Diwali-Stress und Feuerwerk

Das kommende Lichterfest Diwali hat mich die letzten Tage beschäftigt. Es ist fast etwas wie der Weihnachtsstress, dem ich früher oft verfallen bin. Seit ich in Indien lebe, bin ich an Weihnachten relaxt, dafür hält mich jedoch Diwali auf Trab!

Endlich sind die Geschenke für meine Freundinnen bereit. In selbst genähten Stofftaschen verschenke ich Krachmandeln (gebrannte Mandeln) und ein hübsches Windlicht.

Diwali oder Deepavali, wie wir hier im Süden sagen, ist ein bedeutsamer Feiertag im hinduistischen Kalender. Man könnte es fast mit Weihnachten vergleichen. Unter Freunden und Familie werden Geschenke ausgetauscht, das Haus wird festlich geschmückt, man trägt neue, oft etwas festliche Kleidung und es gibt viele Süßigkeiten und Snacks, die speziell für diesen Anlass zubereitet werden. Viele kleine Öllichter aus Ton (Diyas) werden angezündet. Das Wort Diwali stammt aus dem Sanskritwort Deepavali und bedeutet „Reihe von Lichtern.“

Selbst bemalte und verzierte Diyas aus Ton.

Jede Region hat etwas andere historische oder mythische Hintergründe und Geschichten, die die Bedeutung von Diwali erklären. Manche sehen darin die glückliche Heimkehr von Rama und Sita nach dem 14-jährigen Exil und den Sieg über den Dämon Ravana, andere feiern den Tag im Gedenken daran, dass die Muttergöttin Durga den bösen Dämon Mahisha besiegt hat und hier im Süden wird es vor allem gefeiert, weil Krishna das Böse in der Gestalt von Narakaasura vernichtet und so sechzehntausend Frauen aus der Gefangenschaft befreit hat.

Eines haben diese Geschichten jedoch alle gemeinsam: Es geht immer um den Sieg des Guten über das Böse.

Natürlich darf auch Feuerwerk an diesem Tag nicht fehlen. Dieses Jahr gab es viele Diskussionen um Feuerwerk. In Delhi und umliegenden Bundesstaaten im Norden ist die Luft so schlecht wie nie zuvor. Die Menschen leiden unter der starken Luftverschmutzung und in Delhi steigen die Covid-19-Fälle wieder an. So haben viele Bundesstaaten den Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk komplett verboten. Dies macht auch Sinn, denn die Luftverschmutzung nach Deepavali erreicht meistens Höchstwerte, die der Gesundheit massiv zusetzen. Auch der südliche Bundesstaat Karnataka wollte beim Verbot mitmachen und ich hoffte schon, dass auch Tamil Nadu mitziehen würde. Doch sie machten einen Rückzieher und erlauben nun „Green Crackers“ – scheinbar etwas umweltfreundlicheres Feuerwerk.

In Tamil Nadu gibt es wie bereits im letzten Jahr zwei Zeitfenster, wo man Feuerwerk entzünden darf. Krachen sollte es nur an Diwali von 6-7 Uhr morgens und von 19-20 Uhr abends. Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen daran halten werden. Doch bereits jetzt hört man zwischendurch laute Kracher, wobei bedeutend weniger als in den letzten Jahren. Wir machen bei diesem Irrsinn schon lange nicht mehr mit und geben keine einzige Rupie für Feuerwerk aus. Ich denke, dieses Jahr wird es sich auch in Grenzen halten, da viele durch die Corona-Krise bedingt dafür kein Geld übrig haben.

Zum Thema Feuerwerk kam es in Madhya Pradesh zu einem Eklat, der es in die indischen Medien schaffte. Muslimische Verkäufer von Feuerwerk wurden von Hindus bedroht, weil sie Feuerwerk mit Abbildungen von hinduistischen Gottheiten verkauft haben.

Jahrelang war dies gang und gäbe, denn die Firma „Lakshmi Firework“ hatte nun mal die Göttin Lakshmi als Cover für ihre Waren. Ausgehend von einigen hindu-nationalistischen Regierungsmitgliedern in Uttar Pradesh wurde dies nun in einigen Bundesstaaten verboten.

