Gedanken aus Indien

Das Lichterfest Deepavali ist vorbei. Eine überraschende und unglaubliche Erkenntnis: Indern fällt es schwer, Regeln einzuhalten. Feuerwerk wäre nur von 6 bis 7 und von 19 bis 20 Uhr erlaubt gewesen. Geknallt hat es aber auch außerhalb dieser Zeitfenster und auch bereits Tage vor und auch noch nach Diwali. Wenigstens wurden in Chennai etwas über 500 Bussen ausgestellt

Mein Mann hat sich über unsere Nachbarn, die bereits zwei Tage vor Diwali schrecklich laut geknallt haben, geärgert. So hat er kurzer Hand das Handy gezückt und wollte sie bei der Polizei anschwärzen. Tja, neue, erschreckende Erkenntnis: Die Polizei, dein Freund und Helfer, ist dauerbesetzt und nimmt keinen Anruf entgegen. Auch nach mehreren erfolglosen Versuchen ruft niemand zurück. Was wäre bei einem wirklichen Notfall? Oder verfügt die indische Polizei über telepathische Fähigkeiten und hört am Klingeln, ob es sich um einen Notfall handelt?

Eine Zahl, die mir auch zu denken gibt: An Deepavali wurde in Tamil Nadu für 70 Millionen Franken Alkohol verkauft. Erkenntnis: Nächstes Jahr mindestens eine Flasche Bombay Sapphire Gin kaufen! (Zehn Franken mehr oder weniger machen da keinen Unterschied.)

Neulich habe ich auf meinem Spaziergang mit den Hunden eine kleine Quartierstatistik übers Tragen von Masken durchgeführt.

Resultat:

Menschen mit korrekt getragener Maske 43 (45,7 %)

Menschen mit Maske, aber falsch getragen 23 (24.5 %)

Menschen ohne Maske 28 (29.78 %)

Die Corona-Zahlen in Tamil Nadu sind übrigens am Sinken. Hoffentlich bleibt es so!Vermutung, These: Steigen mit den sinkenden Covid-19-Zahlen die Menschen ohne Maske?

Gestern ließ unser Sohnemann abends die hintere Tür versehentlich offen stehen. Eines weiß ich jetzt mit Bestimmtheit: Die kleinen Blutsauger brauchen kein WhatsApp und kein Facebook, um zu kommunizieren, wo eine Party steigt.

Fast jede Mücke, die ich gestern Nacht ins Nirwana befördert habe, hatte bereits Blut gegessen, getrunken, genascht, gesaugt oder wie immer man es nennen mag. Nette Blutflecken auf dem Bettlaken und an der Wand erinnern an den Massenmord.

Ob dies mein eigenes Blut ist?

Vier Uhr morgens kratzt Simba an meiner Tür. Beide Hundedamen sind putzmunter und wollen nach draußen. Hunden wissen definitiv nicht, was Sonntag bedeutet oder jedenfalls nicht, was mir der Sonntag bedeutet.

Nach dem großen Morden bekommt mein Bett heute Morgen ein neues, frisches Gewand (ohne eklige Blutflecken und Moskito-Überreste). Warum freue ich mich jetzt schon darauf, dass die Sonne untergeht? Ist das normal?

Jedem Topf sein Deckel und jedem Löffel und Löffelchen seine bestimmte Aufgabe. Noch nach Jahren habe ich keinen Durchblick. Meine Schwiegereltern jedoch haben die Ordnung verinnerlicht und finden keine Ruhe, wenn ein Topf einen falschen Deckel hat. Erkenntnis der Woche: Brauche niemals den Milchlöffel für etwas anderes!

Diwali-Stress und Feuerwerk

Das kommende Lichterfest Diwali hat mich die letzten Tage beschäftigt. Es ist fast etwas wie der Weihnachtsstress, dem ich früher oft verfallen bin. Seit ich in Indien lebe, bin ich an Weihnachten relaxt, dafür hält mich jedoch Diwali auf Trab!

Endlich sind die Geschenke für meine Freundinnen bereit. In selbst genähten Stofftaschen verschenke ich Krachmandeln (gebrannte Mandeln) und ein hübsches Windlicht.

Diwali oder Deepavali, wie wir hier im Süden sagen, ist ein bedeutsamer Feiertag im hinduistischen Kalender. Man könnte es fast mit Weihnachten vergleichen. Unter Freunden und Familie werden Geschenke ausgetauscht, das Haus wird festlich geschmückt, man trägt neue, oft etwas festliche Kleidung und es gibt viele Süßigkeiten und Snacks, die speziell für diesen Anlass zubereitet werden. Viele kleine Öllichter aus Ton (Diyas) werden angezündet. Das Wort Diwali stammt aus dem Sanskritwort Deepavali und bedeutet „Reihe von Lichtern.“

Selbst bemalte und verzierte Diyas aus Ton.

Jede Region hat etwas andere historische oder mythische Hintergründe und Geschichten, die die Bedeutung von Diwali erklären. Manche sehen darin die glückliche Heimkehr von Rama und Sita nach dem 14-jährigen Exil und den Sieg über den Dämon Ravana, andere feiern den Tag im Gedenken daran, dass die Muttergöttin Durga den bösen Dämon Mahisha besiegt hat und hier im Süden wird es vor allem gefeiert, weil Krishna das Böse in der Gestalt von Narakaasura vernichtet und so sechzehntausend Frauen aus der Gefangenschaft befreit hat.

