Mein Leben mit der Corona-Situation in Indien – 23. Juli 2020

Das Coronavirus hat unser aller Leben mehr oder weniger durcheinandergebracht. In Tamil Nadu hat die Regierung bereits am 15. März einen strikten Lockdown durchgesetzt. Seitdem sind wir im Lockdown. Manchmal etwas lockerer und manchmal etwas strenger. Die Schulen sind immer noch geschlossen und unser Sohn hat nun das Schuljahr online begonnen.

Die Covid-19-Fälle steigen in Indien zur Zeit täglich um etwa 40‘000 Fälle und überschreiten inzwischen längst die Millionengrenze. Tamil Nadu liegt in Indien mit seinen Fallzahlen nach Maharashtra schon länger auf Platz 2. Weltweit gesehen liegt Indien nach den USA und Brasilien auf Platz 3. Olympisch gesehen wären dies endlich mal gute Ränge! Einigen Experten zufolge hat Indien sogar die besten Aussichten auf die Corona-Goldmedaille.

Die Situation setzt mir persönlich immer mehr zu. Als letzte Woche noch gesundheitliche Beschwerden dazu kamen, fand ich es ganz schwierig. Ich war nur noch schlecht gelaunt und bei jeder Kleinigkeit reagierte ich ärgerlich. Ich gehe wirklich nur zum Arzt, wenn es nicht anders geht. Nach einigen Tagen mit Schmerzen war ich widerwillig bereit unsere Ärztin aufzusuchen. Doch wegen dem Coronavirus arbeitet sie nicht mehr in der Klinik und die Notfallaufnahme wollte ich vermeiden. Gottlob hat mein Mann ihre Privatnummer. Schließlich verschrieb sie mir nach einem telefonischen Gespräch für 3 Tage Medikamente und wäre netterweise auch bereit gewesen mich privat zu treffen. Wir verblieben dabei, dass ich es vorerst mit den Tabletten versuchen würde. Ohne die Tabletten zu googeln, schluckte ich sie und tatsächlich ging es mir besser. Es ist noch nicht ganz okay, aber viel besser.

In einer Spezialsendung zum Thema „Corona – back to the new normal“ sprach ein Arzt vom Entstressen. Man solle Yoga machen und meditieren. Viele seien gestresst und scheinbar gehöre nun auch ich zu dieser Gruppe. Meine Blumenmeditation macht mich tatsächlich ruhiger.

Auch meine täglichen 10‘000 Schritte, die ich in unzähligen Runden auf unserer Dachterrasse ablaufe, sorgen nach über 10 Wochen für einen Ausgleich, für eine gewisse Balance. Ich habe meinen Newskonsum massiv eingeschränkt. Dauernd diese negativen Meldungen zu hören, hat mich zunehmend deprimiert.

Gestern machten wir einen kleinen Ausflug mit dem Auto. Unsere Hunde machten etwas erstaunte Gesichter, als wir alle gemeinsam das Haus verliessen. „Was soll das jetzt? Ihr könnt uns doch nicht alleine lassen!“, schienen sie zu sagen. Doch nach so vielen Wochen wollte ich wieder mal das Meer sehen. Der Strand in Besant Nagar war leider immer noch abgesperrt. Wir versuchten es in der Nähe von Akkarai. Auch dort waren alle Zugänge zum Meer blockiert. Eine Blockade jedoch hatte eine Lücke und wir beschlossen, diese zu nutzen.

Wie schön war es, wieder einmal das Meer zu sehen und über den Sand zu gehen. Nur wenige hatten die gleiche Idee und schlenderten gemütlich den Strand entlang oder sahen den Wellen zu. Glücklich badete ich meine Füße in der bengalischen See und knipste mit dem Handy einige Fotos.

Doch als ich mich umdrehte, winkte mir ein Polizist in einer sandfarbenen Uniform harsch zu. Aus dem Nichts war er plötzlich aufgetaucht und waltete seines Amtes. Es war unmissverständlich, dass er alle aufforderte, den Strand zu verlassen. Keine fünf Minuten waren uns vergönnt! Wenigstens klebte noch etwas Sand an meinen Füssen …

Zu Hause angekommen, wartete ein neuer Glücksmoment im Doppelpack auf uns. Wir wurden so freudig und aufgeregt begrüßt, als ob wir ein ganzes Jahr lang weggewesen wären.

Im indischen Lockdown – 10. Juli 2020

Wie die Zeit vergeht! Erst lag der Juli in weiter Ferne und ich war voller Zuversicht, dass dieser Spuk bis dahin ein Ende finden würde. Weit gefehlt. In Indien steigen die Covid-19-Fälle weiter an. Heute Morgen ein neuer Höchstwert von 26‘506 Fällen und 475 Toten in den letzten 24 Stunden. Weltweit steht Indien mittlerweile mit 793‘802 Fällen an 3. Stelle, und bis jetzt sind 21‘604 an Covid-19 gestorben. Einige Experten erwarten den Peak erst im November.

Hier in Chennai sieht es leider auch nicht gut aus. Wir haben täglich immer noch hohe Fallzahlen und Tamil Nadu hat nach Maharashtra am meisten Covid-19-Fälle. Auch in Assam, Westbengalen und vielen andern Bundesstaaten steigen die Zahlen. Karnataka, galt im Kampf gegen Corona lange als Vorzeigebundesstaat, nun auch dort ein massiver Anstieg. Bangalore hat den Lockdown gerade wieder verschärft. Immer mehr spitzt sich auch der Mangel an Ärzten und Pflegepersonal zu. Schockierend der Hilferuf per Video von Dr. Taha Mateen vom HBS Spital in Bangalore: „Ich habe Betten, ich habe Betten mit Sauerstoff- und Beatmungsgeräten, aber keine Ärzte!“ Viele Ärzte sind scheinbar nicht willig zu arbeiten und andere sind erkrankt. So schieben die wenigen, die übrig geblieben sind lange, zu lange Schichten und sind völlig überarbeitet.

