Bei Lichte betrachtet – die erste Zeit nach meiner Auswanderung nach Indien

Viele von euch scheint es zu interessieren, wie mein Abenteuer Indien damals, vor fast 14 Jahren, weiterging. Aus meinen Tagebucheinträgen habe ich folgende Fortsetzung zusammengestellt.

Bei Tageslicht sieht unser Häuschen nicht viel besser aus. Unsere Vermieter haben nur grade das Notwendigste machen lassen und die Arbeiter haben überall gepfuscht. Farbflecken hier und dort, Farbe bröckelt von den Wänden, die Abflüsse der Lavabos werden mit einem grauen Kunststoffschlauch in ein Loch geleitet, eine hässliche Lampe hängt in der Wohnstube und alle Räume werden mit einer Neonröhre beleuchtet. Zwei dunkelbraune Gestelle sind in der Wohnstube direkt in die Wand eingelassen und mit schmutzigen Schiebetüren aus Glas verschließbar. Die schwarzvergitterten, matten Fenster geben das Gefühl in einer Gefängniszelle zu sitzen.

Ich habe Prabhu gebeten, dass vor unserer Ankunft geputzt wird. Dies sei geschehen, bekommen wir zur Antwort, und ich merke, dass das Sauberkeitsempfinden hier ein anders sein muss. Ich denke an unsere alte Wohnung zurück, die wir vor fünf Tagen abgegeben haben. Wie pingelig da alles kontrolliert und durchgecheckt wurde. Auch Prabhu ist enttäuscht und meint, dass wir bald etwas anderes suchen werden. Wir legen beim Putzen nochmals selbst Hand an, sodass wir uns einigermaßen wohlfühlen können.

Nur der Hof draußen gefällt uns. Zwei alte Mangobäume und ein Neembaum spenden Schatten. Jasmin, Hibiskus, Nachtjasmin und viele mir unbekannte tropische Pflanzen säumen den Rand. Eine Kokospalme, Bananenstauden und Papaya stehen hinter dem Haus. Der Eingang zum Grundstück ist mit einem Gate geschlossen, so ist der Hof für Suriyan und Lara ideal zum Spielen.

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Neembaum
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Mangos vom eigenen Baum
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Und Bananenstauden hinter dem Haus

Ein Watchman bewacht das Grundstück, sieht zum Rechten, pflegt die Pflanzen und wischt zweimal täglich den Platz. Er schläft auf der kleinen Veranda unserer Vermieter, die in den USA leben und ab und zu hier Urlaub machen. Gottlob mag er Lara auf Anhieb und freundet sich schnell mit ihr an. So einen Hof mit Garten in Chennai zu finden, ist scheinbar nicht einfach und vor allem kaum bezahlbar. Lara ist noch unsicher und verängstigt. Nur langsam traut sie sich den neuen Ort zu erkunden.

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Unser Watchman mit Suriyan und Lara

 

Natürlich lässt Prabhus Familie nicht lange auf sich warten. Alle wollen Suriyan sehen. Prabhus Schwester besucht uns mit den zwei Töchtern. Sie bringen eine große Torte mit. „Happy Birthday to Suriyan“, steht in dunkelbrauner Zierschrift drauf. Ich muss schmunzeln, denn Suriyans Geburtstag liegt noch in weiter Ferne. Wollen sie den verpassten ersten Geburtstag nachfeiern? Alle freuen sich riesig und plappern freudig in Tamil. Yamuna und Vanita, Prabhus Nichten, spielen mit Suriyan und unterhalten sich mit mir in Englisch. Auch Prabhus Eltern kommen zu uns nach Hause. Sie sind sehr glücklich, endlich den einzigen Enkelsohn in die Arme zu schließen, aber irgendwie stehen sie dem Ganzen auch noch mit etwas Unbehagen, Skepsis gegenüber.

Natürlich ist immer wieder Shopping angesagt. Da unser Containergepäck erst in 5 Wochen eintreffen wird, und wir unseren Hausstand zu einem großen Teil aufgelöst oder auf dem Estrich meines Bruders gelagert haben, brauchen wir viele Dinge. Waschmaschine, Kochherd, Pfannen, Möbel, PC, Fernsehgerät, Stereoanlage, Bügeleisen mit Bügelbrett, Staubsauger, Mixer, … Eigentlich würde mir dies ja Spaß machen, aber hier ist alles anders. Von Pontius zu Pilatus müssen wir fahren, die Auswahl ist sehr eingeschränkt und alles braucht Zeit, viel Zeit. Dabei immer ein eineinhalbjähriges Kind zu betreuen, ist nicht grade das große Vergnügen. Es ist Stress pur und wir beschließen, das Ganze langsamer anzugehen.

