Es werde Licht – Karthigai Deepam

Oellicht

Heute feiern wir in Tamil Nadu das Lichterfest Karthigai Deepam. Es findet jedes Jahr im tamilischen Monat Karthigai (Mitte November bis Mitte Dezember) statt. Tausende von Gläubigen führt es jeweils in die berühmte Pilgerstadt Tiruvannamalai, um die zehntägigen Festlichkeiten hautnah mitzuerleben. Wenn es ihre Gesundheit zulässt, so wie dieses Jahr, reisen auch meine Schwiegereltern hin. Am 10. Tag vor dem Vollmond und bei einer bestimmten Planetenkonstellation wird auf dem heiligen Berg Arunachala ein riesiges Feuer entfacht. 3500 Liter Ghee (geklärte Butter) werden dabei verbrannt! Darauf werden in ganz Tamil Nadu kleine Öllichter an die Hauseingänge und auf die Straßen gestellt. Obwohl ich inzwischen weiß, was zu tun ist, ruft mich mein Schwiegervater immer an, um nochmals Instruktionen zu geben. Vor jede Haustür muss ich zwei Öllichter stellen, natürlich auch hinter dem Haus und die Flammen müssen gegen Osten zeigen. Auch auf die Straße gehören Öllichter und natürlich ein schönes Kolam. Da unsere Nachbarn alle das Gleiche tun, erhellen jeweils viele Öllicher die dunkle Nacht.

Kolam
Kolam

Oellichter auf der Strasse

Der Legende nach ist das Lichterfest Karthigai Deepam eng mit dem heiligen Berg Arunachala verwoben. Dort ließ Lord Shiva eine riesige Feuersäule in Form eines Lingams entstehen. Er schlichtete dadurch einen Streit zwischen Vishnu, dem Erhalter und Brahma, dem Schöpfergott. Die beiden wetteiferten nämlich darum, wer der Stärkere, der Bedeutsamere sei. Shiva forderte darauf die beiden Streithähne auf, den Anfang und das Ende der riesigen Feuersäule zu finden. Vishnu verwandelte sich in ein Wildschwein und grub sich tief in die Erde, um den Anfang zu suchen, und Brahma erhob sich als Schwan in die Lüfte um das Ende zu finden. Beide gaben schließlich erfolglos auf, verbeugten sich vor Lord Shiva und anerkannten ihn als höchste Macht.

Freunde – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

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Sudama stammte aus einer armen Brahmanen-Familie. Als Knaben wurden Sudama und Lord Krishna gemeinsam vom Weisen Sandeepany unterrichtet. Die beiden waren vorbildliche Schüler und eine tiefe Freundschaft verband sie. Sie nahmen ihr Lernen sehr ernst und halfen auch bei einfachen Aufgaben im Haushalt mit. Nachdem ihre Ausbildung zu Ende war, segnete sie ihr Guru und sie mussten schweren Herzens von einander Abschied nehmen.

Krishna ging nach Dwaraka zurück und bald darauf wurde König. Er heiratete Rukmini, die Prinzessin von Vidarbha.

Sudama ging zurück in sein Dorf und lebte ein einfaches Leben als frommer Brahmane. Er betete täglich zu Krishna und lobpreiste ihn. Seiner lieben Frau Susheela erzählte er von seiner Freundschaft zu Krishna, die seine Kindertage sehr geprägt hatte. Obwohl sie nicht reich waren, führten die beiden ein zufriedenes und einfaches Leben. Die Jahre vergingen und sie bekamen ein Kind. Die Familie musste immer wieder Nachbarn um Hilfe bitten, denn es fehlte an allem. Susheela bat Sudama mehrmals, Lord Krishna zu besuchen und ihn um Hilfe zu bitten, aber Sudama wollte Krishna nicht mit seinen Problemen belasten und aus eigennützigen Gründen vor ihn treten.

