Unterwegs in Kerala – meine liebsten Reiseziele

Fährt man durch den südindischen Bundesstaat Kerala, wird es grün und grüner. Kokospalmen, Reisfelder, Mango-, Papaya- und Jackfruitbäume, Tee-, Gewürz- und Kautschukplantagen, …Die überbordende tropische Natur erinnert tatsächlich an den Garten Eden. Nicht ohne Grund wird Kerala als God’s Own Country bezeichnet.

Nach der hinduistischen Mythologie wurde Kerala durch Lord Parasurama, einer Inkarnation Vishnus geschaffen. Er soll seine Axt ins Arabische Meer geschleudert haben, um neues Land für seine Anhänger zu schaffen. Dadurch wollte er den Leuten ein Land schenken, in dem sie in Frieden leben konnten.

Immer mehr Touristen aus aller Welt reisen jährlich an die paradiesische Malabarküste. Fast jedes Hotel bietet inzwischen Ayurveda-Massagen oder Ayurveda-Kuren an. Hier lohnt es sich, genau hinzusehen, denn nicht überall sind qualifizierte Masseure und Ärzte am Werk.

Rund drei Viertel des Bruttoinlandproduktes wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, wobei der Tourismus immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Kerala wird vorwiegend von kommunistischen Parteien regiert und die Arbeiter sind in starken Gewerkschaften vereinigt. Extreme Armut wie man sie in andern Teilen Indiens antrifft, sieht man in Kerala kaum. Das Bildungssystem und auch das Gesundheitswesen funktionieren im Vergleich zu andern Bundesstaaten gut.

Die Menschen in Kerala haben die höchste Alphabetisierungsrate und die höchste Lebenserwartung in ganz Indien.

Meine liebsten Reiseziele in Kerala:

Kochi

Die Hafenstadt Kochi ist wohl die touristisch bedeutsamste Stadt in Kerala. In 2017 besuchten 23 Millionen in- und ausländische Gäste die Stadt. Kochi wurde im 16. Jahrhundert portugiesische und später holländische Kolonie.

Eine Fahrt mit einer Fähre zur Halbinsel Mattancherry mit Fort Kochi sollte man unbedingt einplanen. Fort Kochi bietet die meisten Touristenattraktionen. Die berühmten chinesischen Fischernetze, der Mattancherry Palast (Dutch Palace) die Santa Cruz Basilica und die Synagoge sollte man sich anschauen. Mich hat besonders die Synagoge im Judenviertel beeindruckt.

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Die chinesischen Fischernetze – frühmorgens ist übrigens immer Fischmarkt
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Katzen warten geduldig bei den chinesischen Fischernetzen, vielleicht gibt’s später doch noch etwas!
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Souvenirs shoppen an den Marktständen in Fort Kochi

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Zu Kerala gehört der Kathakali-Tanz. In Kochi kann man täglich Touristenaufführungen besuchen, die einen kleinen Einblick ins berühmte Tanzdrama geben. Wer gerne fotografiert, sollte schon früher eintreffen, um die Tänzer beim Schminken abzulichten.

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Allerlei Zubehör zum Kathakali-Tanz
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Bei den Vorbereitungen
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Tanzaufführung

Alappuzha-Kollam, Backwaters

Eine Backwaterstour im verzweigten Netz von den malerischen Lagunen zwischen Kollam im Süden, Kochi im Norden und Kottayam im Osten ist quasi ein Muss für jeden Touristen, der nach Kerala reist. In rattangedeckten Booten kann man gemütlich durch die Backwaters tuckern und immer Neues entdecken. Von mehrstündigen bis mehrtägigen Bootstouren kann man alles buchen. Auch mit dem Kanu kann man die verzweigten Lagunen erpaddeln, was aus ökologischer Sicht natürlich Sinn macht.

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Was bei uns das Fahrrad, das ist in den Backwaters das Kanu.

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Munnar

Auf 1500 Meter über Meer liegt das Städtchen Munnar. Im Mitten von grünen Teeplantagen und umringt von den höchsten Bergen Südindiens lädt das Städtchen zur Erholung ein. Mehr über Munnar erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/06/munnar-tee-soweit-das-auge-reicht/

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Thekkady – Periyar Nationalpark

An der Grenze zu Tamil Nadu in den Kardamom-Bergen liegt der Periyar- Nationalpark. Von Thekkadi aus kann man auf dem Periyar Stausee Boot-Safaris machen. Allein um die verschiedenen Wasservögel mit dem Feldstecher zu beobachten, lohnt sich diese Tour. Wir sahen am Ufer Bisons, Axishirsche, Languren-Affen, Sambarhirsche, Wildschweine, Elefanten und viele Wasservögel. Wer ganz grosses Glück hat, kann sogar einen Tiger sehen. Ein gutes Fernglas sollte man unbedingt mitnehmen.

