The Zoya Factor – indischer Film

Gestern war ich mit meinen indischen Freundinnen im Kino. Die romantische Komödie mit Sonam Kapoor und Dulquer Salmaan läuft hier in Indien seit dem 20. September.

Die junge Frau Zoya (Sonam Kapoor) scheint vom Pech verfolgt zu sein. Weder in der Liebe noch in ihrem Beruf als Werbetexterin hat sie Erfolg und ständig tritt sie in alle möglichen Fettnäpfchen. Als sie jedoch nach Sri Lanka geschickt wird, um mit dem indischen Cricket Team eine Pepsi Werbung zu drehen, wendet sich das Blatt. Von Nikkhil Khoda (Dulquer Salmaan), dem Kapitän der Nationalmannschaft, wird sie zum gemeinsamen Frühstück mit dem gesamten indischen Team eingeladen. Als die Spieler erfahren, dass sie an dem Tag geboren wurde, als Indien den ersten Cricket World Cup gewonnen hat, glaubt das ganze Team, dass Zoya ihr Glücksbringer ist. Nur Nikkhil, der nicht an das Glück, sondern an harte Arbeit glaubt, sieht Zoya ungern in der Rolle des Maskottchens. Dabei hat er sein Herz schon an sie verloren …

Wie es weitergeht, schaut ihr euch am besten selbst an. Ein amüsanter, lustiger Film, der mich keine Minute gelangweilt und mich oft zum Lachen gebracht hat. The Zoya Factor ist ein Feel-Good Movie, der definitiv für gute Laune sorgt. Wer’s lieber tiefgründig und ernsthaft mag, sollte dem Film fernbleiben.

Da ich mich bestens unterhalten und viel gelacht habe, bekommt der Film von mir großzügige 7 von 10 Punkten!

Hier der Trailer:

Oh, du heilige Kuh! Die traurige Wahrheit über Indiens Kühe

Kuehe am Strassenrand
Kuh mit Kalb am Strassenrand

Wer nach Indien reist, kommt manchmal aus dem Staunen nicht heraus. Mitten im dichten Stadtverkehr oder auf den schnell befahrenen Highways überqueren Kühe die Fahrbahn, durchwühlen den Müll oder liegen gemütlich wiederkäuend am Straßenrand. Die Menschen Indiens reagieren auf die großen Vierbeiner respektvoll und gelassen. Mehr oder weniger geduldig wird gewartet, bis die Kuh ihres Weges gegangen ist.
In Indien verehren die Hindus, die rund 80 % der indischen Bevölkerung ausmachen, die Kuh als heiliges Tier. Sie wird als Mutter aller angesehen und für die meisten Hindus ist es eine Sünde eine Kuh zu schlachten, geschweige denn ihr Fleisch zu essen. Die Gründe dafür finden sich vor allem in den hinduistischen Schriften und Mythologien.

Die Bedeutung der Kühe in der hinduistischen Mythologie

Lord Shiva wird von seinem Begleittier Nandi, einem Bullen begleitet. Nandi ist quasi die direkte Telefonverbindung zu Lord Shiva. Wenn man ihm seine Sorgen und Nöte ins Ohr flüstert, hört sie Shiva umgehend.

Nandi
Nandi -immer anzutreffen finde in Shivatempeln

Auch Lord Krishna war in seiner Jugend eng mit Kühen verbunden. Als Hirtenjunge hat er diese gehütet und sie und die Gopis (Hirtenmädchen) mit seinem Flötenspiel bezaubert. Daher wird er auch unter den Namen Gopala und Govinda (Herr und Beschützer der Kühe) verehrt.

Lord Krishna

Kamadhenu ist eine Kuhgöttin, die in den vedischen Schriften als Mutter aller Kühe beschrieben wird. Sie beschert Überfluss und erfüllt alle Wünsche. Dargestellt wird sie als weiße Kuh mit einem weiblichen Kopf oder als weiße Kuh, die verschiedene Gottheiten in ihrem Körper hat.

Kamadhenu

 

Die heiligen Produkte der Kuh

Alle Ausscheidungen der Kuh (Milch, Dung und Urin) gelten als heilig. Der Kuhdung wird getrocknet und als Brennmaterial, als Mörtel zum Bauen und natürlich auch als Dünger verwendet. Der Kuhurin findet in der ayurvedischen Medizin Anwendung. Panchagavya ist eine Mixtur, die aus fünf Kuhprodukten besteht und in hinduistischen Ritualen und für medizinische Zwecke gebraucht wird. Sie besteht aus Milch, Urin, Dung, Ghee (geklärte Butter) und Joghurt. Ohne Milch und Ghee wären viele hinduistische Andachten (Poojas) und Riten undenkbar.

