Dakshina Chitra – Heimatmuseum in Chennai

Altes Tor

Nach langen Jahren waren Suriyan und ich wieder einmal im Dakshina Chitra Museum, das sich ausschließlich mit der Kultur, Architektur und Kunst Südindiens auseinandersetzt. Verschiedene alte Traditionen und Kunstfertigkeiten werden hier gezeigt und durch Workshops aufrechterhalten.

Im Museum kann man achtzehn alte, authentisch eingerichtete Häuser aus Tamil Nadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh  besichtigen. Alle Häuser wurden vom Heimatmuseum erworben, transportiert und auf dem Museumsgelände wieder im ursprünglichen Zustand aufgebaut. Die Häuser bilden einen guten Mix zwischen den südindischen Bundesstaaten, aber auch verschiedene Gesellschaftsschichten und Religionen wurden in der Planung berücksichtigt.

Typisches Keralahaus
Typisches Keralahaus
Kuestenhaus aus Andhra Pradesh
Küstenhaus aus Andhra Pradesh
Chettinad-Haus aus Tamil Nadu
Chettinad Haus aus Tamil Nadu
Muslimisches Händlerhaus aus Karnataka
Muslimisches Händlerhaus aus Karnataka

Was das Ganze besonders macht, sind die kleinen Workshops, wo man selbst aktiv werden kann. So gibt es eine Fülle von Aktivitäten, die gegen kleines Geld Einblicke in verschiedene Kunsthandwerke gewähren. Töpfern, Palmblatt-Dekorationen, Kolam, Töpfe bemalen, Block printing, Masken, Speckstein, … sind nur eine kleine Auswahl davon. Dakshina Chitra bietet auch Kurse an, wo man sich intensiv und über längere Zeit mit einem Kunsthandwerk auseinandersetzen kann. Auf dem Gelände hat es auch verschiedene Stände, wo Künstler die Möglichkeit haben, ihre Waren zu verkaufen. Zu bestimmten Zeiten werden auch unterschiedliche Tänze aus Südindien dargeboten.

Dekorationen aus Palmblättern
Palmblatt-Dekorationen
Weben Silk Saree
Seidensaree weben

 

Taenzer Tamil Nadu
Tänzer aus Tamil Nadu

 

Das Museum ist durchaus einen Besuch wert und ich kann es nur empfehlen. Um alles zu erkunden, braucht man Zeit. Wir verbrachten rund 3 Stunden im Dakshina Chitra und haben nicht alles gesehen. Für Verpflegung ist gesorgt. Es gibt einen Stand mit Snacks und Getränken und auch ein kleines Restaurant mit einfachen Gerichten.

Das Heimatmuseum liegt rund eine Autostunde vom Stadtzentrum entfernt an der East Cost Road.

Adresse: Dakshina Chitra East Cost Road, Muttukadu, Chennai 603112

Webseite: http://www.dakshinachitra.net

Öffnungszeiten:                                                                                                                      

Montag bis Freitag 10.00 – 18.00

Wochenende und Feiertage: 10.00 – 19.00

Am Dienstag ist geschlossen!

 

PS: Alle Bilder hat mein Sohn Suriyan aufgenommen. Vielen Dank!

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Die kleinen und großen Unterschiede meines Lebens in Südindien

Das Klima

Von einem mir entsprechenden, angenehmen Klima in der Schweiz bin ich klimatisch in einen Dampfkochtopf geraten. Verschwunden sind die geliebten vier Jahreszeiten und abgesehen von dem Monsun, der uns jeweils im Oktober, November heimsucht, gibt es hier nur eins: heiß, heißer, am heißesten! Bereits im Februar steigen die Temperaturen bis sie im April, Mai zu Höchsttemperaturen um oder sogar über 40 Grad ansteigen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt, fühlt sich die Hitze schier unerträglich an. So ist die Mittel- und Oberschicht bestens mit Ventilatoren und Klimaanlagen gegen die heißen Temperaturen gerüstet. Bei uns hat es in jedem Zimmer eine Klimaanlage und diverse Fans, die an der Decke angebracht sind.

