Vedanthangal – Vogelnaturschutzgebiet in Tamil Nadu

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Seit ich hier in Chennai lebe, besuche ich eigentlich jedes Jahr einmal die Bird Sanctuary in Vedanthangal.

Ja, ich beobachte unglaublich gerne Vögel und Tiere im Allgemeinen. Am liebsten würde ich im Niligris, in den blauen Bergen leben, aber leider ist mein Liebster geschäftlich an Chennai gebunden und wahrscheinlich wäre dies auf Dauer auch nicht sein Ding. Bedauerlicherweise bin ich mit den indischen Vögeln noch lange nicht so vertraut wie mit den schweizerischen Piepmatzen. Es erstaunt mich immer wieder, dass die Inder die Vogel- und Pflanzenwelt ihrer Heimat so schlecht kennen. So habe ich eigentlich aufgegeben zu fragen. Denn die Antwort ist leider immer die Gleiche: „I don’t know!“ Eigentlich sollte ich mich schon lange den Hobby-Ornithologen oder Botanikern in Chennai anschliessen, aber eben…

Während ich stundenlang mit dem Feldstecher in Vedanthangal Vögel beobachten könnte, finden meine Männer dies schon nach kurzer Zeit langweilig.

Trotzdem kann ich einen Besuch in der Bird Sanctuary Vedanthangal empfehlen. Während den Wintermonaten November bis Februar kommen viele Zugvögel in das Vogelnaturschutzgebiet um zu brüten. Kolonien von Buntstörchen aus Sibirien, Graue Pelikane aus Australien, Löffler aus Burma, Ibisse aus Sri Lanka. Es ist wirklich eindrücklich wie Tausende von Vögel aus allen Herren Ländern jedes Jahr nach Vedanthangal finden. Man kann so viele Reiher- und Enten- und andere Vogelarten entdecken.

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Graue Pelikane und Buntstörche
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Open billed Stork
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Buntstörche

Die Bird Sanctuary ist in rund zwei Autostunden (75 km) von Chennai aus zu erreichen. Die beste Zeit die Vögel zu beobachten ist frühmorgens (6-8 Uhr) oder am späten Nachmittag (16-18 Uhr). Ich bevorzuge den frühen Morgen, da der Sonnenaufgang über dem See wunderschön ist.

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Die Öffnungszeiten sind von 6:00-18:00 Uhr und der Eintrittspreis ist bescheiden. Wenn ich mich richtig erinnere, bezahlten wir für Erwachsene 5 Rupees und für den Gebrauch einer Kamera 25 Rupees. Man sollte unbedingt gute Feldstecher mitbringen. Wenn es möglich ist, würde ich Sonn- und Feiertage eher meiden, ansonsten sieht man mehr Inder und Inderinnen als Vögel! Dieses kann ja durchaus auch reizvoll und interessant sein, aber wer den Vögeln zugetan ist und in Ruhe beobachten, den Aussichtsturm ohne Gedränge geniessen und das unglaubliche Gezwitscher der Zugvögel hören möchte, der geht doch besser an einem Wochentag.

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Der Beobachtungsturm an einem Sonntag

Meistens hat es auch immer Affenbanden in der Nähe, die sich inzwischen sehr an Menschen gewöhnt haben. Essbares wird oft geklaut! Einmal hatte ich im Aussenfach meines Rucksacks eine Trinkflasche dabei. Die Affen hatten es regelrecht darauf abgesehen diese zu stibitzen. Es gab erst Ruhe als ich diese im Rucksack verstaut hatte.

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Vedanthangal liegt in einem fruchtbaren Gebiet, wo rundum Landwirtschaft betrieben wird. Die Bauern haben sich schon immer für die Vögel eingesetzt, da sie wussten, dass der viele Vogelkot die Böden nährstoffreich und fruchtbar macht. Auch diese Szenerie hat durchaus Schönes zu bieten.