Eines haben diese Geschichten jedoch alle gemeinsam: Es geht immer um den Sieg des Guten über das Böse.

Natürlich darf auch Feuerwerk an diesem Tag nicht fehlen. Dieses Jahr gab es viele Diskussionen um Feuerwerk. In Delhi und umliegenden Bundesstaaten im Norden ist die Luft so schlecht wie nie zuvor. Die Menschen leiden unter der starken Luftverschmutzung und in Delhi steigen die Covid-19-Fälle wieder an. So haben viele Bundesstaaten den Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk komplett verboten. Dies macht auch Sinn, denn die Luftverschmutzung nach Deepavali erreicht meistens Höchstwerte, die der Gesundheit massiv zusetzen. Auch der südliche Bundesstaat Karnataka wollte beim Verbot mitmachen und ich hoffte schon, dass auch Tamil Nadu mitziehen würde. Doch sie machten einen Rückzieher und erlauben nun „Green Crackers“ – scheinbar etwas umweltfreundlicheres Feuerwerk.

In Tamil Nadu gibt es wie bereits im letzten Jahr zwei Zeitfenster, wo man Feuerwerk entzünden darf. Krachen sollte es nur an Diwali von 6-7 Uhr morgens und von 19-20 Uhr abends. Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen daran halten werden. Doch bereits jetzt hört man zwischendurch laute Kracher, wobei bedeutend weniger als in den letzten Jahren. Wir machen bei diesem Irrsinn schon lange nicht mehr mit und geben keine einzige Rupie für Feuerwerk aus. Ich denke, dieses Jahr wird es sich auch in Grenzen halten, da viele durch die Corona-Krise bedingt dafür kein Geld übrig haben.

Zum Thema Feuerwerk kam es in Madhya Pradesh zu einem Eklat, der es in die indischen Medien schaffte. Muslimische Verkäufer von Feuerwerk wurden von Hindus bedroht, weil sie Feuerwerk mit Abbildungen von hinduistischen Gottheiten verkauft haben.

Jahrelang war dies gang und gäbe, denn die Firma „Lakshmi Firework“ hatte nun mal die Göttin Lakshmi als Cover für ihre Waren. Ausgehend von einigen hindu-nationalistischen Regierungsmitgliedern in Uttar Pradesh wurde dies nun in einigen Bundesstaaten verboten.

Das Fest rückt langsam näher und näher. Am Samstag feieren wir Deepavali. Ich werde heute nochmals Ladoo (indische Süßigkeit) zubereiten – wahrscheinlich ein neues Rezept mit Kokosnuss.

Happy Deepavali euch allen!

Ladoo – die Süssigkeit Indiens

Wir stehen mitten in den Navaratri Festlichkeiten und Diwali, das grosse Lichterfest rückt langsam und stetig näher. Die runden Süssigkeiten Ladoo dürfen da keineswegs fehlen. Es gibt unzählige verschiedene Ladoo-Rezepte. Heute habe ich ein neues Rezept mit Erdnüssen ausprobiert. Die Variante soll etwas gesünder sein und mit seinen vielen Proteinen und Nüssen Kraft und Energie verleihen.

Hier das Rezept für Erdnuss-Kakao-Ladoo:

Zutaten:

  • ½ Tasse geröstete Erdnüsse
  • 2 TL gerösteter Gram Dal (Bekommt man beim Inder oder im Online-Handel)
  • ¾ TL Kakaopulver
  • ½ Tasse Jaggery-Pulver (Jaggery ist der unraffinierte und unbehandelte Zucker, der aus dem Zuckerrohr gewonnen wird. Jaggery bekommt ihr sicherlich beim Inder oder natürlich online über verschiedene Anbieter.)
  • 1 Kapsel grüner Kardamom oder etwas Kardamom-Pulver
  • 2 TL Haferflocken
  • 2 TL grob gehackte Mandeln
  • rund 1 EL Ghee (geklärte Butter)

Zubereitung:

  • Die Erdnüsse in einer Pfanne rösten und abkühlen lassen.
  • Die Mandeln grob hacken und zur Seite stellen.
  • In einem Mixer/Grinder ½ Tasse Erdnüsse, 2 TL gerösteter Gram Dal, ¾ TL Cacao-Pulver, ½ Tasse Jaggery, 1 grüne Kardamom-Kapsel oder etwas Kardamom-Pulver und 2 TL Haferflocken zu einem Pulver mahlen.
  • Nun die Mandeln und etwas Ghee beigeben und das Ganze gut vermengen.
  • Kleine Mengen zusammenpressen und zu kleinen Kugeln formen.

Aus den Zutaten ergeben sich ungefähr 12 Ladoo.

Eine weitere indische Süssigkeit, die bei uns zu Feiertagen nie fehlt, ist Payasam. Das Rezept findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/10/17/semiya-payasam-suesse-milch-nudeln/

Semiya Payasam – Süße Milch-Nudeln

Semiya Payasam oder Vermicelli Payasam ist eine einfache Payasam Variante, die schnell gemacht ist und immer gelingt.