Diese funktionieren leider nur, wenn es Strom gibt. Die Stromversorgung ist in den letzten Jahren zwar viel besser geworden, aber Stromausfälle kommen immer wieder vor und gehören zum indischen Alltag. Auch für diese Fälle sind wir gerüstet und können den Ausfall mit einer Inverter-Batterie für einige Stunden überbrücken. Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich hier ohne Ventilatoren und Klimaanlagen kaum leben könnte. Doch von diesem Luxus können die meisten nur träumen. Strom ist teuer und so versuchen viele, die Stromrechnung möglichst tief zu halten.

Überall hat es Menschen

Oft denke ich wehmütig an meine einsamen Spaziergänge im Auenwald meiner Heimat zurück. Wo man in Chennai auch ist, man ist niemals alleine. Überall hat es Menschen – viele Menschen. Die Überbevölkerung Indiens ist in den Metropolen deutlich sicht- und spürbar. Das bedeutet im Alltag, dass man viel Zeit und Geduld aufbringen muss. So ist mein Zuhause für mich eine wichtige, kleine Oase geworden, wo ich mich zurückziehen kann. Doch die meisten Inderinnen und Inder haben auch in ihren eigenen vier Wänden kaum Ruhe und Privatsphäre. Der Wohnraum in den Megacitys ist sehr teuer und oft leben drei Generationen auf engstem Raum.

Von Fenstern und Türen

Unlogisch, unpraktisch, unsinnig – das sind unsere Fenster! Obwohl wir im ersten Stock leben, sind sie alle vergittert. Ich sehe ein, dass dies in Indien aus sicherheitstechnischen Gründen Sinn macht, aber die Wahl dieser hässlichen Gitter, die damals meine Schwiegereltern getroffen haben, ist unverständlich. Vor jedem Fenster gibt es gefängniszellengleiche Vergitterungen. Anfangs waren die Grills, wie man hier sagt, schwarz gestrichen! Dabei gäbe es viel schönere Varianten in Form und Farbe.

 

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Meine Aussicht aus dem Küchenfenster, das natürlich auch vergittert ist.

Jetzt in Weiß und mit Vorhängen sieht es etwas freundlicher aus und das Gefängnis-Feeling ist etwas gewichen.

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Unsere Fenster lassen sich nur gegen Außen öffnen. Das hat den Vorteil, dass ich sie nicht putzen kann und den Nachteil, dass sie trotzdem schmutzig werden! So, schickt mir Prabhu drei- bis viermal pro Jahr zwei Arbeiter, die dann mit einer Bambusleiter, die ehrlich gesagt nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, abenteuerlich meine Fenster reinigen.

Dafür habe ich eine wunderschöne geschnitzte Ganesha-Tür! Das macht das Übel mit den Fenstern nicht ganz wett, aber mildert das Ganze wenigstens etwas ab ;-).

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Im oberen Teil sitzt die Göttin Lakshmi mit zwei Elefanten, die Glück bringen soll.

 

Vom Fernsehen

Ja, wir haben hier auch Netflix und ich bin froh darüber. Mein Sohn und ich schauen uns gerne Filme an. Doch wenn ein bedeutsamer Cricketmatch läuft, dann besetzt mein Liebster den Fernseher für Stunden. Dabei sollte ich noch erwähnen, dass in seinen Augen die meisten Spiele wichtig sind. Ich habe Cricket eine Chance gegeben und mir ein oder sogar zwei Spiele angeschaut. Mein gewinnbringendes Fazit: Stinklangweilig und reine Zeitverschwendung! Für diese Aussage würden mich jedoch die meisten Inder und auch Inderinnen fast lynchen.