Die Familie wurde von Tag zu Tag ärmer und große Sorgen plagten die kleine Familie. Da sprach Susheela erneut zu ihrem Mann: „Mein Liebster, du musst Lord Krishna um nichts bitten. Du kannst ihn einfach besuchen und ihn um seinen Segen bitten. Ich bin sicher, dies wird uns Glück und Wohlergehen bringen.“

Sudama dachte über die Worte seiner Frau nach und er beschloss seinen Freund Krishna in Dwaraka zu besuchen. Bevor er das Haus verließ, fragte er seine Frau, ob sie etwas hätte, das er Lord Krishna überbringen könnte. Susheela erinnerte sich sofort daran, dass Sudama ihr erzählt hatte, dass Lord Krishna Reisflocken sehr mochte. Schnell eilte sie ins Nachbarhaus, borgte sich etwas und verpackte die Flocken sorgfältig in ein sauberes Tuch.

Auf dem Weg nach Dwaraka drehten sich Sudamas Gedanken. Einen Moment lang war er sehr aufgeregt und freute sich darauf seinen Freund zu sehen und im nächsten Moment zweifelte er, ob Lord Krishna ihn überhaupt einlassen und wiedererkennen würde.

Dwaraka war eine wunderschöne Stadt. Schon von Weitem erblickte Sudama den prachtvollen Palast aus Marmor, der im Sonnenlicht hell erstrahlte. Wachen standen vor dem Tor und als Sudama näher kam, reagierten sie sehr unhöflich. „Wer bist du? Was willst du hier?“, fragten sie. „Ich heiße Sudama und ich bin ein alter Freund von Lord Krishna. Würdet ihr dem König bitte ausrichten, dass ich hier bin?“, sprach Sudama mit sanfter Stimme.

Nach seiner langen Reise sah Sudama sehr schmutzig und elend aus und die Wachen reagierten sehr skeptisch, überbrachten Krishna aber die Nachricht. Als Krishna die Nachricht vernommen hatte, eilte er so schnell wie möglich zum Tor und schloss seinen Freund in die Arme.

„Sudama, ich bin so froh, dich zu sehen. Es ist so lange her. Wie geht es dir, mein lieber Freund?“

Krishna nahm seinen Freund an der Hand und führte ihn in den Palast. Die Wachen waren sehr erstaunt, denn noch nie hatte Krishna einen Gast so empfangen. Krishnas Palast war riesig, die Böden waren aus weissem Marmor und die Wände waren mit wundervollen Schnitzereien verziert. Krishna führte Sudama in den Thronsaal und sagte zu seiner Frau Rukmini: „Das ist mein lieber Freund Sudama!“

Rukmini lächelte ihm zu und verbeugte sich. „Krishna hat immer viel von dir erzählt. Ich bin so froh, dass du gekommen bist!“ Krishna und Rukmini liessen Sudama Platz nehmen und wuschen seine Füße. Sudama wollte seinen Freund stoppen, doch Krishna beharrte darauf. „Sudama, deine Füße sind von der langen Reise sicher müde, lass sie mich bitte waschen,“ sprach Krishna sanft und besorgt. Als Sudama Krishnas Liebe und Fürsorge für ihn spürte, hatte er sogleich Tränen in den Augen.

Sudama wurde in den Speisesaal geführt und ein königliches Festessen wartete auf ihn. Rukmini selbst bediente ihn zuvorkommend. Sie verbrachten den ganzen Tag zusammen und sprachen über die guten alten Zeiten. Als es Nacht wurde, offerierte Lord Krishna seinem Freund sein eigenes Bett zum Schlafen. Doch Sudama war so überwältigt, dass er kaum schlafen konnte. Er fühlte sich so gesegnet und glücklich. Er war so zufrieden, dass er sogar vergessen hatte, Krishna um Hilfe zu bitten.

