Unterwegs in Tamil Nadu – meine 10 liebsten Reiseziele

Allgemeine Informationen über Tamil Nadu

Der Bundesstaat Tamil Nadu

Tamil Nadu ist zehntgrößter und südlichster Bundesstaat Indiens. Mit einer Fläche von 130‘058 Quadratkilometern ist Tamil Nadu über dreimal so groß wie die Schweiz und etwas kleiner als Deutschland. Mehr als 72 Millionen (2011) Menschen leben in dem Bundesstaat, davon rund zehn Millionen in der Hauptstadt Chennai, die unter der britischen Herrschaft Madras genannt wurde. Seit über 10 Jahren ist Chennai meine neue Heimatstadt.

In der Liste der 10 reichsten Bundesstaaten Indiens 2019 erreicht Tamil Nadu nach Maharashtra den 2. Platz. Chennai hat sich als Industriemetropole entwickelt und viele einheimische, aber auch internationale Konzerne haben hier Produktionsstandorte.

In Tamil Nadu ist man sehr stolz auf das reiche, kulturelle Erbe und die tamilische Sprache. „Nadu“ bedeutet in Tamil „Land“, es ist also das Land der Tamilen. Sich vor der Reise ein paar Brocken Tamil anzueignen, lohnt sich sehr. Die Leute freuen sich enorm, wenn man etwas Tamil spricht. Auch wenn es nur Vanakkam (guten Tag), Nandri (danke) oder Nalla (schön) ist. Auf dem Land können die Leute oft kein Englisch sprechen.

Die muslimischen Eroberer des Nordens hatten in Tamil Nadu wenig Einfluss, dafür haben die südindischen Dynastien der Pallavas, Cholas und Pandyas das Land geprägt. Teilweise über 2000 Jahre alte Tempel, die die dravidische Architektur maßgebend beeinflusst haben, lassen den damaligen Wohlstand und die Kunstfertigkeit der Baumeister noch heute erahnen.

Tamil Nadu ist das Land der Tempel und der religiösen Tempelfeste, aber auch die Kunst (Musik, Tanz, Dichtung, Malerei) hatte und hat hier immer noch eine große Bedeutung.

Reisezeit

Der Bundesstaat ist sehr vom Monsun abhängig. Fällt die Regenzeit schlecht aus, so kommt es immer wieder zu Wassermangel und Dürren. Die Hauptregenzeit an der Ostküste ist von Oktober bis Dezember. Gewisse Gebiete bekommen auch etwas Regen vom Südwest-Monsun (Juni-September) ab, wobei die Western Ghats, die Berge zwischen Tamil Nadu und Kerala, die Regenwolken oft blockieren.

In Tamil Nadu herrscht tropisches Klima. Die beste Reisezeit ist von Januar bis März. Im April bis Juni ist die heisseste Zeit und das Thermometer steigt oft über unangenehme 40 Grad.

Mitte Januar findet das über mehrere Tage stattfindende Erntedankfest Pongal statt. Für die meisten Tamilen ist Pongal das bedeutsamste Fest im Jahresverlauf.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/13/happy-pongal/

Landwirtschaft und Natur

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Das fruchtbare Kaveri-Delta ist die Reis-Stube des Bundesstaates. Tamil Nadu ist in Indien der fünftgrößte Reisproduzent. Neben Reis werden auch Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Hülsenfrüchte und Erdnüsse angebaut. Die Dörfer und Kleinstädte in den Westernghats versorgen den Bundesstaat mit Kaffee, Tee, Gemüse, und verschiedenen Gewürzen. Tamil Nadu produziert innerhalb Indiens am meisten Kurkuma (Gelbwurz).

In den Westernghats, den Kardamom-Bergen und den Niligris-Bergen erstrecken sich immergrüne tropische Regenlaubwälder, die vielen Tieren Lebensraum bieten.

Hier leben indische Bisons, Sambar-Hirsche, Axishirsche, Elefanten, Leoparden, Lippenbären, Tiger, Languren-Affen und viele mehr. Die Artenvielfalt ist immens, aber durch die dichte Besiedlung immer mehr gefährdet.

