Gedanken aus Indien

Das Lichterfest Deepavali ist vorbei. Eine überraschende und unglaubliche Erkenntnis: Indern fällt es schwer, Regeln einzuhalten. Feuerwerk wäre nur von 6 bis 7 und von 19 bis 20 Uhr erlaubt gewesen. Geknallt hat es aber auch außerhalb dieser Zeitfenster und auch bereits Tage vor und auch noch nach Diwali. Wenigstens wurden in Chennai etwas über 500 Bussen ausgestellt

Mein Mann hat sich über unsere Nachbarn, die bereits zwei Tage vor Diwali schrecklich laut geknallt haben, geärgert. So hat er kurzer Hand das Handy gezückt und wollte sie bei der Polizei anschwärzen. Tja, neue, erschreckende Erkenntnis: Die Polizei, dein Freund und Helfer, ist dauerbesetzt und nimmt keinen Anruf entgegen. Auch nach mehreren erfolglosen Versuchen ruft niemand zurück. Was wäre bei einem wirklichen Notfall? Oder verfügt die indische Polizei über telepathische Fähigkeiten und hört am Klingeln, ob es sich um einen Notfall handelt?

Eine Zahl, die mir auch zu denken gibt: An Deepavali wurde in Tamil Nadu für 70 Millionen Franken Alkohol verkauft. Erkenntnis: Nächstes Jahr mindestens eine Flasche Bombay Sapphire Gin kaufen! (Zehn Franken mehr oder weniger machen da keinen Unterschied.)

Neulich habe ich auf meinem Spaziergang mit den Hunden eine kleine Quartierstatistik übers Tragen von Masken durchgeführt.

Resultat:

Menschen mit korrekt getragener Maske 43 (45,7 %)

Menschen mit Maske, aber falsch getragen 23 (24.5 %)

Menschen ohne Maske 28 (29.78 %)

Die Corona-Zahlen in Tamil Nadu sind übrigens am Sinken. Hoffentlich bleibt es so!Vermutung, These: Steigen mit den sinkenden Covid-19-Zahlen die Menschen ohne Maske?

Gestern ließ unser Sohnemann abends die hintere Tür versehentlich offen stehen. Eines weiß ich jetzt mit Bestimmtheit: Die kleinen Blutsauger brauchen kein WhatsApp und kein Facebook, um zu kommunizieren, wo eine Party steigt.

Fast jede Mücke, die ich gestern Nacht ins Nirwana befördert habe, hatte bereits Blut gegessen, getrunken, genascht, gesaugt oder wie immer man es nennen mag. Nette Blutflecken auf dem Bettlaken und an der Wand erinnern an den Massenmord.

Ob dies mein eigenes Blut ist?

Vier Uhr morgens kratzt Simba an meiner Tür. Beide Hundedamen sind putzmunter und wollen nach draußen. Hunden wissen definitiv nicht, was Sonntag bedeutet oder jedenfalls nicht, was mir der Sonntag bedeutet.

Nach dem großen Morden bekommt mein Bett heute Morgen ein neues, frisches Gewand (ohne eklige Blutflecken und Moskito-Überreste). Warum freue ich mich jetzt schon darauf, dass die Sonne untergeht? Ist das normal?

Jedem Topf sein Deckel und jedem Löffel und Löffelchen seine bestimmte Aufgabe. Noch nach Jahren habe ich keinen Durchblick. Meine Schwiegereltern jedoch haben die Ordnung verinnerlicht und finden keine Ruhe, wenn ein Topf einen falschen Deckel hat. Erkenntnis der Woche: Brauche niemals den Milchlöffel für etwas anderes!

Veröffentlicht von

Irène in Indien

Seit über 11 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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