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In der Küche

Neben den südindischen Speisen und den entsprechenden Gewürzen, die in meiner Küche immer mehr Fuß fassen, gibt es noch andere Unterschiede. Mein Gasherd ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und ich möchte nie wieder zurück zu einem Elektroherd.

Dafür vermisse ich das gute Wasser aus der Schweiz! Sorgenfrei Trinkwasser vom Hahn zu trinken, wäre hier undenkbar. Selbst mit unserem Water Purifier, der mit etlichen Kartuschen und Filtern gefüllt ist, traue ich der Wasserqualität nie ganz.

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Unser Wasserfilter, das gefilterte Wasser brauchen wir zum Trinken und zum Kochen.

Geschirr? Ja, es gibt das indische Stahlgeschirr in meinem Schrank, das alle Westler hässlich finden und an Gefängnisgeschirr erinnert. Zwar nur in einer bescheidenen Anzahl, aber es hat drei Stahlteller und einige Tumblers (Stahlbecher).

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Daneben habe ich auch einige praktische Geräte für die indische Küche angeschafft.

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Meine Limetten-Presse wird im Sommer oft gebraucht um den kühlenden Lime-Juice herzustellen
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Meine Tava, eine flache Bratpfanne. Unerlässlich, um Dosai und Chapati zu machen.
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Auch dieses Gitter brauche ich für Chapati – über die Gasflamme gehalten gegen sie nach dem Backen wunderbar auf.
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Indische Snacks gefällig? Mit dieser Presse werden Murukku oder Ribbon Pakoda hergestellt.

Von Hausangestellten

Ja, in Indien hat jeder aus dem Mittelstand eine Maid. Familien aus der höheren Mittel- und Oberschicht haben sogar Staff. „My maid is…, I’ve found a driver now …, do you know a good cook?, …” Wie oft geht mir dieses Wohlstandsgeplapper auf die Nerven! Eines habe ich jedoch schnell entdeckt, viele haben mit ihrem Staff Ärger und sind unzufrieden. Gutes und vertrauenswürdiges Personal zu finden, scheint wirklich schwierig zu sein.

Ich habe seit einigen Jahren eine Angestellte und mit ihr bin ich weitgehend zufrieden. Nur fehlt sie sehr oft, weil sie oder ihr Mann immer wieder krank sind. Eigentlich habe ich sie hauptsächlich zum Nähen meiner Rosenblatt-Produkte angestellt. Sie verdient für indische Verhältnisse hervorragend. Tatsächlich bezahle ich zu viel, aber ich will ihr bewusst einen guten Lohn geben, da sie ihre vierköpfige Familie alleine durchbringt. Morgens hilft sie mir rund eine bis zwei Stunden bei den Hausarbeiten und danach näht sie. Sie arbeitet 7 Stunden täglich, fünf Tage die Woche. Sie ist zuverlässig und ich muss nicht ständig hinterher kontrollieren. Oft sieht sie die Arbeit auch von selbst, worüber ich sehr glücklich bin. In Indien bin ich ein ganz schlechter Boss. Ich kann Leute nicht herumkommandieren und mit Strenge behandeln. Wenn ich jedoch beobachte wie die sogenannten Reichen und Gutausgebildeten dieses Landes mit ihrem Personal umgehen, dann bleibe ich sehr gerne eine schlechte, aber nette Chefin.

Obwohl das Kochen nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, habe ich keinen Koch. Da wir eine offene Küche haben, wäre dies auch etwas schwierig. Das Mittagessen koche in der Wohnung meiner Schwiegereltern gemeinsam mit meinem Schwiegervater. Wenn ich mal gar nicht kochen mag, bestelle ich bei Swiggi. Das ist ein Essenslieferant, der praktisch alle Restaurants in der Nähe abdeckt. Man bestellt via App beim Lieblingsrestaurant und lässt sich das Essen nach Hause bringen.

