Hampi – einmal groß und nun ganz klein

Kennt ihr die Steintürmchen, die man oft an Fluss- oder Seeufern sehen kann? Als Achtsamkeits- oder Meditationsübungen entstehen kleine Kunstwerke, die richtig ausbalanciert der Schwerkraft trotzen.

Genauso erlebe ich im indischen Karnataka die Landschaft in und um Hampi. Es kommt mir vor als ob die gesamte indische Götterwelt hier mit den vielen Granitfelsen und -steinen gepuzzelt oder liebevoll Meditationstürmchen aufgebaut hätte. Es ist eindrücklich. Immer wieder entdecke ich einzelne Steine, die spektakulär und wie von Geisterhand das Gleichgewicht halten.

Das unscheinbare Dorf Hampi, das heute vorwiegend von der Landwirtschaft und dem Tourismus lebt, war einmal ganz groß. Vijayanagar hieß der Ort damals und war die Hauptstadt eines riesigen, mächtigen Hindu-Reiches. Die vielen zurückgebliebenen Ruinen von Palästen und Tempeln lassen den Glanz und den Wohlstand nur erahnen. An den Basaren wurden damals mit Smaragden, Rubinen, Diamanten, Gold, Gewürzen, kostbaren Stoffen und Pferden gehandelt. Handelsreisende aus aller Welt führte es in die blühende Metropole. Der Höhepunkt der Macht erreichte Vijayanagar unter der Führung des Hindu-Königs Krishnadeva Raya (1509-29). Doch im Jahre 1565 zerfiel das Reich und erlebte trotz großer militärischer Stärke eine katastrophale Niederlage. Der damalige König Rama Raya beging den verhängnisvollen Fehler verfeindete moslemische Reiche gegeneinander auszuspielen. Als Folge schlossen sich die Armeen verschiedener Sultanate zusammen und vernichteten und plünderten die Stadt. Die Zerstörungswut der Sieger machte auch vor heiligen Tempeln und Götterstatuen keinen Halt. Vijayanagar sollte sich von dieser Katastrophe nie wieder erholen.

Übrig geblieben sind rund 3700 Ruinen und Monumente, die auf über 36 Quadratkilometer verstreut sind.

Auch heutzutage gibt es immer wieder Schatzsuchende, die erhoffen in den Überresten Gold und Edelsteine zu finden. Die Ruinen, die zum Unesco Weltkulturerbe gehören, werden nachts von Sicherheitskräften bewacht. Die Anlage ist jedoch so groß und unübersichtlich, dass es immer wieder zu Beschädigungen kommt.

Wer sich für Geschichte und Archäologie interessiert, kommt in Hampi auf seine Kosten. Wir besuchen in zwei Tagen ein paar auserwählte historische Stätten und sind bald übersättigt von Ruinen und Skulpturen.

Sri Virupaksheswaraswamy Tempel

Viele Tempel in Hampi sind nicht mehr aktiv, d. h. es werden keine Gottesdienste mehr durchgeführt. Es fehlen meist auch die Götterstatuen, die restauriert im Museum liegen. Ist ein Tempel bemalt, bedeutet dies, dass er aktiv, in Betrieb ist. So ist es auch mit dem berühmten Virupaksha-Tempel. Geweiht ist der heilige Ort Lord Shiva in seiner Inkarnation als „Herr des Flusses“. Auch die 35-jährige Elefantendame Lakshmi trifft man im Tempel an. Unser Führer preist ihre Intelligenz, denn scheinbar segnet sie die Menschen nur noch für Noten und lässt Münzen links liegen. Tja, die arme Lakshmi! Nun macht der Kapitalismus selbst vor Tieren nicht mehr Halt und der Mahut, der Elefantenführer ist an dieser Entwicklung natürlich gänzlich unschuldig. Ich liebe Elefanten und darum verzichte ich dankend auf eine Segnung.

Auch hier überall flinke Affen
Alte Frauen betteln am Ausgang um Almosen

Vittala Tempel

Von allen Ruinen ist dies wohl der Höhepunkt. Im Hof fällt einem sofort der kunstvollverzierte Prozessionswagen (Ratha) aus Stein ins Auge. Er ist mit dem Abbild von Garuda, dem Adlerwesen geschmückt und repräsentiert das Fahrzeug von Lord Vishnu. Scheinbar konnten die Räder einst sogar gedreht werden.

