Hide and Seek

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Statistisch gesehen, verzehrt die indische Bevölkerung weltweit am wenigsten Fleisch. So finden sich in Indien viele vegetarische Restaurants und als Vegetarier kommt man hier zu sehr leckerem Essen. Das finde ich natürlich als selbstbekennende, langjährige Vegetarierin super. Sehr praktisch finde ich beim Einkaufen oder im Restaurant die grünen und roten Punkte. Grün bedeutet „pure vegetarian“ und das erleichtert das Leben als Vegetarier ungemein.

Meine indische Familie und alle Verwandten sind Laktovegetarier. Meine Schwiegermutter ist ganz streng, sie isst nicht mal einen Keks, wenn es Eier darin hat. Mein Mann hat in seinem ganzen Leben noch nie ein Stück Fleisch gegessen und er würde es auch niemals tun. Mit den Eiern nimmt er es jedoch nicht ganz so genau, jedenfalls solange man das Ei nicht erkennen kann ;-)!

Ich und mein Sohn hingegen mögen ab uns zu ein Ei und da meine Schwiegereltern Eier ekelerregend finden und im selben Haus wohnen, schmuggle ich die Eier jeweils an ihnen vorbei in den oberen Stock.

Heute bringt mir mein Liebster die Zeitung nach oben. “Lies mal diesen Artikel!“, meint er und streckt mir die Zeitung entgegen.

Eine Frau aus Mumbai berichtet undercover von ihrem heimlichen Fleischverzehr. Sie lebt in einer Siedlung, wo nur strikte Vegetarier leben. Die Wohnung hat sie nur erhalten, weil sie gelogen und sich als Vegetarierin ausgegeben hat. So kauft sie ihre Hühnchen weit außerhalb des Viertels, damit sie ja niemand erkennen kann, wenn sie die Metzgerei betritt und um den Geruch des gebratenen Fleisches zu vertuschen, setzt sie gezielt Räucherstäbchen ein. Als die Nachbarn, strikte Jains, einmal Eierschalen im Hof finden, versuchen sie die Quelle des Bösen sofort ausfindig zu machen. Die Putzfrau verrät nichts, aber trotzdem kommt die heimliche Fleischesserin in Verdacht und der Nachbar untersucht sogar ihren Kühlschrank. Dort findet er tatsächlich die unreinen Hühnereier, die natürlich vom Arzt verschrieben sind.

„Es ist wie ein Versteckspiel!“, erzählt die Frau, die sich, um sich nicht zu verraten, nur von hinten, unerkennbar ablichten lässt.

Sich als Fleischesserin zu outen, ist schlicht unmöglich. Die Nachbarn würden sie meiden, sie ausschließen, würden kein Essen mehr von ihr annehmen und sie würde ihre Wohnung verlieren.

Unvorstellbar! Ich kann es kaum glauben. Doch mein Mann erklärt mir daraufhin, dass auch seine Eltern die untere Wohnung ihres Hauses niemals an Fleischesser vermieten würden. „Lieber lassen sie die Wohnung jahrelang leer stehen!“, meint er und schmunzelt verlegen.