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Am nächsten Morgen als er sich von Krishna und Rukmini verabschieden wollte, fragte Krishna: „Sudama, was hast du eigentlich für mich mitgebracht?“ Sudama schaute betroffen zu Boden und versuchte, das kleine Bündel mit den Reisflocken zu verstecken. Nach allem was Krishna für ihn getan hatte, schämte er sich für das billige Geschenk. Aber Krishna entdeckte das Bündel und entriss es Sudama. Er öffnete es sofort und rief erfreut aus: „Sudama, du erinnerst dich noch daran? Ich liebe Reisflocken. Ich danke dir vielmals.“

Sudama war ganz überrascht, als er sah wie Krishna die Reisflocken genüsslich ass. Er dachte für sich: „Krishna hat allen Reichtum, den man sich nur vorstellen kann und doch freut er sich wie ein kleines Kind über Reisflocken.“

Nachdem sie sich verabschiedet hatten, machte sich Sudama auf den langen Heimweg. Doch die Reise zurück war überhaupt nicht ermüdend und er dachte immer wieder an die gemeinsamen, wundervollen Momente in Dwaraka zurück. Die gemeinsame Zeit mit Krishna ließ ihn alle Sorgen und Ängste einfach vergessen.

Als er in seinem Dorf ankam, war er ganz überrascht. Er konnte seine eigene Hütte nicht wieder finden. An dessen Stelle stand ein wunderschönes Herrenhaus. Während er noch verdutzt vor dem Haus stand, rannten seine Frau und sein Sohn ihm entgegen. Sie trugen schöne Kleider und Goldschmuck. Susheela erzählte ihrem heimgekehrten Mann von dem großen Wunder, das in seiner Abwesenheit passiert war. Die kleine Hütte hatte sich über Nacht in dieses wunderschöne Haus verwandelt.

Sudama war sprachlos. Obwohl er seine Sorgen mit keiner Silbe erwähnt hatte, kannte der allwissende Lord Krishna all seine Probleme. Krishna war Gott! Von da an wuchs seine Hingabe zu Krishna mehr und mehr. Letztendlich erreichte Sudama Moksha, die Befreiung der Wiedergeburt und er wurde eins mit Gott.

 

 

 

 

 

Das Festessen – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

Beim Aufräumen in Suriyans Bücherschrank sind wir auf alte Bilderbücher mit Göttergeschichten gestoßen. Ich liebe diese Geschichten! Und so habe ich angefangen, bevor ich die Bücher verschenke, einige Geschichten auf Deutsch zu übersetzen und sie in meinem Blog zu veröffentlichen. Während Kinder in der westlichen Kultur mit den Märchen der Gebrüder Grimm aufwachsen, so erzählt man hier in Indien die unzähligen Göttergeschichten …

Das Festessen

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Vor langer Zeit regierte Kubera über Lanka (heutiges Sri Lanka). Er war ein freundlicher König und teilte seine Güter und seinen Reichtum mit seinen Brüdern. Sein ehrgeiziger Bruder Ravana nutzte dies schamlos aus und scheute sich nicht davor ganz Lanka zu verlangen. Auf Rat von seinem Vater und um Blutvergießen zu verhindern, gab Kubera Lanka auf und überließ es seinem Bruder.

Er war verzweifelt, deprimiert und mittellos. Als treuer Anhänger von Shiva begann er darauf Tag und Nacht zu meditieren und zu beten. Er wünschte sich sehnlichst seinen Reichtum zurück. Seine aufrichtigen Gebete aus tiefstem Herzen erfreuten Lord Shiva. Eines Tages als Kubera im Gebet versunken war, erschien Lord Shiva vor ihm.

„Ich weiß, dass du dich nach Reichtum sehnst. Von jetzt an sollst du sehr wohlhabend werden und großen Reichtum erlangen. Was auch immer du ausgibst, dein Vermögen wird nicht weniger werden. Aber sei gewarnt: Reichtum alleine kann dich nie ganz zufriedenstellen und glücklich machen!“

Kurz darauf war Kubera ein reicher und wohlhabender Mann. Sein Traum wurde wahr und er dankte Lord Shiva überschwänglich für seine Großzügigkeit. Shivas Warnung jedoch vergaß er schnell.