An Festtagen kommen die süßen Milch-Nudeln bei uns eigentlich immer auf den Tisch, so habe ich sie auch heute zu Beginn von Navaratri gekocht. Mehr über Navaratri findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/14/navaratri-neun-naechte-fuer-die-goettinnen/

Zutaten:

  • ½ Becher Vermicelli Nudeln, Semiya Nudeln (Semiya ist Hartweizengrieß, die Nudeln sind sehr dünn.)
  • ¼ -½ Becher Zucker je nach gewünschter Süße
  • 15 Cashew-Nüsse halbiert
  • 1-2 EL Weinbeeren je nach Wunsch
  • 2-3 EL Sago (Kann auch weggelassen werden) Sago oder in Tamil Javvarisi sind weiße Perlen aus der Stärke der Sago-Palme, die sich zum Eindicken von Speisen eignen. Das Bindemittel ist rein pflanzlich.
  • 4 Becher Milch
  • Einige Safranfäden
  • ¼ – ½ TL Kardamom-Pulver
  • 2-3 EL Ghee

Zubereitung:

  • Wer Sago beifügen möchte, kann diese entweder einige Stunden in Wasser einweichen oder rund 10-15 Minuten in Wasser kochen.
Nach 10 Minuten kochen, werden die Perlen leicht durchsichtig.
  • 1-1 ½ EL Ghee in einer Pfanne erhitzen und die halbierten Cashew-Kerne darin rösten, bis sie leicht braun werden.
  • Nun die Weinbeeren dazugeben. Sie blasen sich unter der Hitze rund auf.
  • Die gerösteten Cashew-Kerne und die Weinbeeren zur Seite stellen. Wir brauchen sie erst am Schluss wieder zum Dekorieren.
  • Rund 1 EL Ghee erhitzen und die Semiya-Nudeln darin kurz rösten, sodass sie nicht braun werden.
  • 4 Becher Milch dazugeben und das Ganze unter kleiner bis mittlerer Hitze zum Kochen bringen. Immer wieder gut umrühren, damit nichts anbrennt. Wer Sago dazugeben möchte, kann dies nun tun.
  • Das Ganze weiter kochen und weiterrühren, bis die Nudeln ganz gekocht sind.
  • ¼ bis ½ Becher Zucker zugeben. Weiterrühren und auf kleiner Hitze köcheln lassen, bis das Semiya Payasam langsam eindickt. Dies dauert rund 5-10 Minuten.
  • ¼ bis ½ TL Kardamom-Pulver zugeben und wer mag etwas Safran. Kurz köcheln lassen und vom Herd nehmen.
  • Beim Abkühlen wird das Semiya Payasam noch weiter eindicken.
  • Mit den gerösteten Nüssen und Weinbeeren verzieren und am besten noch leicht warm servieren.

Einen guten Appetit!

Sieben Monate zu Hause – Plaudern aus meinem indischen Alltag

Fast sieben Monate sind wir nun zu Hause. Einmal pro Woche gehe ich gemeinsam mit meinem Mann einkaufen und abends drehe ich mit unseren Hunden eine Runde durchs Quartier. Das ist mein einziger Außenkontakt. Wenn wir das Haus verlassen, ist ein Mundschutz selbstverständlich, auch bei 35 Grad tropischen Temperaturen. Dass sich einige Menschen in Europa durch die Maskenpflicht in ihren persönlichen Freiheits- und Demokratierechten eingeschränkt fühlen, kann ich schlicht nicht nachvollziehen.

Hier in Chennai tragen schätzungsweise 80-90 Prozent eine Maske und halten sich somit an die Maskenpflicht. Wobei das richtige Tragen wieder eine andere Sache ist. Oft schaut die Nase raus oder die Maske dient eher dazu, den Hals zu schützen. Ich kann es ja auch verstehen, bei diesem Klima ist es wahrlich eine Herausforderung, vor allem wenn man die Maske lange tragen muss.

In den Supermärkten wird immer noch Fieber gemessen und man muss die Hände desinfizieren. Doch auch hier schleichen sich immer mehr indische Gewohnheiten ein, und vielerorts scheint man es damit nicht mehr so ernst zu nehmen. Klimaanlagen sind in allen Geschäften verboten, da diese die Verbreitung des Virus scheinbar erleichtern.

Qual der Wahl im Supermarkt Santosh

Mein Mann hat schon länger wieder mit Golf angefangen. Erst war nur eine private Range offen, wo man den Abschlag üben konnte, aber jetzt ist der Golfplatz offiziell wieder geöffnet worden. Ich bin echt froh, dass er wieder golfen kann. Dieser Ausgleich ist für ihn sehr wichtig. Auch seine Bauprojekte kommen langsam wieder in Gang und er kann wieder ohne Passierscheine seiner Arbeit nachgehen.

Immer noch sind mein Liebster und ich eifrig am Brändi Dog spielen. Die Covid-Brändi-Dog-Championship ist wohl noch lange nicht vorbei. Ich konnte 12 Siegpunkte wieder aufholen, habe aber heute Morgen leider verloren. Es steht nun 87 zu 86 für meinen Mann.

