Die kleinen und großen Unterschiede meines Lebens in Südindien

Das Klima

Von einem mir entsprechenden, angenehmen Klima in der Schweiz bin ich klimatisch in einen Dampfkochtopf geraten. Verschwunden sind die geliebten vier Jahreszeiten und abgesehen von dem Monsun, der uns jeweils im Oktober, November erreicht, gibt es hier nur eins: heiß, heißer und am heißesten! Bereits im Februar steigen die Temperaturen langsam bis sie im April, Mai zu Höchsttemperaturen um oder sogar über 40 Grad ansteigen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt, fühlt sich die Hitze schier unerträglich an. So ist die Mittel- und Oberschicht bestens mit Ventilatoren und Klimaanlagen gegen die heißen Temperaturen gerüstet. Bei uns hat es in jedem Zimmer eine Klimaanlage und diverse Fans, die an der Decke angebracht sind.

 

Diese funktionieren leider nur, wenn es Strom gibt. Die Stromversorgung ist in den letzten Jahren zwar viel besser geworden, aber Stromausfälle kommen immer wieder vor und gehören zum indischen Alltag. Auch für diese Fälle sind wir gerüstet und können den Ausfall mit einer Inverter-Batterie für einige Stunden überbrücken. Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich hier ohne Ventilatoren und Klimaanlagen kaum leben könnte. Doch von diesem Luxus können die meisten nur träumen. Strom ist teuer und so versucht man, die Stromrechnung möglichst tief zu halten.

Überall hat es Menschen

Oft denke ich wehmütig an meine einsamen Spaziergänge im Auenwald meiner Heimat zurück. Wo man in Chennai auch ist, man ist niemals alleine. Überall hat es Menschen – viele Menschen. Die Überbevölkerung Indiens ist in den Metropolen deutlich sicht- und spürbar. Das bedeutet im Alltag, dass man viel Zeit und Geduld aufbringen muss. So ist mein Zuhause für mich eine wichtige, kleine Oase geworden, wo ich mich zurückziehen kann. Doch die meisten Inderinnen und Inder haben auch in ihren eigenen vier Wänden kaum Ruhe und Privatsphäre. Der Wohnraum in den Megacitys ist sehr teuer und oft leben drei Generationen auf engstem Raum.

Von Fenstern und Türen

Unlogisch, unpraktisch, unsinnig – das sind unsere Fenster! Obwohl wir im ersten Stock leben, sind sie alle vergittert. Ich sehe ein, dass dies in Indien aus sicherheitstechnischen Gründen Sinn macht, aber die Wahl dieser hässlichen Gitter, die damals meine Schwiegereltern getroffen haben, ist unverständlich. Vor jedem Fenster gibt es gefängniszellengleiche Vergitterungen. Anfangs waren die Grills, wie man hier sagt, schwarz gestrichen! Dabei gäbe es viel schönere Varianten in Form und Farbe.

 

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Meine Aussicht aus dem Küchenfenster, das natürlich auch vergittert ist.

Jetzt in Weiß und mit Vorhängen sieht es etwas freundlicher aus und das Gefängnis-Feeling ist etwas gewichen.

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Unsere Fenster lassen sich nur gegen Außen öffnen. Das hat den Vorteil, dass ich sie nicht putzen kann und den Nachteil, dass sie trotzdem schmutzig werden! So, schickt mir Prabhu drei- bis viermal pro Jahr zwei Arbeiter, die dann mit einer Bambusleiter, die ehrlich gesagt nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, abenteuerlich meine Fenster reinigen.

Dafür habe ich eine wunderschöne geschnitzte Ganesha-Tür! Das macht das Übel mit den Fenstern nicht ganz wett, aber mildert das Ganze wenigstens etwas ab ;-).

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Im oberen Teil sitzt die Göttin Lakshmi mit zwei Elefanten, die Glück bringen soll.

 

Vom Fernsehen

Ja, wir haben hier auch Netflix und ich bin froh darüber. Mein Sohn und ich schauen uns gerne Filme an. Doch wenn ein bedeutsamer Cricketmatch läuft, dann besetzt mein Liebster den Fernseher für Stunden. Dabei sollte ich noch erwähnen, dass in seinen Augen die meisten Spiele wichtig sind. Ich habe Cricket eine Chance gegeben und mir ein oder sogar zwei Spiele angeschaut. Mein gewinnbringendes Fazit: Stinklangweilig und reine Zeitverschwendung! Für diese Aussage würden mich jedoch die meisten Inder und auch Inderinnen fast lynchen.