Auch geführte Trekkingtouren zu Fuß sind möglich. Wir waren zwar an einem regnerischen Tag stundenlang unterwegs, haben aber bis auf Blutegel, die an uns hoch krabbelten, leider keine Tiere gesehen.

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Indische Bisons und ein Wildschwein
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Elefanten

 

 

Happy Independence Day

Independence Day

Heute am 15. August feiert Indien die Unabhängigkeit von Großbritannien. Es ist ein nationaler Feiertag, der sehr patriotisch gefeiert wird. So wird vielerorts, vor allem auch an Schulen, die indische Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen.

Obwohl man sich heute einen „Happy Independence Day“ wünscht, ist der geschichtliche Hintergrund der Unabhängigkeit Indiens eigentlich ein schrecklich trauriger.

Im August 1947 sah sich England gezwungen, sein indisches Kolonialreich in die Unabhängigkeit zu entlassen. Am Kartentisch zog der englische Rechtsanwalt Cyril Radcliffe die Grenze zwischen Indien und Pakistan, zwischen Hindus und Moslems,  wobei Pakistan auch noch Ostbengalen, das heutige Bangladesch zufiel.

Die Radcliffe-Linie teilte die großen Provinzen Punjab und Bengalen, deren Bevölkerung etwa zur Hälfte muslimisch und hinduistisch war, faktisch in der Mitte. Schreckliche Gewalt auf beiden Seiten waren die Folge. Schätzungen gehen davon aus, dass auf jeder Seite rund sieben Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten, um in die neuen Landesteile zu fliehen. Bis zu einer Million sollen dabei getötet worden sein. Das Machtvakuum, das die Briten durch ihren schnellen Abzug hinterliessen, nutzten einflussreiche Menschen schamlos aus, um sich Land und Besitz anzueignen oder einfach vollendete Tatsachen zu schaffen. Noch Monate später fand man an Straßenrändern zerstückelte Leichen.

Die tiefen Wunden, die den Menschen durch die Teilung zugefügt wurden, sind noch heute spürbar.

Unterwegs in Tamil Nadu – meine 10 liebsten Reiseziele

Allgemeine Informationen über Tamil Nadu

Der Bundesstaat Tamil Nadu

Tamil Nadu ist zehntgrößter und südlichster Bundesstaat Indiens. Mit einer Fläche von 130‘058 Quadratkilometern ist Tamil Nadu über dreimal so groß wie die Schweiz und etwa dreimal kleiner als Deutschland. Mehr als 72 Millionen (2011) Menschen leben in dem Bundesstaat, davon rund zehn Millionen in der Hauptstadt Chennai, die unter der britischen Herrschaft Madras genannt wurde. Seit über 10 Jahren ist Chennai meine neue Heimatstadt.

In der Liste der 10 reichsten Bundesstaaten Indiens erreicht Tamil Nadu (2019) nach Maharashtra den 2. Platz. Chennai hat sich als Industriemetropole entwickelt und viele einheimische, aber auch internationale Konzerne haben hier Produktionsstandorte.

In Tamil Nadu ist man sehr stolz auf das reiche, kulturelle Erbe und die tamilische Sprache. „Nadu“ bedeutet in Tamil „Land“, es ist also das Land der Tamilen. Sich vor der Reise ein paar Brocken Tamil anzueignen, lohnt sich sehr. Die Leute freuen sich enorm, wenn man etwas Tamil spricht. Auch wenn es nur Vanakkam (guten Tag), Nandri (danke) oder Nalla (schön) ist. Auf dem Land können die Leute oft kein Englisch sprechen.

Die muslimischen Eroberer des Nordens hatten in Tamil Nadu wenig Einfluss, dafür haben die südindischen Dynastien der Pallavas, Cholas und Pandyas das Land geprägt. Über 2000 Jahre alte Tempel, die die dravidische Architektur maßgebend beeinflusst haben, lassen den Wohlstand und die Kunstfertigkeit der damaligen Baumeister noch heute erahnen.