Für einen festangestellten Fahrer hätten wir zu wenig Beschäftigung. Wenn ich weggehe, denn rufe ich einfach einen Calldriver, der mich dann mit unserem eigenen Auto herumchauffiert.

Was ich in Indien sehr genieße, ist die Tatsache, dass ich nie bügeln muss. Die gewaschene Wäsche gebe ich auswärts und gegen Abend wird mir alles schön gebügelt und gefaltet zurückgegeben.

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Meine gebügelte Wäsche in den Schrank legen und fertig! 

Als Hausfrau, die nicht so gerne Hausarbeiten macht, lebt es sich in Indien ganz famos!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

St.Thomas Mount – eine kleine Oase im Süden von Chennai

St. Thomas

Neulich fragte ich meinen Liebsten, ob wir nicht wieder mal zum St. Thomas Mount gehen könnten. Ich mag diese kleine grüne Oase auf dem Hügel, obwohl es auch hier immer viele Besucher hat.

St. Thomas Mount 4

St. Thomas Mount 5

Erstaunlicherweise war Prabhu sofort bereit. Kaum ging es den Hügel hinauf, schwebte er in Kindheitserinnerungen. „Schau! Dort haben wir immer Cricket gespielt. Da war unser Klassenzimmer, …“

Einige Jahre ging Prabhu hier zur Schule. Auch erzählte er immer wieder vom seinem Schulweg, der sich noch in die Länge zog, da auf der fünf Kilometer langen Strecke alle wichtigen Schulkameraden abgeholt wurden. Der Schulweg, der so über eine Stunde dauerte, war für die Freunde jedoch kurzweilig, vergnüglich und sie genossen das unbeschwerte Zusammensein.

Manchmal möchte ich die Zeit zurückdrehen und das Chennai vor 30 oder 40 Jahren sehen. Kein Verkehr, kaum Umweltverschmutzung und viele grüner muss es gewesen sein. Für Prabhu gab es damals nur das Eine: Cricket spielen! Vor der Schule, in der Pause und nach der Schule war Cricket seine Welt.

Wenn er von damals erzählt, leuchten seine Augen und ich sehe ihn als Kind vor mir.

St. Thomas Mount 3

Der heilige Apostel Thomas hatte es nach dem Tod Jesu scheinbar nach Indien gezogen. An der Malabarküste wirkte er und bekehrte die ersten Inder zu Christen. Danach soll er nach Chennai gegangen sein. Der Überlieferung nach wurde er im Jahr 72 auf dem St. Thomas Mount mit einem Speer getötet. Seine Überreste befinden sich heute in der St. Thomas Basilika in Mylapore.

Die Kapelle, die auf dem St. Thomas Mount steht, ist somit zu einem Pilgerort für die Christen in Indien geworden.

Papst john Paul 2
1986 hat der Papst Johannes Paul den St. Thomas Mount besucht.

St. Thomas Mount

Mir gefällt vor allem die ruhige und friedliche Stimmung, die hier herrscht. Umgeben von Bäumen bekommt man das Gefühl, der City etwas zu entfliehen. Auch einige Minuten in der Kirche zu sitzen, entschleunigt und bringt Ruhe. Von dem kleinen Hügel hat man zudem einen tollen Überblick über den südlichen Stadtteil von Chennai.