Kubera baute eine prächtige Stadt auf dem Berg Mandara in der Nähe des Himalaya-Gebirges.

Alakapuri war die prachtvollste Stadt, die es je gegeben hatte. Der mächtige Palast war mit wundervollen Gärten umgeben. Anfangs herrschte Kubera freundlich, respektvoll und bescheiden über Alakapuri. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr änderte er sich. Er wurde arrogant und wollte seine Macht und seinen Reichtum überall zur Schau stellen. So beschloss er, ein riesiges Fest zu veranstalten, um allen seinen Wohlstand zu zeigen. Er arrangierte die besten Köche des Landes und suchte die besten Designer, um die Stadt und den Palast zu dekorieren. Er scheute keinerlei Ausgaben, um das perfekte Fest auszurichten.

Auch die Götter lud er zu seinem Fest ein. Mit seiner fliegenden, goldenen Kutsche Pushpaka, die selbst die Götter in Erstaunen versetzte, flog er nach Kailash um Lord Shiva und Parvati zum Fest einzuladen. Dass Lord Shiva ihm all diesen Reichtum erst möglich gemacht hatte, vergaß er dabei. Shiva durchschaute Kuberas Absichten und meinte:

„Es tut mir leid, ich bin im Moment sehr beschäftigt, aber ich werde zu meiner Repräsentation meinen Sohn Ganesha schicken.“

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Ganesha liebte gutes Essen. Auch wenn er noch ein Kind war, hatte er oft einen unbändigen Appetit. Als er hörte, dass er zum Fest durfte, freute er sich sehr und Kubera dachte, dass es ein leichtes sein würde ein Kind zufriedenzustellen.

Als sie Alakapuri erreichten, zeigte Kubera stolz seine Stadt, den Palast, die Gärten, … und Ganesha wurde immer hungriger. Als es endlich zum Speisesaal ging, begann Ganesha sofort zu essen.

Die königlichen Diener tischten die besten Speisen auf und in einigen Sekunden hatte Ganesha alles aufgegessen. Danach brachten sie die Süßspeisen und auch die waren im Nu verschwunden. Ganesha verlangte nach mehr und mehr. So servierten sie alles, was die Küche hergab. Doch auch dies befriedigte den kleinen Ganesha nicht. Er hatte immer noch einen unstillbaren Appetit. So begann er Teller, Stühle und alles was im Palast herumstand zu verschlingen. Kubera verzweifelte und bat Ganesha aufzuhören, aber der kleine Elefantengott konnte nicht mehr stoppen.

Kubera hatte Ganeshas Kräfte unterschätzt und flog in Panik wieder nach Kailash.

„Grosser Lord Shiva, bitte hilf mir ! Dein Sohn isst meine ganze Stadt auf!“, bat er.

Shiva blieb ganz ruhig, er wusste, dass Kubera seine Lektion gelernt hatte.

Er sprach: „Gib Ganesha diese Reisflocken. Übergebe sie mit Liebe und Demut, so wird mein Sohn genährt und erfreut sein.“

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Kubera dankte Lord Shiva und eilte zurück in seine Stadt. Währenddessen war Ganesha dabei die ganze Stadt aufzuessen. Kubera rannte zu ihm und bot ihm in Demut und Liebe die Reisflocken an. Sobald Ganesha die Flocken gegessen hatte, fühlte er sich satt und zufrieden.

Jetzt realisierte Kubera, dass er trotz seines unendlichen Reichtums nicht in der Lage war, den Appetit eines kleinen Jungen zu stillen und sah seinen Fehler ein.

Demut, Liebe und Respekt sind wichtiger als aller Reichtum dieser Welt.

Das Wettrennen – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

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Shiva und Parvati lebten mit ihren zwei Söhnen, Ganesha und Murugan auf dem Berg Kailash im Himalaya.