Der hinduistische Gott Vishnu findet man in der Tempelanlage immer wieder. Bei der Hochzeitshalle sogar in all seinen 10 Inkarnationen.

Sehr gut gefallen uns die Landschaft und der Fluss Tungabhadra. Bei einer Bootsfahrt in einer kleinen „Nussschale“ genießen wir die Stille und beobachten Graureiher, Eisvögel, Kormorane, Bachstelzen und entdecken auch hier auf den Felsen immer wieder Affen.

Den Sonnenuntergang erleben wir auf dem Malyavanta Hill. Auch hier steht ein Tempel. Der Ragunatha-Tempel ist Lord Rama gewidmet. Hier sollen der Legende nach Rama und sein Bruder Lakshmana Unterschlupf vor dem Monsun gefunden haben. Etwas weiter oben ist nochmals ein kleiner Tempel in dem Hanuman, der Affengott verehrt wird.

Neben dem Tempel verdient sich „Hanuman“ beim Posieren einige Rupees.

Wir sind bei Weitem nicht die Einzigen, die hier den Sonnenuntergang genießen.

Die steinige Landschaft mit den vielen Granitfelsen, die grünen Reis- und Bananenfelder und die rote Sonne haben etwas Magisches.

Auf den Spuren Hanumans – der Anjana Parvath Tempel

Die Armee des Affengottes Hanuman ist in Hampi allgegenwärtig. Freche Makaken und Languren lauern überall und klauen blitzschnell, wenn jemand etwas Essbares in der Hand hält oder für einige Sekunden die Tasche aus den Augen lässt. Hampi wird als Kishkindha, das Reich der Affen bereits in dem Epos der Ramayana erwähnt. Hier herrschte der Legende nach einst Hanumans Vater, König Kesari. Hanumans Mutter ist die Göttin Anjana, die nach seiner Geburt beschloss auf der Erde zu bleiben und ein „weltliches“ Leben zu führen. Unweit von Hampi entfernt, liegt auf dem Anjaneyadri Hill der Anjana Parvath Tempel. Als Geburtsstätte von Hanuman wird dieser heilige Ort von vielen Pilgern besucht. 575 Treppenstufen muss man erklimmen, bevor man den kleinen Tempel erreicht. Belohnt wird man von einer atemberaubenden Aussicht.

Auf dem Weg zum Tempel

Oben angekommen!
Auch hier überall freche Affen

Zum Sonnenaufgang oder –untergang lohnt sich der Aufstieg sicherlich noch mehr. Viele Senioren, die in Reisebussen von Rajasthan und Uttar Pradesh anreisten, besuchen mit uns zusammen den Tempel. Gegenseitig und voller Inbrunst motivieren sie sich gegenseitig, indem sie immer wieder Gottesnamen rezitieren. Eine alte Frau erklettert die Treppenstufen auf allen vieren. Das berührt mich sehr.

Enttäuscht beobachte ich in Hampi immer wieder Touristinnen, die doch tatsächlich beabsichtigen, knapp bekleidet in Shorts und Miniröcken heilige Plätze und Tempel zu besuchen. Haben die vor ihrer Reise denn niemals einen Reiseführer aufgeschlagen?

Bouldern auf der Hippie-Island

Als unser Sohn erfährt, dass man in Hampi bouldern, d. h. Felsen hochklettern kann, ist er Feuer und Flamme. So fahren wir am späten Nachmittag zur Hippie-Island. Dort wird professionelles Bouldern mit einem Trainer angeboten.

Auf der Hippie-Insel, am anderen Flussufer, findet man kleine Guesthouses, Restaurants und Shops. Es ist ein kleines Backpacker-Paradies, denn hier sind all die Reisenden mit schmalem Reisebudget. Man ist ungestört unter sich und vielen scheint es so gut zu gefallen, dass sie länger bleiben.

Idyllische Reisfelder auf der Hippie-Island

Nach dem Klettern gönnen wir uns noch einen Drink in einem Restaurant. Während ich, halb auf Kissen liegend, meinen Old Monk schlürfe und ein Stück leckere Pizza esse, schaue ich mich auf der Dachterrasse um. Da wird gekifft, getrommelt, Schach gespielt und die Damen sind so leicht bekleidet, dass auch ich nur staune.