Am Montag ist der strikte Lockdown in Chennai wieder etwas gelockert worden. Neben den Lebensmittelgeschäften durften nun auch andere Läden wieder öffnen. Auf den Straßen ist wieder Leben eingekehrt.

Die meisten sind mit Masken unterwegs, viele halten die Abstände jedoch nicht ein. „Mit der Maske bin ich geschützt und mir kann nichts passieren“, scheinen viele zu denken. Regelmäßig kommen nun Angestellte der Regierung unangemeldet bei uns zu Hause vorbei, um Fieber zu messen. Alle müssen zur Fieberkontrolle antraben und ich bin immer erleichtert, wenn wir alle fieberfrei sind.

Die Schule unseres Sohnes wird Mitte Juli das Schuljahr online beginnen. Wann wird wohl wieder normaler Unterricht stattfinden? Mein Sohn und ich haben eine Wette laufen. Optimistisch habe ich auf November getippt – mein Sohn eher realistisch auf Januar 2021!

Wenn ich dran denke, dass wir nun fast vier Monate zu Hause sitzen, wird mir ganz anders. Ein Drittel des Jahres! Und es scheint noch kein Ende in Sicht.

Die indische Regierung hat bezüglich Schule nun auch reagiert. Der CBSE-Lehrplan (Central Board of Secondary Education) wurde für die Klassen 9 bis 12 um 30 % reduziert. Dies wird die Schulen und Lehrkräfte vor ein Dilemma stellen. Die Konzepte sollten nämlich trotzdem gelehrt, aber im kommenden Jahr nicht geprüft werden. Unser Sohn geht in eine internationale Schule mit dem Cambridge-Lehrplan (IGCSE). Ob auch da Anpassungen und Reduktionen vorgesehen sind?

Ein grosses Thema ist momentan auch die geplante Ausschaffung aller ausländischen Studenten aus den USA. Viele indische Studenten würden so ihre Studentenvisa und somit ihre Aufenthaltsbewilligungen in den Staaten verlieren.

Der schreckliche Fall von Jayaraj und seinem Sohn Fenix, die im Juni von der Polizei zu Tode geprügelt wurden, hat in ganz Indien hohe Wellen geworfen. Die Behörden haben schnell reagiert. Inzwischen steht die Mordanklage und 10 Polizisten wurden festgenommen. Eine Polizistin, die in dieser Nacht Dienst hatte, hat unter grosser Angst schließlich ausgesagt, dass Jayaraj und Fenix die ganze Nacht mit Schlagstöcken misshandelt wurden. Das Personal der gesamten Polizeistation wurde ausgewechselt.

Etwas Positives zum Schluss? Na ja, es wird wieder Cricket gespielt, aber wie beim Fußball ohne Publikum. Mein Mann findet dies toll, ich weniger 😉!

Im indischen Lockdown – 30. Juni 2020

Seit dem 19. Juni stehen wir in Chennai wieder unter einem strikten Lockdown. Trotzdem steigen die Covid-19-Fälle weiterhin an. „Highest spike in a day, single biggest spike, …“, ich mag es kaum noch hören.

Heute Morgen liegen die offiziellen Fallzahlen Indiens bei 548‘318 mit 16‘475 Todesfällen. Wie hoch die Zahlen wirklich sind, kann man nur vermuten.

In den letzten 24 Stunden zählte Tamil Nadu 3949 neue Fälle und hat nun 86‘224 Covid-19-Fälle. Gestern folgte die Nachricht, dass der strikte Lockdown in Chennai, Madurai und einigen anderen Distrikten mindestens bis am 5. Juli verlängert wird.

Mein Mann hatte am 2. Juli einen Eintrag auf dem Grundbuchamt geplant, der nun erneut ins Wasser fällt. Seinen Kunden ist wichtig, dass der Eintrag nach Neumond stattfindet, der Mond sollte zunehmend sein. Doch leider richtet sich der Erdtrabant nicht nach unserem strikten Lockdown.

Auch Mumbai und einige andere Bundesstaaten ziehen mit und heben die Lockerungen teilweise wieder auf und wollen wieder zu einem strikten Lockdown zurückkehren. Der Lockdown bedeutet für viele keine Arbeit und vor allem kein Einkommen. Die Pandemie fordert auch im strikten Lockdown seine Opfer und diese leiden in erster Linie nicht an Covid-19.

Hier in Chennai rückt das Virus definitiv näher. Immer mehr vernimmt man durch Freunde und Bekannte von Covid-19-Fällen. Der Fahrer einer Bekannten ist an Covid-19 gestorben, ein Angestellter einer anderen Kollegin liegt mit Beatmungsgerät auf der Intensivstation. Im Gebäude meiner Freundin R. ist ein junger Mann asymptomatisch erkrankt und nun wurde der ganze Gebäudekomplex als Covid-Hotspot erklärt und mit einem Poster gekennzeichnet.