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Schön geschmückter Bulle im Tempel von Madurai

Fakten über die Milch- und Fleischindustrie in Indien

Was viele im Land der heiligen Kühe nicht vermuten würden, ist die Tatsache, dass Indien ist einer der grössten Exporteure für Rindfleisch und Leder ist.
Dies wird in Indien sehr zwiespältig gesehen, einerseits bringt der Export viel Geld, andererseits geht es um die heilige Kuh, die doch eigentlich verehrt werden sollte.
Indien ist der größte Milchproduzent der Welt. Wenn 1.4 Milliarden Menschen mit Milch versorgt werden müssen, erstaunt dies nicht wirklich. Seit Narendra Modi mit der hindu-nationalistischen Partei BJP (Bharatiya Janata Party) an der Macht ist, wurden illegale Schlachtungen, Transporte und auch der illegale Handel von Rindern nach Bangladesch stark eingeschränkt. In 22 Bundesstaaten von 29 ist es verboten, Kühe zu schlachten. Wer dagegen verstößt, muss mit hohen Gefängnisstrafen rechnen. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu schrecklichen Lynchmorden gegen vermeintliche Schlachter oder Rindfleisch-Esser.
Das Geschäft mit Rindfleisch und Leder liegt vor allem in muslimischen Händen. Da diese Arbeiten, aus hinduistischer Sicht, als unrein angesehen werden, arbeiten vorwiegend Moslems und Dalits (Kastenlose) in Schlachthöfen und in der Lederverarbeitung. Unter der Herrschaft der BJP wurden vor allem im Norden viele Schlachthöfe geschlossen. Muslimische Dörfer und Städte, die von diesem Geschäft über mehrere Generationen gelebt hatten, stehen nun ohne Arbeit da.
Wenn man die Milchproduktion genauer unter die Lupe nimmt, dann sind auch die indischen Kühe plötzlich nicht mehr so heilig, sondern schlicht Business. Während es klar ist, dass Fleisch von geschlachteten Tieren stammt, wird die Milchproduktion doch sehr beschönigt. So stellen wir uns die Kühe friedlich grasend auf grünen Wiesen vor. Auch das Bild von der Kuh mit ihrem säugenden Kälbchen gibt uns das Gefühl, dass Milch für Kalb und Mensch im Überfluss vorhanden ist. Leider sieht die Realität anders aus. Damit die Milchwirtschaft finanziell rentabel ist, müssen die Kühe einmal im Jahr ein Kalb bekommen. Büffel, die einen Großteil der indischen Milchwirtschaft ausmachen und im Gegensatz zu den Kühen nicht heilig sind, müssen alle 15 Monate kalbern.

Bueffelherde
Eine Herde schwarzer Büffel, die in Indien nicht als heilig gelten

Die Kälbchen werden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und auch danach haben sie nur erheblich eingeschränkt Kontakt zu ihren Müttern. Diese Trennung ist sowohl für das Muttertier, als auch für das Kalb traumatisch, führt jedoch zu einer Erhöhung der Milchproduktion. Nach der Trennung werden die Kälber hauptsächlich mit Milchersatz gefüttert und dürfen nur begrenzt beim Muttertier Milch saugen. Die Muttermilch wird stattdessen für den menschlichen Verzehr gebraucht.
Männliche Tiere sind wirtschaftlich unerwünscht. Eine begrenzte Anzahl wird für die Zucht verwendet und einige landen als Arbeitstiere in der Landwirtschaft. Diese werden ohne Betäubung kastriert. Um sie fügsam zu machen, bekommen sie Nasenseile. Schläge und harte Arbeit an der prallen Sonne sind für die Tiere meistens Alltag. Wenn sie alt und schwach sind, werden sie oft sich selbst überlassen oder an Zwischenhändler verkauft. Heutzutage werden sie nicht einmal mehr für die Besamung der Kühe eingesetzt. Auch dies geht in den Großbetrieben wirtschaftsfreundlich durch künstliche Befruchtung. Diese Technologie ist beliebt, weil sie effizient ist, die selektive Zucht ertragreicher Tiere ermöglicht und den Bedarf an männlichen Stieren verringert.

Arbeitstiere bei der Zuckerrohrernte
Arbeitstiere bei der Zuckerrohrernte in Nordindien

Gesunde Kühe werden für die Verwendung in der Milchindustrie am Leben erhalten. Für sie beginnt der stetig wiederholende Zyklus von Trächtigkeit, Geburt, Trennung vom Kalb, schmerzhaftes Melken und immer wieder Entzündungen am Euter. Die Milchproduktion beginnt nach drei bis vier Trächtigkeiten zu sinken. In diesem Stadium werden Kühe und Büffel zum Schlachten an Zwischenhändler oder an kleinere Landwirte verkauft. Der Kleinbauer behält die Kühe für rund zwei bis drei zusätzliche Trächtigkeiten, bevor er sie sich selbst überlässt oder zum Schlachten verkauft.
Aus diesem Grund sieht man in indischen Städten viele herrenlose, oft abgemagerte Kühe, die im Abfall nach Resten suchen. Milch geben viele dieser Kühe keine mehr.

