Uppu Urundai – Salzige Reisbällchen

Uppu Urundai heißt auf Tamil übersetzt „Salzige Bällchen“. Es ist ein gesundes und leichtes Frühstück oder Abendessen. Von einfachen Salzbällchen sind Uppu Urandai jedoch weit entfernt. Die Reisbällchen werden mit Dal, Senfkörner, Kokosnuss und roten Chilis gedämpft und überraschen so den Gaumen mit köstlichen Aromen.

Gerne teile ich unser Rezept mit euch.

Zutaten:

  • 1 Tasse Reis
  • ¼ Tasse Kokosraspeln (am besten frisch)
  • 2 EL Öl
  • 1 TL Senfkörner
  • 1 TL gesplitteter Urad-Dal
  • 1 EL Bengal- oder Chana-Dal
  • 2-5 rote getrocknete Chilis
  • Salz
  • 1 Prise Asafötida (Hing)

Zubereitung:

1. Eine Tasse Reis waschen und in Wasser einlegen. (Mindestens ½ Stunde)

2. Den Reis im Mixer mit etwas Wasser mahlen. Ganz kleine Reisstückchen in der Konsistenz von Grieß sollten übrig bleiben.

3. 2 EL Öl in einer Bratpfanne erhitzen und 1 TL Senfkörner dazugeben. Wenn die Senfkörner springen 1 TL gesplitteter Urad-Dal, rund 1 EL Bengal-Dal, die roten Chilis und etwas Asafötida dazugeben. Alles zusammen kurz frittieren bis der Dal leicht bräunlich wird.

4. Die Kokosraspeln dazugeben.

5. Das gemahlene Reis-Wassergemisch dazugeben, salzen und unter Rühren kurz köcheln lassen, bis das Wasser verdunstet ist.

6. Das Ganze abkühlen lassen und danach kleine Bällchen formen.

7. In einem Dampfsieb oder im Idly-Cooker rund 15-20 Minuten dämpfen.

Die Uppu Urundai können mit Chutney serviert werden. Mein Mann mag die Bällchen auch einfach so.

Einen guten Appetit!

Eine Tasse Reis ergibt rund 18-20 Bällchen.

Rezepte für verschiedene Chutneys:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/07/08/tomaten-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/21/erdnuss-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/19/kokosnuss-chutney/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/01/12/suedindisches-minz-chutney/

Im indischen Lockdown- Tag 32

Das Coronavirus beherrscht unser Leben. Da in Tamil Nadu der Lockdown schon früher durchgesetzt wurde, sind wir fast seit 6 Wochen zu Hause.

Zwischendurch nehme ich bewusst Abstand von all den Corona-News, doch das Virus holt einem immer wieder ein. Unsere Papiermasken mussten wir endgültig entsorgen, so habe ich selbst einige Stoffmasken genäht. Masken sind nun Pflicht, wenn man nach draußen geht.

Gestern war ich zum dritten Mal im Supermarkt. Wir haben nun Temperaturen über 35 Grad und mit Maske und Sonnenbrille gerüstet, kommt es mir jeweils vor, als ob ich eine kleine Mini-Sauna oder ein Dampfbad vor dem Gesicht hätte. Die Läden haben von 6 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Nicht alles ist immer verfügbar. Während es das letzte Mal keine Eier gab, konnte ich gestern wieder einmal meine „Ökoeier“ kaufen. So habe ich mit vier Schachteln à 6 Eier zugeschlagen.

Auf dem Rückweg entdecke ich plötzlich „Hunde-Thaatha“ (Hunde-Großvater) auf dem Fahrrad. So nenne ich den alten Mann, der immer mit dem Fahrrad durch die Straßen fährt und die Straßenhunde füttert. Die Hunde lieben ihn, erkennen ihn schon von Weiten und freuen sich natürlich riesig, wenn sie einen Leckerbissen abbekommen. Wir verfolgen ihn mit unserem Auto, danken ihm für sein Engagement und geben ihm einen 500er. Ich mache ihn auch noch auf die abgemagerte Hündin mit den zwei Welpen aufmerksam, die ich neulich auf meiner Runde entdeckt habe. Er werde sich darum kümmern, verspricht er mir.

