Das Abenteuer Indien beginnt

Mit diesem Beitrag sind es nun genau 200 Blogartikel, die ich bereits veröffentlicht habe. Zeit zurückzuschauen, zu reflektieren und auch in meinem Tagebuch zu stöbern, das ich damals ziemlich regelmäßig geführt habe. Dabei bin ich bei meinem ersten Indieneintrag hängen geblieben. Was war das damals für ein Abenteuer und wie mutig habe ich mich auf die Auswanderung nach Indien eingelassen.

Welcome to Chennai – aus meinem Tagebuch vom Februar 2006

Angespannt, nervös schaue ich aus dem kleinen, runden Fenster. Es ist fast Mitternacht und wir fliegen über Chennai, unseren Zielort. Orange Lichter beleuchten die Millionenstadt und schon beginnt der Sinkflug. S. schläft selig in meinen Armen und spendet mir etwas Trost. Ich denke an Lara, unsere Hündin, die irgendwo im Flugzeugbauch zittert. Wie es ihr wohl geht? Hat sie die Reise gut überstanden? War es richtig, sie mitzunehmen? Was wird mich an diesem fremden Ort wohl erwarten? Haben wir uns richtig entschieden? Alles wird nochmals infrage gestellt.

Wir landen und suchen unser Handgepäck zusammen. Beim Ausgang wird uns der Kinderwagen ausgehändigt, so haben wir wieder die Hände frei. S. erwacht langsam und nimmt die neue Umgebung gespannt wahr. Sofort erkundigen wir uns nach Lara, die wir nach einiger Wartezeit in ihrer blauen Transport-Box in Empfang nehmen können. Sie freut sich riesig, uns zu sehen. Erleichtert und sehr durstig trinkt sie einen vollen Napf Wasser leer. Um durch den Zoll zu gelangen, muss sie leider wieder in die Kiste zurück, was sie gar nicht begeistert aufnimmt. Ich halte alle Papiere für Lara bereit. Zwei Männer begutachten sie wichtigtuerisch. Haben sie etwas von Quarantäne gesagt? Prabhu bleibt sichtlich gelassen und ruhig. Schließlich lassen sie uns passieren.

Ich schwitze, ziehe meinen und auch den Pulli von unserem Sonnenschein aus. Als wir den Flughafen verlassen, erfasst uns eine Hitzewelle, die mich fast erdrückt. Draußen ist ein Chaos, ein Durcheinander von Menschen. Namensschilder werden hochgehalten, Namen werden gerufen. „Pass gut auf deine Handtasche auf“, sagt mein Liebster zu mir. Da entdeckt er seinen Angestellten Bhava, der uns abholt. „Welcome to Chennai“, sagt er zu uns und schenkt S. und mir eine rosa Rose. Ein grosser Jeep mit Fahrer steht bereit. Sie heben das Gepäck auf das Dach, und ich gehe schnell mit Lara Gassi. Viele neugierige Blicke verfolgen mich, nehmen mich wahr. Es ist ein unangenehmes Gefühl. Lara ist ganz verängstigt und durcheinander.

Wir fahren zu unserem Haus, das wir nie zuvor gesehen haben. Prabhus Vater und Bhava haben dies für uns gemietet und alles arrangiert. Die Fahrt ist schrecklich. Ängstlich drücke ich S. an mich. Es holpert, ständig hupt der Fahrer und er fährt wie ein Rowdy. Endlich kommen wir an. Ein kleines Haus erwartet uns, drei Zimmer, alles ist klein, schmuddelig. Ich finde es auf den ersten Blick nur fürchterlich. Prabhus Eltern haben uns das Allernotwendigste rein gestellt: Zwei braune Kunststoffstühle und ein kleiner roter für S. , drei Matratzen, die in Plastik verpackt im hinteren Zimmer liegen, etwas metallenes Kochgeschirr, vier Decken und Kissen, ein grosser, gefüllter 20 Liter Wasserbehälter, ein gebrauchter Gasherd, der alte Kühlschrank der Eltern …

