Wo Kaffee und Pfeffer wächst – die Hillstation Yercaud

 

Leuchtend rote Weihnachtssterne fallen mir ins Auge. Wie gewöhnlich und hässlich fand ich in meiner alten Heimat die überzüchtete Topfpflanze, die zur Weihnachtszeit in vielen Häusern steht. Doch hier sind es richtige Büsche – wild, überwuchernd und knallrot. Befreit von den gutbürgerlichen Töpfen erobern sie mein Herz im Nu.

Weihnachtsstern
Überall entdecke ich Büsche mit Weihnachtssternen.

Mit jeder Haarnadelkurve wird es grüner, üppiger und ich glücklicher. Engelstrompeten, Farne, Lantana, Wicken, Eukalyptus und Nandibäume mit orangeleuchtenden Blüten säumen die Straße. Unser Sohn will bei unserem Affenzählspiel nicht mehr mitmachen. Typisch Teenager! Lieber hört er auf seinem I-Phone Musik. So zählen mein Göttergatte und ich eifrig die Affen, die in Banden immer wieder am Straßenrand sitzen. Über hundert sind es, als wir Yercaud schließlich erreichen.

Engelstrompete
Engelstrompete

Affen

Die kleine Hillstation in Tamil Nadu lebt vor allem vom Kaffee- und Pfefferanbau. Überall sieht man Kaffeepflanzen und darin klettert der Pfeffer übermütig die Bäume hoch.

Der Ort bezaubert kaum, da helfen auch der künstlichangelegte See und der botanische Garten nicht. Unschön zieht sich das Dorf in die Länge, kein nettes Café oder Restaurant, das zum Verweilen einlädt. Trotzdem gefällt es mir. Ich tanke Grün und bin rundum zufrieden.

Suriyan jedoch findet es langweilig. Die Internetverbindung in unserem INDeco Hotel ist grottenschlecht, und so überredet er mich zu einen Spaziergang zum See. Er will Tretboot fahren. Ich opfere mich und als wir beim Bootshaus ankommen, wird schnell klar, dass wir nicht die Einzigen sind. Wir bezahlen je 40 Rupees Eintritt, um überhaupt ins Bootshaus zu gelangen und zusätzlich 60 Rupees für die Handykamera. Erneut stellen wir uns in die Reihe, um ein Tretboot zu mieten. Doch alle sind ausgebucht – 140 Rupees für nichts bezahlt! Suriyan ärgert sich und überschlägt grob, was die Betreiber ungefähr mit den Eintrittsgeldern verdienen. Ich nehme es gelassen, das viele Grün hat mich eindeutig entstresst. Wir kaufen uns ein Eis und schlendern langsam zum Hotel zurück.

Yercaud Lake
Das 60 Rupees teure Foto vom Yercaud Lake 😉

Am nächsten Tag besuchen wir die Kaffeeplantage Cauvery Peak. Erst trinken wir gemütlich den hauseigenen Kaffee und decken uns danach mit Kaffeepulver, Pfeffer, Muskat und Wildbienenhonig ein.

Um die Kaffeeplantage mit dem kleinen Museum zu besuchen, bezahlt man pro Person 420 Rupees (Oktober 2019) Für indische Verhältnisse ein stolzer Preis, doch der Ausflug lohnt sich. Neben dem vermittelten Wissen rund um die Produktion von Kaffee, kann man die Plantage besichtigen. Kaffee, Pfeffer, Orangen und Avocados werden geerntet. Allein für die tolle Aussicht auf die Ebene lohnt sich der Besuch von Cauvery Peak.

Gruene Kaffeebeeren
Grüne Kaffeebeeren
Rote Kaffeebeeren
Geerntet werden die Kaffeebeeren, wenn sie eine tiefrote Farbe haben. Die Haupternte ist im Frühjahr.
Aussicht auf die Ebene
Aussicht auf die Ebene

Die Arbeit, die in einer Tasse Kaffee steckt, ist unglaublich. Täglich und selbstverständlich trinken wir den braunen Muntermacher und überlegen wenig bis nichts dabei. Nur 200-300 Rupees pro Tag (2.50 -3.75 Euro) verdient eine Pflückerin ungefähr. Der Pfeffer, der mehrere Meter hochklettert, wird in dem oft abfallenden Gelände mit Leitern geerntet – definitiv keine ungefährliche Arbeit.

Pfefferpflanze
Pfefferpflanzen klettern überall in die Höhe
Pfeffer
Pfeffer

 

Am letzten Tag will Suriyan auf seine Kosten kommen. Im Internet hat er einen Kletterpark (Grange Tree Top Adventures) entdeckt. Mit Google Map machen wir uns auf den Weg und stellen bald fest, dass Yercaud nicht google-tauglich ist. Wie zu früheren Zeiten fragen wir nach dem Weg und erreichen schließlich unser Ziel. Suriyan klettert und danach entdecken wir noch ein kleines Café, das grade von einigen Frauen neu eröffnet wurde. Der Kaffee ist hervorragend und im kleinen, dazugehörigen Laden kaufen wir leckere homemade Schokolade, Aloevera-Gel und Rosenwasser.

Homemade Chocolate
Homemade Chocolate – yummy!

Nun will unser Sohn noch zu den Kiliyur Falls. Als wir nach dem Weg fragen, werden wir schon gewarnt, dass es heute sehr voll sein würde. Es ist Ayudha-Pooja, ein bedeutsamer Feiertag für die Hindus in Tamil Nadu. Und so ist es. Ich habe das Gefühl, dass sich die gesamte muslimische Bevölkerung Tamil Nadus auf den Weg zu den Wasserfällen befindet. Während die Hindus zu Hause feiern, unternehmen die andern Religionsgemeinschaften am freien Tag Ausflüge. Scheinbar endlos ziehen sich die steilen Treppen nach unten und ich fürchte mich schon beim Runtersteigen vor dem anstrengenden Rückweg. Meine Knie sind leider angeschlagen. Hätte ich Bescheid gewusst, hätte ich mir die Kiliyur-Fälle und das Gedränge geschenkt.

Wasserfall
Kiliyur Falls – viele junge Männer kletterten die Felsen hoch und nahmen ein Bad.

Yercaud ist touristisch bedeutend weniger überlaufen als Ooty und Kodaikanal. Außer Natur und Kaffeeplantagen hat es wenig zu bieten. Wer gerne guten Kaffee trinkt, Erholung braucht und die Natur liebt, dem wird es in Yercaud gefallen.

Unterwegs in Tamil Nadu – meine 10 liebsten Reiseziele

Allgemeine Informationen über Tamil Nadu

Der Bundesstaat Tamil Nadu

Tamil Nadu ist zehntgrößter und südlichster Bundesstaat Indiens. Mit einer Fläche von 130‘058 Quadratkilometern ist Tamil Nadu über dreimal so groß wie die Schweiz und etwa dreimal kleiner als Deutschland. Mehr als 72 Millionen (2011) Menschen leben in dem Bundesstaat, davon rund zehn Millionen in der Hauptstadt Chennai, die unter der britischen Herrschaft Madras genannt wurde. Seit über 10 Jahren ist Chennai meine neue Heimatstadt.