Um 14 Uhr, natürlich nach meinem Einkauf, kam die Nachricht, dass der Lockdown in Chennai und vier anderen Städten in Tamil Nadu verschärft wird. Ab Sonntag früh wird in Chennai für vier Tage dichtgemacht, auch die Lebensmittel-Läden. Nur Apotheken und Spitäler bleiben geöffnet. So kam es heute Morgen zu Hamsterkäufen. Prabhu wollte Milch und Gemüse kaufen und kam mit leeren Taschen zurück. Die Milch war seit 7 Uhr ausverkauft und in jedem kleinen Geschäft waren rund 50 Leute. „Social Distancing“ ging dabei natürlich vergessen. Was ein solcher strikter Lockdown nun bringen soll, ist mir rätselhaft.

Die Schule unseres Sohnes wird voraussichtlich aufs neue Schuljahr Mitte Juli wieder öffnen. Im Moment bietet die Schule bis zu den Sommerferien im Mai noch diverse Online-Kurse an.

So bleiben wir brav zu Hause, denn eine andere Möglichkeit steht nicht zur Wahl.

Stay home – stay safe!

Netflix-Zeit im Lockdown – der Film KD Karuppudurai

Wir haben heute den 29. Tag des landesweiten, verlängerten Lockdowns begonnen. Vielerorts in Indien steigen die Covid-19-Fälle weiterhin an. Im größten Slum Indiens, in Dharvani, hat es nun 5 Hotspots, die zu roten Zonen erklärt wurden. Mit insgesamt 113 Fällen ist Dharvani zu einem besorgniserregenden „Hotbed“ in Mumbai geworden. Währenddessen wurden in Goa und in Kerala die Restriktionen massiv gelockert. Goa hat scheinbar keinen CV-Fall mehr und in Kerala scheint alles unter Kontrolle. In Kerala haben sogar die Restaurants wieder geöffnet. Das gibt Mut zur Hoffnung, dass irgendwann auch hier in Chennai wieder etwas Normalität einkehrt.

Meine abendlichen Runden mit den Hunden verlaufen längst nicht mehr so einsam. Man merkt, dass die Leute genug haben, dass es sie nach draußen zieht. Jogger, Spaziergänger, Blumenverkäuferinnen ziehen wieder durchs Quartier. Auf der Straße wird teilweise Cricket oder Badminton gespielt. Ich kann es ja nachvollziehen, denn mir geht es ebenso.

Netflix und Amazon Prime kommt uns in dieser Zeit sehr entgegen. Mit meinem Mann zusammen schaue ich jetzt oft indische Filme. Ein ganz toller Film muss ich euch ans Herz legen. KD Karuppudurai ist ein tamilischer Film aus dem Jahr 2019 von der Regisseurin Madhumita. Mir sind die meisten indischen Filme ja zu kitschig und zu oberflächlich. KD jedoch ist komplett anders.

Zur Geschichte:

Karuppu Durai ist 80 Jahre alt, als er für drei Monate ins Wachkoma fällt. Seine fünf Kinder beschließen, dass sie das Thalaikoothal-Ritual durchführen möchten, um ihn ins Jenseits zu befördern.

Thalaikoothal ist quasi die Sterbehilfe EXIT in Tamil Nadu. Mit Öl und Kokosnusswasser wird der Körper der alten Person dermaßen runtergekühlt, dass sie sterben. Obwohl es eigentlich verboten ist, wird diese Praxis bei alten und gebrechlichen Leuten teilweise immer noch angewendet.

Karuppu Durai hört alles und wacht plötzlich aus seinem Koma auf. Mit gebrochenem Herzen und voller Angst läuft er von zu Hause fort. Bald trifft er auf den 8-jährigen Waisenjungen Kutty. Der Junge hat alles, was KD nicht hat. Er ist schlau, wortgewandt und sprüht vor Lebensfreude. Kutty ermuntert KD eine Bucketliste zu erstellen. Die weiteren Erlebnisse schweißen das ungleiche Paar auf besondere Art zusammen.

Die Geschichte wird mit so viel Witz, Charme und Liebenswürdigkeit erzählt, dass es nie langweilig wird. Ein unterhaltsamer Film mit Tiefgang, den ich nur empfehlen kann.

Von mir bekommt KD 8 von 10 Punkten.