Tamil Nadu ist das Land der Tempel und der religiösen Tempelfeste, aber auch die Kunst (Musik, Tanz, Dichtung, Malerei) hatte und hat hier immer noch eine große Bedeutung.

Reisezeit

Der Bundesstaat ist sehr vom Monsun abhängig. Fällt die Regenzeit schlecht aus, so kommt es immer wieder zu Wassermangel und Dürren. Die Hauptregenzeit an der Ostküste ist von Oktober bis Dezember. Gewisse Gebiete bekommen auch etwas Regen vom Südwest-Monsun (Juni-September) ab, wobei die Western Ghats, die Berge zwischen Tamil Nadu und Kerala, die Regenwolken oft blockieren.

In Tamil Nadu herrscht tropisches Klima. Die beste Reisezeit ist von Januar bis März. April, Mai und Juni sind die heißesten Monate, und das Thermometer steigt oft über unangenehme 40 Grad.

Mitte Januar findet das hinduistische Erntedankfest Pongal statt. Für die meisten Tamilen ist Pongal das bedeutsamste Fest im Jahresverlauf.

Mehr Informationen dazu hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/13/happy-pongal/

Landwirtschaft und Natur

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Das fruchtbare Kaveri-Delta ist die Reis-Stube des Bundesstaates. Tamil Nadu ist in Indien der fünftgrößte Reisproduzent. Neben Reis werden auch Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Hülsenfrüchte und Erdnüsse angebaut. Die Dörfer und Kleinstädte in den Westernghats versorgen den Bundesstaat mit Kaffee, Tee, Gemüse, und verschiedenen Gewürzen. Tamil Nadu produziert innerhalb Indiens am meisten Kurkuma (Gelbwurz).

In den Westernghats, den Kardamom-Bergen und den Niligris-Bergen, erstrecken sich immergrüne tropische Regenlaubwälder, die vielen Tieren Lebensraum bieten.

Hier leben indische Bisons, Sambar-Hirsche, Axishirsche, Elefanten, Leoparden, Lippenbären, Tiger, Languren-Affen und viele mehr. Die Artenvielfalt ist immens, aber durch die dichte Besiedlung immer mehr gefährdet.

Essen und Trinken

Idly
Idly mit Sambar und Tomaten- und Kokosnuss-Chutney

Die Küche Tamil Nadus ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Reis und Reismehl wird in verschiedensten Arten verarbeitet und gekocht. Wer durch Tamil Nadu reist, sollte die schmackhafte südindische Küche unbedingt ausprobieren. Idly (Reis-Linsen-Küchlein), Dosai (Reis-Linsen-Pfannkuchen), Idiyappam (Reisnudeln), Appam (Reispfannkuchen mit Kokosnussmilch) oder Pongalreis, serviert mit Sambar, einer schmackhaften Gemüsesauce und diversen Chutneys, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zum Mittagessen kann man sich preisgünstig eine South Indian Thali bestellen, da bekommt man Reis verschiedene Gemüse, Sambar, Kuzhambu (scharfe Chilisauce), Rasam (Pfeffer-Sauce) und immer auch Curd (Joghurt). Meistens wird die Thali auf einem Bananenblatt serviert und man kann Nachschlag verlangen bis man genug hat.

Wer auf Scharfes verzichten möchte, mag vielleicht Curd Rice ausprobieren. Gegessen wird in Tamil Nadu mit der rechten Hand. Die Linke gilt als unrein, da sie zum Toilettengang verwendet wird. Für Touristen bringt man normalerweise viel Verständnis auf und nimmt es mit Regeln weniger genau. Es richtig zu machen, ist aber nie falsch!

Bei der Wahl des Restaurants sollte man immer Vorsicht walten lassen. Die hygienischen Zustände entsprechen oft nicht dem, was man sich wünschen würde. Achtet darauf, wo viele Leute essen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denn so wird immer frisch zubereitet. Bei Produkten, die gekühlt werden müssen, sollte man Zurückhaltung üben. In Indien gehören Stromausfälle leider zum Alltag dazu, so werden die Kühlketten immer wieder unterbrochen.

In ganz Tamil Nadu findet sich die Restaurant-Kette Saravana Bhavan. In diesen Mittelklass-Hotels (Hotels sind in TN Restaurants!) bekommt man für erschwingliche Preise gutes Essen. Die Saravana Bhavans sind eigentlich immer und überall gut besetzt. Andere Restaurant-Ketten, die eine gute Qualität bieten, sind Vasanth Bhavan und A2B (Ananda Bhavan).