Justice for Jayaraj and Fenix

Diese Tage erschüttert mich jedoch eine Nachricht, die mit Corona eigentlich nichts zu tun hat. Jayaraj und sein Sohn Fenix führten ein kleines Geschäft für Mobilphones in Thoothukudi (Tamil Nadu). Am Abend des 19. Juni gerieten sie an die Polizei, da sie ihren Laden wegen dem Lockdown nicht rechtzeitig geschlossen hatten. Sie wurden auf den nächsten Polizeiposten gebracht. Drei Tage später, am 23. Juni, wurde die Familie darüber in Kenntnis gesetzt, dass die beiden im Kovilpatti Government Spital gestorben sind. Diagnose: Herzversagen und Fieber!

Die Verletzungen der beiden Verstorbenen sprechen jedoch für sich:

  • Ihre Knie waren komplett zerschlagen.
  • Ihre Gesichter wurden gegen eine Wand geschlagen.
  • Ihre nackten Körper waren von Blessuren und Wunden übersäet.
  • Auch Schläge an ihren Genitalien waren sichtbar.
  • Dreimal wurde von der Familie Ersatzwäsche verlangt.

Die unvorstellbaren Qualen und Schmerzen, die die beiden erlitten, können wir uns wohl nicht annähernd vorstellen. Wahrscheinlich ist dies der schlimmste Vorfall von Polizeigewalt und Brutalität in diesem Lockdown. Erschütternd! Im ganzen Land macht sich Empörung und Entsetzen breit. Einige involvierte Polizisten wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren.

Hoffen wir, dass gegen die Polizisten gerechte Strafen gefällt werden. #Justice for Jayaraj and Fenix!

Spannungen mit China

Die Spannungen mit China nehmen weiter zu. Gestern Abend meldete das Ministerium für Information und Technologie, dass Indien 59 chinesische Apps ab sofort verbietet. Darunter auch die berühmte Videoapp Tiktok.

Heute Morgen berichten die indischen News darüber, dass China 423 Meter in indisches Territorium eingedrungen sei.

Black lives matter

Aus einem indischen Schulbuch aus den 80er Jahren

Die Black-lives-matter-Kampagne hat auch in Indien etwas bewirkt. In Indien gilt weiße oder möglichst helle Haut als Schönheitsideal. Aufhellende Kosmetikprodukte wie „Fair and Lovely“ finden bei Frauen und auch bei Männern Anklang. Die indische Filmindustrie unterstützt dieses Denken im großen Stil. Die Schönen und Guten strahlen hellhäutig von der Kinoleinwand, und die Bösewichte sind oft möglichst dunkelhäutig.

Heiratswillige junge Frauen und Männer werden bei der riesigen, indischen Partnervermittlungsplattform Shaadi.com aufgefordert, ihre Hautfarbe anzugeben. Hetal Lakhani, eine Inderin, die in Texas lebt, hat nun eine Petition ins Leben gerufen, die dieses diskriminierende Vorgehen stoppen will. Große Unterstützung erfährt Lakhani unter anderem von Bollywood-Schauspielerinnen.

Durch den Tod von George Floyd wird das Thema Rassismus weltweit wieder diskutiert. Es wird nun darüber nachgedacht und debattiert, ob die Aussage „Fair and lovely“ rassistisch ist. Fair, not lovely? Was machen solche Aussagen mit uns? Wie prägen sie unser Denken?

Ich habe mich schon länger über diese Produkte empört, aber für die indische Gesellschaft war dies lange Zeit nie wirklich ein Thema. Dies hat sich nun geändert. Die großen Kosmetikfirmen wurden zu einem Umdenken bewegt. L’Oreal beispielsweise will zukünftig auf Wörter wie white-whitening, fair-fairness, light-lightning von all ihren Hautprodukten entfernen. Die Produkte „Fair and lovely“ soll es zwar weiterhin geben, aber das Wort „fair“ soll definitiv von den Verpackungen verschwinden.

Johnson & Johnson geht sogar noch einen Schritt weiter und will zwei aufhellende Produkte vom asiatischen Markt nehmen. „This was never our intension. Healthy skin is beautiful skin!“

Es geht in kleinen Schritten vorwärts …

Back to Lockdown 1.0

Die Covid-19-Fälle in Indien steigen weiterhin rasant an. Fast täglich werden neue Spitzenwerte erreicht. Am schlimmsten trifft es die drei großen Metropolen Mumbai, Delhi und Chennai. Heute Morgen wurden für ganz Indien folgende Zahlen bekannt gegeben:

13‘586 neue Fälle, 380‘532 Fälle, bisher 12‘573 Tote

Ich vermute, dass die Zahlen um einiges höher liegen. Indien hat zwar die Testkapazitäten massiv gesteigert, aber diese reichen immer noch nicht aus.

Ab heute sind wir in Chennai und drei weiteren Distrikten in Tamil Nadu bis am 30. Juni wieder im Lockdown. Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen sind von 6.00 bis 14.00 geöffnet. Der Verkauf von Fleisch ist während des Lockdowns verboten, was uns als Vegetarier nicht betrifft. An den beiden Sonntagen wird ein kompletter Lockdown durchgesetzt werden. Sonntags dürfen nur die Milkshops offenbleiben. In Containment Zones, Zonen mit vielen Covid-19-Fällen, sind auch die Lebensmittelgeschäfte geschlossen und die Leute bekommen das Notwendigste an die Tür geliefert.

Für uns ändert sich dadurch eigentlich nichts. Wir gehen seit 3 Monaten nur für die notwendigsten Dinge nach draußen, ansonsten sind wir zu Hause. Ich hoffe, dass die 12 kommenden Tage die Corona-Ansteckungen tatsächlich bremsen werden. Wird der Lockdown in Chennai von Erfolg gekrönt, dann werden Mumbai und Delhi mit grosser Sicherheit nachziehen.