In der Liste der 10 reichsten Bundesstaaten Indiens erreicht Tamil Nadu (2019) nach Maharashtra den 2. Platz. Chennai hat sich als Industriemetropole entwickelt und viele einheimische, aber auch internationale Konzerne haben hier Produktionsstandorte.

In Tamil Nadu ist man sehr stolz auf das reiche, kulturelle Erbe und die tamilische Sprache. „Nadu“ bedeutet in Tamil „Land“, es ist also das Land der Tamilen. Sich vor der Reise ein paar Brocken Tamil anzueignen, lohnt sich sehr. Die Leute freuen sich enorm, wenn man etwas Tamil spricht. Auch wenn es nur Vanakkam (guten Tag), Nandri (danke) oder Nalla (schön) ist. Auf dem Land können die Leute oft kein Englisch sprechen.

Die muslimischen Eroberer des Nordens hatten in Tamil Nadu wenig Einfluss, dafür haben die südindischen Dynastien der Pallavas, Cholas und Pandyas das Land geprägt. Über 2000 Jahre alte Tempel, die die dravidische Architektur maßgebend beeinflusst haben, lassen den Wohlstand und die Kunstfertigkeit der damaligen Baumeister noch heute erahnen.

Tamil Nadu ist das Land der Tempel und der religiösen Tempelfeste, aber auch die Kunst (Musik, Tanz, Dichtung, Malerei) hatte und hat hier immer noch eine große Bedeutung.

Reisezeit

Der Bundesstaat ist sehr vom Monsun abhängig. Fällt die Regenzeit schlecht aus, so kommt es immer wieder zu Wassermangel und Dürren. Die Hauptregenzeit an der Ostküste ist von Oktober bis Dezember. Gewisse Gebiete bekommen auch etwas Regen vom Südwest-Monsun (Juni-September) ab, wobei die Western Ghats, die Berge zwischen Tamil Nadu und Kerala, die Regenwolken oft blockieren.

In Tamil Nadu herrscht tropisches Klima. Die beste Reisezeit ist von Januar bis März. April, Mai und Juni sind die heißesten Monate, und das Thermometer steigt oft über unangenehme 40 Grad.

Mitte Januar findet das hinduistische Erntedankfest Pongal statt. Für die meisten Tamilen ist Pongal das bedeutsamste Fest im Jahresverlauf.

Mehr Informationen dazu hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/13/happy-pongal/

Landwirtschaft und Natur

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das fruchtbare Kaveri-Delta ist die Reis-Stube des Bundesstaates. Tamil Nadu ist in Indien der fünftgrößte Reisproduzent. Neben Reis werden auch Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Hülsenfrüchte und Erdnüsse angebaut. Die Dörfer und Kleinstädte in den Westernghats versorgen den Bundesstaat mit Kaffee, Tee, Gemüse, und verschiedenen Gewürzen. Tamil Nadu produziert innerhalb Indiens am meisten Kurkuma (Gelbwurz).

In den Westernghats, den Kardamom-Bergen und den Niligris-Bergen, erstrecken sich immergrüne tropische Regenlaubwälder, die vielen Tieren Lebensraum bieten.

Hier leben indische Bisons, Sambar-Hirsche, Axishirsche, Elefanten, Leoparden, Lippenbären, Tiger, Languren-Affen und viele mehr. Die Artenvielfalt ist immens, aber durch die dichte Besiedlung immer mehr gefährdet.

Essen und Trinken

Idly
Idly mit Sambar und Tomaten- und Kokosnuss-Chutney

Die Küche Tamil Nadus ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Reis und Reismehl wird in verschiedensten Arten verarbeitet und gekocht. Wer durch Tamil Nadu reist, sollte die schmackhafte südindische Küche unbedingt ausprobieren. Idly (Reis-Linsen-Küchlein), Dosai (Reis-Linsen-Pfannkuchen), Idiyappam (Reisnudeln), Appam (Reispfannkuchen mit Kokosnussmilch) oder Pongalreis, serviert mit Sambar, einer schmackhaften Gemüsesauce und diversen Chutneys, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zum Mittagessen kann man sich preisgünstig eine South Indian Thali bestellen, da bekommt man Reis verschiedene Gemüse, Sambar, Kuzhambu (scharfe Chilisauce), Rasam (Pfeffer-Sauce) und immer auch Curd (Joghurt). Meistens wird die Thali auf einem Bananenblatt serviert und man kann Nachschlag verlangen bis man genug hat.

Wer auf Scharfes verzichten möchte, mag vielleicht Curd Rice ausprobieren. Gegessen wird in Tamil Nadu mit der rechten Hand. Die Linke gilt als unrein, da sie zum Toilettengang verwendet wird. Für Touristen bringt man normalerweise viel Verständnis auf und nimmt es mit Regeln weniger genau. Es richtig zu machen, ist aber nie falsch!

Bei der Wahl des Restaurants sollte man immer Vorsicht walten lassen. Die hygienischen Zustände entsprechen oft nicht dem, was man sich wünschen würde. Achtet darauf, wo viele Leute essen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denn so wird immer frisch zubereitet. Bei Produkten, die gekühlt werden müssen, sollte man Zurückhaltung üben. In Indien gehören Stromausfälle leider zum Alltag dazu, so werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen.

In ganz Tamil Nadu findet sich die Restaurant-Kette Saravana Bhavan. In diesen Mittelklass-Hotels (Hotels sind in TN Restaurants!) bekommt man für erschwingliche Preise gutes Essen. Die Saravana Bhavans sind eigentlich immer und überall gut besetzt. Andere Restaurant-Ketten, die eine gute Qualität bieten, sind Vasanth Bhavan und A2B (Ananda Bhavan).

In Tamil Nadu wird viel Kaffee getrunken. Ein South Indian Filter Coffee oder einfach ein Kafi, wie man hier sagt, ist ein Muss. Der Kaffee wird meistens in einem Tumbler, einem Stahlbecher serviert. Um den Kaffee zu rühren und etwas abzukühlen, schüttet man ihn in den kleineren und tieferen Becher um. Am besten man beobachtet diese Kunst erst mal aus der Ferne und macht es einfach nach. Wer es nicht gerne süß oder zu süß mag, sollte dringend sagen, dass er den Kaffee ohne Zucker möchte, denn an Zucker wird definitiv nicht gespart.

Tourismus in Tamil Nadu

Die Tourismusbranche in Tamil Nadu ist mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent die größte in Indien. Die TTDC (Tamil Nadu Tourism Development Corporation) wird von der Regierung unterstützt und gefördert. Laut einer Statistik des Tourismus Ministeriums besuchten im Jahr 2015 4.68 Millionen ausländische Touristen und 333.5 Millionen indische Touristen den Bundesstaat. Viele indische Touristen reisen als Pilger zu den berühmten Tempeln oder besuchen die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.

Kultur und Kleidung

Die Tamilen sind ein sehr traditionelles, eher konservatives Volk. Sogar in der Metropole Chennai sieht man praktisch nur traditionell gekleidete Frauen in Saris oder Chudidars, wie man hier die langen Kurtas mit Hose und Schal nennt.

Der traditionelle Wickelrock für die Männer ist der Veshti oder Dhoti. Er wird vor allem zu formellen Anlässen getragen und ist meistens weiß mit einer einfachen, manchmal auch goldenen Bordüre.