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Auf der Anfahrt frühmorgens
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Reisfeld bei Sonnenuntergang

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Die Sanctuary wird je nach Monsun und Wasserstand des Sees von den Zugvögeln besser oder schlechter besucht. 2006 hatte es kaum Wasser und dadurch auch wenige Vögel. Natürlich hat es auch immer Jahresvögel, die man beobachten kann. Bienenfresser, der indische Roller, der knallgelbe Pirol, auch eine Eule habe ich das letzte Mal schon entdeckt.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch!

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Chettinad – sehenswerte Gegend in Tamil Nadu

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Ich hatte das grosse Glück, dass ich Chettinad in einer kleinen Frauengruppe bereisen durfte. Eine Freundin, die selbst einer bekannten Chettiar Familie angehört, hat uns mitgenommen und uns die ganze Gegend näher gebracht. So hatten wir Zugang zu wunderschönen Mansions, die einem als gewöhnlicher Tourist verwehrt bleiben und wurden kulinarisch so richtig verwöhnt.

Es ist die Heimat der Chettiars, die bereits vor der britischen Herrschaft eifrig Geschäfte mit verschiedenen südostasiatischen Ländern trieben. Die Händlerkaste brachte es mit dem Handel von Gewürzen und Salz, aber auch als Geldverleiher zu unermesslichem  Reichtum. Auch unter der britischen Herrschaft konnten die Chettiars ihre Handelsbeziehungen pflegen und bis nach Europa ausdehnen. Die Briten gaben der einflussreichsten Familie sogar den Ehrentitel Raja von Chettinad. Der opulente Palast der „Rajafamilie“ steht in Kanadukathan.

Eigentlich lebten die Chettiars früher an der Ostküste, an der Bengalischen See. Durch einen Tsunami siedelten sie jedoch vor sehr langer Zeit ins Landesinnere um, in ein trockenes Niemandsland. Auch in ihrer neuen Heimat florierten die Geschäfte und es entstanden prächtige Herrschaftshäuser (Mansions), die eigentlich schon fast Palästen gleichkommen. Die Chettiars lebten in grossen Familienverbänden. Da die Männer oft unterwegs waren, lebten vor allem Frauen und Kinder in den riesigen Anwesen.

Die Chettiars vereinten in ihrer Baukunst traditionell tamilische und europäische Elemente. Mit importierten Baumaterialien wie Teakholz aus Burma und italienischem Marmor bauten sie Luxusanwesen. Viele dieser Mansions finden sich in der Kleinstadt Karaikkudi und Umgebung.

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Die Häuser wurden nach dem Vaastu Shastra gebaut. Das ist eine hinduistische Bauweise, bei der die hinduistische Astrologie zum Tragen kommt. Viele Himmelsrichtungen müssen beachtet werden, so sollte beispielsweise die Küche im Südosten liegen. Vaastu Shastra ist sozusagen das hinduistische Feng Shui.

Heutzutage sind leider viele Anwesen am Verfallen. Viele wollen oder können für den enormen Unterhalt und die notwendigen Renovationen nicht aufkommen. Die meisten in Stand gehaltene Mansions werden nur noch für Familienfeste gebraucht und stehen die meiste Zeit leer. Einige wurden für touristische Zwecke zu wunderschönen Luxushotels umgebaut.

Bekannt ist die Region auch für seine kulinarischen Köstlichkeiten. Die Chettinad Küche ist sehr berühmt und schmackhaft. Viele Gewürze und frischgemalene Masala-Mischungen geben den Gerichten eine ganz besondere Note. In ganz Tamil Nadu findet man immer wieder Chettinad Restaurants. Sehr bekannt ist das Gericht „Chicken Chettinad“, als Vegetarierin bevorzuge ich die vielen vegetarischen Gerichte, die auch sehr lecker schmecken.