Hier in Chennai gibt es auch Kühe. Mir zieht es beim Anblick jedes Mal das Herz zusammen. Die meiste Zeit an kurzen Seilen am Straßenrand und ohne Unterstand angebunden, fristen sie ihr Leben und die Kälbchen sind von den Müttern getrennt.

Kuehe am Strassenrand angebunden in unserem Quartier
Die Kühe bei uns im Quartier- kurz angebunden am Strassenrand
Die Kaelber von den Muttern getrennt in unserem Quartier
Die Kälber getrennt von den Muttertieren auf der gegenüberliegenden Strassenseite

Einige Kühe, die im Quartier herumstreifen und sich bei den Abfallcontainern verköstigen, haben jedoch einen Besitzer. Um Geld für Futter zu sparen, lassen einige die Kühe tagsüber frei und sammeln sie abends wieder ein. Manche Kühe gehen scheinbar auch von sich selbst nach Hause, um gemolken zu werden und etwas Futter zu bekommen. Die Kühe fressen leider auch allerhand Plastikmüll zusammen, was ihnen oft sehr schlecht bekommt und manchmal sogar tödlich endet.

Büffel, die mehr als die Hälfte der indischen Milch liefern, leiden genauso, wenn nicht noch mehr. Da sie nicht heilig sind, machen sich die Meisten kaum Gedanken über sie. Ich habe auf den Highways Richtung Kerala schon viele Viehtransporter mit Büffeln gesehen. Zusammengepfercht, ohne Wasser und Schatten werden sie stundenlang nach Kerala gefahren. Ein trauriger Anblick! In Kerala ist das Schlachten von Kühen erlaubt. Obwohl auch dort die Hindus in der Mehrzahl sind, wird der Umgang mit Kühen viel liberaler gesehen.

 

Die Politik und die heilige Kuh

Unter der Regierung der BJP hat sich einiges verändert. Viele Hindu-Nationalisten zeigen plötzlich grosses Engagement für die heilige Kuh. So kontrollieren sie eigenmächtig Straßen, um illegale Viehtransporte aufzuspüren. Wehe dem, den sie erwischen!
Für viel Geld wurden von der Regierung Modis neue Gnadenhöfe, sogenannte Gaushalas geschaffen. Dies sind traditionelle Einrichtungen in denen alte, unfruchtbare, erkrankte oder gerettete Kühe ihren letzten Lebensabschnitt verbringen. Man schätzt, dass es ungefähr 3000 Gaushalas in Indien gibt. 1837 Gnadenhöfe werden von der Regierung durch die staatliche Organisation Animal Welfare Board of India (AWBI) betrieben. Doch wie ergeht es den Kühen in den Gaushalas? Eine Studie, die im März 2019 veröffentlicht wurde, zeigt deutlich auf, dass auch hier großer Handlungsbedarf besteht. Die Studie weißt auf folgende Mängel hin:

– geringes Platzangebot pro Kuh
– geringe Bewegungsfreiheit
– mangelnder Zugang zu Weiden
– ungleichmäßiger Bodenbelag
– Schädigungen und Verletzungen an Gelenken und Haarausfall (bei der Hälfte der untersuchten Tiere)
– Probleme mit ansteckenden Infektionskrankheiten

Warum rückt die heilige Kuh grade jetzt unter der hindu-nationalistischen Regierung so sehr in den Fokus? Geht es wirklich, um die heilige Kuh oder ist es nicht auch eine Anti-Muslim-Bewegung? Oder geht es der BJP um Wählerstimmen? Gäbe es nicht dringendere Probleme zu bewältigen?

Indien hat mit mehr als 190 Millionen Rindern den weltweit größten Rinderbestand. Auf dem Land besitzt fast jeder ein paar Kühe, aber nicht alle haben Weideland. Dies führt dazu, dass Kühe oft frei auf Straßen umherstreifen, den Verkehr behindern und Unfälle verursachen. In vielen Bundesstaaten kommt es zu großen Konflikten zwischen frei laufenden Kühen und der Landwirtschaft. Denn natürlich machen die Kühe auch vor den Feldern nicht Halt und können in kurzer Zeit ganze Ernten vertilgen. Viele Bauern müssen nun sogar ihre Felder bewachen. Da es die Bauern in Indien sehr schwer haben und keine Entschädigungen vorgesehen sind, durchaus ein Grund zum Klagen. Dies dürfte mit Sicherheit auch ein Grund dafür sein, dass die Regierung viel Geld für neue Gaushalas ausgegeben hat.

