Im indischen Lockdown 4.0 – Tag 67

Der 67. Tag im indischen Lockdown ist angebrochen. Langsam kann ich die Wörter Covid-19 und Coronavirus nicht mehr hören, aber so wird es mit Sicherheit nicht nur mir ergehen.

Da die Fallzahlen stetig steigen, kam es bei uns in Chennai kaum zu Lockerungen. Heute in Tamil Nadu ein Spitzenwert von 874 neuen Ansteckungen in den letzten 24 Stunden. Tamil Nadu meldet heute insgesamt 20‘246 Fälle, davon über 13‘362 in Chennai. So sind wir weiterhin zu Hause und gehen nur für die nötigsten Lebensmitteleinkäufe nach draußen.

Obwohl Mitte Mai die langen Sommerferien begonnen hätten, hat unser Sohn immer noch Online-Klassen. Er ist jetzt schon vor den Sommerferien ins 10. Schuljahr befördert worden. Viele Eltern machen sich Sorgen, dass der Lernplan nicht eingehalten wird, dass die Kids schulisch zurückfallen. Gottlob gibt es auch Eltern, die es etwas anders sehen und für Ferien plädieren. Jetzt wurde quasi ein Kompromiss gefunden, der beiden Parteien versucht, gerecht zu werden. Im Juni geht es weiter mit täglich einer Stunde Unterricht von 11 bis 12 Uhr. Die Schule hofft, dass sie Mitte Juli wieder öffnen kann. Wieder wird offensichtlich, wie privilegiert wir sind. Selbstverständlich hat jedes Kind Internetzugang, sodass Online-Learning überhaupt möglich ist. Andere Schulen in Indien haben jetzt bereits den Lehrplan reduziert und alle Kinder sind ins nächste Schuljahr befördert worden.

Gestern war ich wieder einmal draußen, um einzukaufen. Das Straßenbild hat sich schon wieder etwas verändert und mehr Menschen sind unterwegs. Neue Stände am Straßenrand verkaufen jetzt Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel.

Während vorher nur Lebensmittelgeschäfte offen waren, so sieht man jetzt auch geöffnete Kleidergeschäfte, Optiker, Fahrradgeschäfte, … Restaurants können „Parcels“ und „home delivery“ anbieten, so entdecke ich wieder Swiggy- und Zomato-Angestellte, die mit ihren Motorrädern Essen ausliefern.

Als wir bei unserem Supermarkt Spencers ankommen, sind wir überrascht, denn alles ist geschlossen. Der Wächter informiert uns von Weitem: „Seven days – closed – Corona!“ Holy Cow! Das hat uns noch gefehlt. Corona ist plötzlich wieder omnipräsent, und ich überlege schon, wann wir zum letzten Mal dort waren.

Wir machen noch eine kurze Fahrt durch die Stadt. Ich war schon so lange nicht mehr draußen. Der Mini-Ausflug im Auto führt uns an den Besant Nagar Beach. Normalerweise würde man am frühen Abend kaum durchkommen, aber jetzt ist es kein Problem. Der Strand ist immer noch abgeriegelt. Wie lange dies noch so weitergeht? Der Lockdown 4.0 geht morgen zu Ende, und alle warten schon auf Informationen. Ich denke, dass es in den Hotspots zu keinen Lockerungen kommen wird.

In ganz Indien steigen die Fälle. Heute Morgen ein neuer Spitzenwert von 7964 Fällen in 24 Stunden. In ganz Indien haben wir 173‘763 registrierte Fälle. Wie hoch die Schwarzziffer liegt, kann man nur erahnen. Die Zahl der Toten ist auf 4980 angestiegen. Ganz schlimm betroffen ist Mumbai. Hotels werden nun zu Krankenstationen umgebaut, und der Bundesstaat Kerala schickt Ärzte und Krankenpersonal zur Unterstützung.

Doch Indien kämpft nicht nur gegen Covid-19.