Prabhu schaltet gleich die Klimaanlage ein, die sein Vater hat installieren lassen und ich packe die Matratzen aus. Das große Fixleintuch und die Kissenbezüge, die ich im Koffer mitgenommen habe, erfüllen ihren Dienst. „Wollen wir noch das Moskitonetz aufhängen?“, frage ich meinen Liebsten. Der verneint und meint, wenn die Klimaanlage eingeschaltet wäre, dann würden die nicht kommen. Tja, dem ist nicht so! Als wir endlich müde auf unseren Matratzen liegen, surrt es um uns herum. Prabhu ist immer noch optimistisch und meint, da würde es sich nur um eine Mücke handeln. Nachdem er einen Blutsauger mit seinen Händen zerquetscht hat, hoffen wir auf Ruhe. Vergeblich! Schließlich sieht auch er ein, dass es mehrere Mücken im Zimmer hat, die auf unser Blut warten. Das Moskitonetz wird aufgehängt. Kein leichtes Unterfangen ohne Nägel und Werkzeug. Gott sei Dank habe ich noch etwas Schnur eingepackt und wir befestigen das Netz provisorisch an der Neonröhre. Geschützt liegen wir unter dem Netz.

S. schläft ruhig zwischen uns und bald höre ich auch meinen Liebsten leise schnarchen. Nur ich finde keinen Schlaf. Die Klimaanlage surrt laut, ich höre fremde, ungewohnte Geräusche. Ein Flugzeug überfliegt unser Haus. „War dies wirklich die richtige Entscheidung?“

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Unser Haus bei Tageslicht. Dank dem schönen Garten mit genügend Raum zum Spielen für S. und Lara sind wir dann doch über zwei Jahre geblieben. 

Tomaten-Knoblauch-Rasam

Ohne die scharfe Pfeffersauce ist das Mittagessen für meinen Liebsten und viele andere Südinder unvollständig. Somit steht Rasam bei uns immer auf dem Mittagstisch. Obwohl es gesund sein soll, konnte ich mich für Rasam nie begeistern. Ich koche Rasam, aber das Essen überlasse ich lieber meinem Mann und meinen Schwiegereltern. Sehr hilfreich ist Rasam bei Erkältungserkrankungen.

Für unser Tomaten-Knoblauch Rasam brauchst du folgende Zutaten:

Zutaten

  • 2 Tomaten klein geschnitten
  • 10-15 kleine Knoblauchzehen zerdrückt mit Schale
  • ein kleines Stück Tamarinde
  • 5-8 rote Chili getrocknet
  • Rasam-Pulver
  • Salz
  • Asafoetida
  • Curryblätter 8-12 Stück
  • Korianderblätter
  • Für das Tempering: Senfsamen, Kumin, kleiner gesplitteter Urad-Dal

Die meisten Familien haben auch beim Rasam-Pulver ihre eigenen Gewürzmischungen und Vorlieben. Man kann Rasam-Pulver auch als fertige Mischung im Supermarkt kaufen, aber meine indische Familie rümpft darüber nur die Nase. Unser Rasam-Pulver besteht zu gleichen Teilen aus frittiertem Toor Dal, schwarzen Pfefferkörnern und Kumin (Kreuzkümmel). Diese werden im Mixer fein gemahlen und danach in einem Glas aufbewahrt.

Zubereitung:

  1. Die Knoblauchzehen mit einem Esslöffel flach drücken und zusammen mit der Tamarinde und den klein geschnittenen Tomaten in wenig Wasser weichkochen.

Rasam Vorbereitung

2. Mit einem Stößel die Zutaten gut zerdrücken und zerstoßen. Ich nehme dazu immer meinen flachen Schwingbesen.

Zutaten zerdruecken

3. Etwa einen Liter Wasser dazugeben. Dazu kommen die halbierten roten Chilis je nach gewünschter Schärfe, das Salz, rund 2 Esslöffel Rasam-Pulver und die Curryblätter. Das Ganze aufkochen lassen.

4. In etwas Öl ½ TL Senfsamen, ½ TL Kumin (Kreuzkümmel) und ½ TL gesplitteter Urad-Dal frittieren bis die Senfsamen springen und dem Rasam zugeben. Wer mag, kann nun auch etwas Asafoetida dazugeben. Den Rasam mit frischen Korianderblättern abschmecken und mit Reis servieren.

Rasam

Paneer – indischer Käse selbst gemacht

 

Bezüglich Essen hätte ich wirklich einen Nordinder heiraten sollen. Es ist nicht so, dass ich die südindische Küche nicht mag, aber Paneer Butter Masala, Paneer Tikka oder Palak Paneer mit frischen Tandoori Naan oder Roti sind nicht zu überbieten. Ich liebe einfach alles mit Paneer und allein die Vorstellung zieht mir bereits das Wasser im Gaumen zusammen.

Mein Mann hingegen rümpft nur die Nase, er kann dem indischen Frischkäse gar nichts abgewinnen. Wenigstens hat unser Sohnemann meine Vorliebe zu Paneer geerbt. So koche ich für uns beide recht oft Paneer-Gerichte. Im indischen Supermarkt findet man eine große Auswahl an Paneer. Bisher habe ich meistens den Paneer von Milky Mist gekauft.