Den Menschen aus Hampi und den umliegenden Dörfern ist dieser Ort schon lange ein Dorn im Auge, und es gibt politische Bestrebungen alles abzureißen. Auf der anderen Flussseite, rund um den Virupaksha-Tempel, wurde vor einigen Jahren radikal eingegriffen. All die Gästehäuser, Läden und Restaurants wurden abgerissen. Die Inhaber mit kleinen Geldbeträgen abgespeist, bekamen etwas Land in den umliegenden Dörfern zugeteilt. Dies wird immer noch als Ungerechtigkeit empfunden und viele kämpfen seither für ihr Auskommen. Auch die leicht bekleideten Frauen und der Hippie-Groove mögen viele nicht. Wie es mit der Hippie-Island weitergeht, ist also etwas ungewiss.

Südindisches Minz-Chutney

Die Vereinigung von frischer Minze, Koriander und Curryblätter in einer Pudina-Chutney ist definitiv ein Geschmackserlebnis. Dominiert wird das Ganze klar von der erfrischenden Minze. Mit ihrem starken Aroma ist sie die Königin, wird aber durch die andern Zutaten ausgeglichen, aufgepeppt und abgerundet. Wenn das Chutney nicht schmecken sollte, kann man versuchen den Geschmack oder die Schärfe mit Joghurt abzumildern.

Zutaten:

  • Ein Bund frische Minze
  • Ein Bund frischer Korianderblätter
  • 5-6 Zweige Curryblätter
  • Eine Handvoll Urad-Dal
  • 5-7 grüne Chilis (ev. Chilis reduzieren, wir kochen in der Regel scharf bis sehr scharf)
  • Ein Stück Ingwer
  • Salz
  • Ein kleines Stück Tamarinde in etwas Wasser eingelegt

Zubereitung:

Urad-Dal mit wenig Öl rösten bis die Linsen bräunlich werden und im Mixer zu Pulver zermahlen.

Die gewaschenen Minzblätter in der Pfanne andünsten und sie gemeinsam mit dem Urad-Dal-Pulver im Mixer zermahlen, sodass eine grünliche Paste entsteht.

Die grünen Chilis und der Ingwer in kleine Stücke schneiden. Nun alle Zutaten zusammen (Chilis, Ingwer, Tamarinde, Curry- und Korianderblätter) dazugeben und alles zusammen zu einer grünen Paste zermahlen. Ein wenig Wasser dazugeben.

Die Menge schrumpft im Mixer sehr zusammen. Daher gebe ich das Salz erst am Schluss dazu.

Das Chutney kann zu Idly, Dosai oder einfach mit weissem Reis serviert werden.

Einen guten Appetit!

Lust auf andere Chutneys?

Tomaten-Chutney

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/07/08/tomaten-chutney/

Erdnuss-Chutney

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/21/erdnuss-chutney/

Kokosnuss-Chutney

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/19/kokosnuss-chutney/

Jodhpur – die blaue Stadt (Teil 2)

Ihre Augen leuchteten vor Freude als ich ihr von unserem kommenden Jodhpur-Trip erzählte. „Oh, da musst du unbedingt Makhani Lassi trinken und Katchori essen und Gulab Jamun! Weißt du, die sind nicht in Zuckersirup eingelegt – die wirst du mögen und natürlich frische Jalebi! Und rote Karotten musst du unbedingt kaufen und Erbsen und in Jodhpur bekommst du das beste Hing Powder…“ Ruby schwelgte in Kindheitserinnerungen und kulinarischen Genüssen. Ihre Sommerferien hatte sie immer in Jodhpur verbracht. Erst als sie mir alle vegetarischen Leckereien und Lieblingsgerichte schmackhaft gemacht hatte, erzählte sie mir von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Wir sind leider nur 3 Nächte in Jodhpur, d. h. wir haben zwei ganze Tage, um die Stadt zu erkunden.

Am zweiten Tag spazieren wir mit einem netten Guide rund drei Stunden durch die engen Gassen der Altstadt. Unser Rundgang beginnt beim berühmten Sardar Market mit dem Glockenturm.

