Die kleinen und großen Unterschiede meines Lebens in Südindien

Das Klima

Von einem mir entsprechenden, angenehmen Klima in der Schweiz bin ich klimatisch in einen Dampfkochtopf geraten. Verschwunden sind die geliebten vier Jahreszeiten und abgesehen von dem Monsun, der uns jeweils im Oktober, November erreicht, gibt es hier nur eins: heiß, heißer und am heißesten! Bereits im Februar steigen die Temperaturen langsam bis sie im April, Mai zu Höchsttemperaturen um oder sogar über 40 Grad ansteigen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt, fühlt sich die Hitze schier unerträglich an. So ist die Mittel- und Oberschicht bestens mit Ventilatoren und Klimaanlagen gegen die heißen Temperaturen gerüstet. Bei uns hat es in jedem Zimmer eine Klimaanlage und diverse Fans, die an der Decke angebracht sind.

 

Diese funktionieren leider nur, wenn es Strom gibt. Die Stromversorgung ist in den letzten Jahren zwar viel besser geworden, aber Stromausfälle kommen immer wieder vor und gehören zum indischen Alltag. Auch für diese Fälle sind wir gerüstet und können den Ausfall mit einer Inverter-Batterie für einige Stunden überbrücken. Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich hier ohne Ventilatoren und Klimaanlagen kaum leben könnte. Doch von diesem Luxus können die meisten nur träumen. Strom ist teuer und so versucht man, die Stromrechnung möglichst tief zu halten.

Überall hat es Menschen

Oft denke ich wehmütig an meine einsamen Spaziergänge im Auenwald meiner Heimat zurück. Wo man in Chennai auch ist, man ist niemals alleine. Überall hat es Menschen – viele Menschen. Die Überbevölkerung Indiens ist in den Metropolen deutlich sicht- und spürbar. Das bedeutet im Alltag, dass man viel Zeit und Geduld aufbringen muss. So ist mein Zuhause für mich eine wichtige, kleine Oase geworden, wo ich mich zurückziehen kann. Doch die meisten Inderinnen und Inder haben auch in ihren eigenen vier Wänden kaum Ruhe und Privatsphäre. Der Wohnraum in den Megacitys ist sehr teuer und oft leben drei Generationen auf engstem Raum.

Von Fenstern und Türen

Unlogisch, unpraktisch, unsinnig – das sind unsere Fenster! Obwohl wir im ersten Stock leben, sind sie alle vergittert. Ich sehe ein, dass dies in Indien aus sicherheitstechnischen Gründen Sinn macht, aber die Wahl dieser hässlichen Gitter, die damals meine Schwiegereltern getroffen haben, ist unverständlich. Vor jedem Fenster gibt es gefängniszellengleiche Vergitterungen. Anfangs waren die Grills, wie man hier sagt, schwarz gestrichen! Dabei gäbe es viel schönere Varianten in Form und Farbe.

 

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Meine Aussicht aus dem Küchenfenster, das natürlich auch vergittert ist.

Jetzt in Weiß und mit Vorhängen sieht es etwas freundlicher aus und das Gefängnis-Feeling ist etwas gewichen.

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Unsere Fenster lassen sich nur gegen Außen öffnen. Das hat den Vorteil, dass ich sie nicht putzen kann und den Nachteil, dass sie trotzdem schmutzig werden! So, schickt mir Prabhu drei- bis viermal pro Jahr zwei Arbeiter, die dann mit einer Bambusleiter, die ehrlich gesagt nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, abenteuerlich meine Fenster reinigen.

Dafür habe ich eine wunderschöne geschnitzte Ganesha-Tür! Das macht das Übel mit den Fenstern nicht ganz wett, aber mildert das Ganze wenigstens etwas ab ;-).

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Im oberen Teil sitzt die Göttin Lakshmi mit zwei Elefanten, die Glück bringen soll.

 

Vom Fernsehen

Ja, wir haben hier auch Netflix und ich bin froh darüber. Mein Sohn und ich schauen uns gerne Filme an. Doch wenn ein bedeutsamer Cricketmatch läuft, dann besetzt mein Liebster den Fernseher für Stunden. Dabei sollte ich noch erwähnen, dass in seinen Augen die meisten Spiele wichtig sind. Ich habe Cricket eine Chance gegeben und mir ein oder sogar zwei Spiele angeschaut. Mein gewinnbringendes Fazit: Stinklangweilig und reine Zeitverschwendung! Für diese Aussage würden mich jedoch die meisten Inder und auch Inderinnen fast lynchen.

