefert.

Es gibt so viele schreckliche Geschichten! Babys, die mit Alkohol schläfrig gemacht und vermietet werden, damit am Ende des Tages mehr Umsatz generiert wird. Kinder, die absichtlich verstümmelt werden, um mehr Mitleid zu erregen. Betrüger, die den Unterschenkel an den Oberschenkel binden, damit es aussieht, als ob sie amputiert wären. Es gibt nichts, was es in diesem Land nicht gibt.

Ich kann hier kein Rezept liefern, wie man mit solchen Situationen umgehen soll. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, wie ich dies handhabe.

Bettelnde Kinder oder Kinder, die etwas verkaufen

Natürlich berührt der Anblick von bettelnden und armen Kindern besonders. Doch hier bleibe ich ganz klar und entschlossen. Kinder bekommen von mir nie Geld und ich kaufe auch nie einem Kind etwas ab. Ich bin gegen Kinderarbeit und will dies nicht annähernd unterstützen. Viele Touristen geben als Alternative manchmal Kugelschreiber, kleine Spielsachen oder Süßigkeiten. Ich halte davon ehrlich gesagt nichts. Die Kinder haben außer Karies meistens nichts davon. Da spendet man lieber einer vertrauenswürdigen Organisation vor Ort etwas. Als unser Sohn noch klein war und ich immer etwas zu essen bei mir hatte, gab ich manchmal Biskuits oder Früchte. Doch aufgepasst! Kauft ihr ein Päckchen Biskuits oder Snacks, solltet ihr die Packung immer öffnen, ansonsten bringen es die schlauen Kinder umgehend wieder in den Laden zurück. Dabei werden sie meistens noch um die Hälfte des Preises geprellt. Das Gleiche gilt auch bei Kleidung. Eine Touristin, die ich getroffen habe, meinte es besonders gut und kaufte einem Mädchen ein neues Kleid. Als sie eine halbe Stunde später wieder vorbeiging, trug es wieder seine alten Klamotten, und das Kleid hing wieder im Laden.

Alte und behinderte Menschen

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Diese entzückende Bettlerin, hat für mich sogar posiert.

Ist man in Indien im Alter alleine, dann ist das Leben sehr schwer und hart. Als Altersvorsorge gelten hier immer noch die Kinder, d. h. vor allem die Söhne. Sie haben die Pflicht zu den Eltern zu schauen und sie zu versorgen.

Auch für verwitwete Frauen ist es schwierig, ohne Ehemann verlieren die Frauen oft an Wert und Respekt. Manche werden von den Familien verstoßen und müssen selber schauen, wie sie über die Runden kommen.

Körperlich und geistig behinderte Menschen haben in Indien kaum Chancen. Geistig behinderte Menschen sieht man im Alltag kaum, die werden lieber zu Hause versteckt oder in Heime abgeschoben, da es für die Eltern eine große Schande ist, Möglichkeiten einer Arbeit nachzukommen, gibt es kaum.

Wenn ich Kleingeld bei mir habe, dann gebe ich alten oder behinderten Menschen einen 5er oder einen 10er. Warten sie in Gruppen, beispielsweise bei einem Tempel und ich habe nicht genügend Kleingeld, dann gebe ich gut ersichtlich, sodass alle es sehen können, einen größeren Schein an einen Bettler mit der Bitte diesen zu teilen.

Hijras, Transsexuelle

Hijras werden von ihren Familien meistens verstoßen. Sie leben in organisierten Gruppen mit Ihresgleichen zusammen. Geld verdienen sie mit Prostitution und da die Menschen Angst von ihren Flüchen haben, mit Betteln. Oft gehen sie zu Restaurants oder Geschäften. Wenn die Verantwortlichen nichts geben, werden sie ganz schön ungehobelt und beginnen mit ihren Verfluchungen. Im Norden erscheinen sie auch ungebeten zu Hochzeiten. Wenn die Hijras mit ihren Verwünschungen beginnen, kann dies sehr angsteinflößend wirken. Mein Mann hat schon einige solche Situationen entschärft. Durch ihn sind mir die Hijras ans Herz gewachsen. Viele Male haben sie unseren Sohn gesegnet, denn dies soll Glück bringen. Für Hijras öffne ich mein Portemonnaie immer und gebe je nach Größe der Gruppe einen 50er oder sogar einen 100er, sodass jeder rund einen 10er bekommt.

Mütter mit Babys und jüngere Menschen

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Bettler am Straßenrand in Chennai

Da ich davon ausgehe, dass jüngere Menschen durchaus einer Arbeit nachgehen könnten, unterstütze ich diese Bettler nie. Auch Müttern mit Babys, auch wenn das Kleine noch so süß ist, gebe ich in der Regel nichts, mit Sicherheit kein Geld. Als ich neulich grade aus dem Laden trat und angebettelt wurde, gab ich dem Kleinen eine Banane. Doch die Mutter und auch das Kind waren nicht sonderlich erfreut darüber.