Bau- und Landarbeiter hingegen tragen gerne Lungis. Der Lungi ist auch eine Art einfacher Wickelrock, der halb- oder knöchellang getragen wird. Lungis sind farbig und oft ist der Stoff kariert.

Inderinnen und Inder legen großen Wert auf saubere und gepflegte Kleidung. So sollte man auch als Gast darauf achten, wie man sich kleidet. Will man als Frau nicht ständig seltsame und oft anzügliche Blicke auf sich ziehen, sollte man eher „konservative“ Kleidung anziehen. Es müssen nicht traditionelle, indische Kleider sein, aber Knie und Schulter sollten bedeckt sein.

Es empfiehlt sich auch, einen Schal dabei zu haben. So kann man bei einem Tempelbesuch oder wenn es einem unangenehm ist, die Brust abdecken.

Männer in Shorts sieht man eher selten. In touristischen Orten, wo die Menschen sich ausländische Touristen langsam gewöhnt sind, ist es okay Shorts zu tragen. Will man jedoch einen Tempel besuchen oder in einem gehobeneren Restaurant speisen, sind Shorts ein NO GO. Viele Tempel dürfen mit kurzen Hosen auch nicht betreten werden.

Wie Reisen?

Tamil Nadu kann man mit Bus, Zug oder etwas komfortabler mit privatem Fahrer bereisen. Alleine zu fahren, würde ich definitiv nicht empfehlen.

Wie man auch unterwegs ist, in der Regel sind die Leute sehr hilfsbereit und freundlich.

Flexibel, eigenständig und erholsamer ist man mit einem privaten Fahrer unterwegs. Denn am Straßenrand gibt es immer wieder etwas zu entdecken, dass man vielleicht fotografisch festhalten möchte. Sicherlich kann man vom Fahrer nicht erwarten, dass er gleichzeitig ein guter Reiseführer ist, aber manchmal ist es hilfreich, wenn er übersetzen oder etwas erfragen kann. Für einen privaten Fahrer muss man ungefähr 3000 Rupees pro Tag einplanen.

Aber auch mit Bus und Zug kommt man auf seine Kosten und reist natürlich viel preisgünstiger. Reist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, trifft man viele Menschen und kommt leicht in Kontakt mit den Einheimischen. Oft herrscht an Bus- und Zugbahnhöfen das Chaos. Es ist unübersichtlich, oft nur in Tamil angeschrieben und man darf auch nicht erwarten, dass man sein Ziel pünktlich erreicht. Es bewährt sich Zugverbindungen rechtzeitig zu reservieren. Im Zug stehen verschiedene Klassen zur Verfügung. Je teuerer, desto komfortabler und sauberer sind die Abteile. Züge kann man über die IRCTC (Indian Railways Catering and Tourism Corporation) Webseite oder auch über Cleartrip und Busse am einfachsten über http://www.redbus.in buchen.

In den Städten kann man sich inzwischen ganz einfach über die Apps von OLA oder UBER ein Auto oder sogar eine Autoriksha buchen. So entfällt das oft nervige Handeln um den Preis und man bekommt ein Gefühl für die ungefähren Preise.

Will man beispielsweise einen Tag eine Stadtbesichtigung einplanen, kann man günstig auch Tagespakete buchen. Achtung: In Tamil Nadu nennt man die Autoriksha „Outo“! Das kann anfangs verwirrend sein und zu Missverständnissen führen.

Meine 10 liebsten Reiseziele in Tamil Nadu

Meine schönsten und liebsten Reiseziele festzulegen, war gar nicht so einfach. Da ich in Chennai lebe, mag ich es gerne etwas ruhiger und ich liebe Naturschutzgebiete. Die Fülle an sehr schönen, bedeutsamen Tempelstädten in Tamil Nadu ist schier endlos.

Thanjavur, Kanchipuram, Mamallapuram, Tiruvannamalai, Chidambaram, Kumbakonam, Tiruchirapalli, Sri Rangam, Rameshwaram, Madurai und Kanyakumari sind nur eine kleine Auswahl davon.

Doch wenn man nicht grade Indologie studiert oder sich für dravidische Architektur interessiert, dann hat man in der Regel nach 3-5 Tempeln genug, so habe ich mich auf einige interessante Tempelstädte beschränkt.

Hier meine Liste:

1. Chennai

Aussicht auf den Sueden von Chennai
Aussicht auf den Süden Chennais vom St. Thomas Mount

In den meisten Reiseführern kommt Chennai schlecht weg, und es wird eine direkte Weiterreise nach Mamallapuram empfohlen. Ich finde dies schade, denn Chennai hat einiges zu bieten. Als Indien-Neuling würde ich Chennai wahrscheinlich erst am Schluss der Reise einplanen. Für die letzten Einkäufe und einige Sehenswürdigkeiten lohnt sich ein Stopp in Chennai auf jeden Fall.

Sehenswert:

Für Einkäufe:

  • Stoffe, traditionelle indische Kleidung Nalli oder Pothys, T. Nagar
  • Indische Kleidung: Fabindia, mehrere Filialen (auch in den großen Malls)
  • Moderne Malls: Phoenix Marketcity, Velachery/ Express Avenue, Royapettah
  • Victoria Technical Institute (verschiedene Souvenirs und Kunsthandwerk aus Südindien zu erschwinglichen Festpreisen), No: 180, Anna Salai (Mount Road

2. Mamallapuram

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Shore Tempel in Mamallapuram

Der Ort ist sehr touristisch, hat aber durchaus seinen Charme. Mamallapuram ist berühmt für den Shore Tempel und das Flachrelief, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Ausführlichere Informationen:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/13/mamallapuram-weltkulturerbe/

3. Puducherry / Auroville / Pichavaram

Auroville
Matrimandir in Auroville

Das französische Flair ist in der ehemaligen Koloniestadt Frankreichs immer noch zu spüren. Der spirituelle Führer Sri Aurobindo eröffnete 1929 in Puduchery einen Ashram.

Seine rechte Hand Mira Alfassa, die nach seinem Tod, die Führung übernahm, inspirierte die Gemeinschaft zur universellen Modellstadt Auroville.

Auch einen Abstecher in die Mangroven in Pichavaram lohnt sich durchaus.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/10/pondicherry-franzoesisches-flair-in-indien/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

4. Vedanthangal

Vedanthangal
Vedanthangal Bird Sanctuary

Das Vogelnaturschutzgebiet in Vedanthangal bietet sich von Dezember bis Februar an. Es ist das Brutgebiet vieler Zugvögel.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/29/vedanthangal-vogelnaturschutzgebiet-in-tamil-nadu/

5. Tiruvannamalai

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Arunachaleshvara Tempel Tiruvannamalai

Der berühmte Arunachaleshvara Tempel am Fuße des heiligen Berges Arunachala ist ein wichtiger Pilgerort für Hindus. In Tiruvannamalai wird das zehntägige Lichterfest Karthigai Deepam gefeiert.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/11/tiruvannamalai-wenn-goetter-sich-streiten/

6. Thanjavur

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Brihadishvara Tempel in Thanjavur

In Thanjavur lohnt es sich den Brihadishvara Tempel, der zum Unesco Weltkulturerbe gehört, mit einer guten Führung zu besichtigen. Der Tempel ist architektonisch sehr interessant und überall findet man die heilige Zahl neun. Am Tempeleingang gibt es Führer von der Regierung mit fixen Preisen. Auch der Palast und die Saraswati-Mahal Bibliothek sind einen Besuch wert.

