Schnelle Rangoli

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Hier geht es nicht um Ravioli und auch nicht ums Essen, sondern im weitesten Sinne um indisches Brauchtum, indische Kultur. Für diejenigen, die bisher nur die berühmten italienischen Teigtaschen kannten, erkläre ich gerne nochmals, was Rangoli überhaupt sind.

Rangoli oder auch Kolams sind Muster, die indische Frauen jeweils am Morgen und am späten Nachmittag mit weissem Kalk- oder Reispulver vor den Eingang malen, d. h. streuen. Die Muster sollen Besucher willkommen heißen und das Böse abwenden. Zuerst wird der Boden mit Wasser gereinigt und gewischt. Danach werden die Dots, die Punkte, die sich je nach Kolam, Rangoli unterschiedlich anordnen, in gleichmäßigen Abständen ausgelegt. Das Pulver wird zwischen Daumen und Fingern gehalten und gestreut.

Während beim Rangoli die Punkte verbunden werden und so Flächen entstehen, werden bei den südindischen Kolams die Punkte umwoben, Sodass letztlich kein Punkt mehr frei stehen bleibt.

Viele Inderinnen sind darin sehr geschickt und streuen die Muster auswendig und fehlerlos. Einfach wunderschön! An Festtagen werden die Rangoli bedeutend aufwendiger und es werden teilweise auch farbige Pulver eingesetzt.

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Farbiges Rangoli an einem Festtag
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Südindischen Kolam aus Tamil Nadu am Lichterfest Deepam

Was der McDonald’s im Fast-Food-Bereich, das sind diese praktischen Siebe, wenn es um schnelle Rangoli geht. Hat die indische Hausfrau nicht viel Zeit und möchte ihren Pooja-Room (Raum um zu beten und die Götter zu preisen) oder den Eingangsbereich mit Rangoli verzieren, dann sind diese Rangoli-Siebe perfekt.

Siebe für Rangoli
Das Sieb wird hingelegt, etwas Rangoli-Pulver darauf gestreut, gleichmäßig auf dem Sieb verteilt und sorgfältig aufgehoben.

Rangoli sieb

Rangoli Sieb 1

So einfach kann es gehen und das Resultat lässt sich durchaus sehen.

Rangoli Muster mit Sieb

Trinkgelder in Indien – die Rupie rollt

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie unüberlegt und unwissend manche Touristen im Indienurlaub mit Trinkgeldern umgehen. Die einen scheinen mit Spendierhosen ausgerüstet zu sein und geben Trinkgelder, die teilweise einem ganzen Tagesverdienst entsprechen und andere zeigen sich so knausrig, dass es schon fast peinlich wird. Ich gönne jedem ein gutes Trinkgeld, denn die Löhne im Bereich der Dienstleistungen sind in Indien wirklich erschreckend niedrig. Auch wenn einem der eine Euro hier und da nicht wehtut, sollte man trotzdem bedenken, wie es ankommt, wenn man für kleine Dienstleistungen viel zu hohe Tips gibt. Da werden Erwartungshaltungen aufgebaut, die nicht jeder Reisende erfüllen kann oder will. Zukünftige Touristen werden es euch danken, wenn ihr versucht, einen guten Mittelweg zu finden.

Eine weiße Haut zu haben, bedeutet für die meisten Inderinnen und Inder, dass man mit Wohlstand und Geld gesegnet ist. Im Vergleich zu einem großen Teil der Bevölkerung Indiens trifft dies natürlich auch zu.

Gerne teile ich mit euch einige aktuelle Gehälter, die hier in Chennai ungefähr bezahlt werden.