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Auch die Aathangudi Tiles, benannt nach dem Herstellungsort, kommen aus dieser Region. Man sagt, dass Böden, die mit diesen Kacheln gefliest wurden besonders kühl bleiben. Bei dem heissen Klima ist dies natürlich sehr angenehm. Die von Hand hergestellten Kacheln sind auch Zeugnis der reichen Kultur Chettinads. Ich liebe diese Kacheln! Vor einigen Jahren haben wir unsere Terrasse mit Aathangudi Tiles fliesen lassen, leider haben die Fliesenleger gepfuscht und das Resultat überzeugt nicht ganz. Da die Herstellungskosten relativ hoch sind und lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, ist die Nachfrage nach den berühmten Kacheln leider zurückgegangen. Ist man vor Ort sollte man unbedingt in einer Aathangudi Tiles Werkstatt Halt machen. Die Arbeiter zeigen ihr Handwerk sehr gerne und freuen sich danach über einen kleinen Batzen. In unserer kleinen Reisegruppe durften einige sogar eine Kachel nach Anweisung selbst herstellen.

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Chettinad ist auf jeden Fall ein lohnendes Reiseziel. Man sollte jedoch bereit sein, etwas mehr Geld auszugeben und sich durch die leckere Chettinad Cuisine etwas verwöhnen lassen. Auch die Übernachtung in einer Mansion ist ihr Geld wert.

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Sehr empfehlen kann ich „The Bangala“ in Karaikkudi, das eine Verwandte meiner Freundin führt. Mit viel Liebe und Hingabe zum kulturellen Erbe der Chettiars, insbesondere zur Chettinad Küche, hat sie ein wundervolles Hotel geschaffen. Die Preise liegen im Hochpreissegment, aber ich kann es wirklich sehr empfehlen.

Im Frühjahr und Sommer wird es in der Gegend unerträglich heiss. Die beste Reisezeit ist von Dezember bis März.

Pondicherry – französisches Flair in Indien

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Mahatma Gandhi – Statue an der Promenade

In rund drei Autostunden erreicht man von Chennai aus die ehemalige französische Kolonialstadt Pondicherry. Der alte Stadtname Puducherry, der 2006 im Allteration of name Act wieder aufgenommen wurde, hat sich bis jetzt wenig durchgesetzt.

Ich liebe diese Stadt und besuche sie immer wieder gerne. Irgendwie komme ich hier umgehend in Ferienstimmung. Die White City ist gepflegt und lädt mit gemütlichen Cafés, Restaurants und Bars zum Verweilen ein. In Pondicherry sind die Alkoholgesetze viel lockerer und viele junge Menschen aus Chennai kommen aus diesem Grund gerne für Wochenend-Ausflüge her.

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Coromandel Café

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Die Franzosen erreichten Pondicherry 1673 und wollten sich auch ein Stück vom indischen Kuchen abschneiden. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den französischen und englischen Kolonialmächten. Pondicherry wurde mehrmals zerstört und erst nach den karnatischen Kriegen im 18. Jahrhundert wurde Pondicherry vertraglich Frankreich zugesprochen.

1954 wurde die Stadt mit anderen kleinen Teilgebieten zum Unionsstaat Pondicherry zusammengefasst und dem indischen Bundesstaat einverleibt.

Noch heute spürt man viel vom dem Savoir-vivre der ehemaligen Besetzer. Die Polizisten sehen aus wie französische Flics und in der gepflegten, geordneten White City verbreiten viele Kolonialbauten, der Stadtpark, die katholische Kirche, die Uferpromenade und die französischen Strassennamen den Charme einer Küstenstadt Frankreichs. Die rund zwei Kilometer lange Uferpromenade mit der Gandhi-Statue, die abends für Autos gesperrt wird, lädt zum gemütlichen Spaziergang ein. Wenn man etwas Abstand von der indischen Hektik sucht, ist man hier genau richtig.

Viele Resorts und Guest Houses an den nördlichen und südlichen Stränden von Pondicherry eignen sich auch hervorragend für Strandurlaub.

