Es werde Licht – Karthigai Deepam

Oellicht

Heute feiern wir in Tamil Nadu das Lichterfest Karthigai Deepam. Es findet jedes Jahr im tamilischen Monat Karthigai (Mitte November bis Mitte Dezember) statt. Tausende von Gläubigen führt es jeweils in die berühmte Pilgerstadt Tiruvannamalai, um die zehntägigen Festlichkeiten hautnah mitzuerleben. Wenn es ihre Gesundheit zulässt, so wie dieses Jahr, reisen auch meine Schwiegereltern hin.

Bei Vollmond am 10. Tag wird auf dem heiligen Berg Arunachala ein riesiges Feuer entfacht. Darauf werden in ganz Tamil Nadu kleine Öllichter an die Hauseingänge und auf die Straßen gestellt. Obwohl ich inzwischen weiß, was zu tun ist, ruft mich mein Schwiegervater immer an, um nochmals Instruktionen zu geben. Vor jede Haustür muss ich zwei Öllichter stellen, natürlich auch hinter dem Haus und die Flammen müssen gegen Osten zeigen. Auch auf die Straße gehören Öllichter und natürlich ein schönes Kolam. Da unsere Nachbarn alle das Gleiche tun, erhellen jeweils viele Öllicher die dunkle Nacht.

Kolam
Kolam

Oellichter auf der Strasse

Der Legende nach ist das Lichterfest Karthigai Deepam eng mit dem heiligen Berg Arunachala verwoben. Dort ließ Lord Shiva eine riesige Feuersäule in Form eines Lingam entstehen. Er schlichtete dadurch einen Streit zwischen Vishnu, dem Erhalter und Brahma, dem Schöpfergott. Die beiden wetteiferten nämlich darum, wer der Stärkere, der Bedeutsamere sei. Shiva forderte darauf die beiden Streithähne auf, den Anfang und das Ende der riesigen Feuersäule zu finden. Vishnu verwandelte sich in ein Wildschwein und grub sich tief in die Erde, um den Anfang zu suchen, und Brahma erhob sich als Schwan in die Lüfte um das Ende zu finden. Beide gaben schließlich erfolglos auf, verbeugten sich vor Lord Shiva und anerkannten ihn als höchste Macht.

Bei Lichte betrachtet – die erste Zeit nach meiner Auswanderung nach Indien

Viele von euch scheint es zu interessieren, wie mein Abenteuer Indien damals, vor fast 14 Jahren, weiterging. Aus meinen Tagebucheinträgen habe ich folgende Fortsetzung zusammengestellt.

Bei Tageslicht sieht unser Häuschen nicht viel besser aus. Unsere Vermieter haben nur grade das Notwendigste machen lassen und die Arbeiter haben überall gepfuscht. Farbflecken hier und dort, Farbe bröckelt von den Wänden, die Abflüsse der Lavabos werden mit einem grauen Kunststoffschlauch in ein Loch geleitet, eine hässliche Lampe hängt in der Wohnstube und alle Räume werden mit einer Neonröhre beleuchtet. Zwei dunkelbraune Gestelle sind in der Wohnstube direkt in die Wand eingelassen und mit schmutzigen Schiebetüren aus Glas verschließbar. Die schwarzvergitterten, matten Fenster geben das Gefühl in einer Gefängniszelle zu sitzen.

Ich habe Prabhu gebeten, dass vor unserer Ankunft geputzt wird. Dies sei geschehen, bekommen wir zur Antwort, und ich merke, dass das Sauberkeitsempfinden hier ein anders sein muss. Ich denke an unsere alte Wohnung zurück, die wir vor fünf Tagen abgegeben haben. Wie pingelig da alles kontrolliert und durchgecheckt wurde. Auch Prabhu ist enttäuscht und meint, dass wir bald etwas anderes suchen werden. Wir legen beim Putzen nochmals selbst Hand an, sodass wir uns einigermaßen wohlfühlen können.

Nur der Hof draußen gefällt uns. Zwei alte Mangobäume und ein Neembaum spenden Schatten. Jasmin, Hibiskus, Nachtjasmin und viele mir unbekannte tropische Pflanzen säumen den Rand. Eine Kokospalme, Bananenstauden und Papaya stehen hinter dem Haus. Der Eingang zum Grundstück ist mit einem Gate geschlossen, so ist der Hof für Suriyan und Lara ideal zum Spielen.