Essen und Trinken

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Idly mit Sambar und Tomaten- und Kokosnuss-Chutney

Die Küche Tamil Nadus ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Reis und Reismehl wird in verschiedensten Arten verarbeitet und gekocht. Wer durch Tamil Nadu reist, sollte die schmackhafte südindische Küche unbedingt ausprobieren. Idly (Reis-Linsen-Küchlein), Dosai (Reis-Linsen-Pfannkuchen), Idiyappam (Reisnudeln), Appam (Reispfannkuchen mit Kokosnussmilch) oder Pongalreis, meistens serviert mit der Gemüse-Sauce Sambar und diversen Chutneys, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zum Mittagessen kann man sich preisgünstig eine South Indian Thali bestellen, da bekommt man Reis verschiedene Gemüse, Sambar, Kuzhambu (scharfe Chilisauce), Rasam (Pfeffer-Sauce) und immer auch Curd (Joghurt). Meistens wird die Thali auf einem Bananenblatt serviert und man kann Nachschlag verlangen bis man genug hat. Wer mal auf Scharfes verzichten möchte, mag vielleicht Curd Rice ausprobieren. Gegessen wird in Tamil Nadu mit der rechten Hand. Die Linke gilt als unrein, da sie zum Toilettengang verwendet wird. Für Touristen bringt man normalerweise viel Verständnis auf und nimmt es mit Regeln weniger genau. Es richtig zu machen, ist aber nie falsch!

Bei der Wahl des Restaurants sollte man immer Vorsicht walten lassen. Die hygienischen Zustände entsprechen oft nicht dem, was man sich wünschen würde. Achtet darauf, wo viele Leute essen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denn so wird immer frisch zubereitet. Bei Produkten, die gekühlt werden müssen, sollte man Zurückhaltung üben. In Indien gehören Stromausfälle leider zum Alltag dazu, so werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen.

In ganz Tamil Nadu findet sich die Restaurant-Kette Saravana Bhavan. In diesen Mittelklass-Hotels (Hotels sind in TN Restaurants!) bekommt man für erschwingliche Preise gutes Essen. Die Saravana Bhavans sind eigentlich immer und überall gut besetzt. Eine andere Restaurant-Kette, die man nicht ganz so oft antrifft, ist Vasanth Bhavan, die eine ähnliche Qualität anbieten.

In Tamil Nadu wird viel Kaffee getrunken. Ein South Indian Filter Coffee oder einfach ein Kafi, wie man hier sagt, ist ein Muss. Der Kaffee wird meistens in einem Tumbler, einem Stahlbecher serviert. Um den Kaffee zu rühren und etwas abzukühlen, schüttet man ihn in den kleineren und tieferen Becher um. Am besten man beobachtet diese Kunst erst mal aus der Ferne und macht es einfach nach. Wer es nicht gerne süß oder zu süß mag, sollte dringend sagen, dass er den Kaffee ohne Zucker möchte, denn an Zucker wird definitiv nicht gespart.

Tourismus in Tamil Nadu

Die Tourismusbranche in Tamil Nadu ist mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent die größte in Indien. Die TTDC (Tamil Nadu Tourism Development Corporation) wird von der Regierung unterstützt und gefördert. Laut einer Statistik des Tourismus Ministeriums besuchten im Jahr 2015 4.68 Millionen ausländische Touristen und 333.5 Millionen indische Touristen den Bundesstaat. Viele indische Touristen reisen als Pilger zu den berühmten Tempeln oder besuchen die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.

Kultur und Kleidung

Die Tamilen sind ein sehr traditionelles, eher konservatives Volk. Sogar in der Metropole Chennai sieht man praktisch nur traditionell gekleidete Frauen in Saris oder Chudidars, wie man hier die langen Kurtas mit Hose und Schal nennt.

Der traditionelle Wickelrock für die Männer ist der Veshti oder Dhoti. Er wird vor allem zu formellen Anlässen getragen und ist meistens weiß mit einer einfachen, manchmal auch goldenen Bordüre.

Bau- und Landarbeiter hingegen tragen gerne Lungis. Der Lungi ist auch eine Art einfacher Wickelrock, der halb- oder knöchellang getragen wird. Lungis sind farbig und oft ist der Stoff kariert.