Thanjavur ist die Stadt der Künste. Tanz, Musik und die Malerei waren in Thanjavur immer sehr wichtig. Ein Konzert mit klassischer indischer Musik und Tanz kann ich Reisenden nur ans Herz legen. Die vergoldeten, prachtvollen, für uns oft etwas zu üppigen, Thanjavur-Paintings sind in ganz Indien bekannt.

Wir haben bei unserem Besuch auch einen Metall-Gießer und einen Sitar-Bauer besucht, die uns ihr Kunsthandwerk erklärt haben.

Ein sehr schönes Heritage Hotel ist das Swatma. Mit viel Liebe eingerichtet, gepflegt und mit einer hervorragenden Küche gehört es jedoch in die obere Preisklasse.

7. Chettinad/ Karaikkudi

Chettinad
Mansion in Chettinad

Ein Abstecher in die Region Chettinad lohnt sich auf jeden Fall. Hier zeigt sich wieder ein ganz anderes Indien. Die riesigen Mansions der Chettiars, der Händlerkaste beeindrucken und lassen staunen. Die Chettinad Küche ist in ganz Indien bekannt.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/26/chettinad-sehenswerte-gegend-in-tamil-nadu/

8. Rameshwaram /Dhanushkodi

Rameshwaram
Zugverbindung nach Rameshwaram

Rameshwaram wird auch das Varanasi des Südens genannt und ist ein wichtiger Pilgerort für Shivaiten und Vishnuiten. Rameshwaram und Dhanushkodi sind eng mit dem berühmten Epos der Ramayana verbunden. So hat Rama hier seine Schlacht gegen Ravana vorbereitet, der seine Frau Sita nach Lanka entführt hatte.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/27/rameshwaram-auf-den-spuren-ramas/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/dhanushkodi-am-ende-des-bogens/

9. Madurai

image (4)
Meenakshi Tempel in Madurai

Der Meenakshi Tempel in Madurai ist fast ein Muss, wenn man in Tamil Nadu ist. Hier haben Lord Sundareshwara (Inkarnation Shivas) und die Göttin Meenakshi (Inkarnation Parvatis) geheiratet.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/30/madurai-von-meenakshi-der-goettin-mit-den-fischaugen/

10. Ooty / Masinagudi/ Mudumalai Nationalpark

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Teeplantage in Ooty

Ich mag alle Hillstations in Tamil Nadu. Doch Ooty in den Niligris-Bergen ist schon etwas Besonderes. Viele meinen auch, dass Ooty die Königin aller Hillstations in Tamil Nadu ist. Eine Fahrt mit der Niligri Mountain Railway sollte man unbedingt einplanen. Die Zahnrad-Bahn von Mettupalayam nach Ooty wurde 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Verlässt man Ooty Richtung Karnataka kommt man nach Masinagudi. Hier wird es für Naturliebhaber und Tierbeobachter immer interessanter. Nicht weit davon entfernt liegen die Nationalparks Mudumalai (Tamil Nadu) und Bandipur (Karnataka). Hier hatten wir immer grosses Glück mit Tiersichtungen. Einmal sahen wir sogar einen Tiger.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/10/ooty-das-richtige-klima-fuer-mich/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2010/03/14/nationalpark-bandipur/

 

Kanchipuram – alle wollen Lord Athi Varadar sehen

Menschenmassen

Incredible India – ja, so ist es tatsächlich! Auch nach über zehn Jahren in diesem Land bringt mich Indien immer wieder zum Staunen.

In Kanchipuram durfte Lord Athi Varadar (Avatar Vishnus) nach 40 Jahren im Tempelteich wieder einmal an die frische Luft. Dieses große Ereignis bringt mehrere Hunderttausend Gläubige aus ganz Indien in den Varadaraja Perumal Tempel. Um einen kurzen Blick auf die Gottheit zu werfen, nehmen die Menschen vieles in Kauf. Barfuß stehen sie für viele Stunden fünf Kilometer lang in der heißen Sonne. Ein Carrom-Kollege von Prabhu hat dies tatsächlich auf sich genommen und meinte im Nachhinein, dass dies ein grosser Fehler war. Seine Fußsohlen waren voller Brandblasen und mehr als einen kurzen Blick konnte er nicht erhaschen.

Der Legende nach hatten Gott Brahma und seine Frau Saraswati einen Streit. Scheinbar vergaß Brahma, seine Liebste zu einer wichtigen Feuerzeremonie einzuladen. Darauf wurde die Göttin so wütend, dass die den Fluss anschwellen ließ, um die heiligen Feuer zu löschen. Brahma bat Lord Vishnu um Hilfe und dieser legte sich als Athi Varadar in die Fluten und stoppte das Wasser.

Ursprünglich wurde die Götterstatue wohl im Tempelteich versenkt, um sie vor der Zerstörung durch islamische Eroberer zu bewahren. Die Leute glauben, dass das heilige Wasser vom Varadaraja Perumal Tempel unglaubliche Kräfte besitzt.

Vom 1. Juli bis zum 18. August darf die Gottheit an die Erdoberfläche. Da sie nur alle 40 Jahre für 45 Tage aus den Tempelteich geholt wird, ist ein Darshan von Lord Athi Varadar im Leben eines Menschen ein einmaliges Erlebnis. Nur wer ein hohes Alter erreicht, könnte es theoretisch zweimal schaffen.

Irgendwie wäre es verlockend, dies selbst zu erleben, aber wenn ich an die riesigen Menschenmassen, die brennende Sonne und die Brandblasen an den Fußsohlen denke, da schaue ich mir das Ganze doch lieber im Fernseher an.

Happy New Year!

Happy Tamil New Year

Heute feiern wir das tamilische Neujahr. Es ist der erste Tag des Monates Chithirai. Das Datum richtet sich noch dem Sonnenzyklus des Hindu-Kalenders und fällt ungefähr auf Mitte April des gregorianischen Kalenders.

Als ich um neun Uhr die Küche meiner Schwiegereltern betrete, brutzelt und köchelt es schon in vielen Töpfen. Mein Schwiegervater hat um 10 Uhr Pläne. Er will sich eine Sendung im Fernseher ansehen, daher hat er bereits früher angefangen zu kochen. So helfe ich nur noch beim Finish mit. Ich schneide die Zwiebeln, Chilis und Curryblätter klein, die in den Vadai-Teig kommen und frittiere die Linsenküchlein gold-braun.

Vadai frittieren

Am tamilischen Neujahr sollte von jeder Geschmacksrichtung etwas auf den Tisch kommen.

In Tamil unterscheidet man sechs verschiedene Geschmackssinne: Salzig, süß, bitter, scharf, sauer und geschmacklos. Spinat, Vadai (frittierte Linsenküchlein, Payasam (süße Reisnudeln) und Sundal (Hülsenfrüchte) sind an diesem Tag für unsere Familie ein Muss auf dem Menuplan. Dazu gibt es noch Rasam, Kartoffeln und Reis.

Speisen für neu Jahr

Natürlich werden alle diese feinen Sachen zuerst in einer Pooja gesegnet. Als erste kosten die Ahnen von den Speisen. Kleine Portionen werden auf einem Bananenblatt den Krähen offeriert, die in Indien als Verbindung zu den Verstorbenen gesehen werden.