Sadhus, Bettelmönche

Mit den Sadhus ist das so eine Sache. Meistens bin ich ihnen wohlgesonnen und früher habe ich meinen 10er gerne auch mit einem Foto verbunden. Dafür haben die Bettelmönche immer gerne posiert. In Rishikesh jedoch gingen sie mir dermaßen auf die Nerven, dass ich gar nichts mehr gegeben habe.

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Zwei Sadhu-Mönche in Tiruvannamalai

 

Mit weisser Hautfarbe steht man bei Bettlern hoch im Kurs. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass Weiße besonders spendierfreudig sind und oft auch größere Batzen austeilen. Ein 5er oder ein 10er sind genug, mehr sollte man nicht geben. Habe ich kein Kleingeld dabei, ist die Situation klar: Es gibt nichts! Auch aufdringliche Bettler gehen leer aus. Wer mir zu nahe kommt oder sogar an meinen Kleidern zupft, bekommt NICHTS.

Bettler spüren die Verunsicherung, die sie bei uns auslösen, es steht in unseren Gesichtern geschrieben. Viele sind aus diesem Grund auch sehr hartnäckig, aufdringlich, sodass man sie kaum wieder loswird. Wenn man sich für ein Nein entschieden hat, sollte man unbedingt an diesem festhalten, auch wenn es sehr mühsam ist. Gibt man Bettlern nach langem Nein-Sagen, dann doch etwas, lernen sie nur das eine: Wenn ich lange genug dranbleibe, erreiche ich mein Ziel. So sind die Touristen eigentlich mitverantwortlich an dem oft unangenehmen, aufdringlichen Gebaren der Bettler, das immer mehr überhandnimmt.

So habe ich zum Schluss nur noch einen Tipp:

Habt Mut eure Haltung mit einem forschen NO durchzusetzen und bitte bleibt dabei.

 

 

 

Trinkgelder in Indien – die Rupie rollt

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie unüberlegt und unwissend manche Touristen im Indienurlaub mit Trinkgeldern umgehen. Die einen scheinen mit Spendierhosen ausgerüstet zu sein und geben Trinkgelder, die teilweise einem ganzen Tagesverdienst entsprechen und andere zeigen sich so knausrig, dass es schon fast peinlich wird. Ich gönne jedem ein gutes Trinkgeld, denn die Löhne im Bereich der Dienstleistungen sind in Indien wirklich erschreckend niedrig. Auch wenn einem der eine Euro hier und da nicht wehtut, sollte man trotzdem bedenken, wie es ankommt, wenn man für kleine Dienstleistungen viel zu hohe Tips gibt. Da werden Erwartungshaltungen aufgebaut, die nicht jeder Reisende erfüllen kann oder will. Zukünftige Touristen werden es euch danken, wenn ihr versucht, einen guten Mittelweg zu finden.

Eine weiße Haut zu haben, bedeutet für die meisten Inderinnen und Inder, dass man mit Wohlstand und Geld gesegnet ist. Im Vergleich zu einem großen Teil der Bevölkerung Indiens trifft dies natürlich auch zu.

Gerne teile ich mit euch einige aktuelle Gehälter, die hier in Chennai ungefähr bezahlt werden.

  • Kellner in einem einfachen Restaurant: 4000-6000 INR pro Monat (rund 51-77 Euro)
  • Gelernter Kellner in einem 5 Sternhotel: 18‘000-20‘000 INR pro Monat (rund 230-255 Euro)
  • Sous Chef in einem 5 Sternhotel: 30‘000 INR pro Monat ( rund 383 Euro)
  • Ungelernter Arbeiter auf dem Bau: pro Tag 500 INR bei acht Stunden Arbeit. (rund 6.40 Euro)
  • Krankenschwester: 15‘000 – 25‘000 INR Rupees pro Monat (rund 191 -318 Euro)
  • Putzfrau: tägliches Putzen einer 4-Zimmerwohnung hier in unserem Wohnquartier in Chennai 2500 INR pro Monat bei einem zeitlichen Aufwand von ungefähr 2-3 Stunden. (rund 32 Euro)
  • Privater Chauffeur Vollzeit : 12‘000 bis 15‘000 INR pro Monat. (rund 153-191 Euro)

Trinkgeld ist immer Ausdruck der Kundenzufriedenheit. Ist man unzufrieden mit einer Dienstleistung, dann sollte man auch keine Tips geben.