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Neembaum
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Mangos vom eigenen Baum
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Und Bananenstauden hinter dem Haus

Ein Watchman bewacht das Grundstück, sieht zum Rechten, pflegt die Pflanzen und wischt zweimal täglich den Platz. Er schläft auf der kleinen Veranda unserer Vermieter, die in den USA leben und ab und zu hier Urlaub machen. Gottlob mag er Lara auf Anhieb und freundet sich schnell mit ihr an. So einen Hof mit Garten in Chennai zu finden, ist scheinbar nicht einfach und vor allem kaum bezahlbar. Lara ist noch unsicher und verängstigt. Nur langsam traut sie sich den neuen Ort zu erkunden.

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Unser Watchman mit Suriyan und Lara

 

Natürlich lässt Prabhus Familie nicht lange auf sich warten. Alle wollen Suriyan sehen. Prabhus Schwester besucht uns mit den zwei Töchtern. Sie bringen eine große Torte mit. „Happy Birthday to Suriyan“, steht in dunkelbrauner Zierschrift drauf. Ich muss schmunzeln, denn Suriyans Geburtstag liegt noch in weiter Ferne. Wollen sie den verpassten ersten Geburtstag nachfeiern? Alle freuen sich riesig und plappern freudig in Tamil. Yamuna und Vanita, Prabhus Nichten, spielen mit Suriyan und unterhalten sich mit mir in Englisch. Auch Prabhus Eltern kommen zu uns nach Hause. Sie sind sehr glücklich, endlich den einzigen Enkelsohn in die Arme zu schließen, aber irgendwie stehen sie dem Ganzen auch noch mit etwas Unbehagen, Skepsis gegenüber.

Natürlich ist immer wieder Shopping angesagt. Da unser Containergepäck erst in 5 Wochen eintreffen wird, und wir unseren Hausstand zu einem großen Teil aufgelöst oder auf dem Estrich meines Bruders gelagert haben, brauchen wir viele Dinge. Waschmaschine, Kochherd, Pfannen, Möbel, PC, Fernsehgerät, Stereoanlage, Bügeleisen mit Bügelbrett, Staubsauger, Mixer, … Eigentlich würde mir dies ja Spaß machen, aber hier ist alles anders. Von Pontius zu Pilatus müssen wir fahren, die Auswahl ist sehr eingeschränkt und alles braucht Zeit, viel Zeit. Dabei immer ein eineinhalbjähriges Kind zu betreuen, ist nicht grade das große Vergnügen. Es ist Stress pur und wir beschließen, das Ganze langsamer anzugehen.

Ich bin nicht das erste Mal und auch nicht ganz unvorbereitet in Indien, aber mit einem Kleinkind ist alles anders. Der Schmutz, die Hitze, die Moskitos, die ständige Angst vor Krankheiten setzen mir sehr zu. In jedem Restaurant achte ich pingelig auf jedes Detail. Nichts Ungekochtes, Ungeschältes, keine Eiscreme, keine Lassi, … Dazu kommt, dass es nicht zu scharf sein sollte. Gar nicht so einfach und Suriyan macht es mir mit seinen ständigen oralen Erkundigungen auch nicht leichter.

Langsam, Schritt für Schritt geht es voran. Der Esstisch sollte in ein paar Tagen geliefert werden, und die Waschmaschine ist bereits in Betrieb. So essen wir auf dem Boden sitzend oder gehen ins Restaurant.

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Endlich ein Esstisch

Suriyan meistert den Wechsel scheinbar problemlos. Er ist den Menschen hier sehr zugetan, fröhlich und kontaktfreudig, was natürlich alle riesig freut. Chella Kutty, kleiner Schatz, nennen sie ihn überall und kneifen ihn liebevoll in die Wange und küssen danach die Fingerspitzen, die Suriyan berührt haben. Mit seiner hellen Haut entspricht er hier einem Schönheitsideal. In der Schweiz hat Suriyan nie diese Aufmerksamkeit von Fremden erhalten. Kinder sind hier die Könige der Welt und überall ist man herzlich willkommen. Wohin ich auch gehe, werde ich immer gefragt, wie unser Sonnenschein heißt. Suriyan bedeutet auf Tamil „Sonne“, und dies scheint Herz und Tür jedes Tamilen umgehend zu öffnen. „Hi Suriyan“, werden wir überall freundlich begrüßt.