Unsere Freunde haben Suriyan und ich seit Mitte März nicht mehr gesehen. Einige Klassenkameraden unseres Sohnes haben nun angefangen, sich gegenseitig zu besuchen. Da unser Teenager seine Zeit fast nur noch vor dem Computer verbringt, war ich einverstanden, dass sein Freund N. uns letzten Freitag besuchte. Nur eine Bedingung habe ich gestellt. No Gadgets! Die Mutter von N. war darüber auch froh, denn sie hat die gleichen Probleme. So haben die beiden Brettspiele gespielt und sogar Suriyans Lego-Kiste aus der Versenkung geholt. Wahrscheinlich haben die Jungs einen heimlichen Wettbewerb am Laufen, wer nach Corona die längsten Haare hat. Denn N. und Suriyan hatten definitiv die gleiche Langhaarfrisur 😉.

Die Kids von den Bildschirmen wegzubekommen, ist eine Herausforderung und bereitet den meisten Eltern in unserem Umfeld Sorgen. Am Sonntag ist Suriyan bei einer Schulfreundin eingeladen. Seit langer Zeit wird er wieder mal das Haus verlassen. Irgendwie ein seltsames Gefühl.

Die Schulen sind weiterhin geschlossen. Viele Eltern der höheren Klassen sind besorgt, dass die Kids im Lehrplan nicht mithalten können. Daher plant die Schule für die zehnte bis zwölfte Klasse ab dem 2. November auf freiwilliger Basis zu öffnen. Eine Umfrage zeigt jedoch, dass die wenigsten Eltern im Moment bereit sind, die Kids zu schicken. Bei uns steht die Regenzeit vor der Tür, und dies wird höchstwahrscheinlich die Covid-19-Zahlen noch mehr ansteigen lassen. So bezweifle ich, dass die Schule im November öffnen wird.

Letzte Woche machte ich in unserem Quartier erstaunliche Beobachtungen. Endlich wurden die Müllcontainer ausgewechselt. Diesmal solche, die danach aussehen, als ob sie der indischen Müllabfuhr etwas länger standhalten.

Die neuen Container- nach dry und wet waste getrennt- doch das wird definitiv nicht funktionieren
So sah es vorher aus!

Die Stadt hat Reinigungsarbeiten nun an eine private Firma übergeben. Diese fahren mit Elektro-Tuk-Tuks nun in den Quartieren rum, sammeln eifrig Müll und putzen die Straßen. So sauber war es schon länger nicht mehr! „Neue Besen kehren gut!“, meinte mein Mann misstrauisch, als ich ihm von den Elektrowägelchen mit Mülltrennung vorschwärmte.

Hier wird der Müll getrennt- hoffentlich bleibt es so! 👍

Gestern haben sie auch alle Abflüsse freigemacht und gesäubert, denn der Monsun wird uns wohl bald mit Regen und tieferen Temperaturen beglücken.

In unserem Quartier ist auch ein kleiner Polizeiposten. Der ist nicht rund um die Uhr besetzt, aber immer wieder sind dort auch Polizisten vor Ort. Etwa vor 4 Tagen, als ich die Runde mit unseren Hunden machte, standen mehrere Leute davor. Den Grund dafür erfuhr ich, als ich näher kam, denn aus dem Innern hörte ich die Schläge. Der Posten mit Vorhängen zugemacht, sodass kein Einblick möglich war, kassierte da jemand heftige Prügel. Ein Schauer ging über meinen Rücken. Dies sind so Momente, wo ich echt bedauere, in Indien zu leben.

Ein weiteres trauriges Ereignis begegnete mir auch auf meinem Spaziergang mit den Hunden. Als ich zu unserem Haus zurückkehrte, lag regungslos ein Mann vor unserem Tor. „Ist der tot?“, fragte ich mich erschrocken. Prabhu war nicht zu Hause, also holte ich meinen Schwiegervater zu Hilfe. Der kam, ging kurz hin und meinte: „He’s drunk, just leave him.“ Die Angelegenheit war für ihn damit beendet, aber für mich natürlich nicht. Immer wieder ging ich zum Fenster und schaute nach, ob er sich noch bewegte. Als Prabhu dann nach Hause kam, meinte er, dass er grade davon getorkelt wäre. Dies ist nicht das erste Mal, dass ich solche Szenen erlebe. Da liegen scheinbar leblose Männer am Straßenrand und niemand kümmert sich, niemand ist besorgt und niemand interessiert es, ob die überhaupt noch leben. Dies ist für mich unbegreiflich. Ein Menschenleben scheint hier nichts zu zählen.

Diwali rückt langsam näher, und ich bin schon eifrig am Überlegen, was ich dieses Jahr für Geschenke machen soll. Gestern habe ich einen ersten Versuch mit selbstgemachten Karamel-Bonbons gemacht. Doch dies ging definitiv in die Hosen. Ich weiss auch nicht, woran es lag, habe mich strikt ans Rezept gehalten. Jetzt denke ich über Krachmandeln nach, die ich hübsch in Gläser verpacken möchte. Mal sehen ….

Immer noch lege ich meine Blütenmandalas.

Murukku – südindischer Snack selbst gemacht

Murukku ist ein berühmter und beliebter Snack in Südindien. Die knusprigen Murukku werden aus Urad-Dal und Reismehl hergestellt und dürfen an Festtagen nicht fehlen. Diwali rückt langsam näher – vielleicht ein Anlass, die leckeren Murukku auszuprobieren.