Die Schwierigkeit in Indien ist, dass man ständig einen Mangel an kleineren Scheinen hat. Besonders auf Reisen werden die 5er, 10er und 20er wichtig. Daher sollte man die großen Scheine, die man beim Automaten rausgelassen hat, möglichst schnell loswerden, sodass man immer etwas Kleingeld hat. Oft wird man beim Bezahlen gefragt, ob man es kleiner hat, denn auch hier ist Wechselgeld oft rar. Wenn ich knapp an kleinen Scheinen bin, verneine ich dies und nehme es in Kauf etwas länger auf mein Wechselgeld zu warten. Man sollte darauf achten, dass die Geldscheine nicht beschädigt sind, denn diese bringt man nicht mehr los. Man könnte sie bei der Bank eintauschen, aber der administrative und zeitliche Aufwand lohnt sich in der Regel nicht.

Ich merke mir immer ungefähr was für Kleingeld ich in meinem Portemonnaie habe. Öffnet man seine Geldbörse, um einem alten Bettler einen 5er oder 10er zu geben, sollte man schließlich auch wissen, ob man überhaupt noch einen dabei hat.

Wenn der Service gut war, dann sollte man im Restaurant rund 10 Prozent geben. Manche Restaurants berechnen die Service Charge mit 10 Prozent selbst, obwohl dies eigentlich nicht zugelassen wäre und die Angestellten wohl nichts davon sehen. Sind die Service Charge auf der Rechnung aufgelistet, dann sollte man kein Trinkgeld mehr bezahlen. Bitte nicht verwechseln mit der SGST, der State Goods and Service Tax, die mit 2.5 % als Teil der Mehrwertsteuer immer verrechnet wird.

Quittung

Wenn man edel und teuer speist, kann man ruhig auf 5-7 % runter gehen oder, wenn der Service ausgezeichnet war, an den 10 Prozent festhalten.

Im Hotel sollte man an der Rezeption immer darauf achten oder nachfragen, ob es eine Tip-Box gibt. Hier kann man am Abreisetag einen größeren Betrag einwerfen, der dann hoffentlich allen Angestellten zu Gute kommt. Auch hier würde ich, je nach Zufriedenheit 5-10 Prozent der Gesamtrechnung übergeben. Will man einzelne Angestellte, die besonders nett und zuvorkommend waren, mit einem Trinkgeld beglücken, mache ich dies in der Regel am Abreisetag mit einem etwas höheren Betrag. Hier rechne ich pro Tag, je nach Hotel, zwischen 20-50 Rupees. Je teuerer das Hotel, desto höher sollten auch die Tips ausfallen. Erfüllen Angestellte extra Botengänge, die nicht zur üblichen Arbeit gehören, sollte man diese immer mit einem Trinkgeld belohnen. Besorgt mir ein Angestellter beispielsweise eine Flasche Bier im Ort, dann würde ich ihm 50-100 Rupees zustecken.

Einem Kofferträger gebe ich in der Regel einen 10er oder 20er. An Bahnhöfen können Kofferträger ganz schön aufdringlich werden und das Gepäck einfach unaufgefordert an sich reißen. Ich mag das gar nicht und trage es dann lieber selbst oder suche mir jemanden aus. Auch hier bewährt es sich als weisser Tourist den Preis vorher auszumachen, ansonsten muss man am Ende lange Preisverhandlungen führen.

Ist man mit einem Taxi oder einer Riksha unterwegs, werden keine Trinkgelder erwartet. Beim Bezahlen rundet man meistens auf, da die Fahrer oft kein Wechselgeld haben.

Wenn man für längere Zeit mit einem eigenen Fahrer reist, dann erwartet er am letzten Reisetag ein Trinkgeld. Auch hier sollte der Tip nach Zufriedenheit ausfallen. Ich würde je nach Größe der Gruppe 300-600 Rupees pro Tag geben.

Für einen Touristenführer sollte man je nach Zufriedenheit und Qualität rund 100 – 200 Rupees Trinkgeld einrechnen. Bei einer Gruppentour 50 – 100 Rupees pro Person. Ist es eine absolut professionelle und auch auf individuelle Bedürfnisse eingehende Führung, die vom Guide hohe Kompetenzen und Fachkenntnisse verlangt, dann kann das Trinkgeld von 300-1000 Rupees gehen.

Sind wir mit dem Auto unterwegs und essen auswärts, dann bekommt der Parkeinweiser immer einen 10er oder 20er. Auch netten Klofrauen gebe ich oft einen 10er oder lasse einige Münzen da.

Natürlich darf man sich als Tourist auch mal erlauben, für besonders guten Service etwas großzügiger zu sein. Viele Angestellte sind wirklich auf die Zusatzverdienste von Tips angewiesen. Dabei bitte die indischen Gehälter und Lebenskosten nicht ganz vergessen!