„Entweder du liebst oder du hasst Indien!“ Stimmt das?

Diese Aussage hört und liest man von Indienreisenden immer wieder. Indien ist ein Land der Gegensätze, ein Land der Extreme. Wenn es am Straßenrand nach Pisse und Abfall stinkt, riecht es zwei Minuten später verführerisch nach leckeren Samosa oder ein wunderbarer Jasminduft liegt in der Luft.

Die Bettler, die an den Ampeln in schmutzigen Lumpen und mit traurigen Augen an die Autoscheibe klopfen, gehören ebenso dazu wie die vielen Reichen, die sich in Juweliergeschäften mit Goldschmuck eindecken oder sich in Fünfsterne-Hotels vom Buffet Berge auf die Teller schaufeln.

Indien kann durch neuzeitliche Technologien überraschen und gleichzeitig fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt.

Ob man Liebe oder Hass für dieses Land entwickelt, hängt wohl davon ab, was für Erfahrungen und Begegnungen man in Indien macht. Wer beklaut, sexuell belästigt, betrogen oder vielleicht in einen Unfall verwickelt wurde, dem wird es schwerer fallen, Indien etwas Gutes abzugewinnen. Je länger man in Indien unterwegs ist, desto mehr wird man die Licht- und Schattenseiten und die vielen Grauschattierungen entdecken. Für mich ist Indien wie ein riesiger Flickenteppich, indem alles zu finden ist.

Wer nur Liebe für dieses Land empfindet, der reist mit einem engen Röhrenblick herum. Obwohl mir mein neues Heimatland ans Herz gewachsen ist, gibt es tatsächlich viele Dinge, die ich überhaupt nicht mag, die ich in gewisser Weise wirklich hasse. Die Korruption, die vielen Umweltsünden, die Armut, das Patriarchat, das viele Frauen noch heute unterdrückt … ich könnte lange weiterfahren, denn Indien hat viele Baustellen, denen man sich annehmen sollte. Viele Schattenseiten wird der Indienreisende gar nicht bemerken.

Ich habe festgestellt, dass oft spirituell interessierte Touristinnen und Touristen die Tendenz haben, alles mit einer rosa Brille zu sehen. „Die Menschen in Indien sind so nett und herzlich!“ – „Wenn du positiv-denkend unterwegs bist, dann passiert dir nichts und du ziehst ausschließlich Gutes an!“ Auch Ratschläge wie „Geh einfach mit offenem Herzen und lies und informier dich nicht zu sehr. Die Nachrichten über Massenvergewaltigungen sind nur Sensationshascherei und spiegeln die Realität nicht ab. Ich war schon in Indien und mir ist nichts passiert!“

Ehrlich gesagt, bekomme ich bei solchen Aussagen Gänsehaut! Ja, die Menschen sind in der Regel westlichen Touristen gegenüber wohlgesinnt, gastfreundlich und hilfsbereit, aber es gibt eben wie überall auf der Welt auch andere. Eine positive Lebenseinstellung zu haben, ist immer hilfreich, aber in Indien sollte man wenigstens ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand und Realitätsbewusstsein mitbringen. Keine Frage, dass Angst ein schlechter Reisebegleiter ist, aber sich über die Begebenheiten und die kulturellen Unterschiede zu informieren, ist meiner Meinung nach ein Muss und trägt dazu bei, dass man sicher unterwegs ist und vorwiegend gute Reiseerfahrungen machen kann.

Natürlich hängt Hass oder Liebe zum Land auch davon ab, wie man gedenkt zu reisen. Wie heißt es so schön? „Jedem Tierchen sein Pläsierchen!“ Wer einen Putzfimmel hat und bei jeder Kakerlake, die den Abfluss hoch krabbelt, fast einen Herzinfarkt kriegt, der sollte mit Sicherheit nicht mit einem kleinen Budget als Backpacker reisen. Doch Indien hat für alle Reisende etwas zu bieten. Was der hart gesottene Backpacker wahrscheinlich abschätzend mit „India light“ abtun würde, entspricht vielen Touristen, die über etwas mehr Reisebudget verfügen. Der Tourismus im Mittel- und Hochpreis-Leistungssegment nimmt immer mehr zu, und im Vergleich zu Europa oder anderen Destinationen ist der Luxus bezahlbar.

Klar ist, dass der Backpacker und der Tourist mit dem größeren Geldbeutel Indien in einigen Bereichen unterschiedlich erleben werden, obwohl die Reiserouten vielleicht ähnlich oder sogar identisch sind.

Der Werbeslogan Indiens trifft jedoch für jeden Reisenden zu: Icredible India – unglaubliches Indien!

Nach Indien reisen mit Kind?

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Krishnas Butterball in Mamallapuram

Da unser Alltag oft mit wiederholender Routine erfüllt ist, sehnen sich viele im Urlaub oder auf Reisen nach Abwechslung und träumen vielleicht sogar von aufregenden Abenteuern in fremden Kulturen und Ländern. Reisen ist für viele selbstverständlich geworden und schier jedes Reiseziel ist heutzutage möglich und durch billige Flüge bezahlbar.

Auch das Reisen mit Kindern hat sich verändert. Während man zu meiner Zeit noch Ferien auf Balkonien oder höchstens Campingurlaub in den Nachbarländern machte, so gehören Flugreisen für viele Familien zum Urlaub dazu. Die Möglichkeiten sind riesig und alles scheint machbar.

Macht es Sinn, mit Kind oder Kindern nach Indien zu reisen?

Ich habe große Indienerfahrung. Seit über 10 Jahren lebe ich mit meiner Familie in Indien und unser Sohn hat die Mehrheit seiner Kindheit in Indien verbracht. Auf vielen Reisen haben wir dieses riesige, vielfältige Land auch entdeckt und kennengelernt.

Indien ist schon ohne Kinder ein schwieriges Reiseland, das viele Touristen an ihre persönlichen Grenzen bringt. Armut, Müll, Umweltverschmutzung und Krankheiten gehören zu Incredible India dazu. Viele Reisende erleben erst mal einen Kulturschock. Man braucht Zeit, um sich an das indische Chaos zu gewöhnen. Je kleiner die Kinder und je neuer das Land für die Eltern, desto mehr muss ich von Reisen nach Indien abraten. Wenn man nicht aus familiären oder beruflichen Gründen mit kleinen Kindern nach Indien reisen muss, würde ich die Reise definitiv ein paar Jahre aufschieben.

Ab dem siebten Lebensjahr kann man die Kinder besser auf eine Indienreise vorbereiten. Ab diesem Alter können sie Gefahren besser einschätzen und verstehen. Auch bekommen sie etwas vom Land und der Kultur mit, das ihnen sicherlich in Erinnerung bleiben wird.

Vor allem Kleinkindern kann man auf Reisen durch Indien schlecht gerecht werden. Ständig muss man aufpassen, dass sie nichts in den Mund stecken, dass sie nicht davon laufen, dass sie kein Tier anfassen. Das Kind oder mehrere Kinder ständig im Auge zu behalten, ist für die Eltern anstrengend. In Indien wird ihr Kind wohl dauernd hören: „Lass das! Nimm das nicht in den Mund! Nein! Das darfst du nicht! Gib mir die Hand!“

Die Kinder sind sich gewöhnt, dass sie gewisse Bewegungsfreiheiten haben. Diese werden in Indien doch arg beschnitten. Obwohl es hier so viele Kinder gibt, ist das Land alles andere als kinderfreundlich. Es gibt kaum Spielplätze oder Parks und von sauberen Toiletten und Wickeltischen kann man nur träumen.

Das andere Essen

Das Essen in Indien ist oft scharf, ungewohnt und schmeckt den Kleinen in der Regel nicht. Natürlich kann man sich im Supermarkt mit Bananen, Zwieback, Biskuits, … eindecken und im Restaurant milde Gerichte bestellen, aber die Umstellung ist für die Kleinen ziemlich schwierig. Grade bei Kleinkindern, die ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt haben, ist ständig Vorsicht angebracht. Die hygienischen Bedingungen in Garküchen und Restaurants lassen oft zu wünschen übrig und durch längere Stromausfälle werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen. Auf frischgepresste Fruchtsäfte, Eiswürfel, Eiscreme, Milchspeisen, bereits geschnittene Früchte sollte man verzichten.

Impfen und Krankheiten

Dazu kommt, dass man sich schon im Vorfeld Gedanken über das Impfen machen muss. Ich weiß, dass Impffragen für viele Eltern ein sensibles Thema sind, und dass viele sehr impfkritisch eingestellt sind. Doch hier kann ich einfach nur zu bedenken geben, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich in Deutschland oder der Schweiz gegen Impfungen entscheidet, oder ob man in Indien ist. Erstens ist ein Kind in der Regel durch den flächendeckenden Impfschutz im Heimatland recht gut geschützt. Zweitens steht rund um die Uhr eine hervorragende medizinische Versorgung zur Verfügung, wenn eben doch etwas passieren sollte.

Mit Kindern ohne Impfschutz in tropische Länder zu reisen, ist meiner Meinung nach verantwortungslos. In Indien gibt es in den Metropolen gute Spitäler, die man mit „westlichen“ Standards vergleichen kann, aber außerhalb der Großstädte nimmt die Qualität der medizinischen Versorgung rapide ab. Erkrankt ein Kind, dann muss man oft schnell handeln und innerhalb kurzer Zeit einen Arzt aufsuchen. Ich habe dies einmal mit unserem Sohn erlebt, als er zwei Jahre alt war. Trotz großer Vorsicht erkrankte er nach einem Restaurantbesuch.

Erbrechen, Durchfall und Fieber haben ihn innerhalb nur weniger Stunden dehydriert, sodass ich umgehend mit ihm zum Arzt musste. Man weiß, dass Kleinkinder schnell dehydrieren, aber diese Geschwindigkeit hätte ich nie erwartet.

Auch die lange Flugreise, die Zeitumstellung und das andere Klima sind für Kleinkinder oft schwierig.

Leider gibt es in Indien auch gefährliche Krankheiten, die man noch nicht impfen kann. Malaria, Dengue-Fieber und Chikungunya werden von Moskitos übertragen. Mein Sohn und ich sind 2014 an Dengue erkrankt und lagen fast eine Woche im Spital.

Ein Kleinkind ständig mit deethaltigen Moskitosprays einzusprühen, ist für die empfindliche Kinderhaut auch nicht das Wahre.

Auch Tollwut ist in Indien leider immer noch nicht ausgerottet. Viele Kinder sind von Strassenhunden und Affen fasziniert und es zieht sie oft, wie magisch angezogen, in ihre Nähe.

Kinderliebende und wangenkneifende Inder

Was in Indien wirklich wunderschön ist, ist die Tatsache, dass man mit Kindern immer und überall willkommen ist. Die Inderinnen und Inder lieben Kinder über alles und sind diesbezüglich sehr tolerant und hilfsbereit. Allerhand Sonderwünsche werden für Kinder sehr gerne erfüllt.

Auf der anderen Seite empfinden „Westler“ Inderinnen und Inder oft distanzlos und übergreifend. Sehr gerne werden auch fremde Kleinkinder liebevoll in die Wange gekniffen. Hier in Indien ein Zeichen, dass man dieses Kind besonders mag und süß findet.

Doch ein hellhäutiges, eventuell sogar blondes und blauäugiges Kleinkind wird in Indien halt oft in die Wange gekniffen. Gerne werden Kinder auch auf den Arm genommen oder einfach berührt. Heutzutage kommt auch noch der Selfiekult dazu, den ich absolut schrecklich finde. So werden viele euer Kind fotografieren wollen, teilweise auch ungefragt. Viele ausländische Kleinkinder sind sich dies nicht gewöhnt, und es wird ihnen oft zu viel. Eltern sind da sehr gefragt und müssen in einem Balanceakt solche Situationen schnell erfassen und reagieren. Einerseits möchte man die netten Inderinnen und Inder nicht vor den Kopf stoßen, andererseits muss man sein Kind schützen und für Abgrenzung sorgen.

Ich beispielsweise hätte gar keine Freude daran gehabt, mein Kind von fremden Personen ablichten zu lassen. Aus diesem Grund würde ich Kleinkinder auch nicht nackt baden oder spielen lassen. Nicht weil dies gegen das Schamgefühl der Inder verstößt, sondern um das Kind vor Nacktaufnahmen zu schützen. Letztlich weiß man nämlich nie, was mit diesen Fotos passiert.