  • Eine Heuschreckenplage in Rajasthan, Delhi, Haryana und Punjab lässt die Bauern zittern. Mit Trommeln, Lärm, Sirenen versuchen sie, ihre Felder vor den gefräßigen Heuschrecken zu schützen. Einige setzen zeitgemäß auf DJs und lassen ihre Felder mit hohen Dezibels beschallen.
  • Der Zyklon Amphan, der am 20. Mai in Westbengalen auf Land getroffen ist, hat verheerende Schäden angerichtet. Viele Bäume wurden entwurzelt und Gebäude beschädigt. In den indischen Nachrichten ist Amphan jedoch kaum noch Thema. Das Militär hilft bei den Aufräumarbeiten.
  • Kashmir bleibt auch während Corona ein Konfliktgebiet. In Pulwama gab es eine Terrorattacke mit einer Autobombe und in Ladakh an der nördlichen Zone rüstet China auf. Donald Trump hat sich als Mediator zwischen beiden Parteien angeboten. Obwohl er in seinem eigenen Land viel zu tun hätte, hat er mit beiden Ländern gesprochen. Premierminister Modi sei „not in a good mood“, wenn es um China ginge. Die indische Regierung informierte darauf nur, dass man gedenke, die Probleme mit China friedlich zu lösen.
  • In Assam haben hefige Niederschläge zu Überschwemmungen geführt und die Menschen kämpfen gegen die Fluten.
  • In vielen Bundesstaaten kam es zu Hitzewellen. In Delhi war es vor einigen Tagen 46 Grad. In Rajasthan wurden sogar 50 Grad gemessen.
  • Viele Wanderarbeiter sind immer noch unterwegs und täglich kommt es zu menschlichen Tragödien. Tausende warten in brennender Hitze auf Züge und Busse. In Zügen ist es wegen der Hitze und zu wenig Wasser und Essen zu Todesfällen gekommen. Die Zentrale Regierung schiebt die Verantwortung auf die Bundesstaaten und die Bundesstaaten an die Zentrale Regierung. Immer noch sind Tausende ohne genügend Nahrung und Wasser zu Fuß unterwegs. Es ist eine Katastrophe!

Chana-Masala (Kichererbsen-Curry)

Heute hat der 63. Tag im indischen Lockdown angefangen. Die Covid-19-Fälle steigen in Indien weiterhin an und immer noch sind Tausende von Wanderarbeiter unterwegs. Leider hat auch Chennai täglich steigende Fallzahlen, und so ist es bei uns kaum zu Lockerungen gekommen. Die letzten Tage waren sehr heiß. Wir hatten Temperaturen über 40 Grad. Viele Bundesstaaten in Süd-, Zentral- und Nordindien leiden unter einer Hitzewelle.

Um mich etwas zu beschäftigen, probiere in der Küche immer wieder Neues aus. Am Wochenende habe ich Chana Masala, ein Kichererbsen-Curry nach einem Rezept von einer indischen Freundin ausprobiert. Da es uns sehr gut geschmeckt hat, teile ich das Rezept gerne mit euch.

Noch ein kleiner Hinweis zu den Rezepten auf meinem Blog. In unserer Familie essen wir sehr scharf und meine Gerichte sind nicht europäisch angepasst, sondern authentisch aus der indischen Küche. Da Schärfe oft nicht vertragen wird, werden in indischen Restaurants im Westen oft Kompromisse eingegangen. Wenn eure Zungen es auch nicht zu scharf mögen, reduziert die Chilis und das Chilipulver und tastet euch langsam heran.

Zutaten:

  • 1 ½ Tasse getrocknete Kichererbsen
  • 3 Tomaten (klein geschnitten)
  • 2 Zwiebeln (klein geschnitten)
  • 3-5 grüne Chilis (der Länge nach halbiert)
  • 3 TL Kumin (Kreuzkümmel)
  • 1 TL Ingwer-Paste
  • 1 TL Knoblauch-Paste
  • 1 TL Chilipulver
  • 1 TL Kurkuma (Gelbwurz)
  • 3 EL Korianderpulver
  • 1 TL Bockshornkleeblätter (Kasuri Methi)
  • 1- 1 ½ Tassen Wasser
  • 1 EL Öl oder Ghee (geklärte Butter)
  • Salz nach Belieben
  • Ev. 1 EL Tomaten Ketchup

Zubereitung:

Frühmorgens oder über Nacht:

Die trockenen Kichererbsen waschen und mindestens 8 Stunden zugedeckt in Wasser einweichen. Die Größe der Erbsen wird sich verdoppeln, daher darauf achten, dass ihr genügend Wasser dazugebt. Ich mache dies meistens über Nacht. Danach das Wasser abschütten und die Kichererbsen in einem Dampfkochtopf oder einem Kochtopf weichkochen. Dabei kein Salz zugeben. Als schnelle Variante gehen natürlich auch bereits gekochte Kichererbsen aus der Dose.