Inderinnen und Inder legen großen Wert auf saubere und gepflegte Kleidung. So sollte man auch als Gast darauf achten, wie man sich kleidet. Will man als Frau nicht ständig seltsame und oft anzügliche Blicke auf sich ziehen, sollte man eher „konservative“ Kleidung anziehen. Es müssen nicht traditionelle, indische Kleider sein, aber Knie und Schulter sollten bedeckt sein.

Es empfiehlt sich auch, einen Schal dabei zu haben. So kann man bei einem Tempelbesuch oder wenn es einem unangenehm ist, die Brust abdecken.

Männer in Shorts sieht man eher selten. In touristischen Orten, wo die Menschen sich ausländische Touristen langsam gewöhnt sind, ist es okay Shorts zu tragen. Will man jedoch einen Tempel besuchen oder in einem gehobeneren Restaurant speisen, sind Shorts ein NO GO. Viele Tempel dürfen mit kurzen Hosen auch nicht betreten werden.

Wie Reisen?

Tamil Nadu kann man mit Bus, Zug oder etwas komfortabler mit privatem Fahrer bereisen. Alleine zu fahren, würde ich definitiv nicht empfehlen.

Wie man auch unterwegs ist, in der Regel sind die Leute sehr hilfsbereit und freundlich.

Flexibel, eigenständig und erholsamer ist man mit einem privaten Fahrer unterwegs. Denn am Straßenrand gibt es immer wieder etwas zu entdecken, dass man vielleicht fotografisch festhalten möchte. Sicherlich kann man vom Fahrer nicht erwarten, dass er gleichzeitig ein guter Reiseführer ist, aber manchmal ist es hilfreich, wenn er übersetzen oder etwas erfragen kann. Für einen privaten Fahrer muss man ungefähr 3000 Rupees pro Tag einplanen.

Aber auch mit Bus und Zug kommt man auf seine Kosten und reist natürlich viel preisgünstiger. Reist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, trifft man viele Menschen und kommt leicht in Kontakt mit den Einheimischen. Oft herrscht an Bus- und Zugbahnhöfen das Chaos.

Es ist unübersichtlich, oft nur in Tamil angeschrieben und man darf auch nicht erwarten, dass man sein Ziel pünktlich erreicht. Es bewährt sich Zugverbindungen rechtzeitig zu reservieren. Im Zug stehen verschiedene Klassen zur Verfügung. Je teuerer, desto komfortabler und sauberer sind die Abteile. Züge kann man über die IRCTC (Indian Railways Catering and Tourism Corporation) Webseite oder auch über Cleartrip und Busse am einfachsten über http://www.redbus.in buchen.

In den Städten kann man sich inzwischen ganz einfach über die Apps von OLA oder UBER ein Auto oder sogar eine Autoriksha buchen. So entfällt das oft nervige Handeln um den Preis und man bekommt ein Gefühl für die ungefähren Preise.

Will man beispielsweise einen Tag eine Stadtbesichtigung einplanen, kann man günstig auch Tagespakete buchen. Achtung: In Tamil Nadu nennt man die Autoriksha „Outo“! Das kann anfangs verwirrend sein und zu Missverständnissen führen.

Meine 10 liebsten Reiseziele in Tamil Nadu

Meine schönsten und liebsten Reiseziele festzulegen, war gar nicht so einfach. Da ich in Chennai lebe, mag ich es gerne etwas ruhiger und ich liebe Naturschutzgebiete. Die Fülle an sehr schönen, bedeutsamen Tempelstädten in Tamil Nadu ist schier endlos.

Thanjavur, Kanchipuram, Mamallapuram, Tiruvannamalai, Chidambaram, Kumbakonam, Tiruchirapalli, Sri Rangam, Rameshwaram, Madurai und Kanyakumari sind nur eine kleine Auswahl davon.

Doch wenn man nicht grade Indologie studiert oder sich für dravidische Architektur interessiert, dann hat man in der Regel nach 3-5 Tempeln genug, so habe ich mich auf einige interessante Tempelstädte beschränkt.

Hier meine Liste:

1. Chennai

Aussicht auf den Sueden von Chennai
Aussicht auf den Süden Chennais vom St. Thomas Mount

In den meisten Reiseführern kommt Chennai schlecht weg, und es wird eine direkte Weiterreise nach Mamallapuram empfohlen. Ich finde dies schade, denn Chennai hat einiges zu bieten. Als Indien-Neuling würde ich Chennai wahrscheinlich erst am Schluss der Reise einplanen. Für die letzten Einkäufe und einige Sehenswürdigkeiten lohnt sich ein Stopp in Chennai auf jeden Fall.