Zutaten:

  • ¼ Becher Urad-Dal
  • 1 ¼ Becher feines Reismehl
  • 1 EL Butter
  • 1 TL Kumin (Kreuzkümmel)
  • 1 Prise Asafötida (Hing)
  • rund ¾ TL Salz
  • Wasser ca. ½ Becher
  • Öl zum Frittieren
  • Chakli Maker
  • Schöpfkelle.

Zubereitung:

  • ¼ Becher Urad-Dal in der Pfanne anrösten, bis es anfängt zu duften und der Dal leicht bräunlich wird.
  • Den Urad-Dal ganz abkühlen lassen und im Grinder/Mixer zu feinem Mehl mahlen.
  • Nun das Urad-Dal-Mehl, das Reismehl, 1 EL Butter, 1 TL Kumin, eine Prise Asafötita und ¾ TL Salz in eine Schüssel geben und gut miteinander vermischen.
  • Rund einen halben Becher Wasser langsam dazugeben und zu einen weichen Teig kneten. Der Teig muss weich sein, damit man ihn gut durch den Chakli-Maker pressen kann.
  • Den Chakli-Maker einölen und die Form für mit 3 oder 4 Löchern einsetzen.
Chakli-Maker kann man sogar bei Amazon Deutschland bestellen.
  • Einen Teil des Teigs in den Chakli-Maker geben und spiralförmig auf die Schöpfkelle pressen.
  • Die Enden etwas festdrücken, sodass der Murukku beim Frittieren nicht in mehrere Stücke zerbricht.
  • Nun die Murukku in heissem Öl auf mittlerer Hitze frittieren, bis sie leicht braun und knusprig werden. Dabei die Murukku im Öl ab und zu wenden.
  • Auf einem Haushaltpapier abtropfen und abkühlen lassen.

Am allerbesten schmecken sie noch leicht warm mit einem südindischen Filterkaffee oder Chai.

Gutes Gelingen!

Ein weiterer leckerer Snack ist Ribbon Pakoda. Das Rezept findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/02/05/ribbon-pakoda-indischer-snack/

Weißkohl Poriyal – indisches Weißkohlgemüse

Zutaten:

  • ¼ bis ½ Teil von einem Kohlkopf klein geschnitten (je nach Größe)
  • 2 bis 3 Zwiebeln klein geschnitten (je nach Größe)
  • 1 Stück Ingwer klein geschnitten
  • 1=3 grüne Chilis
  • einige Curryblätter
  • frische Korianderblätter
  • ½ TL Kumin (Kreuzkümmel)
  • ½ TL halbierter Urad-Dal
  • ½ = 1 TL Kurkuma (Gelbwurz)
  • Salz nach Geschmack
  • 2=3 EL gerösteter Gram=Dal (im Mixer zu Pulver gemahlen) oder Kokosraspel

Zubereitung:

  • Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und ½ TL Senfsamen, ½ TL Kumin (Kreuzkümmel) und ½ TL halbierter Urad-Dal frittieren, bis die Senfsamen springen.
  • Die Zwiebeln, die grünen Chilis, den Ingwer und einige Curryblätter dazugeben und dämpfen, bis die Zwiebeln leicht braun sind.
  • Den klein geschnittenen Weißkohl dazugeben.
  • Mit Salz und Kurkuma abschmecken.
  • Den Kohl auf kleiner Flamme gar kochen. Ab und zu wenden.
  • Am Schluss 2=3 EL Dal-Pulver oder Kokosraspel dazugeben, mischen und mit frischem Koriander servieren.

Guten Appetit!

Elefantenfuß-Yam

Verschiedene Yam-Wurzeln spielen eine wichtige Rolle in der südindischen Küche. Viele dieser Knollen habe ich erst hier in Indien zum ersten Mal gesehen und natürlich auch gegessen.

Ein sehr beeindruckendes Exemplar ist der Elefantenfuß, auf Tamil „Karunai Kizhangu“ oder auf Hindi „Suran“. Die riesigen, erdigbraunen Wurzelknollen erreichen fast Fußballgröße. Bei uns kommt Elefantenfuß recht oft auf den Tisch, entweder gebraten oder als Kuzhambu (scharfes Curry).

Elefanenfuss-Yam- riesige Knollen!

Roh ist die Knolle leicht giftig. Um die Alkaloide zu entfernen, die Juckreiz im Hals verursachen können, muss das Gemüse gut in Salzwasser gekocht werden. Mein Schwiegervater gibt auch immer Kurkuma dazu.

Die Yam-Art enthält Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine, Antioxidantien, Mineralien und Ballaststoffe. Man kann die Wurzel hervorragend als Fleischersatz einsetzen. Da sie reich an Ballaststoffen ist, fördert sie die Verdauung. Auch für das Herz scheint das Elefantenfuß-Yam Vorteile zu haben. Es soll gegen hohen Blutdruck helfen und offenbar sogar Anti-Aging-Eigenschaften besitzen.