Ich bin nicht das erste Mal und auch nicht ganz unvorbereitet in Indien, aber mit einem Kleinkind ist alles anders. Der Schmutz, die Hitze, die Moskitos, die ständige Angst vor Krankheiten setzen mir sehr zu. In jedem Restaurant achte ich pingelig auf jedes Detail. Nichts Ungekochtes, Ungeschältes, keine Eiscreme, keine Lassi, … Dazu kommt, dass es nicht zu scharf sein sollte. Gar nicht so einfach und Suriyan macht es mir mit seinen ständigen oralen Erkundigungen auch nicht leichter.

Langsam, Schritt für Schritt geht es voran. Der Esstisch sollte in ein paar Tagen geliefert werden, und die Waschmaschine ist bereits in Betrieb. So essen wir auf dem Boden sitzend oder gehen ins Restaurant.

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Endlich ein Esstisch

Suriyan meistert den Wechsel scheinbar problemlos. Er ist den Menschen hier sehr zugetan, fröhlich und kontaktfreudig, was natürlich alle riesig freut. Chella Kutty, kleiner Schatz, nennen sie ihn überall und kneifen ihn liebevoll in die Wange und küssen danach die Fingerspitzen, die Suriyan berührt haben. Mit seiner hellen Haut entspricht er hier einem Schönheitsideal. In der Schweiz hat Suriyan nie diese Aufmerksamkeit von Fremden erhalten. Kinder sind hier die Könige der Welt und überall ist man herzlich willkommen. Wohin ich auch gehe, werde ich immer gefragt, wie unser Sonnenschein heißt. Suriyan bedeutet auf Tamil „Sonne“, und dies scheint Herz und Tür jedes Tamilen umgehend zu öffnen. „Hi Suriyan“, werden wir überall freundlich begrüßt.

Lara dagegen ist immer noch ängstlich. Sie verlässt nur ungern das Haus und braucht viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Langsam wird alles gut. Möbel, Vorhänge, Bilder machen das Haus wohnlicher, gemütlicher. Als dann endlich mit grosser Verspätung der Container mit unseren Sachen eintrifft, ist es wie ein zweites Mal Weihnachten feiern. Ich entspanne mich, fühle mich endlich wohl, und so kommen auch Lara und ich in Indien an …

Wie mein Abenteuer begann, kannst du hier nachlesen:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/11/28/das-abenteuer-indien-beginnt/

Uyare – indischer Film

 

Uyare ist definitiv keine Bollywood-Schnulze mit farbigen Tanzeinlagen und einer faden, oberflächlichen Story. Der Film ist aus Kerala und in Malayalam gesprochen, hat aber englische Untertitel. Ich habe ihn auf Netflix gesehen.

Als Pallavi Raveendran ( Parvathy Thiruvothu) als junges Mädchen zum ersten Mal fliegt, wird ihr sofort klar, dass sie Pilotin werden möchte. Ihr Traum geht soweit auch in Erfüllung, sie bekommt einen Ausbildungsplatz in Mumbai, lernt fliegen und ist glücklich. Das einzige Problem ist ihr Freund Govind, der sich zunehmend besitzergreifend und eifersüchtig zeigt. Als sie mit ihren Freunden die gelungene Abschlussprüfung feiert, eskaliert das Ganze und Pallavi wird klar, dass sie diese Beziehung beenden muss. Mit dieser Entscheidung verändert sich ihr Leben schlagartig. Govind attackiert sie in einer Nebenstraße mit Säure und ihre linke Gesichtshälfte wird völlig entstellt. Durch den Angriff wird auch ihr Sehvermögen beeinträchtigt, und sie verliert ihren Pilotenschein. Ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase.

Man schätzt, dass in Indien jährlich 200-300 Frauen Opfer von Säureattacken werden. Meistens gibt es keine Zeugen und die Täter kommen nur mit geringen Strafen davon. Dies muss auch Pallavi erleben. Mit der Unterstützung von Familie und Freunden kämpft sie sich langsam ins Leben zurück.