Lara dagegen ist immer noch ängstlich. Sie verlässt nur ungern das Haus und braucht viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Langsam wird alles gut. Möbel, Vorhänge, Bilder machen das Haus wohnlicher, gemütlicher. Als dann endlich mit grosser Verspätung der Container mit unseren Sachen eintrifft, ist es wie ein zweites Mal Weihnachten feiern. Ich entspanne mich, fühle mich endlich wohl, und so kommen auch Lara und ich in Indien an …

Wie mein Abenteuer begann, kannst du hier nachlesen:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/11/28/das-abenteuer-indien-beginnt/

Zwiebeln – Preise zum Heulen

 

„Weißt du, wie viel diese Zwiebel kostet?“, fragt mich mein Schwiegervater heute ganz aufgeregt. „14 Rupees! Das ist verrückt! Das Kilo 140 Rupees (1,75 Euro) – das ist wohl der höchste Preis, den ich je bezahlt habe.“

Vorsichtig und hochachtungsvoll schneide ich die teuren Zwiebeln, die wir heute zum Kochen brauchen, in dünne Streifen. Die Qualität lässt auch bei diesem hohen Preis zu wünschen übrig. Die äußerste Schicht ist oft angegraut und das Innere manchmal bereits verdorben. Tränen muss ich trotzdem keine vergießen, obwohl der hohe Preis dies eigentlich verlangen sollte. Die roten Zwiebeln, die wir hier in Indien brauchen, haben mich noch nie zum Weinen gebracht. In der indischen Küche sind Zwiebeln nicht wegzudenken. Inder lieben Zwiebeln! Ich schätze mal, dass wir bestimmt drei bis vier Kilo Zwiebeln pro Woche für 5 Personen verbrauchen.

Normalerweise bezahlen wir für ein Kilo Zwiebeln rund 30 Rupees. Doch in den letzten Wochen sind die Preise enorm angestiegen. Die großen Niederschläge und Überflutungen haben viele Zwiebelernten zunichte gemacht. Es herrscht ein absoluter Zwiebelmangel. Tamil Nadu ist bei Zwiebeln auf andere Bundesstaaten angewiesen und bezieht sie vor allem aus Maharashtra, Karnataka und Telangana. Nur die kleinen Sambar-Zwiebeln werden im Süden Tamil Nadus angebaut.

So schafft es die Zwiebel täglich in die News. Es wird gegen die hohen Zwiebelpreise demonstriert. Es werden Zwiebeln in großem Stil geklaut. Es werden Zwiebeln aus Ägypten und der Türkei importiert.

Die Zwiebel ist im Moment omnipräsent – News-Star Nummer 1 sozusagen. Um die Preise nicht noch höher werden zu lassen, hat die Regierung Restriktionen erlassen. So dürfen Großhändler nur 25‘000 Tonnen und Kleinhändler 5000 Tonnen lagern. Denn es gibt immer wieder Schlaumeier und Geldhungrige, die in solchen Momenten gerne spekulieren und sich durch den Mangel höhere Gewinne versprechen. Bis zur nächsten Ernte im Januar werden die Preise wohl hoch bleiben. Für viele Haushalte ist dies ein große Belastung, denn auch Koriander und Drumsticks sind bedeutend teuerer als üblich.

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Zwiebelkrise bald an uns vorbeizieht.

Gastbeitrag von Katoori – Indisches Rezept Dahi Matar Paneer

Auf dem Blog von Katoori findet ihr eine riesige Fülle an indischen Rezepten. Viele davon auch angepasst, um mit dem Thermomix zu kochen. Als ich Katoori gefragt habe, ob sie Lust hätte auf meinem Indien-Blog ein Paneer-Rezept zu veröffentlichen, hat sie sofort zugesagt, und kurz darauf hatte ich schon ihr neues Dahi Matar Paneer Rezept in meiner Mailbox. In Hindi bedeutet Dahi Joghurt und Matar Erbsen. Es ist also ein Joghurt-Erbsen-Paneer Gericht, das mit indischen Broten (Naan, Roti, …) oder auch mit Reis serviert werden kann. Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachkochen.