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In der Küche

Neben den südindischen Speisen und den entsprechenden Gewürzen, die in meiner Küche immer mehr Fuß fassen, gibt es noch andere Unterschiede. Mein Gasherd ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und ich möchte nie wieder zurück zu einem Elektroherd.

Dafür vermisse ich das gute Wasser aus der Schweiz! Sorgenfrei Trinkwasser vom Hahn zu trinken, wäre hier undenkbar. Selbst mit unserem Water Purifier, der mit etlichen Kartuschen und Filtern gefüllt ist, traue ich der Wasserqualität nie ganz.

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Unser Wasserfilter, das gefilterte Wasser brauchen wir zum Trinken und zum Kochen.

Geschirr? Ja, es gibt das indische Stahlgeschirr in meinem Schrank, das alle Westler hässlich finden und an Gefängnisgeschirr erinnert. Zwar nur in einer bescheidenen Anzahl, aber es hat drei Stahlteller und einige Tumblers (Stahlbecher).

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Daneben habe ich auch einige praktische Geräte für die indische Küche angeschafft.

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Meine Limetten-Presse wird im Sommer oft gebraucht um den kühlenden Lime-Juice herzustellen
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Meine Tava, eine flache Bratpfanne. Unerlässlich, um Dosai und Chapati zu machen.
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Auch dieses Gitter brauche ich für Chapati – über die Gasflamme gehalten gegen sie nach dem Backen wunderbar auf.
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Indische Snacks gefällig? Mit dieser Presse werden Murukku oder Ribbon Pakoda hergestellt.

Von Hausangestellten

Ja, in Indien hat jeder aus dem Mittelstand eine Maid. Familien aus der höheren Mittel- und Oberschicht haben sogar Staff. „My maid is…, I’ve found a driver now …, do you know a good cook?, …” Wie oft geht mir dieses Wohlstandsgeplapper auf die Nerven! Eines habe ich jedoch schnell entdeckt, viele haben mit ihrem Staff Ärger und sind unzufrieden. Gutes und vertrauenswürdiges Personal zu finden, scheint wirklich schwierig zu sein.

Ich habe seit einigen Jahren eine Angestellte und mit ihr bin ich weitgehend zufrieden. Nur fehlt sie sehr oft, weil sie oder ihr Mann immer wieder krank sind. Eigentlich habe ich sie hauptsächlich zum Nähen meiner Rosenblatt-Produkte angestellt. Sie verdient für indische Verhältnisse hervorragend. Tatsächlich bezahle ich zu viel, aber ich will ihr bewusst einen guten Lohn geben, da sie ihre vierköpfige Familie alleine durchbringt. Morgens hilft sie mir rund eine bis zwei Stunden bei den Hausarbeiten und danach näht sie. Sie arbeitet 7 Stunden täglich, fünf Tage die Woche. Sie ist zuverlässig und ich muss nicht ständig hinterher kontrollieren. Oft sieht sie die Arbeit auch von selbst, worüber ich sehr glücklich bin. In Indien bin ich ein ganz schlechter Boss. Ich kann Leute nicht herumkommandieren und mit Strenge behandeln. Wenn ich jedoch beobachte wie die sogenannten Reichen und Gutausgebildeten dieses Landes mit ihrem Personal umgehen, dann bleibe ich sehr gerne eine schlechte, aber nette Chefin.

Obwohl das Kochen nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, habe ich keinen Koch. Da wir eine offene Küche haben, wäre dies auch etwas schwierig. Das Mittagessen koche in der Wohnung meiner Schwiegereltern gemeinsam mit meinem Schwiegervater. Wenn ich mal gar nicht kochen mag, bestelle ich bei Swiggi. Das ist ein Essenslieferant, der praktisch alle Restaurants in der Nähe abdeckt. Man bestellt via App beim Lieblingsrestaurant und lässt sich das Essen nach Hause bringen.