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In der Küche

Neben den südindischen Speisen und den entsprechenden Gewürzen, die in meiner Küche immer mehr Fuß fassen, gibt es noch andere Unterschiede. Mein Gasherd ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und ich möchte nie wieder zurück zu einem Elektroherd.

Dafür vermisse ich das gute Wasser aus der Schweiz! Sorgenfrei Trinkwasser vom Hahn zu trinken, wäre hier undenkbar. Selbst mit unserem Water Purifier, der mit etlichen Kartuschen und Filtern gefüllt ist, traue ich der Wasserqualität nie ganz.

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Unser Wasserfilter, das gefilterte Wasser brauchen wir zum Trinken und zum Kochen.

Geschirr? Ja, es gibt das indische Stahlgeschirr in meinem Schrank, das alle Westler hässlich finden und an Gefängnisgeschirr erinnert. Zwar nur in einer bescheidenen Anzahl, aber es hat drei Stahlteller und einige Tumblers (Stahlbecher).

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Daneben habe ich auch einige praktische Geräte für die indische Küche angeschafft.

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Meine Limetten-Presse wird im Sommer oft gebraucht um den kühlenden Lime-Juice herzustellen
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Meine Tava, eine flache Bratpfanne. Unerlässlich, um Dosai und Chapati zu machen.
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Auch dieses Gitter brauche ich für Chapati – über die Gasflamme gehalten gegen sie nach dem Backen wunderbar auf.
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Indische Snacks gefällig? Mit dieser Presse werden Murukku oder Ribbon Pakoda hergestellt.

Von Hausangestellten

Ja, in Indien hat jeder aus dem Mittelstand eine Maid. Familien aus der höheren Mittel- und Oberschicht haben sogar Staff. „My maid is…, I’ve found a driver now …, do you know a good cook?, …” Wie oft geht mir dieses Wohlstandsgeplapper auf die Nerven! Eines habe ich jedoch schnell entdeckt, viele haben mit ihrem Staff Ärger und sind unzufrieden. Gutes und vertrauenswürdiges Personal zu finden, scheint wirklich schwierig zu sein.

Ich habe seit einigen Jahren eine Angestellte und mit ihr bin ich weitgehend zufrieden. Nur fehlt sie sehr oft, weil sie oder ihr Mann immer wieder krank sind. Eigentlich habe ich sie hauptsächlich zum Nähen meiner Rosenblatt-Produkte angestellt. Sie verdient für indische Verhältnisse hervorragend. Tatsächlich bezahle ich zu viel, aber ich will ihr bewusst einen guten Lohn geben, da sie ihre vierköpfige Familie alleine durchbringt. Morgens hilft sie mir rund eine bis zwei Stunden bei den Hausarbeiten und danach näht sie. Sie arbeitet 7 Stunden täglich, fünf Tage die Woche. Sie ist zuverlässig und ich muss nicht ständig hinterher kontrollieren. Oft sieht sie die Arbeit auch von selbst, worüber ich sehr glücklich bin. In Indien bin ich ein ganz schlechter Boss. Ich kann Leute nicht herumkommandieren und mit Strenge behandeln. Wenn ich jedoch beobachte wie die sogenannten Reichen und Gutausgebildeten dieses Landes mit ihrem Personal umgehen, dann bleibe ich sehr gerne eine schlechte, aber nette Chefin.

Obwohl das Kochen nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, habe ich keinen Koch. Da wir eine offene Küche haben, wäre dies auch etwas schwierig. Das Mittagessen koche in der Wohnung meiner Schwiegereltern gemeinsam mit meinem Schwiegervater. Wenn ich mal gar nicht kochen mag, bestelle ich bei Swiggi. Das ist ein Essenslieferant, der praktisch alle Restaurants in der Nähe abdeckt. Man bestellt via App beim Lieblingsrestaurant und lässt sich das Essen nach Hause bringen.

Für einen festangestellten Fahrer hätten wir zu wenig Beschäftigung. Wenn ich weggehe, denn rufe ich einfach einen Calldriver, der mich dann mit unserem eigenen Auto herumchauffiert.

Was ich in Indien sehr genieße, ist die Tatsache, dass ich nie bügeln muss. Die gewaschene Wäsche gebe ich auswärts und gegen Abend wird mir alles schön gebügelt und gefaltet zurückgegeben.