Uyare ist ein Film, der buchstäblich unter die Haut geht. Man ist nicht nur vom Schicksal Pallavis berührt, sondern auch das eigene Schönheitsideal wird infrage gestellt.

Ich kann den Film nur empfehlen und er bekommt von mir 9 von 10 Punkten.

 

The Zoya Factor – indischer Film

Gestern war ich mit meinen indischen Freundinnen im Kino. Die romantische Komödie mit Sonam Kapoor und Dulquer Salmaan läuft hier in Indien seit dem 20. September.

Die junge Frau Zoya (Sonam Kapoor) scheint vom Pech verfolgt zu sein. Weder in der Liebe noch in ihrem Beruf als Werbetexterin hat sie Erfolg und ständig tritt sie in alle möglichen Fettnäpfchen. Als sie jedoch nach Sri Lanka geschickt wird, um mit dem indischen Cricket Team eine Pepsi Werbung zu drehen, wendet sich das Blatt. Von Nikkhil Khoda (Dulquer Salmaan), dem Kapitän der Nationalmannschaft, wird sie zum gemeinsamen Frühstück mit dem gesamten indischen Team eingeladen. Als die Spieler erfahren, dass sie an dem Tag geboren wurde, als Indien den ersten Cricket World Cup gewonnen hat, glaubt das ganze Team, dass Zoya ihr Glücksbringer ist. Nur Nikkhil, der nicht an das Glück, sondern an harte Arbeit glaubt, sieht Zoya ungern in der Rolle des Maskottchens. Dabei hat er sein Herz schon an sie verloren …

Wie es weitergeht, schaut ihr euch am besten selbst an. Ein amüsanter, lustiger Film, der mich keine Minute gelangweilt und mich oft zum Lachen gebracht hat. The Zoya Factor ist ein Feel-Good Movie, der definitiv für gute Laune sorgt. Wer’s lieber tiefgründig und ernsthaft mag, sollte dem Film fernbleiben.

Da ich mich bestens unterhalten und viel gelacht habe, bekommt der Film von mir großzügige 7 von 10 Punkten!

Hier der Trailer:

Nach Indien reisen mit Kind?

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Krishnas Butterball in Mamallapuram

Da unser Alltag oft mit wiederholender Routine erfüllt ist, sehnen sich viele im Urlaub oder auf Reisen nach Abwechslung und träumen vielleicht sogar von aufregenden Abenteuern in fremden Kulturen und Ländern. Reisen ist für viele selbstverständlich geworden und schier jedes Reiseziel ist heutzutage möglich und durch billige Flüge bezahlbar.

Auch das Reisen mit Kindern hat sich verändert. Während man zu meiner Zeit noch Ferien auf Balkonien oder höchstens Campingurlaub in den Nachbarländern machte, so gehören Flugreisen für viele Familien zum Urlaub dazu. Die Möglichkeiten sind riesig und alles scheint machbar.

Macht es Sinn, mit Kind oder Kindern nach Indien zu reisen?

Ich habe große Indienerfahrung. Seit über 10 Jahren lebe ich mit meiner Familie in Indien und unser Sohn hat die Mehrheit seiner Kindheit in Indien verbracht. Auf vielen Reisen haben wir dieses riesige, vielfältige Land auch entdeckt und kennengelernt.

Indien ist schon ohne Kinder ein schwieriges Reiseland, das viele Touristen an ihre persönlichen Grenzen bringt. Armut, Müll, Umweltverschmutzung und Krankheiten gehören zu Incredible India dazu. Viele Reisende erleben erst mal einen Kulturschock. Man braucht Zeit, um sich an das indische Chaos zu gewöhnen. Je kleiner die Kinder und je neuer das Land für die Eltern, desto mehr muss ich von Reisen nach Indien abraten. Wenn man nicht aus familiären oder beruflichen Gründen mit kleinen Kindern nach Indien reisen muss, würde ich die Reise definitiv ein paar Jahre aufschieben.

Ab dem siebten Lebensjahr kann man die Kinder besser auf eine Indienreise vorbereiten. Ab diesem Alter können sie Gefahren besser einschätzen und verstehen. Auch bekommen sie etwas vom Land und der Kultur mit, das ihnen sicherlich in Erinnerung bleiben wird.