Tamarind-Reis (Pulli Sadam) am 24. Tag im Lockdown

Der Lockdown in Indien wurde vor drei Tagen bis zum 3. Mai verlängert. Es ist leider noch nicht ausgestanden. Heute wurden 1007 neue Fälle gemeldet, und die registrierten Covid-19-Fälle klettern nun auf 13‘387. Für die Wanderarbeiter ist es besonders schwierig. Sie haben fest damit gerechnet, dass sie am 15. April endlich zu ihren Familien zurückkehren können. Die Versorgung der vielen armen Menschen, die ohne Geld und Arbeit dastehen, klappt vielerorts nicht. Viele hungern, werden schlecht versorgt und überleben mit knapp einer Mahlzeit pro Tag. Frustration und Wut macht sich breit und es kam auch schon zu Aggressionen gegen die Polizei und medizinische Fachkräfte. Die Regierung und viele Wohltätigkeitsorganisationen versuchen ihr Bestes, aber dies reicht definitiv nicht aus. Die Corona-Krise führt Indien immer mehr in eine humanitäre Katastrophe.

Ab dem 20. April können Distrikte, die keine oder nur wenig Covid-19-Fälle haben die Restriktionen etwas lockern und gewisse Branchen können ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Uns geht es gut. Die Ausgangssperre ist inzwischen zur Routine geworden. Gestern war ich zum zweiten Mal im Supermarkt, um einzukaufen. Die Öffnungszeiten wurden nochmals eingeschränkt und sind nun von 6 bis 13.00 Uhr. Die Angestellten scheinen müde zu sein, die Bestimmungen einzuhalten und umzusetzen. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch vor 2 Wochen wurde alles viel lockerer gehandhabt. Es gab keine Wartezeiten und bedeutend mehr Leute waren im Laden.

Um Social Distancing einzuhalten, hat es fast vor allen Läden aufgemalte Kreise .

Auf der Runde mit unseren Hunden begegne ich nun öfters Spaziergänger, die sich die Füße vertreten. Doch die meisten halten sich an die Regeln, bleiben zu Hause und gehen nur für das Notwendige nach draußen. Ich habe unser Quartier noch nie so still und sauber erlebt. Die Abfallcontainer werden täglich gelehrt und kaum Abfall liegt herum. Dies ist eigentlich erstaunlich, da dies in normalen Zeiten nie gelingt.

Unser Quartier am frühen Abend. Kaum jemand ist unterwegs.
Unsere Abfallstelle während der Corona-Krise.

Unsere Abfallstelle im normalen Alltag.

Vermehrt Zeit haben wir nun zum Kochen und neue Rezepte auszuprobieren. Eines davon ist Pulli Sadam, Tamarind-Reis. Die saure Tamarinde, die Frucht des Tamarind-Baums ist in der südindischen Küche nicht wegzudenken. Tamarind-Reis bleibt durch die Gewürze länger gut und wird oft eingepackt, wenn man auf Reisen ist. Da man die Paste und das Pulver aufbewahren kann, eignet sich Pulli Sadam auch als Mahlzeit, wenn es mal schnell gehen soll. Ich liebe es!

Gerne teile ich das Rezept mit euch.

Zutaten:

Für das Pulver:

  • 2 EL Pfeffer (wer es nicht zu scharf mag, kann den Pfeffer reduzieren oder weglassen und ihn mit Sesam ersetzen)
  • 2 EL Koriander-Samen
  • 1 EL Bockshornklee-Samen
  • 8-12 rote Chilis

Für die Paste:

  • Sesamöl (ca. eine Kelle)
  • Eine Handvoll Erdnüsse
  • 2 EL Chana- oder Bengal-Dal
  • 1 TL schwarze Senfsamen
  • 2 EL gesplitteter Urad Dal
  • 3-6 rote Chili
  • 12-15 Curryblätter
  • ½ TL Asafötida
  • ½ TL Kurkuma (Gelbwurz)
  • Salz
  • Ein Stück Tamarinde ungefähr in der Größe einer kleinen Mandarine.

Zubereitung der Paste:

1. Die Tamarinde in rund 2-3 dl heissem Wasser für rund 30 Minuten einweichen.

2. Eine kleine Kelle Sesamöl erhitzen, die Senfsamen dazugeben und warten bis sie springen.

3. Eine Handvoll Erdnüsse, 2 EL Chana-Dal, 2 EL gesplitteter Urad Dal, 12-15 Curryblätter und 3-6 rote Chili dazugeben und kurz frittieren bis der Dal leicht braun wird.

4. ½ TL Asafötida und ½ TL Kurkuma (Gelbwurz) dazugeben.