Tipps, wenn man mit einem Kleinkind in Indien unterwegs ist:

  • Einige Monate vor der Reise die Impffragen für sich selbst und das Kind klären und sich von einem Reisemediziner beraten lassen. Ich finde es für Erwachsene und Kinder sinnvoll, einige Wochen vor der Reise das Immunsystem zu stärken. Ich fand die Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel immer hilfreich, aber es gibt eine Fülle an verschiedenen guten Präparaten.
  • Eine Reiseapotheke, die speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern ausgerichtet ist, gibt Sicherheit. Am besten man lässt sich professionell in der Apotheke oder beim Kinderarzt beraten. Hat das Kind intensiven Kontakt mit einheimischen Kindern, sollte man auch auf Läuse achten. Wir wurden immer wieder mit Läusen beglückt.
  • Die Reise sorgfältig und möglichst kinderfreundlich planen. Weniger ist mehr! Auch sollte man versuchen, immer wieder kleine Ruheoasen einzuplanen. In Indien bleibt einem nichts anderes übrig als sich flexibel dem Kleinkind anzupassen. Wir haben beispielsweise eine dreiwöchige Reisetour abgebrochen, weil unser Sohn am fünften Tag erkrankte. Doch auch die Eltern müssen gut zu sich selbst schauen, denn von ihnen wird 100 Prozent Fitness und Aufmerksamkeit abverlangt werden.
  • Für den Flug sollte man den Babies einen Schnuller geben. Durch das Saugen können sie den Ohrendruck besser ausgleichen. Als unser Sohn etwas älter war, durfte er beim Starten und Landen jeweils einen kleinen Lollipop schlecken. Übrigens ein Tipp von meinem damaligen Kinderarzt. Das hat sich immer sehr bewährt. Unser Sohn konnte so den Druckausgleich gut meistern und war überglücklich mit seinem Lollipop, den es nur auf Flugreisen gab.
  • Bei den Reisezielen und bei der Hotelwahl die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Oft ist die Hotelanlage der einzige Ort, wo man Kindern etwas mehr Freiraum geben kann. Etwas bessere Hotels mit Pool und Spielplatz lohnen sich auf jeden Fall.
  • Mit einem Kleinkind würde ich es mir leisten, mit einem eigenen Fahrer zu reisen. Das ist definitiv komfortabler, stressfreier und man ist immer flexibel. So kann man jeder Zeit anhalten, wenn das Kind mal muss oder man kann bequem im Auto die Windeln wechseln oder das Kind stillen. Das Auto ist auch Rückzugsort vor dem oft etwas hektischen, chaotischen und lauten Indien.
  • Beim Essen und Trinken enorme Vorsicht walten lassen. Ein Taschenmesser, Sparschäler und Tupperware-Behälter mitnehmen, sodass man Früchte und Gemüse selbst schneiden kann. Früchte und Gemüse sollte man immer schälen, da sie oft gespritzt und mit Chemikalien behandelt sind.
  • Immer genügend sauberes Trinkwasser und etwas zum Essen dabei haben. Dabei darauf achten, dass die Wasserflaschen beim Kauf versiegelt sind.
  • Hut, Sonnencreme und Moskitospray immer in der Handtasche haben und einsetzen. Dengue-Fieber und Chikungunya werden durch tagaktive Mücken übertragen.
  • Wenn das Kind hohes Fieber bekommt oder an Durchfall erkrankt nicht lange warten und einen Arzt aufsuchen. Kleinkinder dehydrieren enorm schnell.
  • Feuchttücher leisten oft gute Dienste. Vor dem Essen und auch sonst ab und zu die Hände waschen. Manche nehmen auch Desinfektionsmittel für die Hände mit. Ich mag dies weniger und wasche mir lieber öfters die Hände. Für das große Geschäft Toilettenpapier dabei haben.
  • Ein sauberes Tuch, das als Bettdecke, Schlafunterlage oder als Kopfkissen umfunktioniert werden kann, ist sehr hilfreich.
  • Lieblingsspielsachen mitnehmen. Unser Sohn zeigte praktischerweise immer Interesse am Zeichnen und Basteln. So hatte ich immer kleine Minifarbstifte, einen Block Papier und Klebstreifen in meiner Handtasche. Oft haben wir auch Papier gefaltet. Die entstandenen Papierschiffe, Portemonnaies, Frösche, Schmetterlinge und vieles mehr haben für Abwechslung gesorgt und wurden zu Spielmaterial.
  • Musik und Hörspiele für die Kleinen sind oft Gold wert.

 

 

 

 

 

Unterwegs in Tamil Nadu – meine 10 liebsten Reiseziele

Allgemeine Informationen über Tamil Nadu

Der Bundesstaat Tamil Nadu

Tamil Nadu ist zehntgrößter und südlichster Bundesstaat Indiens. Mit einer Fläche von 130‘058 Quadratkilometern ist Tamil Nadu über dreimal so groß wie die Schweiz und etwa dreimal kleiner als Deutschland. Mehr als 72 Millionen (2011) Menschen leben in dem Bundesstaat, davon rund zehn Millionen in der Hauptstadt Chennai, die unter der britischen Herrschaft Madras genannt wurde. Seit über 10 Jahren ist Chennai meine neue Heimatstadt.

In der Liste der 10 reichsten Bundesstaaten Indiens erreicht Tamil Nadu (2019) nach Maharashtra den 2. Platz. Chennai hat sich als Industriemetropole entwickelt und viele einheimische, aber auch internationale Konzerne haben hier Produktionsstandorte.

In Tamil Nadu ist man sehr stolz auf das reiche, kulturelle Erbe und die tamilische Sprache. „Nadu“ bedeutet in Tamil „Land“, es ist also das Land der Tamilen. Sich vor der Reise ein paar Brocken Tamil anzueignen, lohnt sich sehr. Die Leute freuen sich enorm, wenn man etwas Tamil spricht. Auch wenn es nur Vanakkam (guten Tag), Nandri (danke) oder Nalla (schön) ist. Auf dem Land können die Leute oft kein Englisch sprechen.

Die muslimischen Eroberer des Nordens hatten in Tamil Nadu wenig Einfluss, dafür haben die südindischen Dynastien der Pallavas, Cholas und Pandyas das Land geprägt. Über 2000 Jahre alte Tempel, die die dravidische Architektur maßgebend beeinflusst haben, lassen den Wohlstand und die Kunstfertigkeit der damaligen Baumeister noch heute erahnen.

Tamil Nadu ist das Land der Tempel und der religiösen Tempelfeste, aber auch die Kunst (Musik, Tanz, Dichtung, Malerei) hatte und hat hier immer noch eine große Bedeutung.

Reisezeit

Der Bundesstaat ist sehr vom Monsun abhängig. Fällt die Regenzeit schlecht aus, so kommt es immer wieder zu Wassermangel und Dürren. Die Hauptregenzeit an der Ostküste ist von Oktober bis Dezember. Gewisse Gebiete bekommen auch etwas Regen vom Südwest-Monsun (Juni-September) ab, wobei die Western Ghats, die Berge zwischen Tamil Nadu und Kerala, die Regenwolken oft blockieren.

In Tamil Nadu herrscht tropisches Klima. Die beste Reisezeit ist von Januar bis März. April, Mai und Juni sind die heißesten Monate, und das Thermometer steigt oft über unangenehme 40 Grad.

Mitte Januar findet das hinduistische Erntedankfest Pongal statt. Für die meisten Tamilen ist Pongal das bedeutsamste Fest im Jahresverlauf.

Mehr Informationen dazu hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/13/happy-pongal/

Landwirtschaft und Natur

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Das fruchtbare Kaveri-Delta ist die Reis-Stube des Bundesstaates. Tamil Nadu ist in Indien der fünftgrößte Reisproduzent. Neben Reis werden auch Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Hülsenfrüchte und Erdnüsse angebaut. Die Dörfer und Kleinstädte in den Westernghats versorgen den Bundesstaat mit Kaffee, Tee, Gemüse, und verschiedenen Gewürzen. Tamil Nadu produziert innerhalb Indiens am meisten Kurkuma (Gelbwurz).

In den Westernghats, den Kardamom-Bergen und den Niligris-Bergen, erstrecken sich immergrüne tropische Regenlaubwälder, die vielen Tieren Lebensraum bieten.

Hier leben indische Bisons, Sambar-Hirsche, Axishirsche, Elefanten, Leoparden, Lippenbären, Tiger, Languren-Affen und viele mehr. Die Artenvielfalt ist immens, aber durch die dichte Besiedlung immer mehr gefährdet.

Essen und Trinken

Idly
Idly mit Sambar und Tomaten- und Kokosnuss-Chutney

Die Küche Tamil Nadus ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Reis und Reismehl wird in verschiedensten Arten verarbeitet und gekocht. Wer durch Tamil Nadu reist, sollte die schmackhafte südindische Küche unbedingt ausprobieren. Idly (Reis-Linsen-Küchlein), Dosai (Reis-Linsen-Pfannkuchen), Idiyappam (Reisnudeln), Appam (Reispfannkuchen mit Kokosnussmilch) oder Pongalreis, serviert mit Sambar, einer schmackhaften Gemüsesauce und diversen Chutneys, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zum Mittagessen kann man sich preisgünstig eine South Indian Thali bestellen, da bekommt man Reis verschiedene Gemüse, Sambar, Kuzhambu (scharfe Chilisauce), Rasam (Pfeffer-Sauce) und immer auch Curd (Joghurt). Meistens wird die Thali auf einem Bananenblatt serviert und man kann Nachschlag verlangen bis man genug hat.

Wer auf Scharfes verzichten möchte, mag vielleicht Curd Rice ausprobieren. Gegessen wird in Tamil Nadu mit der rechten Hand. Die Linke gilt als unrein, da sie zum Toilettengang verwendet wird. Für Touristen bringt man normalerweise viel Verständnis auf und nimmt es mit Regeln weniger genau. Es richtig zu machen, ist aber nie falsch!

Bei der Wahl des Restaurants sollte man immer Vorsicht walten lassen. Die hygienischen Zustände entsprechen oft nicht dem, was man sich wünschen würde. Achtet darauf, wo viele Leute essen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denn so wird immer frisch zubereitet. Bei Produkten, die gekühlt werden müssen, sollte man Zurückhaltung üben. In Indien gehören Stromausfälle leider zum Alltag dazu, so werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen.

In ganz Tamil Nadu findet sich die Restaurant-Kette Saravana Bhavan. In diesen Mittelklass-Hotels (Hotels sind in TN Restaurants!) bekommt man für erschwingliche Preise gutes Essen. Die Saravana Bhavans sind eigentlich immer und überall gut besetzt. Andere Restaurant-Ketten, die eine gute Qualität bieten, sind Vasanth Bhavan und A2B (Ananda Bhavan).

In Tamil Nadu wird viel Kaffee getrunken. Ein South Indian Filter Coffee oder einfach ein Kafi, wie man hier sagt, ist ein Muss. Der Kaffee wird meistens in einem Tumbler, einem Stahlbecher serviert. Um den Kaffee zu rühren und etwas abzukühlen, schüttet man ihn in den kleineren und tieferen Becher um. Am besten man beobachtet diese Kunst erst mal aus der Ferne und macht es einfach nach. Wer es nicht gerne süß oder zu süß mag, sollte dringend sagen, dass er den Kaffee ohne Zucker möchte, denn an Zucker wird definitiv nicht gespart.

Tourismus in Tamil Nadu

Die Tourismusbranche in Tamil Nadu ist mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent die größte in Indien. Die TTDC (Tamil Nadu Tourism Development Corporation) wird von der Regierung unterstützt und gefördert. Laut einer Statistik des Tourismus Ministeriums besuchten im Jahr 2015 4.68 Millionen ausländische Touristen und 333.5 Millionen indische Touristen den Bundesstaat. Viele indische Touristen reisen als Pilger zu den berühmten Tempeln oder besuchen die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.

Kultur und Kleidung

Die Tamilen sind ein sehr traditionelles, eher konservatives Volk. Sogar in der Metropole Chennai sieht man praktisch nur traditionell gekleidete Frauen in Saris oder Chudidars, wie man hier die langen Kurtas mit Hose und Schal nennt.

Der traditionelle Wickelrock für die Männer ist der Veshti oder Dhoti. Er wird vor allem zu formellen Anlässen getragen und ist meistens weiß mit einer einfachen, manchmal auch goldenen Bordüre.

Bau- und Landarbeiter hingegen tragen gerne Lungis. Der Lungi ist auch eine Art einfacher Wickelrock, der halb- oder knöchellang getragen wird. Lungis sind farbig und oft ist der Stoff kariert.

Inderinnen und Inder legen großen Wert auf saubere und gepflegte Kleidung. So sollte man auch als Gast darauf achten, wie man sich kleidet. Will man als Frau nicht ständig seltsame und oft anzügliche Blicke auf sich ziehen, sollte man eher „konservative“ Kleidung anziehen. Es müssen nicht traditionelle, indische Kleider sein, aber Knie und Schulter sollten bedeckt sein.

Es empfiehlt sich auch, einen Schal dabei zu haben. So kann man bei einem Tempelbesuch oder wenn es einem unangenehm ist, die Brust abdecken.

Männer in Shorts sieht man eher selten. In touristischen Orten, wo die Menschen sich ausländische Touristen langsam gewöhnt sind, ist es okay Shorts zu tragen. Will man jedoch einen Tempel besuchen oder in einem gehobeneren Restaurant speisen, sind Shorts ein NO GO. Viele Tempel dürfen mit kurzen Hosen auch nicht betreten werden.

Wie Reisen?

Tamil Nadu kann man mit Bus, Zug oder etwas komfortabler mit privatem Fahrer bereisen. Alleine zu fahren, würde ich definitiv nicht empfehlen.

Wie man auch unterwegs ist, in der Regel sind die Leute sehr hilfsbereit und freundlich.