Vor allem Kleinkindern kann man auf Reisen durch Indien schlecht gerecht werden. Ständig muss man aufpassen, dass sie nichts in den Mund stecken, dass sie nicht davon laufen, dass sie kein Tier anfassen. Das Kind oder mehrere Kinder ständig im Auge zu behalten, ist für die Eltern anstrengend. In Indien wird ihr Kind wohl dauernd hören: „Lass das! Nimm das nicht in den Mund! Nein! Das darfst du nicht! Gib mir die Hand!“

Die Kinder sind sich gewöhnt, dass sie gewisse Bewegungsfreiheiten haben. Diese werden in Indien doch arg beschnitten. Obwohl es hier so viele Kinder gibt, ist das Land alles andere als kinderfreundlich. Es gibt kaum Spielplätze oder Parks und von sauberen Toiletten und Wickeltischen kann man nur träumen.

Das andere Essen

Das Essen in Indien ist oft scharf, ungewohnt und schmeckt den Kleinen in der Regel nicht. Natürlich kann man sich im Supermarkt mit Bananen, Zwieback, Biskuits, … eindecken und im Restaurant milde Gerichte bestellen, aber die Umstellung ist für die Kleinen ziemlich schwierig. Grade bei Kleinkindern, die ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt haben, ist ständig Vorsicht angebracht. Die hygienischen Bedingungen in Garküchen und Restaurants lassen oft zu wünschen übrig und durch längere Stromausfälle werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen. Auf frischgepresste Fruchtsäfte, Eiswürfel, Eiscreme, Milchspeisen, bereits geschnittene Früchte sollte man verzichten.

Impfen und Krankheiten

Dazu kommt, dass man sich schon im Vorfeld Gedanken über das Impfen machen muss. Ich weiß, dass Impffragen für viele Eltern ein sensibles Thema sind, und dass viele sehr impfkritisch eingestellt sind. Doch hier kann ich einfach nur zu bedenken geben, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich in Deutschland oder der Schweiz gegen Impfungen entscheidet, oder ob man in Indien ist. Erstens ist ein Kind in der Regel durch den flächendeckenden Impfschutz im Heimatland recht gut geschützt. Zweitens steht rund um die Uhr eine hervorragende medizinische Versorgung zur Verfügung, wenn eben doch etwas passieren sollte.

Mit Kindern ohne Impfschutz in tropische Länder zu reisen, ist meiner Meinung nach verantwortungslos. In Indien gibt es in den Metropolen gute Spitäler, die man mit „westlichen“ Standards vergleichen kann, aber außerhalb der Großstädte nimmt die Qualität der medizinischen Versorgung rapide ab. Erkrankt ein Kind, dann muss man oft schnell handeln und innerhalb kurzer Zeit einen Arzt aufsuchen. Ich habe dies einmal mit unserem Sohn erlebt, als er zwei Jahre alt war. Trotz großer Vorsicht erkrankte er nach einem Restaurantbesuch.

Erbrechen, Durchfall und Fieber haben ihn innerhalb nur weniger Stunden dehydriert, sodass ich umgehend mit ihm zum Arzt musste. Man weiß, dass Kleinkinder schnell dehydrieren, aber diese Geschwindigkeit hätte ich nie erwartet.

Auch die lange Flugreise, die Zeitumstellung und das andere Klima sind für Kleinkinder oft schwierig.

Leider gibt es in Indien auch gefährliche Krankheiten, die man noch nicht impfen kann. Malaria, Dengue-Fieber und Chikungunya werden von Moskitos übertragen. Mein Sohn und ich sind 2014 an Dengue erkrankt und lagen fast eine Woche im Spital.

Ein Kleinkind ständig mit deethaltigen Moskitosprays einzusprühen, ist für die empfindliche Kinderhaut auch nicht das Wahre.

Auch Tollwut ist in Indien leider immer noch nicht ausgerottet. Viele Kinder sind von Strassenhunden und Affen fasziniert und es zieht sie oft, wie magisch angezogen, in ihre Nähe.

Kinderliebende und wangenkneifende Inder

Was in Indien wirklich wunderschön ist, ist die Tatsache, dass man mit Kindern immer und überall willkommen ist. Die Inderinnen und Inder lieben Kinder über alles und sind diesbezüglich sehr tolerant und hilfsbereit. Allerhand Sonderwünsche werden für Kinder sehr gerne erfüllt.

