Rishikesh – von Yoga bis Gummiboot

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Umgeben von Wald und Hügeln am Fusse des Himalayas liegt die Pilgerstadt Rishikesh. Die berühmte Yoga-Stadt am Ganges ist Ausgangsort für Pilgerreisen zu den Quellen der Mata Ganga (Mutter Ganges) und zum *Neelakantha Mandir.

Der heilige Fluss fliesst hier noch rein und in seiner ganzen Schönheit vorbei. Zwei schmale Hängebrücken (Lakshman Jhula und Rama Jhula) prägen das Stadtbild. Von der Lakshman Jhula erzählt man sich die Legende, dass an dieser Stelle tatsächlich Lakshman, der jüngere Bruder von Lord Rama mit Seilen den Ganges überquert hätte.

Die beiden Brücken sind nur für Fussgänger und Motorräder zugelassen. Auf den Brücken hat man eine wunderbare Aussicht über den Ganges, aber es herrscht emsiges Treiben. Menschen, Motorräder, Handwagen, Fahrräder und ab und zu sogar eine Kuh machen sich die enge Brücke streitig. Je näher man der Mitte kommt, desto mehr beginnt es unangenehm zu wackeln und zu schaukeln.

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Rishikesh ist die berühmte Yoga-Stadt. Es hat sehr viele Ashrams und Yogazentren, wo man verschiedene Yogaschulen besuchen kann. Oft trifft man in Orange gekleidete, bärtige Sadhus (Bettelmönche), die hartnäckig und ungeniert um Geld betteln. Prabhu wurde manchmal ganz schön ärgerlich, denn viele überschritten die Grenzen des Anstandes und reagierten frech und ungehobelt, wenn man nichts oder nur einen 5er oder 10er gab. In der Stadt wimmelt es auch von Astrologen und Handlesern. Rishikesh wirkt auf mich wie ein kleines Esoterik-Mekka. Da ich immer etwas neugierig bin, haben wir einen Handleser getestet und nach rund einer Stunde sind wir mit vielen allgemeinen Informationen, die auf jeden mehr oder weniger zutreffen könnten, weiter gezogen. Unser Fazit: Mehr Schein als Sein!

In Rishikesh trifft man unglaublich viele Rucksack-Touristen. In ihren esoterischen Yoga-Outfits konnte ich viele spirituell Suchende erkennen. Ungeniert und locker frönten einige auch in der Öffentlichkeit dem Cannabis-Konsum und ich fragte mich, ob diese jungen Menschen die harten Gesetze Indiens kennen, wenn es um Drogenbesitz und –konsum geht. Doch auch hier lässt die Korruption zu, was eigentlich verboten wäre und viele Polizisten bessern so sicher ihr Gehalt auf.

1968 reisten die Beatles nach Rishikesh. Im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi beschäftigten sie sich mit Transzendentale Meditation. Viele berühmte Lieder (Ob-La-Di, Ob-La-Da, Dear Prudence, Mother Nature’s Song, … ) wurden scheinbar in Rishikesh geschrieben. Doch lange hielten es die Pilzköpfe nicht mit ihrem Guru aus. Ringo Star reiste bereits nach 10 Tagen ab, weil er scheinbar das scharfe Essen nicht vertrug und seine Frau schreckliche Angst vor Insekten hatte. Paul Mc Cartney verliess den Ashram nach einem Monat und John Lennon und George Harrison nach sechs Wochen. Es kam zu grossen Unstimmigkeiten mit dem Guru. Zum endgültigen Bruch kam es, als Maharishi Mahesh Yogi 25 Prozent der Einnahmen des nächsten Albums für sich beanspruchte. Einige Jahre nach dem Besuch der Beatles gab Maharishi den Ashram auf. Lange Jahre war das Gelände des Ashrams, das im Tigerreservat Rajaji liegt, für Besucher nicht zugänglich. Dies hielt jedoch einige Musikfans nicht davon ab über die Mauer zu klettern oder den Watchman zu bestechen um das Gelände trotzdem zu besichtigen. Im Inneren haben sich viele Fans mit tollen Graffitis und Liedtexten verewigt. Heute ist das Gelände als eine Art „Beatles-Pilgerstätte“ wieder offiziell geöffnet. Gegen ein Eintrittsgeld von 600 Rupees für Ausländer und 150 Rupees für indische Staatsangehörige kann man das Gelände besuchen.

Viele reiche Inder besitzen in Rishikesh Ferienhäuser und -apartments. Durch die gut zahlende, anspruchsvolle und oft westlich orientierte Kundschaft hat der Adventure-Tourismus einen grossen Schub bekommen. Überall sieht man Angebote für River Rafting, Rock Climbing, Kayaking oder auch für Trekkingtouren in den Himalaya.