Für einen festangestellten Fahrer hätten wir zu wenig Beschäftigung. Wenn ich weggehe, denn rufe ich einfach einen Calldriver, der mich dann mit unserem eigenen Auto herumchauffiert.

Was ich in Indien sehr genieße, ist die Tatsache, dass ich nie bügeln muss. Die gewaschene Wäsche gebe ich auswärts und gegen Abend wird mir alles schön gebügelt und gefaltet zurückgegeben.

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Meine gebügelte Wäsche in den Schrank legen und fertig! 

Als Hausfrau, die nicht so gerne Hausarbeiten macht, lebt es sich in Indien ganz famos!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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St.Thomas Mount – eine kleine Oase im Süden von Chennai

St. Thomas

Neulich fragte ich meinen Liebsten, ob wir nicht wieder mal zum St. Thomas Mount gehen könnten. Ich mag diese kleine grüne Oase auf dem Hügel, obwohl es auch hier immer viele Besucher hat.

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Erstaunlicherweise war Prabhu sofort bereit. Kaum ging es den Hügel hinauf, schwebte er in Kindheitserinnerungen. „Schau! Dort haben wir immer Cricket gespielt. Da war unser Klassenzimmer, …“

Einige Jahre ging Prabhu hier zur Schule. Auch erzählte er immer wieder vom seinem Schulweg, der sich noch in die Länge zog, da auf der fünf Kilometer langen Strecke alle wichtigen Schulkameraden abgeholt wurden. Der Schulweg, der so über eine Stunde dauerte, war für die Freunde jedoch kurzweilig, vergnüglich und sie genossen das unbeschwerte Zusammensein.

Manchmal möchte ich die Zeit zurückdrehen und das Chennai vor 30 oder 40 Jahren sehen. Kein Verkehr, kaum Umweltverschmutzung und viele grüner muss es gewesen sein. Für Prabhu gab es damals nur das Eine: Cricket spielen! Vor der Schule, in der Pause und nach der Schule war Cricket seine Welt.

Wenn er von damals erzählt, leuchten seine Augen und ich sehe ihn als Kind vor mir.

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Der heilige Apostel Thomas hatte es nach dem Tod Jesu scheinbar nach Indien gezogen. An der Malabarküste wirkte er und bekehrte die ersten Inder zu Christen. Danach soll er nach Chennai gegangen sein. Der Überlieferung nach wurde er im Jahr 72 auf dem St. Thomas Mount mit einem Speer getötet. Seine Überreste befinden sich heute in der St. Thomas Basilika in Mylapore.

Die Kapelle, die auf dem St. Thomas Mount steht, ist somit zu einem Pilgerort für die Christen in Indien geworden.

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1986 hat der Papst Johannes Paul den St. Thomas Mount besucht.

St. Thomas Mount

Mir gefällt vor allem die ruhige und friedliche Stimmung, die hier herrscht. Umgeben von Bäumen bekommt man das Gefühl, der City etwas zu entfliehen. Auch einige Minuten in der Kirche zu sitzen, entschleunigt und bringt Ruhe. Von dem kleinen Hügel hat man zudem einen tollen Überblick über den südlichen Stadtteil von Chennai.

Aussicht St. Thomas Mount

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Rajiv Gandhi – aus meinem Tagebuch vom März 2007

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Es ist Sonntag. Für mich ist dieser Wochentag immer noch mit der westlich-christlichen Kultur verbunden und ein kleines Familienheiligtum. Doch hier in Indien sind nur grade 2,3 % Christen und so ist der Sonntag für viele ein ganz normaler Arbeitstag und es ist nicht mal unhöflich bereits um sieben Uhr morgens anzurufen und meinen Sonntagsfrieden zu stören. So wird mein Liebster, zu meinem Bedauern, auch sonntags nicht von vielen Geschäftsanrufen verschont. Heute, wir haben noch keine Pläne, ruft ausgerechnet ein Agent von Prabhu an und möchte ihm ein Stück Land ausserhalb von Chennai zeigen. Prabhu wäre bereit sich dies anzusehen, aber meine Sonntagsansichten stehen ihm natürlich im Weg. Elegant macht er mir die Landbesichtigung als Familienausflug schmackhaft. Da ich wenig Begeisterung zeige, zieht er noch den letzten Trumpf aus dem Ärmel: Das Rajiv Gandhi Denkmal! Schliesslich willige ich in die Pläne meines arbeitswütigen Ehegatten ein und wir fahren los. Suriyan ist immer begeistert, wenn es mit dem Auto irgendwohin geht.