Auf der anderen Seite empfinden „Westler“ Inderinnen und Inder oft distanzlos und übergreifend. Sehr gerne werden auch fremde Kleinkinder liebevoll in die Wange gekniffen. Hier in Indien ein Zeichen, dass man dieses Kind besonders mag und süß findet.

Doch ein hellhäutiges, eventuell sogar blondes und blauäugiges Kleinkind wird in Indien halt oft in die Wange gekniffen. Gerne werden Kinder auch auf den Arm genommen oder einfach berührt. Heutzutage kommt auch noch der Selfiekult dazu, den ich absolut schrecklich finde. So werden viele euer Kind fotografieren wollen, teilweise auch ungefragt. Viele ausländische Kleinkinder sind sich dies nicht gewöhnt, und es wird ihnen oft zu viel. Eltern sind da sehr gefragt und müssen in einem Balanceakt solche Situationen schnell erfassen und reagieren. Einerseits möchte man die netten Inderinnen und Inder nicht vor den Kopf stoßen, andererseits muss man sein Kind schützen und für Abgrenzung sorgen.

Ich beispielsweise hätte gar keine Freude daran gehabt, mein Kind von fremden Personen ablichten zu lassen. Aus diesem Grund würde ich Kleinkinder auch nicht nackt baden oder spielen lassen. Nicht weil dies gegen das Schamgefühl der Inder verstößt, sondern um das Kind vor Nacktaufnahmen zu schützen. Letztlich weiß man nämlich nie, was mit diesen Fotos passiert.

Tipps, wenn man mit einem Kleinkind in Indien unterwegs ist:

  • Einige Monate vor der Reise die Impffragen für sich selbst und das Kind klären und sich von einem Reisemediziner beraten lassen. Ich finde es für Erwachsene und Kinder sinnvoll, einige Wochen vor der Reise das Immunsystem zu stärken. Ich fand die Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel immer hilfreich, aber es gibt eine Fülle an verschiedenen guten Präparaten.
  • Eine Reiseapotheke, die speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern ausgerichtet ist, gibt Sicherheit. Am besten man lässt sich professionell in der Apotheke oder beim Kinderarzt beraten. Hat das Kind intensiven Kontakt mit einheimischen Kindern, sollte man auch auf Läuse achten. Wir wurden immer wieder mit Läusen beglückt.
  • Die Reise sorgfältig und möglichst kinderfreundlich planen. Weniger ist mehr! Auch sollte man versuchen, immer wieder kleine Ruheoasen einzuplanen. In Indien bleibt einem nichts anderes übrig als sich flexibel dem Kleinkind anzupassen. Wir haben beispielsweise eine dreiwöchige Reisetour abgebrochen, weil unser Sohn am fünften Tag erkrankte. Doch auch die Eltern müssen gut zu sich selbst schauen, denn von ihnen wird 100 Prozent Fitness und Aufmerksamkeit abverlangt werden.
  • Für den Flug sollte man den Babies einen Schnuller geben. Durch das Saugen können sie den Ohrendruck besser ausgleichen. Als unser Sohn etwas älter war, durfte er beim Starten und Landen jeweils einen kleinen Lollipop schlecken. Übrigens ein Tipp von meinem damaligen Kinderarzt. Das hat sich immer sehr bewährt. Unser Sohn konnte so den Druckausgleich gut meistern und war überglücklich mit seinem Lollipop, den es nur auf Flugreisen gab.
  • Bei den Reisezielen und bei der Hotelwahl die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Oft ist die Hotelanlage der einzige Ort, wo man Kindern etwas mehr Freiraum geben kann. Etwas bessere Hotels mit Pool und Spielplatz lohnen sich auf jeden Fall.
  • Mit einem Kleinkind würde ich es mir leisten, mit einem eigenen Fahrer zu reisen. Das ist definitiv komfortabler, stressfreier und man ist immer flexibel. So kann man jeder Zeit anhalten, wenn das Kind mal muss oder man kann bequem im Auto die Windeln wechseln oder das Kind stillen. Das Auto ist auch Rückzugsort vor dem oft etwas hektischen, chaotischen und lauten Indien.
  • Beim Essen und Trinken enorme Vorsicht walten lassen. Ein Taschenmesser, Sparschäler und Tupperware-Behälter mitnehmen, sodass man Früchte und Gemüse selbst schneiden kann. Früchte und Gemüse sollte man immer schälen, da sie oft gespritzt und mit Chemikalien behandelt sind.
  • Immer genügend sauberes Trinkwasser und etwas zum Essen dabei haben. Dabei darauf achten, dass die Wasserflaschen beim Kauf versiegelt sind.
  • Hut, Sonnencreme und Moskitospray immer in der Handtasche haben und einsetzen. Dengue-Fieber und Chikungunya werden durch tagaktive Mücken übertragen.
  • Wenn das Kind hohes Fieber bekommt oder an Durchfall erkrankt nicht lange warten und einen Arzt aufsuchen. Kleinkinder dehydrieren enorm schnell.
  • Feuchttücher leisten oft gute Dienste. Vor dem Essen und auch sonst ab und zu die Hände waschen. Manche nehmen auch Desinfektionsmittel für die Hände mit. Ich mag dies weniger und wasche mir lieber öfters die Hände. Für das große Geschäft Toilettenpapier dabei haben.
  • Ein sauberes Tuch, das als Bettdecke, Schlafunterlage oder als Kopfkissen umfunktioniert werden kann, ist sehr hilfreich.
  • Lieblingsspielsachen mitnehmen. Unser Sohn zeigte praktischerweise immer Interesse am Zeichnen und Basteln. So hatte ich immer kleine Minifarbstifte, einen Block Papier und Klebstreifen in meiner Handtasche. Oft haben wir auch Papier gefaltet. Die entstandenen Papierschiffe, Portemonnaies, Frösche, Schmetterlinge und vieles mehr haben für Abwechslung gesorgt und wurden zu Spielmaterial.
  • Musik und Hörspiele für die Kleinen sind oft Gold wert.