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Meine gebügelte Wäsche in den Schrank legen und fertig! 

Als Hausfrau, die nicht so gerne Hausarbeiten macht, lebt es sich in Indien ganz famos!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Home-made Idly- oder Dosai-Teig

Der Biotrend ist nun auch in Indien anzutreffen. In Chennai sind in den letzten Jahren viele Bioläden entstanden. Bei der Mittel- und Oberschicht wächst die Bereitschaft, für biologische Lebensmittel mehr zu bezahlen. Mein Mann ist beim Kauf von biologischen Sachen nach wie vor kritisch. Nicht, weil er diesen Trend nicht unterstützen möchte, aber er hat seine Zweifel, ob die Produkte tatsächlich biologisch angebaut wurden. Schummeln und betrügen, um mehr Geld zu machen, ist grade hier leider weit verbreitet. Ich versuche trotzdem, immer mehr biologische oder jedenfalls biologisch angeschriebene Produkte zu kaufen.

Fertigen Idly- und Dosai-Teig bekommt man hier in jedem Supermarkt. Beim selbst gemachten Teig weiß man jedoch genau, was drin ist und wie der Teig gemacht wurde.

Zutaten: Idly-Reis, weisser Urad-Dal, Bockshornkleesamen, Salz

  1. Drei Tassen Idly-Reis (es geht zur Not auch normaler Reis) und eine Tasse Urad-Dal mit Wasser waschen und in einen großen Topf geben.

2. Eine Handvoll Bockshornklee-Samen dazugeben. Mit genügend Wasser mindestens 6 Stunden einweichen.

Bockshornklee-Samen

 

3. Danach alles portionenweise im Mixer zu einem sämigen Teig mahlen.

Teig mixer

4. Den Teig rund zwölf Stunden bei Zimmertemperatur ruhen und fermentierten lassen. Ich mache dies meistens über die Nacht.

 

5. Dem Teig Salz zugeben und gut mischen. Nun den Teig im Kühlschrank aufbewahren. Er kann rund 3-4 Tage verwendet werden.

Salz zugeben

6. Zu Idly oder Dosai verarbeiten.

Für Idly braucht ihr solche Formen. Die Form gut einölen, den Teig einfüllen und ca. 10-12 Minuten im Idly-Topf dämpfen.

Idly formen

Für Dosai braucht ihr eine Tava, das ist eine flache Bratpfanne. Eine normale Bratpfanne sollte jedoch auch gehen. Die Tava einölen und richtig heiß werden lassen. Danach eine Kelle Teig in die Mitte geben und zügig von innen nach außen verteilen.

Wenn das Dosai leicht bräunlich durchschimmert, das Dosai mit einer flachen Kelle wenden und die andere Seite kurz anbraten.

 

Zu Idly und Dosai serviert man Sambar oder verschiedene Chutneys. Rezepte dazu findet ihr hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/10/sambar-die-gemuese-sauce-in-der-tamilischen-kueche/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/19/kokosnuss-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/21/erdnuss-chutney/

 

 

 

Rangoli Vorlage zum Nachzeichnen

Wie zeichne ich ein südindisches Rangoli?

Da meine erste Vorlage scheinbar Anklang gefunden hat, habe ich heute eine zweite Anleitung für euch vorbereitet. Obwohl Rangoli ja eigentlich auf den Boden gestreut werden, finde ich sie auch schön auf Papier. Viel Spass beim Nachzeichnen!

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  1. Zeichne in die Mitte eines Papiers eine gerade Punktlinie mit 17 Punkten. Die Mitte kannst du umkreisen.

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2. Darunter folgt versetzt eine zweite Linie mit 16 Punkten.

Rangoli 2

3. So geht es weiter … Immer versetzt eine Linie darunter zeichnen bis du nur noch 9 Punkte auf der Linie hast.

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4. Das Gleiche machst du auf der oberen Papierhälfte. Es entsteht ein Punktegitter mit sechs Ecken.

Rangoli 4

 

5. Du beginnst im Zentrum und verbindest die Mitte mit den äusseren Punkten.

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6. Verbinde das Zentrum auch folgendermassen:

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7. Die drei Punkte über den Linien verbindest du mit einem Bogen, so dass ein Blütenblatt entsteht. Ein Punkt in der Mitte bleibt stehen.

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8. Wiederhole dies, so dass sechs Blütenblätter entstehen.

