Glück gehabt – aus meinem Tagebuch vom Januar 2008

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Auf Chennais Strassen herrscht das wahre Chaos. Handwagen werden gezogen, Ochsen ziehen ihre Karren, Menschen, Hunde, Kühe überqueren unvorhergesehen die Strasse, Motorräder mit den möglichsten und unmöglichsten Ladungen überholen von links oder rechts und immer mehr Autos prägen das Strassenbild. Nicht zu vergessen die unzähligen, gelb-schwarzen Tuk-Tuks, die von den indischen Strassen kaum wegzudenken sind. Doch die Könige, d.h. die Maharajas der Strasse, sind die Busse, die wie egozentrische Bulldozer rücksichtslos durch die Strassen rasen. Ein einmaliges Hupen bedeutet: „Mach Platz, oder du bist platt!“

Die beiden Tuk-Tuk-Fahrer, zwei Brüder, die für uns fahren, machen ihre Sache gut, haben ihr Fahrzeug im Griff und so habe ich eigentlich nie Angst mitzufahren.

Doch heute, nach fast zwei Jahren in Chennai, passiert es: Auf dem Rückweg von der Playschool schneidet uns ein weisser Jeep den Weg ab und wir crashen in einen kleinen Lieferwagen. Sofort schaue ich nach, ob Suriyan, unser 3,5 jähriger Sohn, verletzt ist und bin erst mal beruhigt. Erst jetzt spüre ich meine schmerzenden Knie, die voll in die Stange vor mir geknallt sind. Doch ausser ein paar blauen Flecken, die es wohl geben wird, ist uns gottlob nichts passiert. Der Fahrer ist ganz aufgebracht und fragt umgehend, ob wir verletzt seien. Als ich verneine, steigt er sofort aus und packt den schuldigen Jeepfahrer, der inzwischen am Unfallort eingetroffen ist, am Handgelenk und lässt ihn nicht wieder los. Der junge Fahrer hat Angst. Innert kürzester Zeit finden sich etwa 20 Männer auf der Unfallstelle ein. „Hurt?“, fragt mich jeder zweite besorgt. Schliesslich organisiert unser Fahrer mit einen seiner vielen Tuk-Tuk-Kollegen unsere Heimfahrt. Dankbar steige ich daheim immer noch etwas zittrig aus. Wären wir schneller gefahren, wäre das Ganze nicht so glimpflich ausgegangen …

Noch Stunden danach ist unser Fahrer am Unfallort und verhandelt mit dem mittellosen Schuldigen, der keine Polizei hinzuziehen möchte. Scheinbar fehlt der erforderliche Führerschein. 3000 Rupien, etwa 1/4 seines monatlichen Verdienstes, werden die Reparaturkosten ungefähr kosten und dabei hat er doch erst gerade seine Rikscha neu hergerichtet und kontrollieren lassen.

Viele Unfälle ereignen sich auf Chennais Strassen und nur durch die tiefen Geschwindigkeiten bedingt, oft kann man nur 20-30 km/h fahren, bleibt es meistens bei Sachschäden .

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Strassenverkehr

Gestern ist es passiert! Gott Lob ist es nur Blechschaden, aber dieses Mal weit heftiger als alles bisher erlebte. Mein Mann stellte  seinem Angestellten unser kleines Zweitauto zur Verfügung, um eine Reise zu unternehmen. Früh morgens fuhren sie mit einem Fahrer los und kurz vor Trichy hatten sie einen Unfall. Ein Hund überquerte ganz überraschend die Fahrbahn und der Fahrer fuhr in die Abgrenzung zur anderen Fahrspur. Die Reparaturkosten werden auf rund 40 000 Rupien (rund 600 CHF) geschätzt, ein recht grosser Batzen für indische Verhältnisse.

Der Straßenverkehr in Indien ist immer noch sehr chaotisch. Autos, Tuk Tuks, Busse, Motor- und Fahrräder, Kühe, Hunde und natürlich auch Fußgänger teilen sich die Straßen. Regeln gibt es wohl, aber keiner hält sich wirklich dran. Vor allem in den Städten ist das Verkehrssystem oft überlastet und es braucht viel Geduld und gute Nerven. Es wird gehupt, von Rechts oder Links überholt, was eben grade besser passt, einige  fahren auch noch bei Rotlicht über die Straße und die Tuk Tuks und Motorräder nutzen jede kleine Lücke. Dazu kommt noch ein Straßenbelag, der immer wieder uneben ist und Schlaglöcher hat. Ich habe zweimal einen Versuch unternommen, selbst zu fahren, und bin gescheitert. Neben dem komplexen Verkehr war für mich die Umstellung auf den Linksverkehr eine zu große Herausforderung. In den neun Jahren in Indien bin ich schon an vielen Unfällen vorbeigefahren, einige auch mit Todesfolgen. Vor allem auf den Highways wird es durch die höhere Fahrgeschwindigkeit schnell gefährlich. Viele schockierende Überholmanöver habe ich selbst erlebt und Gott sei Dank überlebt! Indienreisenden würde ich dringend davon abraten, selbst zu fahren. Außerhalb der Städte steht es auch um die medizinische Versorgung im Falle eines Unfalles eher schlecht.