1. 1 EL Öl oder Ghee in einer Pfanne erhitzen. 3 TL Kumin dazugeben und kurz anrösten. Danach die Zwiebeln dazugeben und anrösten, bis sie leicht braun werden.

2. 1 TL Ingwer-Paste, 1 TL Knoblauch-Paste und die grünen Chilis dazugeben. Andünsten bis der frische Knoblauchgeruch verschwindet.

3. 3 Tassen gekochte Kichererbsen dazugeben und gut mit den Zwiebeln und den Gewürzen vermengen.

4. 1 TL Chilipulver, 1 TL Kurkuma, 3 EL Korianderpulver und rund 1 ½ TL Salz zugeben und gut umrühren. Das Ganze 5 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen und zwischendurch umrühren.

5. 3 klein geschnittene Tomaten dazugeben und rund 5 Minuten köcheln lassen. Wer mag kann auch einen EL Tomatenketchup dazugeben. Meine Freundin aus Rajasthan macht dies.

6. 1 – 1 ½ Tassen Wasser zugeben und zum Kochen bringen und danach 1 TL Bockshornkleeblätter (Kasuri Methi) dazugeben.

7. Auf mittlerer Stufe kochen lassen, bis das Kichererbsen-Curry etwas eindickt.

8. Am Schluss mit frischen Korianderblättern garnieren und zu Reis oder indischen Broten servieren.

Einen guten Appetit!

Chana-Masala passt auch sehr gut zu Poori. Das Rezept dafür findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/05/21/poori-frittierte-indische-brote/

Poori – frittierte indische Brote

Die rundaufgeblasenen Poori-Brote essen wir normalerweise nur ab und zu im Restaurant. Hier in Tamil Nadu werden Poori als Frühstück, Abendessen oder auch einfach als Snack gegessen. Dazu wird oft Aloo-Masala (Kartoffeln-Curry) oder Chana-Masala (Kichererbsen-Curry) serviert.

Zu Hause essen wir kaum Frittiertes, und ich habe zuvor auch noch nie Poori gemacht. Doch nach 58 Tagen im indischen Lockdown, habe ich mich bei meinen indischen Freundinnen schlau gemacht und Poori gemacht.

Es ist tatsächlich kein Hexenwerk und sicherlich werde ich nun ab und zu selbst gemachte Poori auftischen.

Gerne teile ich das Rezept mich euch:

Zutaten:

  • 2 Tassen Atta (fein gemahlenes Vollkornweizenmehl)
  • 1 Schluck Milch (ca. 4 EL)
  • Etwas Soji (Semolina, Hartweizengrieß) rund 2-3 EL
  • Rund 1 TL Salz
  • 1 EL Öl
  • Wasser
  • Öl zum Frittieren
  • Wok-Pfanne
  • Siebkelle

Zubereitung:

1. 2 Tassen Mehl, 2-3 EL Soji, 1 TL Salz, 1 EL Öl gut vermengen

2. Die Milch dazugeben und nach und nach etwas Wasser beigeben und den Teig kneten bis er schön fest ist. Der Teig sollte etwas fester als Chapati-Teig werden. Etwa so wie Brotteig.

3. Den Teig mindestens 30 Minuten ruhen lassen

4. Den Teig nochmals kurz durchkneten und zu kleinen Bällen formen. Ich forme sie etwas kleiner als Limetten.

5. Den Teig nicht auf Mehl, sondern auf einer geölten Fläche rund auswallen. Der Teig sollte nicht zu dünn werden und dicker als Chapati sein. (Schätzungsweise 2-3 mm)

Auf einer geölten Fläche auswalken.