Viele tragen am Neujahrstag neue Kleider und besuchen ihren Haustempel.

In unserem Quartier hat es zwei Tempel, einen Shiva- und einen Vishnu-Tempel. Am Abend werden die Hauptgötter beider Tempel ausgeführt.

Auf einem schön dekorierten Wagen dürfen sie durchs Quartier fahren. Durch das laute Trommeln hört man sie schon von Weitem kommen, und die Anwohner strömen aus ihren Häusern, um sich segnen zu lassen.

Happy Pongal!

Vom 14. bis am 17. Januar 2020 feiern wir in Tamil Nadu das Erntedankfest Pongal. Es ist das wichtigste hinduistisches Fest für die Tamilen und wird in Tamil Nadu und Sri Lanka gefeiert.

Am ersten Tag, an Bhogi, verbrennt man symbolisch etwas Altes, um sich fürs Neue, für das Kommende bereit zu machen. Die Luftverschmutzung, die jeweils daraus resultiert, ist immens und in den Morgenstunden ist die Luft vom Rauch ganz trüb.

Die Hauseingänge und Geschäfte werden oft mit kleinen Palmblätter-Girlanden und mit frisch geerntetem Zuckerrohr geschmückt.

Überall an den Straßenrändern sieht man kleine Stände, die Zuckerrohr, Palmblätter-Girlanden, Gelbwurz und Pongal-Töpfe verkaufen. Viele Leute sind mit den langen, nicht sehr transportfreundlichen Zuckerrohrstangen unterwegs.

Frisch geerntete Zuckerrohrstangen
Frische Gelbwurz (Kurkuma)

An den Straßenrändern werden Pongal Tontöpfe verkauft.
Viele davon auch farbig bemalt.

Surya oder Perum Pongal ist der zweite und bedeutsamste Feiertag, Es ist der Tag der Sonne, der dem Sonnengott Surya gewidmet ist. Vor den Hauseingängen streuen die Frauen oft bereits am Vorabend oder in den frühen Morgenstunden in stundenlanger Arbeit wunderschöne farbige Rangolis. An Surya Pongal werden neue Kleider in einer Pooja gesegnet und danach getragen.

Pongal Rangoli von meiner Schwägerin

Viele Familien kochen oft im Hinterhof unter freiem Himmel Pongalreis. Pongal bedeutet in Tamil wörtlich „überkochen“. Neben dem normalen Pongalreis kochen wir in unserer Familie auch immer Sakkarai-Pongal, einen süssen Reis mit Jaggery und Cashew-Nüssen.

Pongal-Töpfe bei meiner Schwägerin. Es wird auf Kuhfladen gekocht.

Ein kleiner, schön geschmückter Altar wird gegenüber den Töpfen aufgebaut. Allerhand wird dort dem Sonnengott dargeboten. Zuckerrohr, Mangoblätter, Neemblätter, Gelbwurz, elf verschiedene Gemüse und natürlich auch die üblichen Altargaben (Bananen, Kokosnuss und Bettelnussblätter) dürfen nicht fehlen.

11 verschiedene Gemüse werden auch gesegnet. Daraus wird Sambar gekocht.

Mit den 11, manchmal auch noch mehr Gemüsesorten (Kochbanane, Süßkartoffel, Kartoffel, Kürbis, Aubergine, Bohnen, Elefantenfuß-Yam, Bananenstamm, Taro-Wurzeln, Yam und Kefen) wird ein spezieller Sambar (Gemüse-Soße) zubereitet. Wichtig hierbei ist, dass die Anzahl der verschiedenen Gemüse ungerade ist. Nachdem das Essen auf einem Bananenblatt angerichtet wird, beginnt die Pooja-Zeremonie. Man betet zu den Göttern, zu den Ahnen und am Schluss unter freiem Himmel zur Sonne, zum Sonnengott. Man bedankt sich für die reiche Ernte und ruft „Pongal-o-Pongal“.

Eigentlich sollte man den Pongalreis, um Wohlstand, Glück und Überfluss zu bewirken, überkochen lassen. Bevor man selbst etwas zu essen bekommt, wird auf einem kleinen Bananenblatt von allen feinen Speisen etwas daraufgelegt. Dieses wird dann draußen für die Ahnen hingelegt. Wenn man „Kaa, kaa, kaa“ ruft, geht es nicht lange und die Krähen machen sich über die Leckereien her. In Indien stehen die schwarz Gefiederten den Ahnen nahe und sind die Boten zwischen dem Dies- und Jenseits.

Am dritten Tag, an Maattu-Pongal, dankt man den Kühen und Büffeln für ihre Dienste. Sie werden an Maattu-Pongal richtig verwöhnt. Am späten Nachmittag werden die Tiere schön geschmückt, gesegnet und die Hörner werden farbig bemalt. Die Ochsen werden vor einen Wagen gespannt und eine kleine Fahrt zum nächstgelegenen Tempel wird unternommen. Viele Bauern treiben ihre Kühe auch zum nächsten Tempel, um sie segnen zu lassen.

Rangoli für Maattu-Pongal

Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge werden gereinigt, geschmückt und gesegnet.

Der letzte Tag ist Fun und Spaß. Man besucht Familie und Freunde. Die Kinder bekommen Geld und Süßigkeiten. Viele machen einen Ausflug an den Strand, so ist der Marina Beach in Chennai an diesem Tag völlig überbevölkert.

Der Marina Beach ist an Pongal überbevölkert.

 

 

 

Vedanthangal – Vogelnaturschutzgebiet in Tamil Nadu

Seit ich in Chennai lebe, besuche ich eigentlich jedes Jahr einmal die Bird Sanctuary in Vedanthangal.

Ich beobachte unglaublich gerne Vögel und Tiere. Bedauerlicherweise bin ich mit den indischen Vögeln noch lange nicht so vertraut wie mit den schweizerischen Piepmatzen. Es erstaunt mich immer wieder, dass die meisten Inder die Vogel- und Pflanzenwelt ihrer Heimat schlecht kennen.

Während ich stundenlang mit dem Feldstecher in Vedanthangal Vögel beobachten könnte, finden meine Männer dies schon nach kurzer Zeit langweilig.

Trotzdem kann ich einen Besuch in der Bird Sanctuary Vedanthangal empfehlen. Während den Wintermonaten November bis Februar kommen viele Zugvögel in das Vogelnaturschutzgebiet um zu brüten. Kolonien von Buntstörchen aus Sibirien, Graue Pelikane aus Australien, Löffler aus Burma, Ibisse aus Sri Lanka. Es ist wirklich eindrücklich wie Tausende von Vögel aus allen Herren Ländern jedes Jahr nach Vedanthangal finden. Man kann so viele Reiher-, Enten- und andere Vogelarten entdecken.

P1050260

2013-12-30 059
Graue Pelikane und Buntstörche
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Open billed Stork

Pond Heron

Ibisse

Spoonbill

Die Bird Sanctuary ist in rund zwei Autostunden (75 km) von Chennai aus zu erreichen. Die beste Zeit die Vögel zu beobachten ist frühmorgens (6-8 Uhr) oder am späten Nachmittag (16-18 Uhr). Ich bevorzuge den frühen Morgen, da der Sonnenaufgang über dem See wunderschön ist.

