Pad Man – Tabuthema Menstruation in Indien

Film Pad Man

Endlich habe ich mir den Bollywood-Film Pad Man angeschaut. Der Film widmet sich dem Thema Menstruation in Indien. Ein trauriges Kapitel, denn in Indien ist die Monatsblutung mit viel Aberglauben, Scham und uralten Traditionen verknüpft. So gilt eine Frau während ihrer Tage als unrein. Ein Besuch im Tempel ist undenkbar und viele Frauen, vor allem auf dem Land, dürfen während ihrer Tage nicht einmal das Haus, geschweige denn die Küche betreten.

Eine andere erschreckende Tatsache ist, dass nur 18 Prozent der indischen Frauen Zugang zu sicheren Hygieneartikel während ihrer Menstruation haben. Viele helfen sich mit alten Lappen, Zeitungspapier, trockenen Blättern und Asche.

Dadurch erkrankten jährlich viele Frauen an Infektionskrankheiten und werden teilweise sogar unfruchtbar. Viele junge Mädchen bekommen ihre erste Menstruation völlig unvorbereitet und haben keine Ahnung, was mit ihrem Körper geschieht. Die Aufklärung, wenn sie in der Schule überhaupt unterrichtet wird, ist laut Lehrplan im zehnten Schuljahr geplant. Die meisten Mädchen bekommen ihre Menstruation aber viel früher.

Der Film Pad Man beruht auf einer wahren Begebenheit, die jedoch bollywoodmäßig noch etwas dramatisiert und mit Tänzen farbig aufgefrischt wird. Die Geschichte des Tamilen Arunachalam Muruganatham aus Coimbatore wird im Film aufgenommen. Sie erzählt von einem Mann, der seine Frau liebt, sich sorgt und etwas verändern will.

Als er die schmutzigen, alten Lappen sieht, die seine Frau während ihrer Tage verwendet, kauft er ihr in der Apotheke ein Päckchen Binden. Seine Frau freut sich erst darüber, aber als sie den hohen Preis sieht, schickt sie ihn umgehend zur Apotheke zurück. Die Familie kann sich diese teueren Hygieneprodukte nicht leisten.

Doch er gibt nicht auf, untersucht die Binden und stellt fest, dass die Materialkosten einen kleinen Bruchteil des Verkaufspreises ausmachen. So beginnt er mit Watte und Gazestoff selbst Binden herzustellen. Nach langem Überreden lässt sich seine Frau darauf ein, diese zu testen. Die ersten Versuche scheitern kläglich und seine Frau bittet ihn eindringlich aufzuhören und sich aus diesem mit grosser Scham verbundenen Frauenthema endlich rauszuhalten.

Doch Lakshmikank, wie der Held im Film heißt, gibt nicht auf und bleibt hartnäckig daran eine Binde zu entwickeln, die auch für arme Frauen bezahlbar ist. Er experimentiert selbst mit Ziegenblut und zunehmend wird er aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und als verrückt erklärt. Die Scham ist so groß, dass seine Ehefrau und seine Mutter ihn schließlich verlassen.

In jahrelanger Entwicklungsarbeit hat er mit Cellulose endlich Erfolg, und er entwickelt einfache und preisgünstige Maschinen zur Herstellung von Binden. An einem Innovationswettbewerb in Delhi gewinnt er den Preis „Life-changing Innovation of the Year“ und gewinnt ein Preisgeld von 200‘000 Rupees.

Unser Held sucht jedoch mit seiner Erfindung nicht das große Geld, das er jetzt verdienen könnte. Nein, er bleibt seinen ursprünglichen Idealen treu. Sein Ziel ist es, Binden für unterprivilegierte Frauen preiswert und erschwinglich herzustellen. Mit seinen Maschinen zieht er von Dorf zu Dorf und verkauft seine Binden für nur 2 Rupees an die Frauen. Mit der Zeit entstehen Frauengemeinschaften, die mit Mikrokrediten den Verkauf und die Herstellung der Binden übernehmen. So kann er immer mehr Maschinen bauen und seine Idee fasst in vielen Dörfern in ganz Indien Fuss.

Pad Man wird langsam berühmt. Er wird sogar von der UNICEF nach New York eingeladen, um dort eine Rede zu halten. Durch seinen Erfolg kommt er auch mit seiner Ehefrau wieder ins Reine.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich bewerte ihn mit 8 von 10 Punkten.