Flexibel, eigenständig und erholsamer ist man mit einem privaten Fahrer unterwegs. Denn am Straßenrand gibt es immer wieder etwas zu entdecken, dass man vielleicht fotografisch festhalten möchte. Sicherlich kann man vom Fahrer nicht erwarten, dass er gleichzeitig ein guter Reiseführer ist, aber manchmal ist es hilfreich, wenn er übersetzen oder etwas erfragen kann. Für einen privaten Fahrer muss man ungefähr 3000 Rupees pro Tag einplanen.

Aber auch mit Bus und Zug kommt man auf seine Kosten und reist natürlich viel preisgünstiger. Reist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, trifft man viele Menschen und kommt leicht in Kontakt mit den Einheimischen. Oft herrscht an Bus- und Zugbahnhöfen das Chaos. Es ist unübersichtlich, oft nur in Tamil angeschrieben und man darf auch nicht erwarten, dass man sein Ziel pünktlich erreicht. Es bewährt sich Zugverbindungen rechtzeitig zu reservieren. Im Zug stehen verschiedene Klassen zur Verfügung. Je teuerer, desto komfortabler und sauberer sind die Abteile. Züge kann man über die IRCTC (Indian Railways Catering and Tourism Corporation) Webseite oder auch über Cleartrip und Busse am einfachsten über http://www.redbus.in buchen.

In den Städten kann man sich inzwischen ganz einfach über die Apps von OLA oder UBER ein Auto oder sogar eine Autoriksha buchen. So entfällt das oft nervige Handeln um den Preis und man bekommt ein Gefühl für die ungefähren Preise.

Will man beispielsweise einen Tag eine Stadtbesichtigung einplanen, kann man günstig auch Tagespakete buchen. Achtung: In Tamil Nadu nennt man die Autoriksha „Outo“! Das kann anfangs verwirrend sein und zu Missverständnissen führen.

Meine 10 liebsten Reiseziele in Tamil Nadu

Meine schönsten und liebsten Reiseziele festzulegen, war gar nicht so einfach. Da ich in Chennai lebe, mag ich es gerne etwas ruhiger und ich liebe Naturschutzgebiete. Die Fülle an sehr schönen, bedeutsamen Tempelstädten in Tamil Nadu ist schier endlos.

Thanjavur, Kanchipuram, Mamallapuram, Tiruvannamalai, Chidambaram, Kumbakonam, Tiruchirapalli, Sri Rangam, Rameshwaram, Madurai und Kanyakumari sind nur eine kleine Auswahl davon.

Doch wenn man nicht grade Indologie studiert oder sich für dravidische Architektur interessiert, dann hat man in der Regel nach 3-5 Tempeln genug, so habe ich mich auf einige interessante Tempelstädte beschränkt.

Hier meine Liste:

1. Chennai

Aussicht auf den Sueden von Chennai
Aussicht auf den Süden Chennais vom St. Thomas Mount

In den meisten Reiseführern kommt Chennai schlecht weg, und es wird eine direkte Weiterreise nach Mamallapuram empfohlen. Ich finde dies schade, denn Chennai hat einiges zu bieten. Als Indien-Neuling würde ich Chennai wahrscheinlich erst am Schluss der Reise einplanen. Für die letzten Einkäufe und einige Sehenswürdigkeiten lohnt sich ein Stopp in Chennai auf jeden Fall.

Sehenswert:

Für Einkäufe:

  • Stoffe, traditionelle indische Kleidung Nalli oder Pothys, T. Nagar
  • Indische Kleidung: Fabindia, mehrere Filialen (auch in den großen Malls)
  • Moderne Malls: Phoenix Marketcity, Velachery/ Express Avenue, Royapettah
  • Victoria Technical Institute (verschiedene Souvenirs und Kunsthandwerk aus Südindien zu erschwinglichen Festpreisen), No: 180, Anna Salai (Mount Road

2. Mamallapuram

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Shore Tempel in Mamallapuram

Der Ort ist sehr touristisch, hat aber durchaus seinen Charme. Mamallapuram ist berühmt für den Shore Tempel und das Flachrelief, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Ausführlichere Informationen:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/13/mamallapuram-weltkulturerbe/

3. Puducherry / Auroville / Pichavaram

Auroville
Matrimandir in Auroville

Das französische Flair ist in der ehemaligen Koloniestadt Frankreichs immer noch zu spüren. Der spirituelle Führer Sri Aurobindo eröffnete 1929 in Puduchery einen Ashram.

Seine rechte Hand Mira Alfassa, die nach seinem Tod, die Führung übernahm, inspirierte die Gemeinschaft zur universellen Modellstadt Auroville.

Auch einen Abstecher in die Mangroven in Pichavaram lohnt sich durchaus.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/10/pondicherry-franzoesisches-flair-in-indien/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

4. Vedanthangal

Vedanthangal
Vedanthangal Bird Sanctuary

Das Vogelnaturschutzgebiet in Vedanthangal bietet sich von Dezember bis Februar an. Es ist das Brutgebiet vieler Zugvögel.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/29/vedanthangal-vogelnaturschutzgebiet-in-tamil-nadu/

5. Tiruvannamalai

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Arunachaleshvara Tempel Tiruvannamalai

Der berühmte Arunachaleshvara Tempel am Fuße des heiligen Berges Arunachala ist ein wichtiger Pilgerort für Hindus. In Tiruvannamalai wird das zehntägige Lichterfest Karthigai Deepam gefeiert.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/11/tiruvannamalai-wenn-goetter-sich-streiten/

6. Thanjavur

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Brihadishvara Tempel in Thanjavur

In Thanjavur lohnt es sich den Brihadishvara Tempel, der zum Unesco Weltkulturerbe gehört, mit einer guten Führung zu besichtigen. Der Tempel ist architektonisch sehr interessant und überall findet man die heilige Zahl neun. Am Tempeleingang gibt es Führer von der Regierung mit fixen Preisen. Auch der Palast und die Saraswati-Mahal Bibliothek sind einen Besuch wert.

Thanjavur ist die Stadt der Künste. Tanz, Musik und die Malerei waren in Thanjavur immer sehr wichtig. Ein Konzert mit klassischer indischer Musik und Tanz kann ich Reisenden nur ans Herz legen. Die vergoldeten, prachtvollen, für uns oft etwas zu üppigen, Thanjavur-Paintings sind in ganz Indien bekannt.

Wir haben bei unserem Besuch auch einen Metall-Gießer und einen Sitar-Bauer besucht, die uns ihr Kunsthandwerk erklärt haben.

Ein sehr schönes Heritage Hotel ist das Swatma. Mit viel Liebe eingerichtet, gepflegt und mit einer hervorragenden Küche gehört es jedoch in die obere Preisklasse.

7. Chettinad/ Karaikkudi

Chettinad
Mansion in Chettinad

Ein Abstecher in die Region Chettinad lohnt sich auf jeden Fall. Hier zeigt sich wieder ein ganz anderes Indien. Die riesigen Mansions der Chettiars, der Händlerkaste beeindrucken und lassen staunen. Die Chettinad Küche ist in ganz Indien bekannt.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/26/chettinad-sehenswerte-gegend-in-tamil-nadu/

8. Rameshwaram /Dhanushkodi

Rameshwaram
Zugverbindung nach Rameshwaram

Rameshwaram wird auch das Varanasi des Südens genannt und ist ein wichtiger Pilgerort für Shivaiten und Vishnuiten. Rameshwaram und Dhanushkodi sind eng mit dem berühmten Epos der Ramayana verbunden. So hat Rama hier seine Schlacht gegen Ravana vorbereitet, der seine Frau Sita nach Lanka entführt hatte.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/27/rameshwaram-auf-den-spuren-ramas/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/dhanushkodi-am-ende-des-bogens/

9. Madurai

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Meenakshi Tempel in Madurai

Der Meenakshi Tempel in Madurai ist fast ein Muss, wenn man in Tamil Nadu ist. Hier haben Lord Sundareshwara (Inkarnation Shivas) und die Göttin Meenakshi (Inkarnation Parvatis) geheiratet.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/30/madurai-von-meenakshi-der-goettin-mit-den-fischaugen/

10. Ooty / Masinagudi/ Mudumalai Nationalpark

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Teeplantage in Ooty

Ich mag alle Hillstations in Tamil Nadu. Doch Ooty in den Niligris-Bergen ist schon etwas Besonderes. Viele meinen auch, dass Ooty die Königin aller Hillstations in Tamil Nadu ist. Eine Fahrt mit der Niligri Mountain Railway sollte man unbedingt einplanen. Die Zahnrad-Bahn von Mettupalayam nach Ooty wurde 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Verlässt man Ooty Richtung Karnataka kommt man nach Masinagudi. Hier wird es für Naturliebhaber und Tierbeobachter immer interessanter. Nicht weit davon entfernt liegen die Nationalparks Mudumalai (Tamil Nadu) und Bandipur (Karnataka). Hier hatten wir immer grosses Glück mit Tiersichtungen. Einmal sahen wir sogar einen Tiger.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/10/ooty-das-richtige-klima-fuer-mich/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2010/03/14/nationalpark-bandipur/

 

Hilfe! Krank in Indien

Indien hält für Touristen, aber auch für Einheimische ein umfangreiches Angebot an Viren und Bakterien bereit. Während sich das Immunsystem der Inder in der Regel an die Lebensbedingungen angepasst hat, so werden die Abwehrkräfte von Touristen doch arg auf die Probe gestellt.

Was kann ich vor der Reise tun?

Aus diesem Grund lohnt es sich meiner Meinung nach 2-3 Monate vor der geplanten Reise das eigene Immunsystem etwas aufzupeppen. Ich habe mit Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel gute Erfahrungen gemacht, aber es gibt sicherlich eine Fülle an guten Produkten. Am besten man lässt sich in einer guten Apotheke oder Drogerie beraten. Auch Impfungen sollten möglichst früh geplant werden, denn auch sie können unser Immunsystem erheblich schwächen.

Auf das Impfen gehe ich hier nicht weiter ein. Bei Impffragen gehen die Meinungen weit auseinander. Das Beste ist, wenn man sich von einem erfahrenen Tropenmediziner persönlich beraten lässt. Man kann keine pauschalen Empfehlungen abgeben, denn es kommt sehr darauf an wo, wann und wie man unterwegs sein wird.

Wenn man in Indien zum Arzt oder in die Apotheke geht, bekommt man die Medikamente in der Regel genau abgezählt und ohne Verpackung und Beschreibung. Wenn man das Medikament nicht kennt, sollte man daher nachfragen und den Namen notieren. Dies könnte bei eventuellen Unverträglichkeiten wichtig sein. Indische Ärzte und Apotheker tendieren oft zu starken Medikamenten, die schnelle Besserung versprechen. Auch werden gerne großzügig Antibiotika verabreicht. Will man dies nicht, sollte man gezielt nach ayurvedischen, pflanzlichen Medikamenten fragen.

Obwohl die Medikamentenpreise in Indien um ein Vielfaches günstiger sind, lohnt es sich vor der Reise, eine persönliche Reiseapotheke zusammenzustellen. Da man nie genau weiß, wie man auf neue Medikamente reagiert, ist es immer besser, auf Altbewährtes zurückzugreifen. In Indien gibt es zwar viele Medical Shops, wie die Apotheken oft genannt werden, aber durch die engen Platzverhältnisse ist das Angebot begrenzt und man kann auch nie ganz sicher sein, wie genau Verfallsdaten eingehalten werden.

Auch ist man im Falle einer Erkrankung froh, wenn man schnell etwas zu Hand hat und nicht noch groß organisieren muss. Dies wird noch wichtiger, wenn man alleine oder mit Kindern unterwegs ist.

Erkältungs- und Durchfallerkrankungen

Die häufigsten Erkrankungen, die man in Indien bekommt, sind Erkältungs- und Durchfallerkrankungen.

Die Klimaanlagen und auch die Zugluft von Ventilatoren führen gerne dazu, dass man sich auch bei sommerlichen Temperaturen erkältet. Ich beispielsweise bin recht anfällig für Halsschmerzen. So empfiehlt es sich, immer einen Schal griffbereit zu haben.

Durchfall kann man nur vorbeugen, indem man beim Essen und Trinken gewisse Vorsicht walten lässt. So hat die alte Regel “boil it, cook it, peel it – or forget it” durchaus seine Berechtigung. Bei Streetfood, auch wenn es noch so lecker aussieht, würde ich mich persönlich zurückhalten.

Am besten man isst in Restaurants, die gut besetzt sind, so kann man sicher sein, dass die Speisen nicht lange rumstehen und alles frisch zubereitet wurde. Vorsicht ist bei allem geboten, das gekühlt werden muss. Längere Stromausfälle, die die Kühlkette unterbrechen, gehören immer noch zum indischen Alltag. Ich bin Vegetarierin und esse auswärts meistens nur in Pure Veg Restaurants. Viele entscheiden sich, in Indien auf Fleisch zu verzichten.

Von Eiswürfeln, Fruchtsäften, Eiscreme, bereits geschnittenen Früchten und Salat besser die Finger lassen! (Ausser man weilt in einem 5 Sternhotel.)