  • Kellner in einem einfachen Restaurant: 4000-6000 INR pro Monat (rund 51-77 Euro)
  • Gelernter Kellner in einem 5 Sternhotel: 18‘000-20‘000 INR pro Monat (rund 230-255 Euro)
  • Sous Chef in einem 5 Sternhotel: 30‘000 INR pro Monat ( rund 383 Euro)
  • Ungelernter Arbeiter auf dem Bau: pro Tag 500 INR bei acht Stunden Arbeit. (rund 6.40 Euro)
  • Krankenschwester: 15‘000 – 25‘000 INR Rupees pro Monat (rund 191 -318 Euro)
  • Putzfrau: tägliches Putzen einer 4-Zimmerwohnung hier in unserem Wohnquartier in Chennai 2500 INR pro Monat bei einem zeitlichen Aufwand von ungefähr 2-3 Stunden. (rund 32 Euro)
  • Privater Chauffeur Vollzeit : 12‘000 bis 15‘000 INR pro Monat. (rund 153-191 Euro)

Trinkgeld ist immer Ausdruck der Kundenzufriedenheit. Ist man unzufrieden mit einer Dienstleistung, dann sollte man auch keine Tips geben.

Die Schwierigkeit in Indien ist, dass man ständig einen Mangel an kleineren Scheinen hat. Besonders auf Reisen werden die 5er, 10er und 20er wichtig. Daher sollte man die großen Scheine, die man beim Automaten rausgelassen hat, möglichst schnell loswerden, sodass man immer etwas Kleingeld hat. Oft wird man beim Bezahlen gefragt, ob man es kleiner hat, denn auch hier ist Wechselgeld oft rar. Wenn ich knapp an kleinen Scheinen bin, verneine ich dies und nehme es in Kauf etwas länger auf mein Wechselgeld zu warten. Man sollte darauf achten, dass die Geldscheine nicht beschädigt sind, denn diese bringt man nicht mehr los. Man könnte sie bei der Bank eintauschen, aber der administrative und zeitliche Aufwand lohnt sich in der Regel nicht.

Ich merke mir immer ungefähr was für Kleingeld ich in meinem Portemonnaie habe. Öffnet man seine Geldbörse, um einem alten Bettler einen 5er oder 10er zu geben, sollte man schließlich auch wissen, ob man überhaupt noch einen dabei hat.

Wenn der Service gut war, dann sollte man im Restaurant rund 10 Prozent geben. Manche Restaurants berechnen die Service Charge mit 10 Prozent selbst, obwohl dies eigentlich nicht zugelassen wäre und die Angestellten wohl nichts davon sehen. Sind die Service Charge auf der Rechnung aufgelistet, dann sollte man kein Trinkgeld mehr bezahlen. Bitte nicht verwechseln mit der SGST, der State Goods and Service Tax, die mit 2.5 % als Teil der Mehrwertsteuer immer verrechnet wird.

Quittung

Wenn man edel und teuer speist, kann man ruhig auf 5-7 % runter gehen oder, wenn der Service ausgezeichnet war, an den 10 Prozent festhalten.

Im Hotel sollte man an der Rezeption immer darauf achten oder nachfragen, ob es eine Tip-Box gibt. Hier kann man am Abreisetag einen größeren Betrag einwerfen, der dann hoffentlich allen Angestellten zu Gute kommt. Auch hier würde ich, je nach Zufriedenheit 5-10 Prozent der Gesamtrechnung übergeben. Will man einzelne Angestellte, die besonders nett und zuvorkommend waren, mit einem Trinkgeld beglücken, mache ich dies in der Regel am Abreisetag mit einem etwas höheren Betrag. Hier rechne ich pro Tag, je nach Hotel, zwischen 20-50 Rupees. Je teuerer das Hotel, desto höher sollten auch die Tips ausfallen. Erfüllen Angestellte extra Botengänge, die nicht zur üblichen Arbeit gehören, sollte man diese immer mit einem Trinkgeld belohnen. Besorgt mir ein Angestellter beispielsweise eine Flasche Bier im Ort, dann würde ich ihm 50-100 Rupees zustecken.

Einem Kofferträger gebe ich in der Regel einen 10er oder 20er. An Bahnhöfen können Kofferträger ganz schön aufdringlich werden und das Gepäck einfach unaufgefordert an sich reißen. Ich mag das gar nicht und trage es dann lieber selbst oder suche mir jemanden aus. Auch hier bewährt es sich als weisser Tourist den Preis vorher auszumachen, ansonsten muss man am Ende lange Preisverhandlungen führen.