Gestern habe ich uns noch mit Lebensmittel eingedeckt und war im großen Supermarkt Spencer‘s, der wegen Corona für zwei Wochen gesperrt war. Nach Handdesinfektion und Temperatur messen, konnte ich den Laden betreten. Ich war positiv überrascht über die gut gefüllten Regale. Auch die Non-Food-Abteilungen waren wieder frei zugänglich. In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Engpässen bei bestimmten Produkten.

Einkaufen ist definitiv anstrengender geworden. Ich versuche, möglichst wenig anzufassen, und alle Dinge wasche ich zu Hause gründlich mit warmem Wasser ab. Auch unsere Smartphones, Schlüssel und Türklinken desinfiziere ich häufig. Sogar den Hunden wasche ich nun nach jeder Runde die Pfoten. Manchmal denke ich selbst, dass dies wohl etwas übertrieben ist. Aber die Krankenhausbetten werden knapp und es hat zu wenig Ärzte und Pflegepersonal. Die Vorstellung, ernsthaft krank zu werden, macht langsam Angst. Das Gesundheitssystem in Indien kann diese Pandemie eindeutig nicht stemmen.

In Kashmir und Ladakh kommt es immer wieder zu Spannungen. In Pampore, Kashmir wurden gestern 8 Terroristen, die sich in einer Moschee verschanzt hatten, getötet.

Die schlimmen Vorfälle in der Grenzzone zwischen Indien und China in Ladakh sind immer noch Thema in den indischen Nachrichten. Die 20 getöteten Soldaten wurden mit allen Ehren bestattet. Beide Regierungen machen sich gegenseitig Schuldvorwürfe. China hält sich immer noch bedeckt darüber, wie viele chinesische Soldaten ums Leben gekommen sind. Die Regierung Indiens reagiert sofort mit der Aufforderung, chinesische Produkte zu meiden.

Wenigstens sind sich beide Seiten einig, dass diplomatisch verantwortungsvolle Lösungen gesucht werden müssen.

Covid-19-Koller und Zitronenstreit

Seit meinem letzten Blogartikel war ich nicht mehr draußen. Langsam, aber sicher setzt mir das ewige zu Hause bleiben zu, und die täglichen Nachrichten deprimieren mich zunehmend.

Die Fallzahlen steigen weiterhin an und fast jeden Tag werden neue Spitzenwerte gemeldet. In Mumbai und Delhi sind die Spitalbetten knapp, und es werden Notfallpläne ausgearbeitet.

Indien steht in der weltweiten Pandemie mit 308‘993 Covid-19-Fällen nun an 4. Stelle. Heute Morgen habe ich wieder mal die Nachrichten geschaut. 11‘458 neue Fälle in ganz Indien und bisher 8884 Tote. In Tamil Nadu haben wir 42‘687 Fälle davon 30‘444 in Chennai. 1989 Fälle wurden in Tamil Nadu in den letzten 24 Stunden gemeldet.

Nachdem Indien und China lange diplomatische Verhandlungen über die Grenzzone in Ladakh geführt haben, wurde scheinbar ein friedlicher Konsens gefunden. Doch kaum ein Disput beigelegt, folgt bereits der nächste. Nepal erhebt Ansprüche auf indisches Territorium. Indien blockt diese kurz und bündig ab und meint nur, dies sei historisch nicht zu begründen.

Ich hingegen streite mich heute Morgen mit meinem Schwiegervater, ob die drei Limetten, die ich auspressen soll, noch gut sind. Ich bin ja nicht pingelig, aber diese bereits braunen Limetten sind wirklich verdorben. (Ein Beweisfoto zu schießen, habe ich mich dann jedoch nicht getraut.) Mein Schwiegervater schnaubt ärgerlich und meint, dass wir ja nur den Saft brauchen. Seiner Meinung nach bin ich sowieso eine Verschwenderin. Schließlich schneide ich die Limetten auf und lasse ihn daran riechen. Tatsächlich gibt er darauf klein bei und klaubt zwei gelbe, frische Limetten aus dem Kühlschrank und überreicht sie mir. 1:0 for Switzerland!

Die verdorbenen Limetten hingegen stellt er auf die Seite und schmeißt sie nicht in den Abfalleimer. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, denke ich für mich.

Ich presse den Saft aus. Nach indischer Weise drehe ich die Schale um, sodass ja kein Tropfen verloren geht und lege die Schalen zur Seite.

Wieder wird mein Schwiegervater ärgerlich und meint, ich müsste die Schalen noch in Wasser auspressen, dieses Wasser könne man auch noch brauchen …

Schweizerisches Verschwendertum gegen indische Sparsamkeit!

Ich würde mich selbst ja auch nicht als verschwenderisch bezeichnen und habe mich hier in vielen Dingen sehr angepasst, aber gegen meine Schwiegereltern komme ich definitiv nicht an. Da wird jeder Paisa zweimal umgedreht und jeder Milchbeutel zweimal mit Wasser ausgewaschen, um ja keinen Tropfen Milch zu verschwenden. Gottlob ist mein Göttergatte in diesen Dingen großzügiger, ansonsten hätte ich wohl schon lange das Weite gesucht.

Nun hoffe ich, dass meinem Mann das Zitronen-Ingwer-Rasam* auch schmeckt. Ich jedenfalls werde es nicht kosten – ich mag kein Rasam.