Als überzeugte Vegetarierin schwanke ich hin und her. Einerseits freut es mich, dass es den Kühen unter Modi etwas besser ergeht, andererseits hinterlässt die Bewegung bei mir einen etwas bitteren Nachgeschmack. Geht es hier wirklich um die heilige Kuh? Oder sind es vielmehr politisch geschickte Strategien?
Auch würde ich mich freuen, wenn dieses Engagement für die heilige Kuh auf den gesamten Tierschutz übergreifen würde.

Quellenangaben und weitere Informationen:

https://www.thehindu.com/opinion/open-page/the-sorry-tale-of-the-milch-animals/article6578663.ece

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6523919/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/heilige-kuh-in-indien-die-geschundene-goettin.979.de.html?dram:article_id=320433

https://www.deutschlandfunk.de/indien-heilige-kuh-hungernde-kuh.886.de.html?dram:article_id=440720

Videos:

https://www.arte.tv/de/videos/082926-000-A/indien-im-namen-der-heiligen-kuh/

 

Der Currybaum – Gewürz und Heilmittel

Vor zwei Jahren habe ich in meinem Dachgarten zwei kleine Zweige des Currybaumes gepflanzt. Die beiden Zweiglein sind inzwischen zu prächtigen Büschen herangewachsen, sodass wir uns selbst mit Curryblättern versorgen können.

Curryblätter gehören in der südindischen Küche immer und überall dazu. Die Curryblätter geben den Gerichten mit ihrem wundervollen und unverwechselbarem Aroma Geschmack, aber auch für unsere Gesundheit haben sie einiges zu bieten. Während ich früher die Blätter unwissend aus dem Essen herausgesucht und zur Seite gelegt habe, so esse ich sie heute mit.

Sie enthalten essenzielle Nährstoffe, Mineralien, Vitamine (A, B, C und E) und Aminosäuren, die bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen hilfreich sein können.

Die Curryblätter, auch als Kadi Patta oder in Tamil als Karuveppilai bekannt, enthalten Mineralstoffe wie Kupfer, Kalzium, Phosphor, Magnesium und Eisen.

Im Ayurveda, der traditionellen indischen Naturmedizin, findet der Currybaum schon lange Anwendung. Die Blätter, die Rinde, die Wurzel und die Früchte, außer den giftigen Samen, werden für Heilmittel verwendet.

Verschiedene gesundheitliche Probleme werden damit angegangen.

    Wundheilung, Verbrennungen und Hautausschläge

Die Curryblätter enthalten Antioxidantien und haben antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften. Dazu wird ein Aufguss oder eine Paste aus zerstoßenen Curryblättern oft zusammen mit Kurkuma (Gelbwurz) auf die Haut aufgetragen.

Auch bei juckender Haut, leichten Verbrennungen oder bei Insektenstichen können Curryblätter hilfreich sein.

    Durchfall und Blähungen

Leidet man unter Durchfall oder Blähungen kann man einige Blätter zu einer Paste mahlen und in etwas Buttermilch trinken. Curryblätter-Chutney und Curryblätter Thokku werden hier in der tamilischen Küche oft zubereitet und mit Reis, Idly oder Dosai gegessen.

    Vorbeugend und unterstützend bei Diabetes

Scheinbar wird die Bauchspeicheldrüse durch die verschiedenen Mineralstoffe positiv stimuliert. Zur Vorbeugung wird empfohlen, morgens 10 Curryblätter zu essen. Scheinbar auch ein guter Tipp, wenn man abnehmen möchte.

    Gut für die Augen

Ich glaube, dies war der erste Gesundheitstipp, den ich über Curryblätter gehört habe.

Scheinbar ist das Vitamin E sehr nützlich und gut für das Sehvermögen. Als Vorbeugung gegen den grauen Star tröpfeln sich einige sogar frischen Curryblattsaft in die Augen.

    Gut für die Haut- und Haarpflege

Die antimikrobiellen Eigenschaften der Curryblätter und das Vorhandensein von den Vitaminen A und C tragen dazu bei, dass sich die Blätter hervorragend für die Haut- und Haarpflege eignen. Hierbei kann man die Blätter äußerlich und innerlich anwenden. Eine Paste aus Joghurt, Curryblätter und etwas Kokosöl kann auf Haut und Haar aufgetragen werden. Das Haar wird dadurch gestärkt und kräftiger. In Kokosöl gekochte Blätter sollen auch gegen Haarausfall vorbeugen.

 

Auf jeden Fall sollte man die Curryblätter nicht mehr aus den Gerichten herausfischen und verschmähen, sondern sie mitessen.

