Hilfe! Krank in Indien

Indien hält für Touristen, aber auch für Einheimische ein umfangreiches Angebot an Viren und Bakterien bereit. Während sich das Immunsystem der Inder in der Regel an die Lebensbedingungen angepasst hat, so werden die Abwehrkräfte von Touristen doch arg auf die Probe gestellt.

Was kann ich vor der Reise tun?

Aus diesem Grund lohnt es sich meiner Meinung nach 2-3 Monate vor der geplanten Reise das eigene Immunsystem etwas aufzupeppen. Ich habe mit Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel gute Erfahrungen gemacht, aber es gibt sicherlich eine Fülle an guten Produkten. Am besten man lässt sich in einer guten Apotheke oder Drogerie beraten. Auch Impfungen sollten möglichst früh geplant werden, denn auch sie können unser Immunsystem erheblich schwächen.

Auf das Impfen gehe ich hier nicht weiter ein. Bei Impffragen gehen die Meinungen weit auseinander. Das Beste ist, wenn man sich von einem erfahrenen Tropenmediziner persönlich beraten lässt. Man kann keine pauschalen Empfehlungen abgeben, denn es kommt sehr darauf an wo, wann und wie man unterwegs sein wird.

Wenn man in Indien zum Arzt oder in die Apotheke geht, bekommt man die Medikamente in der Regel genau abgezählt und ohne Verpackung und Beschreibung. Wenn man das Medikament nicht kennt, sollte man daher nachfragen und den Namen notieren. Dies könnte bei eventuellen Unverträglichkeiten wichtig sein. Indische Ärzte und Apotheker tendieren oft zu starken Medikamenten, die schnelle Besserung versprechen. Auch werden gerne großzügig Antibiotika verabreicht. Will man dies nicht, sollte man gezielt nach ayurvedischen, pflanzlichen Medikamenten fragen.

Obwohl die Medikamentenpreise in Indien um ein Vielfaches günstiger sind, lohnt es sich vor der Reise, eine persönliche Reiseapotheke zusammenzustellen. Da man nie genau weiß, wie man auf neue Medikamente reagiert, ist es immer besser, auf Altbewährtes zurückzugreifen. In Indien gibt es zwar viele Medical Shops, wie die Apotheken oft genannt werden, aber durch die engen Platzverhältnisse ist das Angebot begrenzt und man kann auch nie ganz sicher sein, wie genau Verfallsdaten eingehalten werden.

Auch ist man im Falle einer Erkrankung froh, wenn man schnell etwas zu Hand hat und nicht noch groß organisieren muss. Dies wird noch wichtiger, wenn man alleine oder mit Kindern unterwegs ist.

Erkältungs- und Durchfallerkrankungen

Die häufigsten Erkrankungen, die man in Indien bekommt, sind Erkältungs- und Durchfallerkrankungen.

Die Klimaanlagen und auch die Zugluft von Ventilatoren führen gerne dazu, dass man sich auch bei sommerlichen Temperaturen erkältet. Ich beispielsweise bin recht anfällig für Halsschmerzen. So empfiehlt es sich, immer einen Schal griffbereit zu haben.

Durchfall kann man nur vorbeugen, indem man beim Essen und Trinken gewisse Vorsicht walten lässt. So hat die alte Regel “boil it, cook it, peel it – or forget it” durchaus seine Berechtigung. Bei Streetfood, auch wenn es noch so lecker aussieht, würde ich mich persönlich zurückhalten.

Am besten man isst in Restaurants, die gut besetzt sind, so kann man sicher sein, dass die Speisen nicht lange rumstehen und alles frisch zubereitet wurde. Vorsicht ist bei allem geboten, das gekühlt werden muss. Längere Stromausfälle, die die Kühlkette unterbrechen, gehören immer noch zum indischen Alltag. Ich bin Vegetarierin und esse auswärts meistens nur in Pure Veg Restaurants. Viele entscheiden sich, in Indien auf Fleisch zu verzichten.

Von Eiswürfeln, Fruchtsäften, Eiscreme, bereits geschnittenen Früchten und Salat besser die Finger lassen! (Ausser man weilt in einem 5 Sternhotel.)

