Rangoli-Wettbewerb

rangoli von oben

Gestern fanden bei uns im Quartier wieder verschiedene Wettbewerbe statt. Diese werden immer im Januar von den Vorständen unserer Kolonie organisiert. Als Suriyan noch jünger war, hat er auch beim Wettrennen und beim Zeichnungswettbewerb mitgemacht, aber jetzt findet er dies nicht mehr so toll.

Die Frauen können am späteren Nachmittag an einem Rangoli-Wettstreit teilnehmen. Zu zweit hat man zwei Stunden Zeit und eine Jury der Colony bewertet danach die Kunstwerke. Dieses Jahr nahmen nur wenige Frauen und Mädchen teil und die Rangoli sind eher bescheiden ausgefallen. Auch ich habe vor einigen Jahren mal mit meiner Nichte mitgemacht und wir erreichten sogar den dritten Rang. Die billigen Aufbewahrungsboxen aus Plastik, die wir gewonnen haben, wollte jedoch keine von uns haben und wir haben sie weiterverschenkt.

Die Teilnehmerinnen sind immer gut vorbereitet. Bereits vorher wurden die Farben mit Kalkpulver oder Sand gemischt und liegen in kleinen Behältern bereit.

Hier ein paar Eindrücke vom gestrigen Rangoli-Wettbewerb:

rangoli in arbeit 2

rangoli in arbeit 1

 

Auch einige Kinder machen mit:

rangoli in arbeit kinder

rangoli in arbeit 4

rangoli in arbeit 5

Einige fertige Kunstwerke:

rangoli 7

rangoli 5

rangoli 4

rangoli 2

rangoli 1

rangoi gewinner
Dieses Rangoli hat den 1. Preis gewonnen.

Willst du mehr über Rangoli oder Kolams erfahren?

Dann lies hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/05/29/schoenes-vor-dem-tor/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/23/kolams-vergaengliche-kunst-im-alltag-mit-anleitung-zum-selbstversuch/

Advertisements

Kolams – vergängliche Kunst im Alltag -mit Anleitung zum Selbstversuch!

C4A88399-C638-4AAB-B3BF-31FB3F40DBC8 (2)

Der Alltag einer indischen Hausfrau beginnt in der Regel früh am Morgen. Bereits in der Früh sieht man Hausfrauen und Maids mit Palmreisig-Besen und Wasser den Hauseingang reinigen. Danach wird mit weissem Kalkpulver ein neues Kolam oder ein einfaches Rangoli vor den Eingang gestreut.

Die Muster sollen Besucher willkommen heissen und schlechte Energien fernhalten.

Früher streute man Reismehl um die Ameisen und Vögel zu füttern. Man glaubte an ein harmonisches Zusammenleben, an ein Geben und Nehmen mit allen Kreaturen.

Kolams zu streuen ist eine Kunstfertigkeit, die ich sehr bewundere. In Tamil Nadu sind es Muster, die nach einem systematisch angelegten Punktmuster entstehen. In der Regel wird jeder Punkt umflochten, d.h. umstreut. So entstehen wunderschöne Kunstwerke. Wer sich einmal selbst in dieser Kunst versucht hat, weiss wie schwierig es ist. Bereits für die Versuche auf dem Papier braucht man plötzlich Hirnwindungen, die man zuvor selten gebraucht hat.

Bei uns in der Stadt sind die Kolams des Alltags eher bescheiden und oft flüchtig, lieblos hingestreut. In vielen Haushalten übernimmt die Maid diese Aufgabe, denn viele Frauen sind heutzutage berufstätig und haben keine Zeit. Es hat jedoch einige wenige Häuser, wo ich auf meinem Morgenspaziergang immer kurz verweile und die Muster bewundere. Speziell eine alte Frau bei uns in der Nähe gibt sich täglich so viel Mühe. Wenn ich sie sehe, mache ich ihr oft ein Kompliment und sage: „*Rombe nallarke!“ Da freut sie sich immer sehr.

Viel einfacher finde in der Regel die Rangolis, auch die werden nach Punktmustern gestreut, aber man hat viel mehr gerade Linien, wo man absetzen kann und die Muster sind unseren oder wenigstens meinen Hirnwindungen viel vertrauter.