Sardar Market mit Glockenturm

Um acht Uhr ist der Markt noch leer und still. Nur ein paar Kühe und Hunde tummeln sich auf dem Platz. Unser Sohn und ich kommen in der kühlen Morgenluft und nach einem Masala Chai schnell in den Fotografiermodus. Immer wieder bieten sich hübsche Fotosujets. Nur die wirren Stromleitungen und -kabel, die praktisch jedes Bild zerschneiden, nerven uns.

Überall entdeckt man Tauben
Auch die heiligen Kühe sind in den engen Gassen unterwegs
Und überall trifft man süße Straßenhunde.

Unser Guide macht sich bezahlt. Warum viele Häuser blau gestrichen sind, hat mehrere Gründe. Der Maharaja forderte zuerst die Kaste der Brahmanen auf, sich direkt unter dem Fort anzusiedeln. Dort waren sie am besten vor feindlichen Angriffen geschützt. Um die unerträgliche Sommerhitze auszuhalten, beschlossen sie die Häuser in mit einer Indigo-Mischung blau zu streichen. Weiße Farbe wäre wegen der direkten Sonneneinstrahlung zu grell gewesen. Viele meinten auch, dass die blaue Farbe Moskitos fernhalten würde. Doch das Blau hat auch einen spirituellen Hintergrund. Die meisten Brahmanen in Jodhpur sind scheinbar Shivaiten, d. h. sie verehren Lord Shiva. Der hinduistischen Mythologie nach wurde beim Aufquirlen des Milchozeans nicht nur das Amrit, der Trank der Unsterblichkeit, sondern auch ein schreckliches Gift geschaffen. Um die Welt zu retten, hat Shiva das Gift getrunken. Seine Gattin Parvati hielt ihm jedoch den Hals zu, sodass das es sich nicht in seinen ganzen Körper ausbreiten konnte. So wurde der Hals von Shiva blau gefärbt. Darum wird er auch Neelakantha (Blauhals) genannt. Die blaue Farbe ist auch als Zeichen und Opfergabe für Shiva zu verstehen.

Viele Häuser kombinieren die blaue Farbe mit gelb, pink oder grün. Unser Führer erzählt uns, dass diese Farben die drei Göttinnen Lakshmi (pink), Saraswati (gelb) und Parvati (grün) symbolisieren. Bei Tempeln findet man dann oft alle Farben wieder.

Ohne Führung wäre es definitiv schwierig, sich in den verwinkelten, engen Gassen zurechtzufinden. Die Stadt wurde bewusst so angelegt, um die Feinde im Falle eines Angriffs zu behindern und das Fort zu schützen.

Natürlich kennt unser Guide auch die besten Orte, um all die Leckereien zu kosten, die mir Ruby ans Herz gelegt hat. Die Mogar Katchori, mit gelben Linsen gefüllt, sind sehr lecker.

Mogar Katchori

Obwohl ich Jalebi normalerweise nicht mag, muss ich mein Urteil revidieren. Ganz frisch und noch warm sind sie eine wahre Gaumenfreude.

Frische Jalebi

Auf meinen Wunsch hin werden wir auch zu Chaturbhuj geführt. Es ist das beste Geschäft, um die berühmten trockenen Gulab Jamun zu kaufen. Ich decke mich mit zwei Schachteln ein, eine davon natürlich für meine liebe Freundin.

Auf dem Markt staune ich über das riesige Gemüse. Die weißen Rettiche sind sicher doppelt so groß wie in Chennai. Ein Kilo der roten Karotten landen schließlich auch in meiner Tasche.

So neigt sich unser Blue City Walk mit vielen geknipsten Bildern langsam dem Ende zu. Ein tolles Erlebnis, das ich nur weiterempfehlen kann.

Unser Sohn möchte die Wüste sehen. Wir werfen all die andern Sehenswürdigkeiten über Bord und nach einer Siesta fahren wir gemütlich nach Osian, um eine Wüstensafari zu machen. Die Fahrt dauert rund 2 Stunden. Es ist schon spät am Nachmittag, als wir in Osian ankommen. Für mich ist klar, dass ich auf keinem Kamel reite. Mir tun die armen Tiere leid.