Pad Man
Der richtige Pad Man! Arunachalam Muruganantham mit dem Schauspieler Akshay Kumar

Hier noch ein Video mit dem wahren Pad Man. Arunachalam Muruganatham hat mich in diesem Video sehr berührt. Absolut sehenswert!

 

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Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte

Ich gebe zu, dass ich den indischen Schauspieler Dhanush mag. Daher war für mich der Film „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“ ein Muss und stand schon länger auf meiner Liste. Dhanush in einem internationalen Film zu sehen, konnte ich mir wahrlich nicht entgehen lassen.

In der Rolle als Aja, der sich in Mumbai als Straßenkünstler und Kleinkrimineller über Wasser hält, macht sich Dhanush gut. Mit viel Charme, Sympathie, Leichtigkeit und einer gewissen kindlichen Naivität schummelt sich Aja durchs Leben. Als seine geliebte Mutter, die ihn alleine großgezogen hat, unverhofft stirbt, ändert sich alles. Beim Stöbern in den Unterlagen seiner Mutter, findet er endlich die Antwort auf die Frage, die ihn immer schon beschäftigt hatte: Sein Vater war Franzose und kam aus Paris.

So beschließt er, den Traum seiner Mutter zu erfüllen und reist mit ihrer Asche und einem gefälschten 100 Euroschein in die Stadt der Liebe. Dort trifft er im berühmten, schwedischen Möbelhaus IKEA die bezaubernde Amerikanerin Marie. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie verabreden sich am nächsten Tag beim Eiffelturm.

Doch es kommt alles anders. Aus Geldmangel verbringt Aja die Nacht in der IKEA und schläft in einem Kleiderschrank selig ein.

In einem Lastwagen nach London wacht er durch die Gesänge einiger Flüchtlinge wieder auf und eine absurde, komisch-tragische Reise durch ganz Europa nimmt ihren Lauf.

Schon während des Filmes konnte mich die Story nicht wirklich begeistern. Als nette, leichte Unterhaltung ohne Tiefgang hätte der Film unter Umständen funktionieren können, als jedoch die ganze Flüchtlingskrise ins Spiel kam, war bei mir definitiv Schluss. Irgendwann fand ich die Story nur noch ermüdend, langatmig und ich hoffte auf das baldige Ende.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

 

 

Der teuerste Film Indiens

Filmplakat

Da sitzen wir nun mit unseren 3D-Brillen auf der Nase. Gerade pünktlich zum Filmanfang haben wir es geschafft, im proppenvollen Kinosaal unsere Sitze zu finden. Dass wir das obligate Aufstehen zur indischen Nationalhymne verpasst haben, erfreut uns insgeheim. Suriyan ärgert sich immer sehr über das nationale Gehabe, das unter Modis Regierung wieder eingeführt wurde.

Der südindische Superstar, man könnte schon fast sagen Moviegott, Rajinikanth ist im neusten Tamil Movie 2.0 zu sehen. Die Produktionskosten von 543 crore (US $ 76 Millionen) toppen alle bisher in Indien produzierten Filme. Der Science Fiction Action-Film ist gespickt mit Special-Effects. In weiteren Hauptrollen spielen auch Akshay Kumar und Amy Jackson. Diese Kombination lockt die Leute scharenweise in die Kinosäle. In der Phoenix Mall läuft der Film in 3D in sechs verschiedenen Kinosälen mit je 3-4 Vorstellungen täglich. Eine Karte kostet hier in Chennai für die 3D Variante rund 2.80 Euro. Am 6. Dezember, nach nicht ganz zwei Wochen Spielzeit,  hatte der Film bereits US $ 72 Millionen eingebracht.

Die Handlung ist recht simpel. Eine unerklärbare Kraft lässt plötzlich in ganz Tamil Nadu alle Handys verschwinden. Der Naturwissenschaftler, Dr. Vaseegaran, der sich mit humanoiden Robotern beschäftigt, kommt schliesslich dem Rätsel mit Hilfe seiner beiden Robotern Chitti und Nila auf die Spur.

Rajinikanth spielt in einer Doppelrolle Dr. Vaseegaran und den humanoiden Roboter Chitti. Immer wenn er unerwartet auf der Leinwand erscheint oder etwas Heldenhaftes oder Lustiges tut, johlen und jubeln die Zuschauer. Neben mir sitzt ein Paar mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist so fasziniert von den 3D Effekten, dass sie immer wieder versucht die fliegenden Handys mit dem Händen zu ergreifen.

