Zoobesuch in Chennai

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Aus meinem Tagebuch vom März 2007

Um 15.30 Uhr geht’s los. Wir wollen, d.h. ich will mit Suriyan in den Zoo. Prabhu hat gegen die Langeweile, die ihn in Anbetracht der Tiere überkommt, einen Freund eingeladen uns zu begleiten.

Da sind wir nun: Zwei indische Männer, die beide nicht grade vor Zoomotivation strotzen, eine weiße Frau mit einem Kinderwagenmodell, das indische Menschen noch niemals zuvor gesehen haben und dementsprechend ihre Köpfe verrenken, und natürlich Suriyan, unser kleiner Star. 15 Rupien Eintritt kostet das Vergnügen für eine erwachsene Person und für die Kamera bezahlen wir zusätzlich 25 Rupien.

Es hat viele Leute wie überall in Chennai. Viele Familien mit riesigen Taschen und Thermoskannen, den halben Haushalt mittragend, begegnen uns. Manche indische Familien verbringen den ganzen Sonntag im Zoo. Aber auch junge Paare, Schulklassen und Gruppen von jungen Männern, die sich scheinbar mehr für die indische Weiblichkeit interessieren als für die Zoowelt, gehören zu den Besuchern. Eine Gruppe junger Mädchen stürzt sich auf Suriyan im Kinderwagen. Jede kneift ihn liebevoll in die Wange, schüttelt seine Hand, … Nach der dritten Attacke wird es sogar unserem Suriyan, der diese Zärtlichkeiten normalerweise wacker über sich ergehen lässt, zu viel und er versteckt sein Gesicht.

Zuerst geht es Richtung Tigergehege, denn auf das gestreifte Nationaltier haben wir auf unserer Safari in Bandipur vergeblich gehofft. Der indische Tiger, ein Prachtkerl, ist wirklich in seinem Gehege und trottet gelangweilt hin und her. Suriyan ist begeistert. „Va, va Tigel“, ruft er. („Va“ heisst in Tamil „komm“). Auch die Löwen versucht er in Tamil anzulocken, aber die halten ihre Siesta und zeigen sich nur schlafend, da kann Suriyan noch lange rufen. Wir sehen den indischen Gaur, Sambarhirsche, Affen,… viele Tiere, die wir auf der Safari in freier Natur gesehen haben.

Der Zoo ist riesig, weitläufig und wir können gar nicht alles sehen, denn die Zeit geht im Flug vorbei und um 18.30 wird geschlossen. So verzichten wir auf die Reptilien und Schlangen. Ich bin positiv überrascht von den großen Gehegen für die Tiere. Da habe ich in der Schweiz schon anderes gesehen.

Langsam schlendern wir zurück. Beim Ausgang vor der Springbrunnenanlage verewigt sich eine indische Großfamilie auf einem Foto. Eigentlich möchte ich auch knipsen, entscheide mich dann jedoch dagegen.