Indischer Film – Gunjan Saxena – The Kargil Girl

Gestern habe ich mir auf Netflix einen neuen indischen Film angeschaut. „Gunjan Saxena – The Kargil Girl“ beruht auf wahren Begebenheiten.

Zur Geschichte:

Gunjan Saxena, gespielt von Janhvi Kapoor, ist kein typisches indisches Mädchen. Ihr Traum ist das Fliegen, und sie will unbedingt Pilotin werden. Viele Hindernisse und Vorurteile behindern sie auf ihrem Weg. Aus Geldmangel bewirbt sie sich schließlich 1996 bei der Indian Air Force. Mit viel Glück wird sie, obwohl sie einen Zentimeter zu klein ist, aufgenommen und ein steiniger Weg beginnt. Die diskriminierenden, frauenfeindlichen Denkweisen mancher Vorgesetzten und Kollegen bringt sie fast zum Aufgeben. Eine wichtige Stütze ist ihr Vater, der stets zu ihr hält und ihr die Kraft gibt, weiterzumachen. 1999 bricht an der Grenze zu Pakistan der „Kargil-Krieg“ aus. Gute Piloten werden dringend gebraucht und so wird Gunjan in Srinagar stationiert und für Evakuierungs- und Erkundungsflüge eingesetzt. Endlich kann sie ihr Können unter Beweis stellen und gewinnt so den Respekt ihrer Vorgesetzten und Kollegen.

Kritik:

Mir hat der Film gut gefallen. Die patriarchalen Strukturen und Denkweisen, gegen die Gunjan kämpfen muss, werden meist glaubwürdig und realistisch dargestellt. Janhvi Kapoor spielt die Hauptrolle hervorragend. Das Wechselspiel zwischen Gehorsamkeit gegenüber Vorgesetzten und Aufbegehren gelingt ihr.

Auch das Thema Patriotismus wird mal erfrischend anders aufgegriffen. Besorgt gesteht Gunjan ihrem Vater, dass sie nur in die IAF (Indian Air Force) eintreten will, um fliegen zu lernen. Sie hat Bedenken, dass sie zu unpatriotisch sei. Doch ihr Vater beschwichtigt und beruhigt sie ungefähr in diesen Worten: „Willst du hart und seriös deine Ziele verfolgen und daran arbeiten? Dann ist darin doch kein Widerspruch! Unser Land braucht Menschen, die sich professionell einsetzen und ihre Ziele mit Leidenschaft verfolgen.“

Ich denke, dass dieser Film grade junge Frauen und Mädchen motivieren und inspirieren kann, ihren eigenen Weg zu gehen. Leider werden wohl die wenigsten so einen unterstützenden und liberal denkenden Vater zur Seite stehen haben.

Von mir bekommt der Film 7 von 10 Punkten.

Netflix-Zeit im Lockdown – der Film KD Karuppudurai

Wir haben heute den 29. Tag des landesweiten, verlängerten Lockdowns begonnen. Vielerorts in Indien steigen die Covid-19-Fälle weiterhin an. Im größten Slum Indiens, in Dharvani, hat es nun 5 Hotspots, die zu roten Zonen erklärt wurden. Mit insgesamt 113 Fällen ist Dharvani zu einem besorgniserregenden „Hotbed“ in Mumbai geworden. Währenddessen wurden in Goa und in Kerala die Restriktionen massiv gelockert. Goa hat scheinbar keinen CV-Fall mehr und in Kerala scheint alles unter Kontrolle. In Kerala haben sogar die Restaurants wieder geöffnet. Das gibt Mut zur Hoffnung, dass irgendwann auch hier in Chennai wieder etwas Normalität einkehrt.

Meine abendlichen Runden mit den Hunden verlaufen längst nicht mehr so einsam. Man merkt, dass die Leute genug haben, dass es sie nach draußen zieht. Jogger, Spaziergänger, Blumenverkäuferinnen ziehen wieder durchs Quartier. Auf der Straße wird teilweise Cricket oder Badminton gespielt. Ich kann es ja nachvollziehen, denn mir geht es ebenso.

Netflix und Amazon Prime kommt uns in dieser Zeit sehr entgegen. Mit meinem Mann zusammen schaue ich jetzt oft indische Filme. Ein ganz toller Film muss ich euch ans Herz legen. KD Karuppudurai ist ein tamilischer Film aus dem Jahr 2019 von der Regisseurin Madhumita. Mir sind die meisten indischen Filme ja zu kitschig und zu oberflächlich. KD jedoch ist komplett anders.

