Rückblick

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu. Ich trauere ihm nicht nach und lasse es gerne ziehen. 

Eigentlich hatte es hoffnungsvoll begonnen. Anfang des Jahres hatte man in Indien das Gefühl, die Pandemie besiegt zu haben. Die strikten und auch sehr umstrittenen Lockdowns und Maßnahmen, die uns im 2020 begleitet hatten, schienen von Erfolg gekrönt. Lockerungen waren angesagt, Normalität kehrte zurück, Wahlen wurden abgehalten und großzügig verschenkte Indien Impfungen an bedürftige Länder. 

Was uns dann im Frühjahr erwartete, hatte sich niemand gewünscht. Die Bilder der schrecklichen zweiten Corona-Welle in Indien gingen um die Welt. Fehlender Sauerstoff, Patienten, die vor Krankenhäusern erstickten, Krematorien, die mit dem Verbrennen der Leichen nicht nachkamen. Diese Bilder kriege ich wohl nie mehr aus meinem Kopf. Auch in unserem Bekannten- und Freundeskreis sind Menschen an Corona verstorben. Ja, im Frühjahr 2021 hatte ich Angst.

Wieder waren strenge Lockdowns angesagt. Während uns die 2. Welle überrollte und langsam abflachte, wurde ich von mehreren Stimmungswellen heimgesucht. Heimgesucht ist tatsächlich der richtige Ausdruck, denn ich war im 2021 fast ausschließlich daheim. Vom übereifrigen Schreiben, Kochen, Putzen bis zur totalen Lethargie und Unlust etwas zu tun, war alles dabei. Auch die “Reiß-dich- zusammen-Phase” hat in diesem Jahr nicht gefehlt. Glücklicherweise gab es auch immer wieder Momente der Dankbarkeit und Freude an kleinen Dingen.

Widergespiegelt hat sich mein Befinden auch in meinen Blogeinträgen. Obwohl ich oft keine Lust zum Schreiben hatte, sind doch 55 Beiträge entstanden. Zugegeben, manche davon sind “Reiß-dich-zusammen-Beiträge” und vieles sind Rezepte.

Als es im Oktober dann endlich etwas besser aussah, die Schulen für die älteren Kids wieder öffneten und wieder etwas Normalität einkehrte, kam der Monsun. Im November sind 9 Schultage sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Unsere Straße glich mehr einem Fluss und die Moskitos vermehrten sich in dem stehenden Wasser froh und frei. Unser Haus begann langsam zu schimmeln. Die Wassermassen, die uns dieses Jahr heimsuchten, überschreiten den normalen Durchschnitt bei Weitem. Klimaerwärmung? Ich weiß es nicht.

Jetzt, am Ende des Jahres, fühle ich mich erschöpft und müde. Irgendwie werde ich meine Erkältung nicht los und bin gesundheitlich etwas angeschlagen. Heute, vielleicht auch morgen mache ich noch “Reiß-dich-an-Weihnachten-zusammen-Mailänderli” oder vielleicht backe ich dieses Jahr einfach keine Plätzchen.

“Corona keinen Raum geben”, war auch eine kurze Phase, aber irgendwie schlängelt sich dieses fiese Virus immer wieder zu mir durch.

Wie letztes Jahr blicke ich hoffnungsvoll und zuversichtlich aufs 2022!

Am Ende ist alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

Aus Indien

Mit diesem indischen Sprichwort verabschiede ich mich von diesem Jahr. Ich wünsche euch frohe, lichtvolle Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins 2022.

Merry Christmas 🎄

Lasst euch nicht von Omikron runterkriegen und passt auf euch auf!

Liebe Grüsse

Irène

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

12 Kommentare

  1. Liebe Irène,
    ich verfolge immer gerne deine Berichte aus Indien. Sie bringen mir das Land und seine Menschen näher. Mein Mann und ich sind bisher 4 Mal durch Indien gereist.

    Ich wünsche dir und deiner Familie frohe Weihnachten und alles Gute.
    Liebe Grüße
    Renate

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Irene,
    So gerne lese ich deine Beiträge. Halte durch, verliere nicht den Mut. Ich bin mir sicher, alles wird gut.

    Herzliche Grüße und frohe Weihnachten (mit oder ohne Plätzchen)
    Sarah

    Gefällt 1 Person

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