 

 

 

 

 

Unterwegs in Kerala – meine liebsten Reiseziele

Fährt man durch den südindischen Bundesstaat Kerala, wird es grün und grüner. Kokospalmen, Reisfelder, Mango-, Papaya- und Jackfruitbäume, Tee-, Gewürz- und Kautschukplantagen, …Die überbordende tropische Natur erinnert tatsächlich an den Garten Eden. Nicht ohne Grund wird Kerala als God’s Own Country bezeichnet.

Nach der hinduistischen Mythologie wurde Kerala durch Lord Parasurama, einer Inkarnation Vishnus geschaffen. Er soll seine Axt ins Arabische Meer geschleudert haben, um neues Land für seine Anhänger zu schaffen. Dadurch wollte er den Leuten ein Land schenken, in dem sie in Frieden leben konnten.

„Kerala – God’d Own Country“ wird natürlich als Werbeslogan für den Tourismus gebraucht.

Immer mehr Touristen aus aller Welt reisen jährlich an die paradiesische Malabarküste. Fast jedes Hotel bietet inzwischen Ayurveda-Massagen oder Ayurveda-Kuren an. Hier lohnt es sich, genau hinzusehen, denn nicht überall sind qualifizierte Masseure und Ärzte am Werk.

Rund drei Viertel des Bruttoinlandproduktes wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, wobei der Tourismus immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Kerala wird vorwiegend von kommunistischen Parteien regiert und die Arbeiter sind in starken Gewerkschaften vereinigt. Extreme Armut wie man sie in andern Teilen Indiens antrifft, sieht man in Kerala kaum. Das Bildungssystem und auch das Gesundheitswesen funktionieren im Vergleich zu andern Bundesstaaten gut.

Die Menschen in Kerala haben die höchste Alphabetisierungsrate und die höchste Lebenserwartung in ganz Indien.

Meine liebsten Reiseziele in Kerala:

Kochi

Die Hafenstadt Kochi ist wohl die touristisch bedeutsamste Stadt in Kerala. In 2017 besuchten 23 Millionen in- und ausländische Gäste die Stadt. Kochi wurde im 16. Jahrhundert portugiesische und später holländische Kolonie.

Eine Fahrt mit einer Fähre zur Halbinsel Mattancherry mit Fort Kochi sollte man unbedingt einplanen. Fort Kochi bietet die meisten Touristenattraktionen. Die berühmten chinesischen Fischernetze, der Mattancherry Palast (Dutch Palace) die Santa Cruz Basilica und die Synagoge sollte man sich anschauen. Mich hat besonders die Synagoge im Judenviertel beeindruckt.