P1050232

Die Öffnungszeiten sind von 6:00-18:00 Uhr. Leider habe ich dieses Jahr Dezember 2019 feststellen müssen, dass nun andere Eintrittspreise für Ausländer gemacht wurden.  Ausländische Besucher bezahlen für alles den 10-fachen Preis. Hier die aktuellen Preise Dezember 2019:

  Indische Staatsanghörige Ausländer
Erwachsene INR 10/- INR 100/-
Kinder (5-12 Jahre) INR 5/- INR 50/-
Fotokamera (Still camera) INR 50/- INR 500/-
Handykamera (Cell camera) INR 50/- INR 500/-
Videokamera (Handy camera) INR 300/- INR 3000/-

Man sollte unbedingt gute Feldstecher mitbringen. Wenn es möglich ist, würde ich Sonn- und Feiertage meiden, ansonsten sieht man mehr Inder und Inderinnen als Vögel. Dieses kann ja durchaus auch reizvoll und interessant sein, aber wer den Vögeln zugetan ist und in Ruhe beobachten, den Aussichtsturm ohne Gedränge geniessen und das unglaubliche Gezwitscher der Zugvögel hören möchte, der geht besser an einem Wochentag.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Beobachtungsturm an einem Sonntag

Meistens hat es auch immer Affenbanden in der Nähe, die sich inzwischen sehr an Menschen gewöhnt haben. Essbares wird oft geklaut! Einmal hatte ich im Aussenfach meines Rucksacks eine Trinkflasche dabei. Die Affen hatten es regelrecht darauf abgesehen diese zu stibitzen. Es gab erst Ruhe als ich diese im Rucksack verstaut hatte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Vedanthangal liegt in einem fruchtbaren Gebiet, wo rundum Landwirtschaft betrieben wird. Die Bauern haben sich schon immer für die Vögel eingesetzt, da sie wussten, dass der viele Vogelkot die Böden nährstoffreich und fruchtbar macht. Auch diese Szenerie hat durchaus Schönes zu bieten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Reisfeld bei Sonnenuntergang

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Reis ansäen

Pflügen

Die Sanctuary wird je nach Monsun und Wasserstand des Sees von den Zugvögeln besser oder schlechter besucht. 2006 hatte es kaum Wasser und dadurch auch wenige Vögel. Natürlich hat es auch immer Jahresvögel, die man beobachten kann. Bienenfresser, der indische Roller, der knallgelbe Pirol, auch eine Eule habe ich das letzte Mal entdeckt.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch!

P1050271

Chettinad – sehenswerte Gegend in Tamil Nadu

(Microsoft PowerPoint - UNESCO_BOOKLET_10_10_2009_bd [Mode de co

Ich hatte das grosse Glück, dass ich Chettinad mit einer kleinen Frauengruppe bereisen durfte. Eine Freundin, die selbst einer bekannten Chettiar Familie angehört, hat uns mitgenommen und uns die ganze Gegend näher gebracht. So hatten wir Zugang zu wunderschönen Mansions, die einem als gewöhnlicher Tourist verwehrt bleiben und wurden kulinarisch so richtig verwöhnt.

Chettinad ist das Gebiet und die Heimat der Chettiars, die bereits vor der britischen Herrschaft eifrig Geschäfte mit verschiedenen südostasiatischen Ländern trieben. Die Händlerkaste brachte es mit dem Handel von Gewürzen und Salz, aber auch als Geldverleiher zu unermesslichem  Reichtum. Auch unter der britischen Herrschaft konnten die Chettiars ihre Handelsbeziehungen pflegen und bis nach Europa ausdehnen. Die Briten gaben der einflussreichsten Familie sogar den Ehrentitel Raja von Chettinad. Der opulente Palast der „Rajafamilie“ steht in Kanadukathan.

Eigentlich lebten die Chettiars früher an der Ostküste, an der Bengalischen See. Durch einen Tsunami siedelten sie jedoch vor sehr langer Zeit ins Landesinnere um, in ein trockenes Niemandsland. Auch in ihrer neuen Heimat florierten die Geschäfte und es entstanden prächtige Herrschaftshäuser (Mansions), die eigentlich schon fast Palästen gleichkommen. Die Chettiars lebten in grossen Familienverbänden. Da die Männer oft unterwegs waren, lebten vor allem Frauen und Kinder in den riesigen Anwesen.

Die Chettiars vereinten in ihrer Baukunst traditionell tamilische und europäische Elemente. Mit importierten Baumaterialien wie Teakholz aus Burma und italienischem Marmor bauten sie Luxusanwesen. Viele dieser Mansions finden sich in der Kleinstadt Karaikkudi und Umgebung.

P1090581

P1090589

P1090543

P1090520

P1090579

P1090536

P1030799

Die Häuser wurden nach dem Vaastu Shastra gebaut. Das ist eine hinduistische Bauweise, bei der die hinduistische Astrologie zum Tragen kommt. Die Himmelsrichtungen müssen beachtet werden, so sollte beispielsweise die Küche im Südosten liegen. Vaastu Shastra ist sozusagen das hinduistische Feng Shui.

Heutzutage sind leider viele Anwesen am Verfallen. Viele wollen oder können für den enormen Unterhalt und die notwendigen Renovationen nicht aufkommen. Die meisten in Stand gehaltenen Mansions werden nur noch für Familienfeste gebraucht und stehen die meiste Zeit leer. Einige wurden für touristische Zwecke zu wunderschönen Luxushotels umgebaut.

Bekannt ist die Region auch für seine kulinarischen Köstlichkeiten. Die Chettinad Küche ist sehr berühmt und schmackhaft. Viele Gewürze und frischgemalene Masala-Mischungen geben den Gerichten eine ganz besondere Note. In ganz Tamil Nadu findet man immer wieder Chettinad Restaurants. Sehr bekannt ist das Gericht „Chicken Chettinad“, als Vegetarierin bevorzuge ich die vielen vegetarischen Gerichte, die auch sehr lecker schmecken.

AA7C0AF1-B3D8-44AE-8263-0C114CD633EA

Auch die Aathangudi Tiles, benannt nach dem Herstellungsort, kommen aus dieser Region. Man sagt, dass Böden, die mit diesen Kacheln gefliest werden besonders kühl bleiben. Bei dem heissen Klima ist dies natürlich sehr angenehm. Die von Hand hergestellten Kacheln sind auch Zeugnis der reichen Kultur Chettinads. Ich liebe diese Kacheln! Vor einigen Jahren haben wir unsere Terrasse mit Aathangudi Tiles fliesen lassen, leider haben die Fliesenleger gepfuscht und das Resultat überzeugt nicht ganz.

Da die Herstellungskosten relativ hoch sind und lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, ist die Nachfrage nach den berühmten Kacheln leider zurückgegangen. Ist man vor Ort sollte man unbedingt in einer Werkstatt Halt machen. Die Arbeiter zeigen ihr Handwerk gerne und freuen sich danach über einen kleinen Batzen. In unserer Reisegruppe durften einige sogar eine Kachel nach Anweisung selbst herstellen.

P1090511

P1090504

Chettinad ist auf jeden Fall ein lohnendes Reiseziel. Man sollte jedoch bereit sein, etwas mehr Geld auszugeben. Die leckere Chettinad Cuisine und auch die Übernachtung in einer Mansion sind ihr Geld wert.