Die Landbesichtigung erweist sich als schwierig, da der Agent die Parzellen nur vom Plan her kennt. Pläne und Wirklichkeiten liegen in Indien teilweise weit auseinander. Es beeindruckt mich immer wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Wildfremde Menschen nehmen sich Zeit und versuchen zu helfen.

Schliesslich fahren wir zum Denkmal. Eine schöne, grosse und  gepflegte Anlage, die von vielen indischen Sonntagsausflüglern besucht wird, erwartet uns. Die sieben grossen Säulen, die mit Zitaten von Rajiv Gandhi beschrieben sind, fallen auf Anhieb ins Auge.

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Hier wurde Rajiv Gandhi an einer Kundgebung am 21. Mai 1991 von einer Selbstmordattentäterin der Tamil Tigers ermordet und mit ihm wurden 16 weitere Teilnehmer aus dem Leben gerissen. Rajiv Gandhi war von 1984 –1989  Premierminister von Indien und hatte gute Aussichten wieder ins begehrte Amt gewählt zu werden.

Eine tragische, politische Familiengeschichte tut sich hier auf:

Rajiv Gandhis Grossvater ist der berühmte Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister Indiens und damals enger Vertrauter von Mahatma Gandhi im gewaltlosen Widerstand gegen die Briten. Immer wieder wurde der gebildete Pandit, der in England Rechtswissenschaften studiert hat,  von den Briten ins Gefängnis gesteckt. Dort verfasste er 196 Briefe an seine einzige Tochter Indira und schilderte seine Ansichten und Ideologien. 1947 bis 1964 war Nehru im Amt und etablierte in Indien die demokratischen Werte und Strukturen, die er sehr an den Gesetzgebungen der ehemaligen Unterdrücker anglich.

Indira stieg, geprägt durch ihren Vater, schon in frühen Jahren in die Politik ein. Mit 21 Jahren war sie bereits Mitglied im Parlament. Sie heiratete den Politiker Feroze Gandhi, der nicht mit dem grossen Mahatma Gandhi verwandt war, aber dessen Name ihr für die spätere Politkarriere sehr zu Gute kam. Bald darauf erblickten die beiden Söhne Rajiv und Sanjay das Licht der Welt. Indira wurde die engste Vertraute ihres Vaters und nach seinem Tod 1964 wurde sie nach kurzer Zeit zur Premierministerin gewählt. Die Herausforderungen und Probleme, die es während ihrer Amtszeit von 1966 bis 1977 zu bewältigen gab, waren riesig.

Armut, Bevölkerungswachstum, schlechte Wirtschaftslage, Korruption, Unruhen, … machten ihr das Leben schwer. Sie begegnete den Schwierigkeiten mit Härte, Skrupellosigkeit und autoritärer Macht. Als sie vom Gericht wegen Korruption im Wahlkampf verurteilt wurde, verhängte sie kurzerhand den Ausnahmezustand, liess viele Oppositionsgegner verhaften und schränkte die Pressefreiheit ein.

Sanjay, ihren zweitgeborenen Lieblingssohn, baute sie zum Nachfolger auf. Dieser wurde in seinen Ansichten jedoch immer extremer. Er war Initiant für Millionen von Zwangssterilisationen, die im ganzen Land für Entsetzen sorgten. Indira Gandhi wurde schliesslich abgewählt, kämpfte sich 1980 jedoch wieder an die Regierungsspitze zurück.

Ein schwerer Schlag traf sie, als ihr Sohn Sanjay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Böse Zungen hinterfragten jedoch den Unfall und wilde Spekulationen, ob nicht sogar die eigene Mutter die Hände im Spiel hatte, kursierten.

Nun wurde der ältere, zurückhaltendere Sohn Rajiv, der Pilot bei der Indian Airlines war, überredet in die Politik einzusteigen.