In Tamil Nadu wird viel Kaffee getrunken. Ein South Indian Filter Coffee oder einfach ein Kafi, wie man hier sagt, ist ein Muss. Der Kaffee wird meistens in einem Tumbler, einem Stahlbecher serviert. Um den Kaffee zu rühren und etwas abzukühlen, schüttet man ihn in den kleineren und tieferen Becher um. Am besten man beobachtet diese Kunst erst mal aus der Ferne und macht es einfach nach. Wer es nicht gerne süß oder zu süß mag, sollte dringend sagen, dass er den Kaffee ohne Zucker möchte, denn an Zucker wird definitiv nicht gespart.

Tourismus in Tamil Nadu

Die Tourismusbranche in Tamil Nadu ist mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent die größte in Indien. Die TTDC (Tamil Nadu Tourism Development Corporation) wird von der Regierung unterstützt und gefördert. Laut einer Statistik des Tourismus Ministeriums besuchten im Jahr 2015 4.68 Millionen ausländische Touristen und 333.5 Millionen indische Touristen den Bundesstaat. Viele indische Touristen reisen als Pilger zu den berühmten Tempeln oder besuchen die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.

Kultur und Kleidung

Die Tamilen sind ein sehr traditionelles, eher konservatives Volk. Sogar in der Metropole Chennai sieht man praktisch nur traditionell gekleidete Frauen in Saris oder Chudidars, wie man hier die langen Kurtas mit Hose und Schal nennt.

Der traditionelle Wickelrock für die Männer ist der Veshti oder Dhoti. Er wird vor allem zu formellen Anlässen getragen und ist meistens weiß mit einer einfachen, manchmal auch goldenen Bordüre.

Bau- und Landarbeiter hingegen tragen gerne Lungis. Der Lungi ist auch eine Art einfacher Wickelrock, der halb- oder knöchellang getragen wird. Lungis sind farbig und oft ist der Stoff kariert.

Inderinnen und Inder legen großen Wert auf saubere und gepflegte Kleidung. So sollte man auch als Gast darauf achten, wie man sich kleidet. Will man als Frau nicht ständig seltsame und oft anzügliche Blicke auf sich ziehen, sollte man eher „konservative“ Kleidung anziehen. Es müssen nicht traditionelle, indische Kleider sein, aber Knie und Schulter sollten bedeckt sein.

Es empfiehlt sich auch, einen Schal dabei zu haben. So kann man bei einem Tempelbesuch oder wenn es einem unangenehm ist, die Brust abdecken.

Männer in Shorts sieht man eher selten. In touristischen Orten, wo die Menschen sich ausländische Touristen langsam gewöhnt sind, ist es okay Shorts zu tragen. Will man jedoch einen Tempel besuchen oder in einem gehobeneren Restaurant speisen, sind Shorts ein NO GO. Viele Tempel dürfen mit kurzen Hosen auch nicht betreten werden.

Wie Reisen?

Tamil Nadu kann man mit Bus, Zug oder etwas komfortabler mit privatem Fahrer bereisen. Alleine zu fahren, würde ich definitiv nicht empfehlen.

Wie man auch unterwegs ist, in der Regel sind die Leute sehr hilfsbereit und freundlich.

Flexibel, eigenständig und erholsamer ist man mit einem privaten Fahrer unterwegs. Denn am Straßenrand gibt es immer wieder etwas zu entdecken, dass man vielleicht fotografisch festhalten möchte. Sicherlich kann man vom Fahrer nicht erwarten, dass er gleichzeitig ein guter Reiseführer ist, aber manchmal ist es hilfreich, wenn er übersetzen oder etwas erfragen kann. Für einen privaten Fahrer muss man ungefähr 3000 Rupees pro Tag einplanen.

Aber auch mit Bus und Zug kommt man auf seine Kosten und reist natürlich viel preisgünstiger. Reist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, trifft man viele Menschen und kommt leicht in Kontakt mit den Einheimischen. Oft herrscht an Bus- und Zugbahnhöfen das Chaos. Es ist unübersichtlich, oft nur in Tamil angeschrieben und man darf auch nicht erwarten, dass man sein Ziel pünktlich erreicht. Es bewährt sich Zugverbindungen rechtzeitig zu reservieren. Im Zug stehen verschiedene Klassen zur Verfügung. Je teuerer, desto komfortabler und sauberer sind die Abteile. Züge kann man über die IRCTC (Indian Railways Catering and Tourism Corporation) Webseite oder auch über Cleartrip und Busse am einfachsten über http://www.redbus.in buchen.

