Lassi – das erfrischende Sommergetränk

Lassi ist ein Joghurtgetränk, das in ganz Indien gerne getrunken wird. Sehr berühmt ist das sämige Lassi aus dem Punjab. Wer im nordwestlichen Bundesstaat unterwegs ist, sollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen.

Besonders während der Sommerhitze ist Lassi sehr beliebt. Das Getränk kühlt und erfrischt den Körper. Es ist einfach und schnell selbst zubereitet und jeder kann, je nach Geschmack, sein eigenes Lassi kreieren.

Hier mein Lassi Grundrezept für 4-5 Gläser:

Zutaten:

-500 g Naturjoghurt

-3-5 EL Puderzucker

-¼ TL Salz

-5-8 EL Rosenwasser

-¼ TL Kardamompulver

-Etwas Wasser, um die gewünschte Konsistenz zu bekommen.

-Eiswürfel zum Servieren

Zubereitung:

Das Naturjoghurt in eine Schüssel geben.

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Den Puderzucker, das Salz, das Kardamompulver und das Rosenwasser dazugeben und mit dem Schwingbesen oder dem Handmixer gut verrühren.

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Eventuell etwas Wasser dazugeben, um die gewünschte Konsistenz zu bekommen. Viele geben kein Wasser dazu und trinken Lassi dickflüssig. Ich habe es lieber etwas flüssiger.

Wer gerne Früchte mag, kann pürierte Mango, Erdbeeren, Himbeeren … dazugeben. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Sehr sättigend wird das Lassi, wenn etwas gemahlene Nüsse (Mandeln, Pistazien, Cashew) eingerührt werden.

Auch etwas Rosensirup ergibt einen tollen Geschmack.

Da man in den Sommermonaten oft viel schwitzt und wichtige Körpersalze verliert, kann man auch mal ein salziges Lassi ausprobieren und die Salzmenge erhöhen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!

Lassi mit etwas Rosensirup

Mehendi – traditionelle Kunst mit Henna

Mehendi 1

Bisher habe ich mich immer erfolgreich vor Mehendi oder auch Mehndi gedrückt. Ich hatte noch nie Lust und Laune mir meine Hände mit Henna-Paste verzieren zu lassen. Erstens muss man lange still sitzen, um das Ganze aufmalen zu lassen, zweitens müssen die Ornamente danach lange einwirken und trocknen und drittens hat mich die Kunst der Körperbemalung nie wirklich interessiert. Es ist nicht so, dass mich Kunst und Kunsthandwerk nicht interessiert, aber die eigene Haut zu verzieren, finde ich sehr befremdend. Obwohl Tattoos heute in Mode sind, und es inzwischen absolut normal ist, kann ich mir dies für mich selbst nicht vorstellen.

Doch was mache ich nicht alles für meine Leserinnen und Leser!

Am Samstag habe ich mir tatsächlich ein Mehendi aufmalen lassen. Eine Handfläche kostete nur 50 Rupees (rund 60 Cents) und so habe ich mich auf dieses Experiment eingelassen. Dass ich keine professionelle Mehendi-Künstlerin vor mir hatte, wurde schnell klar. Mit einer kleinen Plastiktüte, ähnlich einem kleinen Spritzsack, den man zum Torten verzieren braucht, trug sie die Henna-Paste recht lieblos, schnell und mit recht dicken Linien auf meine Handfläche auf. Die zweite Hälfte meiner Hand verzierte sie sogar, während sie mit ihrem Mann telefonierte. Nach rund 5 Minuten war das “Kunstwerk” bereits fertig und ich wurde entlassen. Das Ganze sollte ich eine Stunde einwirken lassen.

Draußen schaute ich enttäuscht auf meine linke Handfläche. “Nein, das geht überhaupt nicht!”, entschied ich sofort und suchte die nächste Toilette auf, um die Paste abzuwaschen.

Mehendi 2

Die alte Tradition der Mehendi wird im Mittleren Osten, Indien und in Teilen Afrikas schon sehr lange praktiziert.

Das Henna wurde ursprünglich aufgetragen, um den Körper zu kühlen. Zuerst wurden einfach Punkte auf die Handflächen gemalt. Aus diesen Punkten entstanden mit der Zeit kunstvolle, ornamentale Muster, die sich immer mehr verfeinerten und sich schließlich zur heutigen Kunstform entwickelte.