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*Erklärung Neelakantha Mandir: der Neelakanth Mahadew Tempel ist Lord Shiva gewidmet. Er liegt rund 32 km von Rishikesh entfernt auf einer Höhe von 1330 m.ü.M. Man erreicht den Tempel nach einer 3-4 stündigen Wanderung durch den Dschungel. In der hinduistischer Mythologie wird erzählt, dass Lord Shiva hier das Gift Halahala getrunken hat, das beim Aufquirlen des Milchozeans entstand. Er schluckte es jedoch nicht ganz herunter und hielt es im Hals zurück. So wird Shiva auch Neelakantha (Blauhals) genannt.

Haridwar – Baden im heiligen Ganges

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Von einer Reise nach Haridwar, einer wichtigen Pilgerstadt am heiligen Ganges, träumt jeder gläubige Hindu. In dieser Stadt dreht sich alles um Religion, Tempel, Poojas und natürlich um das rituelle Bad im heiligen Fluss.

Wir besuchten Haridwar während eines Tagesausfluges von Mussoorie aus. Nach den relaxten Tagen auf der Hillstation kam mir Haridwar wie ein riesiger Ameisenhaufen aus Menschen vor. Was für ein Gewusel und Gewimmel von Menschen! Ich konnte einfach nur staunen. Dabei waren während der Mittagszeit wohl verhältnismässig wenige Menschen hier.

Wo es viele Pilger hinzieht, sind natürlich auch die Bettler und Geschäftemacher nicht weit entfernt. Natürlich fiel ich zwischen all den indischen Pilgern auf wie ein bunter Hund und dementsprechend oft wurden wir auch angebettelt. Normalerweise sind wir eigentlich grosszügig und geben einen 5er oder 10er, wenn alte Menschen betteln. Hätten wir jedoch angefangen unser weniges Kleingeld zu verteilen, hätte es kein Ende gegeben. So beschlossen wir 20 Bettlern ein Mittagessen zu bezahlen. Das Menu war bereits gekocht und die Bettler schnell zu Stelle, so dass Prabhu nochmals für 10 nachzahlte.

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Auch die Grösse und Breite des Ganges hat mich sehr beeindruckt. Ich glaube kaum, dass ich je zuvor so einen breiten Fluss gesehen habe.

Das Har-ki-Pauri Ghat war voller Menschen. Während wir nur unsere Füsse im heiligen Fluss wuschen, nahmen die meisten Pilger ein rituelles Vollbad. Doch der Ganges ist nicht einfach so ein nettes Flüsschen zum kurz Reinspringen, starke Strömungen machen dieses Unterfangen gar nicht so einfach. Daher hat es überall Metalketten, wo sich die Pilger festhalten können. Als ich genauer hinsah, entdeckte ich unter der Brücke etwas flussabwärts überall Ketten zum Festhalten, scheinbar ist der eine oder andere Pilger auch schon von der Strömung mitgerissen worden. Da die meisten Inder nicht schwimmen können, scheint es mir gar nicht so ungefährlich.

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Doch nicht nur die Muttergöttin Ganga, wie der Ganges in Indien genannt wird, macht Haridwar für Pilger so bedeutsam. Man glaubt auch, dass in Haridwar ein Tropfen Amrit, Nektar der Unsterblichkeit auf die Erde fiel.

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Der Legende nach rührten die Devas (Götter) und die Asuras (Dämonen) mit Hilfe der Schlange Vasuki den Milchozean auf, um den Nektar der Unsterblichkeit zu gewinnen. Dhanvantari, eine Inkarnation von Lord Vishnu, trug den Nektar in einem runden Krug aus dem Milchozean. Doch die Götter und die Dämonen gerieten darauf in einen heftigen Streit und so fielen vier Tropfen des Amrits auf die Erde. Allahabad, Haridwar, Ujjain und Nashik sind aus diesem Grund ganz besondere Pilgerstädte. Zu ganz bestimmten astrologischen Zeiten und Konstellationen, die schon vor langer Zeit berechnet wurden, sollen sich die Tropfen des Amrits manifestieren. Die Pilger glauben, dass an diesen Tagen die Auflösung der Sünden und des Karmas möglich ist.

Diese wichtigen Festtage finden an der Kumbh Mela, dem Krug-Fest statt. Die Kumbh Mela gilt als das grösste religiöse Fest im Hinduismus und auf der ganzen Welt. Die vier Städte wechseln sich bei der Ausrichtung des Festes ab. Es gibt 5 verschiedene Arten der Kumbh Mela und sie finden in einem 3-, 6-, und 12-Jahresrhythmus statt.