Ganesha, der ältere Sohn, war weise, bescheiden und geduldig. Murugan, der jüngere Sohn, war intelligent, voller Energie und mutig. Die beiden liebten und achteten sich gegenseitig und machten ihre Eltern Shiva und Parvati sehr stolz.

Eines Tages, als die zwei miteinander spielten, hörten sie jemanden singen: „Narayana, Narayana, …“ Ganesha und Murugan wussten sofort, dass dies nur Narada, der Götterbote sein konnte. Narada war ein grosser Verehrer von Lord Vishnu, den man auch Narayana nennt. Narada war dafür bekannt immer etwas Unsinn und Unmut zu stiften, aber er tat es immer mit guten Absichten.

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Lord Shiva fragte: „Was führt dich zu uns, weiser Narada?“ Narada verbeugte sich vor der göttlichen Familie und sprach: „Ich bringe euch die Mango der göttlichen Weisheit und des Allwissens. Wer von dieser Frucht kostet, wird damit gesegnet sein, aber nur eine Person darf davon essen.“

Sofort rannten die beiden Brüder zu ihrem Vater.

„Lieber Vater, ich bin der Ältere, bitte gib mir die Mango“, sprach Ganesha höflich.

„Lieber Vater, das ist nicht richtig. Die Älteren sollten zurückstehen und etwas für die jüngeren Geschwister opfern“, sprach Murugan überzeugend.

Narada meinte: „Grosser Lord Shiva, beide deiner Söhne haben recht. Wem willst du die Frucht nun geben?“

Lord Shiva überlegte, versank kurz in sich und verkündete:

„Liebe Söhne, ich konnte keine Entscheidung treffen. Derjenige soll die göttliche Frucht erhalten, der die Erde schneller umkreist hat.“

Murugan war begeistert. Er rief sofort seinen Pfau, stieg auf und startete die Umrundung der Erde. Murugan freute sich, denn er war sich sicher zu gewinnen. Ganesha würde mit seiner Ratte kaum eine Chance haben, als Sieger ins Ziel zu kommen.

Ganesha jedoch war etwas enttäuscht. Er wusste, dass er mit seiner Ratte nicht so lange reisen konnte. Er war jedoch weise und wusste, dass man Probleme am besten lösen konnte, wenn man sich richtig konzentriert und fokussiert. So setzte er sich hin und meditierte. Da kam ihm eine wundervolle Idee. Er stand auf, bat seine Eltern aufzustehen, faltete seine Hände zum Gebet und umrundete Shiva und Parvati mit Ehrerbietung dreimal.

Danach streckte er liebevoll seine Hände aus und meinte: „Ich habe die Welt nicht nur einmal, sondern dreimal umrundet. Kann ich bitte die Mango haben?“

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Narada schaute verwirrt und sagte: „Wie kannst du gewinnen, ohne die Welt zu umrunden?“

„Meine Eltern sind die ganze Welt für mich und ich habe sie dreimal umrundet.“

Shiva und Parvati waren berührt und ergriffen von der Weisheit ihres kleinen Ganeshas. Sie gratulierten ihm und Shiva übergab ihm die göttliche Mango.

Als Murugan zurückkehrte, war er überrascht seinen Bruder Ganesha mit der Frucht zu sehen. Doch nachdem er vernahm, wie alles geschehen war, akzeptierte er Ganesha als Sieger.

Doch die Niederlage gab Murugan zu denken. Er beschloss, nach Südindien zu reisen und die Hügel in Palani zu besuchen um dort zu meditieren und zu beten. Seine Eltern Shiva und Parvati holten ihn einige Zeit später ab, um nach Kailash zurückzukehren. Ein wunderschöner Murugan-Tempel steht noch heute in Palani (Tamil Nadu). Es gibt sechs Haupttempel für Lord Murugan in Indien. Sie heißen die „Arupadai Veedu“ und dieser in Palani ist einer davon.