Die zweite Regierungszeit wurde von grossen Unruhen überschattet. In Punjab verhinderte Indira Gandhi die Bildung eines autonomen Sikhenstaates mit der Stürmung des Goldenen Tempels in Amritsar, dem grössten Heiligtum der Sikhen. Für diese Ungeheuerlichkeit bezahlte sie am 31. Oktober 1984 mit ihrem Leben. Sie wurde von zwei Sikhs ihrer eigenen Leibgarde erschossen.

Noch am selben Tag wurde Rajiv Gandhi als Premierminister vereidigt, während es in vielen Teilen des Landes zu blutigen Auseinandersetzung gegen die Sikhs kam. Rajiv Gandhi war mit Sonia Gandhi verheiratet und sie hatten zusammen zwei Kinder Rahul und Priyanka. Sonia Gandhi, ursprüngliche Italienerin, war gar nicht begeistert, als ihr Mann sich entschloss in die Politik einzusteigen. Sie hatte sich ihr Leben wohl anders vorgestellt, als sie Rajiv bei einem Sprachaufenthalt in Cambridge kennen lernte.

Nach dem tödlichen Attentat, wurde jedoch auch sie von der Kongress Partei gedrängt in die Politik einzusteigen.

Doch erst sechs Jahre später, als die Hindu-Nationalisten in Delhi an die Macht kamen, übernahm sie den Parteivorsitz. Sie fühlte sich durch ihre Angehörigen, die für die Kongress Partei gelebt und gestorben sind, verpflichtet. Obwohl sie wegen ihrer italienischen Herkunft immer wieder angegriffen wurde, führte sie die Kongress Partei wieder an die Spitze zurück.

2004 hat sie das Amt der Premierministerin jedoch ausgeschlagen und Manmohan Singh vorgeschlagen. Erstmals hatte das Land einen Sikhen zum Regierungschef und Sonja Gandhi, die scheinbar so selbstlos verzichtete, wird vom Volk schon fast als Heilige verehrt.

Ihr Sohn Rahul mischt in der indischen Politik bereits mit. Dies erstaunt nicht, denn der Lebensweg des Stammhalters scheint vorbestimmt.

 

 

Umzug – aus meinem Tagebuch vom Februar 2008

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Es ist soweit! Heute ziehen wir um. Wir verlassen unser Häuschen in der Office Colony und ziehen zu meinen Schwiegereltern in die obere Wohnung. Ich bringe Suriyan zum letzten Mal in die Playschool, denn beim Packen und Laden werden wir froh sein, wenn unser Wildfang uns nicht auch noch beschäftigt. Für die Playschool Aunties besorge ich zum Abschied rote Rosen, für die Kinder Schokolade.

Um 10 Uhr trifft der Lastwagen inklusive Zügelmannschaft ein. Die fünf Männer sind schnell zur Sache. Zack, zack geht es nur. Alles wird irgendwie, ohne grosses Nachdenken auf den Lastwagen geladen. Ich versuche etwas System ins Ganze zu bringen, aber es ist hoffnungslos! Alles was rumsteht, wird einfach aufgeladen. Ich ärgere mich, denn es ist noch nicht alles verpackt. Bereits seit Tagen liege ich meinem Liebsten in den Ohren, dass er mir Kartonschachteln bringen soll! Wie fehlen mir die Bananenschachteln aus der CH! Die Männer bringen drei Kartonschachteln mit, ein Tropfen auf einen heissen Stein. Improvisieren ist angesagt. Die Kleider binde ich in Dupatta-Schals und ich lasse die Männer die grosse Hundebox, die wir für Lara damals brauchten, wieder vom Lastwagen holen und fülle sie chaotisch mit dem Rest, der rumsteht. Putzkessel werden zu Kisten umfunktioniert- na ja, irgendwie geht es. Indien macht flexibel und einfallsreich!

11:30 fahre ich mit dem Tuk Tuk zum letzten Mal in die Playschool um Suriyan abzuholen. Er ist voll im Klee und wurde mit vielen Abschiedsgeschenken eingedeckt. Als wir zurückkehren, ist mehr oder weniger alles auf dem Lastwagen und es geht keine  Minute vorbei und unser Sonnenschein klettert auf unserem Umzugsgut herum und wickelt die fünf Helfer um die Finger.

Der Laster fährt schliesslich los und wir verabschieden uns von Familie Jacob und dem Wächter, der die Tränen nicht zurückhalten kann. Da bekomme natürlich auch ich feuchte Augen.