Viele weitere indische Rezepte von Katoori findet ihr hier: https://katooris.com

Paneer könnt ihr leicht selbst machen. Um ungefähr 200 g Paneer zu bekommen, braucht ihr 2 Liter Vollmilch. https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/11/19/paneer-indischer-kaese-selbst-gemacht/

Das Rezept: Dahi matar paneer

für 2 Portionen

Zutaten:

  • Ca. 3 El. Öl
  • 1 Tl. Fenchelsamen
  • 1/2 Tl. schwarze Senfsamen
  • 1/4 Tl. Bockshornkleesamen
  • 1 Tl. Schwarzkümmelsamen
  • 1/2 Tl. Kreuzkümmelsamen
  • 1/2 Tl. Asafoetida
  • 200 g Zwiebeln, in schmale Spalten geschnitten
  • 1/2 Tl. Kurkumapulver
  • 1/2 Tl. Chilipulver (Kashmiri)
  • 1/2 Tl. schwarzes Salz
  • 250 g Joghurt
  • 100 g grüne Erbsen (frisch oder TK)
  • 250 g Paneer in Würfeln
  • Salz zum Abschmecken
  • Koriander, frischer, gehackt zum Servieren

Zubereitung:

1. Das Öl in einer Pfanne erhitzen.

2. Die ersten 6 Gewürze (bis einschließlich Asafoetida) hineingeben und unter Rühren braten, bis die Gewürze zu knistern beginnen.

3. Die Zwiebeln zugeben und unter Rühren bei Mittelhitze glasig braten (nicht bräunen!).

4. Kurkuma, Chili und schwarzes Salz zugeben gut mischen und 2-3 Minuten weiterbraten.

5. Den Joghurt zugeben, aufkochen und ein paar Minuten köcheln lassen, bis das Öl sich von der Sauce trennt.

6. Sauce mit Salz abschmecken.

7. Die Erbsen zugeben, einmal aufkochen lassen, dann Pfanne vom Feuer nehmen, Paneerwürfel zugeben, vorsichtig unter die Sauce heben. Pfanne mit Deckel zudecken und den Paneer kurz heiß werden lassen.

8. Zum Servieren mit dem gehackten Koriandergrün bestreuen.

Guten Appetit!

Das Abenteuer Indien beginnt

Mit diesem Beitrag sind es nun genau 200 Blogartikel, die ich bereits veröffentlicht habe. Zeit zurückzuschauen, zu reflektieren und auch in meinem Tagebuch zu stöbern, das ich damals ziemlich regelmäßig geführt habe. Dabei bin ich bei meinem ersten Indieneintrag hängen geblieben. Was war das damals für ein Abenteuer und wie mutig habe ich mich auf die Auswanderung nach Indien eingelassen.

Welcome to Chennai – aus meinem Tagebuch vom Februar 2006

Angespannt, nervös schaue ich aus dem kleinen, runden Fenster. Es ist fast Mitternacht und wir fliegen über Chennai, unseren Zielort. Orange Lichter beleuchten die Millionenstadt und schon beginnt der Sinkflug. Suriyan schläft selig in meinen Armen und spendet mir etwas Trost. Ich denke an Lara, unsere Hündin, die irgendwo im Flugzeugbauch zittert. Wie es ihr wohl geht? Hat sie die Reise gut überstanden? War es richtig, sie mitzunehmen? Was wird mich an diesem fremden Ort wohl erwarten? Haben wir uns richtig entschieden? Alles wird nochmals infrage gestellt.

Wir landen und suchen unser Handgepäck zusammen. Beim Ausgang wird uns der Kinderwagen ausgehändigt, so haben wir wieder die Hände frei. Suriyan erwacht langsam und nimmt die neue Umgebung gespannt wahr. Sofort erkundigen wir uns nach Lara, die wir nach einiger Wartezeit in ihrer blauen Transport-Box in Empfang nehmen können. Sie freut sich riesig, uns zu sehen. Erleichtert und sehr durstig trinkt sie einen vollen Napf Wasser leer. Um durch den Zoll zu gelangen, muss sie leider wieder in die Kiste zurück, was sie gar nicht begeistert aufnimmt. Ich halte alle Papiere für Lara bereit. Zwei Männer begutachten sie wichtigtuerisch. Haben sie etwas von Quarantäne gesagt? Prabhu bleibt sichtlich gelassen und ruhig. Schließlich lassen sie uns passieren.

Ich schwitze, ziehe meinen und auch Suriyans Pulli aus und als wir den Flughafen verlassen, erfasst uns eine Hitzewelle, die mich fast erdrückt. Draußen ist ein Chaos, ein Durcheinander von Menschen. Namensschilder werden hochgehalten, Namen werden gerufen. „Pass gut auf deine Handtasche auf“, sagt mein Liebster zu mir. Da entdeckt er seinen Angestellten Bhava, der uns abholt. „Welcome to Chennai“, sagt er zu uns und schenkt Suriyan und mir eine rosa Rose. Ein grosser Jeep mit Fahrer steht bereit. Sie heben das Gepäck auf das Dach, und ich gehe schnell mit Lara Gassi. Viele neugierige Blicke verfolgen mich, nehmen mich wahr. Es ist ein unangenehmes Gefühl. Lara ist ganz verängstigt und durcheinander.