Wasser steht in den meisten Restaurants immer auf dem Tisch. Meistens wird dieses Wasser in einem Water Purifier aufbereitet. Da man jedoch grade in billigeren Lokalen nicht sicher sein kann, wie diese gewartet werden, würde ich als Tourist Flaschenwasser oder selbst gereinigtes Wasser bevorzugen. Bei gekauften Flaschen sollte man immer schnell checken, ob der Verschluss in Ordnung ist. Viele brauchen auch zum Zähneputzen Trinkwasser.

Auch bei aller Vorsicht kann es einfach passieren, dass man an Durchfall oder/und Erbrechen erkrankt. In diesem Fall ist man fast gezwungen, eine Reisepause einzulegen und in der Nähe einer sauberen Toilette zu verweilen. Das Beste ist, auch wenn es sehr unangenehm ist, mal alles aus dem Körper rauszulassen. Starker Durchfall und Erbrechen können schnell schwächen. Größte Vorsicht ist bei Kindern geboten. Es kann unglaublich schnell zu einer gefährlichen Dehydration kommen. Ich habe dies mit unserem Sohn erlebt. Er hatte zwar immer wieder getrunken, aber kurz darauf alles erbrochen. Bereits nach einigen Stunden war er dehydriert. Viel zu trinken ist das Wichtigste. Da man viele körpereigene Salze verliert, empfiehlt es sich, eine Elektrolyt-Lösung einzunehmen. Gute Dienste erweisen hier auch Aktivkohle-Tabletten und Schonkost. Zwieback (Rusk), Bananen, weisser Reis, Bouillon und gesüßter Schwarztee ohne Milch sind zu empfehlen.

Für den Notfall sollte man auch ein stärkeres Durchfallmedikament dabei haben. Falls man einen gebuchten Flug oder eine längere Zugreise wahrnehmen muss, bleibt einem fast nichts anderes übrig als darmhemmende Medikamente wie Imodium einzunehmen. Sicher für die Gesundheit nicht die idealste Lösung, da die Bakterien so im Körper verbleiben, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Um die Darmflora nach der Erkrankung wieder etwas aufzubauen, empfehlen sich Probiotika-Kapseln. Hält der Durchfall über mehrere Tage an oder wenn Blut im Stuhl ist, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Oft sind Antibiotika dann unerlässlich und durchaus berechtigt.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Natürlich kann man sich bei der Zusammenstellung vom Arzt oder in der Apotheke beraten lassen. Meist läuft man dann Gefahr, dass man mit verschiedenen Medikamenten überhäuft wird.

Ich würde mich vor allem auf folgende Medikamente beschränken:

  • Persönliche Medikamente

Wenn man auf Medikamente angewiesen ist, sollte man genügend davon mitnehmen und für Notfälle auch eine Reserve einplanen. Je nach Medikamenten vom Arzt eine Bestätigung schreiben lassen, damit man beim Zoll keine Probleme bekommt.

  • ev. Pille

Wer die Pille einnimmt, sollte auch eine Reserve einplanen.

  • Einfaches Schmerz- und Fiebermittel

z. B. Dafalgan oder Aspirin (Für Kleinkinder Zäpfchen für das entsprechende Gewicht)

  • Aktivkohle Tabletten

Da gibt es ganz verschiedene Präparate wie Carbolevure oder Carbovit

  • Stärkeres Durchfallmittel für den Notfall

(Imodium oder andere Produkte) Bei Kindern unbedingt nachfragen oder nachlesen, ob Kinder diese einnehmen dürfen und wenn ja in welcher Dosierung.

  • Elektrolyt-Lösung

Diese kann gut am Anfang der Reise in Indien gekauft werden.

  • Halswehtabletten

  • Ev. Augentropfen / Ohrentropfen / Nasenspray

Ich decke mich in der Schweiz immer mit Similasan Augentropfen ein. Durch den vielen Staub und die Zugluft kann es auch mal zu Augenreizungen kommen. Reisen Kinder mit, dann ist es auch sinnvoll, etwas gegen Ohrenschmerzen zur Hand zu haben. Die hat man ja meistens ohnehin zu Hause und sie brauchen auch nicht viel Platz. Bei Kindern ist auch ein sanfter Nasenspray zu empfehlen, vor allem wenn Flüge geplant sind. Bei verstopfter Nase kann man nämlich den Luftdruck schlecht ausgleichen, was für Kinder sehr schmerzhaft werden kann.