Bekommt man keine frischen Curryblätter, so kann man auch Karuveppilai-Pudi (Curryblätter-Pulver) kaufen und dies beim Kochen verwenden oder mit etwas Wasser aufkochen und trinken.

Ich denke, ich werde für mich mal eine Gesichts- und Haarpackung mit Joghurt ausprobieren. Scheinbar soll dies auch gegen graue Haare etwas bringen 😉!

Von helvetischen Superkräften, der Hilflosigkeit und der indischen Polizei

Gestern kam mir plötzlich die junge Frau wieder in den Sinn, der ich vor ein paar Jahren geholfen habe oder jedenfalls helfen wollte oder eigentlich dazu gedrängt wurde zu helfen. Wie es ihr wohl ergangen ist?

Die Geschichte liegt schon etwas länger zurück, sicher 2 oder sogar 3 Jahre.

Ich war mit meiner indischen Freundin Anusha unterwegs. Während wir in ihrem Büro noch plauderten, beobachtete ihr Fahrer Bala auf der Straße, wie ein Mann eine junge Frau bedrängte und sie sogar schlug.

Erst einige Tage zuvor wurde am Bahnhof Chennai eine junge Frau niedergestochen, weil sie die Liebe eines Verehrers zurückgewiesen hatte. Absurderweise kommt es immer wieder zu solchen schrecklichen Szenarien. Die Liebste zu töten oder mit Säure zu verunstalteten, fällt den Tätern scheinbar leichter, als sie mit einem anderen Mann verheiratet zu wissen.

Doch zurück zu meiner Geschichte: Bala, Anushas Fahrer wollte der jungen Frau unbedingt helfen. Irgendwie hatte ich schon da das Gefühl, dass Bala wohl besser Polizist oder Superheld geworden wäre, aber auch mir tat die Frau natürlich leid. Eindringlich bat er meine Freundin, da er als Mann nicht vertrauenswürdig wäre, um Hilfe. Nun schritt Anusha, quasi im Auftrag ihres eigenen Fahrers, etwas zögerlich zur Tat. In Sichtweite ging sie zu dem Paar hin und fragte die junge Frau, ob sie Hilfe bräuchte. Diese verneinte klar und der Mann zerrte sie schnell weiter.

Wir diskutierten noch eine Weile und verabschiedeten uns. Es war ausgemacht, dass Bala mich nach Hause fahren würde und nur zwei Straßen weiter fuhren wir natürlich an dem Paar vorbei. Der Mann schlug wieder zu und Bala stoppte. „Mam, du musst ihr helfen!“

Irgendwie erwachte in diesem Moment eine helvetische Supermacht, von der ich bisher nichts wusste, aus dem Tiefschlaf. Eine Wilhelmine Tell im Kleinformat sozusagen! Ich weiß nicht mehr, was ich der jungen Frau alles sagte und welche unfreundlichen Worte ich dem schlagenden Mann zugeworfen hatte. Meine Argumente schienen jedoch so überzeugend, dass sie schließlich ins Auto einstieg und wir davon fuhren. Kaum saß die etwas über Zwanzigjährige sicher auf dem Rücksitz, begann Bala mit der polizeilichen Vernehmung. Ist das dein Mann? Dein Boyfriend? Nein, meinte sie völlig aufgelöst. Er sei nur ein Arbeitskollege. „Nur ein Arbeitskollege? Warum schlägt er dich dann? Das darf er nicht! Du musst zur Polizei gehen und ihn anzeigen!“ Während Wilhelmine wieder einschlummerte, erwachte die Heilpädagogin in mir. „Nur ruhig Bala! Lass ihr etwas Zeit!“ Etwas feinfühliger versuchte ich zu erspüren und zu erfragen, was vorgefallen sei. Doch Bala war von seinem Polizei-Trip nicht mehr abzubringen. Als wir neben einem Polizeiposten vorbeifuhren, hielt er an und meinte: „Mam, du musst jetzt mit ihr hereingehen. Du bist eine Weiße, dich werden sie ernst nehmen!“ Unsicher stiegen wir beide aus. Die junge Frau meinte, dass sie ihn nicht anzeigen wolle.

Betritt eine weiße Ausländerin in Indien einen Polizeiposten, dann hat sie definitiv die volle Aufmerksamkeit auf sich. Umgehend verstummten alle Gespräche und sofort wurde ein Stuhl herbeigeschafft. Ich erklärte kurz worum es ging und was Bala, der draußen im Auto wartete, und ich beobachtet hatten. Nun musste die junge Frau das zweite Polizeiverhör über sich ergehen lassen. Die Polizisten waren nett, gaben Ratschläge und akzeptierten am Schluss ihre Entscheidung, den Mann nicht anzuzeigen. Erleichtert verließen wir beide den Raum und stiegen ins Auto.