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Strand südlich von Pondicherry

Auch wer nichts mit Spiritualität am Hut hat, kommt in Pondicherry automatisch mit Sri Aurobindo in Berührung. Der Sri Aurobindo Ashram ist nämlich spirituell und ökonomisch das Zentrum der Stadt. Der Ashram ist der grösste Grossgrundbesitzer und besitzt über 400 Gebäude, darunter Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken, Galerien und Läden. Ob dies im Sinne des spirituellen Philosophen gewesen wäre, wage ich hier zu bestreiten.

Sri Aurobindo wurde 1872 in Kalkutta geboren. Seine Familie war sehr wohlhabend und er verbrachte den Grossteil seiner Kindheit in England. An der Cambridge Universität studierte er Philosophie und kehrte 1893 nach Indien zurück. Als Lehrer und Sekretär diente er dem Maharaja von Baroda. Die fürstliche Familie war sehr westlich, fortschrittlich orientiert und setzte sich für die finanzielle Ausbildung der Dalits, der Unberührbaren ein. 1906 kehrte er in seine Heimatstadt Kalkutta zurück und engagierte sich für  die Unabhängigkeitsbewegung. Die Briten inhaftierten ihn 1908 und nach seiner Freilassung suchte er im französischen Pondicherry Zuflucht. Zunehmend wich sein politisches Interesse humanistischen-philospohischen Zielen. In seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er verschiedene Schriften. Er propagierte die Synthese von indischen und westlichen Ideen und Werten. Er widmete sich immer mehr der, von ihm entwickelten, Lehre des „Integralen Yoga“. Die Lehre, die sich mit der  Erweiterung des Bewusstseins, beschäftigt, erreichte bald Popularität. Auch viele Anhänger aus Europa reisten nach Pondicherry. Darunter war auch die Französin Mira Alfassa. Sie wurde schnell zur rechten Hand von  Aurobindo und 1929 wurde der Ashram gegründet. Während sich der Meister immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog, übernahm Mira Alfassa die Führung. Der Ashram wurde schnell bekannt und wohlhabend. Nach dem Tod von Sri Aurobindo (1950) übernahm Mira, die noch heute von allen respektvoll „The mother“ genannt wird, die Leitung. Auch die Gründung der Modellstadt Auroville geht auf ihre Ideen und Visionen zurück.

Im Alter von 95 Jahren (1972) starb sie und die einzelnen Interessengruppen um den Ashram streiteten heftig um Macht, Geld und Privilegien. 1982 wurde vom Obergericht ein siebenköpfiger Rat zusammengestellt um sich diesen Streitigkeiten anzunehmen. Doch noch heute sind scheinbar Unstimmigkeiten zwischen Auroville, dem Ashram und der lokalen Bevölkerung zu spüren.

Viele indische und auch ausländische Touristen besuchen den Ashram, wo die Grabstätte von Sri Aurobindo und der Mutter liegt. Täglich wird die Stätte mit frischen Blumen wundervoll geschmückt. Wer Stille sucht und in Ruhe meditieren möchte, der sollte sich einen Besuch im Ashram nicht entgehen lassen. Auch die Modellstadt Auroville, die einige Kilometer entfernt von Pondicherry liegt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Matrimandir in Auroville

Mehr Informationen über Auroville:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

Wer längere Zeit in Pondicherry verbringt, sollte unbedingt einen Tagesaufflug zu den Mangroven in Pichavaram (Nähe Cuddalore) machen. Sie sind ungefähr in einer Autostunde von Pondicherry zu erreichen.

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Mangroven in Pichavaram

Kanyakumari – die südlichste Stadt Indiens

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Dröhnend erschallten harsche, unfreundliche Parkanweisungen über Lautsprecher als wir die Kleinstadt Kanyakumari erreichten. Eine Heerschar von geparkten Bussen und Autos liessen mich schon Böses ahnen. Jährlich zieht es Millionen von Pilgern und Touristen nach Kanyakumari. Hässliche Neubauten reihten sich ohne Charme aneinander und der bedeckte Himmel, der bereits am Nachmittag für düstere Stimmung sorgte, machte es auch nicht wirklich besser.