Sehenswert:

Für Einkäufe:

  • Stoffe, traditionelle indische Kleidung Nalli oder Pothys, T. Nagar
  • Indische Kleidung: Fabindia, mehrere Filialen (auch in den großen Malls)
  • Moderne Malls: Phoenix Marketcity, Velachery/ Express Avenue, Royapettah
  • Victoria Technical Institute (verschiedene Souvenirs und Kunsthandwerk aus Südindien zu erschwinglichen Festpreisen), No: 180, Anna Salai (Mount Road

2. Mamallapuram

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Shore Tempel in Mamallapuram

Der Ort ist sehr touristisch, hat aber durchaus seinen Charme. Mamallapuram ist berühmt für den Shore Tempel und das Flachrelief, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Ausführlichere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/13/mamallapuram-weltkulturerbe/

3. Puducherry / Auroville / Pichavaram

Auroville
Matrimandir in Auroville

Das französische Flair ist in der ehemaligen Koloniestadt Frankreichs immer noch zu spüren. Der spirituelle Führer Sri Aurobindo eröffnete 1929 in Puduchery einen Ashram.

Seine rechte Hand Mira Alfassa, die nach seinem Tod, die Führung übernahm, inspirierte die Gemeinschaft zur universellen Modellstadt Auroville.

Auch einen Abstecher in die Mangroven in Pichavaram lohnt sich durchaus.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/10/pondicherry-franzoesisches-flair-in-indien/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

4. Vedanthangal

Vedanthangal
Vedanthangal Bird Sanctuary

Das Vogelnaturschutzgebiet in Vedanthangal bietet sich von Dezember bis Februar an. Es ist das Brutgebiet vieler Zugvögel.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/29/vedanthangal-vogelnaturschutzgebiet-in-tamil-nadu/

5. Tiruvannamalai

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Arunachaleshvara Tempel Tiruvannamalai

Der berühmte Arunachaleshvara Tempel am Fuße des heiligen Berges Arunachala ist ein wichtiger Pilgerort für Hindus. In Tiruvannamalai wird das zehntägige Lichterfest Karthigai Deepam gefeiert.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/11/tiruvannamalai-wenn-goetter-sich-streiten/

6. Thanjavur

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Brihadishvara Tempel in Thanjavur

In Thanjavur lohnt es sich den Brihadishvara Tempel, der zum Unesco Weltkulturerbe gehört, mit einer guten Führung zu besichtigen. Der Tempel ist architektonisch sehr interessant und überall findet man die heilige Zahl neun. Am Tempeleingang gibt es Führer von der Regierung mit fixen Preisen. Auch der Palast und die Saraswati-Mahal Bibliothek sind einen Besuch wert.

Thanjavur ist die Stadt der Künste. Tanz, Musik und die Malerei waren in Thanjavur immer sehr wichtig. Ein Konzert mit klassischer indischer Musik und Tanz kann ich Reisenden nur ans Herz legen. Die vergoldeten, prachtvollen, für uns oft etwas zu üppigen, Thanjavur-Paintings sind in ganz Indien bekannt.

Wir haben bei unserem Besuch auch einen Metall-Gießer und einen Sitar-Bauer besucht, die uns ihr Kunsthandwerk erklärt haben.

Ein sehr schönes Heritage Hotel ist das Swatma. Mit viel Liebe eingerichtet, gepflegt und mit einer hervorragenden Küche gehört es jedoch in die obere Preisklasse.

7. Chettinad/ Karaikkudi

Chettinad
Mansion in Chettinad

Ein Abstecher in die Region Chettinad lohnt sich auf jeden Fall. Hier zeigt sich wieder ein ganz anderes Indien. Die riesigen Mansions der Chettiars, der Händlerkaste beeindrucken und lassen staunen. Die Chettinad Küche ist in ganz Indien bekannt.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/26/chettinad-sehenswerte-gegend-in-tamil-nadu/