Doch als in einer meiner WhatsApp-Gruppe gepostet wurde, dass Milky Mist das Verpackungsdatum manipuliert, wurde ich schon etwas hellhörig. Als die indischen Frauen dann noch schrieben, dass man Paneer ganz einfach selbst herstellen kann, probierte ich es aus. Tatsächlich ist es kinderleicht und recht schnell gemacht.

Zutaten:

Zutaten fuer Paneer

  • Vollmilch mit hohem Milchfettgehalt
  • Zitronensaft 4 Esslöffel pro Liter Milch
  • ev. Salz
  • Ein sauberes Küchentuch
  • Ein Sieb, Schwingbesen, Abschöpfkelle

1. Die Milch aufkochen und ab und zu umrühren, damit sie nicht anbrennt.

2. Wenn die Milch leicht zu köcheln beginnt, vom Herd nehmen und langsam den Zitronensaft dazugeben. Wer den Käse salzen möchte, kann nun auch Salz beigeben. Ich selbst würze und salze den Paneer erst beim Kochen.

Zitronensaft zugeben

3. Den Zitronensaft leicht unterrühren und rund 5 bis 10 Minuten stehen lassen. Die Milch trennt sich nun in Käsebruch und Molke.

Kaesebruch und Molke

4. Das Baumwolltuch in ein Sieb legen und eine Schüssel darunterstellen. Nun den Käsebruch abschöpfen und im Tuch abtropfen lassen.

Kaesebruch abschoepfen

5. Das Tuch zusammendrücken und die Käsemasse etwas in Form bringen. Es gäbe auch spezielle Formen, die man dazu benutzen könnte. Ich mache dies einfach by Hand und beschwere das Ganze mit einer Pfanne voll Wasser. Da es bei uns auch in der Wohnung immer warm ist, stelle ich das Ganze für einige Stunden in den Kühlschrank.

Im Tuch auspressen

Kaesebruch gepresst

Beschweren

6. Paneer aus der „Presse“ nehmen, in gewünschte Stücke schneiden und zum Kochen verwenden.

Paneer

Paneer in Wuerfel geschnitten

Enttäuschend ist es, wenn man sieht, wie wenig Käse doch aus einem Liter Milch entsteht. Ein Liter Milch ergibt rund 120 g Käse. Daher brauche ich meistens 2 oder sogar 3 Liter Milch. Die zurückgebliebene Molke könnte man übrigens auch trinken oder weiterverwerten. Dies soll sehr gesund sein, aber ich mag sie leider nicht.

Ich wünsche euch beim Ausprobieren gutes Gelingen und würde mich über Rückmeldungen freuen.

Rezepte mit Paneer findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/03/10/paneer-butter-masala/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/03/19/palak-paneer-indischer-frischkaese-mit-spinat/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/12/04/gastbeitrag-von-katoori-indisches-rezept-dahi-matar-paneer/

Die kleine hinduistische Götterkunde für Indienreisende

Wie im indischen Straßenverkehr geht es auch im hinduistischen Götterhimmel zu und her. Chaotisch, überbevölkert, knallbunt und undurchschaubar. Noch verwirrender finde ich die Tatsache, dass viele Götter mit unterschiedlichen Namen verehrt werden. Manche haben 108 Namen und einige sogar 1008! Auch die vielen Göttergeschichten machen es nicht einfacher, sich zurechtzufinden. Oft widersprechen sich diese und decken in Varianten wieder andere Aspekte auf.

Obwohl im Hinduismus Abertausende Gottheiten verehrt werden, ist im Grunde genommen alles Eins – alles ist Paramatma oder Brahman (nicht zu verwechseln mit dem Schöpfergott Brahma oder der Brahmanen-Kaste), das alldurchdringende kosmische, formlose Bewusstsein.

Die verschiedenen Gottheiten zeigen einfach verschiedene Formen, Eigenschaften und unterschiedliche Aspekte des Einen, des Allumfassenden.

Die drei Hauptgötter sind Brahma, Vishnu und Shiva. Gemeinsam bilden sie Trimurti, ein Konzept, das den Kosmos in drei verschiedene Kräfte (Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung) aufteilt. Brahma ist der Schöpfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer.

Manchmal ist es gar nicht so einfach die verschiedenen Gottheiten in Darstellungen oder Skulpturen zu erkennen. Klarheit schaffen oft die Attribute und die Reittiere mit denen die Gottheiten dargestellt werden.