Das soll dieser besondere Ort sein, wo man Sonnenaufgang und –untergang vom gleichen Platz beobachten kann?

Hier sollen sich die Bengalische See, der Indische Ozean und das Arabische Meer vereinen?

Meine Vorstellungen und Erwartungen waren eindeutig zu romantisch!

Die Lautsprecher dröhnten nervend weiter und wir suchten unser Hotel, das im Stadtzentrum lag, natürlich in einem dieser hässlichen Gebäudekomplexe. Wenigstens hatte Prabhu die Zimmer im obersten Stock gebucht und auf der riesigen Dachterrasse bot sich eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Auf den zwei Felsen, die nicht weit von der Küste liegen, sahen wir das Vivekananda Memorial. Hier soll der berühmte indische Philosoph Vivekananda 1893 drei Tage lang meditiert haben. Auf dem anderen Felsen steht die über 40m hohe Statue des tamilischen Dichters Tiruvallur. Beide Inseln kann man mit dem Boot besuchen. Auch entdeckten wir das Gandhi Mandapam, eine Gedenkstätte für den grossen Mahatma Gandhi, dessen Asche nach seinem Tod 1948 an dieser Stelle dem Meer übergeben wurde.

Insgeheim stellte ich mir den Sonnenuntergang und –aufgang schon in allen orange-roten Farbstufen vor. Das würde sicherlich tolle Fotos geben. Zuversichtlich hoffte ich, dass der Himmel gegen Abend aufklären würde.

Etwas später machten wir uns auf den Weg zum berühmten Kumari Amman Tempel. Kumari Amman ist die jungfräuliche Göttin, die viele zum Weinen bringt, wenn man zu ihr betet. Man glaubt, dass sie die Starrheit in unserem Geist auflösen kann. Dargestellt wird sie mit einer Gebetskette, einer Japamala und ihr Reittier ist ein Löwe oder ein Tiger.

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Eigentlich sollte die junge Prinzessin mit Lord Shiva vermählt werden. Der Hochzeitstag und die Uhrzeit, die man genau einhalten musste, waren schon ausgemacht und Shiva bereits auf dem Weg zu seiner Braut. Doch die Devas baten den Götterboten Narada inständig die Hochzeit zu verhindern, da nur eine Jungfrau den mächtigen Dämon Banasura vernichten könnte. So täuschte Narada in der Form eines Hahnes eine falsche Uhrzeit vor. Shiva, der dachte, dass er nicht pünktlich zur Hochzeit eintreffen würde, kehrte traurig um und die Hochzeit fand nicht statt. Kumari wurde sehr wütend, beschloss aber jungfräulich zu bleiben und weiterhin Lord Shiva die Treue zu halten. Ihr Zorn verlieh ihr ungeahnte Kräfte und später gelang es ihr den mächtigen Dämon Banasura zu töten.

Auf dem Weg zum Tempel säumten sich viele Marktstände. Aufdringliche Händler und Verkäufer boten lautstark ihre Waren feil. Die Menschenmassen nahmen immer mehr zu und der Tempel erschien eng und klein. Während unsere Gäste sich mit unserem Fahrer in den Tempel wagten, warteten wir geduldig bei den Ghats. Keiner von uns hatte Lust sich in diese Menschenmenge zu stürzen. Auch der Abend brachte uns kein Glück. Vom Sonnenuntergang war nichts zusehen und auch der Sonnenaufgang am nächsten Morgen wurde hinter einer dichten Wolkendecke versteckt.

Obwohl man Kanyakumari eine gewisse spirituelle Atmosphäre nicht absprechen kann, wurde ich nicht warm mit diesem Ort. Vielleicht müsste ich Kanyakumari nochmals bei schönem Wetter und in der Nebensaison eine Chance geben. Mit solchen Bildern könnte Kanyakumari dann auftrumpfen.

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Mamallapuram – Weltkulturerbe

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Etwas über eine Autofahrstunde von Chennai entfernt liegt das touristische Städtchen Mamallapuram. Der Ort lebt heute vorwiegend vom Tourismus, der Steinmetzkunst und der Fischerei.

