Strassenhunde in Indien

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Meine persönliche Einschätzung:

Ich habe ein grosses Herz für die Strassenhunde Indiens. Zwei haben das Glückslos gezogen und dürfen nun als Familienmitglieder bei uns leben. Unsere Simba haben wir aus einem Strassenhund-Projekt adoptiert. Ihre Mutter wurde von einem Auto überfahren. Bei unseren Runden durchs Quartier spielte sie immer mit einer süßen Hündin, die einen kleinen schwarzen Welpen hatte. Als die Mutter vergiftet wurde, nahmen wir den Welpen auf. Züttu und Simba sind ein tolles Team und eine enge Freundschaft verbindet die beiden.

Simba und Zuettu
Unsere Hundemädels Simba und Züttu

In unserem Quartier kenne ich praktisch jeden Strassenhund. Ich habe mir auf den Spaziergängen mit Simba und Züttu auch für alle passende Namen ausgedacht.

Alle 6 Monate kommen einige Welpen dazu und andere verschwinden. Doch viele kenne ich schon über mehrere Jahre. Auf unserer Runde, die ein Kilometer lang ist, treffe ich ungefähr auf 18-25 Hunde. Ich lebe jetzt über 10 Jahre in diesem Land und ich habe noch nie einen wirklich aggressiven Hund erlebt. Klar gibt es Kläffer, die lautstark bellen, wenn ich mit unseren Ladies vorbeikomme, aber nach 5 Metern ist dann wieder gut. Viele Anwohner sind den Hunden wohlgesinnt und versorgen sie mit Essensresten. Manche Hunde werden quasi adoptiert, das heißt, sie bekommen ein Halsband und werden mehr oder weniger mit Essen versorgt. Auch die schlechte Abfallentsorgung bietet den Hunden Nahrung.

Die 3 Schlappohren
Die drei Schlappohren sind inzwischen junge Teenager und leben in unserer Strasse. Sie sind sehr zutraulich.

Die meisten Inderinnen und Inder haben Angst vor Hunden. Es gibt zwar viele, die sich in den Städten als Prestige oder aus Sicherheitsgründen Rassetiere kaufen, aber leider haben die wenigsten eine Ahnung von Hunden, geschweige denn von Hundeerziehung. Über Schläge werden die reinrassigen Tiere dann von „ausgebildeten“ Hundetrainern erzogen oder eben auch nicht.

Kinder und Frauen schreien oft in hoher Tonlage und rennen weg, wenn ein Hund zu nahe kommt. Dass solche Reaktionen den Jagdtrieb im Hund anspricht, wissen die wenigsten. Oft werden die Hunde auch mit Steinen beworfen oder mit Stöcken geschlagen. Mit gezielter Aufklärung könnten viele Hundebisse vermieden werden.

Zahlen und Fakten:

Wer eine Reise nach Indien macht, wird viele Strassenhunde antreffen. Rund 35 Millionen Streuner leben auf dem Subkontinent.

Milchtrinkende Welpen

Auf den ersten Blick wirkt diese Zahl enorm hoch, aber wenn man ihnen 1.339 Milliarden Menschen (2017) gegenüberstellt, relativiert sich dies sehr.

Immer wieder liest man von schrecklichen Hundeattacken, denen vor allem Kinder zum Opfer fallen. Auch werden jährlich rund 1.75 Millionen Menschen gebissen. Trotz staatlichen Impf- und Sterilisationskampagnen ist in Indien die Tollwut immer noch aktiv. Pro Jahr gibt es ungefähr 18‘000 – 20‘000 Fälle von Tollwut. Auch Affen können Tollwut übertragen. Allein in Delhi wurden 2015 in den ersten 11 Monaten 1800 Affenbisse verzeichnet.

Affen und Hunde
Hunde und Affen spielen zusammen auf der Insel Elephanta

Pariah Dogs:

Die Strassenhunde Indiens, auch Pariah Dogs genannt, sind ursprünglich verwandt mit dem australischen Dingo, dem israelischen Cannan-Hund, dem singenden Hund aus New Guinea und auch der zentral-afrikanische Dorfhund gehört zu seinen Vorfahren. Der Pariah Hund hat sich durch natürliche Auslese und ohne menschliche Intervention entwickelt. Das Ergebnis ist ein sehr robuster, wachsamer, eigenständiger Hund, der sich sehr an seine Umgebung und das Klima angepasst hat. Die Hunde gelten als intelligent und sie sind gute Wachhunde.

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Die Versäumnisse der Regierung und oft traurige Realitäten:

Der Staat hat in seinen Animal Birth Control-Programm strikte Regeln festgelegt, wie und welche Hunde gefangen werden dürfen, um sie zu sterilisieren und zu impfen.

Hunde unter 6 Monaten, trächtige Hündinnen und Tiere, die unter ansteckenden Krankheiten leiden, dürfen nicht gefangen werden. Nach dem Eingriff müssen die Tiere wieder dort freigelassen werden, wo sie gefangen wurden.