Am neuen Ort angekommen, geht das Chaos im gleichen Atemzug weiter und auch Suriyan schont unsere Nerven nicht. Abends liegen wir schliesslich todmüde im Bett und während meine zwei Männer selig schlafen, finde ich keinen Schlaf…

 

 

 

Mamallapuram – Weltkulturerbe

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Etwas über eine Autofahrstunde von Chennai entfernt liegt das touristische Städtchen Mamallapuram. Der Ort lebt heute vorwiegend vom Tourismus, der Steinmetzkunst und der Fischerei.

In den vielen kleinen Läden kann man sich als Tourist mit Souvenirs eindecken. Mamallapuram ist sehr berühmt für die Steinmetzkunst, so kann man von riesigen Statuen bis ganz kleinen Figuren alles kaufen. Die Preise sind auf  Touristen ausgerichtet, daher unbedingt um den Endpreis verhandeln.

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Für mich ist Mamallapuram eindeutig zu touristisch, aber gerne komme ich mal ein Wochenende hier her, um in einem schönen Resort am Strand etwas zu relaxen und Abstand von der City zu gewinnen.

Viele ausländische Touristen, die Südindien bereisen, lassen die Sehenswürdigkeiten von Chennai aus und fahren direkt vom Flughafen nach Mamallapuram.

Der kleine Ort war einmal ganz gross. Im 7. und 8. Jahrhundert war Mamallapuram einer der bedeutesten Häfen an der indischen Ostküste. Durch Münzfunde konnte man sogar belegen, dass hier bereits im 1. Jahrhundert Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde.

Unter der Herrschaft der Pallava-Könige, die in Kanchipuram ihre Hauptstadt hatten, florierte auch der Export von Edelgütern wie Elfenbein, Seide und Edelsteinen in viele Länder Südostasiens. Der Überseehandel brachte viel Wohlstand ins Land. Mit dem Geld wurde nicht nur die Verwaltung des Reiches, sondern auch die grossartigen Baudenkmäler und Tempel finanziert.

Die Tempelbauten in Kanchipuram und Mamallapuram sind beeindruckende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst und gehören zu den ältesten (7. / 8. Jahrhundert) erhaltenen Bauwerke Südindiens. 1984 wurden die Tempel, Höhlen und die Flachreliefs zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Architektur dieser frühen Bauwerke prägte den Dravida-Baustil, der die Tempelarchitektur in Südindien charakterisiert und teilweise bis nach Südostasien zu finden ist.

Der Shore Tempel, der direkt am Strand liegt, stammt aus dem 8. Jahrhundert. Es ist ein Shivatempel mit einem Lingam und im Nebenschrein findet man den ruhenden Lord Vishnu auf der Weltenschlange. Dank Wellenblocker, die damals noch Indira Gandhi in Auftrag gegeben hat, überstand der Tempel den Tsunami von 2004 weitgehend unbeschädigt.

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Bei den fünf Rathas handelt es sich um monolithische Bauwerke aus dem 7. Jahrhundert, die aus einem Stück Stein gehauen wurden. Man vermutet, dass sie nie als Tempel genutzt wurden. Es scheint vielmehr, dass an diesem Platz mit verschiedenen architektonischen Bauformen experimentiert wurde. Die fünf Rathas sind nach den Pandava-Brüdern aus dem Mahabharata-Epos benannt.

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Das riesige Felsrelief (rund 12m x 33m) zeigt die Herabkunft der Göttin Ganga. Die Geschichte zur Herabkunft der Göttin Ganga findest du unter diesem Link.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Es ist eines der grössten Felsreliefs der Welt aus dem 7. Jahrhundert.

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Auf einem langgestreckten Felsen von rund 500 m Länge liegt Krishnas Butterball, eine riesige Felskugel. Fast alle legen hier einen Fotostopp ein. Man kann sich dem Gefühl nicht verwehren, dass sie jeder Zeit herunterrollen könnte.

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PS: Einige Fotos stammen von meinem Vater. Danke Pa!

