Alamparai Fort –  aus meinem Tagebuch vom Juli 2008

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Heute fahren wir zu den Ruinen des Alamparai Forts, das rund 100 km von Chennai entfernt an der ECR Richtung Pondicherry liegt. Auf dem Weg sehen wir ein Dorf, das an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnert. Kleinste Häuser, die mit Spenden aus dem Ausland errichtet wurden, stehen in Reihen eng nebeneinander.

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Als wir aussteigen, will uns ein Junge unbedingt herumführen und sich natürlich ein Taschengeld verdienen. Schliesslich lassen wir ihn gewähren. Das quadratisch angelegte Fort liegt direkt am Meer und die zerfallenen Überreste und Mauern lassen das einstige imposante Fort der Mogulen nur schwer erahnen.

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Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Fort von moslemischen Herrschern erbaut. Von 1736-1740 stand es unter der Kontrolle von Nawab Dost Alikhan und 1750 wurde das Fort dem grossen französischen General Joseph Francois Dupleix als Geschenk übergeben. Dupleix liess in Alamparai seine Goldmünzen prägen und exportierte vom Hafen aus Textilien, Salz und Butterschmalz. Später, im Kampf gegen die Briten, wurde das Fort grösstenteils zerstört.

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Unser kleiner Führer erweist sich als geschäftstüchtig und er macht uns eine Bootsfahrt mit einem Fischerboot schmackhaft. So fahren wir mitten in der Mittagshitze aufs Meer hinaus. Der Fischer hat zwei seiner Söhne dabei, die aus dem Staunen kaum herauskommen. Als wir unseren Fahrer Venkatesh am Ufer erblicken und den Fischer bitten anzuhalten, damit er auch mitfahren kann, kommt noch eine indische Grossfamilie dazu. Der Preis ist schnell ausgehandelt und so tuckern wir mit 15 Menschen an Bord los.

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Als der Junge des Fischers noch einen Einsiedlerkrebs fängt und ihn den Kindern zeigt, kommt unser Sohn nicht zum Staunen heraus und ist gänzlich zufrieden.

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Im Zoo – aus meinem Tagebuch vom März 2007

2110 079Um 15.30 Uhr geht’s los. Wir wollen, d.h. ich will mit Suriyan in den Zoo. Prabhu hat gegen die Langeweile, die ihn in Anbetracht der Tiere überkommt, einen Freund eingeladen uns, d.h. ihn, zu begleiten.

Da sind wir nun: Zwei indische Männer, die beide nicht grade vor Zoomotivation strotzen, eine weisse Frau mit einem Kinderwagenmodell, das indische Menschen noch niemals zuvor gesehen haben und dementsprechend ihre Köpfe verrenken, und natürlich Suriyan, unser kleiner Star. 15 Rupien Eintritt kostet das Vergnügen für eine erwachsene Person und für die Kamera bezahlen wir zusätzlich 25 Rupien.

Es hat viele Leute wie überall in Chennai. Viele Familien mit riesigen Taschen und Thermoskrügen, den halben Haushalt mittragend, begegnen uns. Manche indische Familien verbringen den ganzen Sonntag im Zoo. Aber auch junge Paare, Schulklassen und Gruppen von jungen Männern, die sich scheinbar mehr für die indische Weiblichkeit interessieren als für die Zoowelt, gehören zu den Besuchern. Eine Gruppe junger Mädchen stürzt sich auf Suriyan im Kinderwagen. Jede kneift ihn liebevoll in die Wange, schüttelt seine Hand, … Nach der dritten Attacke wird es sogar unserem Suriyan, der diese Zärtlichkeiten normalerweise wacker über sich ergehen lässt, zu viel und er versteckt sein Gesicht.

Zuerst geht es Richtung Tigergehege, denn auf das gestreifte Nationaltier haben wir auf unserer Safari in Bandipur vergeblich gehofft. Der indische Tiger, ein Prachtkerl, ist wirklich in seinem Gehege und trottet gelangweilt hin und her. Suriyan ist begeistert. „Va, va Tigel“, ruft er. (Va heisst in Tamil „komm“) Auch die Löwen versucht er in Tamil anzulocken, aber die halten ihre Siesta und zeigen sich nur schlafend, da kann Suriyan noch lange rufen. Wir sehen den indischen Gaur, Sambarhirsche, Affen,… viele Tiere, die wir auf der Safari in freier Natur gesehen haben.

Der Zoo ist riesig, weitläufig und wir können gar nicht alles sehen, denn die Zeit geht im Flug vorbei und um 18.30 wird geschlossen. So verzichten wir auf die Reptilien und Schlangen. Ich bin positiv überrascht von den grossen Gehegen für die Tiere. Da habe ich in der Schweiz schon anderes gesehen.

Langsam schlendern wir zurück. Beim Ausgang vor der Springbrunnenanlage verewigt sich eine indische Grossfamilie auf einem Foto. Eigentlich möchte ich mit knipsen, getraue mich aber nicht …

 

Am Strand

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Heute äussert Suriyan wiedermal den Wunsch an den Strand zu fahren. So buche ich am späten Nachmittag einen Calldriver und wir fahren zum Besant Nagar Beach. Schon länger waren wir nicht mehr dort. Als Suriyan klein war, gingen wir regelmässig ans Meer und liessen ihn im Wasser plantschen und spielen. Es ist eigentlich alles immer noch genauso wie vor Jahren: Das Karussell mit den Holzpferdchen, das kleine Rad, der Ballon-Schiessstand und auch die Maiskolbenröster richten langsam ihre Stände ein. Irgendwie überkommen mich nostalgische Gefühle!