Zur Geschichte:

Karuppu Durai ist 80 Jahre alt, als er für drei Monate ins Wachkoma fällt. Seine fünf Kinder beschließen, dass sie das Thalaikoothal-Ritual durchführen möchten, um ihn ins Jenseits zu befördern.

Thalaikoothal ist quasi die Sterbehilfe EXIT in Tamil Nadu. Mit Öl und Kokosnusswasser wird der Körper der alten Person dermaßen runtergekühlt, dass sie sterben. Obwohl es eigentlich verboten ist, wird diese Praxis bei alten und gebrechlichen Leuten teilweise immer noch angewendet.

Karuppu Durai hört alles und wacht plötzlich aus seinem Koma auf. Mit gebrochenem Herzen und voller Angst läuft er von zu Hause fort. Bald trifft er auf den 8-jährigen Waisenjungen Kutty. Der Junge hat alles, was KD nicht hat. Er ist schlau, wortgewandt und sprüht vor Lebensfreude. Kutty ermuntert KD eine Bucketliste zu erstellen. Die weiteren Erlebnisse schweißen das ungleiche Paar auf besondere Art zusammen.

Die Geschichte wird mit so viel Witz, Charme und Liebenswürdigkeit erzählt, dass es nie langweilig wird. Ein unterhaltsamer Film mit Tiefgang, den ich nur empfehlen kann.

Von mir bekommt KD 8 von 10 Punkten.

Uyare – indischer Film

 

Uyare ist definitiv keine Bollywood-Schnulze mit farbigen Tanzeinlagen und einer faden, oberflächlichen Story. Der Film ist aus Kerala und in Malayalam gesprochen, hat aber englische Untertitel. Ich habe ihn auf Netflix gesehen.

Als Pallavi Raveendran ( Parvathy Thiruvothu) als junges Mädchen zum ersten Mal fliegt, wird ihr sofort klar, dass sie Pilotin werden möchte. Ihr Traum geht soweit auch in Erfüllung, sie bekommt einen Ausbildungsplatz in Mumbai, lernt fliegen und ist glücklich. Das einzige Problem ist ihr Freund Govind, der sich zunehmend besitzergreifend und eifersüchtig zeigt. Als sie mit ihren Freunden die gelungene Abschlussprüfung feiert, eskaliert das Ganze und Pallavi wird klar, dass sie diese Beziehung beenden muss. Mit dieser Entscheidung verändert sich ihr Leben schlagartig. Govind attackiert sie in einer Nebenstraße mit Säure und ihre linke Gesichtshälfte wird völlig entstellt. Durch den Angriff wird auch ihr Sehvermögen beeinträchtigt, und sie verliert ihren Pilotenschein. Ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase.

Man schätzt, dass in Indien jährlich 200-300 Frauen Opfer von Säureattacken werden. Meistens gibt es keine Zeugen und die Täter kommen nur mit geringen Strafen davon. Dies muss auch Pallavi erleben. Mit der Unterstützung von Familie und Freunden kämpft sie sich langsam ins Leben zurück.

Uyare ist ein Film, der buchstäblich unter die Haut geht. Man ist nicht nur vom Schicksal Pallavis berührt, sondern auch das eigene Schönheitsideal wird infrage gestellt.

Ich kann den Film nur empfehlen und er bekommt von mir 9 von 10 Punkten.

 

The Zoya Factor – indischer Film

Gestern war ich mit meinen indischen Freundinnen im Kino. Die romantische Komödie mit Sonam Kapoor und Dulquer Salmaan läuft hier in Indien seit dem 20. September.

Die junge Frau Zoya (Sonam Kapoor) scheint vom Pech verfolgt zu sein. Weder in der Liebe noch in ihrem Beruf als Werbetexterin hat sie Erfolg und ständig tritt sie in alle möglichen Fettnäpfchen. Als sie jedoch nach Sri Lanka geschickt wird, um mit dem indischen Cricket Team eine Pepsi Werbung zu drehen, wendet sich das Blatt. Von Nikkhil Khoda (Dulquer Salmaan), dem Kapitän der Nationalmannschaft, wird sie zum gemeinsamen Frühstück mit dem gesamten indischen Team eingeladen. Als die Spieler erfahren, dass sie an dem Tag geboren wurde, als Indien den ersten Cricket World Cup gewonnen hat, glaubt das ganze Team, dass Zoya ihr Glücksbringer ist. Nur Nikkhil, der nicht an das Glück, sondern an harte Arbeit glaubt, sieht Zoya ungern in der Rolle des Maskottchens. Dabei hat er sein Herz schon an sie verloren …

Wie es weitergeht, schaut ihr euch am besten selbst an. Ein amüsanter, lustiger Film, der mich keine Minute gelangweilt und mich oft zum Lachen gebracht hat. The Zoya Factor ist ein Feel-Good Movie, der definitiv für gute Laune sorgt. Wer’s lieber tiefgründig und ernsthaft mag, sollte dem Film fernbleiben.