*Rasam ist eine scharfe Pfeffersauce, die hier in Tamil Nadu zum Mittagessen stets dazugehört.

Im indischen Lockdown- Tag 32

Das Coronavirus beherrscht unser Leben. Da in Tamil Nadu der Lockdown schon früher durchgesetzt wurde, sind wir fast seit 6 Wochen zu Hause.

Zwischendurch nehme ich bewusst Abstand von all den Corona-News, doch das Virus holt einem immer wieder ein. Unsere Papiermasken mussten wir endgültig entsorgen, so habe ich selbst einige Stoffmasken genäht. Masken sind nun Pflicht, wenn man nach draußen geht.

Gestern war ich zum dritten Mal im Supermarkt. Wir haben nun Temperaturen über 35 Grad und mit Maske und Sonnenbrille gerüstet, kommt es mir jeweils vor, als ob ich eine kleine Mini-Sauna oder ein Dampfbad vor dem Gesicht hätte. Die Läden haben von 6 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Nicht alles ist immer verfügbar. Während es das letzte Mal keine Eier gab, konnte ich gestern wieder einmal meine „Ökoeier“ kaufen. So habe ich mit vier Schachteln à 6 Eier zugeschlagen.

Auf dem Rückweg entdecke ich plötzlich „Hunde-Thaatha“ (Hunde-Großvater) auf dem Fahrrad. So nenne ich den alten Mann, der immer mit dem Fahrrad durch die Straßen fährt und die Straßenhunde füttert. Die Hunde lieben ihn, erkennen ihn schon von Weiten und freuen sich natürlich riesig, wenn sie einen Leckerbissen abbekommen. Wir verfolgen ihn mit unserem Auto, danken ihm für sein Engagement und geben ihm einen 500er. Ich mache ihn auch noch auf die abgemagerte Hündin mit den zwei Welpen aufmerksam, die ich neulich auf meiner Runde entdeckt habe. Er werde sich darum kümmern, verspricht er mir.

Um 14 Uhr, natürlich nach meinem Einkauf, kam die Nachricht, dass der Lockdown in Chennai und vier anderen Städten in Tamil Nadu verschärft wird. Ab Sonntag früh wird in Chennai für vier Tage dichtgemacht, auch die Lebensmittel-Läden. Nur Apotheken und Spitäler bleiben geöffnet. So kam es heute Morgen zu Hamsterkäufen. Prabhu wollte Milch und Gemüse kaufen und kam mit leeren Taschen zurück. Die Milch war seit 7 Uhr ausverkauft und in jedem kleinen Geschäft waren rund 50 Leute. „Social Distancing“ ging dabei natürlich vergessen. Was ein solcher strikter Lockdown nun bringen soll, ist mir rätselhaft.

Die Schule unseres Sohnes wird voraussichtlich aufs neue Schuljahr Mitte Juli wieder öffnen. Im Moment bietet die Schule bis zu den Sommerferien im Mai noch diverse Online-Kurse an.

So bleiben wir brav zu Hause, denn eine andere Möglichkeit steht nicht zur Wahl.

Stay home – stay safe!

Lockdown in India – Tag 10

Heute ist bereits der 10. Tag des großen Lockdowns. Obwohl uns zu Hause manchmal die Decke auf den Kopf drückt, geht es uns allen gut.

Unser Sohn ist mit der Online-Schule beschäftigt und schreibt nächste Woche mit einem Vertrauensvertrag seine Schuljahresprüfungen. Ich bin schon seit fast drei Wochen nicht mehr draußen gewesen. Mein Mann ist der Einzige, der ab und zu einkaufen geht, um uns mit dem Nötigsten zu versorgen. Seit Tagen versuche ich erfolglos, ein Zeitfenster für eine Online-Bestellung bei Big Basket zu ergattern. Abends bringe ich kurz den Müll zum Container und drehe mit den Hunden eine kleine Runde. So still und leer habe ich unser Quartier noch nie erlebt.Einerseits ist die Stille wohltuend und entspannend, andererseits fühlt es sich doch sehr fremd an, wenn ich ohne jemanden zu treffen eine Runde drehen kann.

Während meine Freundinnen über WhatsApp jammern, weil sie plötzlich selber putzen und kochen müssen, hat sich für mich nicht viel verändert. Manchmal hat es auch Vorteile, wenn man ohne „Staff“ auskommt. Nur die Bügelwäsche durfte ich nach vielen bügelfreien Jahren wieder mal selbst von den Falten befreien. Wenn die Sonne untergeht, drehe ich auf unserer Dachterrasse eine halbe Stunde meine Runden. Das finde ich immer sehr amüsant, da auf allen Dächern rundum viele Gleichgesinnte zu sehen sind.

Die News besorgen mich zunehmend. Manchmal halte ich die Bilder, die auf den indischen News-Kanälen rund um die Uhr gesendet werden, kaum aus und muss etwas Abstand nehmen. In den letzten Tagen hat sich die Zahl der registrierten Fälle verdoppelt. Heute Morgen wurden 2069 aktive Fälle und 53 Tote gemeldet.

Auch in das größte Slum Indiens (Dharavi, Mumbai) hat das Virus bereits seinen Weg gefunden. Die Pandemie dort einzudämmen, stellt die Behörden vor das schier Unmögliche. Durchschnittlich leben in Dharavi 5 Personen in einem Raum und 70 Prozent sind auf öffentliche Toiletten angewiesen. Wie soll man da „Social Distancing“ praktizieren? Immer mehr wird mir bewusst, dass die Einhaltung des Lockdowns unter menschenwürdigen Bedingungen ein reiner Luxus ist.