6. Das Öl in einer Wok-Pfanne erhitzen. Es sollte nicht zu heiß sein.

7. Ein ausgewalltes Poori ins heiße Öl geben. Wenn alles richtig gemacht wurde, wird sich das Poori im Öl zu einem Ball aufblasen. Die Unterseite goldbraun frittieren, danach wenden und die andere Seite frittieren. Auf einem Teller mit Haushaltspapier kurz abtropfen lassen und mit Aloo-Masala oder Chana-Masala heiß servieren.

Einen guten Appetit!

Das Rezept für Aloo-Masala findest du hier:

Für die Poori könnt ihr Aloo-Masala etwas flüssiger servieren, d. h. etwas mehr Wasser dazugeben.

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/07/20/masala-dosai-ich-liebe-es/

Gerne wird zu Poori auch Chana-Masala gegessen. Das Rezept findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/05/26/chana-masala-kichererbsen-curry/

Im indischen Lockdown 4.0 – Tag 55

Mit der bisher höchsten Tagesanzahl von 5242 neuen Covid-19-Fällen hat bei uns heute der Lockdown 4.0 begonnen. Die indische Regierung hat die Maßnahmen gegen das Corona-Virus bis zum 31. Mai verlängert. In vielen Bundesstaaten und Distrikten kommt es zu Lockerungen. Die Bundesstaaten haben nun wieder mehr Entscheidungsgewalt und können Erleichterungen beschließen.

Bei uns in Chennai ändert sich leider kaum etwas. Wir haben immer noch steigende Fallzahlen. In 25 Distrikten in Tamil Nadu kommt es jedoch zu Lockerungen.

Hier die neusten Bestimmungen des Lockdowns 4.0

Keine Lockerungen in stark betroffenen Covid-19-Zonen. Die Bundesstaaten entscheiden über eventuelle Erleichterungen. Ausgangssperre von 19.00 bis 7.00 Uhr

Erlaubt:

  • Online Education
  • Heimlieferungen von Essen und Esswaren
  • Kantinen für Gestrandete und Bedürftige
  • Stadien dürfen geöffnet werden, jedoch ohne Zuschauer
  • Restaurants dürfen Heimlieferungen anbieten
  • Allein stehende Shops dürfen öffnen

Weiterhin geschlossen:

  • Schulen und Universitäten
  • Flugreisen und Metros
  • Religiöse Zentren
  • Fitness-Zentren, Malls, Kinos

Covid-19-Management:

  • „Social Distancing“ muss befolgt werden
  • Es ist obligatorisch eine Maske zu tragen.
  • Nur 5 Personen zur gleichen Zeit in einem Geschäft.
  • Nicht mehr als 50 Gäste an Hochzeiten

Die neusten Zahlen von heute:

Indien: 96‘492 Fälle, 36‘824 recovered, 3041 Tote

Am stärksten betroffen:

  • Maharashtra: 33‘053 Fälle, 1198 Tote
  • Gujarat: 11‘379 Fälle, 659 Tote
  • Tamil Nadu: 11‘224 Fälle, 78 Tote
  • Delhi: 10‘054 Fälle, 160 Tote

Immer noch sieht man tagtäglich erschreckende Bilder von Wanderarbeitern, die verzweifelt versuchen in ihre Dörfer zurückzukehren. Viele Verzweifelte sind zu Fuß, mit Fahrrädern und Fahrrad-Rikschas meist in der Nacht auf den Highways unterwegs. Einige haben auch ihre letzten Rupees zusammengelegt, um eng zusammengepfercht in Lastwagen mitzufahren. Wie sich rausstellte, zeigten die Truckfahrer jedoch kein Mitleid oder Verständnis für die Wanderarbeiter. Bis zu 2000 Rupees pro Person mussten sie bezahlen und Fahrer verdienten insgesamt 1 Lakh (100‘000 Rupees) – eine richtige Abzockerei!

In dieser Woche sind viele schreckliche Verkehrsunglücke passiert, bei denen viele Wanderarbeiter ums Leben kamen.

Über die Handhabung der Wanderarbeiter ist nun eine politische Auseinandersetzung entbrannt. Die Opposition, vor allem die Congress-Partei kritisiert die Zentrale Regierung massiv.

Die Bundesstaaten wurden nun angewiesen, dass sie mehr Busse und Züge zur Verfügung stellen müssen, um die Arbeiter endlich nach Hause zu lassen. Dies führte heute wieder zu Massenansammlungen an verschiedenen Zug- und Busbahnhöfen.