Wasser steht in den meisten Restaurants immer auf dem Tisch. Meistens wird dieses Wasser in einem Water Purifier aufbereitet. Da man jedoch grade in billigeren Lokalen nicht sicher sein kann, wie diese gewartet werden, würde ich als Tourist Flaschenwasser oder selbst gereinigtes Wasser bevorzugen. Bei gekauften Flaschen sollte man immer schnell checken, ob der Verschluss in Ordnung ist. Viele brauchen auch zum Zähneputzen Trinkwasser.

Auch bei aller Vorsicht kann es einfach passieren, dass man an Durchfall oder/und Erbrechen erkrankt. In diesem Fall ist man fast gezwungen, eine Reisepause einzulegen und in der Nähe einer sauberen Toilette zu verweilen. Das Beste ist, auch wenn es sehr unangenehm ist, mal alles aus dem Körper rauszulassen. Starker Durchfall und Erbrechen können schnell schwächen. Größte Vorsicht ist bei Kindern geboten. Es kann unglaublich schnell zu einer gefährlichen Dehydration kommen. Ich habe dies mit unserem Sohn erlebt. Er hatte zwar immer wieder getrunken, aber kurz darauf alles erbrochen. Bereits nach einigen Stunden war er dehydriert. Viel zu trinken ist das Wichtigste. Da man viele körpereigene Salze verliert, empfiehlt es sich, eine Elektrolyt-Lösung einzunehmen. Gute Dienste erweisen hier auch Aktivkohle-Tabletten und Schonkost. Zwieback (Rusk), Bananen, weisser Reis, Bouillon und gesüßter Schwarztee ohne Milch sind zu empfehlen.

Für den Notfall sollte man auch ein stärkeres Durchfallmedikament dabei haben. Falls man einen gebuchten Flug oder eine längere Zugreise wahrnehmen muss, bleibt einem fast nichts anderes übrig als darmhemmende Medikamente wie Imodium einzunehmen. Sicher für die Gesundheit nicht die idealste Lösung, da die Bakterien so im Körper verbleiben, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Um die Darmflora nach der Erkrankung wieder etwas aufzubauen, empfehlen sich Probiotika-Kapseln. Hält der Durchfall über mehrere Tage an oder wenn Blut im Stuhl ist, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Oft sind Antibiotika dann unerlässlich und durchaus berechtigt.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Natürlich kann man sich bei der Zusammenstellung vom Arzt oder in der Apotheke beraten lassen. Meist läuft man dann Gefahr, dass man mit verschiedenen Medikamenten überhäuft wird.

Ich würde mich vor allem auf folgende Medikamente beschränken:

  • Persönliche Medikamente

Wenn man auf Medikamente angewiesen ist, sollte man genügend davon mitnehmen und für Notfälle auch eine Reserve einplanen. Je nach Medikamenten vom Arzt eine Bestätigung schreiben lassen, damit man beim Zoll keine Probleme bekommt.

  • ev. Pille

Wer die Pille einnimmt, sollte auch eine Reserve einplanen.

  • Einfaches Schmerz- und Fiebermittel

z. B. Dafalgan oder Aspirin (Für Kleinkinder Zäpfchen für das entsprechende Gewicht)

  • Aktivkohle Tabletten

Da gibt es ganz verschiedene Präparate wie Carbolevure oder Carbovit

  • Stärkeres Durchfallmittel für den Notfall

(Imodium oder andere Produkte) Bei Kindern unbedingt nachfragen oder nachlesen, ob Kinder diese einnehmen dürfen und wenn ja in welcher Dosierung.

  • Elektrolyt-Lösung

Diese kann gut am Anfang der Reise in Indien gekauft werden.

  • Halswehtabletten

  • Ev. Augentropfen / Ohrentropfen / Nasenspray

Ich decke mich in der Schweiz immer mit Similasan Augentropfen ein. Durch den vielen Staub und die Zugluft kann es auch mal zu Augenreizungen kommen. Reisen Kinder mit, dann ist es auch sinnvoll, etwas gegen Ohrenschmerzen zur Hand zu haben. Die hat man ja meistens ohnehin zu Hause und sie brauchen auch nicht viel Platz. Bei Kindern ist auch ein sanfter Nasenspray zu empfehlen, vor allem wenn Flüge geplant sind. Bei verstopfter Nase kann man nämlich den Luftdruck schlecht ausgleichen, was für Kinder sehr schmerzhaft werden kann.

  • Ev. in Absprache mit dem Hausarzt ein Breitband-Antibiotikum

Dies würde ich nur mitnehmen, wenn gewisse Antibiotika nicht vertragen werden oder Allergien vorliegen. Da empfiehlt es sich, auf bewährte Medikamente zu vertrauen.

  • Ev. Probiotische Kapseln zum Wiederaufbau der Darmflora

  • Ev. ein Fieberthermometer

Wenn Kinder dabei sind, würde ich dies unbedingt mitnehmen. Achtung in Indien wird Fieber in Fahrenheit gemessen. 37. 8 Grad Celsius entspricht 100 Grad Fahrenheit. Wenn der Arzt konsultiert werden muss, vorher bereits umrechnen, damit der Arzt mit den Angaben etwas anfangen kann.

  • Pflaster

  • Desinfektionsmittel / ev. Wundsalbe

Wunden können sich in Indien schnell entzünden. Daher auch kleinste Verletzungen immer desinfizieren und wenn nötig mit einem Pflaster abdecken.

  • Verbandsmaterial für den Notfall

  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor / ev. etwas gegen Sonnenbrand

  • Mückenspray

Diesen würde ich preisgünstig in Indien kaufen. Odomos ist als Spray oder Lotion fast überall erhältlich, wirkt gut und ist sehr hautverträglich. Guter Mückenschutz ist das A und O. Viele gefährliche Krankheiten Dengue, Chikungunya und Malaria werden durch Moskitos übertragen.

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Mehr Informationen dazu findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/09/klein-laestig-und-gefaehrlich/

  • Ev. etwas gegen Mückenstiche

z. B. Fenipic plus (sehr hilfreich bei Kindern)

Wenn man ernsthaft erkrankt

Leider gibt es in Indien auch Krankheiten, die einen Arztbesuch oder sogar einen Spitalaufenthalt zur Folge haben. Hat man über mehrere Tage hohes Fieber und Gliederschmerzen, sollte man dringend zum Arzt. Meistens macht es Sinn grade ein gutes, größeres Spital aufzusuchen, denn dort sind meistens alle nötigen Geräte vorhanden. Apollo verfügt inzwischen fast in ganz Indien über Spitäler und Apotheken.

Diese Spitäler kommen dem westlichen Standard am nächsten. Kleine Spitäler und Arztpraxen verfügen oft über keine speziellen Geräte, wie Röntgen, Computertomografie, Ultraschall, …. Auch die Blutuntersuchungen werden oft außerhalb in speziellen Instituten gemacht.

Wenn es nicht grade um Leben und Tod geht, lohnt es sich, mit dem Taxi auch eine längere Strecke in ein gutes Spital zu fahren.

Natürlich sind die Gesundheitskosten in Indien um ein vieles geringer als in Deutschland oder der Schweiz. Trotzdem kommen im Notfall eben doch hohe Kosten auf einem zu. So kostet beispielsweise nur das Bett auf der Intensivstation in der Apollo-Klinik zur Zeit 9500 Rupees (rund 119 Euro). So kommen in recht kurzer Zeit eben doch hohe Beträge zusammen.

Auch ein Rücktransport nach Deutschland oder in die Schweiz kostet schnell mal ein kleines Vermögen.

Eine gute Reise- und Krankenversicherung ist ein Muss! Auch sollte man immer einen größeren Betrag für Notfälle zurücklegen. In Indien ist es üblich, dass man erst mal bezahlt. Die Notfallnummer der Krankenversicherung unbedingt auf dem Handy speichern, damit man diese sofort informieren kann. Für die Abrechnung mit der Krankenkasse alle Rechnungen und Belege sorgfältig aufbewahren und gemeinsam mit Kopien der Flugtickets und dem Visums einreichen.

Alleinreisende haben es in solchen Fällen besonders schwer. Denn in indischen Spitälern sind die Angehörigen stark gefragt. So muss man Medikamente kaufen gehen, Verbands- und Verbrauchsmaterial ersetzen, sich immer wieder um Versicherungsfragen kümmern.

Als Tourist wird man meistens sehr zuvorkommend behandelt und man bekommt auch Unterstützung. Wenn man einen Arzttermin braucht, muss man sich erst etwas umständlich anmelden und ein Formular ausfüllen. Indische Spitäler sind praktisch zu jeder Tageszeit gut besetzt und man muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Daher unbedingt Wasser und eventuell einen Snack mitnehmen. Ich weiß nicht genau wie viele Konsultationen ein indischer Arzt pro Tag abfertigt, aber es sind sehr viele. Daher gehen die Besuche in der Regel auch sehr schnell. Da wird kurz gefragt, untersucht und sofort Medikamente verschrieben, die man später selbst organisieren und kaufen muss. Die Ärzte sind sich Rückfragen von Patienten nicht gewöhnt. Lasst euch aber ja nicht einschüchtern und fragt nach. Will der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, fragt nach, ob dies auch zwingend nötig sei.

Bei hohem Fieber wird meistens eine Blutprobe angeordnet. Bevor man sein Blut abgeben kann, muss man wieder zuerst die Untersuchung bezahlen. Alleine bei hohem Fieber und einem schlechten Allgemeinzustand kann man dies nicht alleine bewältigen und ihr müsst ganz klar Unterstützung verlangen. Das Spital wird schon einen Angestellten auftreiben, der euch hilft.

Als ich und unser Sohn am Dengue-Fieber erkrankten, lagen wir rund eine Woche im Spital. Natürlich ist dies nie eine tolle Erfahrung, vor allem wenn man auf Reisen und vielleicht alleine unterwegs ist. Doch wenn man ein gutes Spital ausgewählt hat und eine gute Krankenversicherung hat, ist die Versorgung durchaus mit den Standards der Schweiz oder Deutschland zu vergleichen.

Ich wünsche euch immer gute Gesundheit und wunderschöne Momente in Incredible India!

 

 

 

Strassenhunde in Indien

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Meine persönliche Einschätzung:

Ich habe ein grosses Herz für die Strassenhunde Indiens. Zwei haben das Glückslos gezogen und dürfen nun als Familienmitglieder bei uns leben. Unsere Simba haben wir aus einem Strassenhund-Projekt adoptiert. Ihre Mutter wurde von einem Auto überfahren. Bei unseren Runden durchs Quartier spielte sie immer mit einer süßen Hündin, die einen kleinen schwarzen Welpen hatte. Als die Mutter vergiftet wurde, nahmen wir den Welpen auf. Züttu und Simba sind ein tolles Team und eine enge Freundschaft verbindet die beiden.

Simba und Zuettu
Unsere Hundemädels Simba und Züttu

In unserem Quartier kenne ich praktisch jeden Strassenhund. Ich habe mir auf den Spaziergängen mit Simba und Züttu auch für alle passende Namen ausgedacht.

Alle 6 Monate kommen einige Welpen dazu und andere verschwinden. Doch viele kenne ich schon über mehrere Jahre. Auf unserer Runde, die ein Kilometer lang ist, treffe ich ungefähr auf 18-25 Hunde. Ich lebe jetzt über 10 Jahre in diesem Land und ich habe noch nie einen wirklich aggressiven Hund erlebt. Klar gibt es Kläffer, die lautstark bellen, wenn ich mit unseren Ladies vorbeikomme, aber nach 5 Metern ist dann wieder gut. Viele Anwohner sind den Hunden wohlgesinnt und versorgen sie mit Essensresten. Manche Hunde werden quasi adoptiert, das heißt, sie bekommen ein Halsband und werden mehr oder weniger mit Essen versorgt. Auch die schlechte Abfallentsorgung bietet den Hunden Nahrung.

Die 3 Schlappohren
Die drei Schlappohren sind inzwischen junge Teenager und leben in unserer Strasse. Sie sind sehr zutraulich.

Die meisten Inderinnen und Inder haben Angst vor Hunden. Es gibt zwar viele, die sich in den Städten als Prestige oder aus Sicherheitsgründen Rassetiere kaufen, aber leider haben die wenigsten eine Ahnung von Hunden, geschweige denn von Hundeerziehung. Über Schläge werden die reinrassigen Tiere dann von „ausgebildeten“ Hundetrainern erzogen oder eben auch nicht.

Kinder und Frauen schreien oft in hoher Tonlage und rennen weg, wenn ein Hund zu nahe kommt. Dass solche Reaktionen den Jagdtrieb im Hund anspricht, wissen die wenigsten. Oft werden die Hunde auch mit Steinen beworfen oder mit Stöcken geschlagen. Mit gezielter Aufklärung könnten viele Hundebisse vermieden werden.

Zahlen und Fakten:

Wer eine Reise nach Indien macht, wird viele Strassenhunde antreffen. Rund 35 Millionen Streuner leben auf dem Subkontinent.

Milchtrinkende Welpen

Auf den ersten Blick wirkt diese Zahl enorm hoch, aber wenn man ihnen 1.339 Milliarden Menschen (2017) gegenüberstellt, relativiert sich dies sehr.