Das Fest rückt langsam näher und näher. Am Samstag feieren wir Deepavali. Ich werde heute nochmals Ladoo (indische Süßigkeit) zubereiten – wahrscheinlich ein neues Rezept mit Kokosnuss.

Happy Deepavali euch allen!

Ladoo – die Süssigkeit Indiens

Wir stehen mitten in den Navaratri Festlichkeiten und Diwali, das grosse Lichterfest rückt langsam und stetig näher. Die runden Süssigkeiten Ladoo dürfen da keineswegs fehlen. Es gibt unzählige verschiedene Ladoo-Rezepte. Heute habe ich ein neues Rezept mit Erdnüssen ausprobiert. Die Variante soll etwas gesünder sein und mit seinen vielen Proteinen und Nüssen Kraft und Energie verleihen.

Hier das Rezept für Erdnuss-Kakao-Ladoo:

Zutaten:

  • ½ Tasse geröstete Erdnüsse
  • 2 TL gerösteter Gram Dal (Bekommt man beim Inder oder im Online-Handel)
  • ¾ TL Kakaopulver
  • ½ Tasse Jaggery-Pulver (Jaggery ist der unraffinierte und unbehandelte Zucker, der aus dem Zuckerrohr gewonnen wird. Jaggery bekommt ihr sicherlich beim Inder oder natürlich online über verschiedene Anbieter.)
  • 1 Kapsel grüner Kardamom oder etwas Kardamom-Pulver
  • 2 TL Haferflocken
  • 2 TL grob gehackte Mandeln
  • rund 1 EL Ghee (geklärte Butter)

Zubereitung:

  • Die Erdnüsse in einer Pfanne rösten und abkühlen lassen.
  • Die Mandeln grob hacken und zur Seite stellen.
  • In einem Mixer/Grinder ½ Tasse Erdnüsse, 2 TL gerösteter Gram Dal, ¾ TL Cacao-Pulver, ½ Tasse Jaggery, 1 grüne Kardamom-Kapsel oder etwas Kardamom-Pulver und 2 TL Haferflocken zu einem Pulver mahlen.
  • Nun die Mandeln und etwas Ghee beigeben und das Ganze gut vermengen.
  • Kleine Mengen zusammenpressen und zu kleinen Kugeln formen.

Aus den Zutaten ergeben sich ungefähr 12 Ladoo.

Eine weitere indische Süssigkeit, die bei uns zu Feiertagen nie fehlt, ist Payasam. Das Rezept findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/10/17/semiya-payasam-suesse-milch-nudeln/

Semiya Payasam – Süße Milch-Nudeln

Semiya Payasam oder Vermicelli Payasam ist eine einfache Payasam Variante, die schnell gemacht ist und immer gelingt.

An Festtagen kommen die süßen Milch-Nudeln bei uns eigentlich immer auf den Tisch, so habe ich sie auch heute zu Beginn von Navaratri gekocht. Mehr über Navaratri findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/14/navaratri-neun-naechte-fuer-die-goettinnen/

Zutaten:

  • ½ Becher Vermicelli Nudeln, Semiya Nudeln (Semiya ist Hartweizengrieß, die Nudeln sind sehr dünn.)
  • ¼ -½ Becher Zucker je nach gewünschter Süße
  • 15 Cashew-Nüsse halbiert
  • 1-2 EL Weinbeeren je nach Wunsch
  • 2-3 EL Sago (Kann auch weggelassen werden) Sago oder in Tamil Javvarisi sind weiße Perlen aus der Stärke der Sago-Palme, die sich zum Eindicken von Speisen eignen. Das Bindemittel ist rein pflanzlich.
  • 4 Becher Milch
  • Einige Safranfäden
  • ¼ – ½ TL Kardamom-Pulver
  • 2-3 EL Ghee

Zubereitung:

  • Wer Sago beifügen möchte, kann diese entweder einige Stunden in Wasser einweichen oder rund 10-15 Minuten in Wasser kochen.
Nach 10 Minuten kochen, werden die Perlen leicht durchsichtig.
  • 1-1 ½ EL Ghee in einer Pfanne erhitzen und die halbierten Cashew-Kerne darin rösten, bis sie leicht braun werden.
  • Nun die Weinbeeren dazugeben. Sie blasen sich unter der Hitze rund auf.
  • Die gerösteten Cashew-Kerne und die Weinbeeren zur Seite stellen. Wir brauchen sie erst am Schluss wieder zum Dekorieren.
  • Rund 1 EL Ghee erhitzen und die Semiya-Nudeln darin kurz rösten, sodass sie nicht braun werden.
  • 4 Becher Milch dazugeben und das Ganze unter kleiner bis mittlerer Hitze zum Kochen bringen. Immer wieder gut umrühren, damit nichts anbrennt. Wer Sago dazugeben möchte, kann dies nun tun.
  • Das Ganze weiter kochen und weiterrühren, bis die Nudeln ganz gekocht sind.
  • ¼ bis ½ Becher Zucker zugeben. Weiterrühren und auf kleiner Hitze köcheln lassen, bis das Semiya Payasam langsam eindickt. Dies dauert rund 5-10 Minuten.
  • ¼ bis ½ TL Kardamom-Pulver zugeben und wer mag etwas Safran. Kurz köcheln lassen und vom Herd nehmen.
  • Beim Abkühlen wird das Semiya Payasam noch weiter eindicken.
  • Mit den gerösteten Nüssen und Weinbeeren verzieren und am besten noch leicht warm servieren.

Einen guten Appetit!

Süsses für Lord Ganesha

Große Ganesha-Figur an Vinayaka Chaturthi (Ganeshas Geburtstag)

Morgen feiert der Elefantengott Ganesha seinen Geburtstag. Ganesha Chaturthi ist in ganz Indien ein bedeutsamer Feiertag. Da Lord Ganesha gerne Süsses mag, wird er an diesem Tag mit seinen Lieblingssüßigkeiten Modak, in Tamil Kozhukattai verwöhnt. Modak sind eine Art Dumpling. Eine leckere, süße Nussfüllung mit wird von einen Teig aus Reismehl umhüllt.

Gerne teile ich unser Rezept mit euch.

Zutaten:

  • 200 g frische Kokosnuss gerieben
  • 100-150 g Jaggery Powder (Unraffinierter Zucker vom Zuckerrohr)
  • Ghee
  • 1 EL Mohnsamen (kann auch weggelassen werden)
  • 1 TL Kardamom Pulver
  • Etwas Muskatnuss
  • Safran (wer mag)
  • 1 Tasse Reis mehl (150 g)
  • Wasser

Zubereitung:

Füllung:

  • 1 TL Ghee in einer Pfanne erhitzen
  • 1 EL Mohnsamen auf mittlerer Hitze rösten
  • 200 g geriebene frische Kokosnuss dazugeben und kurz anrösten
  • 100-150 g Jaggery dazugeben und mischen.
  • Alles auf mittlerer Hitze köcheln lassen, sodass die Kokosraspeln etwas Feuchtigkeit verlieren.
  • 1TL Kardamom-Pulver und etwas Muskatnuss dazugeben. Kurz mit kochen.
  • Die Füllung auf die Seite stellen und abkühlen lassen.

Teig:

  • Eine Tasse Wasser in einer Pfanne mit 1 EL Ghee und einer Prise Salz zum Kochen bringen.
  • Die Herdplatte abstellen und 1 Tasse Reismehl dazugeben und gut mischen.
  • Rund 5 Minuten zugedeckt stehen lassen.
  • Nun den Teig kneten. Achtung kann noch etwas heiß sein! Es sollte ein weicher Teig entstehen.
  • Rund 10-12 kleine Bälle formen.
  • Die Modak formen.
  1. Die Modak können verschieden geformt werden. Das Einfachste ist, die Kugel flach zu drücken und einen möglichst runden Kreis zu formen. Nun ca. 1 TL Füllung in die Mitte geben und das Ganze zu einem Halbmond schließen.
  2. Oder die Kugel flach drücken, zu einem kreisrunden „Schälchen“ formen, sodass die äußeren Enden etwas dünner sind. In die Mitte rund 1 TL Füllung geben. Am besten geht es meiner Meinung nach, wenn man die Füllung zu einer kleinen Kugel formt. Die äußeren Enden vorsichtig zusammennehmen und in einer Spitze verschließen.
  3. Eine etwas schwierigere Art: Kugel flach drücken, zu einem kreisrunden „Schälchen“ formen. Nun regelmäßige „Kanten“ an der Außenseite reindrücken und vorsichtig zusammenschließen, sodass die Kanten oben zusammenkommen.
  4. Es gibt auch Modak-Formen. In die man den Teig einfüllen kann. Ich habe mit dem Mehl zusammen noch eine Plastikform geschenkt bekommen und diese ausprobiert, war aber nicht wirklich begeistert vom Ergebnis.
Zu 1: Halbrund

