Besuch in einem Hindutempel – das solltest du wissen

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Thanjavur

Wer eine Reise nach Indien wagt, kommt um einem Besuch in einem hinduistischen Tempel nicht vorbei. Berührungsängste braucht man eigentlich keine mitzubringen, denn in der Regel stehen Tempel Menschen aller Religionen offen. Manchmal darf man als AusländerIn nicht ins Allerheiligste, was man mit Gelassenheit respektieren sollte. Es gibt auch Tempel, die AusländerInnen keinen Zutritt gewähren. Im Guruvayur Tempel in Kerala wurde ich, obwohl ich ganz traditionell gekleidet war und meine Thali (die traditionelle Hochzeitskette), Zehenringe und Pottu (in Hindi Bindi) trug, nicht eingelassen. Nur mit einem hinduistischen Ehezertifikat hätte ich Zutritt bekommen. Diese Entscheidungen muss man einfach ruhig hinnehmen, denn argumentieren, bringt meistens gar nichts.

Tempel sind für gläubige Hindus heilige, bedeutsame Orte. Hier kommt man her um die Götter zu preisen, zu beten und oft auch um seine Sorgen und Nöte kundzutun.

Als ausländischer, andersgläubiger Gast sollte man sich daher immer ruhig und respektvoll verhalten.

 

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Chidambaram

Kleidung

Dies beginnt mit angemessener Kleidung.      Wenn man einen Tempelbesuch plant, sollte man unbedingt auf saubere, gepflegte und eher konservative Kleidung achten. Es müssen nicht unbedingt traditionelle, indische Kleider sein, die Kleidung sollte jedoch die andern Tempelbesucher nicht stören und ablenken.

Männer sollten lange Hosen und ein sauberes Hemd oder T-Shirt tragen. Kurze Hosen werden nicht gerne gesehen und oft bekommt man so auch keinen Zutritt. In einigen Tempeln in Südindien müssen Männer einen Dhoti (Wickelrock) tragen. Den kann man sich oft in einem Geschäft ausserhalb des Tempels gegen ein kleines Entgelt ausleihen. Es gibt auch Tempel, wo Männer nur mit Dhoti und nacktem Oberkörper rein dürfen.

Frauen sollten lange Hosen oder einen langen Rock tragen und ihre Schultern sollten bedeckt sein. Es empfiehlt sich einen Schal mitzunehmen mit dem man die Schultern und die Brust abdecken kann.

Man sollte vermeiden Lederprodukte in einen Tempel mitzubringen.

 

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Thiruvannamalai

Opfergaben

Vor dem Tempel kann man meistens Opfergaben kaufen. Kokosnüsse, Früchte und Blumen gehören immer dazu. Hindus glauben, dass Opfergaben die Götter erfreuen und so die Gebete eher in Erfüllung gehen. Die Opfergaben werden vor dem Schrein dem zuständigen Priester überreicht und im innersten Zimmer dem entsprechenden Gott dargeboten. Ins Innerste des Schreins hat nur der Priester Zutritt. Nachdem der Priester die Gaben vor Gott gesegnet hat, lässt er einen Teil bei der Gottheit und den anderen Teil bringt er zurück und übergibt ihn.

Opfergaben sind kein Muss und man ist in keinster Weise verpflichtet etwas zu kaufen und mitzubringen. Wir bringen beispielsweise nur selten Opfergaben mit. Das Gleiche gilt für Spenden.

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Schuhe

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich auch, weil sie schmutzig, staubig sind.

In grösseren Tempeln gibt es immer Stellen, wo man seine Schuhe für einige Rupees abgeben kann. Man erhält dann einen Token, so kann man seine Schuhe nach dem Tempelbesuch wieder abholen.

Manchmal kann man die Schuhe auch in einem kleinen Geschäft oder bei den Blumenverkäuferinnen abgeben. Die passen gegen ein kleines Entgelt gerne darauf auf.

Wer um seine teuren Schuhe Angst hat, sollte für den Besuch im Tempel einfach ein paar einfache Flip-Flops anziehen. Im Meenakshi-Tempel in Madurai beobachtete ich, wie eine Ausländerin ihre Schuhe in ihre Tasche stopfte. Bei der Taschenkontrolle wurde sie jedoch sehr unfreundlich und mit zornigen Blicken umgehend zurückgeschickt.

Wie sieht es aus mit Socken? Da streiten sich die Geister. Einige finden dies absolut unproblematisch und für andere gehören Socken zu den Schuhen. Ich gehe immer barfuss in einen Tempel.