In den meisten Städten nimmt man es mit diesen Regeln jedoch nicht genau und die Regierung tut zu wenig, um die Hundepopulation zu kontrollieren und zu impfen. Oft werden gefangene Hunde umgesiedelt und in anderen Stadtteilen freigelassen. Für die Hunde eine schwierige Situation. Sie verlieren ihr Rudel und müssen sich geschwächt von der Operation in einem neuen Rudel zurechtfinden und behaupten. Auch die Futterquellen, die ein Hund vorher genau kannte, sind plötzlich weg. Es drohen Hunger und Krankheit.

Die Angst vor Bissen und Tollwut führt leider immer wieder dazu, dass Anwohner das Recht in die eigenen Hände nehmen. Manche stören sich auch am nächtlichen Gebell und fühlen sich lärmgeplagt. So verschwinden viele Tiere und man weiß nicht, was mit ihnen passiert ist.

Nach Angaben von Tierschützern verschwanden 2018 Hunderte von Hunden und nur wenige konnten wiedergefunden werden. Viele Anwohner kennen „ihre“ Hunde genau. Manchmal bekommen sie auch ein Halsband, damit der Hundefänger sie nicht mitnimmt. So haben auch Streuner durchaus ihre Menschen, die sie mit Essensresten versorgen.

Verschwinden Hunde einfach so, dann kann man davon ausgehen, dass Anwohner die Initiative ergriffen haben, die Hunde zu entfernen.

Oft sind die Tiere nicht krank und sie haben auch niemanden gebissen. Illegale Hundefänger, die rein gar nichts mit den offiziellen Behörden zu tun haben, werden beauftragt und die Hunde sind weg. In Bangalore wurden illegale Hundefänger erwischt. Mit einem falschen Logo der offizellen Stellen getarnt, haben sie Hunde eingefangen, geschlachtet und das Fleisch an Lokale außerhalb der Stadt verhökert.

Auch werden Tiere einfach eigenmächtig vergiftet. So wurden beispielsweise im Oktober 2018 in einem Stadtteil von Hyderabad 50 Hunde vergiftet. Die Hunde sind qualvoll gestorben und hatten alle Schaum vor dem Mund.

Tierschutz:

In den Städten werden Tierschützer immer aktiver. Hier in Chennai ist Blue Cross am bekanntesten.

Sie nehmen kranke und verletzte Tiere auf und eilen auch zu Hilfe, wenn ein Tier in Not geraten ist. Suriyan und ich haben dort längere Zeit freiwillig mitgeholfen. Während der großen Chennai-Flut 2015 haben sie viele Tiere vor dem Ertrinken gerettet. Hunde und Katzen können adoptiert werden.

Umgang mit Strassenhunden als Tourist:

Sofort stellt sich natürlich die Frage der Tollwut-Impfung. Ich persönlich bin nicht gegen Tollwut geimpft. Da ich in einer Großstadt mit einer guten medizinischen Versorgung lebe, ist dies auch nicht zwingend nötig. Bei einem Hunde- oder Affenbiss muss man mit und ohne Impfung sowieso zum Arzt. Der einzige Unterschied ist, dass man mit einer Impfung etwas mehr Zeit hat.

Dies zu wissen, gibt vielen etwas Sicherheit, vor allem wenn man plant abseits der großen Städte zu reisen. Wer Hunden und Affen gegenüber ängstlich ist, dem würde ich eine Impfung ans Herz legen. Menschen, die Angst haben, verhalten sich oft falsch und haben leider die höhere Wahrscheinlichkeit gebissen zu werden.

Wie verhalte ich mich bei aggressiven Tieren?

Wenn Hunde oder auch Affen aggressiv werden, sollte man den Blickkontakt meiden, ruhig bleiben und weitergehen. Hektische Bewegungen, weglaufen und schreien, wecken den Jagdtrieb und sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Viele Hunde haben mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht und sind daher im Umgang sehr ängstlich und scheu.

Fühlt man sich extrem bedroht, kann man auch so tun, als ob man einen Stein vom Boden aufnimmt und diesen wirft.

Vorsicht ist in der Nacht geboten. Die Rudel verteidigen ihre Reviere und Schlafplätze in der Nacht. Da kann es als Fußgänger oder auch als Motorradfahrer sehr ungemütlich werden. Solche Situationen sollte man vermeiden und sich ein Taxi oder eine Riksha leisten. Wenn es gar nicht anders geht, unbedingt einen Stock mitnehmen.

Strassenhund mit Schlange
Strassenhunde sind durchaus auch gute Jäger. Hier habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich die Beute sah.

 

Nationalpark Bandipur

Karte Bandipur

Eigentlich bin ich kein Stadtmensch. Ich liebe die Natur, beobachte gerne Tiere und Vögel und am liebsten würde ich jeweils den ganzen Urlaub in Naturschutzgebieten verbringen. So waren wir bereits dreimal in Bandipur, einem Nationalpark in Karnataka. In Bandipur hatten wir stets Glück mit Tiersichtungen. Wir sahen indische Bisons, Elefanten, Sambar- und Axishirsche, einen Lippenbär, Languren und Lion-tailed-Affen, fliegende Eichhörnchen und vieles mehr. Als absoluter Höhepunkt entdeckten wir 2014 in der Dämmerung  auf dem Rückweg von Bandipur nach Masinagudi am Straßenrand einen Tiger. Was für eindrückliches Erlebnis!

