Happy Pongal!

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Pongal-Töpfe

Vom 14. bis am 17. Januar feiern wir das Erntedankfest Pongal, das wichtigste hinduistisches Fest für die Tamilen.

Am ersten Tag, an Bhogi, verbrennt man symbolisch etwas Altes, um sich fürs Neue, für das Kommende bereit zu machen. Die Luftverschmutzung, die jeweils daraus resultiert, ist immens.

Der Hauseingang wird mit kleinen Palmblätter-Girlanden und mit frisch geerntetem Zuckerrohr geschmückt.

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Palmblätter-Girlande

Überall an den Straßenrändern sieht man kleine Stände, die Zuckerrohr, Palmblätter-Girlanden, Gelbwurz und Pongal-Töpfe verkaufen. Viele Leute sind mit den langen, nicht sehr transportfreundlichen Zuckerrohrstangen unterwegs.

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Zuckerrohr
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Gelbwurz
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Unterwegs mit langen Zuckerrohrstangen
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Pongal-Töpfe aus Ton, manche sind auch bunt bemalt

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Der zweite Tag, das große Pongal, ist der bedeutsamste Feiertag. An diesem Tag tragen die meisten neue Kleidung. Es ist der Tag der Sonne, der dem Sonnengott gewidmet ist. Vor den Hauseingängen streuen die Frauen oft bereits am Vorabend in stundenlanger Arbeit wunderschöne farbige Rangolis.

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Rangoli von meiner Schwägerin

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Viele Familien kochen oft im Hinterhof unter freiem Himmel Pongalreis. Pongal bedeutet in Tamil wörtlich „überkochen“. Neben dem normalen Pongalreis kochen wir auch immer Sakkarai-Pongal, einen süssen Reis mit Jaggery und Cashew-Nüssen.

Ein kleiner, schön geschmückter Altar wird gegenüber den Töpfen aufgebaut. Allerhand wird dort dem Sonnengott dargeboten. Zuckerrohr, Mangoblätter, Neemblätter, Gelbwurz, elf verschiedene Gemüse und natürlich auch die üblichen Altargaben (Bananen, Kokosnuss und Bettelnussblätter) dürfen nicht fehlen.

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Kleiner Altar im Hinterhof bei meiner Schwägerin
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11 verscheidene Gemüse

Mit den 11, manchmal auch noch mehr Gemüsesorten (Kochbanane, Süßkartoffel, Kartoffel, Kürbis, Aubergine, Bohnen, Elefantenfuß, Bananenstamm, Yam, Arum und Kefenwird ein spezieller Sambar (Gemüse-Soße) zubereitet. Wichtig hierbei ist, dass die Anzahl der verschiedenen Gemüse ungerade ist. Nachdem das Essen auf einem Bananenblatt angerichtet wird, beginnt die Pooja-Zeremonie. Man betet zu den Göttern, zu den Ahnen und am Schluss unter freiem Himmel zur Sonne. Man bedankt sich für die reiche Ernte und ruft „Pongal-o-Pongal“. Eigentlich sollte man den Pongalreis, um Wohlstand, Glück und Überfluss zu bewirken, überkochen lassen. Bevor man selbst etwas zu essen bekommt, wird auf einem kleinen Bananenblatt von allen feinen Speisen etwas daraufgelegt. Dieses wird dann draußen für die Ahnen hingelegt. Wenn man „Kaa, kaa, kaa“ ruft, geht es nicht lange und die Krähen machen sich über die Leckereien her. In Indien stehen die schwarz Gefiederten den Ahnen nahe und sind die Boten zwischen dem Dies- und Jenseits.

Am dritten Tag, an Maattu-Pongal, dankt man den Kühen und Büffeln für ihre Dienste. Sie werden an Maattu-Pongal richtig verwöhnt. Am späten Nachmittag werden die Tiere schön geschmückt, gesegnet und die Hörner werden farbig bemalt. Die Ochsen werden vor einen Wagen gespannt und eine kleine Fahrt zum nächstgelegenen Tempel wird unternommen.