In den vielen kleinen Läden kann man sich als Tourist mit Souvenirs eindecken. Mamallapuram ist sehr berühmt für die Steinmetzkunst, so kann man von riesigen Statuen bis ganz kleinen Figuren alles kaufen. Die Preise sind auf  Touristen ausgerichtet, daher unbedingt um den Endpreis verhandeln.

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Für mich ist Mamallapuram eindeutig zu touristisch, aber gerne komme ich mal ein Wochenende hier her, um in einem schönen Resort am Strand etwas zu relaxen und Abstand von der City zu gewinnen.

Viele ausländische Touristen, die Südindien bereisen, lassen die Sehenswürdigkeiten von Chennai aus und fahren direkt vom Flughafen nach Mamallapuram.

Der kleine Ort war einmal ganz gross. Im 7. und 8. Jahrhundert war Mamallapuram einer der bedeutesten Häfen an der indischen Ostküste. Durch Münzfunde konnte man sogar belegen, dass hier bereits im 1. Jahrhundert Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde.

Unter der Herrschaft der Pallava-Könige, die in Kanchipuram ihre Hauptstadt hatten, florierte auch der Export von Edelgütern wie Elfenbein, Seide und Edelsteinen in viele Länder Südostasiens. Der Überseehandel brachte viel Wohlstand ins Land. Mit dem Geld wurde nicht nur die Verwaltung des Reiches, sondern auch die grossartigen Baudenkmäler und Tempel finanziert.

Die Tempelbauten in Kanchipuram und Mamallapuram sind beeindruckende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst und gehören zu den ältesten (7. / 8. Jahrhundert) erhaltenen Bauwerke Südindiens. 1984 wurden die Tempel, Höhlen und die Flachreliefs zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Architektur dieser frühen Bauwerke prägte den Dravida-Baustil, der die Tempelarchitektur in Südindien charakterisiert und teilweise bis nach Südostasien zu finden ist.

Der Shore Tempel, der direkt am Strand liegt, stammt aus dem 8. Jahrhundert. Es ist ein Shivatempel mit einem Lingam und im Nebenschrein findet man den ruhenden Lord Vishnu auf der Weltenschlange. Dank Wellenblocker, die damals noch Indira Gandhi in Auftrag gegeben hat, überstand der Tempel den Tsunami von 2004 weitgehend unbeschädigt.

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Bei den fünf Rathas handelt es sich um monolithische Bauwerke aus dem 7. Jahrhundert, die aus einem Stück Stein gehauen wurden. Man vermutet, dass sie nie als Tempel genutzt wurden. Es scheint vielmehr, dass an diesem Platz mit verschiedenen architektonischen Bauformen experimentiert wurde. Die fünf Rathas sind nach den Pandava-Brüdern aus dem Mahabharata-Epos benannt.

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Das riesige Felsrelief (rund 12m x 33m) zeigt die Herabkunft der Göttin Ganga. Die Geschichte zur Herabkunft der Göttin Ganga findest du unter diesem Link.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Es ist eines der grössten Felsreliefs der Welt aus dem 7. Jahrhundert.

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Auf einem langgestreckten Felsen von rund 500 m Länge liegt Krishnas Butterball, eine riesige Felskugel. Fast alle legen hier einen Fotostopp ein. Man kann sich dem Gefühl nicht verwehren, dass sie jeder Zeit herunterrollen könnte.

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PS: Einige Fotos stammen von meinem Vater. Danke Pa!

Alamparai Fort –  aus meinem Tagebuch vom Juli 2008

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Heute fahren wir zu den Ruinen des Alamparai Forts, das rund 100 km von Chennai entfernt an der ECR Richtung Pondicherry liegt. Auf dem Weg sehen wir ein Dorf, das an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnert. Kleinste Häuser, die mit Spenden aus dem Ausland errichtet wurden, stehen in Reihen eng nebeneinander.