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Die chinesischen Fischernetze – frühmorgens ist übrigens immer Fischmarkt
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Katzen warten geduldig bei den chinesischen Fischernetzen, vielleicht gibt’s später doch noch etwas!
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Souvenirs shoppen an den Marktständen in Fort Kochi

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Zu Kerala gehört der Kathakali-Tanz. In Kochi kann man täglich Touristenaufführungen besuchen, die einen kleinen Einblick ins berühmte Tanzdrama geben. Wer gerne fotografiert, sollte schon früher eintreffen, um die Tänzer beim Schminken abzulichten.

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Allerlei Zubehör zum Kathakali-Tanz
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Bei den Vorbereitungen
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Tanzaufführung

Alappuzha-Kollam, Backwaters

Eine Backwaterstour im verzweigten Netz von den malerischen Lagunen zwischen Kollam im Süden, Kochi im Norden und Kottayam im Osten ist quasi ein Muss für jeden Touristen, der nach Kerala reist. In rattangedeckten Booten kann man gemütlich durch die Backwaters tuckern und immer Neues entdecken. Von mehrstündigen bis mehrtägigen Bootstouren kann man alles buchen. Auch mit dem Kanu kann man die verzweigten Lagunen erpaddeln, was aus ökologischer Sicht natürlich Sinn macht.

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Was bei uns das Fahrrad, das ist in den Backwaters das Kanu.

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Munnar

Auf 1500 Meter über Meer liegt das Städtchen Munnar. Im Mitten von grünen Teeplantagen und umringt von den höchsten Bergen Südindiens lädt das Städtchen zur Erholung ein. Mehr über Munnar erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/06/munnar-tee-soweit-das-auge-reicht/

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Thekkady – Periyar Nationalpark

An der Grenze zu Tamil Nadu in den Kardamom-Bergen liegt der Periyar- Nationalpark. Von Thekkadi aus kann man auf dem Periyar Stausee Boot-Safaris machen. Allein um die verschiedenen Wasservögel mit dem Feldstecher zu beobachten, lohnt sich diese Tour. Wir sahen am Ufer Bisons, Axishirsche, Languren-Affen, Sambarhirsche, Wildschweine, Elefanten und viele Wasservögel. Wer ganz grosses Glück hat, kann sogar einen Tiger sehen. Ein gutes Fernglas sollte man unbedingt mitnehmen.

Auch geführte Trekkingtouren zu Fuß sind möglich. Wir waren zwar an einem regnerischen Tag stundenlang unterwegs, haben aber bis auch Blutegel, die an uns hoch krabbelten, leider keine Tiere gesehen.

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Indische Bisons und ein Wildschwein
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Elefanten

 

 

Meine Freundinnen – die Klimaanlagen

Ich gebe es zu: Ohne AC (Air conditioning), wie man hier so schön sagt, hätte ich schon längst das Weite gesucht. Mit den subtropischen Temperaturen, die hier herrschen, konnte ich mich noch nie richtig anfreunden. So habe ich die Klimaanlagen schon länger zu meinen besten Freundinnen auserkoren. In den ganz heißen Monaten (April, Mai, Juni), die jetzt gottlob hinter uns liegen, werden unsere Freundschaften noch intensiviert und wir rücken noch enger zusammen. Doch meine Freundinnen haben wiederkehrende Macken und auch hier zeigt sich, dass Freundschaften gepflegt werden müssen. So hat mal eine ein Leck und heult lauter Wasser oder eine andere leidet an einer Gemütsverstimmung und läuft nicht mehr ganz richtig.

Alle 6-8 Wochen werden unsere Freundschaften jedoch auf die Probe gestellt. Immer dann, wenn die AC-Service-Männer aufkreuzen, hält sich meine Sympathie arg in Grenzen. Der viele Staub, der sich in den Filtern angesammelt hat, verteilt sich durchs Putzen im ganzen Raum und durchs Wegrücken der Möbel kommen plötzlich Stellen und Kabel zum Vorschein, die auch schon länger keinen Besen oder Staubtuch mehr gesehen haben.

So bescheren mir meine Freundinnen jeweils einen halben Frühjahrsputz, der mich mindestens drei Stunden beschäftigt. Wenn die Arbeit vollbracht ist, so wie heute,  bin ich ihnen jedoch wieder wohlgesinnt und manchmal sogar richtig dankbar.