Hier unser Rezept für gebratenes Elefantenfuß-Yam:

Zutaten:

  • Elefantenfuss-Yam
  • Chilipulver-Mischung (Unsere Chilipulver-Mischung wird aus folgenden Zutaten gemahlen: 200 g rote Chilis, 100 g Toor-Dal frittiert, frittierte Korianderblätter, 400 g Koriandersamen und eine Handvoll Pfefferkörner)
  • Salz
  • Tamarinde
  • Senfsamen, Kumin und gesplitteter Urad-Dal
  • 7-10 Curryblätter

Zubereitung:

  • Elefantenfuß-Yam rüsten und in ungefähr gleichgroße mundgerechte Stücke schneiden.
  • Die Stücke in Salzwasser und etwas Kurkuma rund 15 Minuten kochen.
  • Eine Marinade mit der Chili-Gewürzmischung, Salz und Tamarinde vorbereiten. Dazu die Tamarinde in etwas Wasser einlegen, mit der Hand vermischen und danach das filtrierte Wasser in eine Schüssel geben. 1-1,5 EL Chili-Gewürzmischung, ½ TL Kurkuma und ½-1 TL Salz dazugeben und gut rühren.
Tamarinde in warmem Wasser einweichen
Gut mit dem Wasser vermengen und das filtrierte Tamarind-Wasser zugeben.
Mit Gewürzen und Salz gut mischen.
  • Die gekochten Stücke für 5-10 Minuten in die Marinade geben und gut rühren, sodass alle Stücke mit Marinade bedeckt sind.
  • In einer Bratpfanne 2 EL Öl erhitzen. ½ TL Senfsamen, ½ TL kleiner gesplitteter Urad-Dal und ½ TL Kumin (Kreuzkümmel) dazugeben und frittieren, bis die Senfsamen springen. Nun die Yam-Stücke und Curryblätter mit der Marinade dazugeben und auf kleiner bis mittlerer Stufe anbraten, bis sie schön dunkelbraun werden.
Mohnsamen, Urad Dal Split und Kumin
Fertig!

Einen guten Appetit!

Hast du gegessen?

South Indian Thali- dazu wird natürlich noch Reis serviert.

Wenn ich so nebenbei die Telefongespräche meines Mannes mitbekomme, dann muss ich oft schmunzeln. So auch gestern Abend. Der Anfang eines Gespräches, ob am Telefon oder nicht, verläuft eigentlich immer gleich. Nach dem Erkunden, wie es geht, folgt gleich die zweite wichtige Frage: „Hast du gegessen?“

Essen und gegessen haben, ist in Indien etwas sehr Wichtiges. Oft wird danach erzählt, was man gegessen hat oder was man gedenkt zu essen. „Ich hatte drei Dosai mit Sambar und danach noch etwas Rasam-Reis“, erzählt mein Liebster seelenruhig und ohne Motivationseinbuße bereits zum dritten Mal. Führt man einige Telefongespräche, dann ist der Menuplan für die nächsten Tage sicher gestellt.„Suresh hatte Pongal. Das könntest du auch wieder mal kochen!“, versucht mein Mann zu beeinflussen.

Die große Bedeutsamkeit, die dem Essen zufällt, ist für uns Westler manchmal nicht nachzuvollziehen. Da plappern und klagen wir doch lieber übers Wetter.

Doch das Essen ist in Indien auch ein sehr sensibles Thema. Traditionell und religiös bedingt, halten sich viele immer noch an die alten Regeln, die das Kastensystem vorgibt. So würde meine Schwiegermutter beispielsweise in keinem fremden Haus etwas essen. Auch im Restaurant tut sie sich schwer und isst nur, wenn das Essen auf einem Bananenblatt serviert wird. Natürlich betritt sie auch nur „Pure Veg Restaurants“, wo rein vegetarisch gekocht wird. Da hat kein Fleisch, Fisch oder Ei je einen Kochtopf berührt. Sogar zu Hause isst sie in der Regel nur vom Bananenblatt oder von ihrem eigenen persönlichen Teller.

Der Glaube, dass man sich durch Speisen und Getränke von unteren Kasten oder Kastenlosen verunreinigen könnte, ist in manchen Köpfen noch präsent. Für höhere Kasten, die vegetarisch leben, gelten auch Speisen mit Fleisch, Fisch und Eiern als unrein. Ob der Fleischkochtopf oder das Geschirr gereinigt wurde, ändert dabei gar nichts. Vor allem in ländlichen Gebieten werden Kastenlose, die auch Dalits genannt werden, immer noch diskriminiert. So gibt es an Tee-Ständen oft zwei verschiedene Becher, denn viele wollen sich auch in der heutigen Zeit keinen Becher mit einem Dalit teilen.

In vielen Familien hat aus diesem Grund auch nicht jeder Zugang zur Küche. Viele Maids waschen das schmutzige Geschirr oft draußen auf dem Balkon oder im Hof und dürfen die Küche nicht betreten. Hat man einen Koch dann oft nur, wenn er der gleichen oder einer höheren Kaste angehört. Auf dem Land ist es häufig Brauch, dass menstruierende Frauen die Küche nicht betreten dürfen. Auch sie gelten in dieser Zeit als unrein und würden die Speisen verderben.

In Tamil Nadu überlegt man sich gut, wen man zum Essen einlädt. Hat man in einem Haus gegessen, dann gehört man quasi zur Familie. So gibt es auch den Spruch: „Ich kann nichts gegen diese Familie sagen, ich habe dort gegessen.“

In der Stadt brechen diese alten Strukturen glücklicherweise langsam auf und viele unserer Bekannten sind diesbezüglich weltoffen und modern eingestellt. Findet man kein Gesprächsthema, oder man möchte ein eher mühseliges Gespräch beenden und auf andere Bahnen lenken, dann bietet sich Essen immer an. Die Hausfrau einfach nach dem Rezept fragen und der unverfängliche Small Talk und die Schwärmerei übers Essen, insbesondere über das indische Essen beginnt.