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Rangoli für Maattu-Pongal

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Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge werden gereinigt, geschmückt und gesegnet.

Der letzte Tag ist Fun und Spaß. Man besucht Familie und Freunde. Die Kinder bekommen Geld und Süßigkeiten. Viele machen einen Ausflug an den Strand, so ist der Marina Beach in Chennai an diesem Tag völlig überbevölkert.

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Marina Beach an Pongal

 

 

 

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Die Schattenseiten von Deepavali

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Ich freute mich sehr, als ich hörte, dass der Supreme Court of India endlich aktiv wurde und den Gebrauch von Feuerwerk an Deepavali auf zwei Stunden beschränkte.

Die Luftqualität , der sonst schon belasteten Städte, wird durch Feuerwerk nochmals immens verschlechtert. Die schlechte Qualität des Feuerwerks führt zu einer enormen Rauchentwicklung. Ich kann mich nicht erinnern, dass Feuerwerk in der Schweiz jemals so viel Rauch produzierte. Das meiste Feuerwerk wird scheinbar in Sivakasi (Tamil Nadu) hergestellt, aber auch chinesische Waren werden jedes Jahr mehr und mehr verkauft. Wie die Arbeitsbedingungen und Menschenrechte in diesen Fabriken aussehen, möchte ich mir nicht einmal vorstellen.

Auch für die Tiere in den Städten ist Deepavali ein Albtraum. Sie können von der Knallerei nicht flüchten und sind den lauten Böllern gnadenlos ausgeliefert. Jedes Jahr sterben viele Tiere durch den unglaublichen Stress und durch Unfälle mit Knallkörpern.

Auch für unsere Hunde ist Deepavali mit viel Stress verbunden, obwohl sie zu Hause in Sicherheit sind.

Was mich auch jedes Jahr aufs Neue ärgert, ist die Tatsache, dass man auf der Strasse einfach achtlos alles entsorgt. Im Vorfeld werden die Häuser sorgfältig geputzt und nach Deepawali sehen die Strassen aus wie Müllhalden. Abgebrannte Zuckerstöcke, bengalische Stäbchen, Verpackungsmaterial, Geschenkpapier… alles bleibt auf der Strasse liegen. Irgendjemand wird es in den nächsten Tagen ja schon putzen.

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Aus diesen Gründen haben wir vor zwei Jahren beschlossen bei diesem Feuerwerks-Spektakel nicht mehr mitzumachen. Lieber geben wir Suriyan dafür einen Batzen und spenden etwas für Bedürftige.

Ich bin sehr erstaunt, dass die Verordnungen des Supreme Courts so gut eingehalten wurden. In Tamil Nadu durfte man von 6 -7 Uhr morgens und von 7- 8 Uhr abends Feuerwerk anzünden. Natürlich gab es auch Knaller vor und nach den offiziellen Zeiten, aber im Vergleich zu anderen Jahren war die ganze Knallerei viel erträglicher. Die Polizei in Tamil Nadu wurde in über 2100 Fällen von unerlaubtem Gebrauch von Feuerwerk aktiv. Es gab Bussen bis zu 200 Rupees und 650 Uneinsichtige wurden sogar festgenommen. Diese Aktionen der Polizei werden wahrgenommen und wirken hoffentlich auch präventiv für das nächste Jahr.

Vijayadasami – aus meinem Tagebuch vom 21. Oktober 2007

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Suriyan sieht aus wie ein kleiner Prinz in seiner traditionellen indischen Kurta und der dicken Goldkette, die er von seinen Grosseltern geschenkt bekommen hat.

In der Playschool feiern wir heute Vijayadasami, es ist der Tag des Neustarts. Eigentlich der ideale Zeitpunkt um ein Geschäft zu gründen oder eine Ausbildung anzufangen. An der Schule werden neue Kinder aufgenommen und alle Schüler dürfen an einer Segnung teilnehmen. Vijayadasami ist der zehnte und letzte Tag von Navaratri und in Tamil Nadu ist die Schirmherrin die Göttin Saraswati. Sie ist die Göttin des Wissens und der Künste. Wenn es um Lernen, Erziehung, Ausbildung und Kunst geht, ist sie die richtige Ansprechperson.