Da ich mich bestens unterhalten und viel gelacht habe, bekommt der Film von mir großzügige 7 von 10 Punkten!

Hier der Trailer:

Pad Man – Tabuthema Menstruation in Indien

Film Pad Man

Endlich habe ich mir den Bollywood-Film Pad Man angeschaut. Der Film widmet sich dem Thema Menstruation in Indien. Ein trauriges Kapitel, denn in Indien ist die Monatsblutung mit viel Aberglauben, Scham und uralten Traditionen verknüpft. So gilt eine Frau während ihrer Tage als unrein. Ein Besuch im Tempel ist undenkbar und viele Frauen, vor allem auf dem Land, dürfen während ihrer Tage nicht einmal das Haus, geschweige denn die Küche betreten.

Eine andere erschreckende Tatsache ist, dass nur 18 Prozent der indischen Frauen Zugang zu sicheren Hygieneartikel während ihrer Menstruation haben. Viele helfen sich mit alten Lappen, Zeitungspapier, trockenen Blättern und Asche.

Dadurch erkrankten jährlich viele Frauen an Infektionskrankheiten und werden teilweise sogar unfruchtbar. Viele junge Mädchen bekommen ihre erste Menstruation völlig unvorbereitet und haben keine Ahnung, was mit ihrem Körper geschieht. Die Aufklärung, wenn sie in der Schule überhaupt unterrichtet wird, ist laut Lehrplan im zehnten Schuljahr geplant. Die meisten Mädchen bekommen ihre Menstruation aber viel früher.

Der Film Pad Man beruht auf einer wahren Begebenheit, die jedoch bollywoodmäßig noch etwas dramatisiert und mit Tänzen farbig aufgefrischt wird. Die Geschichte des Tamilen Arunachalam Muruganatham aus Coimbatore wird im Film aufgenommen. Sie erzählt von einem Mann, der seine Frau liebt, sich sorgt und etwas verändern will.

Als er die schmutzigen, alten Lappen sieht, die seine Frau während ihrer Tage verwendet, kauft er ihr in der Apotheke ein Päckchen Binden. Seine Frau freut sich erst darüber, aber als sie den hohen Preis sieht, schickt sie ihn umgehend zur Apotheke zurück. Die Familie kann sich diese teueren Hygieneprodukte nicht leisten.

Doch er gibt nicht auf, untersucht die Binden und stellt fest, dass die Materialkosten einen kleinen Bruchteil des Verkaufspreises ausmachen. So beginnt er mit Watte und Gazestoff selbst Binden herzustellen. Nach langem Überreden lässt sich seine Frau darauf ein, diese zu testen. Die ersten Versuche scheitern kläglich und seine Frau bittet ihn eindringlich aufzuhören und sich aus diesem mit grosser Scham verbundenen Frauenthema endlich rauszuhalten.

Doch Lakshmikant, wie der Held im Film heißt, gibt nicht auf und bleibt hartnäckig daran eine Binde zu entwickeln, die auch für arme Frauen bezahlbar ist. Er experimentiert selbst mit Ziegenblut und zunehmend wird er aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und als verrückt erklärt. Die Scham ist so groß, dass seine Ehefrau und seine Mutter ihn schließlich verlassen.

In jahrelanger Entwicklungsarbeit hat er mit Cellulose endlich Erfolg, und er entwickelt einfache und preisgünstige Maschinen zur Herstellung von Binden. An einem Innovationswettbewerb in Delhi gewinnt er den Preis „Life-changing Innovation of the Year“ und gewinnt ein Preisgeld von 200‘000 Rupees.

Unser Held sucht jedoch mit seiner Erfindung nicht das große Geld, das er jetzt verdienen könnte. Nein, er bleibt seinen ursprünglichen Idealen treu. Sein Ziel ist es, Binden für unterprivilegierte Frauen preiswert und erschwinglich herzustellen. Mit seinen Maschinen zieht er von Dorf zu Dorf und verkauft seine Binden für nur 2 Rupees an die Frauen. Mit der Zeit entstehen Frauengemeinschaften, die mit Mikrokrediten den Verkauf und die Herstellung der Binden übernehmen. So kann er immer mehr Maschinen bauen und seine Idee fasst in vielen Dörfern in ganz Indien Fuss.