Immer wieder liest man von schrecklichen Hundeattacken, denen vor allem Kinder zum Opfer fallen. Auch werden jährlich rund 1.75 Millionen Menschen gebissen. Trotz staatlichen Impf- und Sterilisationskampagnen ist in Indien die Tollwut immer noch aktiv. Pro Jahr gibt es ungefähr 18‘000 – 20‘000 Fälle von Tollwut. Auch Affen können Tollwut übertragen. Allein in Delhi wurden 2015 in den ersten 11 Monaten 1800 Affenbisse verzeichnet.

Affen und Hunde
Hunde und Affen spielen zusammen auf der Insel Elephanta

Pariah Dogs:

Die Strassenhunde Indiens, auch Pariah Dogs genannt, sind ursprünglich verwandt mit dem australischen Dingo, dem israelischen Cannan-Hund, dem singenden Hund aus New Guinea und auch der zentral-afrikanische Dorfhund gehört zu seinen Vorfahren. Der Pariah Hund hat sich durch natürliche Auslese und ohne menschliche Intervention entwickelt. Das Ergebnis ist ein sehr robuster, wachsamer, eigenständiger Hund, der sich sehr an seine Umgebung und das Klima angepasst hat. Die Hunde gelten als intelligent und sie sind gute Wachhunde.

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Die Versäumnisse der Regierung und oft traurige Realitäten:

Der Staat hat in seinen Animal Birth Control-Programm strikte Regeln festgelegt, wie und welche Hunde gefangen werden dürfen, um sie zu sterilisieren und zu impfen.

Hunde unter 6 Monaten, trächtige Hündinnen und Tiere, die unter ansteckenden Krankheiten leiden, dürfen nicht gefangen werden. Nach dem Eingriff müssen die Tiere wieder dort freigelassen werden, wo sie gefangen wurden.

In den meisten Städten nimmt man es mit diesen Regeln jedoch nicht genau und die Regierung tut zu wenig, um die Hundepopulation zu kontrollieren und zu impfen. Oft werden gefangene Hunde umgesiedelt und in anderen Stadtteilen freigelassen. Für die Hunde eine schwierige Situation. Sie verlieren ihr Rudel und müssen sich geschwächt von der Operation in einem neuen Rudel zurechtfinden und behaupten. Auch die Futterquellen, die ein Hund vorher genau kannte, sind plötzlich weg. Es drohen Hunger und Krankheit.

Die Angst vor Bissen und Tollwut führt leider immer wieder dazu, dass Anwohner das Recht in die eigenen Hände nehmen. Manche stören sich auch am nächtlichen Gebell und fühlen sich lärmgeplagt. So verschwinden viele Tiere und man weiß nicht, was mit ihnen passiert ist.

Nach Angaben von Tierschützern verschwanden 2018 Hunderte von Hunden und nur wenige konnten wiedergefunden werden. Viele Anwohner kennen „ihre“ Hunde genau. Manchmal bekommen sie auch ein Halsband, damit der Hundefänger sie nicht mitnimmt. So haben auch Streuner durchaus ihre Menschen, die sie mit Essensresten versorgen.

Verschwinden Hunde einfach so, dann kann man davon ausgehen, dass Anwohner die Initiative ergriffen haben, die Hunde zu entfernen.

Oft sind die Tiere nicht krank und sie haben auch niemanden gebissen. Illegale Hundefänger, die rein gar nichts mit den offiziellen Behörden zu tun haben, werden beauftragt und die Hunde sind weg. In Bangalore wurden illegale Hundefänger erwischt. Mit einem falschen Logo der offizellen Stellen getarnt, haben sie Hunde eingefangen, geschlachtet und das Fleisch an Lokale außerhalb der Stadt verhökert.

Auch werden Tiere einfach eigenmächtig vergiftet. So wurden beispielsweise im Oktober 2018 in einem Stadtteil von Hyderabad 50 Hunde vergiftet. Die Hunde sind qualvoll gestorben und hatten alle Schaum vor dem Mund.

Tierschutz:

In den Städten werden Tierschützer immer aktiver. Hier in Chennai ist Blue Cross am bekanntesten.

Sie nehmen kranke und verletzte Tiere auf und eilen auch zu Hilfe, wenn ein Tier in Not geraten ist. Suriyan und ich haben dort längere Zeit freiwillig mitgeholfen. Während der großen Chennai-Flut 2015 haben sie viele Tiere vor dem Ertrinken gerettet. Hunde und Katzen können adoptiert werden.

Umgang mit Strassenhunden als Tourist:

Sofort stellt sich natürlich die Frage der Tollwut-Impfung. Ich persönlich bin nicht gegen Tollwut geimpft. Da ich in einer Großstadt mit einer guten medizinischen Versorgung lebe, ist dies auch nicht zwingend nötig. Bei einem Hunde- oder Affenbiss muss man mit und ohne Impfung sowieso zum Arzt. Der einzige Unterschied ist, dass man mit einer Impfung etwas mehr Zeit hat.

Dies zu wissen, gibt vielen etwas Sicherheit, vor allem wenn man plant abseits der großen Städte zu reisen. Wer Hunden und Affen gegenüber ängstlich ist, dem würde ich eine Impfung ans Herz legen. Menschen, die Angst haben, verhalten sich oft falsch und haben leider die höhere Wahrscheinlichkeit gebissen zu werden.

Wie verhalte ich mich bei aggressiven Tieren?

Wenn Hunde oder auch Affen aggressiv werden, sollte man den Blickkontakt meiden, ruhig bleiben und weitergehen. Hektische Bewegungen, weglaufen und schreien, wecken den Jagdtrieb und sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Viele Hunde haben mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht und sind daher im Umgang sehr ängstlich und scheu.

Fühlt man sich extrem bedroht, kann man auch so tun, als ob man einen Stein vom Boden aufnimmt und diesen wirft.

Vorsicht ist in der Nacht geboten. Die Rudel verteidigen ihre Reviere und Schlafplätze in der Nacht. Da kann es als Fußgänger oder auch als Motorradfahrer sehr ungemütlich werden. Solche Situationen sollte man vermeiden und sich ein Taxi oder eine Riksha leisten. Wenn es gar nicht anders geht, unbedingt einen Stock mitnehmen.

Strassenhund mit Schlange
Strassenhunde sind durchaus auch gute Jäger. Hier habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich die Beute sah.

 

Bettler in Indien – wie gehe ich damit um?

„Amma, Money please“, spricht mich die alte Frau mit den verfilzten Haaren am Strand an und führt ihre rechte Hand zum Mund, um anzudeuten, dass sie hungrig ist.

An der roten Ampel klopft eine junge Mutter, in Lumpen gehüllt und einem süßen Baby auf dem Arm, an die Autoscheibe und faltet bittend die Hände.

Vor einem Restaurant fragen mich zwei Frauen in bunten Saris um Geld. Irritiert schaue ich genauer hin und merke, dass es Transsexuelle sind, die in Indien oft Hijra genannt werden.

Mit bunten Stickerheften in den kleinen Händen schaut mich ein 6-jähriger Junge mit traurigen großen Augen an. „Aunty, please buy!“

Nachdem ich den Tempel verlasse habe, fixieren mich viele Bettler mit erwartungsvollen Blicken. In langen Reihen sitzen sie da und jeder streckt mir bittend die Hände entgegen.

Ich bin in einer Autoriksha unterwegs und ein junger Mann ohne Beine schiebt sich auf einem kleinen Rollbrett auf mich zu.

Jemand zupft an meiner Kurta. Ein etwa 9-jähriges Mädchen in einem schäbigen Kleid mit einem Kleinkind auf dem Arm streckt mir bittend und aufdringlich die offene Hand hin.

Vor dem Tempel in Tiruvannamalai fragen mich zwei Sadhus, Bettelmönche um Geld.

Wie soll man da reagieren? Soll man etwas geben oder einfach ignorieren und weitergehen?

Reist man durch Indien, wird man immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. Man weiß, dass es in Indien große Armut und Bettler gibt. Die meisten Reisenden haben sich auf dieses Land vorbereitet und im Reiseführer darüber gelesen. Doch wenn die Bettler dann wirklich vor einem stehen und mit traurigen Augen um Geld bitten, ist es eben ganz anderes. Man ist persönlich betroffen, man ist gezwungen zu reagieren, man ist plötzlich, ohne es zu wollen, irgendwie in die Armut involviert. Der berühmte Kulturschock, der in jedem Reiseführer erwähnt wird, überrollt viele und lässt erst mal hilflos erstarren.

Ich lebe nun seit über zehn Jahren in diesem Land und muss gestehen, dass ich immer noch Mühe habe, solche Bilder zu ertragen. Doch in den Jahren musste ich gezwungenermaßen lernen, damit umzugehen.

Betteln ist in Indien ein grosses Geschäft. Oft werden Menschen, vor allem Kinder dazu gezwungen. Skrupellose Mafiosi ziehen im Hintergrund oftmals die Fäden und verdienen damit viel Geld. Für gute Standplätze an Ampeln müssen Bettler häufig Gebühren abliefern und viele sind den grausamen Halunken hilflos ausgeliefert.

Es gibt so viele schreckliche Geschichten! Babys, die mit Alkohol schläfrig gemacht und vermietet werden, damit am Ende des Tages mehr Umsatz generiert wird. Kinder, die absichtlich verstümmelt werden, um mehr Mitleid zu erregen. Betrüger, die den Unterschenkel an den Oberschenkel binden, damit es aussieht, als ob sie amputiert wären. Es gibt nichts, was es in diesem Land nicht gibt.

Ich kann hier kein Rezept liefern, wie man mit solchen Situationen umgehen soll. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, wie ich dies handhabe.

Bettelnde Kinder oder Kinder, die etwas verkaufen

Natürlich berührt der Anblick von bettelnden und armen Kindern besonders. Doch hier bleibe ich ganz klar und entschlossen. Kinder bekommen von mir nie Geld und ich kaufe auch nie einem Kind etwas ab. Ich bin gegen Kinderarbeit und will dies nicht annähernd unterstützen. Viele Touristen geben als Alternative manchmal Kugelschreiber, kleine Spielsachen oder Süßigkeiten. Ich halte davon ehrlich gesagt nichts. Die Kinder haben außer Karies meistens nichts davon. Da spendet man lieber einer vertrauenswürdigen Organisation vor Ort etwas. Als unser Sohn noch klein war und ich immer etwas zu essen bei mir hatte, gab ich manchmal Biskuits oder Früchte. Doch aufgepasst! Kauft ihr ein Päckchen Biskuits oder Snacks, solltet ihr die Packung immer öffnen, ansonsten bringen es die schlauen Kinder umgehend wieder in den Laden zurück. Dabei werden sie meistens noch um die Hälfte des Preises geprellt. Das Gleiche gilt auch bei Kleidung. Eine Touristin, die ich getroffen habe, meinte es besonders gut und kaufte einem Mädchen ein neues Kleid. Als sie eine halbe Stunde später wieder vorbeiging, trug es wieder seine alten Klamotten, und das Kleid hing wieder im Laden.

Alte und behinderte Menschen

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Diese entzückende Bettlerin, hat für mich sogar posiert.

Ist man in Indien im Alter alleine, dann ist das Leben sehr schwer und hart. Als Altersvorsorge gelten hier immer noch die Kinder, d. h. vor allem die Söhne. Sie haben die Pflicht zu den Eltern zu schauen und sie zu versorgen.

Auch für verwitwete Frauen ist es schwierig, ohne Ehemann verlieren die Frauen oft an Wert und Respekt. Manche werden von den Familien verstoßen und müssen selber schauen, wie sie über die Runden kommen.

Körperlich und geistig behinderte Menschen haben in Indien kaum Chancen. Geistig behinderte Menschen sieht man im Alltag kaum, die werden lieber zu Hause versteckt oder in Heime abgeschoben, da es für die Eltern eine große Schande ist, Möglichkeiten einer Arbeit nachzukommen, gibt es kaum.

Wenn ich Kleingeld bei mir habe, dann gebe ich alten oder behinderten Menschen einen 5er oder einen 10er. Warten sie in Gruppen, beispielsweise bei einem Tempel und ich habe nicht genügend Kleingeld, dann gebe ich gut ersichtlich, sodass alle es sehen können, einen größeren Schein an einen Bettler mit der Bitte diesen zu teilen.

Hijras, Transsexuelle

Hijras werden von ihren Familien meistens verstoßen. Sie leben in organisierten Gruppen mit Ihresgleichen zusammen. Geld verdienen sie mit Prostitution und da die Menschen Angst von ihren Flüchen haben, mit Betteln. Oft gehen sie zu Restaurants oder Geschäften. Wenn die Verantwortlichen nichts geben, werden sie ganz schön ungehobelt und beginnen mit ihren Verfluchungen. Im Norden erscheinen sie auch ungebeten zu Hochzeiten. Wenn die Hijras mit ihren Verwünschungen beginnen, kann dies sehr angsteinflößend wirken. Mein Mann hat schon einige solche Situationen entschärft. Durch ihn sind mir die Hijras ans Herz gewachsen. Viele Male haben sie unseren Sohn gesegnet, denn dies soll Glück bringen. Für Hijras öffne ich mein Portemonnaie immer und gebe je nach Größe der Gruppe einen 50er oder sogar einen 100er, sodass jeder rund einen 10er bekommt.