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Wildschweine
Indischer Bison 2
Indische Bisons
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Asiatische Elefanten
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Axishirsche
Languren
Languren-Affen

Das Bandipur Tiger Reservat umfasst eine Fläche von 874 km² und ist aus dem ehemaligen Jagdgebiet des Maharajas von Mysore entstanden. Flankiert vom Nagarhole Nationalpark im Norden und dem Mudumalai Tiger Reservat im Süden bilden die drei Naturschutzgebiete das größte zusammenhängende Schutzgebiet Südindiens mit einer Gesamtfläche von über 1800 km².

1973 wurde der Bandipur Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt. Die Rettungsaktion „Project Tiger“ wurde in Angriff genommen. Damals gab es Schätzungen zu folge nur noch 10 Tiger in dem Gebiet. Inzwischen scheint sich die Tigerpopulation wieder etwas erholt zu haben und nach Aussagen der National Tiger Conservation Authority (2011) beherbergen die drei Nationalparks zusammen rund 354-411 Tiger. Die Wälder, mehrheitlich Laubwald und Buschzonen, bieten vielen Wildtieren Lebensraum.

Pfau
Der Nationalvogel Indiens

 

Spotted Owlet
Spotted Owlet

Wie traurig und niedergeschlagen war ich, als ich Ende Februar von den verheerenden Waldbränden las. Über 62 km² des Nationalparks wurden zerstört.

Leider hatte der Nordost-Monsun 2018 kaum Regen in die Gegend gebracht und die extreme Trockenheit hatte dem Forest Department bereits im Dezember 2018 Sorge bereitet. In einem Wettlauf gegen die Zeit hatten die Behörden versucht, mit kontrollierten Bränden Feuergassen abzubrennen. Mitte Dezember wurde der Wald mit der hübsch anzusehenden, aber sehr invasiven Pflanze Lantana Camara (Wandelröschen) überwuchert, die riesige Flächen des Naturschutzgebietes bedeckt. Der Anstieg der Temperaturen und die extreme Trockenheit hatten das gesamte Gebiet in Zunder verwandelt.

Lantana Camara
Lantana Camara

Die meisten Waldbrände werden durch Menschen verursacht. Unachtsamkeit oder gezielte Brandstiftung führen weltweit immer wieder zu verheerenden Waldbränden. Als die ersten Feuer ausbrachen, wurden drei Personen verhaftet, die schließlich zugaben, die Brände gelegt zu haben. Sie wollten mit den Feuern ihre Dörfer vor wilden Tieren, vor allem vor Elefanten schützen. Die Dickhäuter brauchen täglich rund 150 kg Grünfutter. Dies führt notgedrungen zu Konflikten, denn Elefanten machen auch vor Kulturland nicht halt, fressen und zertrampeln oft Felder und vernichten in kurzer Zeit ganze Ernten.

Die ersten Feuer brachen am 21. Februar 2019 aus und konnten ziemlich schnell unter Kontrolle gebracht werden. Am 23. wurde die Situation jedoch sehr ernst, da der Wind die Brände extrem beschleunigte. Die Indian Air Force eilte zu Hilfe und setzte zur Feuerbekämpfung Hubschrauber ein. Viele Freiwillige halfen unter schwierigsten Bedingungen mit, die Waldbrände zu löschen. Auch 400 Angehörige der Urvölker Jenu Kuruba, Soliga und Getta Kuruba eilten zu Hilfe. Nach Aussagen des Forest Departments wäre das Ganze ohne die Mithilfe der Stämme noch viel schlimmer ausgefallen.

Feuersbrunst Bandipur

Waldbrand

Die Behörden gehen davon aus, dass größere Säugetiere, wie Tiger, Leoparden, Hirsche, Elefanten, … vor den Waldbränden fliehen und sich in Nachbargebiete retten konnten. Viele Kleintiere, am Boden brütende Vögel und Reptilien sind jedoch der schrecklichen Feuersbrunst zum Opfer gefallen.

Zukünftig wollen sich die Behörden noch besser auf solche Situationen vorbereiten, und ich hoffe sehr, dass es nie wieder zu solch schlimmen Waldbränden kommt.

 

 

Ausgezogen – Neues von meinen Palmhörnchen

rosa mit litschi

Das Interesse an meinen Palmhörnchen ist ungebrochen und immer wieder werde ich nach den beiden gefragt.

Seit meinem letzten Bericht anfangs Dezember hat sich viel verändert. Kurz nach meinem Blogartikel ist Speedy nicht mehr nach Hause gekommen. Leider weiß ich nicht, was passiert ist. Die beiden gingen oft aufs kleine Vordach unserer Nachbarin, um dort Reste zu schmausen. Neulich jedoch entdeckte ich dort eine Katze, die auf der Lauer lag. Ob Speedy nun im Magen der Katze gelandet ist, oder ob er von einem andern Männchen aus dem Revier vertrieben wurde – es wird ein Rätsel bleiben.

