Geduld

E34BE7BF-6D9C-4B36-9937-9E3598684F09

Geduld bringt Rosen!

Das hat meine Großmutter oft zu mir gesagt, als ich ein Teenager war. An diese weisen Worte habe ich in Indien oft denken müssen. Das Leben hier ist eine reine Geduldsprobe und wer denkt, schnell etwas erledigen zu können, der wird erst recht auf die Schneckenspur gelenkt.

Im Großen und Ganzen finde ich eigentlich, dass ich hier schon etwas gelassener und geduldiger geworden bin. Meistens stehe ich ja auch nicht unter Zeitdruck und wenn man in Indien etwas zu spät kommt, ist man immer noch pünktlich.

Doch heute ist es etwas anders. Meine Angestellte, die mir auch im Haushalt zur Hand geht, meldet sich schon wieder krank und so muss ich selbst den Haushalt schmeißen, mit meinem Schwiegervater kochen und danach noch einkaufen gehen. Mein Liebster liegt mit Durchfall im Bett und kann mich nicht zum Supermarkt fahren und um zwei Uhr kommt Suriyans Freund für einen Sleepover. So bestelle ich kurzerhand einen Calldriver, der sich auch verspätet und um 12:30 geht es endlich los. Der Einkauf geht mit Suriyans Hilfe zügig voran und schnell haben wir alles im Einkaufswagen. Doch obwohl es kaum Leute hat, müssen wir an der Kasse warten. Ausgerechnet zur griesgrämigen Kassiererin, die nie lächelt und noch langsamer als eine Schnecke arbeitet, werden wir geschickt. Erst muss sie noch lange Geld zählen, dann die Papierrolle für das Kreditkartengerät wechseln, dann die Ablage etwas aufräumen, … InderInnen wirken auf mich nie gestresst und lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn viele Leute anstehen, arbeiten sie ruhig, gemütlich und stressfrei. Eigentlich bewundernswert!

Dummerweise habe ich heute Essiggurken gekauft. Die sind lange nicht im Computer zu finden und schließlich holt die Frau dann Hilfe. Der junge Inder, der herbei kommt, findet die Gurken sofort im System und weiter geht es mit dem Einscannen.

Da kommt am Schluss noch die Nivea Creme!

Während die Frau seelenruhig das ganze System absucht, werden Suriyan und ich ganz zappelig und ich spüre, wie sich die Ungeduld in mir ausbreitet wie ein Buschfeuer … die Rosen der Geduld liegen in weiter Ferne.

Gottlob erscheint nach einiger Zeit wieder unser junger Retter und endlich, endlich können wir bezahlen.

Noch schnell in den Pazhamudirsolai, unseren Früchte- und Gemüseladen und dann geht’s ab nach Hause.

Es ist kurz nach zwei Uhr und Suriyans Freund, ein halber Kanadier, steht natürlich schon pünktlich vor dem Tor!