8. Rameshwaram /Dhanushkodi

Rameshwaram
Zugverbindung nach Rameshwaram

Rameshwaram wird auch das Varanasi des Südens genannt und ist ein wichtiger Pilgerort für Shivaiten und Vishnuiten. Rameshwaram und Dhanushkodi sind eng mit dem berühmten Epos der Ramayana verbunden. So hat Rama hier seine Schlacht gegen Ravana vorbereitet, der seine Frau Sita nach Lanka entführt hatte.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/27/rameshwaram-auf-den-spuren-ramas/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/dhanushkodi-am-ende-des-bogens/

9. Madurai

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Meenakshi Tempel in Madurai

Der Meenakshi Tempel in Madurai ist fast ein Muss, wenn man in Tamil Nadu ist. Hier haben Lord Sundareshwara (Inkarnation Shivas) und die Göttin Meenakshi (Inkarnation Parvatis) geheiratet.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/30/madurai-von-meenakshi-der-goettin-mit-den-fischaugen/

10. Ooty / Masinagudi/ Mudumalai Nationalpark

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Teeplantage in Ooty

Ich mag alle Hillstations in Tamil Nadu. Doch Ooty in den Niligris-Bergen ist schon etwas Besonderes. Viele meinen auch, dass Ooty die Königin aller Hillstations in Tamil Nadu ist. Eine Fahrt mit der Niligri Mountain Railway sollte man unbedingt einplanen. Die Zahnrad-Bahn von Mettupalayam nach Ooty wurde 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Verlässt man Ooty Richtung Karnataka kommt man nach Masinagudi. Hier wird es für Naturliebhaber und Tierbeobachter immer interessanter. Nicht weit davon entfernt liegen die Nationalparks Mudumalai (Tamil Nadu) und Bandipur (Karnataka). Hier hatten wir immer grosses Glück mit Tiersichtungen. Einmal sahen wir sogar einen Tiger.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/10/ooty-das-richtige-klima-fuer-mich/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2010/03/14/nationalpark-bandipur/

 

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Pondicherry – französisches Flair in Indien

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Mahatma Gandhi – Statue an der Promenade

In rund drei Autostunden erreicht man von Chennai aus die ehemalige französische Kolonialstadt Pondicherry. Der alte Stadtname Puducherry, der 2006 im Allteration of name Act wieder aufgenommen wurde, hat sich bis jetzt wenig durchgesetzt.

Ich liebe diese Stadt und besuche sie immer wieder gerne. Irgendwie komme ich hier umgehend in Ferienstimmung. Die White City ist gepflegt und lädt mit gemütlichen Cafés, Restaurants und Bars zum Verweilen ein. In Pondicherry sind die Alkoholgesetze viel lockerer und viele junge Menschen aus Chennai kommen aus diesem Grund gerne für Wochenend-Ausflüge her.

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Coromandel Café

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Die Franzosen erreichten Pondicherry 1673 und wollten sich auch ein Stück vom indischen Kuchen abschneiden. Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den französischen und englischen Kolonialmächten. Pondicherry wurde mehrmals zerstört und erst nach den karnatischen Kriegen im 18. Jahrhundert wurde Pondicherry vertraglich Frankreich zugesprochen.

1954 wurde die Stadt mit anderen kleinen Teilgebieten zum Unionsstaat Pondicherry zusammengefasst und dem indischen Bundesstaat einverleibt.

Noch heute spürt man viel vom dem Savoir-vivre der ehemaligen Besetzer. Die Polizisten sehen aus wie französische Flics und in der gepflegten, geordneten White City verbreiten viele Kolonialbauten, die Uferpromenade und die französischen Strassennamen den Charme einer Küstenstadt Frankreichs. Die rund zwei Kilometer lange Uferpromenade mit der Gandhi-Statue, die abends für Autos gesperrt wird, lädt zum gemütlichen Spaziergang ein. Wenn man etwas Abstand von der indischen Hektik sucht, ist man hier genau richtig.

Viele Resorts und Guest Houses an den nördlichen und südlichen Stränden von Pondicherry eignen sich auch hervorragend für Strandurlaub.

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Strand südlich von Pondicherry

Auch wer nichts mit Spiritualität am Hut hat, kommt in Pondicherry automatisch mit Sri Aurobindo in Berührung. Der Sri Aurobindo Ashram ist nämlich spirituell und ökonomisch das Zentrum der Stadt. Der Ashram ist der grösste Großgrundbesitzer und besitzt über 400 Gebäude, darunter Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken, Galerien und Läden. Ob dies im Sinne des spirituellen Philosophen gewesen wäre, wage ich hier zu bestreiten.