Die wichtigsten Götter und Göttinnen stelle ich dir hier kurz vor:

Brahma:

Brahma

Er ist der Schöpfergott und hat in tiefer Meditation das ganze Universum geschaffen. Dargestellt wird er meistens sitzend auf einer Lotusblüte. Sehr gut erkennt man ihn an seinen vier Köpfen, die in alle Himmelsrichtungen schauen. Obwohl Brahma zu Trimurti, der Dreieinigkeit gehört und somit ein Hauptgott darstellt, ist er bei den Menschen unpopulär. Es gibt kaum Brahma-Tempel und auch Statuen von ihm sieht man eher selten.

  • Attribute: Lotusblüte Veden (die heiligen Schriften, Gebetskette (Japamala), Bettelschale (Kamandalu)
  • Reittier: Gans, manchmal auch mit Schwan
  • Andere Namen: Vedanatha, Svayambhu

Saraswati:

Saraswati

Saraswati ist die Göttin der Künste, des Wissens und der Weisheit. Sie ist die Frau von Brahma und wird meistens mit vier Armen dargestellt. Sie hält die heiligen Schriften, eine Lotusblüte und mit zwei Händen spielt sie das indische Saiteninstrument Veena. Sie wird oft mit Lakshmi (Gefährtin von Vishnu) und Parvati (Gefährtin von Shiva) als Tridevi, die weibliche Dreieinigkeit dargestellt.

  • Attribute: Veden (heilige Schriften), Lotusblüte, Veena (indisches Saiteninstrument)
  • Reittier: Schwan
  • Andere Namen: Brahmi, Vani, Vakdevi, Mahavidya

Vishnu:

Vishnu

Vishnu sorgt auf der Erde für das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. Um die kosmische Ordnung aufrecht zu erhalten, hat sich Vishnu immer wieder inkarniert. Sehr berühmte Inkarnationen sind Rama und Krishna. Manchmal wird er auch auf der Weltenschlange Ananta dargestellt.

  • Attribute:    Wurfscheibe, Muschelhorn, Lotusblüte, Keule
  • Reittier: Adlergott Garuda (ein Wesen, das halb Adler und halb Mensch ist)
  • Andere Namen: Bhagavan, Hari, Jagannath, Narayana, Perumal

Lakshmi

Lakshmi

Lakshmi ist die Göttin des Wohlstandes, des Glücks und der Schönheit. Sie ist die liebevolle, treue Gefährtin von Vishnu und eine gütige und gnädige Göttin. Sie wird meist sitzend auf einer Lotusblüte dargestellt. In zwei Händen hält sie Lotusblüten und mit den zwei anderen segnet sie ihre Anhänger mit Wohlstand und innerem Reichtum. Oft hat sie einen Krug mit Goldmünzen bei sich.

  • Attribute: Lotus, oft Goldmünze oder Krug mit Gold
  • Reittier: Eule, oft ist sie mit zwei weißen Elefanten abgebildet.
  • Andere Namen: Lokamata, Jaladhija

Mehr über Lakshmi erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/11/01/freitag-der-tag-der-goettin-lakshmi/

Shiva

Shiva

Transformation, Vergehen und Zerstörung liegen in den Händen von Lord Shiva. Er zerstört im positiven Sinne, denn in jedem Ende liegt auch ein Neuanfang. Im Shivaismus gilt er als die Manifestation des Höchsten. Er verkörpert das Ideal der Entsagung und der spirituellen Askese. Oft wird er meditierend auf einem Tigerfell dargestellt. Um seinen Hals windet sich eine Kobra und sein Haar ist zu einem Knoten hochgebunden. Er ist auch Nataraja, König des Tanzes.

  • Attribute: Dreizack (Trishula), Sanduhrtrommel (Damaru)
  • Reittier: Nandi, ein Bulle
  • Andere Namen: Nataraja, Maheshvara, Mahadev, Nilakantha, Rudra, Sundareshwara

Parvati:

Heilige Familie

Sie ist die göttliche Mutter und die Gefährtin von Shiva. Sie ist Shakti, die weibliche Kraft Shivas. Parvati verkörpert die gütige, lebensspendende Mutter und die hingebungsvolle, treue Ehefrau. Mit Shiva und ihren beiden Söhnen Ganesha und Murugan zusammen bilden sie das perfekte Vorbild einer idealen hinduistischen Familie. Parvati hat jedoch auch andere Erscheinungsformen. Als Durga und Kali wird sie sehr kriegerisch und kämpft gegen das Böse und Dämonische.