99 Luftballons – aus meinem Tagebuch vom September 2007   

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Heute Nachmittag gehe ich mit Suriyan auf Einkaufstour. Der Tuk-Tuk-Mama fährt uns in den Shoppingcenter Spencers Plaza. Jedes Mal kann ich mich aufs Neue kaum orientieren. Dieser riesige Geschäftskomplex ist wie ein Labyrinth, unübersichtlich, verworren und schlecht beschildert!

Ehrlich gesagt, geht es mir mit der ganzen Stadt so. Nach über eineinhalb Jahren finde ich immer noch, dass alles mehr oder weniger gleich aussieht. Den indischen Grossstadt-Dschungel zu meistern, fällt mir echt schwer. Hat mich die geordnete, saubere, übersichtliche Schweiz orientierungslos gemacht?

Wir landen im Landmark, wo ich einige Dinge auf meiner Einkaufsliste besorgen könnte. Doch diese haben Ausverkauf und dementsprechende Menschenmassen tummeln sich im Geschäft. Voraussehend schone ich meine Nerven und kürze umgehend das Programm.

Wir gehen nur in die Kinderabteilung, wo Kinderbücher und Spielwaren angeboten werden. Wie gerne wäre ich jetzt in einer Buchhandlung in der Schweiz! Mein Vorrat an deutscher Literatur neigt sich langsam dem Ende zu …

Schön illustrierte Kinderbücher zu finden, ist fast unmöglich. Gerne hätte ich eine CD mit Nursery-Rhymes gekauft, damit ich Suriyan, der manchmal einige Brocken aus der Playschool mitbringt, besser unterstützen könnte. Aber nichts überzeugt mich wirklich. Schliesslich warten wir mit einem Holzpuzzle, einem Geschicklichkeitsspiel aus Holz und mit einer Box Kydo-Blocks (eine Art grössere Legos) vor der Kasse. „I’m dreaming of a white Christmas,…” berieselt es uns über die Lautsprecher. Also auf Weihnachten  verzichte ich heute dankend.

Plötzlich singt NENA! Ja, wirklich wahr! „Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich, von 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont ……“ Nur ich kenne den Song, das wird sofort klar. Ich bin versucht mitzusingen, wenigstens mitzusummen, aber die Leute beobachten mich bereits ohne Gesangseinlage.

 

 

Alamparai Fort –  aus meinem Tagebuch vom Juli 2008

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Heute fahren wir zu den Ruinen des Alamparai Forts, das rund 100 km von Chennai entfernt an der ECR Richtung Pondicherry liegt. Auf dem Weg sehen wir ein Dorf, das an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnert. Kleinste Häuser, die mit Spenden aus dem Ausland errichtet wurden, stehen in Reihen eng nebeneinander.

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Als wir aussteigen, will uns ein Junge unbedingt herumführen und sich natürlich ein Taschengeld verdienen. Schliesslich lassen wir ihn gewähren. Das quadratisch angelegte Fort liegt direkt am Meer und die zerfallenen Überreste und Mauern lassen das einstige imposante Fort der Mogulen nur schwer erahnen.

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Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Fort von moslemischen Herrschern erbaut. Von 1736-1740 stand es unter der Kontrolle von Nawab Dost Alikhan und 1750 wurde das Fort dem grossen französischen General Joseph Francois Dupleix als Geschenk übergeben. Dupleix liess in Alamparai seine Goldmünzen prägen und exportierte vom Hafen aus Textilien, Salz und Butterschmalz. Später, im Kampf gegen die Briten, wurde das Fort grösstenteils zerstört.

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Unser kleiner Führer erweist sich als geschäftstüchtig und er macht uns eine Bootsfahrt mit einem Fischerboot schmackhaft. So fahren wir mitten in der Mittagshitze aufs Meer hinaus. Der Fischer hat zwei seiner Söhne dabei, die aus dem Staunen kaum herauskommen. Als wir unseren Fahrer Venkatesh am Ufer erblicken und den Fischer bitten anzuhalten, damit er auch mitfahren kann, kommt noch eine indische Grossfamilie dazu. Der Preis ist schnell ausgehandelt und so tuckern wir mit 15 Menschen an Bord los.

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Als der Junge des Fischers noch einen Einsiedlerkrebs fängt und ihn den Kindern zeigt, kommt unser Sohn nicht zum Staunen heraus und ist gänzlich zufrieden.

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