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9. Den Punkt im Blütenblatt kannst du folgendermassen verbinden:

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10. Zeichne drei Linien, die am Blütenblatt angeschlossen sind.

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11. Verbinde die Linien mit dem darüberstehenden Punkt zu Blütenblättern.

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12. Über den neu entstandenen Blütenblättern bleibt ein Punkt stehen. Umkreise die sechs Punkte, ansonsten kann es dich verwirren.

Male in jeder Ecke einen Stern mit drei Linien.

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13. Aus dem Stern entstehen sechs Blütenblätter. Für die zwei äusseren Blätter musst du dir einen zusätzlichen Punkt denken oder aufzeichnen.

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14. Zeichne in der Mitte der übrig gebliebenen Punkte eine Raute.

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Rangoli 21b

15. Verbinde die anderen Punkte folgendermassen, so dass eine Art Schmetterlingsblüte entsteht.

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16. Nun kannst du das Rangoli nach deinen Wünschen farbig gestalten. Ich habe heute Wasserfarben gebraucht. Dazu habe ich die Bleistiftlinien etwas ausradiert, so dass sie nur noch leicht zu sehen waren.

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17. Zum Schluss habe ich mit einem Goldstift die Linen nachgemalt und Verzierungen angebracht. Wie ist dein Rangoli gelungen? Liebe Grüsse aus Chennai Irène

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Chandigarh – die geplante Stadt von Le Corbusier

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Zum Schluss unserer Punjab-Reise besuchten wir die geplante Stadt Chandigarh. Bereits als wir in die Stadt hineinfuhren, hatte sie mich in ihren Bann gezogen. Le Corbusier, der schweizerisch-französische Stararchitekt des 20. Jahrhunderts, hat definitiv eine gute Arbeit geleistet. 1950 wurde er von Jawahalal Nehru, dem ersten Premierminister Indiens, mit der Planung beauftragt. Nach der Unabhängigkeit Indiens von den Briten, die eine Teilung des Punjabs zur Folge hatte, wollte Nehru eine neue Hauptstadt für den Bundesstaat schaffen. Lahore, der ehemalige Hauptort, wurde nämlich Pakistan zugesprochen. Auch wollte er den vielen heimatlos gewordenen Flüchtlingen aus dem pakistanischen Teil des Punjabs ein neues Zuhause bieten.

Heute ist Chandigarh die gemeinsame Hauptstadt der Bundesstaaten Haryana und Punjab. Offiziell hat die Stadt den Status eines Unionsterritoriums, das unter der Verwaltung der Zentralregierung steht.

Chandigarh zeigt sich wohlhabend, weltoffen und kosmopolitisch. Le Corbusier lagen bei seiner Planung vor allem die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner am Herzen. Die großzügigen, breiten Boulevards, die vielen Gärten und Parks und auch der künstlich angelegte See sollten den Menschen einen Lebensraum bieten, in dem man sich wohlfühlen kann. Die Stadt ist in verschiedene Sektoren unterteilt, die es einfach machen sich zu orientieren. Jeder Sektor ist in sich abgeschlossen und fußgängerfreundlich.

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Auch wenn kein Park in der Nähe ist, hat man das Gefühl in der Natur zu sein.

Bei unserem Besuch habe ich auch separate Fahrradwege entdeckt. Die Stadt ist insgesamt sehr grün und viele Bäume säumen die Straßen. Im Sektor 17 findet man vor allem Geschäfte, im Sektor 35 Restaurants und im Sektor 22 Hotels. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, um die Stadt richtig zu erkunden. So liessen wir das Architektur-Museum und das Le Corbusier Centre aus.

Doch den berühmten Rock Garden haben wir uns nicht entgehen lassen. Eigentlich war es ursprünglich nie geplant, diesen Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um die geplante Stadt zu bauen, wurden 50 Dörfer abgerissen und plattgemacht. Nek Chand Saini, ein ehemaliger Flüchtling aus dem pakistanischen Teil des Punjabs, hatte ein Hobby, eigentlich eine große, künstlerische Passion. Ab 1957 begann er aus dem Abfall und Gerümpel der Abrisse Skulpturen und Gebilde zu schaffen. Auf einem abgelegenen Stück Brachland erschuf er seine eigene, kreative Wunderwelt. Lange blieb sein Wirken unentdeckt, bis die Stadt nach 15 Jahren für das Land Pläne hatte. Fast wäre alles zerstört worden. Der Stadtrat jedoch erkannte den künstlerischen Wert des Gartens sofort und beschloss Nek Chand finanziell zu unterstützen. Sogar Arbeiter wurden ihm zur Verfügung gestellt, damit er sein Kunstwerk vollenden konnte. Die riesige Anlage beherbergt heute über 5000 verschiedene Skulpturen von Menschen, Tieren und Fabelwesen. Eine eindrückliche Welt, die man da bestaunen darf!