  • Attribute: Lotusblüten, oft trägt sie einen Dreizack wie Shiva, Gebetskette (Japamala) oder eine Kobra
  • Reittier: Löwe, Tiger – oft reitet sie auch gemeinsam mit Shiva auf dem Bullen Nandi
  • Andere Namen: Mahadevi, Amba, Ambika, Bhagavati, Jagadamba, Sati, Gauri

Durga

Durga

Es gibt viele Inkarnationen der Göttin Durga. Sie ist die Shakti Shivas, eine andere Erscheinungsform von Parvati. Die wichtigste Aufgabe der Göttin ist es, das Böse zu bekämpfen und das Gute zu bewahren. Sie gilt als Mutter des Universums. Sie wird mit acht oder sogar zehn Armen dargestellt, trägt Waffen und reitet auf einem Löwen oder Tiger. In Tamil Nadu wird sie als Amman verehrt. Während Navaratri werden die verschiedenen Aspekte der Shakti verehrt.

  • Attribute: Verschiedene Waffen (Speer, Dreizack, Diskus, Pfeil und Bogen, Schwert, Keule, …), auch religiöse Gegenstände wie Gebetskette oder Glocke werden in einigen Darstellungen wiedergegeben.
  • Reittier: Löwe oder Tiger
  • Andere Namen: Kumari, Amman

Kali

Kali

Auch Kali ist eine andere Erscheinungsform von Parvati, von Shakti. Während bei Durga der schützende Aspekt im Vordergrund steht, so wird es bei Kali zerstörerisch. Sie ist die Schwarze, die Göttin des Todes und der Zerstörung. Kali wird vor allem in Bengalen sehr verehrt und ihr Anblick wirkt furchteinflößend. Trotz der schrecklichen Gestalt glauben ihre Anhänger auch an sie als Beschützerin und göttliche Mutter Kalima, die ihre Wut und ihren Zorn nicht gegen die Menschen, sondern gegen das Dämonische und Böse richtet.

  • Attribute: Verschiedene Waffen (Schwert, Dreizack, …)
  • Reittier: Tiger oder Löwe oft ohne Reittier dargestellt
  • Andere Namen: Kalima, Kulina, Siddha, Trikonastha

Ganesha:

Ganesha

Mit seinem Elefantenkopf ist Ganesha unverkennbar. Er wird in ganz Indien sehr verehrt und die ersten Gebete und Lobpreisungen gehen immer an ihn. Er ist der Gott des guten Anfangs und der Überwinder aller Hindernisse. Für alle neuen Herausforderung wird er um Hilfe gebeten und auf Hochzeitseinladungen ist er stets präsent, um den Beginn der Ehe zu unterstützen.

  • Attribute: Axt (Symbol für die Zerstörung aller Wünsche und Bindungen), Seil (Symbol für die Verbindung mit Glückseligkeit, mit dem Göttlichen), Süßigkeit (Lohn der spirituellen Suche), Lotusblüte (Symbol des höchsten Ziels, der Erleuchtung)
  • Reittier: Maus
  • Andere Namen: Ganapati, Vinayaka, Surpakarna

Wie Ganesha zu seinem Elefantenkopf kam, erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/09/13/happy-vinayaka-chaturthi/

Murugan

Murugan

Murugan ist der Sohn von Lord Shiva und Parvati. Mit Ganesha zusammen bilden sie die göttliche Familie. Er wird in Tamil Nadu und den hinduistischen Teilen Sri Lanka sehr verehrt. Er ist der Gott des Krieges und des Sieges. Meistens wird er als Kind oder als schöner Jüngling dargestellt.

  • Attribute: Speer
  • Reittier: Pfau, auch der Hahn wird in Darstellungen oft abgebildet
  • Andere Namen: Skanda, Karttikeya, Subramanya

Rama und Sita

Rama

Rama gilt als die siebte Inkarnation von Vishnu. Vishnu und Lakshmi inkarnierten sich als Paar immer wieder. Bekannt ist Rama durch das hinduistische Epos Ramayana. Rama und Sita gelten als das perfekte Liebes- und Ehepaar. Rechtschaffen, vorbildlich und pflichtbewusst führte Rama ein Leben als Herrscher, Ehemann, Vater und Freund. Rama wird mit seinem Pfeilbogen dargestellt mit dem er das Gute verteidigt und das Böse bekämpft. Sein treuster Anhänger ist der Affengott Hanuman.

