Diwali-Stress und Feuerwerk

Das kommende Lichterfest Diwali hat mich die letzten Tage beschäftigt. Es ist fast etwas wie der Weihnachtsstress, dem ich früher oft verfallen bin. Seit ich in Indien lebe, bin ich an Weihnachten relaxt, dafür hält mich jedoch Diwali auf Trab!

Endlich sind die Geschenke für meine Freundinnen bereit. In selbst genähten Stofftaschen verschenke ich Krachmandeln (gebrannte Mandeln) und ein hübsches Windlicht.

Diwali oder Deepavali, wie wir hier im Süden sagen, ist ein bedeutsamer Feiertag im hinduistischen Kalender. Man könnte es fast mit Weihnachten vergleichen. Unter Freunden und Familie werden Geschenke ausgetauscht, das Haus wird festlich geschmückt, man trägt neue, oft etwas festliche Kleidung und es gibt viele Süßigkeiten und Snacks, die speziell für diesen Anlass zubereitet werden. Viele kleine Öllichter aus Ton (Diyas) werden angezündet. Das Wort Diwali stammt aus dem Sanskritwort Deepavali und bedeutet „Reihe von Lichtern.“

Selbst bemalte und verzierte Diyas aus Ton.

Jede Region hat etwas andere historische oder mythische Hintergründe und Geschichten, die die Bedeutung von Diwali erklären. Manche sehen darin die glückliche Heimkehr von Rama und Sita nach dem 14-jährigen Exil und den Sieg über den Dämon Ravana, andere feiern den Tag im Gedenken daran, dass die Muttergöttin Durga den bösen Dämon Mahisha besiegt hat und hier im Süden wird es vor allem gefeiert, weil Krishna das Böse in der Gestalt von Narakaasura vernichtet und so sechzehntausend Frauen aus der Gefangenschaft befreit hat.

Eines haben diese Geschichten jedoch alle gemeinsam: Es geht immer um den Sieg des Guten über das Böse.

Natürlich darf auch Feuerwerk an diesem Tag nicht fehlen. Dieses Jahr gab es viele Diskussionen um Feuerwerk. In Delhi und umliegenden Bundesstaaten im Norden ist die Luft so schlecht wie nie zuvor. Die Menschen leiden unter der starken Luftverschmutzung und in Delhi steigen die Covid-19-Fälle wieder an. So haben viele Bundesstaaten den Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk komplett verboten. Dies macht auch Sinn, denn die Luftverschmutzung nach Deepavali erreicht meistens Höchstwerte, die der Gesundheit massiv zusetzen. Auch der südliche Bundesstaat Karnataka wollte beim Verbot mitmachen und ich hoffte schon, dass auch Tamil Nadu mitziehen würde. Doch sie machten einen Rückzieher und erlauben nun „Green Crackers“ – scheinbar etwas umweltfreundlicheres Feuerwerk.

In Tamil Nadu gibt es wie bereits im letzten Jahr zwei Zeitfenster, wo man Feuerwerk entzünden darf. Krachen sollte es nur an Diwali von 6-7 Uhr morgens und von 19-20 Uhr abends. Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen daran halten werden. Doch bereits jetzt hört man zwischendurch laute Kracher, wobei bedeutend weniger als in den letzten Jahren. Wir machen bei diesem Irrsinn schon lange nicht mehr mit und geben keine einzige Rupie für Feuerwerk aus. Ich denke, dieses Jahr wird es sich auch in Grenzen halten, da viele durch die Corona-Krise bedingt dafür kein Geld übrig haben.

Zum Thema Feuerwerk kam es in Madhya Pradesh zu einem Eklat, der es in die indischen Medien schaffte. Muslimische Verkäufer von Feuerwerk wurden von Hindus bedroht, weil sie Feuerwerk mit Abbildungen von hinduistischen Gottheiten verkauft haben.

Jahrelang war dies gang und gäbe, denn die Firma „Lakshmi Firework“ hatte nun mal die Göttin Lakshmi als Cover für ihre Waren. Ausgehend von einigen hindu-nationalistischen Regierungsmitgliedern in Uttar Pradesh wurde dies nun in einigen Bundesstaaten verboten.

Das Fest rückt langsam näher und näher. Am Samstag feieren wir Deepavali. Ich werde heute nochmals Ladoo (indische Süßigkeit) zubereiten – wahrscheinlich ein neues Rezept mit Kokosnuss.

Happy Deepavali euch allen!

Die Schattenseiten von Deepavali

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Ich freute mich sehr, als ich hörte, dass der Supreme Court of India endlich aktiv wurde und den Gebrauch von Feuerwerk an Deepavali auf zwei Stunden beschränkte.

Die Luftqualität in den Städten wird durch Feuerwerk immens verschlechtert. Die schlechte Qualität des Feuerwerks führt zu einer enormen Rauchentwicklung. Ich kann mich nicht erinnern, dass Feuerwerk in der Schweiz jemals so viel Rauch produzierte. Das meiste Feuerwerk wird scheinbar in Sivakasi (Tamil Nadu) hergestellt. Jedes Jahr spült es jedoch auch immer mehr chinesische Waren auf den Markt. Wie die Arbeitsbedingungen und Menschenrechte in diesen Fabriken aussehen, möchte ich mir nicht einmal vorstellen.

Auch für die Tiere in den Städten ist Deepavali ein Albtraum. Sie können von der Knallerei nicht flüchten und sind den lauten Böllern gnadenlos ausgeliefert. Jedes Jahr sterben viele Tiere durch den unglaublichen Stress und durch Unfälle mit Knallkörpern.

Auch für unsere Hunde ist Deepavali mit viel Stress verbunden, obwohl sie zu Hause in Sicherheit sind.

Was mich auch jedes Jahr aufs Neue ärgert, ist die Tatsache, dass man auf der Straße einfach achtlos alles entsorgt. Im Vorfeld werden die Häuser sorgfältig geputzt und nach Deepawali sehen die Strassen aus wie Müllhalden. Abgebrannte Zuckerstöcke, bengalische Stäbchen, Verpackungsmaterial, Geschenkpapier, … alles bleibt liegen. Irgendjemand wird es in den nächsten Tagen ja schon putzen.

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Aus diesen Gründen haben wir vor zwei Jahren beschlossen, bei diesem Feuerwerks-Spektakel nicht mehr mitzumachen. Lieber geben wir Suriyan dafür einen Batzen und spenden etwas für Bedürftige.

Ich bin sehr erstaunt, dass die Verordnungen des Supreme Courts so gut eingehalten wurden. In Tamil Nadu durfte man von 6 -7 Uhr morgens und von 7- 8 Uhr abends Feuerwerk anzünden. Natürlich gab es auch Knaller vor und nach den offiziellen Zeiten, aber im Vergleich zu anderen Jahren war die ganze Knallerei viel erträglicher. Die Polizei in Tamil Nadu wurde in über 2100 Fällen von unerlaubtem Gebrauch von Feuerwerk aktiv. Es gab Bussen bis zu 200 Rupees und 650 Uneinsichtige wurden sogar festgenommen. Diese Aktionen der Polizei werden wahrgenommen und wirken hoffentlich auch präventiv für das nächste Jahr.