Plötzlich rief Bala laut. „Dort ist er!“ Die Polizisten kamen sofort herbeigeeilt und nahmen den jungen Mann fest. Neben mir im Auto begann die Frau laut zu schluchzen.

„Vikhram! Nein, lasst ihn in Ruhe! Tut ihm nicht weh! Vikhram!“ Erste Schlagstöcke prasselten auf den Mann nieder. Indische Polizisten schlagen hart zu, das habe ich leider schon öfters beobachten können.

Ein Drama spielte sich ab und ich war mitten drin. Ich versuchte, die Polizisten noch aufzuhalten, bat sie, ihn nicht zu schlagen. „Don’t worry Mam! We will take care!“ Sie packten ihn zu viert und fuhren in einem Polizeiauto davon. Dass dieser junge Täter nun selbst Opfer von Gewalt werden würde, war mir sofort klar. Die Frau neben mir weinte. Auch ich war den Tränen nah und ein Gefühl der Hilflosigkeit breitete sich in mir aus. Was hatten wir da nur angerichtet? Ich bat sie noch um ihre Telefonnummer und wir brachten sie zum Bahnhof, wo wir uns verabschiedeten.

Mehrmals versuchte ich sie zu erreichen, um nachzufragen, wie es ihr ging. Doch niemals nahm jemand meinen Anruf entgegen. Ich weiß nicht, was aus der jungen Frau geworden ist. Ob ihr „Arbeitskollege“ sie danach in Ruhe gelassen hat? Oder ob sie erst recht Probleme bekam? 

Nach Indien reisen mit Kind?

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Krishnas Butterball in Mamallapuram

Da unser Alltag oft mit wiederholender Routine erfüllt ist, sehnen sich viele im Urlaub oder auf Reisen nach Abwechslung und träumen vielleicht sogar von aufregenden Abenteuern in fremden Kulturen und Ländern. Reisen ist für viele selbstverständlich geworden und schier jedes Reiseziel ist heutzutage möglich und durch billige Flüge bezahlbar.

Auch das Reisen mit Kindern hat sich verändert. Während man zu meiner Zeit noch Ferien auf Balkonien oder höchstens Campingurlaub in den Nachbarländern machte, so gehören Flugreisen für viele Familien zum Urlaub dazu. Die Möglichkeiten sind riesig und alles scheint machbar.

Macht es Sinn, mit Kind oder Kindern nach Indien zu reisen?

Ich habe große Indienerfahrung. Seit über 10 Jahren lebe ich mit meiner Familie in Indien und unser Sohn hat die Mehrheit seiner Kindheit in Indien verbracht. Auf vielen Reisen haben wir dieses riesige, vielfältige Land auch entdeckt und kennengelernt.

Indien ist schon ohne Kinder ein schwieriges Reiseland, das viele Touristen an ihre persönlichen Grenzen bringt. Armut, Müll, Umweltverschmutzung und Krankheiten gehören zu Incredible India dazu. Viele Reisende erleben erst mal einen Kulturschock. Man braucht Zeit, um sich an das indische Chaos zu gewöhnen. Je kleiner die Kinder und je neuer das Land für die Eltern, desto mehr muss ich von Reisen nach Indien abraten. Wenn man nicht aus familiären oder beruflichen Gründen mit kleinen Kindern nach Indien reisen muss, würde ich die Reise definitiv ein paar Jahre aufschieben.

Ab dem siebten Lebensjahr kann man die Kinder besser auf eine Indienreise vorbereiten. Ab diesem Alter können sie Gefahren besser einschätzen und verstehen. Auch bekommen sie etwas vom Land und der Kultur mit, das ihnen sicherlich in Erinnerung bleiben wird.

Vor allem Kleinkindern kann man auf Reisen durch Indien schlecht gerecht werden. Ständig muss man aufpassen, dass sie nichts in den Mund stecken, dass sie nicht davon laufen, dass sie kein Tier anfassen. Das Kind oder mehrere Kinder ständig im Auge zu behalten, ist für die Eltern anstrengend. In Indien wird ihr Kind wohl dauernd hören: „Lass das! Nimm das nicht in den Mund! Nein! Das darfst du nicht! Gib mir die Hand!“

Die Kinder sind sich gewöhnt, dass sie gewisse Bewegungsfreiheiten haben. Diese werden in Indien doch arg beschnitten. Obwohl es hier so viele Kinder gibt, ist das Land alles andere als kinderfreundlich. Es gibt kaum Spielplätze oder Parks und von sauberen Toiletten und Wickeltischen kann man nur träumen.