Zu 2: im Spitz zulaufend
Zu 3: Kanten formen
Zu Nummer 3
Zu 4: mit Form
  • Nun die Dumplings mit einem Dampfsiebeinsatz 15 Minuten dämpfen. Ich brauche dazu jeweils meinen Idly-Cooker.
  • Wer mag, kann noch einige Safranfäden drüberstreuen, dies ergibt einen feinen Safrangeschmack und einen kleinen Farbtupfer.

Happy Ganesh Chaturthi!

Mehr zu Lord Ganeshas Geburtstag erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/09/13/happy-vinayaka-chaturthi/

Weihnachten feiern in Indien?

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Unser indischer Weihnachtsbaum

Ja, wir feiern auch hier in Indien Weihnachten. In unserer kleinen Familie haben sowohl hinduistische als auch christliche Feiertage ihre Bedeutung. Gewisse Weihnachtstraditionen habe ich aus meiner Kindheit übernommen und einige sind dazugekommen.

Dieses Jahr feiern wir zum 11. Mal Weihnachten in Indien. Zu Beginn meiner Auswanderung war dies schwierig. Bei Sonnenschein und 30 Grad in Weihnachtsstimmung zu kommen, fiel mir schwer. Auch jetzt noch verbinde ich Weihnachten innerlich mit Kindheitserinnerungen. Wenn ich an Weihnachten denke, ploppen in mir umgehend klischeehafte Weihnachtsgefühle und die dazugehörigen Bilder auf. Verzauberte Schneelandschaften, das Sammeln von Tannenzweigen im Winterwald, bei Kerzenschein Glühwein oder Kräutertee trinken, mit der Familie besinnliche Weihnachtslieder singen und natürlich all die feinen Weihnachtsdüfte. Weihnachten riecht nach Zimt, Nelken, Mandarinen, Jutestoff, Weihnachtsplätzchen und Lebkuchen.

Als Kind wurde unser Weihnachtsbaum am Morgen des 24. geschmückt. Als mein Bruder und ich älter waren, durften wir immer mithelfen.

Die ersten Jahre habe ich es hier genauso gehalten, aber es fühlte sich nie stimmig an. Es kam mir vor, als würde ich per Knopfdruck von einem Hochsommertag unter den Weihnachtsbaum gebeamt. Ich realisierte, dass mir die Einstimmungszeit auf das Weihnachtsfest fehlte.

Als Erwachsene empfand ich den ganzen Weihnachtsrummel in der Schweiz oft stressig, aufdringlich. Manche Geschäfte begannen bereits Ende Oktober mit Weihnachtsdekorationen die Kundschaft zu bombardieren. Ständig daran erinnert zu werden, die Wohnung weihnächtlich zu dekorieren, Geschenke zu kaufen, Weihnachtsgüetzli zu backen, das Weihnachtsmenu zu planen, empfand ich damals eher lästig. Und meistens war meine Adventszeit so gedrängt und verplant, dass viele Erledigungen bis kurz vors Fest aufgeschoben wurden.

Doch hier in der Ferne fehlt mir diese Weihnachtsberieselung. Ist dies nicht erstaunlich?  

Hier merkt man wenig von Weihnachten. In den letzten Jahren ist in den Malls, den großen Einkaufszentren zwar etwas weihnachtlicher Kommerz eingezogen, aber bei nur 2.3 Prozent Christen hält sich dies in Grenzen. Amüsiert beobachte ich, dass sich auch Hindus von der Weihnachtseuphorie anstecken lassen. Die höhere Mittel- und Oberschicht zeigt sich gerne westlich und adoptiert Bräuche aus den USA.