  • Ev. in Absprache mit dem Hausarzt ein Breitband-Antibiotikum

Dies würde ich nur mitnehmen, wenn gewisse Antibiotika nicht vertragen werden oder Allergien vorliegen. Da empfiehlt es sich, auf bewährte Medikamente zu vertrauen.

  • Ev. Probiotische Kapseln zum Wiederaufbau der Darmflora

  • Ev. ein Fieberthermometer

Wenn Kinder dabei sind, würde ich dies unbedingt mitnehmen. Achtung in Indien wird Fieber in Fahrenheit gemessen. 37. 8 Grad Celsius entspricht 100 Grad Fahrenheit. Wenn der Arzt konsultiert werden muss, vorher bereits umrechnen, damit der Arzt mit den Angaben etwas anfangen kann.

  • Pflaster

  • Desinfektionsmittel / ev. Wundsalbe

Wunden können sich in Indien schnell entzünden. Daher auch kleinste Verletzungen immer desinfizieren und wenn nötig mit einem Pflaster abdecken.

  • Verbandsmaterial für den Notfall

  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor / ev. etwas gegen Sonnenbrand

  • Mückenspray

Diesen würde ich preisgünstig in Indien kaufen. Odomos ist als Spray oder Lotion fast überall erhältlich, wirkt gut und ist sehr hautverträglich. Guter Mückenschutz ist das A und O. Viele gefährliche Krankheiten Dengue, Chikungunya und Malaria werden durch Moskitos übertragen.

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Mehr Informationen dazu findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/09/klein-laestig-und-gefaehrlich/

  • Ev. etwas gegen Mückenstiche

z. B. Fenipic plus (sehr hilfreich bei Kindern)

Wenn man ernsthaft erkrankt

Leider gibt es in Indien auch Krankheiten, die einen Arztbesuch oder sogar einen Spitalaufenthalt zur Folge haben. Hat man über mehrere Tage hohes Fieber und Gliederschmerzen, sollte man dringend zum Arzt. Meistens macht es Sinn grade ein gutes, größeres Spital aufzusuchen, denn dort sind meistens alle nötigen Geräte vorhanden. Apollo verfügt inzwischen fast in ganz Indien über Spitäler und Apotheken.

Diese Spitäler kommen dem westlichen Standard am nächsten. Kleine Spitäler und Arztpraxen verfügen oft über keine speziellen Geräte, wie Röntgen, Computertomografie, Ultraschall, …. Auch die Blutuntersuchungen werden oft außerhalb in speziellen Instituten gemacht.

Wenn es nicht grade um Leben und Tod geht, lohnt es sich, mit dem Taxi auch eine längere Strecke in ein gutes Spital zu fahren.

Natürlich sind die Gesundheitskosten in Indien um ein vieles geringer als in Deutschland oder der Schweiz. Trotzdem kommen im Notfall eben doch hohe Kosten auf einem zu. So kostet beispielsweise nur das Bett auf der Intensivstation in der Apollo-Klinik zur Zeit 9500 Rupees (rund 119 Euro). So kommen in recht kurzer Zeit eben doch hohe Beträge zusammen.

Auch ein Rücktransport nach Deutschland oder in die Schweiz kostet schnell mal ein kleines Vermögen.

Eine gute Reise- und Krankenversicherung ist ein Muss! Auch sollte man immer einen größeren Betrag für Notfälle zurücklegen. In Indien ist es üblich, dass man erst mal bezahlt. Die Notfallnummer der Krankenversicherung unbedingt auf dem Handy speichern, damit man diese sofort informieren kann. Für die Abrechnung mit der Krankenkasse alle Rechnungen und Belege sorgfältig aufbewahren und gemeinsam mit Kopien der Flugtickets und dem Visums einreichen.

Alleinreisende haben es in solchen Fällen besonders schwer. Denn in indischen Spitälern sind die Angehörigen stark gefragt. So muss man Medikamente kaufen gehen, Verbands- und Verbrauchsmaterial ersetzen, sich immer wieder um Versicherungsfragen kümmern.