Mütter mit Babys und jüngere Menschen

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Bettler am Straßenrand in Chennai

Da ich davon ausgehe, dass jüngere Menschen durchaus einer Arbeit nachgehen könnten, unterstütze ich diese Bettler nie. Auch Müttern mit Babys, auch wenn das Kleine noch so süß ist, gebe ich in der Regel nichts, mit Sicherheit kein Geld. Als ich neulich grade aus dem Laden trat und angebettelt wurde, gab ich dem Kleinen eine Banane. Doch die Mutter und auch das Kind waren nicht sonderlich erfreut darüber.

Sadhus, Bettelmönche

Mit den Sadhus ist das so eine Sache. Meistens bin ich ihnen wohlgesonnen und früher habe ich meinen 10er gerne auch mit einem Foto verbunden. Dafür haben die Bettelmönche immer gerne posiert. In Rishikesh jedoch gingen sie mir dermaßen auf die Nerven, dass ich gar nichts mehr gegeben habe.

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Zwei Sadhu-Mönche in Tiruvannamalai

 

Mit weisser Hautfarbe steht man bei Bettlern hoch im Kurs. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass Weiße besonders spendierfreudig sind und oft auch größere Batzen austeilen. Ein 5er oder ein 10er sind genug, mehr sollte man nicht geben. Habe ich kein Kleingeld dabei, ist die Situation klar: Es gibt nichts! Auch aufdringliche Bettler gehen leer aus. Wer mir zu nahe kommt oder sogar an meinen Kleidern zupft, bekommt NICHTS.

Bettler spüren die Verunsicherung, die sie bei uns auslösen, es steht in unseren Gesichtern geschrieben. Viele sind aus diesem Grund auch sehr hartnäckig, aufdringlich, sodass man sie kaum wieder loswird. Wenn man sich für ein Nein entschieden hat, sollte man unbedingt an diesem festhalten, auch wenn es sehr mühsam ist. Gibt man Bettlern nach langem Nein-Sagen, dann doch etwas, lernen sie nur das eine: Wenn ich lange genug dranbleibe, erreiche ich mein Ziel. So sind die Touristen eigentlich mitverantwortlich an dem oft unangenehmen, aufdringlichen Gebaren der Bettler, das immer mehr überhandnimmt.

So habe ich zum Schluss nur noch einen Tipp:

Habt Mut eure Haltung mit einem forschen NO durchzusetzen und bitte bleibt dabei.

 

 

 

Trinkgelder in Indien – die Rupie rollt

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie unüberlegt und unwissend manche Touristen im Indienurlaub mit Trinkgeldern umgehen. Die einen scheinen mit Spendierhosen ausgerüstet zu sein und geben Trinkgelder, die teilweise einem ganzen Tagesverdienst entsprechen und andere zeigen sich so knausrig, dass es schon fast peinlich wird. Ich gönne jedem ein gutes Trinkgeld, denn die Löhne im Bereich der Dienstleistungen sind in Indien wirklich erschreckend niedrig. Auch wenn einem der eine Euro hier und da nicht wehtut, sollte man trotzdem bedenken, wie es ankommt, wenn man für kleine Dienstleistungen viel zu hohe Tips gibt. Da werden Erwartungshaltungen aufgebaut, die nicht jeder Reisende erfüllen kann oder will. Zukünftige Touristen werden es euch danken, wenn ihr versucht, einen guten Mittelweg zu finden.

Eine weiße Haut zu haben, bedeutet für die meisten Inderinnen und Inder, dass man mit Wohlstand und Geld gesegnet ist. Im Vergleich zu einem großen Teil der Bevölkerung Indiens trifft dies natürlich auch zu.

Gerne teile ich mit euch einige aktuelle Gehälter, die hier in Chennai ungefähr bezahlt werden.

  • Kellner in einem einfachen Restaurant: 4000-6000 INR pro Monat (rund 51-77 Euro)
  • Gelernter Kellner in einem 5 Sternhotel: 18‘000-20‘000 INR pro Monat (rund 230-255 Euro)
  • Sous Chef in einem 5 Sternhotel: 30‘000 INR pro Monat ( rund 383 Euro)
  • Ungelernter Arbeiter auf dem Bau: pro Tag 500 INR bei acht Stunden Arbeit. (rund 6.40 Euro)
  • Krankenschwester: 15‘000 – 25‘000 INR Rupees pro Monat (rund 191 -318 Euro)
  • Putzfrau: tägliches Putzen einer 4-Zimmerwohnung hier in unserem Wohnquartier in Chennai 2500 INR pro Monat bei einem zeitlichen Aufwand von ungefähr 2-3 Stunden. (rund 32 Euro)
  • Privater Chauffeur Vollzeit : 12‘000 bis 15‘000 INR pro Monat. (rund 153-191 Euro)

Trinkgeld ist immer Ausdruck der Kundenzufriedenheit. Ist man unzufrieden mit einer Dienstleistung, dann sollte man auch keine Tips geben.

Die Schwierigkeit in Indien ist, dass man ständig einen Mangel an kleineren Scheinen hat. Besonders auf Reisen werden die 5er, 10er und 20er wichtig. Daher sollte man die großen Scheine, die man beim Automaten rausgelassen hat, möglichst schnell loswerden, sodass man immer etwas Kleingeld hat. Oft wird man beim Bezahlen gefragt, ob man es kleiner hat, denn auch hier ist Wechselgeld oft rar. Wenn ich knapp an kleinen Scheinen bin, verneine ich dies und nehme es in Kauf etwas länger auf mein Wechselgeld zu warten. Man sollte darauf achten, dass die Geldscheine nicht beschädigt sind, denn diese bringt man nicht mehr los. Man könnte sie bei der Bank eintauschen, aber der administrative und zeitliche Aufwand lohnt sich in der Regel nicht.

Ich merke mir immer ungefähr was für Kleingeld ich in meinem Portemonnaie habe. Öffnet man seine Geldbörse, um einem alten Bettler einen 5er oder 10er zu geben, sollte man schließlich auch wissen, ob man überhaupt noch einen dabei hat.

Wenn der Service gut war, dann sollte man im Restaurant rund 10 Prozent geben. Manche Restaurants berechnen die Service Charge mit 10 Prozent selbst, obwohl dies eigentlich nicht zugelassen wäre und die Angestellten wohl nichts davon sehen. Sind die Service Charge auf der Rechnung aufgelistet, dann sollte man kein Trinkgeld mehr bezahlen. Bitte nicht verwechseln mit der SGST, der State Goods and Service Tax, die mit 2.5 % als Teil der Mehrwertsteuer immer verrechnet wird.

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Wenn man edel und teuer speist, kann man ruhig auf 5-7 % runter gehen oder, wenn der Service ausgezeichnet war, an den 10 Prozent festhalten.

Im Hotel sollte man an der Rezeption immer darauf achten oder nachfragen, ob es eine Tip-Box gibt. Hier kann man am Abreisetag einen größeren Betrag einwerfen, der dann hoffentlich allen Angestellten zu Gute kommt. Auch hier würde ich, je nach Zufriedenheit 5-10 Prozent der Gesamtrechnung übergeben. Will man einzelne Angestellte, die besonders nett und zuvorkommend waren, mit einem Trinkgeld beglücken, mache ich dies in der Regel am Abreisetag mit einem etwas höheren Betrag. Hier rechne ich pro Tag, je nach Hotel, zwischen 20-50 Rupees. Je teuerer das Hotel, desto höher sollten auch die Tips ausfallen. Erfüllen Angestellte extra Botengänge, die nicht zur üblichen Arbeit gehören, sollte man diese immer mit einem Trinkgeld belohnen. Besorgt mir ein Angestellter beispielsweise eine Flasche Bier im Ort, dann würde ich ihm 50-100 Rupees zustecken.

Einem Kofferträger gebe ich in der Regel einen 10er oder 20er. An Bahnhöfen können Kofferträger ganz schön aufdringlich werden und das Gepäck einfach unaufgefordert an sich reißen. Ich mag das gar nicht und trage es dann lieber selbst oder suche mir jemanden aus. Auch hier bewährt es sich als weisser Tourist den Preis vorher auszumachen, ansonsten muss man am Ende lange Preisverhandlungen führen.

Ist man mit einem Taxi oder einer Riksha unterwegs, werden keine Trinkgelder erwartet. Beim Bezahlen rundet man meistens auf, da die Fahrer oft kein Wechselgeld haben.

Wenn man für längere Zeit mit einem eigenen Fahrer reist, dann erwartet er am letzten Reisetag ein Trinkgeld. Auch hier sollte der Tip nach Zufriedenheit ausfallen. Ich würde je nach Größe der Gruppe 300-600 Rupees pro Tag geben.

Für einen Touristenführer sollte man je nach Zufriedenheit und Qualität rund 100 – 200 Rupees Trinkgeld einrechnen. Bei einer Gruppentour 50 – 100 Rupees pro Person. Ist es eine absolut professionelle und auch auf individuelle Bedürfnisse eingehende Führung, die vom Guide hohe Kompetenzen und Fachkenntnisse verlangt, dann kann das Trinkgeld von 300-1000 Rupees gehen.

Sind wir mit dem Auto unterwegs und essen auswärts, dann bekommt der Parkeinweiser immer einen 10er oder 20er. Auch netten Klofrauen gebe ich oft einen 10er oder lasse einige Münzen da.

Natürlich darf man sich als Tourist auch mal erlauben, für besonders guten Service etwas großzügiger zu sein. Viele Angestellte sind wirklich auf die Zusatzverdienste von Tips angewiesen. Dabei bitte die indischen Gehälter und Lebenskosten nicht ganz vergessen!

Tipps für Indienreisende

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In Indien funktioniert vieles anders, als man sich von der westlichen Kultur her gewohnt ist. Glücklicherweise sind die Inder gegenüber Touristen und „Indian Greenhorns“ recht großzügig, wenn es ums Einhalten der indischen Etikette geht. Wer jedoch nicht gerne ins Fettnäpfchen tritt und Fehler vermeiden möchte, der sollte folgende Punkte beachten.

Kleider machen Leute

In der indischen Kultur ist ordentliche und saubere Kleidung etwas sehr Wichtiges. Der Hippie-Gammel-Look, den manche Touristen in Indien tragen, kommt in der Regel gar nicht gut an. Die meisten Inder sind bezüglich Kleidung konservativ eingestellt. In den Citys sieht man zwar immer mehr westliche Kleider, aber die wenigsten tragen Shorts, Miniröcke oder Spaghettiträger-Tops. Es sei denn, man ist in einer hippen Bar, einem Fünfstern-Hotel oder natürlich in Goa. Dort tragen sogar indische Frauen aus der Oberschicht körperbetonte Kleidung und zeigen viel Haut.

Ich empfehle Indienreisenden sich konservativ, angemessen und achtsam zu kleiden. Die Beine und Schultern sollten bedeckt sein. Großzügige Ausschnitte sollten Frauen mit einem Schal abdecken. Männer haben etwas mehr Spielraum. An sehr touristischen Orten sind Shorts okay. Besucht man jedoch gehobenere Lokale oder religiöse Stätten sind auch bei Männern lange Hosen ein Muss.

Natürlich kann in Indien jede und jeder tragen, was sie oder er will. Wahrscheinlich wird auch niemand etwas sagen, höchstens ungläubig starren, heimlich schmunzeln oder innerlich den Kopf schütteln. Man wird jedoch mit Sicherheit anders, d. h., mit weniger Respekt und Achtung, auf unangemessene Kleidung reagieren.

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Schuhe bleiben draußen

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich, weil sie schmutzig und staubig sind.

Auch in vielen Geschäften stehen Schilder an der Tür „Please leave your shoes outside“.

Die rechte Hand

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In Indien gilt die linke Hand als unrein, da viele sich mit dieser nach dem Toilettengang reinigen.

Im Kontakt mit Essen sollte man darauf achten, dass man nur die rechte Hand braucht. Auch beim Weiterreichen oder beim Schöpfen von Speisen sollte man der rechten Hand stets Vorrang geben.

Das Gleiche gilt beim Bezahlen. Viele Inder sind sehr abergläubisch und deuten es als schlechtes Omen, wenn man Geld mit der Linken überreicht.

Finger und Füße

Wie bei uns in der westlichen Kultur ist es unhöflich, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Das Gleiche gilt bei den Füßen. Es ist respektlos etwas mit den Füßen zu berühren oder darauf zu zeigen. Passiert mal ein Missgeschick, sollte man sich sofort entschuldigen.

Auf der andern Seite ist es durchaus üblich, dass die Füße von älteren Respektspersonen berührt werden. Mit dieser Geste bringt man seine Achtung zum Ausdruck und bittet um den Segen.

Nicht beleidigt sein, wenn persönliche Fragen gestellt werden

Für Menschen, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind, erscheinen die indischen Landsleute oft etwas ungehobelt, manchmal sogar unhöflich. Da trifft man einen Inder zum ersten Mal und der fragt ungeniert: Are you married? Do you have children? What’s your profession?