Inzwischen habe ich Techniken entwickelt, um mich früher in Weihnachtsstimmung zu katapultieren. So stelle ich unseren künstlichen Weihnachtsbaum schon am 1. Dezember in die Wohnstube. Ein künstlicher Weihnachtsbaum mit elektrischen Lichtern! Darüber habe ich mich früher immer lustig gemacht, fand dies geschmacklos und ein absolutes NO GO! Doch inzwischen hat sich unser immergrüner Öko-Tannenbaum quasi zum Familienmitglied erhoben. Da er keine Nadeln verliert, darf er meistens auch bis am 31.12. stehen bleiben. Jedes Jahr kaufe oder bastle ich ein paar neue Dekorationen für unseren grünen Freund. Schließlich soll er an Weihnachten in seiner ganzen Pracht erstrahlen.

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Dieses Jahr selbstgenähte und mit Glitzersteinchen dekorierte Weihnachtskugeln.

Meistens hilft mir unser Sohn beim Schmücken und Dekorieren. Unsere schönen Ostheimer Krippenfiguren gehören zum Fest dazu. Am 1. Dezember machen sich Maria und Joseph auf den Weg nach Betlehem. Jeden Tag rücken sie ein Stückchen weiter, bis am 24. im Stall das Christkind geboren wird.

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Auch ein Adventskalender für unseren Sohn darf nicht fehlen. Dieses Jahr hat unser Teenager auch mir einen Kalender gemacht. Ich habe bezahlt und er eingekauft! Da ich mich so sehr über die Geschenke freute, habe ich dies sofort zur neuen Weihnachtstradition erklärt.

Zur Einstimmung backen wir Plätzchen, essen Nagpur Orangen und trinken heiße Schokolade. Auch der Märchenfilm „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ gehört bei mir ins Adventsprogramm. Starbucks ist in der Adventszeit auch toll. Da wird schon recht früh auf Weihnachten gesetzt. Gemütlich in einem Buch schmökern, einen weihnächtlichen Drink schlürfen und sich von wiederkehrenden Christmas Songs berieseln lassen. S. und ich lieben es.

Heiligabend feiern wir. Wir kochen etwas Feines, verbringen den Abend gemeinsam, haben eine kleine Bescherung und holen wieder mal unsere Brettspiele hervor. Auf Weihnachtslieder pfeifen meine Liebsten und so habe ich mich von „Leise rieselt der Schnee“ und „O du fröhliche“ mit etwas Wehmut verabschiedet. Im Vergleich ist unser Fest sicherlich weniger traditionell, dafür jedoch umso stressfreier.

Frohe Weihnachten euch allen!

 

 

Es werde Licht – Karthigai Deepam

Oellicht

Heute feiern wir in Tamil Nadu das Lichterfest Karthigai Deepam. Es findet jedes Jahr im tamilischen Monat Karthigai (Mitte November bis Mitte Dezember) statt. Tausende von Gläubigen führt es jeweils in die berühmte Pilgerstadt Tiruvannamalai, um die zehntägigen Festlichkeiten hautnah mitzuerleben. Wenn es ihre Gesundheit zulässt, so wie dieses Jahr, reisen auch meine Schwiegereltern hin. Am 10. Tag vor dem Vollmond und bei einer bestimmten Planetenkonstellation wird auf dem heiligen Berg Arunachala ein riesiges Feuer entfacht. 3500 Liter Ghee (geklärte Butter) werden dabei verbrannt! Darauf werden in ganz Tamil Nadu kleine Öllichter an die Hauseingänge und auf die Straßen gestellt. Obwohl ich inzwischen weiß, was zu tun ist, ruft mich mein Schwiegervater immer an, um nochmals Instruktionen zu geben. Vor jede Haustür muss ich zwei Öllichter stellen, natürlich auch hinter dem Haus und die Flammen müssen gegen Osten zeigen. Auch auf die Straße gehören Öllichter und natürlich ein schönes Kolam. Da unsere Nachbarn alle das Gleiche tun, erhellen jeweils viele Öllicher die dunkle Nacht.

Kolam
Kolam

Oellichter auf der Strasse

Der Legende nach ist das Lichterfest Karthigai Deepam eng mit dem heiligen Berg Arunachala verwoben. Dort ließ Lord Shiva eine riesige Feuersäule in Form eines Lingams entstehen. Er schlichtete dadurch einen Streit zwischen Vishnu, dem Erhalter und Brahma, dem Schöpfergott. Die beiden wetteiferten nämlich darum, wer der Stärkere, der Bedeutsamere sei. Shiva forderte darauf die beiden Streithähne auf, den Anfang und das Ende der riesigen Feuersäule zu finden. Vishnu verwandelte sich in ein Wildschwein und grub sich tief in die Erde, um den Anfang zu suchen, und Brahma erhob sich als Schwan in die Lüfte um das Ende zu finden. Beide gaben schließlich erfolglos auf, verbeugten sich vor Lord Shiva und anerkannten ihn als höchste Macht.