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Als wir aussteigen, will uns ein Junge unbedingt herumführen und sich natürlich ein Taschengeld verdienen. Schliesslich lassen wir ihn gewähren. Das quadratisch angelegte Fort liegt direkt am Meer und die zerfallenen Überreste und Mauern lassen das einstige imposante Fort der Mogulen nur schwer erahnen.

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Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Fort von moslemischen Herrschern erbaut. Von 1736-1740 stand es unter der Kontrolle von Nawab Dost Alikhan und 1750 wurde das Fort dem grossen französischen General Joseph Francois Dupleix als Geschenk übergeben. Dupleix liess in Alamparai seine Goldmünzen prägen und exportierte vom Hafen aus Textilien, Salz und Butterschmalz. Später, im Kampf gegen die Briten, wurde das Fort grösstenteils zerstört.

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Unser kleiner Führer erweist sich als geschäftstüchtig und er macht uns eine Bootsfahrt mit einem Fischerboot schmackhaft. So fahren wir mitten in der Mittagshitze aufs Meer hinaus. Der Fischer hat zwei seiner Söhne dabei, die aus dem Staunen kaum herauskommen. Als wir unseren Fahrer Venkatesh am Ufer erblicken und den Fischer bitten anzuhalten, damit er auch mitfahren kann, kommt noch eine indische Grossfamilie dazu. Der Preis ist schnell ausgehandelt und so tuckern wir mit 15 Menschen an Bord los.

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Als der Junge des Fischers noch einen Einsiedlerkrebs fängt und ihn den Kindern zeigt, kommt unser Sohn nicht zum Staunen heraus und ist gänzlich zufrieden.

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Ooty – das richtige Klima für mich

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Ooty oder jetzt eigentlich Udhagamandalam ist eine Hillstation in den Niligri-Bergen und gehört zu Tamil Nadu. Nachdem die Briten viele ursprüngliche Ortsnamen verändert und verkürzt haben, versucht man schon lange wieder die alten Orts- und Stadtnamen zu verwenden. Doch bei Udhagamandalam scheint dies nicht zu gelingen, denn jeder spricht immer noch von Ooty.

Ich liebe die Niligri Mountains – die blauen Berge, die ihren Namen von den Neelakurinji Blumen haben, die nur alle 12 Jahre blühen und die ganzen Hügel blau färben. Kaum geht es die Kurven hoch und höher fühle ich mich einfach gut. Die Flora erinnert mich an meine alte Heimat und das viele Grün um mich herum wirkt wie ein Glückshormon. Fuchsien, Zimmerlinden, Engelstrompeten, Farne und die rosa-gelben Lantana zieren die kurvenreiche Strasse. Suriyan und ich zählen auf dem Weg in die Hillstations immer die zahlreichen Affen, die an den Strassenrändern sitzen. Da kommen jeweils locker gegen 200 Affen zusammen.

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Zur Kolonialzeit war Ooty, das etwas über 2200 m ü. M. liegt, sicher ein wunderschöner Ort. Die britische Kolonialverwaltung von Madras (jetzt Chennai) hatte hier ihre Sommerresidenz. Während der Sommerhitze in Chennai bevorzugten die Engländer das angenehme, milde Klima in den Hillstations von Ooty und Kodaikanal. Doch jetzt hat der Ort allen kolonialen Charme verloren. Hässliche Neubauten kleben plan- und lieblos an den Hügeln. Ooty lebt vom Tourismus und vom Gemüse-, Obst- und Teeanbau. Während der Hochsaison vom April bis Juni ist Ooty und auch alle anderen Hillstations von indischen Touristen überschwemmt. Wer es ruhiger und entspannter mag, sollte seinen Aufenthalt vom November bis März planen. In dieser Zeit kann es jedoch recht kühl werden. Die Temperaturen können in der Nacht bis auf 5 Grad fallen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Urlaubstage im Dezember. Ich habe noch nie zuvor, trotz Faserpelzjacke, so gefroren und so viel heisses Wasser getrunken wie in Ooty.