Im Unterrichtsraum haben die Lehrerinnen einen schönen Altar aufgebaut. Bilder von Saraswati und Gansha stehen mit Blumengirlanden geschmückt darauf. Lord Ganesha darf an diesem Tag natürlich auch nicht fehlen, denn er beseitigt alle Hindernisse.

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Am Boden sind wunderschöne farbige Rangoli gestreut. Suriyan darf seiner Playschool-Auntie auf den Schoss sitzen und in eine grosse, silberne Schüssel gefüllt mit Reis das heilige Zeichen OM schreiben. Bevor die Kinder beginnen zu schreiben, wird dieses Ritual durchgeführt.

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Suriyan faltet vor dem Altar kurz seine Hände zum Gebet und danach bekommt er ein kleines Geschenk.

Für die Lehrerinnen haben wir Früchte und einen grosszügigen Batzen mitgebracht, denn es ist auch ein Tag um sich beim Guru (Lehrer) zu bedanken, ihn zu ehren und zu beschenken.

Ayudha Pooja – die Vereherung der Werkzeuge

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Die Geschäfte am Strassenrand haben die Eingänge mit jungen Bananenstauden, mit Blumen- oder mit Palmblattgirlanden dekoriert und viele geschmückte Autos, Lastwagen und Motorräder sind heute auf den Strassen unterwegs.

Es ist Ayudha Pooja. Als Teil von Navaratri werden heute, am neunten Tag,  alle Werkzeuge lobpreist und gesegnet. Für die Pooja sind Bananen absolut unerlässlich, denn die Bananenpflanze steht für Fruchtbarkeit und Reichtum, denn von der Bananenpflanze kann alles verwendet werden. Die Blätter werden als Teller gebraucht, der Stamm, die Früchte und auch die Blüten werden gegessen.

Ayudham bedeutet in Tamil Waffen, Werkzeuge. In den meisten Familien werden die wichtigsten Gebrauchsgegenstände durch eine Pooja gereinigt und gesegnet.

Nach der Pooja vor dem Hausaltar geht der Hausherr oder die Hausherrin mit einem Deepa-Aradhana (Deepa= Flamme, Aradhana= Umkreisung), einem Messinggefäss mit einer kleinen Flamme, im Haus umher und umkreist mit der Flamme alles was im Haus von Bedeutung ist. Dabei wird immer eine kleine Glocke geläutet. Die Wasserpumpe, der Sicherungskasten, der Mixer, die Nähmaschine, der Fernseher, der Computer, der Kochherd, der Kühlschrank, der Schmucktresor, die Waschmaschine … all diese selbstverständlichen Dinge, die uns den Alltag ungemein erleichtern, rücken ins Zentrum und werden gesegnet und lobpreist.

Auch die Schulbücher und Stifte der Schulkinder und Studenten liegen beim Hausaltar und werden gesegnet.

In jeder Berufsgruppe sieht die Ayudha-Pooja etwas anders aus. Soldaten und Polizisten segnen ihre Waffen, Handwerker ihre Werkzeuge, Schüler und Studenten ihre Bücher und Stifte, Rikshafahrer ihre Tuk-Tuks, …

Bei Prabhu auf der Baustelle werden immer alle Werkzeuge gereinigt und die Baustelle wird dekoriert. Jeder Arbeiter zerschlägt in einem kleinen Ritual einen gesegneten Backstein in zwei Teile. Danach bekommen alle Früchte, Süssigkeiten und einen Batzen, der dem Tageslohn entspricht.

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Navaratri – neun Nächte für die Göttinnen

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Navaratri sind wichtige Feiertage im hinduistischen Jahreslauf. Das Fest dauert neun Nächte und wird nach dem Hindukalender im Monat Ashwin gefeiert. Das Fest richtet sich nach dem Mond und findet in der hellen Mondphase statt.