In Indien kennen viele keine Privatsphäre und so sind Fragen nach Familie, Beruf oder sogar nach dem Gehalt üblich. Wem dies zu viel ist, der sollte es mit der Wahrheit nicht zu genau nehmen. Natürlich darf man auch zurückfragen! Oft sind die Leute darüber erfreut und man kommt ins Gespräch. Fragen über Politik und Religion können jedoch sehr heikel sein und sollten besser vermieden werden.

Bitte und Danke

Die Zauberwörter Bitte und Danke, die uns in der westlichen Kultur in Fleisch und Blut übergegangen sind, hört man in Indien selten. Ein Grund dafür liegt auch in der anderen Sprachkultur. Die formelle, höfliche Anrede schließt oft ein Bitteschön ein.

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangszeit in Indien. Ich dachte wirklich, dass ich nur von unhöflichen, unerzogenen Menschen umgeben bin.

In der Familie und unter Freunden ist danken unüblich. Man kann damit sogar jemanden verletzen und unnötig Distanz aufbauen. Wenn ich mich bei meiner Angestellten für etwas bedanke, dann sagt sie stets: „No thanks, Mam!“

Im Vergleich zu indischen Zeitgenossen bin ich auch heute noch sehr höflich. Ich wurde scheinbar gut erzogen und diese Wörter sind bei mir verinnerlicht.

Ich komme so zurecht und viele wissen ein Danke auch zu schätzen.

Bei aufdringlichen Bettlern, übereifrigen Geschäftemachern oder bei schlechtem Service sollte man jedoch auf Höflichkeit definitiv verzichten.

Begrüßen

Namaskar oder Namaste ist die gängigste Grußform in vielen Teilen Indiens. Sehr schön finde ich die spirituelle Bedeutung von Namaste. Grob übersetzt bedeutet es: „Ich grüße das Göttliche in dir.“ Dabei hält man die gefalteten Hände vor der Brust zusammen und verbeugt sich leicht. Diese traditionelle Begrüßung wird auch gebraucht, um sich zu verabschieden.

Hier in Tamil Nadu sagt man Vanakkam.

Unter Männern etabliert sich der Händedruck immer mehr.

Als Frau sollte man den Händedruck zu Männern vermeiden, es sei denn man bewegt sich in der Oberschicht oder in der indischen Geschäftswelt.

Einkaufen und feilschen

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Mit weißer Haut steigen die Preise der Händler, Geschäftsinhaber, Autoriksha-Fahrer, … massiv an. Es ist zwar oft mühsam, ermüdend und zeitaufwendig, aber man muss um die Preise feilschen. In der Regel kann man als Tourist den Preis um die Hälfte runterhandeln. Leider sind die Inder uns im Handeln meist bei Weiten überlegen und sie lesen anhand unserer Mimik und Gestik genau, was uns interessiert. Ein Pokerface und Desinteresse zu zeigen, kann durchaus helfen, die überrissenen Touristenpreise zu senken. Hilfreich ist es auch, wenn man den Laden nach erfolglosen Preisverhandlungen einfach verlässt. Meistens wird man dann zurückgerufen und bekommt einen besseren Preis.

Vom Nein-Sagen

In Indien ist es oft wichtig und angebracht klar NEIN zu sagen. Wenn es jedoch um Einladungen zu Hochzeiten oder Hauseinweihungen geht, braucht es mehr Fingerspitzengefühl, um nicht respektlos und unfreundlich zu erscheinen. Man sollte bei Einladungen nie direkt Nein sagen. Besser man sagt: „Ich werde versuchen zu kommen.“

Indian Stretchable Time

Die Zeit tickt in Indien anders. Als pünktlicher Mensch aus der westlichen Kultur kann dies sehr nervenaufreibend und frustrierend sein. Man tut besser daran, sich auf die Indian Stretchable Time einzustellen. Durch den Verkehr bedingt, kann man sich in Indien tatsächlich schnell verspäten.

Mit einer Verspätung von 30 Minuten oder mehr zu einer Verabredung zu erscheinen, ist für Inder absolut normal. Am besten man richtet sich darauf ein, kommt selbst etwas später und hat etwas dabei um die Wartezeit zu überbrücken.

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit

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Sexualität ist in Indien ein großes Tabuthema. Die indische Gesellschaft ist diesbezüglich sehr konservativ eingestellt. In der Öffentlichkeit zu küssen, sich zu umarmen oder nur Händchen zu halten ist ein No-Go.

Junge Männer jedoch laufen oft Hand in Hand oder Arm in Arm durch die Gegend. Dies hat nichts mit Homosexualität zu tun, sondern ist Ausdruck der Freundschaft.

Rauchen und Alkohol

Das Rauchen und Trinken von Alkohol ist in Indien aus religiösen Gründen oft verpönt. Seit vielen Jahren darf nicht mehr auf öffentlichen Plätzen geraucht werden und das Einführen von E-Zigaretten ist verboten. In einigen Bundesstaaten, beispielsweise in Gujarat ist der Alkoholkonsum gänzlich verboten. Im Jahresverlauf gibt auch viele sogenannte „Dry Days“. Vor Wahlen, aber auch an vielen Festtagen darf kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden. In Indien ist es für Restaurants schwierig eine Lizenz für den Ausschank von Alkohol zu bekommen.

An sehr touristischen Orten bekommt man manchmal auf diskrete Anfrage illegal ein Glas Wein oder ein Bier. Dieses wird dann meist unauffällig in einem normalen Trinkglas serviert.

Es ist jedoch nicht so, dass in Indien nicht getrunken und geraucht wird. Die Inder haben jedoch keine Trinkkultur, wie wir sie kennen. Gerne wird Whiskey und Rum getrunken – und dies nicht zu wenig!

Frauen, die rauchen oder trinken sind in Indien selten anzutreffen. Diese gehören in der Regel zur oberen Mittel-oder Oberschicht.

Im Beisein einer Respektperson wird in der Regel nicht geraucht oder getrunken. Mein Mann würde nie vor seinen Eltern rauchen oder etwas trinken. (Obwohl die inzwischen längst wissen, dass er dies ab und zu tut.)

Als Tourist bleibt einem nichts anderes übrig, als sich den gegebenen Umständen mit Umsicht anzupassen.

Schließe nicht von einem Erlebnis auf alle andern

Indien ist ein riesiges Land mit vielen kulturellen Hintergründen, vielen verschiedenen Menschen und Religionen. Was in einem Landesteil, in einer bestimmten Schicht oder Kaste üblich ist, muss nicht zwingend in ganz Indien so sein. Beurteile und verurteile die Menschen und ihr Verhalten nicht vorschnell. Vieles wird man auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick nicht verstehen können. Versuche diesem vielfältigen Land mit einer gewissen Offenheit und Respekt zu begegnen.

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Wenn du mehr über das richtige Verhalten in einem hinduistischen Tempel wissen möchtest, lies hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/17/besuch-in-einem-hindutempel-das-solltest-du-wissen/

Mehr über den Gebrauch der rechten Hand im indischen Alltag:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/10/rechts/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besuch in einem Hindutempel – das solltest du wissen

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Thanjavur

Wer eine Reise nach Indien wagt, kommt um einem Besuch in einem hinduistischen Tempel nicht vorbei. Berührungsängste braucht man eigentlich keine mitzubringen, denn in der Regel stehen Tempel Menschen aller Religionen offen. Manchmal darf man als AusländerIn nicht ins Allerheiligste, was man mit Gelassenheit respektieren sollte. Es gibt auch Tempel, die AusländerInnen keinen Zutritt gewähren. Im Guruvayur Tempel in Kerala wurde ich, obwohl ich ganz traditionell gekleidet war, nicht eingelassen. Nur mit einem hinduistischen Ehezertifikat hätte ich Zutritt bekommen. Diese Entscheidungen muss man einfach ruhig hinnehmen, denn argumentieren, bringt meistens gar nichts.

Tempel sind für gläubige Hindus heilige, bedeutsame Orte. Hier kommt man her um die Götter zu preisen, zu beten und oft auch um seine Sorgen und Nöte kundzutun.

Als ausländischer, andersgläubiger Gast sollte man sich daher immer ruhig und respektvoll verhalten.

 

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Chidambaram

Kleidung

Dies beginnt mit angemessener Kleidung. Wenn man einen Tempelbesuch plant, sollte man unbedingt auf saubere, gepflegte und eher konservative Kleidung achten. Es müssen nicht unbedingt traditionelle, indische Kleider sein, die Kleidung sollte jedoch die andern Tempelbesucher nicht stören und ablenken.

Männer sollten lange Hosen und ein sauberes Hemd oder T-Shirt tragen. Kurze Hosen werden nicht gerne gesehen und oft bekommt man so auch keinen Zutritt. In einigen Tempeln in Südindien müssen Männer einen Dhoti (Wickelrock) tragen. Den kann man sich oft in einem Geschäft ausserhalb des Tempels gegen ein kleines Entgelt ausleihen. Es gibt auch Tempel, wo Männer nur mit Dhoti und nacktem Oberkörper rein dürfen.

Frauen sollten lange Hosen oder einen langen Rock tragen und ihre Schultern sollten bedeckt sein. Es empfiehlt sich einen Schal mitzunehmen mit dem man die Schultern und die Brust abdecken kann.

Man sollte vermeiden Lederprodukte in einen Tempel mitzubringen.

 

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Thiruvannamalai

Opfergaben

Vor dem Tempel kann man meistens Opfergaben kaufen. Kokosnüsse, Früchte und Blumen gehören immer dazu. Hindus glauben, dass Opfergaben die Götter erfreuen und so die Gebete eher in Erfüllung gehen. Die Opfergaben werden vor dem Schrein dem zuständigen Priester überreicht und im innersten Zimmer dem entsprechenden Gott dargeboten. Ins Innerste des Schreins hat nur der Priester Zutritt. Nachdem der Priester die Gaben vor Gott gesegnet hat, lässt er einen Teil bei der Gottheit und den anderen Teil bringt er zurück und übergibt ihn.

Opfergaben sind kein Muss und man ist in keinster Weise verpflichtet etwas zu kaufen und mitzubringen. Wir bringen beispielsweise nur selten Opfergaben mit. Das Gleiche gilt für Spenden.

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Schuhe

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich auch, weil sie schmutzig, staubig sind.

In grösseren Tempeln gibt es immer Stellen, wo man seine Schuhe für einige Rupees abgeben kann. Man erhält dann einen Token, so kann man seine Schuhe nach dem Tempelbesuch wieder abholen.

Manchmal kann man die Schuhe auch in einem kleinen Geschäft oder bei den Blumenverkäuferinnen abgeben. Die passen gegen ein kleines Entgelt gerne darauf auf.

Wer um seine teuren Schuhe Angst hat, sollte für den Besuch im Tempel ein paar einfache Flip-Flops anziehen. Im Meenakshi-Tempel in Madurai beobachtete ich, wie eine Ausländerin ihre Schuhe in ihre Tasche stopfte. Bei der Taschenkontrolle wurde sie jedoch sehr unfreundlich und mit zornigen Blicken umgehend zurückgeschickt. Bitte lasst eure Schuhe einfach draußen.

Wie sieht es aus mit Socken? Einige finden dies absolut unproblematisch und für andere gehören Socken zu den Schuhen. Da die Böden während der Sommermonate oft sehr heiß werden, behalten einige Touristen gerne ihre Socken an. Die Inder tun dies natürlich nie. Ich gehe immer barfuss in einen Tempel.

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Rameshwaram

Fotografieren

In vielen berühmten Tempeln ist fotografieren verboten. Oft darf man nicht mal die Kamera mitnehmen. Mit den Smartphones hat sich nun alles verändert. Viele Inder und Touristen setzen sich leider schamlos über diese Verbote hinweg, da sie nicht mehr zu kontrollieren sind. Wenn man Fotos macht, sollte man sehr mit Bedacht und Respekt vorgehen und andere Tempelbesucher nicht stören. Wenn es untersagt ist, dann würde ich mir als Gast niemals erlauben zu fotografieren, auch wenn viele andere sich über das Verbot hinwegsetzen. Betende Menschen zu fotografieren, finde ich persönlich nicht in Ordnung. Bei einem Tempelbesuch darf es nicht darum gehen, möglichst tolle Bilder zu knipsen, sondern in sich zu gehen und die Andacht und die Stimmung zu erleben.

 

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Tiruvannamalai

Im Tempel

Tempel sind in der Regel immer ähnlich aufgebaut. Meistens steht links Lord Ganesha. Ihm gehören immer die ersten Gebete. Er ist der Gott des Anfangs und der Überwinder aller Hindernisse. Danach geht man im Uhrzeigersinn durch den Tempel. Statuen von Gottheiten sollte man nicht berühren. In grossen Tempeln gibt es vor den Hauptschreinen oft separate Reihen für Frauen und Männer. Einfach gut beobachten und sich in die richtige Reihe stellen. Bei Unsicherheiten helfen die Besucher oder auch die Priester normalerweise gerne weiter.