Eigentlich gehörte das ganze Land rund um Ooty den Todas. Der Bergstamm von Hirten, gehört zu den Urvölkern Indiens. Doch 1799 kam es in britische Hände und man versuchte das Urvolk zum christlichen Glauben zu bekehren und die Teepflanzer vertrieben sie von ihrem Land.

Wer den botanischen Garten besucht, der 1847 von den Briten angelegt wurde, findet am Ausgang eine Hütte der Todas. Dort verkauft das Urvolk traditionelle Kunst, Wildbienenhonig und verschiedene ätherische Öle. Dies ist sicherlich der richtige Ort um etwas zu kaufen und die Todas zu unterstützen.

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Die Briten hatten sich ihr Erholungsgebiet gemütlich eingerichtet. Golfplatz, Pferderennbahn, Kirchen, Hotels und verschiedene Gärten durften nicht fehlen. Auch den See haben sie künstlich angelegt. Am Boat House, das nun zu einem kleinen Freizeitpark am See geworden ist, kann man Pferde reiten, Boot fahren oder sich ein Tretboot mieten.

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Es lohnt sich die Umgebung von Ooty zu erkunden. Kaum fährt man etwas aus der Stadt sieht man Tee- und Kaffeeplantagen, Kiefern und viele Eukalyptusbäume. An vielen Bäumen entdeckt man beim genauen Hinschauen die Nester von Wildbienen und wenn es dunkel wird, hört man tausende von Grillen zirpen. Ooty ist der perfekte Ort um sich mit Honig, Eukalyptusöl und natürlich auch mit Schokolade einzudecken. Überall kann man Schokolade in allen Variationen kaufen und als Schweizerin, die schon einige Jahre in Chennai lebt, finde ich inzwischen auch diese einfach köstlich.

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Der Pykara-Fluss ist den Toda heilig und ein Ausflug zum Pykara-Wasserfall  kann ich durchaus empfehlen.

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In unseren Ferien war es uns leider nicht möglich auf den höchsten Gipfel Tamil Nadus, den Doddabetta (2623 m ü. M.),  zu steigen. Viele Strassen waren durch die Polizei gesperrt und es herrschte eine grosse Aufregung wegen einem Tiger, der eine Frau und ein Kind auf der Strasse angegriffen und getötet hatte. Rangers suchten nun das ganze Gebiet ab. Im Nachhinein haben wir dann gelesen, dass der Übeltäter ein Leopard war. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn die Leoparden sind sehr anpassungsfähig und kommen immer näher an menschliche Siedlungen heran. So entstehen immer mehr Konflikte zwischen Mensch und Tier. Mit etwas Glück sieht man in Ooty auch die wunderschönen, indischen Bisons. Wir konnten fast unseren Augen nicht glauben, als wir eine weidende Herde direkt am Strassenrand antrafen.

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Wer Zeit hat, sollte unbedingt mit der Niligri Blue Mountain Railway an- oder abreisen. Die 46 km lange Fahrt mit der Zahnradbahn von Ooty nach Mettupalayam oder umgekehrt ist wirklich eindrücklich. Die Fahrt dauert rund 4.5 Stunden und zieht sich durch eine wunderschöne Landschaft, durch Schluchten, Tunnels und über unzählige Brücken. Auch hier gibt es eine schweizerische Verbindung. Die Bahn wurde bereits 1845 geplant und nach den Plänen des Schweizers Niklaus Riggenbach fertiggestellt. Die Dampflokomotive stammt aus der Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur (Schweiz).

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Die Bahn fährt jährlich scheinbar einen Verlust von rund 40 Millionen Rupien ein. Daher sollte sie eigentlich aus Spargründen elektrisch umgebaut und angepasst werden. Doch 2005 wurde die Zahnradbahn ins Unesco Weltkulturerbe aufgenommen und so wurden alle Modernisierungspläne auf die Seite gelegt, denn jetzt muss die Bahn in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten bleiben.