Das andere Essen

Das Essen in Indien ist oft scharf, ungewohnt und schmeckt den Kleinen in der Regel nicht. Natürlich kann man sich im Supermarkt mit Bananen, Zwieback, Biskuits, … eindecken und im Restaurant milde Gerichte bestellen, aber die Umstellung ist für die Kleinen ziemlich schwierig. Grade bei Kleinkindern, die ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt haben, ist ständig Vorsicht angebracht. Die hygienischen Bedingungen in Garküchen und Restaurants lassen oft zu wünschen übrig und durch längere Stromausfälle werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen. Auf frischgepresste Fruchtsäfte, Eiswürfel, Eiscreme, Milchspeisen, bereits geschnittene Früchte sollte man verzichten.

Impfen und Krankheiten

Dazu kommt, dass man sich schon im Vorfeld Gedanken über das Impfen machen muss. Ich weiß, dass Impffragen für viele Eltern ein sensibles Thema sind, und dass viele sehr impfkritisch eingestellt sind. Doch hier kann ich einfach nur zu bedenken geben, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich in Deutschland oder der Schweiz gegen Impfungen entscheidet, oder ob man in Indien ist. Erstens ist ein Kind in der Regel durch den flächendeckenden Impfschutz im Heimatland recht gut geschützt. Zweitens steht rund um die Uhr eine hervorragende medizinische Versorgung zur Verfügung, wenn eben doch etwas passieren sollte.

Mit Kindern ohne Impfschutz in tropische Länder zu reisen, ist meiner Meinung nach verantwortungslos. In Indien gibt es in den Metropolen gute Spitäler, die man mit „westlichen“ Standards vergleichen kann, aber außerhalb der Großstädte nimmt die Qualität der medizinischen Versorgung rapide ab. Erkrankt ein Kind, dann muss man oft schnell handeln und innerhalb kurzer Zeit einen Arzt aufsuchen. Ich habe dies einmal mit unserem Sohn erlebt, als er zwei Jahre alt war. Trotz großer Vorsicht erkrankte er nach einem Restaurantbesuch.

Erbrechen, Durchfall und Fieber haben ihn innerhalb nur weniger Stunden dehydriert, sodass ich umgehend mit ihm zum Arzt musste. Man weiß, dass Kleinkinder schnell dehydrieren, aber diese Geschwindigkeit hätte ich nie erwartet.

Auch die lange Flugreise, die Zeitumstellung und das andere Klima sind für Kleinkinder oft schwierig.

Leider gibt es in Indien auch gefährliche Krankheiten, die man noch nicht impfen kann. Malaria, Dengue-Fieber und Chikungunya werden von Moskitos übertragen. Mein Sohn und ich sind 2014 an Dengue erkrankt und lagen fast eine Woche im Spital.

Ein Kleinkind ständig mit deethaltigen Moskitosprays einzusprühen, ist für die empfindliche Kinderhaut auch nicht das Wahre.

Auch Tollwut ist in Indien leider immer noch nicht ausgerottet. Viele Kinder sind von Strassenhunden und Affen fasziniert und es zieht sie oft, wie magisch angezogen, in ihre Nähe.

Kinderliebende und wangenkneifende Inder

Was in Indien wirklich wunderschön ist, ist die Tatsache, dass man mit Kindern immer und überall willkommen ist. Die Inderinnen und Inder lieben Kinder über alles und sind diesbezüglich sehr tolerant und hilfsbereit. Allerhand Sonderwünsche werden für Kinder sehr gerne erfüllt.

Auf der anderen Seite empfinden „Westler“ Inderinnen und Inder oft distanzlos und übergreifend. Sehr gerne werden auch fremde Kleinkinder liebevoll in die Wange gekniffen. Hier in Indien ein Zeichen, dass man dieses Kind besonders mag und süß findet.

Doch ein hellhäutiges, eventuell sogar blondes und blauäugiges Kleinkind wird in Indien halt oft in die Wange gekniffen. Gerne werden Kinder auch auf den Arm genommen oder einfach berührt. Heutzutage kommt auch noch der Selfiekult dazu, den ich absolut schrecklich finde. So werden viele euer Kind fotografieren wollen, teilweise auch ungefragt. Viele ausländische Kleinkinder sind sich dies nicht gewöhnt, und es wird ihnen oft zu viel. Eltern sind da sehr gefragt und müssen in einem Balanceakt solche Situationen schnell erfassen und reagieren. Einerseits möchte man die netten Inderinnen und Inder nicht vor den Kopf stoßen, andererseits muss man sein Kind schützen und für Abgrenzung sorgen.

Ich beispielsweise hätte gar keine Freude daran gehabt, mein Kind von fremden Personen ablichten zu lassen. Aus diesem Grund würde ich Kleinkinder auch nicht nackt baden oder spielen lassen. Nicht weil dies gegen das Schamgefühl der Inder verstößt, sondern um das Kind vor Nacktaufnahmen zu schützen. Letztlich weiß man nämlich nie, was mit diesen Fotos passiert.