In Indien werden vor allem die Bräute kunstvoll mit Mehendi geschmückt. Im Norden ist die Tradition viel mehr verwurzelt als hier im Süden. Die Mehendi-Zeremonie wird von der Seite der Braut organisiert und bringt die Frauen beider Familien zusammen. Meistens werden dafür professionelle Mehendi-Künstlerinnen engagiert oder besonders geschickte Frauen in der Familie übernehmen das Mehendi-Design.

Die Henna-Tattoos sollen kühlen und Stress reduzieren, so werden sie bewusst auch an den Nervenenden aufgetragen. Sie sollen der Braut aber auch Glück, Gesundheit und Wohlergehen in der Ehe bringen. Der Volksmund sagt, je dunkler ein Mehendi ist, desto mehr würde der zukünftige Ehegatte seine Frau lieben. Aus diesem Grund werden den traditionell natürlichen Henna-Pasten oft schwarzes Haarfärbemittel beigefügt. Dadurch wird die Wartezeit verkürzt und die Muster werden schön dunkelbraun.

Die natürlichen Pasten aus getrockneten Henna-Blättern färben in rot-braun Tönen. Um etwas dunklere Töne zu bekommen, werden Kaffee, Zitrone, Tee und teilweise auch ätherische Öle beigefügt. Die Einwirkzeit beträgt 6-8 Stunden.

Werden Haarfärbemittel eingesetzt, wird die Einwirkzeit auf ½ bis eine Stunde verkürzt, aber es kann durchaus zu Allergien kommen. Da nur die Oberhaut eingefärbt wird, verblassen die Mehendi nach rund 2-3 Wochen.

Auf meiner Handfläche sieht man die orangen Muster noch immer und ich hoffe, dass sie ganz schnell verblassen.

Mehendi 3

 

Wenn es pressiert …

Dringend aufs Klo
Es ist wieder unglaublich heiß. Mit einem scharfen Messer könnte ich die feuchtheiße Luft sicherlich in Würfel schneiden. Immer wieder tupfe ich mir mit meiner Dupatta (Schal) die Schweißtropfen von der Stirn.
Jammernd meine ich zu unserem Sohn: “Komm, lass uns ins Restaurant gehen und etwas trinken. Mir ist es zu heiß!” Sohnemann ist sofort einverstanden und fünf Minuten später sitzen wir gemütlich unter dem Ventilator und überlegen, was wir bestellen möchten. Das Restaurant erscheint sauber und vertrauenswürdig. So entscheidet Suriyan sich für einen Wassermelonensaft und ein Samosa (gefüllte Teigtasche mit Gemüsefüllung) und ich für eine Lassi. Das berühmte indische Joghurtgetränk kühlt und erfrischt. Eigentlich das Ideale bei diesem tropischen Klima. Genüsslich trinke ich das sämig-sü
Doch bereits auf der Rückfahrt nach Hause rumpelt es in meinem Magen. Die Lassi, denn etwas anderes kann es nicht gewesen sein, lässt grü
Ob die Zeit noch reicht bis wir daheim sind? Soll ich im Supermarkt die Toilette aufsuchen?
Eigentlich sollte ich nach zehn Jahren wissen, dass Indien und Eile nicht besonders gut miteinander harmonieren. Die kurze Fahrt vergeht im Zeitlupentempo und natürlich wechselt jede Ampel auf Rot. Meine Gedanken sind nur bei meinem Schließmuskel.
Endlich erreichen wir unser Haus, ich springe raus und laufe die Treppen hoch. Gott sei Dank! Es hat gereicht und eine riesige Erleichterung macht sich breit. Suriyan lacht und meint, dass er mich noch nie so schnell laufen gesehen hat.
Ja, meine neue Heimat hält viele nette Bakterien und Viren bereit, die einem plötzlich aus dem Nichts überrollen können. Schon länger hat es mich nicht mehr erwischt und ich bin ansonsten auch nicht sehr empfindlich.
In Indien sollte man sich immer gut überlegen, wo und was man konsumiert. Die Stromversorgung wird vor allem in den heißen Monaten immer wieder unterbrochen, so ist die Kühlkette oft nicht gewährleistet.

Der Kampf ums Wasser

Wasserkrise

Der letzte Monsun brachte uns nur 45 Prozent der üblichen Regenmenge. Bereits im Januar sprachen die Behörden Tamil Nadus von einem kommenden Wassermangel.