Aussicht St. Thomas Mount

St. Thomas Mount 2

Rajiv Gandhi – aus meinem Tagebuch vom März 2007

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Es ist Sonntag. Für mich ist dieser Wochentag immer noch mit der westlich-christlichen Kultur verbunden und ein kleines Familienheiligtum. Doch hier in Indien sind nur grade 2,3 % Christen und so ist der Sonntag für viele ein ganz normaler Arbeitstag und es ist nicht mal unhöflich bereits um sieben Uhr morgens anzurufen und meinen Sonntagsfrieden zu stören. So wird mein Liebster, zu meinem Bedauern, auch sonntags nicht von vielen Geschäftsanrufen verschont. Heute, wir haben noch keine Pläne, ruft ausgerechnet ein Agent von Prabhu an und möchte ihm ein Stück Land ausserhalb von Chennai zeigen. Prabhu wäre bereit sich dies anzusehen, aber meine Sonntagsansichten stehen ihm natürlich im Weg. Elegant macht er mir die Landbesichtigung als Familienausflug schmackhaft. Da ich wenig Begeisterung zeige, zieht er noch den letzten Trumpf aus dem Ärmel: Das Rajiv Gandhi Denkmal! Schliesslich willige ich in die Pläne meines arbeitswütigen Ehegatten ein und wir fahren los. Suriyan ist immer begeistert, wenn es mit dem Auto irgendwohin geht.

Die Landbesichtigung erweist sich als schwierig, da der Agent die Parzellen nur vom Plan her kennt. Pläne und Wirklichkeiten liegen in Indien teilweise weit auseinander. Es beeindruckt mich immer wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Wildfremde Menschen nehmen sich Zeit und versuchen zu helfen.

Schliesslich fahren wir zum Denkmal. Eine schöne, grosse und  gepflegte Anlage, die von vielen indischen Sonntagsausflüglern besucht wird, erwartet uns. Die sieben grossen Säulen, die mit Zitaten von Rajiv Gandhi beschrieben sind, fallen auf Anhieb ins Auge.

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Hier wurde Rajiv Gandhi an einer Kundgebung am 21. Mai 1991 von einer Selbstmordattentäterin der Tamil Tigers ermordet und mit ihm wurden 16 weitere Teilnehmer aus dem Leben gerissen. Rajiv Gandhi war von 1984 –1989  Premierminister von Indien und hatte gute Aussichten wieder ins begehrte Amt gewählt zu werden.

Eine tragische, politische Familiengeschichte tut sich hier auf:

Rajiv Gandhis Grossvater ist der berühmte Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister Indiens und damals enger Vertrauter von Mahatma Gandhi im gewaltlosen Widerstand gegen die Briten. Immer wieder wurde der gebildete Pandit, der in England Rechtswissenschaften studiert hat,  von den Briten ins Gefängnis gesteckt. Dort verfasste er 196 Briefe an seine einzige Tochter Indira und schilderte seine Ansichten und Ideologien. 1947 bis 1964 war Nehru im Amt und etablierte in Indien die demokratischen Werte und Strukturen, die er sehr an den Gesetzgebungen der ehemaligen Unterdrücker anglich.

Indira stieg, geprägt durch ihren Vater, schon in frühen Jahren in die Politik ein. Mit 21 Jahren war sie bereits Mitglied im Parlament. Sie heiratete den Politiker Feroze Gandhi, der nicht mit dem grossen Mahatma Gandhi verwandt war, aber dessen Name ihr für die spätere Politkarriere sehr zu Gute kam. Bald darauf erblickten die beiden Söhne Rajiv und Sanjay das Licht der Welt. Indira wurde die engste Vertraute ihres Vaters und nach seinem Tod 1964 wurde sie nach kurzer Zeit zur Premierministerin gewählt. Die Herausforderungen und Probleme, die es während ihrer Amtszeit von 1966 bis 1977 zu bewältigen gab, waren riesig.

Armut, Bevölkerungswachstum, schlechte Wirtschaftslage, Korruption, Unruhen, … machten ihr das Leben schwer. Sie begegnete den Schwierigkeiten mit Härte, Skrupellosigkeit und autoritärer Macht. Als sie vom Gericht wegen Korruption im Wahlkampf verurteilt wurde, verhängte sie kurzerhand den Ausnahmezustand, liess viele Oppositionsgegner verhaften und schränkte die Pressefreiheit ein.