Rameshwaram – auf den Spuren Ramas

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Im Süden von Tamil Nadu auf einer kleinen Landzunge an der Ostseite liegt die berühmte Pilgerstadt Rameshwaram. Die Kleinstadt, die nur 30 Kilometer von Sri Lanka entfernt ist, wird auch das Varanasi des Südens genannt und ist eng mit dem Epos der Ramayana verwoben. Darin wird erzählt wie der böse Dämon Ravana Ramas Frau Sita nach Lanka entführt. Mit der Hilfe von Hanuman, dem Affengott, und Shiva gelingt ihm die Rettung seiner geliebten Frau. In Rameshwaram hat Rama Gott Shiva um Hilfe gebeten, so ist dieser Ort sowohl für Shiva- als auch für Vishnuanhänger von Bedeutung.

Auf unserer Reise, die wir gemeinsam mit meinen Schwiegereltern unternommen hatten, besuchten wir wohl jeden Tempel in der kleinen Stadt. Jeder erzählte seine eigene kleine Geschichte, die immer von Rama, Sita und ihren Helfern handelte. Im berühmten Hanuman Tempel sahen wir die schwimmenden Steine, mit denen die Meeresbrücke nach Lanka gebaut wurde. Im höher gelegenen Gandhamadan Parvatam Tempel hinterließ Rama seinen Fußabdruck als er sich einen Überblick verschaffte um die Schlacht gegen Ravana vorzubereiten. Wir besuchten auch den Tempel, wo sich Rama und sein Bruder Lakshmana vor der Schlacht gewaschen hatten und natürlich gingen wir auch zum riesigen Haupttempel, dem Ramanatha Swamy Tempel. Hier bat Rama Gott Shiva um Beistand. Bevor ein Pilger diesen Tempel besucht, ist es üblich, sich im Meer zu reinigen.

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Viele Menschen nahmen in größeren und kleineren Gruppen ein Bad. Voll angezogen hielten sie Andacht und beteten im Meer. Von der Großmutter bis zum Kleinkind konnte man alles beobachten.

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Die vielen Menschen, die nach Rameshwaram pilgern, bringen viel Geld und Wohlstand in die Stadt, und jeder versucht sich einen Teil davon zu ergattern. So ist man immer wieder von aufdringlichen Händlern umgeben, die Souvenirs und Dienstleistungen feilbieten. Priester sitzen am Ufer, um Poojas (Andachten) anzubieten und natürlich ist Rameshwaram auch die Stadt der vielen Bettler.

Meine Schwiegermutter hatte im Vorfeld unserer Reise bereits fleißig Münzen gesammelt, um sie an die Bettler zu verteilen. An langen Sitzreihen von Bettlern und Sadhus mussten wir vorbeigehen, um zum Haupttempel zu gelangen.

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Der Tempel ist berühmt für die 22 heiligen Quellen, die Teerthas, die nie versiegen. Prabhu hatte einen der zahllosen Führer angeheuert, der uns durch die riesige Tempelanlage führte. Jede Quelle sollte aufgesucht werden. Männer, die mit Kesseln an langen Seilen das Wasser aus der Tiefe schöpften, gossen das heilige Wasser über jeden Besucher.

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So waren alle klitschnass. Ich genoss jede Kesseldusche als willkommene Erfrischung. Jede Quelle steht für eine andere Eigenschaft. So wird man gesegnet mit Gesundheit, Wohlstand, spiritueller Erleuchtung, Glück, einem langen Leben, …

Nach den 22 erquickenden Segnungen besuchten wir das Heiligste, den Shiva-Lingam und Parvati (Shivas Frau). Die heilige Asche (Vibutthi), die wir erhielten, wurde von meiner Schwiegermutter sorgfältig verpackt und auch das heilige Wasser aus den Quellen wurde in einem Bottich gesammelt. Viele Daheimgebliebene freuten sich über die heiligen Gaben.