Um den Wüstensand zu bezwingen, steigen wir in einen Jeep. Voller Speed fährt der Fahrer die Sanddünen herauf und herab. Wer noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, der kriegt ihn sicherlich in Osian. Unser Sohn findet dies cool – seine Mutter hingegen nur verrückt, unzumutbar und gefährlich. Irgendwie komme ich mir bei diesem Abenteuer unglaublich alt und als Spielverderberin vor, aber ich kann da wirklich nicht mitmachen. So drosselt mein Liebster den Fahrer rapide ab, und wir fahren gemütlich durch die karge Wüstenlandschaft – bis die Sonne untergeht.

Der erste Teil findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/01/08/jodhpur-die-blaue-stadt-teil-1/

Jodhpur- die blaue Stadt (Teil 1)

So viel weiße Haut habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Es ist touristisch, sehr touristisch sogar. Jodhpur empfängt uns mit dementsprechenden Preisen. Für die rund 30-minütige Fahrt mit dem Prepaid-Taxi bezahlen wir 800 Rupees. „Das werden definitiv teure Ferien“, murmelt mein Göttergatte leicht genervt.

Am nächsten Morgen besuchen wir ausgeruht und mit frischen Alu-Parathas im Magen das Mehrangarh Fort. Die riesige Festungsanlage aus Sandstein verschmilzt förmlich mit dem Felsen, worauf sie thront und die Stadt überragt.

Es ist Sonntag und ein buntes Gemisch aus vielen, d. h. sehr vielen indischen und ausländischen Touristen bevölkern das Fort.

Für die Tickets müssen wir uns in eine lange Reihe stellen und uns in Geduld üben. Der Besuch des Forts ist ohne Ausstellungsräume übrigens gratis. Ausländer bekommen mit den Eintrittsgebühren einen Audioguide.

Wenigstens sehen wir, wie der Maharaja mit seiner Gefolgschaft vorbeifährt. Er feiert Geburtstag, und da die Feierlichkeiten eines Maharajas scheinbar länger dauern als bei einem Normalsterblichen, ist sein Palast für drei Tage geschlossen. Auch das Fort ist immer noch im Besitz der fürstlichen Familie.

Die Anlage ist wirklich beeindruckend. Die Hochzeit von Liz Hurley und dem steinreichen Unternehmer Arun Nayar hat übrigens hier stattgefunden. Durchaus passend für eine opulente Promihochzeit.

Im Vergleich zu den alten Tempeln Tamil Nadus ist hier doch alles recht jung. Jodhpur wurde erst im Jahre 1459 gegründet. Die meisten erhaltenen Teile des Forts stammen aus dem 17. Jahrhundert. Wie sehr müssen sich die Herrscher vor Eindringlingen und Bedrohungen gefürchtet haben. Die Seidenstraße mit dem Opiumhandel war sicherlich ein gutes Geschäft, das jeder für sich selbst beanspruchen wollte. Hier führten die Handelsrouten der Marwaris und Sindhis durch. Sie betrieben Handel von Fernost bis in die fernen Länder Südostasiens.

Die filigrane Arbeit im Sandstein ist beeindruckend.
Viele Kanonen erinnern an Kriege aus früheren Zeiten.
Gemälde am Haupttor
Durga-Tempel im Fort

In Rajasthan hatte die Witwenverbrennung lange Tradition. Auch Maharanis liessen sich als Sati mit ihren verstorbenen Ehemännern verbrennen. Am Eisentor (Loha Pol) erinnern sechs kleine Handabdrücke an die Witwen, die mit dem Maharaja Man Sing 1843 verbrannt wurden.

Um das Fort zu besichtigen, sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. In den Ausstellungsräumen bekommt man all den Prunk der fürstlichen Familien zu sehen. Prachtvolle Kleider, Sänften, königliche Gemächer, … Die Aussicht auf die blaue Stadt und die Gartenanlage hat mir besonders gut gefallen. Im Garden Café haben wir abseits der vielen Touristen wunderschöne Momente mit gutem Essen, Masala Chai und Kingfisher Bier verbracht.