Pad Man wird langsam berühmt. Er wird sogar von der UNICEF nach New York eingeladen, um dort eine Rede zu halten. Durch seinen Erfolg kommt er auch mit seiner Ehefrau wieder ins Reine.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich bewerte ihn mit 8 von 10 Punkten.

Pad Man
Der richtige Pad Man! Arunachalam Muruganantham mit dem Schauspieler Akshay Kumar

Hier noch ein Video mit dem wahren Pad Man. Arunachalam Muruganatham hat mich in diesem Video sehr berührt. Absolut sehenswert!

Mehr zu diesem Thema findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/05/11/pubertaetszeremonie-in-tamil-nadu/

 

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte

Ich gebe zu, dass ich den indischen Schauspieler Dhanush mag. Daher war für mich der Film „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“ ein Muss und stand schon länger auf meiner Liste. Dhanush in einem internationalen Film zu sehen, konnte ich mir wahrlich nicht entgehen lassen.

In der Rolle als Aja, der sich in Mumbai als Straßenkünstler und Kleinkrimineller über Wasser hält, macht sich Dhanush gut. Mit viel Charme, Sympathie, Leichtigkeit und einer gewissen kindlichen Naivität schummelt sich Aja durchs Leben. Als seine geliebte Mutter, die ihn alleine großgezogen hat, unverhofft stirbt, ändert sich alles. Beim Stöbern in den Unterlagen seiner Mutter, findet er endlich die Antwort auf die Frage, die ihn immer schon beschäftigt hatte: Sein Vater war Franzose und kam aus Paris.

So beschließt er, den Traum seiner Mutter zu erfüllen und reist mit ihrer Asche und einem gefälschten 100 Euroschein in die Stadt der Liebe. Dort trifft er im berühmten, schwedischen Möbelhaus IKEA die bezaubernde Amerikanerin Marie. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie verabreden sich am nächsten Tag beim Eiffelturm.

Doch es kommt alles anders. Aus Geldmangel verbringt Aja die Nacht in der IKEA und schläft in einem Kleiderschrank selig ein.

In einem Lastwagen nach London wacht er durch die Gesänge einiger Flüchtlinge wieder auf und eine absurde, komisch-tragische Reise durch ganz Europa nimmt ihren Lauf.

Schon während des Filmes konnte mich die Story nicht wirklich begeistern. Als nette, leichte Unterhaltung ohne Tiefgang hätte der Film unter Umständen funktionieren können, als jedoch die ganze Flüchtlingskrise ins Spiel kam, war bei mir definitiv Schluss. Irgendwann fand ich die Story nur noch ermüdend, langatmig und ich hoffte auf das baldige Ende.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

 

 

Der teuerste Film Indiens

Filmplakat

Da sitzen wir nun mit unseren 3D-Brillen auf der Nase. Gerade pünktlich zum Filmanfang haben wir es geschafft, im proppenvollen Kinosaal unsere Sitze zu finden. Dass wir das obligate Aufstehen zur indischen Nationalhymne verpasst haben, erfreut uns insgeheim. Suriyan ärgert sich immer sehr über das nationale Gehabe, das unter Modis Regierung wieder eingeführt wurde.

Der südindische Superstar Rajinikanth, man könnte schon fast sagen Moviegott, ist im neusten Tamil Movie 2.0 zu sehen. Die Produktionskosten von 543 crore (US $ 76 Millionen) toppen alle bisher in Indien produzierten Filme. Der Science-Fiction-Action-Film ist gespickt mit Special-Effects. In weiteren Hauptrollen spielen auch Akshay Kumar und Amy Jackson. Diese Kombination lockt die Leute scharenweise in die Kinosäle. In der Phoenix Mall läuft der Film in 3D in sechs verschiedenen Kinosälen mit je 3-4 Vorstellungen täglich. Eine Karte kostet hier in Chennai für die 3D Variante rund 2.80 Euro. Am 6. Dezember, nach nicht ganz zwei Wochen Spielzeit,  hatte der Film bereits US $ 72 Millionen eingebracht.

Die Handlung ist recht simpel. Eine unerklärbare Kraft lässt plötzlich in ganz Tamil Nadu alle Handys verschwinden. Der Naturwissenschaftler, Dr. Vaseegaran, der sich mit humanoiden Robotern beschäftigt, kommt schliesslich dem Rätsel mit Hilfe seiner beiden Robotern Chitti und Nila auf die Spur.