5. Die eingeweichte Tamarinde von Hand mit dem Einweichwasser gut vermengen und filtern, sodass rund 2-3 dl „Tamarind-Saft“ zurückbleibt.

6. Den Tamarind-Saft zugeben und köcheln lassen, bis das Ganze etwas eindickt. Nach Bedarf Salz zugeben.

Die Paste kann man in einem geschlossenen Einwegglas für mindestens 2 Wochen im Kühlschrank aufbewahren und so für weitere Portionen Tamarind-Reis verwenden.

Zubereitung Pulver:

1. Wenig Öl in einer Pfanne erhitzen und die Pfefferkörner nach Belieben (ev. Sesam), 2 EL Koriander-Samen, 1 EL Bockshornklee-Samen und 8-10 rote Chilis frittieren.

2. Das Ganze abkühlen lassen und zu einem feinen Pulver mahlen.

Auch das Pulver kann man in einem Schraubglas aufbewahren und für mehrere Portionen verwenden.

Zubereitung Tamarind-Reis:

Den Reis in einer Bratpfanne oder einer großen Schüssel verteilen und je nach Vorliebe eine bestimmte Menge der Paste darunter rühren und gut mischen. Am Schluss etwas Pulver darüberstreuen, mischen und heiß servieren. Gegessen wird Tamarind-Reis gerne mit Chips, Appalam, Vatal, aber natürlich kann man ihn auch mit einer Gemüse-Sabzi servieren.

Einen guten Appetit!

Blumenmeditation

Das Blumenmandala von heute Morgen.

Heute ein etwas außergewöhnlicher Blogbeitrag von mir. Ich liebe die Natur und vor allem Blumen. Hier in Chennai sind mir diesbezüglich große Grenzen gesetzt, denn Natur ist hier wirklich Mangelware oder schlicht nicht zugänglich. So haben wir auf meine Initiative vor etwas über 2 Jahren einen kleinen Dachgarten erschaffen. Mein Schwiegervater hat von diesem Projekt leider andere Ansichten als ich. Während ich es wild und überwuchernd mag, will er die Pflanzen am vorgesehenen Platz und nichts sollte rüberwachsen. So hat er meine Pflanzen, mein kleines Naturparadies immer wieder arg und lieblos beschnitten, was mich natürlich absolut in Rage brachte. Mein Mann hat nun mit ihm gesprochen und ich hoffe, dass ich nun wirklich mein wildes Paradies schaffen kann.

Chennai mit seinem tropischen Klima bringt zwar viele Nachteile mit sich, aber auch ein grosser Vorteil: Ich habe das ganze Jahr über schöne und wohlduftende Blüten und Blumen. Angefangen habe ich mit Blütenarrangement in Wasserschalen. Doch hier erschöpfen sich die Gestaltungsmöglichkeiten recht schnell.

So begann ich Blumenmandalas auf festem Untergrund zu legen und merkte sofort, wie wohltuend dies für mich war. Frühmorgens die Blüten zu pflücken und sie danach mit meditativer Musik oder Bhajans (heilige Lieder des Hinduismus) zu ordnen, machte mich innerlich ruhig, ausgeglichen. Es erfüllt mich mit Glück und Harmonie, wenn ich ganz konzentriert Blumenmuster entstehen lasse.

Einige Zeit ging das alles wieder vergessen. Doch jetzt in der Corona-Krise habe ich wieder angefangen.

Ich werde täglich mit so schlimmen Nachrichten überhäuft, dass ich ein Gegenzeichen setzen wollte. Meine Gedanken wieder auf etwas Schönes zu konzentrieren, bringt Ruhe in meinen Alltag.

Ich kann mir vorstellen, dass dies nicht jedermanns Sache ist, aber vielleicht geht es einigen ja so wie mir. Probiert es doch einfach mal aus und lasst mich bitte wissen, ob ihr die gleichen Erfahrungen macht.

Kommt gut und gesund durch diese schwierige Zeit!

Lockdown in India – Tag 10

Heute ist bereits der 10. Tag des großen Lockdowns. Obwohl uns zu Hause manchmal die Decke auf den Kopf drückt, geht es uns allen gut.