Wenn ich denke, dass ich ein neues Kolam wirklich verinnerlicht und auswendig gelernt habe, dann beginnt bei mir die Phase der Ernüchterung, wenn ich das Kolam streuen will.

Der Boden ist plötzlich uneben, die Verhältnisse viel grösser und die Orientierung viel schwieriger. Schon die Punkte in genauen und geraden Abständen hinzustreuen ist eine Herausforderung. Ist das Punktnetz nicht genau, dann ist bereits alles zum Scheitern verurteilt.

Auch hier gilt Übung macht den Meister!

Manche Frauen sind darin unglaublich geschickt und sie streuen sogar Doppellinien flüssig und ohne Unterbrüche. Prabhus Schwester kennt  viele Kolams und Rangolis auswendig. An Fest- und Feiertagen beteiligen sich meist alle Frauen des Hauses an riesigen und zeitaufwändigen Mustern bei denen dann oft auch andere Farben eingesetzt werden.

*Rombe nallarke – auf Tamil: sehr schön

Doch versuch es doch einfach selbst! Viel Spass beim Ausprobieren!

Hier eine kleine Anleitung:

  1. Lege ein 9er Punktgitter an6409ACAA-F2FA-4328-A9BD-78737A3EEFC3

Beginne das Muster vom Zentrum aus.

2.

CCD8FA11-124B-4263-A0DD-CDDC7DDBB684

3.

1BE269B3-8DF1-426D-A5DF-E92A8E31A79C

4.

D132F4B3-0157-4AC4-B2E2-D7F18090DE9C

5.

Die übrigen fünf Punkte an jeder Ecke umkreist du folgendermassen:

6325C979-1BE1-4D2E-BEA7-1BA957C99212

Beim freien Punkt, der am nächsten zum Zentrum liegt, musst du aufpassen! Hier werden zwei Punkte auf einmal umkreist.

5C6BAED7-785B-403F-9A56-5DE8E51D115C

6.

3A80BF60-2278-43CA-BC5F-6B77DEB6CD6F

7.

AD2F0D6D-3DE1-4FF9-A41B-B468500578D0 (1)

8.

C4A88399-C638-4AAB-B3BF-31FB3F40DBC8 (2)

Schönes vor dem Tor

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kolam oder Rangoli sind Muster, die indische Frauen jeweils am Morgen und am späten Nachmittag vor dem Eingang mit weissem Kalk- oder Reispulver malen, d.h. eigentlich streuen.

Die Muster sollen Besucher willkommen heissen und das Böse abwenden. Die meisten Inderinnen sind darin sehr geschickt. Meine Schwägerin kann ganz komplizierte Muster auswendig und fehlerlos „hinstreuen“, es ist wunderschön!

Zuerst wird der Boden mit Wasser gereinigt und gewischt. Nun werden die Dots, die Punkte, die sich je nach Kolam, Rangoli unterschiedlich anordnen, in gleichmässigen Abständen ausgelegt. Das Pulver wird zwischen Daumen und Fingern gehalten und gestreut. Während beim Rangoli die Punkte verbunden werden und so Flächen entstehen, werden bei den südindischen Kolams die Punkte umwoben, dass letztlich kein Punkt mehr frei stehen bleibt.

82A69C8E-F807-40CE-A386-7F7E6ED47F20

Meine Kolams sind immer noch klägliche Versuche und es will mir einfach nicht gelingen die Linien und Bögen schön sauber hinzustreuen.

An Festtagen vor allem an Pongal (tamilisches Erntedankfest) und an Dipawali (Lichterfest) werden auch farbige Pulver eingesetzt und die Muster werden weitaus aufwändiger und zeitintensiver.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Im Januar, wenn das Klima in Chennai etwas angenehmer und kühler ist, finden immer viele Wettbewerbe statt. Auch hier in unserer Colony messen sich die Frauen einmal im Jahr im Rangoli streuen. Zu zweit arbeiten sie zwei Stunden und danach bewertet die Colony-Jury die Kunstwerke .

P1050632

P1060755

P1060786

 

Rangoli-Wettbewerb Januar 2019:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/21/rangoli-wettbewerb/