  • Attribute: Pfeile und Bogen
  • „Reittier“: Hanuman
  • Andere Namen: Ramachandra, Raghava

Hanuman

Hanuman

Ein sehr populärer Gott ist Hanuman. Er ist quasi der Superman der hinduistischen Götterwelt und ein treuer Anhänger von Lord Rama. Im großen hinduistischen Epos Ramayana spielt er eine wichtige Rolle. Mit seinen übermenschlichen Kräften half er Lord Rama seine Frau Sita, die von dem bösen Dämonen Ravana entführt wurde zu befreien.

  • Attribute: Keule (Gada)
  • Reittier: keines – Hanuman kann jede Gestalt annehmen und fliegen
  • Andere Namen: Maruti, Pawansuta, Bajranbali

Krishna und Radha

Krishna

Krishna gilt als die achte Inkarnation. Für seine Anhänger ist er die höchste Manifestation des kosmischen Bewusstseins und der Glückseligkeit. Im Westen wurde Krishna vor allem durch die religiöse Bewegung der Hare Krishna bekannt. Seine Gemahlin Radha steht für Sanftmut und absolute Hingabe an Gott. Viele Darstellungen zeigen Krishna auch als Kind.

  • Attribute: Bambusflöte, Pfauenfeder im Haar
  • Reittier: Garuda (Adlerwesen), oft wird Krishna auch als Hirtenjunge mit einer Kuh dargestellt
  • Andere Namen: Gopala, Govinda, Madhava, Keshava

Ganga

Ganga

Die Mutter Ganga ist die Göttin der Reinheit, der Fruchtbarkeit, der Erlösung und der Gesundheit. Durch den Fluss Ganges ist sie personifizierte, lebendige Wasserform. Sie soll Glück verheissen, Segen spenden, von Sünden befreien und Unheil abwenden. Daher ist der heilige Fluss für die Hindus so wichtig.

  • Attribute: Lotusblüte, meistens ein Gefäss
  • Reittier: Krokodil oder fischähnliches Wesen

Mehr über den Ganges erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/08/30/mutter-ganga-der-heilige-fluss/

Indien – viel Lärm und niemand stört’s

 

Der Pressluftbohrer dröhnt und hämmert schon seit Stunden. Die Fenster nicht isoliert, hört es sich an, als ob im Nebenzimmer gearbeitet würde. Doch es sind die Nachbarn zur rechten Seite, die den Lärm verursachen. Nach einigen Regentagen haben sie bemerkt, dass ihr Dach nicht mehr monsuntauglich ist – es hat reingeregnet. Nun wird die Dachfläche neu gemacht. Die beiden jungen Männer wechseln sich mit dem Pressluftbohrer ab. Nur zum Lunch verschwinden sie rund 30 Minuten. Endlich etwas Ruhe!

Während in der Schweiz alles kleinkariert geregelt ist, herrscht hier die große Freiheit. Die Inder sind viel toleranter, wenn es um Lärm geht.

Kein Nachbar beschwert sich hier über laute Musik, Baulärm oder Hundegebell, und keiner kennt die heilige Mittagsruhe, die eingehalten werden muss.

Für Lärmempfindliche sind die Großstädte Indiens definitiv ungeeignet. Hier spricht keiner über Lärmschutzmaßnahmen und über krankmachenden Lärm. Auf den stark befahrenen Straßen wird wie wild gehupt und die Anwohner müssen sich damit arrangieren. Auch eine Lärmschutzwand habe ich in Indien noch nirgends entdeckt. Man lebt hier so eng zusammen, dass man von den Nachbarn oft mehr mitbekommt, als man eigentlich möchte.

Von der Moschee her vernimmt man die Gebete des Muezzins und von den Tempeln wird man oft über Lautsprecher mit Mantras und heiligen Gesängen beschallt.
Auch die vielen Straßenverkäufer, die durchs Quartier kommen, bieten lautstark ihre Waren an.

„Pathe Ruba, Pathe Ruba, …“, dröhnt es über einen Minilautsprecher, wenn der Ramschverkäufer vorbeikommt, der allerhand Plastikzeug für 10 Rupien verkauft. Einige Verkäufer haben technisch aufgerüstet und kleine Lautsprecher installiert. Alle paar Sekunden den gleichen Text abspielend, hört man sie schon von Weitem.

Kühlt es abends etwas ab, kommen die Kinder auf die Straße, um zu spielen. Da es kaum Spielplätze und Raum für die vielen Kinder gibt, wird auf der Straße Badminton, Cricket und Ball gespielt oder Rad gefahren. Während der Ferien oder am Wochenende hört man sie oft bis in die späten Abendstunden. Ob sich jemand daran stört?