Unser Sohn ist mit der Online-Schule beschäftigt und schreibt nächste Woche mit einem Vertrauensvertrag seine Schuljahresprüfungen. Ich bin schon seit fast drei Wochen nicht mehr draußen gewesen. Mein Mann ist der Einzige, der ab und zu einkaufen geht, um uns mit dem Nötigsten zu versorgen. Seit Tagen versuche ich erfolglos, ein Zeitfenster für eine Online-Bestellung bei Big Basket zu ergattern. Abends bringe ich kurz den Müll zum Container und drehe mit den Hunden eine kleine Runde. So still und leer habe ich unser Quartier noch nie erlebt.Einerseits ist die Stille wohltuend und entspannend, andererseits fühlt es sich doch sehr fremd an, wenn ich ohne jemanden zu treffen eine Runde drehen kann.

Während meine Freundinnen über WhatsApp jammern, weil sie plötzlich selber putzen und kochen müssen, hat sich für mich nicht viel verändert. Manchmal hat es auch Vorteile, wenn man ohne „Staff“ auskommt. Nur die Bügelwäsche durfte ich nach vielen bügelfreien Jahren wieder mal selbst von den Falten befreien. Wenn die Sonne untergeht, drehe ich auf unserer Dachterrasse eine halbe Stunde meine Runden. Das finde ich immer sehr amüsant, da auf allen Dächern rundum viele Gleichgesinnte zu sehen sind.

Die News besorgen mich zunehmend. Manchmal halte ich die Bilder, die auf den indischen News-Kanälen rund um die Uhr gesendet werden, kaum aus und muss etwas Abstand nehmen. In den letzten Tagen hat sich die Zahl der registrierten Fälle verdoppelt. Heute Morgen wurden 2069 aktive Fälle und 53 Tote gemeldet.

Auch in das größte Slum Indiens (Dharavi, Mumbai) hat das Virus bereits seinen Weg gefunden. Die Pandemie dort einzudämmen, stellt die Behörden vor das schier Unmögliche. Durchschnittlich leben in Dharavi 5 Personen in einem Raum und 70 Prozent sind auf öffentliche Toiletten angewiesen. Wie soll man da „Social Distancing“ praktizieren? Immer mehr wird mir bewusst, dass die Einhaltung des Lockdowns unter menschenwürdigen Bedingungen ein reiner Luxus ist.

Unter die Haut gehen mir auch die Bilder der Wanderarbeiter, die zu Tausenden versucht haben, ihre Heimatdörfer zu Fuß zu erreichen. Grade heute kam die Nachricht eines jungen Mannes aus Tamil Nadu, der nach 500 Kilometer Fußmarsch kollabierte und verstarb. Viele wurden aufgehalten, wie Ungeziefer mit Desinfektionsmittel besprüht und in Camps zur Quarantäne festgesetzt. Die Regierung versucht das Möglichste, um zu unterstützen und zu helfen, aber auch da sind die Ressourcen knapp, und es mangelt es an Vielem.

Erschüttert haben mich auch die Bilder und Videos von Angriffen auf Ärzte und Gesundheitsmitarbeiter. In einem Quartier in Indore wurde medizinisches Personal angegriffen und mit Steinen beworfen. „Ärzte sind wie Gott“, hat der Premierminister Modi gesagt, aber die Realität sieht anders aus. Bereits sind 50 Ärzte selbst am Virus erkrankt. Es fehlt am nötigen Equipment. Ärzte werden jetzt vermehrt durch die Polizei begleitet.

Durch diese Vorfälle wurden jetzt auch deftige Gefängnisstrafen ausgesprochen. Wer gegen den Lockout verstößt, kann bis zu einem Jahr Gefängnis bekommen. Werden Menschen gefährdet sogar bis zu zwei Jahren. Ob diese Abschreckung zum Erfolg führt?

Heute um 9 Uhr wurde ein Video von Premierminister Modi ausgestrahlt. Er dankt allen für das Respektieren und Einhalten des Lockdowns. Die Leute hätten Disziplin gezeigt und Indien würde geeint gegen das Coronavirus kämpfen. „India has set an example for others to follow“ und „You are not allone!“, hört man immer wieder. Das Einschwören auf das vereinte Indien gegen das böse Coronavirus hat für mich einen schalen Nachgeschmack.

Modi setzt auf die heilige Zahl 9, die im Hinduismus sehr bedeutsam ist. Er fordert die Menschen dazu auf am Sonntag, 5.4. (auch die Quersumme 9) um 9 Uhr abends Öllichter und Kerzen rauszustellen und das elektrische Licht für neun Minuten zu löschen.

United India!