Stromausfall – Abenteuer bei Kerzenlicht

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Aus meinem Tagebuch vom Februar 2007

Draußen ist es bereits dunkel, als ich mit Suriyan bei unserem Gemüsehändler Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, weiße Rüben und Chilischoten kaufe. Da flackert das Licht kurz auf und stockdunkel wird es. Das ist Indien! Unberechenbar, unzuverlässig, abenteuerlich und immer wieder schlägt es zu.

Langsam ertastend schleiche ich ins Haus mit dem Ziel, die Taschenlampe im Schlafzimmer zu suchen, um etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Nachdem ich die Hindernisse, die Suriyan zuvor auf dem Weg hinterlassen hatte, erfolgreich überwunden habe, gelingt dies auch. Ein schwacher Lichtkegel spendet Licht. „Muss unbedingt die Batterien auswechseln“, denke ich und schnappe mein Portemonnaie. Unser Suriyan ist noch da, in guter Obhut bei Gemüse-Mama, Wächter-Thaatha und Mina-Paati, unserer Köchin. Er findet es spannend im Dunkeln und als ich mit der Taschenlampe auftauche, ist er begeistert und will sie umgehend in Besitz nehmen, aber so leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Ich bezahle die 40 Rupien und  wir gehen ins Haus. Die Kerzen, die ich für solche Fälle stets bereit habe, werden angezündet und nun ist unser Goldschatz gänzlich happy. „Kerze blase“, meint er erfreut und ich erkläre ihm ruhig, dass dies nun wirklich nicht die Absicht sei. Da stehen wir nun und bevor ich mir Gedanken über den Energieverbrauch und die Selbstverständlichkeit des Konsums machen kann, wird  mütterliche Kreativität gefragt. Suriyan ist voll Power und das Abenteuer hat ihn gepackt. Was macht Mutter bei Stromausfall in der Dunkelheit?

Ich entscheide mich schließlich ganz pädagogisch für Bilderbücher. Mit der Taschenlampe bewaffnet legen wir uns aufs Bett und suchen das imaginäre Abenteuer. Wir schwimmen mit Swimmy, dem kleinen Fisch durchs Meer, zaubern mit der Hexe Zilli und fahren mit Ted’s Traktor über die Äcker. Die Zeit vergeht,… stromlos.

Es ist Essenszeit geworden und ein Candle Light Dinner wird mit Taschenlampe vorbereitet. Suriyan ist mehr vom Candle Light fasziniert als von dem Essen, das auf seinem Teller liegt. Da, endlich wird es wieder hell, die Neonröhre erhellt den Raum in einem ungewöhnlich, grellen Licht. That’s India!

*In Indien ist es normal auch Menschen, die nicht mit einem verwandt sind mit Onkel, Schwester, Großvater, … anzusprechen. Auf Tamil: Mama = Onkel, Thaatha = Großvater, Paati = Großmutter

So rufen mich hier wildfremde Kinder Aunty, was ich anfangs sehr befremdend fand.