P1030807

P1030797

Sehr empfehlen kann ich „The Bangala“ in Karaikkudi, das eine Verwandte meiner Freundin führt. Mit viel Liebe und Hingabe zum kulturellen Erbe der Chettiars hat sie ein wundervolles Hotel geschaffen. Die Preise liegen im Hochpreissegment.

Im Frühjahr und Sommer wird es in der Gegend unerträglich heiss. Die beste Reisezeit ist von Dezember bis März.

Pondicherry – französisches Flair in Indien

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Mahatma Gandhi – Statue an der Promenade

In rund drei Autostunden erreicht man von Chennai aus die ehemalige französische Kolonialstadt Pondicherry. Der alte Stadtname Puducherry, der 2006 im Allteration of name Act wieder aufgenommen wurde, hat sich bis jetzt wenig durchgesetzt.

Ich liebe diese Stadt und besuche sie immer wieder gerne. Irgendwie komme ich hier umgehend in Ferienstimmung. Die White City ist gepflegt und lädt mit gemütlichen Cafés, Restaurants und Bars zum Verweilen ein. In Pondicherry sind die Alkoholgesetze viel lockerer und viele junge Menschen aus Chennai kommen aus diesem Grund gerne für Wochenend-Ausflüge her.

299DD893-CB21-475E-9A1E-DB0582B5EA92
Coromandel Café

19318170-CDDC-4CD9-8C4B-E070DBF830EF

Die Franzosen erreichten Pondicherry 1673 und wollten sich auch ein Stück vom indischen Kuchen abschneiden. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den französischen und englischen Kolonialmächten. Pondicherry wurde mehrmals zerstört und erst nach den karnatischen Kriegen im 18. Jahrhundert wurde Pondicherry vertraglich Frankreich zugesprochen.

1954 wurde die Stadt mit anderen kleinen Teilgebieten zum Unionsstaat Pondicherry zusammengefasst und dem indischen Bundesstaat einverleibt.

Noch heute spürt man viel vom dem Savoir-vivre der ehemaligen Besetzer. Die Polizisten sehen aus wie französische Flics und in der gepflegten White City verbreiten Kolonialbauten und französische Strassennamen den Charme einer Küstenstadt Frankreichs. Die rund zwei Kilometer lange Uferpromenade mit der Gandhi-Statue, die abends für Autos gesperrt wird, lädt zum gemütlichen Spaziergang ein. Wenn man etwas Abstand von der indischen Großstadt-Hektik sucht, ist man hier genau richtig.

Viele Resorts und Guest Houses an den nördlichen und südlichen Stränden von Pondicherry eignen sich auch hervorragend für Strandurlaub.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Strand südlich von Pondicherry

Auch wer nichts mit Spiritualität am Hut hat, kommt in Pondicherry automatisch mit Sri Aurobindo in Berührung. Der Sri Aurobindo Ashram ist nämlich spirituell und ökonomisch das Zentrum der Stadt. Der Ashram ist der grösste Großgrundbesitzer und besitzt über 400 Gebäude, darunter Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken, Galerien und Läden. Ob dies im Sinne des spirituellen Philosophen gewesen wäre, wage ich hier zu bestreiten.

Sri Aurobindo wurde 1872 in Kalkutta geboren. Seine Familie war sehr wohlhabend und er verbrachte den Grossteil seiner Kindheit in England. An der Cambridge Universität studierte er Philosophie und kehrte 1893 nach Indien zurück. Als Lehrer und Sekretär diente er dem Maharaja von Baroda. Die fürstliche Familie war sehr westlich, fortschrittlich orientiert und setzte sich für die finanzielle Ausbildung der Dalits, der Unberührbaren ein. 1906 kehrte er in seine Heimatstadt Kalkutta zurück und engagierte sich für  die Unabhängigkeitsbewegung. Die Briten inhaftierten ihn 1908 und nach seiner Freilassung suchte er im französischen Pondicherry Zuflucht. Zunehmend wich sein politisches Interesse humanistischen-philospohischen Zielen. In seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er verschiedene Schriften. Er propagierte die Synthese von indischen und westlichen Ideen und Werten. Er widmete sich immer mehr seiner Lehre des „Integralen Yoga“. Die Lehre, die sich mit der  Erweiterung des Bewusstseins, beschäftigt, erreichte bald Popularität. Auch viele Anhänger aus Europa reisten nach Pondicherry. Darunter war auch die Französin Mira Alfassa. Sie wurde schnell zur rechten Hand von  Aurobindo und 1929 wurde der Ashram gegründet. Während sich der Meister immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog, übernahm Mira Alfassa die Führung. Der Ashram wurde schnell bekannt und wohlhabend. Nach dem Tod von Sri Aurobindo (1950) übernahm Mira, die noch heute von allen respektvoll „The mother“ genannt wird, die Leitung. Auch die Gründung der Modellstadt Auroville geht auf ihre Ideen und Visionen zurück.

Im Alter von 95 Jahren (1972) starb sie und die einzelnen Interessengruppen um den Ashram stritten heftig um Macht, Geld und Privilegien. 1982 wurde vom Obergericht ein siebenköpfiger Rat zusammengestellt um sich diesen Streitigkeiten anzunehmen. Doch noch heute sind scheinbar Unstimmigkeiten zwischen Auroville, dem Ashram und der lokalen Bevölkerung zu spüren.

Viele indische und auch ausländische Touristen besuchen den Ashram, wo die Grabstätte von Sri Aurobindo und der Mutter liegt. Täglich wird die Stätte mit frischen Blumen wundervoll geschmückt. Wer Stille sucht und in Ruhe meditieren möchte, der sollte sich einen Besuch im Ashram nicht entgehen lassen.

Auch die Modellstadt Auroville, die einige Kilometer entfernt von Pondicherry liegt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

061
Matrimandir in Auroville

Mehr Informationen über Auroville:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

Wer längere Zeit in Pondicherry verbringt, sollte unbedingt einen Tagesaufflug zu den Mangroven in Pichavaram (Nähe Cuddalore) machen. Sie sind ungefähr in einer Autostunde von Pondicherry zu erreichen.

2C214B2E-D3C0-40DB-B379-638F9F9B56D0
Mangroven in Pichavaram

Kanyakumari – die südlichste Stadt Indiens

image (12)

Dröhnend erschallen harsche, unfreundliche Parkanweisungen über Lautsprecher als wir die Kleinstadt Kanyakumari erreichen. Eine Heerschar von geparkten Bussen und Autos lassen mich schon Böses ahnen. Jährlich zieht es Millionen von Pilgern und Touristen nach Kanyakumari. Hässliche Neubauten reihen sich ohne Charme aneinander und der bedeckte Himmel, der bereits am Nachmittag für düstere Stimmung sorgt, macht es auch nicht wirklich besser.

Das soll dieser besondere Ort sein, wo man Sonnenaufgang und –untergang vom gleichen Platz beobachten kann?

Hier sollen sich die Bengalische See, der Indische Ozean und das Arabische Meer vereinen?

Meine Vorstellungen und Erwartungen waren eindeutig zu romantisch!