Im Verlauf des Jahres hat sich die Situation nun massiv verschärft. In Chennai haben wir seit Monaten keinen Tropfen Regen gesehen. Die Wasserreservoirs der Stadt sind weitgehend leer und die Grundwasserspiegel sind auf Tiefstand. Normalerweise bekommen wir mit der beginnenden Regenzeit an der Südwestküste etwas Regen ab. Außer ein paar dunklen, hoffnungsvollen Regenwolken, die am Himmel vorbeizogen, sahen wir bis jetzt keinen Tropfen. Im Fernsehen rufen sie schon länger dazu auf, Wasser zu sparen.

Die neusten Nachrichten zeigen nun lange Warteschlangen vor öffentlichen Wasserabgabestellen. Vielerorts hat es kein Wasser mehr und die Menschen müssen die schweren Wasserbottiche nach Hause schleppen. Viele Schulen haben die Eltern aufgefordert, ihren Kindern zwei Liter Trinkwasser mitzugeben. Das hat zu grosser Empörung geführt, denn die zusätzlichen Kosten belasten das Budget armer Familien und die Schultaschen der Kinder sind schon ohne Wasser zu schwer. Manche Schulen klagen darüber, dass sie nicht mal Wasser für die Toiletten haben.

Bereits kam es zu Messerstechereien und Kämpfen um das wertvolle Nass. Es ist beängstigend zu sehen, wozu Menschen in ihrer Not fähig sind. Die Regierung berichtet von illegalem Wasserklau und für viele Anwohner wird es immer schwieriger, Wassertanker zu bestellen. Auch unser Brunnen ist trocken. Da wir in der Nähe eines Sees wohnen, sind wir gut mit Grundwasser versorgt. Doch heute Morgen kam die Nachbarin von gegenüber. Ihre Pumpe bringt kein Wasser mehr hervor und wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch wir auf dem Trockenen liegen.

Back to Tamil – Auffrischungskur für mein Gehirn

Tamil

Um geistig fit und aktiv zu bleiben, ist es wichtig, sich immer wieder mit neuen Lerninhalten zu konfrontieren. Lebenslanges Lernen ist das beste Training dafür. Tanzen, ein Instrument spielen lernen oder eine neue Sprache eignen sich scheinbar besonders.

Das passt gut zu meinen Vorsatz von 2019. Mein Vorhaben wieder Tamilstunden zu nehmen, lag zwar fast ein halbes Jahr im Winterschlaf, d. h. im subtropischen Siesta-Schlummer, aber seit dieser Woche müssen sich meine grauen Hirnzellen, trotz Sommerhitze, wieder anstrengen. Karthik, mein Privatlehrer, kommt nun jeden Wochentag eine Stunde vorbei und unterrichtet mich. Ganz neu ist dies für mich nicht, denn ich habe immer wieder Versuche unternommen, tamilisch zu lernen.

Doch leider kam immer wieder etwas dazwischen, um kontinuierlich dranzubleiben.

Ich staune diese Tage über mich selbst. Das tamilische Alphabet, das ich 2006 einmal gelernt hatte, aktiviert sich fast wie von selbst. Dass ich dies mit so einer Leichtigkeit bewältige und mich noch so gut erinnere, hätte ich nicht gedacht. Auch mein Wortschatz ist gar nicht so klein, wie ich gedacht hätte.

Tamil ist eine Silbenschrift und besteht aus 247 Schriftzeichen. Die 12 Vokale und 18 Konsonanten werden zu 216 weiteren Buchstaben kombiniert und ein spezieller Buchstabe, der aus drei Punkten besteht, rundet das ganze Alphabet ab.

Da nicht ganz alle Laute, beispielsweise der H, im tamilischen Alphabet vorkommen, werden zusätzlich noch einige Buchstaben aus dem Sanskrit ausgeliehen.

Ich liebe die tamilischen Buchstaben und schreibe sie gerne. So schön verschnörkelt, erinnert es mich an eine Zierschrift. Ich lerne visuell und die Buchstaben sind für mich wohl das Einfachste. Dafür bin ich auditiv, über das Hören, eine totale Nuss. Um zu sprechen und zu verstehen, wäre jedoch grade diese Fähigkeit von zentraler Bedeutung. Übung macht den Meister und Karthik scheint ein geduldiger Lehrer zu sein.