Nein, Kindern gegenüber ist man im Lande Gandhis wohl so tolerant wie nirgendwo anders. Mit Kindern ist man immer und überall willkommen und ihr Spiel und Geschrei stört scheinbar nie.

Ich finde vor allem den Baulärm lästig, aber da mein Liebster selbst in der Baubranche tätig ist, und wir davon leben, will ich mich nicht beklagen und übe mich immer wieder in großzügiger Toleranz.

Durch das tropische Klima bedingt ist es auch in den Wohnräumen nie ganz ruhig. Entweder kreist der Ventilator über einem oder die Klimaanlage surrt leise vor sich hin. Als wir im Oktober die Hillstation Yercaud besucht haben, war es ohne Ventilator und Klimaanlage so still, dass es mir schon fast unheimlich wurde. Verrückt, aber wahr – tatsächlich fehlten mir die vertrauten Geräusche zum Einschlafen.
Spannend finde ich auch, dass Naturgeräusche mich überhaupt nicht stören. Ein heftiger Regen, das Krächzen der Krähen, das Geschnatter der Papageien oder das laute Pfeifen der Streifenhörnchen hat mich noch nie gestört. Höchstens das Gebell der Straßenhunde nervt mich manchmal, vor allem nachts – und vor allem, weil unsere zwei Hundemädels lautstark ihren Senf dazu geben müssen.

Wie anders ticken da die Schweizer. Man stört sich an Kuh- und Kirchenglocken, verträgt keine spielende Kinder, keine Musik, keinen Straßen- und Zuglärm, … Dabei ist die Schweiz im Vergleich zu Indien eine ruhige Oase …

Schlechte Luft in Chennai

Alles ist relativ. Würde ich in Delhi leben, würde ich mich wahrscheinlich über einen Luftqualitätsindex von 178 freuen. Ende Oktober, anfangs November litt Delhi unter extremster Smogbelastung mit einem Wert von 625! Die Schulen wurden geschlossen und wegen der schlechten Sicht war auch der Flugverkehr stark beeinträchtigt. Experten meinen, dass die Verschmutzung der Luft so schlimm sei, als ob man 2 Päckchen Zigaretten pro Tag rauchen würde.

Ende Oktober werden im Punjab und in Haryana die Stoppelfelder abgebrannt. Die sonst schon stark belastete Metropole Delhi bekommt davon jährlich immer eine riesige Menge Feinstaub ab.

Doch auch in Chennai haben wir seit einer Woche enorm hohe Werte.

Immer mehr sieht man auch hier Menschen, die sich mit Masken, Taschentüchern und Schals schützen. Scheinbar hat der Wind der ganzen Ostküste entlang den Smog aus dem Norden zu uns gebracht. Auf meinem Phone lese ich täglich, dass die Luftqualität gesundheitsschädlich ist. Beängstigend! Gestern Morgen hatten wir einen Luftqualitätsindex von 264 und schlugen damit sogar die Hauptstadt Indiens um 10 Punkte.

Vor allem wegen Suriyan bin ich besorgt. Er ist sehr empfindlich, wenn es um die Atemwege geht und ist wohl daran Asthma zu entwickeln. Bei Werten von 101-150 können sensible Gruppen bereits Probleme bekommen.

So habe ich dem Sohnemann bis auf weiteres sportliche Aktivitäten untersagt. Doch natürlich hat er in der Schule trotzdem Basketball und Fußball gespielt.
Laut dem Tamil Nadu Weatherman soll es ab Morgen besser werden. Der Zyklon Bulbul sollte nordwärts ziehen und hoffentlich die schlechte Luft wegblasen.

Masala Vadai – südindischer Snack

Masala Vadai mit Kokoschutney
Masala Vadai mit Kokosnuss-Chutney

 

Masala Vadai oder auch Chana Vadai ist ein beliebter südindischer Snack zur indischen Tea time. Viele Straßenküchen verkaufen sie. Serviert werden die Vadai mit Chutney.

An Festtagen gehören bei uns Vadai immer dazu und werden mit dem Lunch serviert.

Hier unser Rezept:

Zutaten:

  • 200 g Bengal – oder Chana Dal
  • 50 g Toor-Dal
  • 5-10 g Reis
  • 3 Zwiebeln
  • 1 mittelgroßes Stück Ingwer
  • 5 -8 grüne Chilis
  • 7-9 Curry-Blätter
  • eventuell je nach Vorliebe: Minze, Korianderblätter, Kumin, wenig Kichererbsen Mehl (Besan), Zimt

Zubereitung:

200 g Bengal- oder Chana-Dal, 50 g Toor-Dal und 5-10 g Reis für 2 Stunden in heissem Wasser einweichen.