Unter die Haut gehen mir auch die Bilder der Wanderarbeiter, die zu Tausenden versucht haben, ihre Heimatdörfer zu Fuß zu erreichen. Grade heute kam die Nachricht eines jungen Mannes aus Tamil Nadu, der nach 500 Kilometer Fußmarsch kollabierte und verstarb. Viele wurden aufgehalten, wie Ungeziefer mit Desinfektionsmittel besprüht und in Camps zur Quarantäne festgesetzt. Die Regierung versucht das Möglichste, um zu unterstützen und zu helfen, aber auch da sind die Ressourcen knapp, und es mangelt es an Vielem.

Erschüttert haben mich auch die Bilder und Videos von Angriffen auf Ärzte und Gesundheitsmitarbeiter. In einem Quartier in Indore wurde medizinisches Personal angegriffen und mit Steinen beworfen. „Ärzte sind wie Gott“, hat der Premierminister Modi gesagt, aber die Realität sieht anders aus. Bereits sind 50 Ärzte selbst am Virus erkrankt. Es fehlt am nötigen Equipment. Ärzte werden jetzt vermehrt durch die Polizei begleitet.

Durch diese Vorfälle wurden jetzt auch deftige Gefängnisstrafen ausgesprochen. Wer gegen den Lockout verstößt, kann bis zu einem Jahr Gefängnis bekommen. Werden Menschen gefährdet sogar bis zu zwei Jahren. Ob diese Abschreckung zum Erfolg führt?

Heute um 9 Uhr wurde ein Video von Premierminister Modi ausgestrahlt. Er dankt allen für das Respektieren und Einhalten des Lockdowns. Die Leute hätten Disziplin gezeigt und Indien würde geeint gegen das Coronavirus kämpfen. „India has set an example for others to follow“ und „You are not allone!“, hört man immer wieder. Das Einschwören auf das vereinte Indien gegen das böse Coronavirus hat für mich einen schalen Nachgeschmack.

Modi setzt auf die heilige Zahl 9, die im Hinduismus sehr bedeutsam ist. Er fordert die Menschen dazu auf am Sonntag, 5.4. (auch die Quersumme 9) um 9 Uhr abends Öllichter und Kerzen rauszustellen und das elektrische Licht für neun Minuten zu löschen.

United India!

Hochzeitseinladung

Gestern wurden wir offiziell zur Hochzeit eingeladen. Dhanush, unser Angestellter heiratet Mitte März.

Mit seiner Mutter und mit Periamma und Periappa kam er zu uns nach Hause, um die Einladung persönlich zu überreichen. In Tamil und vielen andern indischen Sprachen gibt es viel genauere und differenzierte Bezeichnungen für die Verwandtschaftsgrade. Periappa bedeutet auf Tamil „grosser Vater“, er ist der ältere Bruder des Vaters. Periamma ist die Frau von Periappa.

Mit einer Metallplatte gefüllt mit verschiedenen Früchten, Blumen und Süßigkeiten überreichten sie uns förmlich die Einladung. Auch ein kleines Töpfchen mit dem roten Kumkum-Pulver darf nicht fehlen. Dies wird nur der verheirateten Hausherrin dargeboten, die mit der Fingerspitze etwas aus dem Töpfchen nimmt und sich einen Punkt auf die Stirn setzt. Es ist eine Segnung, die den Hausherrn immer einschließt und ihm ein langes und gesundes Leben bescheren soll.

Auf der Hochzeitseinladung ist immer ein Bild von Lord Ganesha. Er ist der Überwinder aller Hindernisse und wird daher bei jedem Neubeginn um Hilfe gebeten.

Für die Eltern von Braut und Bräutigam ist die Ausrichtung einer Hochzeit purer Stress. Neben der Organisation des Festes müssen Verwandte und wichtige Bezugspersonen persönlich eingeladen werden. Näheren Verwandten sollte man auch noch neue Kleider kaufen oder das Geld dafür übergeben. Dazu kommen immer Früchte und Süßigkeiten. Da man auf den ersten Blick erkennt, wie viel die Einladenden ungefähr ausgegeben haben, ist dies grade bei schwierigen familiären Situationen immer eine Gratwanderung. Fühlt sich ein Verwandter durch die Gaben nicht richtig wertgeschätzt, kann dies schon zu Spannungen führen. Solche Einladungen belasten den Geldbeutel zusätzlich und brauchen natürlich auch viel Zeit, muss man doch überall etwas trinken und kurze Zeit verweilen.

Normalerweise trägt die Seite der Braut die Kosten für die Hochzeit. In diesem Fall hat man jedoch beschlossen, sich die Kosten zu teilen, was ich nur richtig finde. Obwohl die Mitgift eigentlich offiziell verboten wurde, ist es immer noch Brauch. Oft wird eine Mitgift von mehreren Jahresgehältern erwartet und so werden leider oft teure Kredite aufgenommen. Doch auch auf der Seite des Bräutigams wird genau hingeschaut und die Vermögensverhältnisse abgeklärt. Mein Mann bekam auch einen Anruf von der Gegenseite, um genauere Auskünfte über D. zu erhalten.

Ich freue mich für Dhanush, dass schließlich alles nach seinen Wünschen geklappt hat und wünsche dem Brautpaar alles Gute.

 

Hampi – einmal groß und nun ganz klein

Kennt ihr die Steintürmchen, die man oft an Fluss- oder Seeufern sehen kann? Als Achtsamkeits- oder Meditationsübungen entstehen kleine Kunstwerke, die richtig ausbalanciert der Schwerkraft trotzen.