Sanjay, ihren zweitgeborenen Lieblingssohn, baute sie zum Nachfolger auf. Dieser wurde in seinen Ansichten jedoch immer extremer. Er war Initiant für Millionen von Zwangssterilisationen, die im ganzen Land für Entsetzen sorgten. Indira Gandhi wurde schliesslich abgewählt, kämpfte sich 1980 jedoch wieder an die Regierungsspitze zurück.

Ein schwerer Schlag traf sie, als ihr Sohn Sanjay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Böse Zungen hinterfragten jedoch den Unfall und wilde Spekulationen, ob nicht sogar die eigene Mutter die Hände im Spiel hatte, kursierten.

Nun wurde der ältere, zurückhaltendere Sohn Rajiv, der Pilot bei der Indian Airlines war, überredet in die Politik einzusteigen.

Die zweite Regierungszeit wurde von grossen Unruhen überschattet. In Punjab verhinderte Indira Gandhi die Bildung eines autonomen Sikhenstaates mit der Stürmung des Goldenen Tempels in Amritsar, dem grössten Heiligtum der Sikhen. Für diese Ungeheuerlichkeit bezahlte sie am 31. Oktober 1984 mit ihrem Leben. Sie wurde von zwei Sikhs ihrer eigenen Leibgarde erschossen.

Noch am selben Tag wurde Rajiv Gandhi als Premierminister vereidigt, während es in vielen Teilen des Landes zu blutigen Auseinandersetzung gegen die Sikhs kam. Rajiv Gandhi war mit Sonia Gandhi verheiratet und sie hatten zusammen zwei Kinder Rahul und Priyanka. Sonia Gandhi, ursprüngliche Italienerin, war gar nicht begeistert, als ihr Mann sich entschloss in die Politik einzusteigen. Sie hatte sich ihr Leben wohl anders vorgestellt, als sie Rajiv bei einem Sprachaufenthalt in Cambridge kennen lernte.

Nach dem tödlichen Attentat, wurde jedoch auch sie von der Kongress Partei gedrängt in die Politik einzusteigen.

Doch erst sechs Jahre später, als die Hindu-Nationalisten in Delhi an die Macht kamen, übernahm sie den Parteivorsitz. Sie fühlte sich durch ihre Angehörigen, die für die Kongress Partei gelebt und gestorben sind, verpflichtet. Obwohl sie wegen ihrer italienischen Herkunft immer wieder angegriffen wurde, führte sie die Kongress Partei wieder an die Spitze zurück.

2004 hat sie das Amt der Premierministerin jedoch ausgeschlagen und Manmohan Singh vorgeschlagen. Erstmals hatte das Land einen Sikhen zum Regierungschef und Sonja Gandhi, die scheinbar so selbstlos verzichtete, wird vom Volk schon fast als Heilige verehrt.

Ihr Sohn Rahul mischt in der indischen Politik bereits mit. Dies erstaunt nicht, denn der Lebensweg des Stammhalters scheint vorbestimmt.

 

 

Mamallapuram – Weltkulturerbe in Tamil Nadu

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Etwas über eine Autofahrstunde von Chennai entfernt liegt das touristische Städtchen Mamallapuram. Der Ort lebt heute vorwiegend vom Tourismus, der Steinmetzkunst und der Fischerei.

In den vielen kleinen Läden kann man sich als Tourist mit Souvenirs eindecken. Mamallapuram ist sehr berühmt für die Steinmetzkunst, so kann man von riesigen Statuen bis ganz kleinen Figuren alles kaufen. Die Preise sind für Touristen ausgerichtet, daher unbedingt um den Endpreis verhandeln.

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Für mich ist Mamallapuram eindeutig zu touristisch, aber gerne komme ich mal ein Wochenende hier her, um in einem schönen Resort am Strand etwas zu relaxen und Abstand von der City zu gewinnen.

Viele ausländische Touristen, die Südindien bereisen, lassen die Sehenswürdigkeiten von Chennai aus und fahren direkt vom Flughafen nach Mamallapuram.