Sri Aurobindo wurde 1872 in Kalkutta geboren. Seine Familie war sehr wohlhabend und er verbrachte den Grossteil seiner Kindheit in England. An der Cambridge Universität studierte er Philosophie und kehrte 1893 nach Indien zurück. Als Lehrer und Sekretär diente er dem Maharaja von Baroda. Die fürstliche Familie war sehr westlich, fortschrittlich orientiert und setzte sich für die finanzielle Ausbildung der Dalits, der Unberührbaren ein. 1906 kehrte er in seine Heimatstadt Kalkutta zurück und engagierte sich für  die Unabhängigkeitsbewegung. Die Briten inhaftierten ihn 1908 und nach seiner Freilassung suchte er im französischen Pondicherry Zuflucht. Zunehmend wich sein politisches Interesse humanistischen-philospohischen Zielen. In seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er verschiedene Schriften. Er propagierte die Synthese von indischen und westlichen Ideen und Werten. Er widmete sich immer mehr der, von ihm entwickelten, Lehre des „Integralen Yoga“. Die Lehre, die sich mit der  Erweiterung des Bewusstseins, beschäftigt, erreichte bald Popularität. Auch viele Anhänger aus Europa reisten nach Pondicherry. Darunter war auch die Französin Mira Alfassa. Sie wurde schnell zur rechten Hand von  Aurobindo und 1929 wurde der Ashram gegründet. Während sich der Meister immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog, übernahm Mira Alfassa die Führung. Der Ashram wurde schnell bekannt und wohlhabend. Nach dem Tod von Sri Aurobindo (1950) übernahm Mira, die noch heute von allen respektvoll „The mother“ genannt wird, die Leitung. Auch die Gründung der Modellstadt Auroville geht auf ihre Ideen und Visionen zurück.

Im Alter von 95 Jahren (1972) starb sie und die einzelnen Interessengruppen um den Ashram streiteten heftig um Macht, Geld und Privilegien. 1982 wurde vom Obergericht ein siebenköpfiger Rat zusammengestellt um sich diesen Streitigkeiten anzunehmen. Doch noch heute sind scheinbar Unstimmigkeiten zwischen Auroville, dem Ashram und der lokalen Bevölkerung zu spüren.

Viele indische und auch ausländische Touristen besuchen den Ashram, wo die Grabstätte von Sri Aurobindo und der Mutter liegt. Täglich wird die Stätte mit frischen Blumen wundervoll geschmückt. Wer Stille sucht und in Ruhe meditieren möchte, der sollte sich einen Besuch im Ashram nicht entgehen lassen.

Auch die Modellstadt Auroville, die einige Kilometer entfernt von Pondicherry liegt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Matrimandir in Auroville

Mehr Informationen über Auroville:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

Wer längere Zeit in Pondicherry verbringt, sollte unbedingt einen Tagesaufflug zu den Mangroven in Pichavaram (Nähe Cuddalore) machen. Sie sind ungefähr in einer Autostunde von Pondicherry zu erreichen.

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Mangroven in Pichavaram

Auf dem Weg nach Pondicherry -Alamparai Fort

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Aus meinem Tagebuch vom Juli 2008

Heute fahren wir zu den Ruinen des Alamparai Forts, das rund 100 km von Chennai entfernt an der ECR Richtung Pondicherry liegt. Auf dem Weg sehen wir ein Dorf, das an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnert. Kleinste Häuser, die mit Spenden aus dem Ausland errichtet wurden, stehen in Reihen eng nebeneinander.

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Als wir aussteigen, will uns ein Junge unbedingt herumführen und sich natürlich ein Taschengeld verdienen. Schließlich lassen wir ihn gewähren. Das quadratisch angelegte Fort liegt direkt am Meer und die zerfallenen Überreste und Mauern lassen das einstige imposante Fort der Mogulen nur schwer erahnen.

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Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Fort von moslemischen Herrschern erbaut. Von 1736-1740 stand es unter der Kontrolle von Nawab Dost Alikhan und 1750 wurde das Fort dem großen französischen General Joseph Francois Dupleix als Geschenk übergeben. Dupleix ließ in Alamparai seine Goldmünzen prägen und exportierte vom Hafen aus Textilien, Salz und Butterschmalz. Später, im Kampf gegen die Briten, wurde das Fort größtenteils zerstört.