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Priester

Priester sind auch nur Menschen und obwohl sie äusserst religiös sind, leuchten die Augen oft auf, wenn sie Ausländer erblicken. Geschäftstüchtig erhoffen sie sich einen grossen Batzen. So können sich Priester manchmal aufdringlich und geldgierig zeigen. Oft wollen sie Ausländern private Pooja-Zeremonien aufschwatzen oder sie zu unverschämten Spenden drängen. Manchmal offerieren sie sogar gegen eine entsprechend hohe Summe doch einen Blick ins Allerheiligste. Hier sollte man sich gänzlich zurückhalten, kein Interesse zeigen und nicht zahlen.

Es gibt leider auch sehr konservative Priester, die gar keine Freude haben, wenn Ausländer ihren Tempel besuchen. Ich wurde nach einem Darshan schon bewusst übergangen als ich mit offener rechter Hand vorbeiging um Vibhuti zu erhalten. Doch solche Erlebnisse sind nicht die Norm und kommen selten vor.

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Wunschbaum (vor allem für Kinderwünsche)

Beim Gott, Darshan

Vor dem Schrein faltet man seine Hände zum Namaste und verbeugt sich leicht. Wem dies zuviel ist oder wer sich dabei unwohl fühlt, sollte das Ganze aus der Entfernung beobachten. In grossen Tempeln hat es oft viele Menschen, die Gott sehen und sich segnen lassen wollen. So ist es oft eng und auch hier wird gedrängelt.

Der Hinduismus und seine Rituale sind sehr vielfältig und oft sogar für Hindus undurchschaubar. Je nach Tempel läuft der Darshan, die Lobpreisung Gottes durch die Priester etwas anders ab. Meistens werden Lobgesänge und Mantras angestimmt und die Gottheit wird mit Flammen umkreist. Danach kommt der Priester mit den Öllichtern zu den Gläubigen und überreicht je nach verehrter Gottheit Vibhuti, heilige Asche (Shiva) Kumkumpulver (Parvati), Sandelholzpaste (oft an Festtagen), Blumen oder Tulsi-Wasser (Vishnu). Oft bekommt man auch Prasad, gesegnete Speisen (meist Süssigkeiten oder Hülsenfrüchte).

Wichtig hierbei ist, dass man es immer mit der rechten Hand entgegen nimmt. Die linke darf die rechte Hand stützen. Wer dies nicht beachtet, zieht mit Sicherheit den Zorn des Priesters auf sich.

Am besten man beobachtet genau und macht es einfach nach, dann geht in der Regel alles problemlos.

Nach dem Darshan sollte man den Tempel nicht sofort verlassen. Man setzt sich ausserhalb noch etwas hin und verweilt eine Weile im Tempel.

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Madurai

 Bettler

Wenn man den Tempel verlässt, sitzen meistens Bettler da, die um Almosen bitten. Oft sind es alte Frauen und Männer oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Viele Tempelbesucher ignorieren diese und laufen einfach vorbei. Ich tue mich schwer damit. Schon aus der Ferne beobachten und fixieren mich ihre Blicke. Das verzweifelte, hilflose „Amma, please!“ kann ich nicht übergehen. Aus diesem Grund schaue ich immer, dass ich Kleingeld dabei habe, so dass ich jedem einen 5er geben kann. Mehr als 10 Rupien sollte man nicht geben.

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Als Frau alleine in Indien

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Die schreckliche Massenvergewaltigung mit anschließendem Mord an einer jungen Frau in der Nähe von Hyderabad (November 2019) haben ganz Indien erschüttert. Auch mich hat dieser Fall sehr aufgewühlt. Die Täter haben es gezielt auf die Frau abgesehen, ihrem geparkten Scooter die Luft rausgelassen und sich bei ihrer Rückkehr als freundliche Helfer ausgegeben. Wie kann man da noch jemandem trauen, der seine Hilfe anbietet?

Ich lebe nun schon fast 11 Jahre in Indien und meiner Meinung nach ist Indien kein geeignetes Land für alleinreisende Frauen. Hätte ich eine Tochter, würde ich so einem Vorhaben mit sehr grosser Besorgnis entgegensehen. Vor allem jungen, unerfahrenen Indienreisenden mit einem kleinen Reisebudget rate ich davon ab. Um einen Eindruck von Indien zu bekommen, empfehle ich, sich das erste Mal eine Reisebegleitung zu suchen oder sich einer Gruppenreise anzuschließen. So kann man in die indische Kultur reinschnuppern und mal schauen, wie sich dies anfühlt.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass das Abenteuer Indien mit zunehmendem Alter einfacher wird. Je älter man ist, desto mehr Respekt wird einem entgegengebracht. Mit 48 kann ich es mir jetzt auch ab und zu erlauben, mit jungen Männern zu scherzen, ohne dass es falsch verstanden wird. Irgendwie bekommt man eine gewisse Oma-Aura, die durchaus seine Vorteile hat.

Recht sicher, aber halt auch relativ teuer ist man mit einem eigenen Fahrer unterwegs. Ein Fahrer wird sich automatisch für euch verantwortlich fühlen und stets um eure Sicherheit bemüht sein.

Je mehr man selbst organisieren und planen muss, desto anstrengender und nervenaufreibender zeigt sich der indische Subkontinent. Dieses Land kann einem schnell an die eigenen Grenzen bringen. Um das Abenteuer überhaupt in Betracht zu ziehen, sind meiner Meinung nach gute bis sehr gute Englischkenntnisse und eine vorgängige Auseinandersetzung mit der indischen Kultur unabdingbar.

Kurzeinblick in die indische Kultur

Indische Frauen reisen in der Regel nicht alleine. Dies würden die Eltern und Ehemänner doch mit grosser Besorgnis sehen. Man ist sehr auf Sicherheit bedacht und will nichts riskieren. Weibliche Fahrgäste nutzen Uber nur mit GPS-Kontrolle und nachts ist man zu Hause oder sicherlich nicht alleine unterwegs.

In den Großstädten Mumbai, Delhi und Bangalore sieht man indische Frauen in westlicher Kleidung, aber die große Mehrheit ist doch indisch gekleidet. Hier in Chennai (Tamil Nadu) ist man noch sehr traditionell und konservativ eingestellt. Im Alltag sieht man eigentlich nur Frauen in Saris oder Churidars (Salwar Kameez). Nur wenn ich in eine Mall, ein 5-Sterne-Hotel oder eine Bar gehe, sehe ich westlichen Kleidungsstil. Da präsentieren sich auch einige indischen Frauen der höheren Mittel- und Oberschicht gerne knapp und körperbetont. Ein ähnliches Bild präsentiert sich im geschützten Rahmen eines besseren Hotels oder Resorts, wo Indiens Mittelschicht anzutreffen ist.

In Indien kennt man keine Badekultur. Eigentlich auch nicht erstaunlich, denn die meisten können nicht schwimmen. Eine indische Frau würde niemals in einem Bikini oder Badeanzug an einen normalen Strand gehen. Ist der Strand privat, gesichert oder sehr touristisch wie in Goa, dann sieht es wieder anders aus.

Sexualität ist in Indien ein grosses Tabu. In indischen Filmen sieht man nicht mal einen Kuss. Westliche Filme mit Sexszenen werden zensuriert und im Kino wird sofort eine Altersgrenze von 18 gesetzt. Gewaltszenen und Brutalität hingegen sind kein Problem, damit werden schon Säuglinge und Kleinkinder berieselt. Indische Paare tauschen in der Öffentlichkeit keine Zärtlichkeiten aus, sie gehen nicht mal Hand in Hand. Höchstens wenn sie in den Flitterwochen weilen, sieht man händchenhaltende Paare.

Die indischen Mädchen werden sehr behütet und auf Sicherheit bedacht aufgezogen. Schon früh wird ihnen beigebracht, dass man fremden Männer mit Distanz begegnet, da wird nicht gelächelt und oft sogar der Blickkontakt vermieden. Keinesfalls sollen falsche Signale ausgesendet werden.

In den indischen Männerköpfen herrscht oft das Bild, dass weiße Frauen leicht zu haben sind und ihre Sexualpartner gerne wechseln. Wenn ich in Chennai oder selbst auf Reisen dann Touristinnen begegne, die sich scheinbar überhaupt nicht mit der indischen Kultur auseinandergesetzt haben, kann ich nur den Kopf schütteln. Junge hübsche Frauen in Spaghettiträger-Tops und Hotpants, die jedem nett zulächeln. Fast jeder Inder dreht sich um, starrt und in den Gesichtern steht geschrieben, worum sich ihre Gedanken wohl kreisen. Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen kurze Röcke und lachende Frauen und wären diese im 5-Sterne-Hotel oder in einer angesagten Bar, dann passt dies durchaus- auch hier in Indien. Jedoch nicht auf offener Straße, nicht in einem ungeschützten Raum.

In den letzten Jahren hat sich in Indien leider ein schrecklicher Selfiekult ausgebreitet. Vor allem Selfies mit Touristen und noch lieber Touristinnen sind absolut im Trend. Auch hier überschreiten indische Männer oft die Grenzen des Anstandes. So suchen viele gezielt Körperkontakt und legen sogar den Arm um die Touristin. In der indischen Kultur ein absolutes NO GO. Ich rate dringend davon ab, sich alleine mit fremden Männern abzulichten. Erstens ist schon die Frage nach einem Selfie grenzwertig, zweitens werdet ihr euch kaum von Anfragen retten können und drittens weiß man nie, was danach mit diesen Bildern passiert.

12 Tipps für alleinreisende Frauen

  1. Versuche deine Reise gut zu planen und vorzubereiten. Mit einer guten Reiseplanung kannst du bereits im Vorfeld viele Risiken eliminieren. Dadurch verliert deine Reise keineswegs an Spontanität, denn oft klappt in Indien nicht alles nach Plan.
  2. Höre gut auf deine innere Stimme. Diese warnt dich in der Regel sehr genau vor Gefahren und Ungereimtheiten. Hast du ein schlechtes Gefühl, dann suche nach einer anderen, sicheren Möglichkeit.
  3. Trete selbstbewusst und wenn nötig bestimmt auf.
  4. Kleide dich eher „konservativ“. Es müssen nicht unbedingt indische, traditionelle Kleider sein, aber die Knie und die Schultern sollten bedeckt sein. Es lohnt sich, einen Schal in Griffnähe zu haben. Der hilft, wenn man damit die Brust und den Ausschnitt abdeckt, nicht nur gegen aufdringliche Blicke, sondern ist auch sehr nützlich gegen eine Erkältung durch Zugluft oder die Klimaanlage. Auch bei einem Tempelbesuch unerlässlich.
  5. Die Sicherheit sollte immer vorgehen. Suche dir nicht aus Spargründen die billigsten Unterkünfte in einer schlechten Gegend, sondern achte darauf, dass die Hotels oder Herbergen gute Empfehlungen haben und sicher sind. Das Zimmer sollte immer mit einem Riegel von innen zu schließen sein.
  6. Vermeide das Reisen spät in der Nacht. Wenn es nicht anders geht, lass dich am Ankunftsort abholen. Auch einsame Plätze und Gegenden sind keine gute Idee. Nachts solltest du nicht alleine unterwegs sein.
  7. Informiere jemanden über deinen Reiseverlauf.
  8. Ein aufgeladenes Handy und eine Powerbank in der Tasche geben Sicherheit. Notiere dir wichtige Adressen und Telefonnummern und speichere sie in deinem Phone ab.
  9. Nutze bei Bus- und Bahnreisen die Bereiche für Frauen oder Familien. Wenn es eng wird, empfiehlt es sich, den Rucksack oder die Tasche vorne an die Brust zu nehmen, so bist du wenigstens von vorne besser gegen sexuelle Belästigung und natürlich auch gegen Diebstahl geschützt. Wenn Drängler von hinten kommen, darfst du ruhig den Ellbogen ausfahren. Die indische Bahn warnt auch immer wieder vor Trickbanden, die einem ganz nett als Mitfahrende Esswaren und Getränke mit Betäubungsmittel anbieten. Achte gut auf deine innere Stimme und iss nichts aus reiner Höflichkeit. Niemals solltest du offene Getränke annehmen. Bist du in einer Bar, behalte dein Getränk im Auge. Knock-out-Tropfen sind leider auch hier ein Thema.
  10. Fahren mit dem Taxi oder der Rikscha: Wenn du unsicher bist, mach gut sichtbar ein Foto der Autonummer und verschickt diese per WhatsApp an eine Vertrauensperson. Handle den Preis immer vorher aus oder bestehe darauf nach Taxameter zu fahren. Inzwischen kann man in vielen Städten auch Autorikshas mit UBER oder Ola buchen. Steige niemals ein, wenn der Fahrer noch einen Freund oder Bekannten mitfahren lässt.
  11. Hast du Schwierigkeiten, halte dich vor allem an Frauen, Familien oder bitte in einem Laden um Hilfe. Auch wenn man mit der Polizei droht, lösen sich Probleme oft von selbst.
  12. Ab 2020 sollte in ganz Indien die Emergency Nummer 112 aufgeschaltet sein. Ansonsten erreichst du die Polizei unter der Nummer 100. Wenn es ganz schlimm kommen sollte, informiere deine zuständige Botschaft (Nummer im Handy speichern). Sie können dich beraten, und manchmal ist dies die schnellere und bessere Option als die indische Polizei.

Wenn du das Abenteuer wagst, wünsche ich dir wunderschöne Momente und eine gute, sichere Reise in Incredible India. Take care!