Eingeweichter Dal
Nach 2 Stunden Einweichzeit

Den eingeweichten Dal abschütten und gut abtropfen lassen.

Zwiebeln, Ingwer, Chilis, Curry-Blätter klein schneiden.

Alles klein geschnitten
Dal in den Mixer geben und leicht mixen, sodass eine grobe Teigmasse entsteht. Größere Stücke vom Bengal-Dal dürfen, d. h. sollen noch sichtbar sein.

Dal kurz gemixt
Ungefähr so sollte die Masse aussehen

Die Dal-Masse mit den klein geschnittenen Zutaten von Hand vermengen und Salz zugeben. Wer es mag, kann auch frische Minz- oder Korianderblätter dazugeben. Manche geben auch noch Kumin und etwas Zimt dazu.

Wenn sich die Masse nicht so gut bindet, kann man etwas Besan-Mehl dazugeben. Nun aus dem Teig kleine Bällchen rollen und flach drücken.

Vadai formen

Die Vadai sollten nicht zu dick sein, ansonsten werden sie beim Frittieren nicht ganz durchgebacken. Die Vadai im heißen Öl goldbraun frittieren und mit Chutney servieren.

Masala Vadai

Einen guten Appetit!

Verschiedene Chutney-Rezepte findest du hier:

Kokosnuss-Chutney:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/19/kokosnuss-chutney/

Tomaten-Chutney:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/07/08/tomaten-chutney/

Erdnuss-Chutney:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/21/erdnuss-chutney/

 

 

 

Freitag – der Tag der Göttin Lakshmi

Geldsorgen? Dann ist heute der richtige Tag, um die hinduistische Göttin Lakshmi einzuladen oder wenigstens eine positive Energie für Glück und Geldsegen zu schaffen. Jeden Freitag wird Lakshmi besonders verehrt. Sie ist die Göttin des Wohlstands, des Reichtums und des Glücks. Sie ist die Gefährtin von Vishnu und eine bedeutsame Göttin im Hinduismus. Dargestellt wird sie als schöne, prächtig gekleidete junge Frau – meistens auf einer Lotusblüte sitzend. Zwei weiße Elefanten sind ihre treuen Begleiter. In Darstellungen hat sie meist vier Arme. In zwei Händen trägt sie pinke Lotusblüten, Symbole für die höchste Wirklichkeit, mit den anderen beiden zeigt sie eine segnende und eine trostspendende Handstellung. Eine Goldmünze in der Hand oder sogar ein Goldregen, der aus ihrer Hand fließt, darf natürlich nicht fehlen.

Viele Frauen gehen am Freitag in den Tempel, um zu beten. Die Göttin versinnbildlicht das Bild der treuen, liebenden und gehorsamen Ehefrau, wie sie dem klassischen Ideal im Hinduismus entspricht.

Lakshmi ist immer kurz vor der Dämmerung unterwegs. Um sie einzuladen und willkommen zu heißen, wird das Haus sauber gehalten und bevor es dunkel wird, werden im Haus die Lichter angemacht und die Haustür weit geöffnet.

Freitags werden in der Regel keine größeren Geldausgaben getätigt oder Rechnungen bezahlt. Man versucht, die Lakshmi-Energie im Haus zu behalten.

Nachdem es dunkel geworden ist, wischt eine indische Hausfrau die Böden nicht mehr auf. Man glaubt, dass man so den Wohlstand mit dem Schmutz zusammen regelrecht zum Haus raus wischen würde.

Die Göttin Alakshmi, die Schwester von Lakshmi, versucht man hingegen nicht ins Haus einzuladen. Sie bringt Unglück und Pech. Alakshmi mag es schmutzig und liebt Streitigkeiten. Um zu verhindern, dass sie ins Haus oder ins Geschäft kommt, sieht man oft die Chili-Limetten-Abwehr „Nimbu-Mirchi“.

Da sie scheinbar eine Vorliebe für Scharfes und Saures hat, versucht man sie bereits vor der Haustür zu verköstigen, damit sie ja nicht ins Haus kommt.

Möchtest du gerne mehr über die hinduistische Götterwelt erfahren? Hier bekommst du einen kurzen Überblick:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/11/16/die-kleine-hinduistische-goetterkunde-fuer-indienreisende/