Tipps, wenn man mit einem Kleinkind in Indien unterwegs ist:

  • Einige Monate vor der Reise die Impffragen für sich selbst und das Kind klären und sich von einem Reisemediziner beraten lassen. Ich finde es für Erwachsene und Kinder sinnvoll, einige Wochen vor der Reise das Immunsystem zu stärken. Ich fand die Echinacea-Tropfen von Dr. Vogel immer hilfreich, aber es gibt eine Fülle an verschiedenen guten Präparaten.
  • Eine Reiseapotheke, die speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern ausgerichtet ist, gibt Sicherheit. Am besten man lässt sich professionell in der Apotheke oder beim Kinderarzt beraten. Hat das Kind intensiven Kontakt mit einheimischen Kindern, sollte man auch auf Läuse achten. Wir wurden immer wieder mit Läusen beglückt.
  • Die Reise sorgfältig und möglichst kinderfreundlich planen. Weniger ist mehr! Auch sollte man versuchen, immer wieder kleine Ruheoasen einzuplanen. In Indien bleibt einem nichts anderes übrig als sich flexibel dem Kleinkind anzupassen. Wir haben beispielsweise eine dreiwöchige Reisetour abgebrochen, weil unser Sohn am fünften Tag erkrankte. Doch auch die Eltern müssen gut zu sich selbst schauen, denn von ihnen wird 100 Prozent Fitness und Aufmerksamkeit abverlangt werden.
  • Für den Flug sollte man den Babies einen Schnuller geben. Durch das Saugen können sie den Ohrendruck besser ausgleichen. Als unser Sohn etwas älter war, durfte er beim Starten und Landen jeweils einen kleinen Lollipop schlecken. Übrigens ein Tipp von meinem damaligen Kinderarzt. Das hat sich immer sehr bewährt. Unser Sohn konnte so den Druckausgleich gut meistern und war überglücklich mit seinem Lollipop, den es nur auf Flugreisen gab.
  • Bei den Reisezielen und bei der Hotelwahl die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Oft ist die Hotelanlage der einzige Ort, wo man Kindern etwas mehr Freiraum geben kann. Etwas bessere Hotels mit Pool und Spielplatz lohnen sich auf jeden Fall.
  • Mit einem Kleinkind würde ich es mir leisten, mit einem eigenen Fahrer zu reisen. Das ist definitiv komfortabler, stressfreier und man ist immer flexibel. So kann man jeder Zeit anhalten, wenn das Kind mal muss oder man kann bequem im Auto die Windeln wechseln oder das Kind stillen. Das Auto ist auch Rückzugsort vor dem oft etwas hektischen, chaotischen und lauten Indien.
  • Beim Essen und Trinken enorme Vorsicht walten lassen. Ein Taschenmesser, Sparschäler und Tupperware-Behälter mitnehmen, sodass man Früchte und Gemüse selbst schneiden kann. Früchte und Gemüse sollte man immer schälen, da sie oft gespritzt und mit Chemikalien behandelt sind.
  • Immer genügend sauberes Trinkwasser und etwas zum Essen dabei haben. Dabei darauf achten, dass die Wasserflaschen beim Kauf versiegelt sind.
  • Hut, Sonnencreme und Moskitospray immer in der Handtasche haben und einsetzen. Dengue-Fieber und Chikungunya werden durch tagaktive Mücken übertragen.
  • Wenn das Kind hohes Fieber bekommt oder an Durchfall erkrankt nicht lange warten und einen Arzt aufsuchen. Kleinkinder dehydrieren enorm schnell.
  • Feuchttücher leisten oft gute Dienste. Vor dem Essen und auch sonst ab und zu die Hände waschen. Manche nehmen auch Desinfektionsmittel für die Hände mit. Ich mag dies weniger und wasche mir lieber öfters die Hände. Für das große Geschäft Toilettenpapier dabei haben.
  • Ein sauberes Tuch, das als Bettdecke, Schlafunterlage oder als Kopfkissen umfunktioniert werden kann, ist sehr hilfreich.
  • Lieblingsspielsachen mitnehmen. Unser Sohn zeigte praktischerweise immer Interesse am Zeichnen und Basteln. So hatte ich immer kleine Minifarbstifte, einen Block Papier und Klebstreifen in meiner Handtasche. Oft haben wir auch Papier gefaltet. Die entstandenen Papierschiffe, Portemonnaies, Frösche, Schmetterlinge und vieles mehr haben für Abwechslung gesorgt und wurden zu Spielmaterial.
  • Musik und Hörspiele für die Kleinen sind oft Gold wert.