Die tamilische Sprache zu lernen, stellt mich vor folgende Hindernisse:

  •  Ich bin in meinen Alltag nicht gezwungen, Tamil zu sprechen, weil ich mit Englisch gut durchkomme.
  • Ich bin Bernerin. Ja, Berndeutsch ist wirklich langsam und gemütlich! Tamilisch kommt mir oft vor, wie das Rattern einer Nähmaschine auf höchster Geschwindigkeitsstufe. Da kommen meine Berner-Ohren gar nicht mit.
  • Das Hoch-Tamil, das ich lerne, unterscheidet sich vom lokalen Dialekt, der in Chennai gesprochen wird. In Chennai werden Wörter miteinander verschmolzen und ich verstehe dann nur noch Bahnhof.
  • Der Sprachklang ist total fremd. Manche Laute gibt es im Deutsch gar nicht. Wenn ich Hindi höre, tönt dies viel vertrauter.

Da ich hier selbst Deutschstunden gebe, sehe ich auch wie andere Schwierigkeiten haben und straucheln. Eine neue Sprache lernt sich nicht einfach von selbst. Man muss sich dafür schon anstrengen, Zeit investieren und lernen. Vor allem jedoch muss man die Sprache anwenden und sprechen, um sie verinnerlichen zu können. Wie schnell ist doch gesagt: „Die lebt schon seit 20 Jahren in Deutschland und spricht kaum Deutsch!“ Meistens stammen genau diese Aussagen von Menschen, die nur ihre eigene Muttersprache beherrschen. Ich halte mich mit solchen Verurteilungen wohlweislich zurück.

 

 

 

 

 

 

Gebratene Taro-Wurzeln

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Bei uns kommen regelmäßig verschiedene Knollengewächse auf den Tisch, die mir vor meiner Auswanderung nach Indien gänzlich unbekannt waren. Eine davon ist die Taro-Root oder auf Deutsch die Wasserbrotwurzel. Die Taro-Pflanze ist eine einheimische Pflanze aus Südostasien und Indien. In der Zwischenzeit wird sie jedoch in vielen tropischen Regionen der Welt angebaut.

Ich nenne die kleinen braunen Knollen auch Schleimkartoffeln, denn wenn man sie kocht, werden sie leicht schleimig. Meistens braten wir sie in der Pfanne, denn so schmecken sie uns am besten. Die Taro-Roots sind sehr gesund und gut für die Verdauung. Sie sind reich an Vitaminen A, C, E, B6 und Folsäure.

Hier unser Rezept für die gesunden Taro-Wurzeln:

Zutaten:

  • Taro-Wurzeln
  • Chilipulver-Mischung (Unsere Chilipulver-Mischung wird aus folgenden Zutaten gemahlen: 200 g rote Chilis, 100 g Toor-Dal frittiert, frittierte Korianderblätter, 400 g Koriandersamen und eine Handvoll Pfefferkörner)
  • Salz
  • Tamarinde
  • Senfsamen, Kumin und gesplitteter Urad-Dal

Zubereitung:

1. Die Tarowurzeln waschen und in genügend Wasser ca. 15 Minuten kochen.

2. Eine Marinade mit einer Chilipulver-Mischung, Salz und Tamarinde vorbereiten. Die Tamarinde in etwas Wasser einlegen, mit der Hand vermischen und danach das filtrierte Wasser dem Chilipulver und dem Salz beigeben.

Chili mit Salz

 

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Tamarinde 2

Marinade

3. Die abgekühlten Taro-Wurzeln schälen und in gleichgroße Stücke schneiden.

Taro schaelen

4. Die Knollen mit der Marinade mischen und kurz ziehenlassen.

Taro in Marinade

5. Etwas Öl in einer Bratpfanne erhitzen. ½ TL Senfsamen, ½ TL kleiner gesplitteter Urad-Dal und ½ TL Kumin dazugeben. Wenn die Senfsamen gesprungen sind, die Knollen mit der Marinade in die Pfanne geben und etwa 15-20 Minuten auf kleiner bis mittlerer Stufe anbraten.

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Einen guten Appetit!

Navalpazham – die gesunden Vitaminbomben

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Gestern habe ich Navalpazham gekauft. Die schwarzen Beeren werden auch als Jambul, Malabar-Plum, Black Plum, Neredu, Rajaman, Kala Jamun, Jamali oder Java-Plum genannt. Die Malabar Pflaume stammt ursprünglich aus Indien, breitete sich aber auch in anderen tropischen Regionen der Welt aus. So findet man sie heute in verschiedenen Ländern Südostasiens und Ostafrikas. Mein Mann mag sie sehr und es sind richtige Vitaminbomben. Ich kann nur etwa zwei oder drei davon essen. Von den süß-sauren Beeren bekommt man nämlich sofort eine pelzige Zunge und dieses Gefühl mag ich nicht. Mein Mann jedoch hat alle ratzeputz aufgegessen und ist vorerst mit Vitaminen versorgt.