Happy Independence Day

Independence Day

Heute am 15. August feiert Indien die Unabhängigkeit von Großbritannien. Es ist ein nationaler Feiertag, der sehr patriotisch gefeiert wird. So wird vielerorts, vor allem auch an Schulen, die indische Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen.

Obwohl man sich heute einen „Happy Independence Day“ wünscht, ist der geschichtliche Hintergrund der Unabhängigkeit Indiens eigentlich ein schrecklich trauriger.

Im August 1947 sah sich England gezwungen, sein indisches Kolonialreich in die Unabhängigkeit zu entlassen. Am Kartentisch zog der englische Rechtsanwalt Cyril Radcliffe die Grenze zwischen Indien und Pakistan, zwischen Hindus und Moslems,  wobei Pakistan auch noch Ostbengalen, das heutige Bangladesch zufiel.

Die Radcliffe-Linie teilte die großen Provinzen Punjab und Bengalen, deren Bevölkerung etwa zur Hälfte muslimisch und hinduistisch war, faktisch in der Mitte. Schreckliche Gewalt auf beiden Seiten waren die Folge. Schätzungen gehen davon aus, dass auf jeder Seite rund sieben Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten, um in die neuen Landesteile zu fliehen. Bis zu einer Million sollen dabei getötet worden sein. Das Machtvakuum, das die Briten durch ihren schnellen Abzug hinterliessen, nutzten einflussreiche Menschen schamlos aus, um sich Land und Besitz anzueignen oder einfach vollendete Tatsachen zu schaffen. Noch Monate später fand man an Straßenrändern zerstückelte Leichen.

Die tiefen Wunden, die den Menschen durch die Teilung zugefügt wurden, sind noch heute spürbar.

Happy New Year!

Happy Tamil New Year

Heute feiern wir das tamilische Neujahr. Es ist der erste Tag des Monates Chithirai. Das Datum richtet sich noch dem Sonnenzyklus des Hindu-Kalenders und fällt ungefähr auf Mitte April des gregorianischen Kalenders.

Als ich um neun Uhr die Küche meiner Schwiegereltern betrete, brutzelt und köchelt es schon in vielen Töpfen. Mein Schwiegervater hat um 10 Uhr Pläne. Er will sich eine Sendung im Fernseher ansehen, daher hat er bereits früher angefangen zu kochen. So helfe ich nur noch beim Finish mit. Ich schneide die Zwiebeln, Chilis und Curryblätter klein, die in den Vadai-Teig kommen und frittiere die Linsenküchlein gold-braun.

Vadai frittieren

Am tamilischen Neujahr sollte von jeder Geschmacksrichtung etwas auf den Tisch kommen.

In Tamil unterscheidet man sechs verschiedene Geschmackssinne: Salzig, süß, bitter, scharf, sauer und geschmacklos. Spinat, Vadai (frittierte Linsenküchlein, Payasam (süße Reisnudeln) und Sundal (Hülsenfrüchte) sind an diesem Tag für unsere Familie ein Muss auf dem Menuplan. Dazu gibt es noch Rasam, Kartoffeln und Reis.

Speisen für neu Jahr

Natürlich werden alle diese feinen Sachen zuerst in einer Pooja gesegnet. Als erste kosten die Ahnen von den Speisen. Kleine Portionen werden auf einem Bananenblatt den Krähen offeriert, die in Indien als Verbindung zu den Verstorbenen gesehen werden.

Viele tragen am Neujahrstag neue Kleider und besuchen ihren Haustempel.

In unserem Quartier hat es zwei Tempel, einen Shiva- und einen Vishnu-Tempel. Am Abend werden die Hauptgötter beider Tempel ausgeführt.

Auf einem schön dekorierten Wagen dürfen sie durchs Quartier fahren. Durch das laute Trommeln hört man sie schon von Weitem kommen, und die Anwohner strömen aus ihren Häusern, um sich segnen zu lassen.