In den Städten kann man sich inzwischen ganz einfach über die Apps von OLA oder UBER ein Auto oder sogar eine Autoriksha buchen. So entfällt das oft nervige Handeln um den Preis und man bekommt ein Gefühl für die ungefähren Preise.

Will man beispielsweise einen Tag eine Stadtbesichtigung einplanen, kann man günstig auch Tagespakete buchen. Achtung: In Tamil Nadu nennt man die Autoriksha „Outo“! Das kann anfangs verwirrend sein und zu Missverständnissen führen.

Meine 10 liebsten Reiseziele in Tamil Nadu

Meine schönsten und liebsten Reiseziele festzulegen, war gar nicht so einfach. Da ich in Chennai lebe, mag ich es gerne etwas ruhiger und ich liebe Naturschutzgebiete. Die Fülle an sehr schönen, bedeutsamen Tempelstädten in Tamil Nadu ist schier endlos.

Thanjavur, Kanchipuram, Mamallapuram, Tiruvannamalai, Chidambaram, Kumbakonam, Tiruchirapalli, Sri Rangam, Rameshwaram, Madurai und Kanyakumari sind nur eine kleine Auswahl davon.

Doch wenn man nicht grade Indologie studiert oder sich für dravidische Architektur interessiert, dann hat man in der Regel nach 3-5 Tempeln genug, so habe ich mich auf einige interessante Tempelstädte beschränkt.

Hier meine Liste:

1. Chennai

Aussicht auf den Sueden von Chennai
Aussicht auf den Süden Chennais vom St. Thomas Mount

In den meisten Reiseführern kommt Chennai schlecht weg, und es wird eine direkte Weiterreise nach Mamallapuram empfohlen. Ich finde dies schade, denn Chennai hat einiges zu bieten. Als Indien-Neuling würde ich Chennai wahrscheinlich erst am Schluss der Reise einplanen. Für die letzten Einkäufe und einige Sehenswürdigkeiten lohnt sich ein Stopp in Chennai auf jeden Fall.

Sehenswert:

Für Einkäufe:

  • Stoffe, traditionelle indische Kleidung Nalli oder Pothys, T. Nagar
  • Indische Kleidung: Fabindia, mehrere Filialen (auch in den großen Malls)
  • Moderne Malls: Phoenix Marketcity, Velachery/ Express Avenue, Royapettah
  • Victoria Technical Institute (verschiedene Souvenirs und Kunsthandwerk aus Südindien zu erschwinglichen Festpreisen), No: 180, Anna Salai (Mount Road

2. Mamallapuram

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Shore Tempel in Mamallapuram

Der Ort ist sehr touristisch, hat aber durchaus seinen Charme. Mamallapuram ist berühmt für den Shore Tempel und das Flachrelief, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Ausführlichere Informationen:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/13/mamallapuram-weltkulturerbe/

3. Puducherry / Auroville / Pichavaram

Auroville
Matrimandir in Auroville

Das französische Flair ist in der ehemaligen Koloniestadt Frankreichs immer noch zu spüren. Der spirituelle Führer Sri Aurobindo eröffnete 1929 in Puduchery einen Ashram.

Seine rechte Hand Mira Alfassa, die nach seinem Tod, die Führung übernahm, inspirierte die Gemeinschaft zur universellen Modellstadt Auroville.

Auch einen Abstecher in die Mangroven in Pichavaram lohnt sich durchaus.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/10/pondicherry-franzoesisches-flair-in-indien/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/13/blueten-aus-auroville/

4. Vedanthangal

Vedanthangal
Vedanthangal Bird Sanctuary

Das Vogelnaturschutzgebiet in Vedanthangal bietet sich von Dezember bis Februar an. Es ist das Brutgebiet vieler Zugvögel.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/29/vedanthangal-vogelnaturschutzgebiet-in-tamil-nadu/

5. Tiruvannamalai

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Arunachaleshvara Tempel Tiruvannamalai

Der berühmte Arunachaleshvara Tempel am Fuße des heiligen Berges Arunachala ist ein wichtiger Pilgerort für Hindus. In Tiruvannamalai wird das zehntägige Lichterfest Karthigai Deepam gefeiert.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/11/tiruvannamalai-wenn-goetter-sich-streiten/

6. Thanjavur

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Brihadishvara Tempel in Thanjavur

In Thanjavur lohnt es sich den Brihadishvara Tempel, der zum Unesco Weltkulturerbe gehört, mit einer guten Führung zu besichtigen. Der Tempel ist architektonisch sehr interessant und überall findet man die heilige Zahl neun. Am Tempeleingang gibt es Führer von der Regierung mit fixen Preisen. Auch der Palast und die Saraswati-Mahal Bibliothek sind einen Besuch wert.