Die ovalen Beeren, die etwas größer als Oliven sind, haben viele gesundheitliche Vorteile. Sie lindern Magenschmerzen und sind hilfreich bei Herzerkrankungen, Asthma, Diabetes und Arthritis. Die vielen freien Radikale und die Antioxidantien sollen auch vorbeugend gegen Krebserkrankungen wirken. Die schwarze Pflaume hilft den Blutzuckerspiegel zu normalisieren und wirkt blutreinigend. Aufgrund des niedrigen glykämischen Indexes ist sie für Diabetiker geeignet.

In der ayurvedischen Medizin kennt man die Pflanze schon sehr lange. Sowohl der Stein der Beere, wie auch die Rinde des Baumes werden zu Medikamenten verarbeitet.

Mit Sicherheit werde ich meinem Liebsten die Naval- Beere nun vermehrt anbieten. Auch mich haben die gesundheitlichen Vorteile überzeugt und so werde auch ich, trotz pelziger Zunge, nun mehr davon essen.

Der Goldesel-Effekt in Indien

Goldesel

Der Goldesel im Märchen „Tischlein deck dich“ hat mich immer besonders beeindruckt. Schnell „bricklebrit“ flüstern schon scheißt das Eselchen Goldtaler. Wer hätte nicht gerne so ein Grautier im Stall oder sogar im Haus? Und was könnte man nicht alles von diesem Gold kaufen?

Der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud setzte zu seinen Lebzeiten wahrscheinlich nie einen Fuß auf indischen Boden. Ansonsten hätte er wohl den Bricklebrit-Komplex oder den Goldesel-Effekt in seinen Schriften erwähnt.

Ich jedenfalls leide darunter! Und je älter ich werde, desto schlimmer wird es irgendwie. Überall wo ich hinkomme, meinen die Leute, dass ich Gold scheiße oder sogar unter goldiger Diarrhö leide. Komme ich daher, steigen die Preise rapide an, denn die weiße Maharani aus dem fernen Helvetien hat ja mehr als genug.

Natürlich hat es auch seine Vorteile, wenn man in den Genuss königlicher Verehrung kommt. Man wird bevorzugt und freundlicher behandelt. Auch werde ich überall wiedererkannt. In Indien kommt weiß definitiv vor braun. So werde ich manchmal in einer langen Warteschlange einfach durchgewunken oder der Manager kümmert sich höchstpersönlich um mich. Doch meine Wertvorstellungen legen sich bei solchen Sonderbehandlungen quer und mir sträuben sich die Nackenhaare. Warum soll ich schneller bedient werden? Das ist ungerecht und unfair. Das ist sogar rassistisch! Obwohl ich nicht gerne in der Schlange stehe, lehne ich inzwischen die Bevorzugungen dankend ab. Oft ernte ich erstaunte Blicke und manchmal sehen mich die Wartenden auch anerkennend an.

Auch weiße Touristen sind, wenn sie nicht grade wie Hippies rumlaufen, oft von dieser königlichen Aura umgeben. Nach der Indienreise schwärmen die meisten von der indischen Gastfreundlichkeit und Zuvorkommenheit, die sie erleben durften. Der Goldesel-Effekt lässt grüßen! Und da man so nett behandelt wird und der Service so ausgezeichnet ist, scheißt das ausländische, touristische Goldeselchen auch brav seine Goldmünzen in indischer Währung. Dass der nette, zuvorkommende Inder, die Angestellten unter ihm oft wie der letzte Dreck behandelt, bekommt der Gast selten mit.

Wie kann eine Nation, die jahrzehntelang von den Briten unterdrückt und ausgenommen wurde, die weiße Hautfarbe immer noch so bewundern?

Weiss vor braun, braun vor dunkelbraun und dunkelbraun vor schwarz. Wie krank ist dies denn?

Auch in der indischen Kosmetikindustrie lässt sich dies erkennen. “Fair and handsome” und “fair and lovely” sind hoch im Kurs. Hautcremes, Bodylotions und Deodorants, die dunkle Haut heller werden lassen, verkaufen sich wie warme Semmeln. Mit hellerer Haut hat man auch auf den Heiratsmarkt bessere Chancen. Bollywood zeigt es vor. Die großen Stars sind alle hellhäutig und die Bösewichte können oft nicht dunkel genug sein.