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Leider ist der Strand sehr verschmutzt, überall liegt Müll herum und ich ärgere mich, dass ich keinen Plastiksack und Handschuhe zum Sammeln mitgenommen habe. Ich hätte Zeit etwas für meine Umwelt zu tun. Ich merke, dass ich jetzt einfach ausblenden muss, denn ansonsten kann ich diese Stunden nicht geniessen. So richte ich meinen Blick einfach auf die schäumenden Wellen, den wunderbaren Wolkenhimmel und auf das heitere Treiben rundherum.

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Suriyan ist wie immer sofort im Wasser. Und auch hier staune ich wie sich mein fast 14-jähriger Sohn immer noch für Stunden mit Wasser, Muscheln und Sand beschäftigen kann. Ein richtiger Wassermensch!

In Indien kennt man keine Badekultur. Die meisten können nicht schwimmen und Frauen gehen höchstens mit der ganzen Kleidung ins Wasser. Das Meer hier ist gefährlich, es hat starke Strömungen und leider liest man immer wieder von Übermütigen, die nicht mehr ans Ufer zurück schwimmen können und ertrinken. So plantschen und vergnügen sich alle am Rand der Bengalischen See.

Ich setze mich auf meine Schuhe am Strand, höre dem Meeresrauschen zu, beobachte meinen Sohn und was um mich herum passiert und merke, wie es mich runterfährt und beruhigt. Es dauert nicht lange und die erste Handleserin kommt auf mich zu und will mir die Zukunft voraussagen. Sie meint mir was Wichtiges mitteilen zu müssen, aber ich wimmle sie schliesslich erfolgreich ab. Langsam kommen immer mehr Menschen an den Strand. In Chennai ist man niemals allein.  Viele Familien mit Kindern sind unterwegs, aber mit der kommenden Dunkelheit sieht man auch immer mehr verliebte Pärchen. In der Dunkelheit können sie das meist verbotene Zusammensein geniessen. Eine Glocke reisst mich aus meinen Gedanken. Der Zuckerwattenverkäufer! Immer noch gibt es diese künstlich, pinken Zuckerwatten, die ich nie und niemals essen würde.

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Der Strand ist voller Leben und natürlich ist es auch ein guter Ort um Geschäfte zu machen. Junge Männer sind mit Pferden eingetroffen um Kunden fürs Reiten zu gewinnen und der Ballonverkäufer quietscht eifrig mit seinen Ballons um sein Geschäft anzukurbeln. Es kommt ein Mädchen mit Wasserbeuteln vorbei, ein Mann mit Tee, ein Zukunftsleser mit einem Papagei, ein Flöten- und Seifenblasenverkäufer, eine weitere Handleserin, … Strand-Business!

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Langsam überzeuge ich meinen Sohn, der sich halb eingebuddelt von den Wellen umspülen lässt, diesen geschäftigen Ort zu verlassen…

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Nationalismus und Superhelden

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Natürlich hat mich unser Sohn bereits Wochen vor dem Filmstart des neuen Marvel Movies „Avengers – Infinity War“ informiert, dass er diesen Film unbedingt sehen will, beziehungsweise sehen muss!

So habe ich rund eine Woche nach Filmstart zwei Tickets ergattert, denn obwohl IMAX 3D für indische Verhältnisse sehr teuer ist, war immer alles voll ausgebucht. Über 1200 Rupien kostet der Kinospass für zwei Personen, das entspricht rund 18 Franken und dazu kommen natürlich noch Snacks und Getränke.

Anfangs Mai war es dann soweit!

Frühzeitig treffen wir in der Phoenix Mall ein und marschieren zu den Kinosälen. Eingedeckt mit Popcorn, Getränken und den 3D Brillen, die uns am Eingang übergeben wurden, suchen wir unsere Sitzplätze. Der Kinosaal ist voll besetzt. Nach einer kurzen Werbung wird die indische Nationalflagge im IMAX Format und flatternd im Wind eingespielt und alle erheben sich unisolo zur Nationalhymne. Seit Premierminister Modi an der Macht ist, müssen wieder alle Kinos vor Filmstart die Nationalhymne abspielen. Mir ist dies wirklich zu viel Patriotismus, aber sitzenbleiben, ist scheinbar sogar strafbar.

Der Film beginnt und bei jedem Superhelden, der auf der Leinwand erscheint, tobt, pfeift und jubelt das mehrheitlich junge Publikum. In der Pause kauft uns mein Sohn Premium Ice Cream – natürlich auch wieder teuer, dafür wirklich lecker!

Die Zuschauer leben und fiebern mit den Superhelden mit. Ich kenne mich mit dieser grossen Vielfalt von Marvel Superheros nicht so gut aus und muss ab und zu meinen Sohn fragen, wer dies denn nun sei. Jeweils ganz empört, informiert er mich kurz angebunden: „Was du kennst Captain America nicht? Das ist doch Doctor Strange! ….“ Wenigsten habe ich Black Panther und The Guardians of the Galaxy gesehen und kenne diese Helden!

Am Schluss des Filmes frage ich meinen Sohn: „Sag mal, warum hat eigentlich Wonder Woman (die kenne ich nämlich auch) nicht mitgekämpft?“ Mein Sohn schüttelt den Kopf. „ Amma, she’s not from Marvel! She’s a heroine from DC!“

Eines kann ich nach diesem Kinofilm sagen: Punkto Superhelden habe ich mein Allgemeinwissen enorm erweitert ;-)!