2015 ist der Künstler gestorben, aber durch sein künstlerisches Schaffen hat er sich für immer verewigt.

Rock Garden 1

Rockgarden 2

Rockgarden 4

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Rockgarden 7

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Im Sektor 1 befindet sich der künstlich angelegte Sukhna-See. Ein toller Platz für Freizeitaktivitäten und Erholung. Am Ufer entlang kann man wunderbar spazieren gehen und sogar einen Joggingpfad hat die Stadt angelegt. Viele flanieren dem See entlang oder sind mit Tretbooten auf dem Wasser unterwegs.

See 1

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See 5

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Auch einige Porträt-Zeichner warten am See auf Kundschaft

Der Einkaufssektor 17 blieb von uns auch nicht ganz unberührt. Ich wollte mir vor der Abreise noch einen Phulkari-Schal kaufen. Der Punjab ist berühmt für die wunderschönen, reichen Stickereien. Im Phulkari Kunstha, einem staatlich geführten Kaufhaus mit fixen Preisen, bin ich dann tatsächlich noch fündig geworden.

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Insgesamt hat mir Chandigarh sehr gut gefallen. Alles war so sauber und organisiert, dass ich oft das Gefühl hatte, nicht mehr in Indien zu weilen. Doch der größte Trumpf der Stadt ist für mich eindeutig die Naturnähe.

Ich wünschte mir, in Chennai gäbe es so viele Parkanlagen und Bäume!

Gestern jedoch traf Prabhu einen Golfkollegen, der erst kürzlich von Chandigarh nach Chennai gezogen ist. „Wie kannst du so verrückt sein und von Chandigarh nach Chennai ziehen?“ fragte mein Mann ihn verwundert, den auch ihm hat die Stadt sehr gefallen.

Er antwortete: „Ich habe zwei Töchter! Du kannst dir nicht vorstellen, wie gefährlich das Leben als Frau im Punjab und in Haryana ist. Frauen sind in ihrem Alltag sehr eingeschränkt. Chennai ist so sicher und ich bin froh, dass wir hier sind!“

 

 

St.Thomas Mount – eine kleine Oase im Süden von Chennai

St. Thomas

Neulich fragte ich meinen Liebsten, ob wir nicht wieder mal zum St. Thomas Mount gehen könnten. Ich mag diese kleine grüne Oase auf dem Hügel, obwohl es auch hier immer viele Besucher hat.

St. Thomas Mount 4

St. Thomas Mount 5

Erstaunlicherweise war Prabhu sofort bereit. Kaum ging es den Hügel hinauf, schwebte er in Kindheitserinnerungen. „Schau! Dort haben wir immer Cricket gespielt. Da war unser Klassenzimmer, …“

Einige Jahre ging Prabhu hier zur Schule. Auch erzählte er immer wieder vom seinem Schulweg, der sich noch in die Länge zog, da auf der fünf Kilometer langen Strecke alle wichtigen Schulkameraden abgeholt wurden. Der Schulweg, der so über eine Stunde dauerte, war für die Freunde jedoch kurzweilig, vergnüglich und sie genossen das unbeschwerte Zusammensein.

Manchmal möchte ich die Zeit zurückdrehen und das Chennai vor 30 oder 40 Jahren sehen. Kein Verkehr, kaum Umweltverschmutzung und viele grüner muss es gewesen sein. Für Prabhu gab es damals nur das Eine: Cricket spielen! Vor der Schule, in der Pause und nach der Schule war Cricket seine Welt.

Wenn er von damals erzählt, leuchten seine Augen und ich sehe ihn als Kind vor mir.

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Der heilige Apostel Thomas hatte es nach dem Tod Jesu scheinbar nach Indien gezogen. An der Malabarküste wirkte er und bekehrte die ersten Inder zu Christen. Danach soll er nach Chennai gegangen sein. Der Überlieferung nach wurde er im Jahr 72 auf dem St. Thomas Mount mit einem Speer getötet. Seine Überreste befinden sich heute in der St. Thomas Basilika in Mylapore.