Wir fahren zu unserem Haus, das wir nie zuvor gesehen haben. Prabhus Vater und Bhava haben dies für uns gemietet und alles arrangiert. Die Fahrt ist schrecklich. Ängstlich drücke ich Suriyan an mich. Es holpert, ständig hupt der Fahrer und er fährt wie ein Rowdy. Endlich kommen wir an. Ein kleines Haus erwartet uns, drei Zimmer, alles ist klein, schmuddelig. Ich finde es auf den ersten Blick nur fürchterlich. Prabhus Eltern haben uns das Allernotwendigste rein gestellt: Zwei braune Kunststoffstühle und ein kleiner roter für Suriyan, drei Matratzen, die in Plastik verpackt im hinteren Zimmer liegen, etwas metallenes Kochgeschirr, vier Decken und Kissen, ein grosser, gefüllter 20 Liter Wasserbehälter, ein gebrauchter Gasherd, der alte Kühlschrank der Eltern …

Prabhu schaltet gleich die Klimaanlage ein, die sein Vater hat installieren lassen und ich packe die Matratzen aus. Das große Fixleintuch und die Kissenbezüge, die ich im Koffer mitgenommen habe, erfüllen ihren Dienst. „Wollen wir noch das Moskitonetz aufhängen?“, frage ich meinen Liebsten. Der verneint und meint, wenn die Klimaanlage eingeschaltet wäre, dann würden die nicht kommen. Tja, dem ist nicht so! Als wir endlich müde auf unseren Matratzen liegen, surrt es um uns herum. Prabhu ist immer noch optimistisch und meint, da würde es sich nur um eine Mücke handeln. Nachdem er einen Blutsauger mit seinen Händen zerquetscht hat, hoffen wir auf Ruhe. Vergeblich! Schließlich sieht auch er ein, dass es mehrere Mücken im Zimmer hat, die auf unser Blut warten. Das Moskitonetz wird aufgehängt. Kein leichtes Unterfangen ohne Nägel und Werkzeug. Gott sei Dank habe ich noch etwas Schnur eingepackt und wir befestigen das Netz provisorisch an der Neonröhre. Geschützt liegen wir unter dem Netz.

Suriyan schläft ruhig zwischen uns und bald höre ich auch meinen Liebsten leise schnarchen. Nur ich finde keinen Schlaf. Die Klimaanlage surrt laut, ich höre fremde, ungewohnte Geräusche. Ein Flugzeug überfliegt unser Haus. „War dies wirklich die richtige Entscheidung?“

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Unser Haus bei Tageslicht. Dank dem schönen Garten mit genügend Raum zum Spielen für Suriyan und Lara sind wir dann doch über zwei Jahre geblieben. 

Tomaten-Knoblauch-Rasam

Ohne die scharfe Pfeffersauce ist das Mittagessen für meinen Liebsten und viele andere Südinder unvollständig. Somit steht Rasam bei uns immer auf dem Mittagstisch. Obwohl es gesund sein soll, konnte ich mich für Rasam nie begeistern. Ich koche Rasam, aber das Essen überlasse ich lieber meinem Mann und meinen Schwiegereltern. Sehr hilfreich ist Rasam bei Erkältungserkrankungen.

Für unser Tomaten-Knoblauch Rasam brauchst du folgende Zutaten:

Zutaten

  • 2 Tomaten klein geschnitten
  • 10-15 kleine Knoblauchzehen zerdrückt mit Schale
  • ein kleines Stück Tamarinde
  • 5-8 rote Chili getrocknet
  • Rasam-Pulver
  • Salz
  • Asafoetida
  • Curryblätter 8-12 Stück
  • Korianderblätter
  • Für das Tempering: Senfsamen, Kumin, kleiner gesplitteter Urad-Dal

Die meisten Familien haben auch beim Rasam-Pulver ihre eigenen Gewürzmischungen und Vorlieben. Man kann Rasam-Pulver auch als fertige Mischung im Supermarkt kaufen, aber meine indische Familie rümpft darüber nur die Nase. Unser Rasam-Pulver besteht zu gleichen Teilen aus frittiertem Toor Dal, schwarzen Pfefferkörnern und Kumin (Kreuzkümmel). Diese werden im Mixer fein gemahlen und danach in einem Glas aufbewahrt.