Meine kleine Rosa jedoch kehrte zuverlässig, wenn es dunkel wurde, zu ihrem Nest in zurück. Sie schien Speedy zu vermissen, wurde wieder zutraulicher, ließ sich von mir streicheln und natürlich habe ich angefangen, mein Mädchen zu verwöhnen. Da sie Litschis so gerne mag, kaufte ich die teuren Früchte wieder vermehrt. So gab ich ihr abends immer ein kleines *Bettmümpfeli, das sie liebend gern in ihr Nest nahm, um daran zu knabbern. So vergingen die Wochen. Wenn ich am Abend im Badezimmer das Licht anmachte, streckte mein Mädel umgehend ihr Köpfchen raus und wartete auf ihre Litschi oder auf eine Karottenscheibe.

Tja, nun fing das Nest langsam an, einen Geruch zu verbreiten, der meiner Nase zusehends nicht mehr gefiel. Ich hatte grade unsere Betten frisch bezogen und freute mich schon am Nachmittag auf die frischgewaschene Bettwäsche, in der ich wunderbar schlafen würde. So dachte ich, dass sich doch auch Rosa über ein neues, nicht mehr stinkendes Nest freuen würde. Ich hatte das ganze Nest schon zuvor, als Speedy noch da war, problemlos ausgewechselt. Doch dieses Mal war alles anders. Ich glaube, Rosa war stinksauer und empört. Obwohl ich die frischen Baumwollfäden an das alte Nestplätzchen gelegt hatte, kickte sie die Fäden auf den Boden und beschloss auszuziehen. Sie schnappte sich noch eine Litschi, kletterte aus dem Fenster und blieb die ganze Nacht über weg. Tja, ihr könnt euch vorstellen, dass ich mir da natürlich Vorwürfe gemacht habe. Die Kleine wird wohl bald Junge haben und das Risiko, dass ich das ganze Nest plötzlich entsorgen könnte, war ihr sicherlich zu gross. Ich legte die Fäden zurück und arrangierte sie sogar, aber wieder lagen sie auf dem Boden und einen Teil davon schleppte sie zum Fenstergitter raus. Wahrscheinlich ist meine Süße nun definitiv ausgezogen. Sie kommt zwar vorbei, um bei Mama, d. h. von Mamas Teller, zu fressen, aber hat nun irgendwo draußen eine eigene Wohnung.

Einerseits bin ich traurig über den Auszug, andererseits auch etwas erleichtert. Wenn ich mir den Trubel und das Chaos vorstelle, wie 2-4 junge Hörnchen mein Badezimmer erobern, dann bin ich doch froh über Rosas Entscheidung. Wobei die Kleinen wären doch sooo süß….

 

*ein Bettmümpfeli ist eine kleine Süssigkeit, die vor dem Zubettgehen gegessen wird. Die Deutschen sagen dazu Betthupferl, aber das schweizerische Bettmümpfeli gefällt mir viel besser ;-).

Ab in die Selbständigkeit – Neues von meinen Hörnchen

Rosa und Speedy

Immer wieder werde ich nach meinen Palmhörnchen gefragt. Ja, sie sind noch da! Doch ich sehe sie leider nur noch sehr selten. Seit die beiden ein grosses Loch in das Gitter genagt haben, erkundigen sie bereits bei Tagesanbruch die neue Welt draussen. Wenn es dunkel wird, kehren sie jedoch jeden Abend in ihr Nest zurück um zu schlafen.

Ab und zu kommen sie schnell nach Hause um zu fressen, verschwinden danach jedoch sofort wieder. Futter und Wasser stelle ich den beiden noch hin, habe aber die Menge deutlich reduziert, da oft viel übrig blieb. Sie haben sich scheinbar neue Futterquellen in der Umgebung erschlossen. Unsere Nachbarin stellt immer Essensreste für die Krähen hin und ich habe beobachtet, dass auch meine Hörnchen sich dort bedienen.

Die beiden sind inzwischen recht scheu geworden. Wenn sie fressen, kann ich sie manchmal noch etwas streicheln, aber meistens gehen sie sofort nach draussen und kehren zurück, wenn ich nicht mehr im Raum bin. So sehe ich sie meistens nur noch so!

Hörnchen draussen

Mein Badezimmer ist endlich wieder zum Badezimmer geworden. Ausser dem Nest und einem Regal, wo ich sie füttere, habe ich alle Kletterangebote rausgeräumt.

Gestern hatten wir heftige Monsun-Niederschläge und da bevorzugten es die beiden im Trockenen zu bleiben und einen Ruhetag einzulegen. Endlich konnte ich sie wieder etwas streicheln und vor allem wieder mal einige Bilder knipsen.

Rosa

Rosa und Speedy 2

Hörnchen im Nest

Hörnchen im Nest 2

Ich denke, dass die beiden Süssen langsam geschlechtsreif werden. Ob Rosa ihre Jungen in ihrem Nest aufziehen wird? Ich bin gespannt und halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Vedanthangal – Vogelnaturschutzgebiet in Tamil Nadu

Seit ich in Chennai lebe, besuche ich eigentlich jedes Jahr einmal die Bird Sanctuary in Vedanthangal.

Ich beobachte unglaublich gerne Vögel und Tiere. Bedauerlicherweise bin ich mit den indischen Vögeln noch lange nicht so vertraut wie mit den schweizerischen Piepmatzen. Es erstaunt mich immer wieder, dass die meisten Inder die Vogel- und Pflanzenwelt ihrer Heimat schlecht kennen.