Unser Osterfest in Indien

Ostern

Das Osterfest rückt in großen Schritten näher und wieder einmal habe ich vergessen, die Zwiebelschalen für die Ostereier-Färberei zurückzulegen. So werden die Eier auch dieses Jahr mehrheitlich im Schwarztee-Sud vor sich hin köcheln, um wenigstens etwas Farbe abzukriegen. Stände bei mir Ostern nicht groß im Kalender und wäre Good Friday nicht schulfrei, dann würde ich dieses schöne Frühlingsfest jährlich verpassen. Denn hier erinnert gar nichts daran. Draußen herrschen hochsommerliche, schwüle 35 Grad und im Moment sitze ich ehrlich gesagt lieber in der klimatisierten Wohnung.

Doch die schweizerische Ostertradition unserer Familie habe ich auch hier im fernen Indien immer weitergeführt.

Für mich ist und war es nie ein religiöses Fest. In meiner Kindheit gingen wir nicht in die Kirche oder wurden mit biblischen Geschichten vertraut gemacht. Es war einfach ein tolles Familienfest mit Kuchen, Butterzopf, schön gefärbten Eiern, vielen Süßigkeiten und natürlich durften wir Kinder ein Osternest suchen. Schöne, glückliche und zufriedene Erinnerungen fliegen herbei, wenn ich daran zurückdenke.

Das Osterfest begann jeweils am Ostersamstag in der Früh. Mit einem Körbchen gerüstet, ging ich immer zum Denkmal, denn hinter der Hecke wuchs viel Osterkraut. Die schönen, dekorativ-verzweigten Kräuter brauchten wir zum Eierfärben. Danach machte ich noch eine Runde um unser Haus und pflückte Gänseblümchen, Kleeblätter, Primeln und andere Blüten.

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Gänseblümchen – ich vermisse sie!

Meine Großmutter bereitete in der Zwischenzeit den Sud für die Eier zu. Gut organisiert, wie sie war, sammelte sie immer schon Monate im Voraus die Zwiebelschalen, die den Eiern einen tiefrot-braunen Farbton gaben. Später färbten wir dann einen Teil der Eier auch noch mit Rot- und Blauholz. Ein aufgeschlagenes Eiweiß, alte Nylonstrümpfe, eine Schere und zwei Spulen Bindfaden lagen immer schon auf ihrem Küchentisch bereit, wenn ich von meiner Kräutertour zurückkam. Dann begannen wir die Eier mit Kräutern und Blüten zu dekorieren. Mit Eiweiß „klebten“ wir die Pflänzchen sorgfältig auf die Eier, die danach mit einem Stück Strumpf überzogen und hinten mit Faden geschlossen wurden. Meine Mutter hatte zu wenig Geduld für diese Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Meine Großmutter und ich jedoch liebten es und je älter ich wurde, desto mehr wurde die Ostereier-Färberei zu einem Großmutter-Enkeltochter-Event. Waren genügend Eier eingewickelt, dann wurden sie im natürlichen Sud zehn Minuten gekocht. Mein Großvater schaute immer wieder hoffnungsvoll bei uns in der Küche vorbei. Er wartete sehnsüchtig aufs erste Ei, das einen Sprung hatte und das er schon vor dem Fest mit Senf verschmausen konnte. Er hatte immer Glück!

Nach dem Färben und Abkühlen wurden die wunderschönen Eier noch mit einem öligen Tuch geglänzt und in ein großes Osternest gelegt.

Am Ostersonntag durften wir Kinder unser Nest suchen und gegen elf Uhr kam die ganze Familie zum Osterbrunch zusammen. Die Tradition des Eiertütschens wurde hochgehalten. Der Kampf Ei gegen Ei war immer spannend und alle versuchten, im Eierkorb jeweils das Stärkste ausfindig zu machen.

Auch hier in Indien führe ich diese Tradition weiter. Nur die Eier schmuggle ich an meinen Schwiegereltern vorbei in den oberen Stock, aber das mache ich das ganze Jahr über. Die Kaste meines Mannes ist strikt vegetarisch. Fleisch, Fisch und Eier kommen niemals auf den Tisch. Ich bin zwar schon lange Vegetarierin, aber Eier verschmähen Suriyan und ich nicht. Solange sie unsichtbar in Kuchen und Biskuits verbacken, d. h. versteckt sind, isst mein Mann sie übrigens auch gerne ;-)! Er würde jedoch nie ein Oster- oder Spiegelei essen.