Genauso erlebe ich im indischen Karnataka die Landschaft in und um Hampi. Es kommt mir vor als ob die gesamte indische Götterwelt hier mit den vielen Granitfelsen und -steinen gepuzzelt oder liebevoll Meditationstürmchen aufgebaut hätte. Es ist eindrücklich. Immer wieder entdecke ich einzelne Steine, die spektakulär und wie von Geisterhand das Gleichgewicht halten.

Das unscheinbare Dorf Hampi, das heute vorwiegend von der Landwirtschaft und dem Tourismus lebt, war einmal ganz groß. Vijayanagar hieß der Ort damals und war die Hauptstadt eines riesigen, mächtigen Hindu-Reiches. Die vielen zurückgebliebenen Ruinen von Palästen und Tempeln lassen den Glanz und den Wohlstand nur erahnen. An den Basaren wurden damals mit Smaragden, Rubinen, Diamanten, Gold, Gewürzen, kostbaren Stoffen und Pferden gehandelt. Handelsreisende aus aller Welt führte es in die blühende Metropole. Der Höhepunkt der Macht erreichte Vijayanagar unter der Führung des Hindu-Königs Krishnadeva Raya (1509-29). Doch im Jahre 1565 zerfiel das Reich und erlebte trotz großer militärischer Stärke eine katastrophale Niederlage. Der damalige König Rama Raya beging den verhängnisvollen Fehler verfeindete moslemische Reiche gegeneinander auszuspielen. Als Folge schlossen sich die Armeen verschiedener Sultanate zusammen und vernichteten und plünderten die Stadt. Die Zerstörungswut der Sieger machte auch vor heiligen Tempeln und Götterstatuen keinen Halt. Vijayanagar sollte sich von dieser Katastrophe nie wieder erholen.

Übrig geblieben sind rund 3700 Ruinen und Monumente, die auf über 36 Quadratkilometer verstreut sind.

Auch heutzutage gibt es immer wieder Schatzsuchende, die erhoffen in den Überresten Gold und Edelsteine zu finden. Die Ruinen, die zum Unesco Weltkulturerbe gehören, werden nachts von Sicherheitskräften bewacht. Die Anlage ist jedoch so groß und unübersichtlich, dass es immer wieder zu Beschädigungen kommt.

Wer sich für Geschichte und Archäologie interessiert, kommt in Hampi auf seine Kosten. Wir besuchen in zwei Tagen ein paar auserwählte historische Stätten und sind bald übersättigt von Ruinen und Skulpturen.

Sri Virupaksheswaraswamy Tempel

Viele Tempel in Hampi sind nicht mehr aktiv, d. h. es werden keine Gottesdienste mehr durchgeführt. Es fehlen meist auch die Götterstatuen, die restauriert im Museum liegen. Ist ein Tempel bemalt, bedeutet dies, dass er aktiv, in Betrieb ist. So ist es auch mit dem berühmten Virupaksha-Tempel. Geweiht ist der heilige Ort Lord Shiva in seiner Inkarnation als „Herr des Flusses“. Auch die 35-jährige Elefantendame Lakshmi trifft man im Tempel an. Unser Führer preist ihre Intelligenz, denn scheinbar segnet sie die Menschen nur noch für Noten und lässt Münzen links liegen. Tja, die arme Lakshmi! Nun macht der Kapitalismus selbst vor Tieren nicht mehr Halt und der Mahut, der Elefantenführer ist an dieser Entwicklung natürlich gänzlich unschuldig. Ich liebe Elefanten und darum verzichte ich dankend auf eine Segnung.

Auch hier überall flinke Affen
Alte Frauen betteln am Ausgang um Almosen

Vittala Tempel

Von allen Ruinen ist dies wohl der Höhepunkt. Im Hof fällt einem sofort der kunstvollverzierte Prozessionswagen (Ratha) aus Stein ins Auge. Er ist mit dem Abbild von Garuda, dem Adlerwesen geschmückt und repräsentiert das Fahrzeug von Lord Vishnu. Scheinbar konnten die Räder einst sogar gedreht werden.

Der hinduistische Gott Vishnu findet man in der Tempelanlage immer wieder. Bei der Hochzeitshalle sogar in all seinen 10 Inkarnationen.

Sehr gut gefallen uns die Landschaft und der Fluss Tungabhadra. Bei einer Bootsfahrt in einer kleinen „Nussschale“ genießen wir die Stille und beobachten Graureiher, Eisvögel, Kormorane, Bachstelzen und entdecken auch hier auf den Felsen immer wieder Affen.

Den Sonnenuntergang erleben wir auf dem Malyavanta Hill. Auch hier steht ein Tempel. Der Ragunatha-Tempel ist Lord Rama gewidmet. Hier sollen der Legende nach Rama und sein Bruder Lakshmana Unterschlupf vor dem Monsun gefunden haben. Etwas weiter oben ist nochmals ein kleiner Tempel in dem Hanuman, der Affengott verehrt wird.

Neben dem Tempel verdient sich „Hanuman“ beim Posieren einige Rupees.

Wir sind bei Weitem nicht die Einzigen, die hier den Sonnenuntergang genießen.

Die steinige Landschaft mit den vielen Granitfelsen, die grünen Reis- und Bananenfelder und die rote Sonne haben etwas Magisches.