Während ich stundenlang mit dem Feldstecher in Vedanthangal Vögel beobachten könnte, finden meine Männer dies schon nach kurzer Zeit langweilig.

Trotzdem kann ich einen Besuch in der Bird Sanctuary Vedanthangal empfehlen. Während den Wintermonaten November bis Februar kommen viele Zugvögel in das Vogelnaturschutzgebiet um zu brüten. Kolonien von Buntstörchen aus Sibirien, Graue Pelikane aus Australien, Löffler aus Burma, Ibisse aus Sri Lanka. Es ist wirklich eindrücklich wie Tausende von Vögel aus allen Herren Ländern jedes Jahr nach Vedanthangal finden. Man kann so viele Reiher-, Enten- und andere Vogelarten entdecken.

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Graue Pelikane und Buntstörche
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Open billed Stork

Pond Heron

Ibisse

Spoonbill

Die Bird Sanctuary ist in rund zwei Autostunden (75 km) von Chennai aus zu erreichen. Die beste Zeit die Vögel zu beobachten ist frühmorgens (6-8 Uhr) oder am späten Nachmittag (16-18 Uhr). Ich bevorzuge den frühen Morgen, da der Sonnenaufgang über dem See wunderschön ist.

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Die Öffnungszeiten sind von 6:00-18:00 Uhr. Leider habe ich dieses Jahr Dezember 2019 feststellen müssen, dass nun andere Eintrittspreise für Ausländer gemacht wurden.  Ausländische Besucher bezahlen für alles den 10-fachen Preis. Hier die aktuellen Preise Dezember 2019:

  Indische Staatsanghörige Ausländer
Erwachsene INR 10/- INR 100/-
Kinder (5-12 Jahre) INR 5/- INR 50/-
Fotokamera (Still camera) INR 50/- INR 500/-
Handykamera (Cell camera) INR 50/- INR 500/-
Videokamera (Handy camera) INR 300/- INR 3000/-

Man sollte unbedingt gute Feldstecher mitbringen. Wenn es möglich ist, würde ich Sonn- und Feiertage meiden, ansonsten sieht man mehr Inder und Inderinnen als Vögel. Dieses kann ja durchaus auch reizvoll und interessant sein, aber wer den Vögeln zugetan ist und in Ruhe beobachten, den Aussichtsturm ohne Gedränge geniessen und das unglaubliche Gezwitscher der Zugvögel hören möchte, der geht besser an einem Wochentag.

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Der Beobachtungsturm an einem Sonntag

Meistens hat es auch immer Affenbanden in der Nähe, die sich inzwischen sehr an Menschen gewöhnt haben. Essbares wird oft geklaut! Einmal hatte ich im Aussenfach meines Rucksacks eine Trinkflasche dabei. Die Affen hatten es regelrecht darauf abgesehen diese zu stibitzen. Es gab erst Ruhe als ich diese im Rucksack verstaut hatte.

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Vedanthangal liegt in einem fruchtbaren Gebiet, wo rundum Landwirtschaft betrieben wird. Die Bauern haben sich schon immer für die Vögel eingesetzt, da sie wussten, dass der viele Vogelkot die Böden nährstoffreich und fruchtbar macht. Auch diese Szenerie hat durchaus Schönes zu bieten.

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Reisfeld bei Sonnenuntergang

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Reis ansäen

Pflügen

Die Sanctuary wird je nach Monsun und Wasserstand des Sees von den Zugvögeln besser oder schlechter besucht. 2006 hatte es kaum Wasser und dadurch auch wenige Vögel. Natürlich hat es auch immer Jahresvögel, die man beobachten kann. Bienenfresser, der indische Roller, der knallgelbe Pirol, auch eine Eule habe ich das letzte Mal entdeckt.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch!

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Das grosse Abenteuer der kleinen Rosa – Neues von meinen Palmhörnchen

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Ich gebe es zu, ich habe die kleinen Löcher im Drahtgitter gesehen. Doch die waren klein, eindeutig zu klein für ein Hörnchen und so habe ich ihnen nicht weiter Beachtung geschenkt.

Erst vor drei Tagen als Rosa plötzlich, wie durch Zauberhand, verschwunden war, habe ich entdeckt, dass meine beiden Süssen inzwischen Schwerstarbeit geleistet hatten. Ein Loch war stark vergrössert, genau passend für ein Hörnchen. So wurde das Rätsel schnell gelöst. Rosa war ausgebüxt, entflohen aus dem vertrauten Umfeld, auf Entdeckungsreise in die weite Welt unseres Quartiers. Mr. Speedy sass alleine im Badezimmer und schaute mich mit seinen schwarzen Knopfäuglein etwas mitgenommen und deprimiert an. Er schien nicht grade glücklich über sein unerwartetes Alleinsein. Sofort machte ich mich auf die Suche. Pfeifend und rufend ging ich ums Haus herum und auf die Dachterrasse. Doch von Rosa keine Spur. Den ganzen Tag über machte ich mir Gedanken, ob die Kleine es wohl schaffen würde und immer wieder besuchte ich Speedy, der sich nicht getraute durch das Loch zu schlüpfen. Weitere Suchrunden brachten auch keinen Erfolg.