Die Kapelle, die auf dem St. Thomas Mount steht, ist somit zu einem Pilgerort für die Christen in Indien geworden.

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1986 hat der Papst Johannes Paul den St. Thomas Mount besucht.

St. Thomas Mount

Mir gefällt vor allem die ruhige und friedliche Stimmung, die hier herrscht. Umgeben von Bäumen bekommt man das Gefühl, der City etwas zu entfliehen. Auch einige Minuten in der Kirche zu sitzen, entschleunigt und bringt Ruhe. Von dem kleinen Hügel hat man zudem einen tollen Überblick über den südlichen Stadtteil von Chennai.

Aussicht St. Thomas Mount

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Von Großmüttern und Großvätern und der Tatsache, dass wir alle miteinander verwandt sind

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Gestern bin ich Großmutter geworden! Die Nachricht, dass ich nun eine Paati (Großmutter) bin, hat mich doch etwas überrumpelt. Während ich die kleine neugeborene Tochter unserer Nichte auf den Armen hielt und wieder einmal mehr über das Wunder der Natur staunte, meinte Prabhu plötzlich: „Jetzt sind wir Paati und Thaatha (Großvater)!“

So schnell kann es in Indien gehen! Wenigstens sorgte diese Tatsache im Raum für Heiterkeit. Auch die frischgebackene und überglückliche Mutter, die nach langen Jahren des Wartens und Bangens, endlich ein Kindlein bekommen durfte, lachte fröhlich. Ich bin so happy für die kleine Familie.

Akka (ältere Schwester) und Maama (mein Schwager, den ich Onkel nenne), die „richtigen“ Großeltern mütterlicherseits, saßen auch im Raum.

Seit ich in Indien lebe, wurde mein westliches, einfaches Familienkonzept arg durchgeschüttelt. Hier gibt es eine Hülle und Fülle von Verwandtschaftsbeziehungen und entsprechenden Begriffen, die bei uns gar nicht existieren. So wird beispielsweise zwischen älteren und jüngeren Geschwistern unterscheidet.

Akka (ältere Schwester)

Thangai (jüngere Schwester)

Anna (älterer Bruder)

Thambi (jüngerer Bruder)

Die Begriffe sind zwar sehr genau, aber die Anwendung ist global zu verstehen. Cousinen und Freunde werden auch als Brüder und Schwestern angesprochen. So ist Prabhu zwar Thambi für seine leiblichen Geschwister, aber seine jüngeren Freunde nennen ihn Anna und mich Anni (die Frau von Anna). Für Suriyan ist das alles noch etwas komplizierter, da er wieder andere Begriffe verwenden muss. So ist die ältere Schwester vom Vater Athai und der ältere Bruder des Vaters Periyappa. Seine Cousinen, die er bisher Akka nannte, sind jetzt, da sie verheiratet sind, auch Athai.

Dass alle Menschen dieser Welt miteinander verwandt sind, wird einem spätestens in Indien bewusst.

Da es unhöflich ist, ältere Personen mit Namen anzusprechen, sind einfach alles Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten oder Großväter und Großmütter.

So wird der alte, unbekannte Mann auf der Straße zum Thaatha und Kinder sprechen alle Erwachsenen respektvoll mit Aunty oder Uncle an.

Das neue Erdenkind hat übrigens noch keinen Namen. Nach Angaben des Geburtstags und der Geburtszeit wird von einem Astrologen ausgerechnet, mit welchen Silben der Name des Kindes beginnen sollte. Ich erinnere mich noch an gut daran, wie sie uns damals in der Schweiz gedrängt haben, endlich einen Namen zu wählen. Suriyans Zweitnamen haben wir auch astrologisch berechnen lassen und konnten uns nicht sofort entscheiden. Hier in Indien gibt man den Eltern Zeit. Innerhalb eines Monates muss das Kind registriert werden. Oft wählen die Schwiegereltern den Namen aus.

Ich bin schon gespannt, wie das Mädchen heißen wird!