In Indien wird Navaratri sehr unterschiedlich gefeiert. Doch ein gemeinsames Thema zeigt sich überall: Der Sieg des Guten über das Böse.

In Tamil Nadu stehen die drei Göttinnen Durga, Lakshmi und Saraswati im Zentrum.

Es gibt viele Inkarnationen der Göttin Durga. Mit mindestens 108 Namen wird sie aufgerufen. Die wichtigste Funktion der Göttin ist es, das Böse zu zerstören und das Gute zu wahren. Sie gilt als Mutter des Universums. Sie ist die Kraft hinter der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums. Sie wird mit acht oder sogar zehn Armen dargestellt, trägt Waffen und reitet auf einem Löwen oder Tiger. In Tamil Nadu wird sie Amman genannt.

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Lakshmi ist die Göttin des Wohlstandes, des Glücks und der Schönheit. Sie ist die Frau Vishnus und eine gütige und gnädige Göttin.

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Saraswati ist die Göttin der Künste, des Wissens und der Weisheit. Sie ist die Frau von Brahma und wird mit vier Armen dargestellt. Sie hält die heiligen Schriften, eine Lotusblüte und mit zwei Händen spielt sie das indische Saiteninstrument Veena. Sie schliesst das zehntägige Navaratri-Fest am letzten Tag ab. An Vijayadashami legen die Schüler und Studenten ihre Bücher vor ihr nieder und bitten sie um ihren Segen.

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Während des Navaratri-Festivals bekomme ich immer wieder Einladungen. Viele Familien, vor allem Brahmanen, stellen während Navaratri in ihren Häusern Golus auf. Dabei handelt es sich um eine schöne Tradition in Tamil Nadu. Auf Treppenstufen werden farbige Figuren aufgestellt. Die Stufen symbolisieren quasi die Entwicklungsstufen. Auf den untersten Stufen stehen Steine, Pflanzen, Tiere und danach wird oft das ländliche Alltagsleben der Menschen dargestellt. Wieder eine Stufe höher stehen dann die Gurus, die Lehrer und die obersten Stufen sind für die Götter und Göttinnen.

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Liebevolle Details aus dem Alltagsleben

 

Ein Golu bleibt während der ganzen Navaratri-Zeit stehen. Man lädt Familie, Freunde und Bekannte ein. Meistens wird den Gästen Sundal (Hülsenfrüchte) und eine Süssigkeit angeboten. Verabschiedet wird man dann mit Sandelholzpaste, Kumkumpulver und Vibhuti, die man sich auf der Stirn aufträgt und immer gibt es auch noch ein kleines Geschenk.

An Suriyan’s Schule findet während Navaratri auch immer die Garba-Night statt. Dies ist ein Brauch aus dem Norden. Man tanzt gemeinsam, viele bringen Dandiya-Stöcke mit, die zum traditionellen nordindischen Garba-Tanz gehören.

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Happy Vinayaka Chaturthi

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Heute feiern wir Vinayaka Chaturthi, Lord Ganeshas Geburtstag. Es ist ein wichtiger Feiertag im Hinduismus und die Schulen haben geschlossen. Ganesha, der elefantenköpfige Gott, ist mein Lieblingsgott in der hinduistischen Götterwelt. Für mich strahlt er Ruhe, Gemütlichkeit, Weisheit und unendliche Geduld aus. Scheinbar wird er niemals zornig und für alles, was neu beginnt und für die Bewältigung von Hindernissen ist er der ideale Begleiter. Besucht man einen Tempel, dann ist Ganesha meistens auf der linken Seite zu finden und die ersten Gebete gehören immer ihm.