Sehr berührt hat mich die Geschichte eines Wanderarbeiters, der in seiner Not ein Fahrrad gestohlen hat, und dem Besitzer einen Brief hinterlassen hat.

Seit Tagen informiert die Finanzministerin Nirmala Sitharaman täglich live über die Verteilung der 20 Lakh Crore Rupees (250 Milliarden Euro), die die indische Regierung als Wirtschaftspaket geschnürt hat.

Die Aufteilung kommt jedoch eher einer neuen Budgetierung gleich, als einer Hilfe, die sofort zum Einsatz kommt. Viele bezeichnen das Ganze als Augenwischerei. Der Fokus soll vor allem auf lokalen Marken liegen und Indien möglichst unabhängig vom Ausland machen.

Maharashtra, vor allem Mumbai ist vom Corona-Virus am schlimmsten betroffen. Die Spitäler haben ihre Kapazitäten erreicht und alle Intensivbetten sind besetzt. Auch im Slum Dharavi steigen die Fälle weiter an. Gestern zählte man 1198 Fälle.

Wieder einmal zieht ein Zyklon nordwärts an uns vorbei. 2016 fegte Zyklon Fani über Chennai hinweg. Die Verwüstungen, die zurückblieben, werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Der Zyklon Amphan bewegt sich nun auf die Ostküste von Odisha und Westbengalen zu.

Laut Meteorologen wird sich der Zyklon in den nächsten 12 Stunden zu einem Super-Zyklon aufbauen und am 20. Mai auf die Küste treffen. Ich hoffe nur, dass es die Menschen nicht zu sehr trifft.

Gestern mussten wir mit unserem Sohn zum Arzt. Eigentlich wollten wir einen Dermatologen aufsuchen, aber wegen der Corona-Situation ist dieser nicht im Dienst. Nach Fiebermessen und Handdesinfizierung konnten wir das Spital betreten. In der Notfallaufnahme sah sich eine Assistenzärztin in voller Corona-Montur den Hautausschlag an, und es war ziemlich klar, dass sie in diesem Fall nicht kompetent war. Der Kinderarzt, der danach dazu geholt wurde, schien etwas fachkundiger und verschrieb eine Lotion und Tabletten.

Jetzt versuchen wir es mal so, ansonsten müssen wir uns auf die große Suche nach einem Hautarzt machen.

Weiter geht es … stay home – stay safe!

Im indischen Lockdown – Tag 47

Während es in vielen europäischen Ländern nun zu Lockerungen kommt und die Planung zu „Back to the new normal“ in vollem Gange ist, stecken wir hier immer noch im Lockdown, bereits in der 2. Verlängerung.

Indien versucht, das Virus durch einen Covid-19-Zonenplan einzuschränken. Während es in den grünen und orangen Zonen keine oder nur wenige Fälle gibt, sind die roten Zonen die Corona-Hotspots. In den grünen und orangen Zonen sind bereits viele Lockerungen getroffen worden und industrielle Betriebe können unter Berücksichtigung des „Social Distancing“ und anderen Vorsichtsmaßnahmen wieder produzieren. In den roten Zonen hingegen sieht es anders aus. Hier wurde der Lockdown kaum gelockert. Wie fast alle indischen Großstädte ist auch Chennai tiefrot.

Die Hoffnung, dass das Virus die Hitze und tropisches Klima nicht mag, hat sich leider nicht bestätigt. Auch hier breitet es sich rapide aus. Die Fallzahlen steigen stetig. Am allerschlimmsten hat es Mumbai getroffen, aber auch Chennai hat täglich steigende Fallzahlen. Zu sehr vielen Ansteckungen hat der Großmarkt für Gemüse- und Früchte geführt. Nun wasche auch ich alle Früchte und Gemüse gründlich nach dem Kauf.

Diese Woche wurden viele gestrandete Inder aus dem Ausland mit Evakuierungsflügen nach Hause geholt. Alle müssen nun für 14 Tage in Quarantäne. Entweder können sie dies kostenlos in Unterkünften der Regierung oder kostenpflichtig in dafür vorgesehenen Hotels.