Thanjavur ist die Stadt der Künste. Tanz, Musik und die Malerei waren in Thanjavur immer sehr wichtig. Ein Konzert mit klassischer indischer Musik und Tanz kann ich Reisenden nur ans Herz legen. Die vergoldeten, prachtvollen, für uns oft etwas zu üppigen, Thanjavur-Paintings sind in ganz Indien bekannt.

Wir haben bei unserem Besuch auch einen Metall-Gießer und einen Sitar-Bauer besucht, die uns ihr Kunsthandwerk erklärt haben.

Ein sehr schönes Heritage Hotel ist das Swatma. Mit viel Liebe eingerichtet, gepflegt und mit einer hervorragenden Küche gehört es jedoch in die obere Preisklasse.

7. Chettinad/ Karaikkudi

Chettinad
Mansion in Chettinad

Ein Abstecher in die Region Chettinad lohnt sich auf jeden Fall. Hier zeigt sich wieder ein ganz anderes Indien. Die riesigen Mansions der Chettiars, der Händlerkaste beeindrucken und lassen staunen. Die Chettinad Küche ist in ganz Indien bekannt.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/11/26/chettinad-sehenswerte-gegend-in-tamil-nadu/

8. Rameshwaram /Dhanushkodi

Rameshwaram
Zugverbindung nach Rameshwaram

Rameshwaram wird auch das Varanasi des Südens genannt und ist ein wichtiger Pilgerort für Shivaiten und Vishnuiten. Rameshwaram und Dhanushkodi sind eng mit dem berühmten Epos der Ramayana verbunden. So hat Rama hier seine Schlacht gegen Ravana vorbereitet, der seine Frau Sita nach Lanka entführt hatte.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/27/rameshwaram-auf-den-spuren-ramas/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/dhanushkodi-am-ende-des-bogens/

9. Madurai

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Meenakshi Tempel in Madurai

Der Meenakshi Tempel in Madurai ist fast ein Muss, wenn man in Tamil Nadu ist. Hier haben Lord Sundareshwara (Inkarnation Shivas) und die Göttin Meenakshi (Inkarnation Parvatis) geheiratet.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/30/madurai-von-meenakshi-der-goettin-mit-den-fischaugen/

10. Ooty / Masinagudi/ Mudumalai Nationalpark

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Teeplantage in Ooty

Ich mag alle Hillstations in Tamil Nadu. Doch Ooty in den Niligris-Bergen ist schon etwas Besonderes. Viele meinen auch, dass Ooty die Königin aller Hillstations in Tamil Nadu ist. Eine Fahrt mit der Niligri Mountain Railway sollte man unbedingt einplanen. Die Zahnrad-Bahn von Mettupalayam nach Ooty wurde 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Verlässt man Ooty Richtung Karnataka kommt man nach Masinagudi. Hier wird es für Naturliebhaber und Tierbeobachter immer interessanter. Nicht weit davon entfernt liegen die Nationalparks Mudumalai (Tamil Nadu) und Bandipur (Karnataka). Hier hatten wir immer grosses Glück mit Tiersichtungen. Einmal sahen wir sogar einen Tiger.

Weitere Informationen: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/07/10/ooty-das-richtige-klima-fuer-mich/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2010/03/14/nationalpark-bandipur/

 

Das Kastensystem in Indien

Lange habe ich mich nicht an dieses komplexe und vielschichtige Thema herangewagt. Aus einer westlich-christlichen Kultur stammend, fällt es auch unheimlich schwer, einigermaßen einen Durchblick zu gewinnen.

Nach über 10 Jahren in einer hinduistischen Familie wage ich nun mal einen Versuch.