Obwohl in Indien das Kastensystem offiziell abgeschafft wurde, denken die Menschen immer noch in Kasten. Gut das Kästchen- oder Schubladen-Denken findet sich überall auf der Erde, aber in Indien ist es doch sehr ausgeprägt.

Wie war ich geschockt als ein mit uns befreundeter Brahmane, der sowohl in der USA und in England gelebt hat, meinem Mann gegenüber erwähnte, dass er eine private Krankenversicherung abgeschlossen hätte. Schon die Vorstellung mit Menschen aus unteren Kasten das Zimmer zu teilen, würde ihn ekeln. Ich konnte fast meinen Ohren nicht trauen, hatte ich diesen Mann doch weltoffen, aufgeschlossen, gebildet und durchaus sympathisch erlebt.

So denken insgeheim eben doch viele Inder und Inderinnen. Menschen aus unteren Kasten werden oft immer noch abgewertet und teilweise wie Abschaum behandelt. Auch werden Ehen in den gleichen Kasten arrangiert.

Ich will mich nicht beklagen. Mein Mann hat in der Schweiz lebend, meistens andere Blicke kassiert. Missmutige, unfreundliche und verächtliche Blicke. „Was tust du hier, du Ausländer“ – Blicke. Erst wenn er in seinem hervorragenden Deutsch gesprochen hat, bekam er Anerkennung und Respekt.

Da bin ich mit dem Goldesel-Effekt doch gesegnet!

Bettler in Indien – wie gehe ich damit um?

„Amma, Money please“, spricht mich die alte Frau mit den verfilzten Haaren am Strand an und führt ihre rechte Hand zum Mund, um anzudeuten, dass sie hungrig ist.

An der roten Ampel klopft eine junge Mutter, in Lumpen gehüllt und einem süßen Baby auf dem Arm, an die Autoscheibe und faltet bittend die Hände.

Vor einem Restaurant fragen mich zwei Frauen in bunten Saris um Geld. Irritiert schaue ich genauer hin und merke, dass es Transsexuelle sind, die in Indien oft Hijra genannt werden.

Mit bunten Stickerheften in den kleinen Händen schaut mich ein 6-jähriger Junge mit traurigen großen Augen an. „Aunty, please buy!“

Nachdem ich den Tempel verlasse habe, fixieren mich viele Bettler mit erwartungsvollen Blicken. In langen Reihen sitzen sie da und jeder streckt mir bittend die Hände entgegen.

Ich bin in einer Autoriksha unterwegs und ein junger Mann ohne Beine schiebt sich auf einem kleinen Rollbrett auf mich zu.

Jemand zupft an meiner Kurta. Ein etwa 9-jähriges Mädchen in einem schäbigen Kleid mit einem Kleinkind auf dem Arm streckt mir bittend und aufdringlich die offene Hand hin.

Vor dem Tempel in Tiruvannamalai fragen mich zwei Sadhus, Bettelmönche um Geld.

Wie soll man da reagieren? Soll man etwas geben oder einfach ignorieren und weitergehen?

Reist man durch Indien, wird man immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. Man weiß, dass es in Indien große Armut und Bettler gibt. Die meisten Reisenden haben sich auf dieses Land vorbereitet und im Reiseführer darüber gelesen. Doch wenn die Bettler dann wirklich vor einem stehen und mit traurigen Augen um Geld bitten, ist es eben ganz anderes. Man ist persönlich betroffen, man ist gezwungen zu reagieren, man ist plötzlich, ohne es zu wollen, irgendwie in die Armut involviert. Der berühmte Kulturschock, der in jedem Reiseführer erwähnt wird, überrollt viele und lässt erst mal hilflos erstarren.

Ich lebe nun seit über zehn Jahren in diesem Land und muss gestehen, dass ich immer noch Mühe habe, solche Bilder zu ertragen. Doch in den Jahren musste ich gezwungenermaßen lernen, damit umzugehen.

Betteln ist in Indien ein grosses Geschäft. Oft werden Menschen, vor allem Kinder dazu gezwungen. Skrupellose Mafiosi ziehen im Hintergrund oftmals die Fäden und verdienen damit viel Geld. Für gute Standplätze an Ampeln müssen Bettler häufig Gebühren abliefern und viele sind den grausamen Halunken hilflos ausgeliefert.