Auch in der Nacht dachte ich immer wieder an Rosa. „Ob sie wohl ein Plätzchen zum Schlafen gefunden hat?“

Am nächsten Morgen sah das Badezimmer noch erstaunlich sauber und aufgeräumt aus. Speedy sass auf dem Duschkopf und kam schnell zu mir als er mich sah. Die kleine Rosa war also die Chaotin, die alles auf dem Boden zerstreute und mein Badezimmer täglich verunstaltete.

Unsere Hunde wollten nach draussen. Ich schloss die Haustüre auf und öffnete die Gittertür zur Dachterrasse als mich unerwartet etwas ansprang. Ich bin fast zu Tode erschrocken, aber als ich auf meine Schulter sah, entdeckte ich die kleine Rosa. Ich weiss nicht, wer von uns beiden in diesem Moment wohl glücklicher war, aber ich vermute es war meine Süsse. Speedy schnüffelte sie sofort liebevoll ab und Rosa machte sich sofort hungrig ans Frühstück.

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Nun sind die beiden wieder glücklich vereint und ich habe beschlossen, dass ich das Loch offen lasse.

Manchmal entdecke ich die beiden jetzt draussen auf dem Fenstersims.

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Zu grossen Abenteuer sind sie scheinbar noch nicht bereit, aber das Tor zur Freiheit steht offen.

Badezimmer besetzt – Neues von meinen Palmhörnchen

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Den Hörnchen geht es ausgezeichnet. Sie legen eifrig an Gewicht zu, sind flink und munter. Da der Schreiner immer noch keine Zeit hatte mir eine Voliere auf der Dachterrasse zu bauen, leben die beiden nun in meinem Badezimmer. Ich versuche den beiden immer wieder neue Kletter- und Beschäftigungsangebote anzubieten. Tücher, ein grosser Kletterast, Haushaltpapierrollen und neuerdings auch Baumwollfäden sorgen für Abwechslung.

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Ich hätte nie gedacht, dass man mit Hörnchen so eine enge Beziehung aufbauen kann. Die beiden sind sehr anhänglich und wenn ich das Bad betrete, kommen sie sofort, lassen sich kraulen und springen und klettern auf mir herum. Vor allem Speedy ist ein richtiges Mamahörnchen! Ich habe so Freude an den beiden. Prabhu und S. gegenüber sind sie sehr zurückhaltend und gar nicht zutraulich. S. ist zwar jeweils etwas enttäuscht darüber, dass die Hörnchen nur mich als Kletterburg erobern, aber mit dem Gedanken an die Auswilderung finde ich dies eigentlich sehr beruhigend. Oft bringe ich ihnen einen kleinen Leckerbissen mit. Gerne fressen sie allerhand Früchte und Gemüse, wobei Litschis und Trauben wohl am beliebtesten sind. Mit Kernen und Nüssen haben sie den Dreh irgendwie noch nicht raus, obwohl ich es ihnen ständig anbiete. Den Kletterast, den ich unter erstaunten Blicken fast durchs ganze Quartier getragen hatte, habe ich mit Schnur an den Wasserhahn festgebunden. Doch es ging nicht lange da hatten die Süssen die Schnur zerfetzt und damit angefangen in einem Tuch ein Nest zu bauen. So haben die beiden jetzt Baumwollfäden als Nistmaterial bekommen und innert kürzester Zeit ist ein gemütliches Nest entstanden, wo die beiden nun schlafen.

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Doch wie zwei kleine Wesen es fertig bringen täglich so eine Sauerei zu hinterlassen, ist mir rätselhaft. Ich bin dann doch froh, wenn das Bad wieder frei ist und man wiedermal richtig gründlich durchputzen kann.

Ich hoffe, dass wir nächste Woche endlich die Voliere bauen können – ein erster Schritt Richtung Freiheit.

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Flinke Teenies machen Party – Hörnchen News

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Als ob ein Teenager im Haus nicht genug wäre! Jetzt beginnen auch meine süssen Palmhörnchen zu pubertieren. Während sie früher, d.h. vor etwa 2 Wochen, noch schön brav bei mir auf der Hand gesessen sind und mich putzig angeschaut haben, geht es jetzt ab. Seit Tagen versuche ich einige süsse Fotos von den beiden zu knipsen und was habe ich auf der Kamera? Der hintere Teil eines buschigen Schwanzes oder ein verwackeltes Ohr. Diese Teenies haben es echt drauf und sie lachen sich wahrscheinlich kaputt über ihre plumpe Ziehmutter, die scheinbar im Zeitlupentempo versucht sie wieder einzufangen.