Zubereitung:

  1. Die Knoblauchzehen mit einem Esslöffel flach drücken und zusammen mit der Tamarinde und den klein geschnittenen Tomaten in wenig Wasser weichkochen.

Rasam Vorbereitung

2. Mit einem Stößel die Zutaten gut zerdrücken und zerstoßen. Ich nehme dazu immer meinen flachen Schwingbesen.

Zutaten zerdruecken

3. Etwa einen Liter Wasser dazugeben. Dazu kommen die halbierten roten Chilis je nach gewünschter Schärfe, das Salz, rund 2 Esslöffel Rasam-Pulver und die Curryblätter. Das Ganze aufkochen lassen.

4. In etwas Öl ½ TL Senfsamen, ½ TL Kumin (Kreuzkümmel) und ½ TL gesplitteter Urad-Dal frittieren bis die Senfsamen springen und dem Rasam zugeben. Wer mag, kann nun auch etwas Asafoetida dazugeben. Den Rasam mit frischen Korianderblättern abschmecken und mit Reis servieren.

Rasam

Paneer – indischer Käse selbst gemacht

 

Bezüglich Essen hätte ich wirklich einen Nordinder heiraten sollen. Es ist nicht so, dass ich die südindische Küche nicht mag, aber Paneer Butter Masala, Paneer Tikka oder Palak Paneer mit frischen Tandoori Naan oder Roti sind nicht zu überbieten. Ich liebe einfach alles mit Paneer und allein die Vorstellung zieht mir bereits das Wasser im Gaumen zusammen.

Mein Mann hingegen rümpft nur die Nase, er kann dem indischen Frischkäse gar nichts abgewinnen. Wenigstens hat unser Sohnemann meine Vorliebe zu Paneer geerbt. So koche ich für uns beide recht oft Paneer-Gerichte. Im indischen Supermarkt findet man eine große Auswahl an Paneer. Bisher habe ich meistens den Paneer von Milky Mist gekauft.

Doch als in einer meiner WhatsApp-Gruppe gepostet wurde, dass Milky Mist das Verpackungsdatum manipuliert, wurde ich schon etwas hellhörig. Als die indischen Frauen dann noch schrieben, dass man Paneer ganz einfach selbst herstellen kann, probierte ich es aus. Tatsächlich ist es kinderleicht und recht schnell gemacht.

Zutaten:

Zutaten fuer Paneer

  • Vollmilch mit hohem Milchfettgehalt
  • Zitronensaft 4 Esslöffel pro Liter Milch
  • ev. Salz
  • Ein sauberes Küchentuch
  • Ein Sieb, Schwingbesen, Abschöpfkelle

1. Die Milch aufkochen und ab und zu umrühren, damit sie nicht anbrennt.

2. Wenn die Milch leicht zu köcheln beginnt, vom Herd nehmen und langsam den Zitronensaft dazugeben. Wer den Käse salzen möchte, kann nun auch Salz beigeben. Ich selbst würze und salze den Paneer erst beim Kochen.

Zitronensaft zugeben

3. Den Zitronensaft leicht unterrühren und rund 5 bis 10 Minuten stehen lassen. Die Milch trennt sich nun in Käsebruch und Molke.

Kaesebruch und Molke

4. Das Baumwolltuch in ein Sieb legen und eine Schüssel darunterstellen. Nun den Käsebruch abschöpfen und im Tuch abtropfen lassen.

Kaesebruch abschoepfen

5. Das Tuch zusammendrücken und die Käsemasse etwas in Form bringen. Es gäbe auch spezielle Formen, die man dazu benutzen könnte. Ich mache dies einfach by Hand und beschwere das Ganze mit einer Pfanne voll Wasser. Da es bei uns auch in der Wohnung immer warm ist, stelle ich das Ganze für einige Stunden in den Kühlschrank.

Im Tuch auspressen

Kaesebruch gepresst

Beschweren

6. Paneer aus der „Presse“ nehmen, in gewünschte Stücke schneiden und zum Kochen verwenden.

Paneer

Paneer in Wuerfel geschnitten

Enttäuschend ist es, wenn man sieht, wie wenig Käse doch aus einem Liter Milch entsteht. Ein Liter Milch gib rund 120 g Käse. Daher brauche ich meistens 2 oder sogar 3 Liter Milch. Die zurückgebliebene Molke könnte man übrigens auch trinken oder weiterverwerten. Dies soll sehr gesund sein, aber ich mag sie leider nicht.

Ich wünsche euch beim Ausprobieren gutes Gelingen und würde mich über Rückmeldungen freuen.