Und ja, ich koche morgen für meinen Liebsten Pongal (breiiger Reis mit Dal und Sambar). Die Liebe geht schließlich durch den Magen!

Hier findest du übrigens unser Pongal-Rezept ;-)!

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/10/pongal-mit-sambar-suedindisches-fruehstueck/

Wie sicher ist Indien?

Sicherheit ist immer ein subjektives, persönliches Empfinden. Wer Indien bereist oder sogar dort lebt, erwartet in der Regel auch nicht die gleichen Sicherheitsstandards wie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

In diesem Artikel möchte ich die zwei großen Sicherheitsthemen „Sicherheit als Frau“ und „Straßenverkehr“ ausblenden, denn darüber habe ich schon mehrfach geschrieben und berichtet.

Sicherheit zu Hause und unterwegs

Als ich 2006 das erste Mal nach Indien auswanderte, staunte ich nicht schlecht, denn unser Haus war komplett vergittert. Das fand ich sehr gewöhnungsbedürftig und anfangs fühlte ich mich wie in einem Käfig. Auch unser Haus, in dem wir heute leben, hat vor jedem Fenster und vor jeder Tür ein hässliches Gitter.

Apartment-Häuser, in denen mehrere Parteien leben, haben in der Regel immer einen Watchman, der zum Rechten schaut und jeden Besucher kontrolliert. Oft muss man sich in ein Besucherbuch eintragen.

Ein Trend, der immer mehr aufkommt, ist das Leben in sogenannten Gated Communities. Das sind in sich geschlossene Gemeinschaften, wo jeder sein eigenes Haus oder seine Wohnung hat. Rund um die Uhr sorgen Security-Angestellte für Ordnung und Sicherheit. Inzwischen gibt es riesige Anlagen, wo Hunderte Familien in Hochhäusern leben. In solchen Großanlagen gibt es Spielplätze, ein Klubhaus, Einkaufsläden, Fitnesscenter, Swimmingpool, manchmal gibt es sogar eine eigene Community-Schule.

Nachrichten über Einbruchdiebstähle finden sich leider täglich in den Zeitungen. Oft sind diese auch sehr lukrativ, denn die meisten bewahren Schmuck und Wertsachen zu Hause auf.

Was auch häufig vorkommt, ist das Chain-Snatching. In Indien tragen viele Frauen Goldschmuck. Die Thali, die Hochzeitskette der verheirateten Frau, wird in der Regel nie abgelegt. Diese Goldketten sind wertvoll und so werden Frauen oft gezielt beraubt. Früher waren die Chain-Snatcher vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs, aber inzwischen gibt es auch tagsüber Raubfälle. Diese sind oft nicht harmlos, denn manchmal reißen die Ketten nicht sofort, und es kann zu schlimmen Verletzungen am Hals kommen. Ich trage meine Thali aus diesem Grund kaum mehr und halte mich mit Schmuck auch sonst zurück.

Nachts sind in vielen Quartieren Gorkha unterwegs. Die Vorfahren der Gorkha stammten ursprünglich aus Nepal und waren Soldaten. Viele dienten in der britischen Armee. Heutzutage sorgen sie mit Trillerpfeifen und Stöcken für Sicherheit. Als Lohn für ihre Dienste holen sie sich von Zeit zu Zeit von den Anwohnern kleinere Beträge.

Unterwegs und auf Reisen

Wenn wir in Indien auf Reisen sind, sagt mein Mann noch nach fast 12 Jahren zu mir: „Sei jetzt etwas präsent und pass auf deine Handtasche auf!“ Diese fürsorglichen und unnötigen Hinweise könnte er sich inzwischen sparen, denn ich bin grundsätzlich vorsichtig mit meinen Wertsachen. Wenn wir als Touristen unterwegs sind, trage ich meine Handtasche immer über der Schulter und nehme sie nach vorne.

Indien ist ein überbevölkertes Land und an Menschen mangelt es definitiv nicht. Es gibt hier leider viele, die sich mit schlecht bezahlten Jobs knapp über Wasser halten oder sich mit Betteln oder Taschendiebstahl ihr Überleben zu sichern versuchen. Diese Menschen haben nichts zu verlieren. Vor allem an touristischen Plätzen und im Gedränge treiben Taschendiebe ihr Unwesen. Wie überall auf der Welt sind sie überaus geschickt, organisiert und in Gruppen unterwegs.

Meinem Mann wurde vor Jahren in Tiruvannamalai die Tasche geklaut. Ein netter Mann machte ihn auf einige kleine Geldscheine aufmerksam, die plötzlich vor seinen Füssen am Boden lagen. „Sie haben Geld verloren“, meinte er hilfsbereit. Ein Blick nach unten und seine Tasche, die er kurz auf sein Motorrad gelegt hatte, war weg. Eine kleine Ablenkung genügt den Langfingern, um ihr Handwerk auszuführen.