Der kleine Ort war einmal ganz groß. Im 7. und 8. Jahrhundert war Mamallapuram einer der bedeutesten Häfen an der indischen Ostküste. Durch Münzfunde konnte man sogar belegen, dass hier bereits im 1. Jahrhundert Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde.

Unter der Herrschaft der Pallava-Könige, die in Kanchipuram ihre Hauptstadt hatten, florierte auch der Export von Edelgütern wie Elfenbein, Seide und Edelsteinen in viele Länder Südostasiens. Der Überseehandel brachte viel Wohlstand ins Land. Mit dem Geld wurde nicht nur die Verwaltung des Reiches, sondern auch die großartigen Baudenkmäler und Tempel finanziert.

Die Tempelbauten in Kanchipuram und Mamallapuram sind beeindruckende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst und gehören zu den ältesten (7. / 8. Jahrhundert) erhaltenen Bauwerke Südindiens. 1984 wurden die Tempel, Höhlen und die Flachreliefs zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Architektur dieser frühen Bauwerke prägte den Dravida-Baustil, der die Tempelarchitektur in Südindien charakterisiert und teilweise bis nach Südostasien zu finden ist.

Der Shore Tempel, der direkt am Strand liegt, stammt aus dem 8. Jahrhundert. Es ist ein Shivatempel mit einem Lingam und im Nebenschrein findet man den ruhenden Lord Vishnu auf der Weltenschlange. Dank Wellenblocker, die damals noch Indira Gandhi in Auftrag gegeben hat, überstand der Tempel den Tsunami von 2004 weitgehend unbeschädigt.

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Bei den fünf Rathas handelt es sich um monolithische Bauwerke aus dem 7. Jahrhundert, die aus einem Stück Stein gehauen wurden. Man vermutet, dass sie nie als Tempel genutzt wurden. Es scheint vielmehr, dass an diesem Platz mit verschiedenen architektonischen Bauformen experimentiert wurde. Die fünf Rathas sind nach den Pandava-Brüdern aus dem Mahabharata-Epos benannt.

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Das riesige Felsrelief (rund 12m x 33m) zeigt die Herabkunft der Göttin Ganga. Die Geschichte zur Herabkunft der Göttin Ganga findest du unter diesem Link.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Es ist eines der größten Felsreliefs der Welt aus dem 7. Jahrhundert.

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Auf einem lang gestreckten Felsen von rund 500 m Länge liegt Krishnas Butterball, eine riesige Felskugel. Fast alle legen hier einen Fotostopp ein. Man kann sich dem Gefühl nicht verwehren, dass sie jeder Zeit herunterrollen könnte.

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PS: Einige Fotos stammen von meinem Vater. Danke Pa!

Auf dem Weg nach Pondicherry -Alamparai Fort

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Aus meinem Tagebuch vom Juli 2008

Heute fahren wir zu den Ruinen des Alamparai Forts, das rund 100 km von Chennai entfernt an der ECR Richtung Pondicherry liegt. Auf dem Weg sehen wir ein Dorf, das an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 erinnert. Kleinste Häuser, die mit Spenden aus dem Ausland errichtet wurden, stehen in Reihen eng nebeneinander.

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Als wir aussteigen, will uns ein Junge unbedingt herumführen und sich natürlich ein Taschengeld verdienen. Schließlich lassen wir ihn gewähren. Das quadratisch angelegte Fort liegt direkt am Meer und die zerfallenen Überreste und Mauern lassen das einstige imposante Fort der Mogulen nur schwer erahnen.

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Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Fort von moslemischen Herrschern erbaut. Von 1736-1740 stand es unter der Kontrolle von Nawab Dost Alikhan und 1750 wurde das Fort dem großen französischen General Joseph Francois Dupleix als Geschenk übergeben. Dupleix ließ in Alamparai seine Goldmünzen prägen und exportierte vom Hafen aus Textilien, Salz und Butterschmalz. Später, im Kampf gegen die Briten, wurde das Fort größtenteils zerstört.