Meine indische Familie gehört zu der Kaste der Saiva Mudaliar, einer höheren Kaste in Tamil Nadu. Wie die Brahmanen sind die Saiva Mudaliar Vegetarier und essen kein Fleisch und auch keine Eier. Meine Schwiegereltern sind sehr gläubig und fromme Hindus. Von Anfang an habe ich gemerkt, dass die gesamte Sippschaft stolz auf ihre Kastenzugehörigkeit ist und diese von andern auch respektvoll behandelt werden. Die Saiva Mudaliars sind vernetzt und es gibt auch immer wieder große Kastenversammlungen, wo man sich trifft. „Er ist auch ein Mudailar, aber kein Saiva Mudaliar, denn er isst Fleisch“, erklärte mir mein Mann manchmal. So gibt es auch in Kasten Subkasten und von diesen nicht wenige. Das Ganze ist für Außenstehende undurchschaubar. Mein Mann kann in Tamil Nadu von der Art, wie jemand spricht, wie er heißt und wie er angezogen ist, ungefähr einschätzen aus welcher Kaste jemand stammt. Ich finde dies echt beängstigend. Mir ist es höchstens möglich aufgrund der Kleidung einzuschätzen, ob jemand eher arm oder reich ist.

Entstehung des Kastensystems

Das Kastensystem entstand ursprünglich in der hinduistischen Mythologie. In der Rig Veda, einer alten hinduistischen Schrift werden die vier Hauptkasten, die Varnas erklärt. Demzufolge sind die Varnas aus dem Ur-Menschen Purusha entstanden, der sich selbst zerstörte, um eine menschliche Gesellschaft zu schaffen.

Aus seinem Mund wurde die höchste Kaste erschaffen. Dies sind die Brahmanen. Es ist die Kaste des Wissens und Denkens. Zu ihnen gehören die Priester und die Gelehrten.

Aus der Schulter erschuf Purusha die Kaste der Kshatriya. Es sind die Krieger, Beschützer und Führer des Landes.

Aus dem Schenkel wurde die Kaste der Vaishya erschaffen. Es sind die Händler, Kaufleute und Großgrundbesitzer, die das Land mit dem Nötigen versorgen.

Aus der Fußsohle entstanden die Shudras. Die Shudras sind die Knechte, Dienstleister, Handwerker, Pachtbauern und Tagelöhner in der Gesellschaft.

Unter den 4 Varnas, die aus dem göttlichen Ur-Menschen Purusha entstanden sind, gibt es die Kastenlosen, die Dalits. Da sie nicht aus dem Göttlichen entsprungen sind, gelten diese Menschen als unrein. Es sind die Unberührbaren der Gesellschaft. Sie werden auch Parias, oder wie Gandhi sagte, Harijans (Kinder Gottes) genannt. Sie verrichten die unreinsten Arbeiten, die anfallen. Müllentsorgung, Latrinenreiniger, Wäscher. Auch unter den Dalits gibt es eine Art Kastensystem, in dem einige besser und höher gestellt sind als andere.

Im Zusammenhang mit dem Kastenwesen hört man oft auch den Begriff Varna Dharma. Dharma ist die Aufgabe, die Pflicht, die ein Mensch zu erfüllen hat. So werden die Varnas von vielen als vorgegebene Pflicht gesehen. Im Hinduismus glauben die Menschen an Karma und Reinkarnation. Sie glauben daran, dass ihre Taten und ihre Denkweisen Einfluss auf zukünftige Wiedergeburten haben. So wird das Geborenwerden in eine untere Kaste dadurch erklärt und gerechtfertigt, dass man im früheren Leben schlechtes Karma angesammelt hat.

Auch unter der 200 Jahren langen britischen Herrschaft blieb das Kastensystem bestehen. Die Engländer profitierten davon und hatten kein Interesse dieses aufzulösen. Der große Bedarf an vielen billigen Arbeitskräften konnte so problemlos gedeckt werden.

Nach der Unabhängigkeit 1947 wurde das Kastensystem in Indien offiziell abgeschafft. Laut indischer Verfassung sind alle Inderinnen und Inder gleich und haben die gleichen Rechte.

Viele Berufe und Hochschulen waren lange Zeit nur höheren Kasten zugänglich. Solche Ungerechtigkeiten führten dazu, dass gegen die alleinherrschende Macht der Brahmanen langsam Widerstand gärte.