Anfangs Woche wurden in vielen Bundesstaaten die Likör- und Weinshops geöffnet. Die Bilder und Videos, die man kurz darauf überall sehen konnten, zeigten umgehend auf, dass dies ein Fehler war. Der riesige Ansturm auf Alkohol geriet vielerorts außer Kontrolle.

Mit etwas Menschenverstand wäre dies eigentlich voraussehbar gewesen, aber die Regierung braucht wohl dringend das Geld, das dadurch in die Staatskasse gespült wird.

Wer noch nie in Indien war, weiß vielleicht nicht, dass man Alkohol nur in bestimmten Shops kaufen kann. Da Spirituosen nicht unter essenzielle Lebensmittel fallen, hatten die Menschen seit über 40 Tagen keine Gelegenheit mehr Alkohol zu kaufen. Mein Mann hat mir erzählt, dass ein grosser Likör-Shop in Bangalore einen Tagesumsatz von 2 Millionen Schweizer Franken gemacht hat!

Hier in Chennai sind die Wine-Shops immer noch geschlossen. In Tamil Nadu wurde grade ein Gerichtsbeschluss erlassen, der besagt, dass die Wine-Shops geschlossen bleiben sollen, dass man jedoch einen Online-Verkauf in Betracht ziehen kann.

Unser Vorrat ist auch schon länger aufgebraucht. Anstelle von alkoholischen Drinks genehmigen mein Mann und ich uns nun täglich einen Immunbooster-Detox-Drink!

Keine Mango-Lassi 😉!

Unser Sohn rümpft darüber nur die Nase und erfreut sich an den komischen Gesichern, die wir bei der Einnahme machen.

Nach einem ayurvedischen Rezept mixe ich Ingwer, Amla, Zitrone, Tulsi-Blätter (indischer Basilikum) und Kurkuma.

Diese Mischung wird empfohlen, um das Immunsystem zu stärken und den Körper zu entgiften. Ich gebe zu, dass mir ein Gin Tonic definitiv besser schmecken würde.

Hier noch die neusten Zahlen von heute Morgen:

  • 19‘358 Recovered
  • Jeder 11. Tag eine Verdoppelung der Fälle
  • 62‘939 Fälle, 2108 Tote, Mortalitätsrate 3 %
  • In den letzten 24 Stunden:  3277 neue Fälle, 128 Tote

Stay home – Stay safe!

 

 

Pongalam Dosai – gesunder Energiebooster

Pongalam Dosai mit Kokosnuss-Chutney

Pongalam Dosai ist ein südindischer „Pfannkuchen“ aus Dal. Für den Teig werden vier verschiedene Dal-Sorten und Reis verwendet. Die vielen Proteine der Hülsenfrüchte sättigen und sorgen für lang anhaltende Energie. Ich liebe Pongalam Dosai zum Frühstück, Abendessen oder einfach als energiereiche, leckere Zwischenverpflegung.

Zutaten:

  • 1,5 Tassen Urad Dal
  • 1 Tasse Toor Dal
  • 1 Tasse Bengal- oder Chana Dal
  • 1 Tasse Moong Dal
  • 2 Tassen gekochter Reis
  • 2- 4 klein geschnittene Chilis
  • 2 klein geschnittene Zwiebeln
  • 1 Stück Ingwer klein geschnitten oder gerieben
  • 1-2 Zweige klein geschnittene Curryblätter
  • Salz
  • Öl oder Ghee zum Braten

Zubereitung:

1. 1,5 Tassen Urad Dal, 1 Tasse Toor Dal, 1 Tasse Bengal Dal, 1 Tasse Moong Dal und 2 Tassen gekochter Reis waschen und für mindestens 2 Stunden in Wasser einweichen.

2. Nach der Einweichzeit das Wasser abschütten und die Hülsenfrüchte und den Reis mit dem Grinder oder Mixer zu einem Teig mahlen. Dabei nicht zu viel Wasser beigeben. Der Pongalam-Teig sollte in der Konsistenz etwas dicker als der normale Dosai-Teig sein und eine breiige Struktur haben.

3. Salz, 2-4 klein geschnittene grüne Chilis, 2 klein geschnittene Zwiebeln, ein Stück geriebener oder klein geschnittener Ingwer und klein geschnittene Curryblätter dazugeben und alles gut mischen.