Rajinikanth spielt in einer Doppelrolle Dr. Vaseegaran und den humanoiden Roboter Chitti. Immer wenn er unerwartet auf der Leinwand erscheint oder etwas Heldenhaftes oder Lustiges tut, johlen und jubeln die Zuschauer. Neben mir sitzt ein Paar mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist so fasziniert von den 3D Effekten, dass sie immer wieder versucht die fliegenden Handys mit dem Händen zu ergreifen.

Mich langweilt der Film bereits nach 10 Minuten, da ich aber meine Männer zu diesem Kinoerlebnis überredet habe, lasse ich mir nicht viel anmerken. Doch der vorwurfsvolle Blick unseres Sohnes in der Pause spricht Bände. „Willst du die zweite Hälfte noch sehen“, frage ich meinen Liebsten. Eigentlich hat er nicht grosse Lust dazu, aber wir bleiben dann trotzdem. Suriyan deckt uns mit einer grossen Tüte Popcorn ein, so überstehen wir auch die zweite Hälfte. Im weiteren Verlauf entwickeln Roboter Chitti und der weibliche Roboter Nila Gefühle für einander. Mein Liebster flüstert mir belustigt ins Ohr: „Bei uns Indern ist sogar eine Liebesgeschichte zwischen Robotern möglich!“

Das Ende zieht sich fürchterlich in die Länge und als dann der Roboter Chitti, tausendfach im Miniformat produziert, auf Tauben fliegend die Welt rettet, wird es echt anstrengend auszuharren.

Endlich können wir den Kinosaal nach einem fulminanten Elekto-Tanz von Chitti und Nila verlassen.

„Was für eine Zeit- und Geldverschwendung“, meint unser Sohnemann.

Ja, das war es tatsächlich und trotzdem haben wir ihn gesehen: Den teuersten Film Indiens!

Fotokulisse
Fotokulisse am Ausgang um Erinnerungsfotos mit den beliebten Stars zu machen.

The Lunchbox – indischer Film

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Gestern sah ich mir den Hindi-Movie „The Lunchbox“ aus dem Jahr 2013 an.

Mit Irrfan Khan in der Hauptrolle musste ich mir den Film endlich ansehen, denn er gehört definitiv zu meinen Lieblingsschauspielern Indiens.

Wer einen farbigen, kitschigen Bollywoodstreifen erwartet, wird von diesem Film wahrscheinlich enttäuscht werden. Es ist ein stiller, leiser, melancholischer Film, der sich dem Thema Einsamkeit in dem stark übervölkerten Mumbai annimmt.

Die unglücklich verheiratete Ila (Nimrat Kaur) bereitet für ihren Mann jeden Morgen das Mittagessen zu. Beim Kochen gibt sie sich viel Mühe und sendet das Essen in einer Lunchbox in sein Büro. Ein Dabbawala holt die Lunchbox und bringt sie zum Zug. Mumbai hat ein ausgeklügeltes, perfekt funktionierendes Transportsystem entwickelt, um die vielen zu Hause gekochten Mittagessen an die Arbeitsstellen zu bringen. Doch Ilas liebevoll zubereitetes Essen geht andere Wege und landet plötzlich auf dem Bürotisch des Witwers Saajan Fernandez. Der einsame Mann hat sich ganz aus dem Leben zurückgezogen und pflegt keinerlei Kontakte. Seit 35 Jahren arbeitet er zuverlässig in der gleichen Firma und steht kurz vor seiner Pensionierung. Er lässt sich sein Mittagessen von einem Restaurant um die Ecke schicken, das normalerweise eher bescheiden schmeckt. So ist er überrascht über das leckere, feine Essen, das ihn nun täglich erreicht.

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Auch Ila merkt, dass etwas nicht stimmt und schreibt schliesslich eine Nachricht, die sie mit der Lunchbox mitgibt. So beginnen die beiden miteinander Briefe auszutauschen, die mit der Zeit immer persönlicher werden. Saajan beginnt sich langsam wieder dem Leben zu öffnen. Es entwickelt sich ein Hauch einer Liebesgeschichte, die Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

Das hoffnungsvolle Motto des Films, das schon fast einer Affirmation gleich kommt:

„Auch ein falscher Zug fährt manchmal an den richtigen Bahnhof!“

Mir hat der Film gut gefallen. Die Impressionen des hektischen, überbevölkerten Mumbais und die Einsamkeit und Isolation von Ila und Saajan bilden spannende Gegensätze. Der Regisseur Ritesh Batra wagt es Bilder, Emotionen, Stimmungen länger festzuhalten, als man es gewohnt ist.  Trotzdem empfand ich den Film nicht langatmig oder gar langweilig. Eine herzerwärmende Geschichte, die Mut macht Veränderungen zu zulassen.