Den Bericht über Dhanushkodi findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/danushkodi-am-ende-des-bogens/

Lord Chandikeswarar – schnipsen und klatschen im Tempel

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Vielleicht habt ihr beim Besuch eines Shivatempels auch schon beobachtet, dass Besucher bei einem bestimmten Gott immer die Finger schnipsen oder leise in die Hände klatschen. Als ich meinen Mann darauf ansprach, wusste der auch nicht so richtig Bescheid. In solchen Fällen hilft meistens mein Schwiegervater weiter, denn er verfügt über ein enormes Wissen, wenn es um die hinduistische Götterwelt geht.

„Das ist Chandikeswarar“, sagt er sofort. Er sei der Hüter und Bewacher des Tempels und eigentlich sei es falsch zu klatschen oder schnipsen, denn Sri Chandikeswarar sei in tiefer Meditation mit Lord Shiva verbunden und man sollte ihn nicht stören. Bevor man den Tempel verlasse, sollte man ihm einfach beide Hände hinhalten, um zu zeigen, dass man nichts aus dem Tempel gestohlen hat.

In früheren Zeiten war es so, dass in den Tempeln der ganze Reichtum des Landes aufbewahrt wurde. So war es Brauch, immer Chandikeswarar aufzusuchen, bevor man den Tempel verließ.

Chandikeswarar hält seine Waffen bereit, um für Gott Shiva in den Krieg zu ziehen. Wer sich unsachgemäß an einem Tempel bereichert, begeht eine große Sünde und seine Nachkommen müssen dafür büßen.

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Natürlich gibt es auch über Lord Chandikeswarar eine wunderbare Geschichte.

Vichara Sarman wurde im Dorf Senganoor (Tamil Nadu) geboren. Schon als Kind war er Lord Shiva zugewandt. Als er fünf Jahre alt war, beobachtete er, wie ein Mann eine Kuh schlug und sofort schritt er ein. „Weißt du eigentlich nicht, dass eine Kuh heilig ist? Alle Gottheiten ruhen in ihr! Unsere Aufgabe ist es, die Kühe zu beschützen und nicht sie zu schlagen!“, rief er erbost und beschloss, dass er nun auf die Kühe acht geben würde.

Von diesem Tage an hütete der Junge die Kühe und sorgte für sie. Alle konnte beobachten, dass die Kühe nun gesünder waren und mehr Milch gaben.

Eines Tages formte er aus Schlamm und Erde des Flusses Manniyar einen Lingam für Lord Shiva. Täglich schmückte er den Lingam mit frischen Blumen und goss Milch darüber und betete und meditierte, um Shiva zu ehren.

Dies blieb nicht unbemerkt und nach ein paar Tagen kam seinem Vater zu Ohren, dass sein Sohn Milch verschwenden würde. Am nächsten Tag folgte er seinem Sohn heimlich. Als er sah, wie er Milch über den Lingam schüttete, wurde er zornig und schlug seinen Sohn mit einem Stock und der Lingam fiel zu Boden. Da nahm der Junge den Stock und schlug auf das Bein von seinem Vater ein. Durch Shivas Willen verwandelte sich der Stock zu einer Axt und der Vater verlor dadurch sein Bein und sein Leben. Vichara war so in seinen Gebeten zu Lord Shiva vertieft, dass er dies nicht einmal bemerkte. Da erschien Lord Shiva und seine Frau Parvati.

Shiva sprach:“ Ich segne dich mein Kind. Meinetwillen hast du deinem Vater das Bein abgeschnitten. Doch er soll wieder leben und sein Bein zurückerhalten. Von jetzt an bin ich dein Vater. Du sollst Chandikeswarar genannt werden. Du hast mich mit Blumen und Milch geehrt und mich lobpreist, genauso sollst du jetzt verehrt werden.“

Seither wird Lord Chandikeswarar in jedem Shiva Tempel verehrt. Meistens findet man ihn, sein Blick immer gegen Süden gerichtet, in einer Ecke, wo er den Tempel bewacht.