Es gibt so viele schreckliche Geschichten! Babys, die mit Alkohol schläfrig gemacht und vermietet werden, damit am Ende des Tages mehr Umsatz generiert wird. Kinder, die absichtlich verstümmelt werden, um mehr Mitleid zu erregen. Betrüger, die den Unterschenkel an den Oberschenkel binden, damit es aussieht, als ob sie amputiert wären. Es gibt nichts, was es in diesem Land nicht gibt.

Ich kann hier kein Rezept liefern, wie man mit solchen Situationen umgehen soll. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, wie ich dies handhabe.

Bettelnde Kinder oder Kinder, die etwas verkaufen

Natürlich berührt der Anblick von bettelnden und armen Kindern besonders. Doch hier bleibe ich ganz klar und entschlossen. Kinder bekommen von mir nie Geld und ich kaufe auch nie einem Kind etwas ab. Ich bin gegen Kinderarbeit und will dies nicht annähernd unterstützen. Viele Touristen geben als Alternative manchmal Kugelschreiber, kleine Spielsachen oder Süßigkeiten. Ich halte davon ehrlich gesagt nichts. Die Kinder haben außer Karies meistens nichts davon. Da spendet man lieber einer vertrauenswürdigen Organisation vor Ort etwas. Als unser Sohn noch klein war und ich immer etwas zu essen bei mir hatte, gab ich manchmal Biskuits oder Früchte. Doch aufgepasst! Kauft ihr ein Päckchen Biskuits oder Snacks, solltet ihr die Packung immer öffnen, ansonsten bringen es die schlauen Kinder umgehend wieder in den Laden zurück. Dabei werden sie meistens noch um die Hälfte des Preises geprellt. Das Gleiche gilt auch bei Kleidung. Eine Touristin, die ich getroffen habe, meinte es besonders gut und kaufte einem Mädchen ein neues Kleid. Als sie eine halbe Stunde später wieder vorbeiging, trug es wieder seine alten Klamotten, und das Kleid hing wieder im Laden.

Alte und behinderte Menschen

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Diese entzückende Bettlerin, hat für mich sogar posiert.

Ist man in Indien im Alter alleine, dann ist das Leben sehr schwer und hart. Als Altersvorsorge gelten hier immer noch die Kinder, d. h. vor allem die Söhne. Sie haben die Pflicht zu den Eltern zu schauen und sie zu versorgen.

Auch für verwitwete Frauen ist es schwierig, ohne Ehemann verlieren die Frauen oft an Wert und Respekt. Manche werden von den Familien verstoßen und müssen selber schauen, wie sie über die Runden kommen.

Körperlich und geistig behinderte Menschen haben in Indien kaum Chancen. Geistig behinderte Menschen sieht man im Alltag kaum, die werden lieber zu Hause versteckt oder in Heime abgeschoben, da es für die Eltern eine große Schande ist, Möglichkeiten einer Arbeit nachzukommen, gibt es kaum.

Wenn ich Kleingeld bei mir habe, dann gebe ich alten oder behinderten Menschen einen 5er oder einen 10er. Warten sie in Gruppen, beispielsweise bei einem Tempel und ich habe nicht genügend Kleingeld, dann gebe ich gut ersichtlich, sodass alle es sehen können, einen größeren Schein an einen Bettler mit der Bitte diesen zu teilen.

Hijras, Transsexuelle

Hijras werden von ihren Familien meistens verstoßen. Sie leben in organisierten Gruppen mit Ihresgleichen zusammen. Geld verdienen sie mit Prostitution und da die Menschen Angst von ihren Flüchen haben, mit Betteln. Oft gehen sie zu Restaurants oder Geschäften. Wenn die Verantwortlichen nichts geben, werden sie ganz schön ungehobelt und beginnen mit ihren Verfluchungen. Im Norden erscheinen sie auch ungebeten zu Hochzeiten. Wenn die Hijras mit ihren Verwünschungen beginnen, kann dies sehr angsteinflößend wirken. Mein Mann hat schon einige solche Situationen entschärft. Durch ihn sind mir die Hijras ans Herz gewachsen. Viele Male haben sie unseren Sohn gesegnet, denn dies soll Glück bringen. Für Hijras öffne ich mein Portemonnaie immer und gebe je nach Größe der Gruppe einen 50er oder sogar einen 100er, sodass jeder rund einen 10er bekommt.