Verkehrsunfälle in Indien

Strassensicherheit

Es wurde spät gestern Nacht und eigentlich planten wir heute, etwas länger zu schlafen. Doch bereits vor sieben Uhr weckt mich Prabhu. Er ist angezogen und bereit zum Gehen. „Ganeshs Schwiegervater ist mit dem Motorrad tödlich verunglückt, ich muss los“, informiert er mich. Noch schlaftrunken dringt die Nachricht langsam zu mir durch. Erst Anfang des Monats ist ein Freund meines Mannes schwer verunfallt. Er ist immer noch im Spital. Mit schweren Kopfverletzungen, einem zertrümmerten Kiefer (er fuhr ohne Helm) und einem schlimmen Beinbruch lag er lange auf der Intensivstation und sein Leben hing an einem seidenen Faden.

Seit wir hier in Chennai leben, werden wir immer wieder mit schrecklichen Verkehrsunfällen konfrontiert. Vor zwei Jahren wurde der Vater von Prabhus bestem Freund, der zu Fuß unterwegs war, von einem Auto angefahren und verstarb noch auf der Unfallstelle. Es gibt so viele traurige Geschichten, die ich hier erzählen könnte.

Sehr erschüttert hatte uns damals (2012) die Nachricht über den Tod eines sympathischen jungen Mannes, der in der engeren Auswahl stand, meine Nichte zu heiraten. Er verunglückte schwer mit dem Motorrad. Wenn in Indien etwas passiert, sind zwar schnell viele Gaffer zu Stelle, aber couragierte Menschen zu finden, die wirklich helfen, sind leider rar. Alle befürchten, dass sie unter Umständen für die Spitalkosten aufkommen müssen und halten sich daher lieber zurück. In diesem Fall gab es jedoch einen solchen Helden. Ein mutiger Rikshafahrer brachte den Schwerverletzten ins nächste Spital. Dort wollte man jedoch ohne Vorauszahlung nichts unternehmen. Verzweifelt versuchte der Fahrer alles, was möglich war. Er bot dem Krankenhaus sogar seine eigene goldene Kette als Anzahlung an, was jedoch nicht akzeptiert wurde. Noch während des Kampfes um die Kostenübernahme, verstarb der Mann, das einzige Kind seiner Eltern, im Spital.

Wie viele Stoßgebete ich bereits himmelwärts geschickt habe, als wir selbst unterwegs waren, kann ich gar nicht sagen. Unzählige Male haben wir gefährlichste Überholmanöver miterlebt und sind an schlimmen Verkehrsunfällen vorbeigefahren. In den Städten kann man, durch die hohe Verkehrsdichte bedingt, nur langsam fahren und im Auto ist man sicher. Für Fußgänger und Motorräder sieht die Situation wieder anders aus. Es gibt beispielsweise kaum Zebrastreifen und auch Bürgersteige sind selten.

Die Sicherheit im Auto ändert sich jedoch abrupt, wenn man die Städte verlässt und auf die Highways gelangt. Viele können schnelle Geschwindigkeiten nicht einschätzen, halten viel zu geringe Abstände und es kommt immer wieder zu haarsträubenden Überholmanövern. In der Nacht fahren die meisten mit Scheinwerfer, ob ein Fahrzeug entgegenkommt, ist egal. Dazu kommt das große Problem, dass viele Fahrer angetrunken unterwegs sind. Aus diesem Grund versuchen wir Fahrten in der Dunkelheit zu vermeiden.

Statistisch gesehen sind Verkehrsunfälle in Indien die häufigste Todesursache. 2015 gab es 261‘367 Verkehrstote (16.6 Anzahl Verkehrstote je 100‘000 Einwohner) und 500‘279 Verletzte. 62 Prozent der Unfälle waren auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Nach China mit  einer Rate von 18.8 Verkehrstoten je 100‘000 Einwohnern steht Indien auf Platz zwei der Weltrangliste.

Zum Vergleich:

  • Deutschland: 4.3 Verkehrstote je 100‘000 Einwohnern
  • Schweiz: 3,3 Verkehrstote je 100‘000 Einwohnern

Mit dem Unfallrisiko-Rechner von Maki Car kann man das Unfallrisiko verschiedener Länder auf Grundlage der Anzahl Fahrzeuge vergleichen.

  • In Indien gibt es 19.13-mal mehr tödliche Verkehrsunfälle als in Deutschland.
  • In Indien gibt es 27.68-mal mehr tödliche Verkehrsunfälle als in der Schweiz.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Sicherheit auf indischen Straßen durch bessere Infrastruktur, Prävention, Bildungsmaßnahmen und durch vermehrtes Durchgreifen der Polizei verbessert.