 

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Rameshwaram

Fotografieren

In vielen berühmten Tempeln ist fotografieren verboten. Oft darf man nicht mal die Kamera mitnehmen. Mit den Smartphones hat sich nun alles verändert. Viele InderInnen und TouristInnen setzen sich leider schamlos über diese Verbote hinweg, da sie nicht mehr zu kontrollieren sind. Wenn man Fotos macht, sollte man sehr mit Bedacht und Respekt vorgehen und andere Tempelbesucher nicht stören oder ablenken. Wenn es untersagt ist, dann würde ich mir als Gast niemals erlauben zu fotografieren, auch wenn viele andere sich darüber hinwegsetzen. Betende Menschen zu fotografieren, finde ich persönlich nicht in Ordnung. Bei einem Tempelbesuch darf es nicht darum gehen, möglichst tolle Bilder zu knipsen, sondern in sich zu gehen und die Andacht und die Stimmung zu geniessen oder zu erleben.

 

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Tiruvannamalai

Im Tempel

Tempel sind in der Regel immer ähnlich aufgebaut. Meistens steht links Lord Ganesha. Ihm gehören immer die ersten Gebete. Er ist der Gott des Anfangs und der Überwindung aller Hindernisse. Danach geht man im Uhrzeigersinn durch den Tempel. Statuen von Gottheiten sollte man nicht berühren. In grossen Tempeln gibt es vor den Hauptschreinen oft separate Reihen für Frauen und Männer. Einfach gut beobachten und sich in die richtige Reihe stellen. Bei Unsicherheiten helfen die Besucher oder auch die Priester in der Regel gerne weiter.

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Priester

Priester sind auch nur Menschen und obwohl sie äusserst religiös sind, leuchten die Augen oft auf, wenn sie AusländerInnen erblicken. Geschäftstüchtig erhoffen sie sich einen grossen Batzen. So können sich Priester manchmal aufdringlich und geldgierig zeigen. Oft wollen sie Ausländern private Pooja-Zeremonien aufschwatzen oder sie zu unverschämten Spenden drängen. Manchmal offerieren sie sogar gegen eine entsprechend hohe Summe doch einen Blick ins Allerheiligste. Hier sollte man sich gänzlich zurückhalten, kein Interesse zeigen und nicht zahlen.

Es gibt leider auch sehr konservative Priester, die gar keine Freude haben, wenn AusländerInnen ihren Tempel besuchen. Ich wurde nach einem Darshan schon bewusst übergangen als ich mit offener rechter Hand vorbeiging um Vibhuti zu erhalten. Doch solche Erlebnisse sind nicht die Norm und kommen selten vor.

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Wunschbaum (vor allem für Kinderwünsche)

Beim Gott, Darshan

Vor dem Schrein faltet man seine Hände zum Namaste und verbeugt sich leicht. Wem dies zuviel ist oder wer sich dabei unwohl fühlt, sollte das Ganze aus der Entfernung beobachten. In grossen Tempeln hat es oft viele Menschen, die Gott sehen und sich segnen lassen wollen. Der Hinduismus und seine Rituale sind sehr vielfältig und oft sogar für Hindus undurchschaubar. Je nach Tempel läuft der Darshan, die Lobpreisung Gottes durch die Priester etwas anders ab. Meistens werden Lobgesänge und Mantras angestimmt und die Gottheit wird mit Flammen umkreist. Danach kommt der Priester zu den Gläubigen und überreicht je nach verehrter Gottheit Vibhuti, heilige Asche (Shiva) Kumkumpulver (Parvati), Sandelholzpaste (oft an Festtagen), Blumen oder Tulsi Wasser, heiliges Basilikum (Vishnu). Oft bekommt man auch Prasad, gesegnete Speisen (meist Süssigkeiten oder Hülsenfrüchte).

Wichtig hierbei ist, dass man es immer mit der rechten Hand entgegen nimmt. Die linke darf die rechte Hand stützen. Wer dies nicht beachtet, zieht mit Sicherheit den Zorn des Priesters auf sich.

Am besten man beobachtet genau und macht es einfach nach, dann geht in der Regel alles problemlos.

Nach dem Darshan verlässt man den Tempel nicht sofort. Man setzt sich ausserhalb noch etwas hin und verweilt eine Weile im Tempel.

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Madurai

 Bettler

Wenn man den Tempel verlässt, sitzen meistens Bettler da, die um Almosen bitten. Oft sind es alte Frauen und Männer oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Viele Tempelbesucher ignorieren diese und laufen einfach vorbei. Ich jedoch tue mich sehr schwer damit. Schon aus der Ferne beobachten und fixieren mich ihre Blicke. Das verzweifelte, hilflose „Amma, please!“ kann ich nicht übergehen. Aus diesem Grund schaue ich immer, dass ich Kleingeld dabei habe, so dass ich jedem einen 5er geben kann. Mehr als 10 Rupien sollte man nicht geben.

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