Mütter mit Babys und jüngere Menschen

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Bettler am Straßenrand in Chennai

Da ich davon ausgehe, dass jüngere Menschen durchaus einer Arbeit nachgehen könnten, unterstütze ich diese Bettler nie. Auch Müttern mit Babys, auch wenn das Kleine noch so süß ist, gebe ich in der Regel nichts, mit Sicherheit kein Geld. Als ich neulich grade aus dem Laden trat und angebettelt wurde, gab ich dem Kleinen eine Banane. Doch die Mutter und auch das Kind waren nicht sonderlich erfreut darüber.

Sadhus, Bettelmönche

Mit den Sadhus ist das so eine Sache. Meistens bin ich ihnen wohlgesonnen und früher habe ich meinen 10er gerne auch mit einem Foto verbunden. Dafür haben die Bettelmönche immer gerne posiert. In Rishikesh jedoch gingen sie mir dermaßen auf die Nerven, dass ich gar nichts mehr gegeben habe.

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Zwei Sadhu-Mönche in Tiruvannamalai

 

Mit weisser Hautfarbe steht man bei Bettlern hoch im Kurs. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass Weiße besonders spendierfreudig sind und oft auch größere Batzen austeilen. Ein 5er oder ein 10er sind genug, mehr sollte man nicht geben. Habe ich kein Kleingeld dabei, ist die Situation klar: Es gibt nichts! Auch aufdringliche Bettler gehen leer aus. Wer mir zu nahe kommt oder sogar an meinen Kleidern zupft, bekommt NICHTS.

Bettler spüren die Verunsicherung, die sie bei uns auslösen, es steht in unseren Gesichtern geschrieben. Viele sind aus diesem Grund auch sehr hartnäckig, aufdringlich, sodass man sie kaum wieder loswird. Wenn man sich für ein Nein entschieden hat, sollte man unbedingt an diesem festhalten, auch wenn es sehr mühsam ist. Gibt man Bettlern nach langem Nein-Sagen, dann doch etwas, lernen sie nur das eine: Wenn ich lange genug dranbleibe, erreiche ich mein Ziel. So sind die Touristen eigentlich mitverantwortlich an dem oft unangenehmen, aufdringlichen Gebaren der Bettler, das immer mehr überhandnimmt.

So habe ich zum Schluss nur noch einen Tipp:

Habt Mut eure Haltung mit einem forschen NO durchzusetzen und bitte bleibt dabei.

 

 

 

Nungu – die Frucht der Palmyra-Palme

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Es ist Nungu-Saison! Am Straßenrand werden die aubergine-farbigen, kugeligen Früchte der Palmyra-Palme wieder feilgeboten, die in Tamil Nungu genannt werden. Natürlich müssen wir auf dem Weg nach Pondicherry an einem Stand anhalten, denn die Nungu oder der Ice-Apple, wie die Engländer sagten, ist die ideale Erfrischung in der hochsommerlichen, subtropischen Hitze. Die nette Frau am Stand hat mit der Sichel bereits einige Früchte aufgeschlagen und die essbaren Nungu liegen in einem zugedeckten Topf bereit zum Verkauf. Doch erst muss man sich die gelartige Frucht verdienen und die hellbraune Haut, die sie eng umschließt, sorgfältig entfernen. Das ist von Hand gar nicht so einfach. Hat man dann die glitschige, durchsichtige Frucht endlich befreit, muss man sich erst etwas an die ungewöhnliche Konsistenz gewöhnen. Irgendwie erinnern sie mich immer an Silikon-Implantate. Wobei ich hier erwähnen möchte, dass ich diesbezüglich nur über bildliches Wissen verfüge!

Nungu Verkaeuferin

Nungu, Ice Apple 2

Der Geschmack ist süßlich, wässerig und sehr erfrischend. Für drei Stücke bezahlten wir 10 Rupees, rund 13 Cents. Die Nungu ist voller gesunder Sachen. Sie kühlt den Körper und enthält viel Vitamine und Mineralstoffe. Auch wirkt sie sehr entzündungshemmend und wird erfolgreich bei Haut-, Leber- und Tumorerkrankungen eingesetzt. Bei den momentanen Temperaturen, die nun bei 40 Grad und darüber liegen, ist der Ice Apple der ideale Snack für zwischendurch. Ich werde mir diesen Sommer mit Sicherheit noch mehr Nungu einverleiben.

Nungu geschaelt
Mit dem Messer geht das Schälen bedeutend einfacher.