Die Lautsprecher dröhnen nervend weiter und wir suchen unser Hotel, das im Stadtzentrum liegt, natürlich in einem dieser hässlichen Gebäudekomplexe. Wenigstens hat Prabhu die Zimmer im obersten Stock gebucht und auf der riesigen Dachterrasse bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Auf den zwei Felsen, die nicht weit von der Küste liegen, sehen wir das Vivekananda Memorial. Hier soll der berühmte indische Philosoph Vivekananda 1893 drei Tage lang meditiert haben. Auf dem anderen Felsen steht die über 40m hohe Statue des tamilischen Dichters Tiruvallur. Beide Inseln kann man mit dem Boot besuchen. Auch entdeckten wir das Gandhi Mandapam, eine Gedenkstätte für den grossen Mahatma Gandhi, dessen Asche nach seinem Tod 1948 an dieser Stelle dem Meer übergeben wurde.

Insgeheim habe ich mir den Sonnenuntergang und –aufgang schon in allen orange-roten Farbstufen vorgestellt. Das wird sicherlich tolle Fotos geben. Zuversichtlich hoffe ich, dass der Himmel gegen Abend aufklärt.

Etwas später machen wir uns auf den Weg zum berühmten Kumari Amman Tempel. Kumari Amman ist die jungfräuliche Göttin, die viele zum Weinen bringt, wenn man zu ihr betet. Man glaubt, dass sie die Starrheit in unserem Geist auflösen kann. Dargestellt wird sie mit einer Gebetskette, einer Japamala und ihr Reittier ist ein Löwe oder ein Tiger.

D62EA7E5-09E2-4169-BDB6-3D80749FAE69

Eigentlich sollte die junge Prinzessin mit Lord Shiva vermählt werden. Der Hochzeitstag und die Uhrzeit, die man genau einhalten musste, waren schon ausgemacht und Shiva bereits auf dem Weg zu seiner Braut. Doch die Devas baten den Götterboten Narada inständig die Hochzeit zu verhindern, da nur eine Jungfrau den mächtigen Dämon Banasura vernichten könnte. So täuschte Narada in der Form eines Hahnes eine falsche Uhrzeit vor. Shiva, der dachte, dass er nicht pünktlich zur Hochzeit eintreffen würde, kehrte traurig um und die Hochzeit fand nicht statt. Kumari wurde sehr wütend, beschloss aber jungfräulich zu bleiben und weiterhin Lord Shiva die Treue zu halten. Ihr Zorn verlieh ihr ungeahnte Kräfte und später gelang es ihr den mächtigen Dämon Banasura zu töten.

Auf dem Weg zum Tempel säumen viele Marktstände den Straßenrand. Aufdringliche Händler und Verkäufer bieten lautstark ihre Waren feil. Die Menschenmassen nehmen immer mehr zu und der Tempel erscheint eng und klein. Während unsere Gäste sich mit unserem Fahrer in den Tempel wagen , warten wir geduldig bei den Ghats. Keiner von uns hat Lust sich in diese Menschenmenge zu stürzen.

Auch der Abend bringt uns kein Glück. Vom Sonnenuntergang ist nichts zusehen und auch der Sonnenaufgang am nächsten Morgen versteckt sich hinter einer dichten Wolkendecke.

Obwohl man Kanyakumari eine gewisse spirituelle Atmosphäre nicht absprechen kann, bin ich nicht warm geworden mit diesem Ort. Vielleicht müsste ich Kanyakumari nochmals bei schönem Wetter und in der Nebensaison eine Chance geben. Mit solchen Bildern könnte Kanyakumari dann auftrumpfen.

C4B78C19-0437-4090-A8C8-E7BA131E016E

Mamallapuram – Weltkulturerbe in Tamil Nadu

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Etwas über eine Autofahrstunde von Chennai entfernt liegt das touristische Städtchen Mamallapuram. Der Ort lebt heute vorwiegend vom Tourismus, der Steinmetzkunst und der Fischerei.

In den vielen kleinen Läden kann man sich als Tourist mit Souvenirs eindecken. Mamallapuram ist sehr berühmt für die Steinmetzkunst, so kann man von riesigen Statuen bis ganz kleinen Figuren alles kaufen. Die Preise sind für Touristen ausgerichtet, daher unbedingt um den Endpreis verhandeln.

stick schwarz 1250

stick schwarz 1251

Für mich ist Mamallapuram eindeutig zu touristisch, aber gerne komme ich mal ein Wochenende hier her, um in einem schönen Resort am Strand etwas zu relaxen und Abstand von der City zu gewinnen.

Viele ausländische Touristen, die Südindien bereisen, lassen die Sehenswürdigkeiten von Chennai aus und fahren direkt vom Flughafen nach Mamallapuram.

Der kleine Ort war einmal ganz groß. Im 7. und 8. Jahrhundert war Mamallapuram einer der bedeutesten Häfen an der indischen Ostküste. Durch Münzfunde konnte man sogar belegen, dass hier bereits im 1. Jahrhundert Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde.

Unter der Herrschaft der Pallava-Könige, die in Kanchipuram ihre Hauptstadt hatten, florierte auch der Export von Edelgütern wie Elfenbein, Seide und Edelsteinen in viele Länder Südostasiens. Der Überseehandel brachte viel Wohlstand ins Land. Mit dem Geld wurde nicht nur die Verwaltung des Reiches, sondern auch die großartigen Baudenkmäler und Tempel finanziert.

Die Tempelbauten in Kanchipuram und Mamallapuram sind beeindruckende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst und gehören zu den ältesten (7. / 8. Jahrhundert) erhaltenen Bauwerke Südindiens. 1984 wurden die Tempel, Höhlen und die Flachreliefs zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Architektur dieser frühen Bauwerke prägte den Dravida-Baustil, der die Tempelarchitektur in Südindien charakterisiert und teilweise bis nach Südostasien zu finden ist.

Der Shore Tempel, der direkt am Strand liegt, stammt aus dem 8. Jahrhundert. Es ist ein Shivatempel mit einem Lingam und im Nebenschrein findet man den ruhenden Lord Vishnu auf der Weltenschlange. Dank Wellenblocker, die damals noch Indira Gandhi in Auftrag gegeben hat, überstand der Tempel den Tsunami von 2004 weitgehend unbeschädigt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bei den fünf Rathas handelt es sich um monolithische Bauwerke aus dem 7. Jahrhundert, die aus einem Stück Stein gehauen wurden. Man vermutet, dass sie nie als Tempel genutzt wurden. Es scheint vielmehr, dass an diesem Platz mit verschiedenen architektonischen Bauformen experimentiert wurde. Die fünf Rathas sind nach den Pandava-Brüdern aus dem Mahabharata-Epos benannt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das riesige Felsrelief (rund 12m x 33m) zeigt die Herabkunft der Göttin Ganga. Die Geschichte zur Herabkunft der Göttin Ganga findest du unter diesem Link.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Es ist eines der größten Felsreliefs der Welt aus dem 7. Jahrhundert.

stick schwarz 1253

Auf einem lang gestreckten Felsen von rund 500 m Länge liegt Krishnas Butterball, eine riesige Felskugel. Fast alle legen hier einen Fotostopp ein. Man kann sich dem Gefühl nicht verwehren, dass sie jeder Zeit herunterrollen könnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

PS: Einige Fotos stammen von meinem Vater. Danke Pa!