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Die Hörnchen haben im Moment einen enormen Bewegungsdrang und wollen jetzt immer aus dem Käfig. So verfrachte ich unsere Hunde ab und zu nach draussen und lasse sie in der Wohnstube gewähren. Erst erkundschafteten sie neugierig, aber doch noch behutsam den Esstisch und kletterten mit Vorliebe an mir herum. Doch inzwischen geht jeweils die Party ab. In Zeitraffer springen, klettern und rennen die beiden Hörnchen auf mir und dem Tisch herum und Rosa hat sich schon aufgemacht neue Gefilde zu erforschen. Die Milchspritze ist inzwischen Selfservice, d.h. die beiden kommen und trinken wie es ihnen grade passt. Ganz nach dem Motto: „Nur den Ausgang in die Disco nicht verpassen!“ Sehr amüsant scheinen sie auch das Fangspiel mit ihrer Ziehmutter zu finden. Rund herum um den Käfig rennen, schnell auf den Käfig springen, dann ein Sprung auf meine Schulter- immer so, dass ich sie bestimmt nicht erwische!

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Wie machen dies wohl die Palmhörnchen-Mütter? Irgendwie bin ich von diesem Tempo und diesem Hörnchen-Drive überfordert. Ich habe mich jetzt entschlossen im Badezimmer einfach ein Gittertürchen offen zu lassen, so haben sie mehr Platz und können auch dort herumwirbeln.

Wie schnell diese zwei kleinen Tierchen eine Sauerei hinterlassen können, erstaunt mich immer wieder. Doch Hotel-Mama bringt ja alles wieder fein in Ordnung! Sie putzt täglich und bringt ständig neues Essen. Blaue Trauben sind im Moment der absolute Renner! So kauft Mama natürlich die besten Trauben, wäscht sie liebevoll mit Trinkwasser, halbiert und entkernt sie. So schön kann das Leben sein!

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Langsam wird es wohl Zeit, die beiden frei zu lassen und sich zu verabschieden. Im hinteren Teil meiner Dachterrasse plane ich einen Unterstand für den Käfig zu bauen. So kann ich meine Babies, die nun eben keine Babies mehr sind, weiterhin füttern und die beiden haben einen trockenen Schlafplatz.

Ich werde sie vermissen!

Palmhörnchen-News

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Bald sind die Kleinen vier Wochen in meiner Obhut. Die beiden gedeihen prächtig und werden immer flinker und aktiver. Die Spielkiste hat etwa seit einer Woche ausgedient, da die Kleinen immer über den Rand springen wollten, habe ich sie aus Sicherheitsgründen umgesiedelt.

So leben sie jetzt in einer Vogelkäfig-Villa, ausgestattet mit langen Haushaltspapierrollen, einer Kletter-Stoff-Hängematte und natürlich einem gemütlichen Nest zum Schlafen.

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Speedy und Rosa waren von Anfang an begeistert und begannen sofort zu klettern, zu spielen und alles zu erkunden. Ich staune immer wieder, wie hochbegabt im Klettern meine Babies sind. Das haben sie definitiv nicht von mir! Am Gitter rauf und runter – elegant rüberspringen und sich festhalten, alles gelingt mühelos. Wie schwerfällig und langsam entwickelt sich doch dagegen ein Menschenkind.

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Meine Mutterpflichten haben sich ziemlich reduziert und ich gestehe, dass ich darüber nicht unglücklich bin. Die beiden sind jetzt 40 g schwer und sie sind inzwischen den süssen Babytagen entwachsen. Es sind schon richtige Mini-Palmhörnchen und der Schwanz wird von Tag zu Tag buschiger.

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Alle vier Stunden bekommen sie noch 3 ml Katzenaufzuchtsmilch und in der Nacht- yeah!! – gibt es eine 6-stündige Pause! Die beiden knabbern nun eifrig Zwieback, Äpfel, Mandeln, Mangos und essen Babybrei. Wobei der Zwieback im Moment eindeutig als Lieblingsspeise bezeichnet werden kann.

Die beiden Geschwister unterscheiden sich nicht nur im Geschlecht, auch die Art oder der Charakter der Hörnchen ist sehr verschieden. Ich finde die Namenswahl perfekt, denn Speedy ist nun mal ein flinker, ungeduldiger Draufgänger, dem es nicht schnell genug gehen kann. Kaum hebe ich am Morgen das Tuch um ins Nest zu schauen, ist er hellwach und zu allen Taten bereit. Es kommt mir jeweils vor, wie er sagen würde: „Endlich kommst du, ich warte schon soo lange. Beeil dich!“ Beim Trinken ist er gierig, schnell und danach wird eine Runde geklettert.

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Rosa hingegen entspricht mehr meinem Naturell. Mal gemütlich rausschauen, nur kein Stress, sich strecken und gähnen. Hätte sie einen Wecker würde sie bestimmt noch zweimal den Schlummerknopf drücken! Ist sie dann mal aufgestanden, knabbert sie etwas Zwieback oder Apfel und startet gemütlich in den Tag. Beim Trinken nimmt sie es eindeutig gemütlicher und legt auch mal ein Päuschen ein.

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Ja, so verschieden sind meine beiden Süssen!

Ich habe mich entschieden sie wieder frei zulassen, wenn sie soweit sind. Bei dem Tempo, das die beiden vorlegen, heisst es wohl schon bald Abschied nehmen. So geniesse ich die beiden noch in vollen Zügen.