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Unser kleiner Führer erweist sich als geschäftstüchtig und er macht uns eine Bootsfahrt mit einem Fischerboot schmackhaft. So fahren wir mitten in der Mittagshitze aufs Meer hinaus. Der Fischer hat zwei seiner Söhne dabei, die aus dem Staunen kaum herauskommen. Als wir unseren Fahrer Venkatesh am Ufer erblicken und den Fischer bitten anzuhalten, damit er auch mitfahren kann, kommt noch eine indische Großfamilie dazu. Der Preis ist schnell ausgehandelt und so tuckern wir mit 15 Menschen an Bord los.

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Als der Junge des Fischers noch einen Einsiedlerkrebs fängt und ihn den Kindern zeigt, kommt unser Sohn nicht zum Staunen heraus und ist gänzlich zufrieden.

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Blüten aus Auroville

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In der Nähe von Pondicherry liegt die universelle Stadt Auroville. Sie wurde 1968 von Mira Alfassa, der Gefährtin und Nachfolgerin des großen spirituellen Sri Aurobindo, gegründet. Die Mutter, wie Mira Alfassa von ihren Anhängern auch noch nach ihrem Tod liebevoll genannt wird, hat jahrelang über Blumen geforscht, meditiert und nachgedacht.

Blumen seien Gebete der Pflanzen an den grossen Schöpfer. Diese Aussage gefällt mir gut, denn ich liebe Blumen sehr.

Mira Alfassa ist 1973 gestorben, aber ihre Stadt, ihre Vision lebt weiter. Im Moment leben über 2200 Menschen aus 47 verschiedenen Nationen in Auroville. Sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen in Frieden, Freiheit und Harmonie zusammen leben. Mira Alfassa hat es so ausgedrückt: Irgendwo auf der Erde sollte es einen Ort geben, den keine Nation als ihr alleiniges Eigentum beanspruchen kann. Einen Ort, in dem Menschen mit gutem Willen und aufrichtigem Streben frei als Weltenbürger leben können und nur einer einzigen Autorität gehorchen, der höchsten Wahrheit.

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Das Herz, die Seele von Auroville ist das Matrimandir, eine goldene, futuristische Kugel. Es wurde nach den Inspirationen von der Mutter gebaut und ist ein Ort der Stille, der Konzentration und Meditation. Die goldene Kugel von innen zu besichtigen, ist gar nicht so einfach. Die Aurovillianer, die täglich mit Hunderten von Touristen konfrontiert sind, haben strikte Besuchsregeln eingeführt. So muss man bereits am Vortag im Informationszentrum eine schriftliche Erlaubnis holen. Es lohnt sich jedoch, die Geduld und Wartezeit auf sich zu nehmen. In der Kugel geht man, mit weißen Socken ausgestattet, auf weissem Teppich spiralförmig nach oben und gelangt in einen riesigen Meditationsraum mit 12 Marmorsäulen. Alles ist in Weiss gehalten und in der Mitte ist eine große Kristallkugel, die durch einen Lichtstrahl vom Dach erleuchtet wird. Wunderschön! Dieser Raum strahlt eine Ruhe und Stille aus, die ich bisher noch nie erlebt habe.

Um die goldene Kugel herum gebaut, hat es zwölf verschiedenfarbige Meditationsräume. Sie stehen für Qualitäten, die zur Manifestation der göttlichen Kraft notwendig sind: Aufrichtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Ausdauer, Aspiration, Empfänglichkeit, Fortschritt, Mut, Güte, Großmut, Gleichmut und Friede.

In keinem der Räume findet man religiöse Symbole. Die Mutter betonte immer wieder: „Lasst es keine Religion werden. Der Fehler von Religionen ist der, dass sie getrennt sind.“

Ich finde Auroville faszinierend und bewundere die Leistungen und das große Engagement der Einwohner. Mir gefällt die Idee, die Vision einer universellen Friedensstadt, trotzdem fühlt es sich für mich nicht ganz stimmig an.

Weitere Informationen über Pondicherry findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/10/pondicherry-franzoesisches-flair-in-indien/