Pondicherry – französisches Flair in Indien

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Mahatma Gandhi – Statue an der Promenade

In rund drei Autostunden erreicht man von Chennai aus die ehemalige französische Kolonialstadt Pondicherry. Der alte Stadtname Puducherry, der 2006 im Allteration of name Act wieder aufgenommen wurde, hat sich bis jetzt wenig durchgesetzt.

Ich liebe diese Stadt und besuche sie immer wieder gerne. Irgendwie komme ich hier umgehend in Ferienstimmung. Die White City ist gepflegt und lädt mit gemütlichen Cafés, Restaurants und Bars zum Verweilen ein. In Pondicherry sind die Alkoholgesetze viel lockerer und viele junge Menschen aus Chennai kommen aus diesem Grund gerne für Wochenend-Ausflüge her.

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Coromandel Café

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Die Franzosen erreichten Pondicherry 1673 und wollten sich auch ein Stück vom indischen Kuchen abschneiden. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den französischen und englischen Kolonialmächten. Pondicherry wurde mehrmals zerstört und erst nach den karnatischen Kriegen im 18. Jahrhundert wurde Pondicherry vertraglich Frankreich zugesprochen.

1954 wurde die Stadt mit anderen kleinen Teilgebieten zum Unionsstaat Pondicherry zusammengefasst und dem indischen Bundesstaat einverleibt.

Noch heute spürt man viel vom dem Savoir-vivre der ehemaligen Besetzer. Die Polizisten sehen aus wie französische Flics und in der gepflegten, geordneten White City verbreiten viele Kolonialbauten, der Stadtpark, die katholische Kirche, die Uferpromenade und die französischen Strassennamen den Charme einer Küstenstadt Frankreichs. Die rund zwei Kilometer lange Uferpromenade mit der Gandhi-Statue, die abends für Autos gesperrt wird, lädt zum gemütlichen Spaziergang ein. Wenn man etwas Abstand von der indischen Hektik sucht, ist man hier genau richtig.

Viele Resorts und Guest Houses an den nördlichen und südlichen Stränden von Pondicherry eignen sich auch hervorragend für Strandurlaub.

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Strand südlich von Pondicherry

Auch wer nichts mit Spiritualität am Hut hat, kommt in Pondicherry automatisch mit Sri Aurobindo in Berührung. Der Sri Aurobindo Ashram ist nämlich spirituell und ökonomisch das Zentrum der Stadt. Der Ashram ist der grösste Grossgrundbesitzer und besitzt über 400 Gebäude, darunter Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken, Galerien und Läden. Ob dies im Sinne des spirituellen Philosophen gewesen wäre, wage ich hier zu bestreiten.

Sri Aurobindo wurde 1872 in Kalkutta geboren. Seine Familie war sehr wohlhabend und er verbrachte den Grossteil seiner Kindheit in England. An der Cambridge Universität studierte er Philosophie und kehrte 1893 nach Indien zurück. Als Lehrer und Sekretär diente er dem Maharaja von Baroda. Die fürstliche Familie war sehr westlich, fortschrittlich orientiert und setzte sich für die finanzielle Ausbildung der Dalits, der Unberührbaren ein. 1906 kehrte er in seine Heimatstadt Kalkutta zurück und engagierte sich für  die Unabhängigkeitsbewegung. Die Briten inhaftierten ihn 1908 und nach seiner Freilassung suchte er im französischen Pondicherry Zuflucht. Zunehmend wich sein politisches Interesse humanistischen-philospohischen Zielen. In seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er verschiedene Schriften. Er propagierte die Synthese von indischen und westlichen Ideen und Werten. Er widmete sich immer mehr der, von ihm entwickelten, Lehre des „Integralen Yoga“. Die Lehre, die sich mit der  Erweiterung des Bewusstseins, beschäftigt, erreichte bald Popularität. Auch viele Anhänger aus Europa reisten nach Pondicherry. Darunter war auch die Französin Mira Alfassa. Sie wurde schnell zur rechten Hand von  Aurobindo und 1929 wurde der Ashram gegründet. Während sich der Meister immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog, übernahm Mira Alfassa die Führung. Der Ashram wurde schnell bekannt und wohlhabend. Nach dem Tod von Sri Aurobindo (1950) übernahm Mira, die noch heute von allen respektvoll „The mother“ genannt wird, die Leitung. Auch die Gründung der Modellstadt Auroville geht auf ihre Ideen und Visionen zurück.

Im Alter von 95 Jahren (1972) starb sie und die einzelnen Interessengruppen um den Ashram streiteten heftig um Macht, Geld und Privilegien. 1982 wurde vom Obergericht ein siebenköpfiger Rat zusammengestellt um sich diesen Streitigkeiten anzunehmen. Doch noch heute sind scheinbar Unstimmigkeiten zwischen Auroville, dem Ashram und der lokalen Bevölkerung zu spüren.

Viele indische und auch ausländische Touristen besuchen den Ashram, wo die Grabstätte von Sri Aurobindo und der Mutter liegt. Täglich wird die Stätte mit frischen Blumen wundervoll geschmückt. Wer Stille sucht und in Ruhe meditieren möchte, der sollte sich einen Besuch im Ashram nicht entgehen lassen. Auch die Modellstadt Auroville, die einige Kilometer entfernt von Pondicherry liegt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Matrimandir in Auroville

Mehr Informationen über Auroville:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

Wer längere Zeit in Pondicherry verbringt, sollte unbedingt einen Tagesaufflug zu den Mangroven in Pichavaram (Nähe Cuddalore) machen. Sie sind ungefähr in einer Autostunde von Pondicherry zu erreichen.

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Mangroven in Pichavaram
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