Ich habe mir definitiv mehr blau vorgestellt.
Garden Café im Fort

Unser Nachmittagsprogramm führt uns in die umliegenden Dörfer. Die hinduistische Religionsgruppe der Bishnoi lebt hier noch sehr traditionell. Sie leben nach 29 Regeln, die ihre Religion vorschreibt. Ganz wichtig ist ihnen der Respekt und die Achtung vor allem Leben. Sie dürfen kein Tier töten und auch keinen Baum fällen. Trifft man die Bishnoi, hört man umgehend von dem schrecklichen Massaker von 1730.

Das Bild habe ich in einem Bishnoi-Haus aufgenommen.

Der damalige Maharaja hatte seine Soldaten in die Dörfer geschickt, um Bäume zu fällen. Schützend stellten sich die mutigen Bishnoi vor die Bäume und umarmten diese. Die Soldaten zeigten sich dadurch jedoch unbeeindruckt und töteten 363 Bishnoi. Als der Maharaja davon erfuhr, war er empört und zornig über seine eigenen Männer. Umgehend erließ ein Dekret gegen die Abholzung in Bishnoi Dörfern.

Beim Besuch einer Bishnoi-Familie preist unser Gastgeber die Vorzüge von Opium. Sein alter Vater, der bereits 93 Jahre alt ist, nimmt davon täglich eine kleine Menge. Stolz hält er uns eine dunkelbraune Opium-Paste unter die Nase und fordert uns auf, davon zu testen. Zögerlich probiere ich die winzigkleine Menge, die an meiner Fingerspitze kleben bleibt. Es schmeckt sehr bitter. Um Gäste willkommen zu heißen, wird in einer speziellen Zeremonie ein Opiumgetränk zubereitet und ich bin froh, dass scheinbar nur Männer daran teilnehmen müssen. Mein Mann macht mit, merkt aber absolut keinen berauschenden Effekt. Dafür sind die Mengen wohl zu klein.

Unser Gastgeber bei der Zubereitung des Opium-Willkommenstrunk.
Traditionell gekleidete Bishnoi-Frau

Am Spätnachmittag stoppt unser Fahrer immer wieder am Straßenrand und hält Ausschau nach Antilopen. Tatsächlich haben wir Glück eine Nilgai-Antilope zeigt sich uns ganz nah, als sie die Straße überquert. Nilgai bedeutet „Blaue Kuh“. Das riesige Tier erinnert mit dem langen Hals an eine Mischung zwischen Kuh und Pferd. Da die Kuh im Hinduismus als heilig angesehen wird, werden Nilgai nicht gejagt.

Auch die zierlichen Chinkara-Antilopen können wir beobachten und aus der Ferne sehen wir Black Bucks, Hirschziegen-Antilopen.

Nilgai mit einem weißen Egret
Chinkara-Antilopen
Black Bucks in der Ferne am Grasen

Den Zorn der Bishnoi hat der berühmte Schauspieler Salman Khan auf sich gezogen. 1998 hatte der Schauspieler im Gebiet der Bishnois unüberlegt zwei Black Bucks geschossen. Scheinbar ist der Gerichtsfall immer noch nicht abgeschlossen.

Im Weiteren besuchen wir in den umliegenden Dörfern Weber, Töpfer und Textildrucker. Die meisten arbeiten seit Generationen im gleichen traditionellen Kunsthandwerk. Gerne und stolz zeigen die Menschen ihr Können. Die Vorführungen sind jedoch sehr touristisch angelegt und werden mit viel Charme dargeboten. Letztlich geht es darum die Waren zu stolzen Preisen an den Mann, beziehungsweise an die Frau zu bringen.

Man ist zwar nicht verpflichtet, etwas zu kaufen, aber wird dazu professionell verführt. Wir haben festgestellt, dass sich Zurückhaltung beim Kauf lohnt, oder dass man die Preise wirklich runterhandeln muss.

Die berühmten Dhurries stammen von hier. Die schönen, farbigen Baumwoll-Teppiche werden in Dorf-Kooperativen hergestellt.

Die Töpfer arbeiten hier noch ohne elektrische Töpferscheiben. Eine 100 kg schwere Betonplatte wird von Hand mit einem Stock in Schwung gebracht.

Das Bedrucken von Textilien in der berühmten Block-Print-Technik hat Tradition in Rajasthan. Mit schönen Mustern von Holzstempeln werden die Stoffe sorgfältig bedruckt.

Den zweiten Teil findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/01/10/jodhpur-die-blaue-stadt-teil-2/