Als Suriyan klein war, haben wir oft Dekorationen gebastelt. Einmal haben wir Eier ausgeblasen, angemalt und aufgehängt. Als mein Schwiegervater in unsere Wohnung kam, traf ihn fast der Schlag. Er äußerte sich mir gegenüber wohlweislich nie darüber. Bei Prabhu fragte er jedoch schon nach, warum ich dies tun würde, das sei doch ekelhaft.

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Am Ostersamstag sammle ich in meinem Dachgarten Kräuter und Blüten und färbe die Eier mit natürlichem Tee-Zwiebelschalen-Sud. An diesem Tag fühle ich mich immer sehr mit meiner Großmutter verbunden, die schon vor vielen Jahren gestorben ist. Unser Sohn hilft jeweils rund eine Stunde mit, dann findet er es langweilig und verzieht sich.

Am Ostersonntag verstecke ich in der Früh, sodass die Schokolade nicht wegschmilzt und die Ameisen sich nicht daran laben können, Suriyans Osternest. Danach folgt unser Osterbrunch mit Butterzopf, Karottenkuchen, Käse, Konfitüre, … und natürlich fehlen auch die schön gefärbten Eiern nicht.

Ich freue mich schon jetzt darauf und wünsche euch allen frohe Ostern!

Dieser Artikel ist Teil einer Blogger Parade zum Thema Ostern . Vielleicht habt ihr Lust bei anderen Mitschreiberinnen und -schreiber reinzulesen. Unter folgendem Link findet ihr die anderen Texte.

https://bloggerparade.de/osterparade-alles-rund-ums-ei

Valentin lässt grüssen – aus meinem Tagebuch vom 14. Februar 2007

Valentinstag

Die Valentins-Tradition schwappt auch nach Indien über, schließlich ist man modern, aufstrebend und wo Inder ein gutes Geschäft wittern, sprich Geld riechen, da werden alle Register gezogen.

Bereits Tage vor dem 14. Februar sind die Zeitungen mit Werbeinseraten überfüllt, es wird geworben, dass sich die Balken biegen. Schmuck, Restaurants, Kleidergeschäfte, Reiseangebote, Events, … es nimmt kein Ende.

Mein Mann lässt sich von dieser Werbung leider nicht inspirieren. Die Fachtipps vom Profi im Valentine’s Special, einer Beilage unserer Wochenzeitung, lassen ihn kalt. Er findet solche Tage einfach „*Chabis“. Tja, so muss ich wohl oder übel auf den vom Valentins-Fachmann empfohlenen I-Pod, das romantische Wochenende in Malaysia und auf das neue Handy verzichten. Eigentlich teile ich ja die Meinung meines Liebsten und finde den Tag der Liebenden vor allem  eine Geschäftemacherei.

Trotzdem habe ich am Vortag bei Prabhu zur Sicherheit – unter Androhung eines Heimweh-Heulanfalls – Blumen bestellt. Es ist nicht so, dass ich nie Blumen bekomme, aber am Valentinstag ist dies quasi obligatorisch.

Es hat tatsächlich geklappt und ich bekam einen Strauss mit roten Rosen ;-)!

Am Abend hat er mich, d. h. uns, sogar zum Essen ausgeführt. Eigentlich wollten wir in unser Stammrestaurant in der Nähe, aber als ich unseren Sohn auf dem Weg fragte, was er denn essen möchte und ihm die ganze indische Palette schmackhaft machte, meinte er nur: „Pizza ässe!“. Der liebende Vater fuhr umgehend in den Pizza Hut, wo wir wegen Valentinsandrang etwa eine Viertelstunde warten mussten, bis wir einen Tisch bekamen.

Die Pizza schmeckte lecker und die vielen roten Herzballons mit der Aufschrift „I love you“, die uns überall entgegen leuchteten, stimmten unglaublich romantisch, oder eben auch nicht….

*Chabis bedeutet eigentlich Kohl. Im berndeutschen Sprachgebrauch wird es oft verwendet, wenn man etwas doof oder unsinnig findet.