Auf den Spuren Hanumans – der Anjana Parvath Tempel

Die Armee des Affengottes Hanuman ist in Hampi allgegenwärtig. Freche Makaken und Languren lauern überall und klauen blitzschnell, wenn jemand etwas Essbares in der Hand hält oder für einige Sekunden die Tasche aus den Augen lässt. Hampi wird als Kishkindha, das Reich der Affen bereits in dem Epos der Ramayana erwähnt. Hier herrschte der Legende nach einst Hanumans Vater, König Kesari. Hanumans Mutter ist die Göttin Anjana, die nach seiner Geburt beschloss auf der Erde zu bleiben und ein „weltliches“ Leben zu führen. Unweit von Hampi entfernt, liegt auf dem Anjaneyadri Hill der Anjana Parvath Tempel. Als Geburtsstätte von Hanuman wird dieser heilige Ort von vielen Pilgern besucht. 575 Treppenstufen muss man erklimmen, bevor man den kleinen Tempel erreicht. Belohnt wird man von einer atemberaubenden Aussicht.

Auf dem Weg zum Tempel

Oben angekommen!
Auch hier überall freche Affen

Zum Sonnenaufgang oder –untergang lohnt sich der Aufstieg sicherlich noch mehr. Viele Senioren, die in Reisebussen von Rajasthan und Uttar Pradesh anreisten, besuchen mit uns zusammen den Tempel. Gegenseitig und voller Inbrunst motivieren sie sich gegenseitig, indem sie immer wieder Gottesnamen rezitieren. Eine alte Frau erklettert die Treppenstufen auf allen vieren. Das berührt mich sehr.

Enttäuscht beobachte ich in Hampi immer wieder Touristinnen, die doch tatsächlich beabsichtigen, knapp bekleidet in Shorts und Miniröcken heilige Plätze und Tempel zu besuchen. Haben die vor ihrer Reise denn niemals einen Reiseführer aufgeschlagen?

Bouldern auf der Hippie-Island

Als unser Sohn erfährt, dass man in Hampi bouldern, d. h. Felsen hochklettern kann, ist er Feuer und Flamme. So fahren wir am späten Nachmittag zur Hippie-Island. Dort wird professionelles Bouldern mit einem Trainer angeboten.

Auf der Hippie-Insel, am anderen Flussufer, findet man kleine Guesthouses, Restaurants und Shops. Es ist ein kleines Backpacker-Paradies, denn hier sind all die Reisenden mit schmalem Reisebudget. Man ist ungestört unter sich und vielen scheint es so gut zu gefallen, dass sie länger bleiben.

Idyllische Reisfelder auf der Hippie-Island

Nach dem Klettern gönnen wir uns noch einen Drink in einem Restaurant. Während ich, halb auf Kissen liegend, meinen Old Monk schlürfe und ein Stück leckere Pizza esse, schaue ich mich auf der Dachterrasse um. Da wird gekifft, getrommelt, Schach gespielt und die Damen sind so leicht bekleidet, dass auch ich nur staune.

Den Menschen aus Hampi und den umliegenden Dörfern ist dieser Ort schon lange ein Dorn im Auge, und es gibt politische Bestrebungen alles abzureißen. Auf der anderen Flussseite, rund um den Virupaksha-Tempel, wurde vor einigen Jahren radikal eingegriffen. All die Gästehäuser, Läden und Restaurants wurden abgerissen. Die Inhaber mit kleinen Geldbeträgen abgespeist, bekamen etwas Land in den umliegenden Dörfern zugeteilt. Dies wird immer noch als Ungerechtigkeit empfunden und viele kämpfen seither für ihr Auskommen. Auch die leicht bekleideten Frauen und der Hippie-Groove mögen viele nicht. Wie es mit der Hippie-Island weitergeht, ist also etwas ungewiss.

Südindisches Minz-Chutney

Die Vereinigung von frischer Minze, Koriander und Curryblätter in einer Pudina-Chutney ist definitiv ein Geschmackserlebnis. Dominiert wird das Ganze klar von der erfrischenden Minze. Mit ihrem starken Aroma ist sie die Königin, wird aber durch die andern Zutaten ausgeglichen, aufgepeppt und abgerundet. Wenn das Chutney nicht schmecken sollte, kann man versuchen den Geschmack oder die Schärfe mit Joghurt abzumildern.

Zutaten:

  • Ein Bund frische Minze
  • Ein Bund frischer Korianderblätter
  • 5-6 Zweige Curryblätter
  • Eine Handvoll Urad-Dal
  • 5-7 grüne Chilis (ev. Chilis reduzieren, wir kochen in der Regel scharf bis sehr scharf)
  • Ein Stück Ingwer
  • Salz
  • Ein kleines Stück Tamarinde in etwas Wasser eingelegt

Zubereitung:

Urad-Dal mit wenig Öl rösten bis die Linsen bräunlich werden und im Mixer zu Pulver zermahlen.

Die gewaschenen Minzblätter in der Pfanne andünsten und sie gemeinsam mit dem Urad-Dal-Pulver im Mixer zermahlen, sodass eine grünliche Paste entsteht.

Die grünen Chilis und der Ingwer in kleine Stücke schneiden. Nun alle Zutaten zusammen (Chilis, Ingwer, Tamarinde, Curry- und Korianderblätter) dazugeben und alles zusammen zu einer grünen Paste zermahlen. Ein wenig Wasser dazugeben.

Die Menge schrumpft im Mixer sehr zusammen. Daher gebe ich das Salz erst am Schluss dazu.

Das Chutney kann zu Idly, Dosai oder einfach mit weissem Reis serviert werden.

Einen guten Appetit!

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