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Unser kleiner Führer erweist sich als geschäftstüchtig und er macht uns eine Bootsfahrt mit einem Fischerboot schmackhaft. So fahren wir mitten in der Mittagshitze aufs Meer hinaus. Der Fischer hat zwei seiner Söhne dabei, die aus dem Staunen kaum herauskommen. Als wir unseren Fahrer Venkatesh am Ufer erblicken und den Fischer bitten anzuhalten, damit er auch mitfahren kann, kommt noch eine indische Großfamilie dazu. Der Preis ist schnell ausgehandelt und so tuckern wir mit 15 Menschen an Bord los.

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Als der Junge des Fischers noch einen Einsiedlerkrebs fängt und ihn den Kindern zeigt, kommt unser Sohn nicht zum Staunen heraus und ist gänzlich zufrieden.

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Zoobesuch in Chennai

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Aus meinem Tagebuch vom März 2007

Um 15.30 Uhr geht’s los. Wir wollen, d.h. ich will mit Suriyan in den Zoo. Prabhu hat gegen die Langeweile, die ihn in Anbetracht der Tiere überkommt, einen Freund eingeladen uns zu begleiten.

Da sind wir nun: Zwei indische Männer, die beide nicht grade vor Zoomotivation strotzen, eine weiße Frau mit einem Kinderwagenmodell, das indische Menschen noch niemals zuvor gesehen haben und dementsprechend ihre Köpfe verrenken, und natürlich Suriyan, unser kleiner Star. 15 Rupien Eintritt kostet das Vergnügen für eine erwachsene Person und für die Kamera bezahlen wir zusätzlich 25 Rupien.

Es hat viele Leute wie überall in Chennai. Viele Familien mit riesigen Taschen und Thermoskannen, den halben Haushalt mittragend, begegnen uns. Manche indische Familien verbringen den ganzen Sonntag im Zoo. Aber auch junge Paare, Schulklassen und Gruppen von jungen Männern, die sich scheinbar mehr für die indische Weiblichkeit interessieren als für die Zoowelt, gehören zu den Besuchern. Eine Gruppe junger Mädchen stürzt sich auf Suriyan im Kinderwagen. Jede kneift ihn liebevoll in die Wange, schüttelt seine Hand, … Nach der dritten Attacke wird es sogar unserem Suriyan, der diese Zärtlichkeiten normalerweise wacker über sich ergehen lässt, zu viel und er versteckt sein Gesicht.

Zuerst geht es Richtung Tigergehege, denn auf das gestreifte Nationaltier haben wir auf unserer Safari in Bandipur vergeblich gehofft. Der indische Tiger, ein Prachtkerl, ist wirklich in seinem Gehege und trottet gelangweilt hin und her. Suriyan ist begeistert. „Va, va Tigel“, ruft er. („Va“ heisst in Tamil „komm“). Auch die Löwen versucht er in Tamil anzulocken, aber die halten ihre Siesta und zeigen sich nur schlafend, da kann Suriyan noch lange rufen. Wir sehen den indischen Gaur, Sambarhirsche, Affen,… viele Tiere, die wir auf der Safari in freier Natur gesehen haben.

Der Zoo ist riesig, weitläufig und wir können gar nicht alles sehen, denn die Zeit geht im Flug vorbei und um 18.30 wird geschlossen. So verzichten wir auf die Reptilien und Schlangen. Ich bin positiv überrascht von den großen Gehegen für die Tiere. Da habe ich in der Schweiz schon anderes gesehen.

Langsam schlendern wir zurück. Beim Ausgang vor der Springbrunnenanlage verewigt sich eine indische Großfamilie auf einem Foto. Eigentlich möchte ich auch knipsen, entscheide mich dann jedoch dagegen.