4. In der heißen Bratpfanne oder einer Tava etwas Öl oder Ghee erhitzen und 1-2 Kellen Pongalam-Teig kreisförmig verteilen. Pongalam Dosai sind bedeutend kleiner und dicker als normale Dosai. Beide Seiten auf mittlerer Hitze rund 2-3 Minuten anbraten, bis das Pongalam Dosai eine goldfarbene Kruste bekommt.

5. Das Pongalam Dosai mit Chutney oder Sambar servieren.

Einen guten Appetit!

Hier findest du verschiedene Chutney-Rezepte und das Rezept für Sambar:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/19/kokosnuss-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/21/erdnuss-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/01/12/suedindisches-minz-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/07/08/tomaten-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/10/sambar-die-gemuese-sauce-in-der-tamilischen-kueche/

Vom Glück des Habens

Heute kommt mein Liebster genervt vom Einkaufen zurück. „Diese Deppen!“, empört er sich über seine eigenen Landsleute. „Jetzt hat es überall Kreise am Boden und sie bringen es nicht fertig, sich da reinzustellen.“

Indien versucht mit allerhand Kampagnen und Aufklärungsarbeit über das Coronavirus zu informieren. Doch wie soll in einem Land wie Indien „Social Distancing“ funktionieren? Allein in Chennai leben 10 Millionen Menschen. Unser Teenager hängt sich sofort rein. „Als ich neulich mit den Hunden die Runde machte, habe ich genau das Gleiche gesehen. Vorne in der Ecke sitzen sie ohne Mundschutz in Gruppen draußen. Von „Social Distancing“ keine Spur! Warum bleiben diese Deppen nicht einfach zu Hause?“

Obwohl mich die Inderinnen und Inder mit ihrer Ellbogen- und Wettbewerbskultur oft auch ärgern, muss ich die Menschen nun in Schutz nehmen. Die Corona-Maßnahmen treffen viele sehr hart. Die Wohnsituationen sind meistens sehr eng und ungemütlich. Je mehr Zeit verstreicht, desto größer werden auch für den Mittelstand die finanziellen Nöte. Dazu haben wir jetzt Hochsommer, und es ist sehr heiß geworden. Die Temperaturen liegen momentan bei 35 Grad und drüber. Der Strom für Klimaanlagen und Ventilatoren kostet Geld. Geld, das viele nicht haben. „Sie können doch einfach zu Hause ein Buch lesen“, meint unser Sohn. „Erst muss man überhaupt Bücher haben“, gebe ich ihm zur Antwort.

Wie bewusst wird mir in diesem Land immer wieder, wie privilegiert wir sind. All die Dinge, mit denen ich in der Schweiz so selbstverständlich aufgewachsen bin, sind für viele Menschen hier ein Wunschtraum. Der Lockdown ist für alle ein leidiges Thema. Sich einzuschränken fällt uns allen schwer, aber wie viel einfacher ist es mit Büchern, Internet, Brettspielen, Kunstmaterial, Musik, Netflix, Audiobüchern, Staubsauger, …

Brettspiele wurden wieder hervorgeholt. Brändi-Dog ist definitiv unser Favorit und wird täglich gespielt.

All dies steht uns auch hier zur Verfügung. Dazu leben wir in einem schönen, gemütlichen Haus mit genügend Wohnraum, sodass sich jeder auch mal zurückziehen kann. Das selbstverständlich Normale wird hier zum absoluten Luxus. Wir können die Klimaanlage anstellen, uns mehr oder weniger sinnvoll beschäftigen und haben unbeschränkt Zugang zu Highspeed-Internet. Okay, so schnell ist es oft dann wieder nicht. Prabhu hat grade erst ein Upgrade bei unserem Internetanbieter gemacht, da unser Verbrauch in der Corona-Zeit gestiegen ist.

In letzter Zeit bekommt mein Mann oft Anrufe von Menschen, die in Not sind. Auch Bekannte, die normalerweise gut verdienen, haben nun finanzielle Engpässe. Unseren Möglichkeiten entsprechend, unterstützen wir, so gut es geht. Obwohl Prabhus Baustelle seit fast 2 Monaten stillsteht, bezahlt er seine Arbeiter weiterhin. Als Selbstständigerwerbende beschert das Coronavirus auch uns finanzielle Einbußen, zwingt uns zum Stillstand. Doch sind wir gottlob in der glücklichen Lage diese Situation finanziell zu stemmen und zu überbrücken.