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Über seine Geburt ranken sich viele Legenden. Eine erzählt davon, dass Parvati, Shivas Frau, Ganesha aus Lehm erschaffen hat. In der Abwesenheit von Shiva formte sie einen schönen Jungen und erweckte ihn mit Gangeswasser zum Leben. Sie nannte das reine Wesen Ganesha und beauftragte ihn ihr Badehaus zu bewachen. Als Lord Shiva nach Hause kam und Einlass verlangte, verwehrte ihm Ganesha diesen. Shiva wurde so zornig, dass er Ganesha den Kopf abschlug. Parvati war untröstlich über den Verlust und so befahl Shiva seinen Dienern den Kopf des ersten Lebewesens zu bringen auf welches sie treffen würden. Kurz darauf brachten diese den Kopf eines Elefanten. Shiva setzte den Kopf auf den enthaupteten Rumpf und brachte Ganesha ins Leben zurück.

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In der Küche wird heute einiges los sein. Modak, in Tamil Kozhukattai, Ganeshas Lieblingssüss-Speise wird zubereitet, eine Art Dumplin mit einer Nussfüllung. Schon gestern haben wir die Nussfüllung zubereitet.

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An den Strassenrändern werden schon seit Tagen Ganesha-Figuren aus ungebranntem Ton verkauft. Diese werden nach einer Pooja-Zeremonie einige Tage später dem Wasser, oft dem Meer, übergeben. Leider sind die Ganesha-Figuren oft auch bemalt oder es werden billigere Gipsfiguren verwendet. Die Leute werfen die Figuren dann mitsamt Dekorationen ins Meer- die immense Verschmutzung, die daraus resultiert kann man sich vorstellen.

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Der Tempel in unserer Nähe wird am Abend Lord Ganesha ausführen. Auf einem wunderschön mit Blumen geschmückten Götterwagen dreht er eine Runde durch unser Quartier. Hören die Leute die Trommler, die voran gehen, strömen sie aus ihren Häusern, bringen Opfergaben und beten zu Lord Ganesha.

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Von Schwester zu Bruder – Rakhi-Purmina

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Heute ist Rakhi-Purnima oder auch Raksha Bandhan, ein hinduistischer Feiertag, der vor allem im Norden Indiens bekannt ist. Das Fest richtet sich nach dem Mond und findet immer im Monat Shravana, dem fünften Monat des hinduistischen Jahres, bei Vollmond statt. Es ist das Fest der geschwisterlichen Verbindung. Als Zeichen ihrer Liebe bindet die Schwester ein Rakhi-Band, das zuvor vor dem Hausaltar gesegnet wurde, ums Handgelenk des Bruders. Er dagegen überreicht daraufhin ein kleines Geschenk oder Geld und verspricht seinen Beistand und Hilfe.

Auch Cousins und Freunde können auf diese Weise beehrt werden. Durch das Ritual werden sie zu Rakhi-Bruder und Schwester und sind zu gegenseitiger Hilfe und Unterstützung verpflichtet. Das Rakhi-Band ist ein Symbol der Reinheit und schliesst eine Liebesbeziehung aus. Manche Frauen und junge Mädchen setzen das Band auch als Zeichen ein, wenn sie eine Freundschaft bewahren und erhalten, aber keine Liebesbeziehung eingehen möchten.

In Tamil Nadu merkt man kaum etwas von diesem Fest. Wenn unser Sohn Suriyan nicht jedes Jahr von seiner „Schwester“ oder „Sis“, wie er zu sagen pflegt mit einem Rakhi-Band beehrt würde, dann würde dieser Feiertag sang und klanglos an mir vorbei ziehen. Die beiden gehen in die gleiche Klasse und es verbindet sie tatsächlich mehr als Freundschaft. Sie sind eben Sis und Bro ;-)!

Als Suriyan das Rakhi-Band zum ersten Mal erhielt, sprach Prabhu lange mit ihm darüber, was dies bedeutet und dass er mit der Annahme des Rakhi-Bandes auch Pflichten eingeht. Es ist nicht einfach ein Freundschaftsband, sondern eben ein Band, das zu gegenseitiger Liebe, Schutz und Unterstützung verpflichtet.