Als Tourist wird man meistens sehr zuvorkommend behandelt und man bekommt auch Unterstützung. Wenn man einen Arzttermin braucht, muss man sich erst etwas umständlich anmelden und ein Formular ausfüllen. Indische Spitäler sind praktisch zu jeder Tageszeit gut besetzt und man muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Daher unbedingt Wasser und eventuell einen Snack mitnehmen. Ich weiß nicht genau wie viele Konsultationen ein indischer Arzt pro Tag abfertigt, aber es sind sehr viele. Daher gehen die Besuche in der Regel auch sehr schnell. Da wird kurz gefragt, untersucht und sofort Medikamente verschrieben, die man später selbst organisieren und kaufen muss. Die Ärzte sind sich Rückfragen von Patienten nicht gewöhnt. Lasst euch aber ja nicht einschüchtern und fragt nach. Will der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, fragt nach, ob dies auch zwingend nötig sei.

Bei hohem Fieber wird meistens eine Blutprobe angeordnet. Bevor man sein Blut abgeben kann, muss man wieder zuerst die Untersuchung bezahlen. Alleine bei hohem Fieber und einem schlechten Allgemeinzustand kann man dies nicht alleine bewältigen und ihr müsst ganz klar Unterstützung verlangen. Das Spital wird schon einen Angestellten auftreiben, der euch hilft.

Als ich und unser Sohn am Dengue-Fieber erkrankten, lagen wir rund eine Woche im Spital. Natürlich ist dies nie eine tolle Erfahrung, vor allem wenn man auf Reisen und vielleicht alleine unterwegs ist. Doch wenn man ein gutes Spital ausgewählt hat und eine gute Krankenversicherung hat, ist die Versorgung durchaus mit den Standards der Schweiz oder Deutschland zu vergleichen.

Ich wünsche euch immer gute Gesundheit und wunderschöne Momente in Incredible India!

 

 

 

Von einfachen indischen Lösungen und haarsträubenden Ideen der Schweizer

Abgezählte Medikamente

Die Medikamentenabgabe überzeugt mich Indien voll und ganz. Problemlos kann man hier in einer Apotheke eine einzige Kopfweh- oder Halswehtablette kaufen und nach einem Arztbesuch bekommt man beim Apotheker die abgezählten Tabletten, die verschrieben wurden. Es bleibt also nichts übrig, nichts muss entsorgt werden und man bezahlt genau für die Menge, die man braucht.

Was ich zuerst etwas befremdlich fand, war der fehlende Beipackzettel in Mikroschrift. In der Schweiz habe ich da jeweils kurz reingeschaut und dachte danach ängstlich, dass man dies mit all diesen Nebenwirkungen eigentlich nicht schlucken sollte. Also was solls! Inzwischen kann ich dieses Kleingedruckte ohne Lesebrille eh nicht mehr lesen und im Internet lassen sich, falls es nötig sein sollte, all die Informationen googeln.

Dieses System macht nicht nur aus spartechnischen Gründen Sinn, sondern vor allem auch aus ökologischen. Wenn ich da an die vielen Medikamente denke, die in den sogenannten Wohlstandsnationen einfach in den Müll geworfen werden! Auch wenn sie beim Apotheker zur vorbildlichen, fachgerechten Entsorgung zurückgebracht werden, ist dies im Grunde genommen ein ökologischer Schwachsinn.

Wie habe ich mich gefreut, als ich gehört habe, dass die Tessiner Apotheker in der Schweiz beschlossen haben, Antibiotika nur noch abgezählt abzugeben. Da jammert ganz Helvetien immer unter den hohen Gesundheitskosten und den exorbitanten Medikamentenpreisen und man kommt nicht auf diese simple Idee.

Doch im Verlauf des Berichtes sträubten sich mir die Haare. Der Kranke darf nämlich die ganze Packung bezahlen und bekommt dafür seine abgezählten Tabletten. Die überzähligen, einwandfreien Reste werden, sobald klar ist, dass der Kunde die Behandlung nicht weiterführen muss, entsorgt! Ja, entsorgt! Ist das nicht unfassbar? Und nun rühmen sich die Apotheker, dass dadurch etwas gegen die Antibiotikaresistenz getan wird.

Da sitze ich im fernen Indien, einem Schwellenland mit vielen grossen Problemen und verstehe für einen Augenblick die Welt nicht mehr.