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Bangen und Hoffen

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Anstrengende und schwierige Tage liegen hinter uns. Zum 1. August, dem Nationalfeiertag der Schweiz, wurden wir mit Sorgen beschert. Kurz nach sieben Uhr morgens klingelte meine Schwiegermutter Sturm und ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Prabhu war schon aus dem Haus, weil er einen wichtigen Geschäftstermin hatte. Als ich im unteren Stock ankam, fand ich meinen Schwiegervater in einem erbärmlichen Zustand vor. Er war ganz schwach, seine Sprache stark beeinträchtigt und verlangsamt. Ich dachte sofort an einen Hirnschlag und reagierte sofort. Prabhu organisierte mir die Ambulanz und ich überzeugte meine Schwiegereltern, dass wir umgehend ins Spital müssten. Mein Schwiegervater sträubte sich zuerst, meinte er wolle noch warten und meine Schwiegermutter wiederholte ständig: „No ambulance, no ambulance!“  Die Gute wollte unbedingt Aufsehen in der Nachbarschaft vermeiden. Doch die Ambulanz war schnell vor Ort und ich fuhr hinten neben der Liege mit meinem Schwiegervater mit Blaulicht ins Spital. Die Fahrt war sehr abenteuerlich und ich wurde noch selten so durchgeschüttelt. Leider gaben die anderen Verkehrsteilnehmer die Strasse kaum frei, dadurch musste der Fahrer sich immer wieder von Rechts und Links überholend durch den Verkehr schlängeln. Von einer Rettungsgasse hat hier noch keiner gehört!

Im Spital kümmerte man sich sofort um ihn und schnell fanden sie heraus, dass sein Zuckerspiegel im Keller lag. Eine Infusion mit einer Glukoselösung wurde angehängt und bald darauf normalisierte sich seine Sprache wieder. Gott sei Dank! Prabhu, der etwa eine halbe Stunde später im Spital eintraf, übernahm das Weitere und ich war froh, dass ich kurz durchatmen konnte. Sie beschlossen ihn stationär aufzunehmen und zu überwachen.

Langsam ging es gegen 10 Uhr. Palmhörnchen-Fütterungszeit! Da alles soweit organisiert war, fuhr mich Prabhus Freund gegen 10:30 nach Hause und ich fütterte die Kleinen. Doch Speedy war irgendwie seltsam drauf. Er machte so seltsame Zirpgeräusche, die ich noch nie vorher gehört hatte. Nach dem Füttern pfiff er immer wieder nach mir und ich hatte einfach ein ungutes Gefühl. In der Hörnchen-Gruppe beruhigten sie mich erst mal, meinten dies sein normal.

Natürlich war auch meine Schwiegermutter durch den Wind. Da mein Schwiegervater alles für sie macht, musste ich mich nun auch um sie kümmern und alle Mahlzeiten zubereiten.

Am nächsten Tag ging es meinem Schwiegervater bedeutend besser. Zur Beobachtung blieb er jedoch noch im Spital.

Speedy jedoch gefiel mir immer weniger. Er trank nicht richtig und als ich nach einem Besuch im Spital zurückkam, lag er ganz apathisch und unterkühlt in der Ecke der Spielkiste. Ich befürchtete schon, dass das kleine Wesen in meinen Händen sterben würde und mir kamen die Tränen. Ich wärmte ihn sofort mit einem warmen Tuch auf und gab ihm etwas Milch, die er jedoch kaum trank. Ständig öffnete er sein Mäulchen und er hatte Probleme beim Atmen. Wie war ich froh, um die Ratschläge aus den Facebook-Gruppen. Wahrscheinlich hatte sich Speedy verschluckt. Nach Anweisungen der Expertinnen habe ich ihn dann kopfüber gehalten und leicht auf den Rücken geklopft. Nach scheinbar unendlich langer Zeit hat er dann sein Zünglein rausgestreckt und den Mund weit geöffnet. Dies wiederholte sich einige Male und ich hoffte und spürte irgendwie, dass dies ein gutes Zeichen war. Speedy war wieder lebhafter und sehr unruhig, er krabbelte andauernd aus dem warmen Nest und trank etwas Milch. Um Mitternacht machte ich ihm sein Nest wieder im Kessel bereit, denn das Risiko ihn in der Spielkiste zu lassen, war mir zu gross. Kaum lag ich im Bett pfiff er schon wieder nach mir und ich steckte ihn wieder tief in sein Nest zurück. Ängstlich und unsicher schlief ich dann schliesslich übermüdet ein. Als ich nach zwei kurzen Stunden ängstlich nach ihm schaute, staunte ich nicht schlecht. Zwei hellwache Äuglein sahen mich munter und erwartungsvoll an. Speedy hatte keine Atemprobleme mehr und auch das Geräusch war verschwunden. Ein kleines Wunder! Gierig trank der Kleine 2 ml Milch und als ich Rosa nach weiteren zwei Stunden fütterte, trank er nochmals 2 ml. Speedy ist wieder ganz der Alte und es geht ihm ausgezeichnet.

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Heute durfte auch mein Schwiegervater wieder nach Hause. Ich bin jetzt fleissig am Blutzucker- und Blutdruck messen. Der Blutzuckerspiegel hat immer noch grosse Schwankungen und ich hoffe sehr, dass wir dies wieder ins Lot bringen können…