Der Rat, „präsent zu sein“, kann ich jedem Indienreisenden ans Herz legen. Indien ist für uns oft so überfordernd und chaotisch, dass man sich tatsächlich etwas verlieren kann. Eine gewisse Aufmerksamkeit und Wachsamkeit sollte man stets aufrechterhalten.

Die wichtigsten Sachen wie Pass und Kreditkarte in einem Bauchgurt zu tragen, macht Sinn. Noch wichtiger wird dies, wenn man alleine unterwegs ist und keinen Reise-Buddy oder sogar eine ganze Reisegruppe als Back-up hat. Praktisch ist es, wenn man einige kleine Scheine schnell zur Hand hat, ohne dass man sein Portemonnaie erst mühsam aus der Handtasche oder dem Rucksack kramen muss.

Überrascht wird der Indienreisende über die Sicherheitsvorkehrungen in 5-Sterne-Hotels, Malls und bekannten Tempelanlagen sein. Denn da kommt Flughafen-Feeling auf. Mit Metalldetektoren wird man durchgecheckt und die Handtasche wird durchsucht. Doch wie mein Sohn oft sagt: „Feel safe and be safe sind zweierlei.“ Diese Maßnahmen geben zwar ein Gefühl der Sicherheit, aber um wirkliche Sicherheit zu gewährleisten, ist das Personal eindeutig nicht geschult.

Unvorhersehbare Ereignisse

Indien ist ein riesiger Subkontinent und die Sicherheitslage kann sich durch politische, terroristische Ereignisse schnell ändern. Daher ist wichtig, sich über die laufenden Geschehnisse immer etwas zu informieren.

In diesen Dingen tickt Indien wirklich anders. Schon viele Male habe ich erlebt, dass sich innerhalb von Stunden Situationen völlig verändert haben.

Da braucht nur eine Chiefministerin oder ein Ex-Chiefminister zu sterben und eine riesige Metropole wie Chennai steht still.

Am 8. November 2016 wurde am Abend plötzlich angekündigt, dass ab dem 9. 11. alle 500er und 1000er Rupienscheine ungültig wären. So versuchte Premierminister Modi gegen das viele Schwarzgeld vorzugehen. Diese Entscheidung hatte verheerende Folgen, denn ab sofort herrschte Mangel an Bargeld. Die ATMs waren dauernd leer und wer keine Kreditkarte hatte, war aufgeschmissen. Alte Scheine einzutauschen, wurde zur Tortur, denn man musste sich stundenlang anstellen. Die kleinen Leute traf diese unvorbereitete, meiner Ansicht nach völlig unsinnige Aktion hart. Auch als endlich die neuen 2000er Scheine in Umlauf kamen, gab es kaum Erleichterung, denn niemand hatte für einen 2000er Wechselgeld. Natürlich waren auch Reisende massiv davon betroffen.

Damals waren kleine Scheine Mangelware.

In Indien kochen die Gemüter schnell hoch, und es braucht oft wenig, damit es zu Ausschreitungen und Gewalt kommt. Ich erinnere mich an einen Vorfall, als zwei politische Parteien, eine davon eine Dalit-Partei, aneinander gerieten. Häuser wurden in Brand gesetzt und darauf mit Gewalt reagiert. Wir fuhren damals nichts ahnend von Pondicherry nach Hause und waren plötzlich Mitten drin. Wütende Massen mit langen Stöcken bewaffnet, blockierten die Straße, stoppten und drohten uns. Angst überkam mich, aber mein Mann blieb ruhig und überlegt. Schließlich ließ man uns unbehelligt weiterfahren. Erst etwas später gestand mir mein Mann, dass er noch niemals so Angst um mich hatte wie damals.

Naturereignisse

Gottlob können die Wetterdienste heftige Niederschläge oder Zyklone heutzutage besser voraussagen. Immer wieder kommt es in ganz Indien zu flutartigen Monsun-Niederschlägen, die in kurzer Zeit alles überfluten. Im Dezember 2015 beispielsweise gab es in Chennai große Überschwemmungen. Sogar die Parterrewohnung meiner Schwiegereltern wurde mit rund 5-8 cm Wasser geflutet, so gesellten sich die beiden für einige Tage zu uns in den ersten Stock. Viele andere, tiefer gelegene Gebiete wurden total überschwemmt und mussten evakuiert werden.

Unsere Straße

Nur ein Jahr darauf fegte der Cyclon Vardah über Chennai hinweg. Er hinterließ Tausende von geknickten Bäumen und Stromleitungen und legte die Metropole innerhalb einiger Stunden lahm. Über eine Woche hatten wir keinen Strom, kein Handy funktionierte, kein Internet- keine Kommunikation mit der Außenwelt.

Auch in unserem Quartier gab es viele umgeknickte Bäume.

Indienreisende sollten die Reisezeit gut wählen und sich informieren. Ist man in der Regenzeit unterwegs, muss man damit rechnen, dass es durch heftige Niederschläge zu Verzögerungen oder Unannehmlichkeiten kommen kann. Wichtig finde ich auch, vor allem, wenn man alleine oder in Kleingruppen und unabhängig von einer Reiseorganisation reist, dass man jemanden regelmäßig über seinen Standort informiert. Große Menschenansammlungen sollte man in der Regel zu seiner eigenen Sicherheit meiden.

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