Wenn ich das Gefühl habe, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, brauche ich nur im Fernseher die News zu schauen. Abertausende Wanderarbeiter und Mittellose, die vor dem Nichts stehen und ohne Geld, Essen und Unterkunft ums tägliche Überleben kämpfen.

Wie kann ich da noch jammern und mich über diese unsägliche Situation beklagen?

 

Im indischen Lockdown – Tag 39

Am Mittwoch ging unser strikter Lockdown in Chennai zu Ende. Da die Covid-19-Fälle zunehmend anstiegen und leider immer noch ansteigen, standen wir für 4 Tage unter einem totalen Lockdown. Um den großen Ansturm in den Lebensmittelgeschäften zu vermeiden, beschlossen wir erst gestern einkaufen zu gehen.

Ganz in der Nähe von uns wurde ein Corona-Fall gemeldet, so mussten wir einen Umweg nehmen, da die Straße gesperrt war. Prabhu bekam diese Nachricht per WhatsApp. Ein 70-jähriger Nordinder ist wahrscheinlich durch Community Spread angesteckt worden. Die Nachricht machte inklusive Adresse des Erkrankten umgehend die Runde. Von Datenschutz kann man in Indien nur träumen!

Im Supermarkt konnte ich mich erst in eine lange Reihe von Wartenden stellen.

Bei 37 Grad anstehen.

Bevor man den Laden überhaupt betreten darf, muss man neu seine Hände desinfizieren und natürlich eine Maske tragen. Verschwitzt und mit einer langen Einkaufsliste bewaffnet, betrat ich schließlich den Supermarkt. Halbleere und leere Regale gähnten mir entgegen. Kein einziges Brot, kein Dal, kein Mehl, kein Zucker, … Die lange Liste von meinem Schwiegervater wurde kaum kürzer. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Einige Dinge konnte ich noch ergattern und mein Mann holte mich wieder ab. In einem kleinen Laden am Straßenrand konnten wir noch ein paar fehlende Sachen kaufen.

Auf den Straßen tragen die meisten Masken oder binden sich wenigstens ein Taschentuch ums Gesicht. Trotzdem halten sich leider viele nicht an Social Distancing. Ich habe das Gefühl, dass die Leute echt genug haben von all diesen Corona-Maßnahmen. Viele werden nun zusätzlich von finanziellen Sorgen geplagt und dies nicht nur in der Unterschicht. Auch viele im Mittelstand mit einem regelmäßigen Einkommen kommen nach fast 2 Monaten nun an ihre Grenzen.

Auf dem Rückweg entdeckte ich dann ein Corona-Tuk-Tuk. Da musste ich doch wieder über die Kreativität und den Einfallsreichtum der Inder schmunzeln. Mit Lautsprecher bestückt, fährt das Virus-Gefährt durch die Straßen und klärt die Menschen auf.

Am Abend kam die Nachricht, dass der Lockdown um zwei Wochen verlängert wird. Ich hatte es nicht anders erwartet. Die Hotspots mit vielen Covid-19-Fällen bekommen kaum Erleichterungen. Das sind die roten Zonen. Lockerungen gibt es in den orangen und grünen Zonen, die nur wenige oder gar keine Fälle haben.

Wenigstens gibt es bei den Wanderarbeitern und all den Gestrandeten endlich eine Erleichterung. Viele Sonderzüge wurden bereitgestellt, um sie endlich nach Hause zu bringen. Trotzdem warten viele Tausende noch immer …

In Chennai werden nun alle Schulen zu Covid-19-Spitälern umgerüstet. Die Behörden erwarten scheinbar noch Schlimmeres. Hoffen wir, dass diese vielen Betten nicht gebraucht werden und die Fallzahlen endlich zurückgehen.

In den letzten 24 Stunden hatten wir mit 2293 Fällen den größten Anstieg bisher. Total haben wir heute Morgen 37‘336 Fälle und 1218 Tote.

Obwohl inzwischen jeder genug hat, geht es weiter mit dem sich ständig wiederholenden Mantra „Stay homeStay safe“!