Mich langweilt der Film bereits nach 10 Minuten, da ich aber meine Männer zu diesem Kinoerlebnis des teuersten indischen Filmes überredet habe, lasse ich mir nicht viel anmerken. Doch der vorwurfsvolle Blick unseres Sohnes in der Pause spricht Bände. „Willst du die zweite Hälfte noch sehen“, frage ich meinen Liebsten. Eigentlich hat er nicht grosse Lust dazu, aber wir bleiben dann trotzdem. Suriyan deckt uns mit einer grossen Tüte Popcorn ein, so überstehen wir auch die zweite Hälfte. Im weiteren Verlauf entwickeln Roboter Chitti und der weibliche Roboter Nila Gefühle für einander. Mein Liebster flüstert mir belustigt ins Ohr: „Bei uns Indern ist sogar eine Liebesgeschichte zwischen Robotern möglich!“

Das Ende zieht sich fürchterlich in die Länge und als dann der Roboter Chitti, tausendfach im Miniformat produziert, auf Tauben fliegend die Welt rettet, wird es echt anstrengend auszuharren.

Endlich können wir den Kinosaal nach einem fulminanten Elekto-Tanz von Chitti und Nila verlassen.

„Was für eine Zeit- und Geldverschwendung“, meint unser Sohnemann.

Ja, das war es tatsächlich und trotzdem haben wir ihn gesehen: Den teuersten Film Indiens!

Fotokulisse
Fotokulisse am Ausgang um Erinnerungsfotos mit den beliebten Stars zu machen.

The Lunchbox – indischer Film

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Gestern sah ich mir den Hindi-Movie „The Lunchbox“ aus dem Jahr 2013 an.

Mit Irrfan Khan in der Hauptrolle musste ich mir den Film endlich ansehen, denn er gehört definitiv zu meinen Lieblingsschauspielern Indiens.

Wer einen farbigen, kitschigen Bollywoodstreifen erwartet, wird von diesem Film wahrscheinlich enttäuscht werden. Es ist ein stiller, leiser, melancholischer Film, der sich dem Thema Einsamkeit in dem stark übervölkerten Mumbai annimmt.

Die unglücklich verheiratete Ila (Nimrat Kaur) bereitet für ihren Mann jeden Morgen das Mittagessen zu. Beim Kochen gibt sie sich viel Mühe und sendet das Essen in einer Lunchbox in sein Büro. Ein Dabbawala holt die Lunchbox und bringt sie zum Zug. Mumbai hat ein ausgeklügeltes, perfekt funktionierendes Transportsystem entwickelt, um die vielen zu Hause gekochten Mittagessen an die Arbeitsstellen zu bringen. Doch Ilas liebevoll zubereitetes Essen geht andere Wege und landet plötzlich auf dem Bürotisch des Witwers Saajan Fernandez. Der einsame Mann hat sich ganz aus dem Leben zurückgezogen und pflegt keinerlei Kontakte. Seit 35 Jahren arbeitet er zuverlässig in der gleichen Firma und steht kurz vor seiner Pensionierung. Er lässt sich sein Mittagessen von einem Restaurant um die Ecke schicken, das normalerweise eher bescheiden schmeckt. So ist er überrascht über das leckere, feine Essen, das ihn nun täglich erreicht.

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Auch Ila merkt, dass etwas nicht stimmt und schreibt schliesslich eine Nachricht, die sie mit der Lunchbox mitgibt. So beginnen die beiden miteinander Briefe auszutauschen, die mit der Zeit immer persönlicher werden. Saajan beginnt sich langsam wieder dem Leben zu öffnen. Es entwickelt sich ein Hauch einer Liebesgeschichte, die Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

Das hoffnungsvolle Motto des Films, das schon fast einer Affirmation gleich kommt:

„Auch ein falscher Zug fährt manchmal an den richtigen Bahnhof!“

Mir hat der Film gut gefallen. Die Impressionen des hektischen, überbevölkerten Mumbais und die Einsamkeit und Isolation von Ila und Saajan bilden spannende Gegensätze. Der Regisseur Ritesh Batra wagt es Bilder, Emotionen, Stimmungen länger festzuhalten, als man es gewohnt ist.  Trotzdem empfand ich den Film nicht langatmig oder gar langweilig. Eine herzerwärmende Geschichte, die Mut macht Veränderungen zu zulassen.