Viele Sadhus, die sonst in Abgeschiedenheit leben, reisen nur für diese Festlichkeiten von weit her an. Neben den rituellen Waschungen sind die oranggekleideten Bettelmönche oder die halb- oder ganz nackten Babas die Hauptattraktion der Kumbh Mela. Doch bei über 3 Millionen Besuchern möchte ich da ehrlich gesagt lieber nicht dabei sein.

Hat man Zeit in Haridwar etwas länger zu bleiben, sollte man unbedingt am Ganga Aarti teilnehmen. Nach Sonnenuntergang kommen viele Priester von allen Tempeln in Haridwar zusammen und lobpreisen die Götter mit Feuer und Blumen. Tausende von Öllichtern erhellen die Nacht und die Priester schwenken und kreisen mit ihren Öllampen. Auch die religiösen Gesänge, die Bhajans erklingen und viele legen als Dank und Ehrerbietung Blumen in den heiligen Fluss.

Mehr Informationen über den heiligen Ganges findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Mussoorie – Hillstation in Uttarakhand

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Egal ob im Süden oder Norden Indiens, wenn es in die Höhe geht, fühle ich mich einfach wohl. Wahrscheinlich hat mich das schweizerische Klima doch mehr geprägt als ich vermutet hätte.

Die Hillstations in Indien erinnern mich immer an meine alte Heimat. Plötzlich kenne ich wieder viele Pflanzen und natürlich schwelge ich auf Wolke 7 bei den vielen Shades of Green :-)!

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Lebt man in Chennai, weiss man durchaus auch Regenwetter zu schätzen. Die oft regnerischen und bewölkten Tage, die wir in Mussoorie erlebten, verhinderten zwar die Sicht auf die hohen, schneebedeckten Berge des Himalayas, aber wir haben unsere Zeit trotzdem sehr genossen.

Mussoorie gehört zum Bundesstaat Uttarakhand und ist 34 km von Dehradun entfernt. Die kleine touristische Stadt liegt rund 1920 Meter über Meer und es kann schon mal recht kühl werden. Die Strassenhunde sind einiges grösser und haben ein viel dichteres Fell als bei uns in Chennai. Wunderschöne Hunde! Diesen süssen Spatz hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen.

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Der berühmte Schriftsteller Ruskin Bond lebt in Musoorie. Sein Buch „Roads to Musoorie“ ist eigentlich ein Muss, wenn man in der Stadt weilt und ich fand es durchaus lesenswert. Mit viel Liebe, Humor und Tiefgang erzählt Bond von seinen langen Jahren in Musoorie.

Anita Nair, eine indische Autorin,  beschreibt es auf dem hinteren Buchdeckel folgendermassen:

„With a chuckle built into every line, Ruskin Bond’s Roads to Mussoorie is both droll and wicked, thoughtful and tender: A little gem of a looking-over-the -shoulder account of  a lifetime…“

In der kleinen, netten Buchhandlung gibt es natürlich alle Bücher von ihm zu kaufen und ab und an ist der berühmte Autor selbst dort anzutreffen und signiert seine Bücher. Obwohl wir immer wieder in die Buchhandlung gingen, um Lese-Nachschub für Suriyan zu besorgen (er war damals ein eifriger Leser der Geronimo Stilton Bücher), haben wir Ruskin Bond leider nicht angetroffen.

Wir waren in der Stadt nur zu Fuss unterwegs. Es geht schon etwas rauf und runter, aber das Tolle ist, das die Flaniermeile autofrei ist. Ohne Gehupe und Strassenlärm kann man durch die Strassen schlendern und in gemütlichen Cafés verweilen. Unser Lieblingscafé wurde das Chick Chocolate. Dort verbrachten wir während es draussen regnete viele angenehme Stunden mit leckerem Essen und unseren Büchern.

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Da mein Liebster aus Chennai kommt, ist für ihn die südindische Küche nicht zu übertreffen. Wer gerne Idly, Dosai, Puri, Vadai, Sambar und Rasam mag, der ist im Restaurant Udupi bestens aufgehoben.

Viele Fahrradrikschas bieten in Mussoorie ihre Dienste an. Als wir die armen Männer mit Gepäck und ganzen indischen Familien die Steigung raufstrampeln sahen, da beschlossen wir sofort einstimmig, auf diese Dienstleistung zu verzichten.

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Mit einer Seilbahn kann man auf den Gun Hill fahren, scheinbar hätte man von dort aus eine ganz tolle Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel des Himalayas. Da es jedoch bewölkt war und ich die Technik und Wartung der Seilbahn in Frage stellte, liessen wir es bleiben. Der Wunsch nach schweizerischer Perfektion lässt wieder mal grüssen!

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Fährt man mit einem Auto etwas raus aus der Stadt und erkundet die Umgebung, dann hat man schnell Natur pur. Kiefern, Tannen und Zedern säumen die Strassen und man hat fast das Gefühl als wäre man in der Schweiz.

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