Tamil Nadu war einer der ersten Bundesstaaten, der gegen die Brahmanen politisch aktiv wurde und in öffentlichen Ämtern und Universitäten Quoten für untere Kasten und Dalits einführte. So sind für untere Kasten (Shudras), Scheduled Castes (Dalits), Scheduled Tribes (Stämme Eingeborener), aber auch für andere religiöse Minderheiten in Tamil Nadu insgesamt 69 % der Plätze reserviert. Heute gilt eine Quotenregelung von 50 Prozent in allen andern Bundesstaaten. Dass die Brahmanen (rund 4.3 % der Bevölkerung) darüber nicht erfreut sind und sich benachteiligt fühlen, ist klar. Um seine Brahmanen-Wählerschaft wohlwollend zu stimmen, hat Premierminister Modi nun kürzlich eine spezielle Quote für höhere Kasten, die im Jahr weniger als 8 Lakhs (800‘000 Rupees/10‘000 Euro) verdienen, eingeführt.

Einflüsse des Kastenwesens im heutigen Alltag

Auch heute noch beeinflusst das Kastenwesen das Leben der Menschen in hohem Masse. Die Kasten oder Jatis, wie sie in Indien genannt werden, trennen die Gesellschaft in hierarchisch angeordnete Gruppen. Man schätzt, dass es in Indien über 2000 verschiedene Jatis gibt, die wiederum in Subkasten unterteilt sind. In eine Jati wird man hineingeboren und sie bleibt bis zum Tod unveränderbar bestehen.

Die Kastenzugehörigkeit muss heutzutage jedoch nicht mehr zwingend mit dem sozialen Status und den finanziellen Möglichkeiten übereinstimmen. So gibt es durchaus arme Brahmanen-Familien, aber auch reiche Shudras oder sogar Dalits. Durch die Quotenregelung haben es einige Dalits sogar in hohe Ämter geschafft. Ram Nath Kovind, der Staatspräsident Indiens stammt beispielsweise aus einer Dalit-Familie. Die Mehrzahl der unteren Kasten und die Dalits gehören jedoch immer noch den unteren, benachteiligen sozialen Schichten an.

Während in den Großstädten das Kastensystem langsam aufbricht, bleibt es in den Dörfern jedoch hartnäckig bestehen. In Indien werden 90 Prozent der Ehen arrangiert. Ob in der Stadt oder auf dem Land, es wird in der Regel in der gleichen Kaste geheiratet.

Unberührbare, die auf dem Land leben, haben ihre Hütten stets am Rande des Dorfes und sind nach wie vor riesigen Diskriminierungen ausgesetzt. Es schockiert mich immer wieder von Neuem, wenn ich über solche Vorfälle lese.

Verliebt sich beispielsweise ein Mädchen aus einer höheren Kaste in einen Jungen aus einer tieferen Kaste oder sogar in einen Dalit oder einen Andersgläubigen sind große Probleme vorprogrammiert. Dies findet in der Familie kaum Zustimmung und auf dem Land ist dies ein absolutes NO GO! Immer wieder hört und liest man in diesem Zusammenhang von schrecklichen Ehrenmorden. Auch wenn es dem Paar gelingen sollte zu fliehen, muss es alle familiären Kontakte abbrechen und in ständiger Angst leben, entdeckt zu werden.

In manchen Dörfern Indiens ist es den Unberührbaren immer noch verwehrt, den Dorftempel zu betreten. Prabhu hat mir erzählt, dass es in Tamil Nadu und sicherlich auch in anderen Bundesstaaten noch Dörfer gibt, in denen der Teeladen zwei separate Becher hat. Der Dalit-Becher darf mit keinem aus einer höheren Kaste in Berührung kommen und muss selbst gespült werden. Dalits dürfen beispielsweise auch keine Rüden besitzen. Ein Dalit-Rüde könnte ja eine Hündin eines Hundebesitzers begatten, der einer höheren Kaste angehört.

Erst neulich passierte es in Tamil Nadu, dass einem Trauerzug der Dalits der kürzeste Weg zur Verbrennungsanlage, der durch ein Quartier einer höheren Kaste führte, verwehrt wurde. Sie mussten schließlich einen Umweg von vielen Kilometern in Kauf nehmen, um den Leichnam zur Verbrennungsstätte zu bringen.

In den Köpfen vieler Inderinnen und Indier existiert das Kastensystem weiter, da ändert auch eine moderne Gesetzgebung nichts daran. Das Allerschlimmste ist, dass sogar Angehörige von unteren Kasten und Dalits die gleiche Diskriminierung weiterführen, unter der sie selbst so leiden.

So wird es noch sehr viel Zeit, Aufklärung und Bildung brauchen, bis sich dies verändern kann.