Ist man mit einem Taxi oder einer Riksha unterwegs, werden keine Trinkgelder erwartet. Beim Bezahlen rundet man meistens auf, da die Fahrer oft kein Wechselgeld haben.

Wenn man für längere Zeit mit einem eigenen Fahrer reist, dann erwartet er am letzten Reisetag ein Trinkgeld. Auch hier sollte der Tip nach Zufriedenheit ausfallen. Ich würde je nach Größe der Gruppe 300-600 Rupees pro Tag geben.

Für einen Touristenführer sollte man je nach Zufriedenheit und Qualität rund 100 – 200 Rupees Trinkgeld einrechnen. Bei einer Gruppentour 50 – 100 Rupees pro Person. Ist es eine absolut professionelle und auch auf individuelle Bedürfnisse eingehende Führung, die vom Guide hohe Kompetenzen und Fachkenntnisse verlangt, dann kann das Trinkgeld von 300-1000 Rupees gehen.

Sind wir mit dem Auto unterwegs und essen auswärts, dann bekommt der Parkeinweiser immer einen 10er oder 20er. Auch netten Klofrauen gebe ich oft einen 10er oder lasse einige Münzen da.

Natürlich darf man sich als Tourist auch mal erlauben, für besonders guten Service etwas großzügiger zu sein. Viele Angestellte sind wirklich auf die Zusatzverdienste von Tips angewiesen. Dabei bitte die indischen Gehälter und Lebenskosten nicht ganz vergessen!

Narendra Modi – der große Sieger der indischen Parlamentswahlen

Narendra Modi

Der gigantische Sieg der hindu-nationalistischen Partei BJP (Bharatiya Janata Party) ist vor allem auf den gut organisierten Wahlkampf und das Charisma des Premierministers Narendra Modi zurückzuführen. In den Medien war er in der Rolle des Landesvaters stets präsent, sprach die wichtigen Themen an und setzte auch die sozialen Medien geschickt ein und holte sich so viele junge Wählerstimmen. Auch die Terroranschläge in Kashmir halfen ihm bei der Wiederwahl. Konnte er doch mit harter Hand zeigen, dass sich Indien von Pakistan nichts bieten lässt und ihm die nationale Sicherheit am Herzen liegt. Dass er die Wahrheit, wie wir es von Donald Trump bestens kennen, manchmal etwas zurechtbog, machte er mit seiner guten Rhetorik wett.

Obwohl ich kein Hindi verstehe, muss ich Modi eines zugestehen: Er hat eine Ausstrahlung, kann gut sprechen und ist scheinbar immer und ständig am Arbeiten.

Die Oppositionsparteien, allen voran die traditionell-historische Congress-Partei, konnten Modi kaum etwas entgegensetzen. Der goldene Glanz, der die Politiker-Familie Nehru-Gandhi für lange Zeit umgab, blättert immer mehr ab. Rahul und Priyanka Gandhi, die Urenkel Nehrus, konnten nicht annähernd überzeugen und verloren in vielen Bundesstaaten alle Sitze.

Ich bin über den Ausgang der Wahl nicht grade erfreut. Ich mag das nationalistische Gehabe Modis überhaupt nicht und seine politische Gesinnung noch weniger. Die religiösen Minderheiten, vor allem die Muslime, fühlen sich durch seine Politik immer mehr bedroht. Sein politischer Hintergrund in der radikalen Hindu-Bewegung RSS und die gewalttätigen Vorfälle in Gujarat, die er als Chiefminister mitzuverantworten hatte, machen ihn für mich nicht grade zum Sympathieträger.

2002 kam es in Gujarat zu schlimmsten Gewaltausschreitungen. Nach einem Anschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern eskalierte die Situation zwischen Hindus und Moslems. Muslimische Quartiere wurden überfallen und in Brand gesetzt. Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder. Zahlreiche muslimische Frauen wurden vergewaltigt und verstümmelt. Nach offiziellen Schätzungen kamen bei den Ausschreitungen 254 Hindus und 750 Muslime ums Leben. Unabhängige Organisationen schätzten jedoch die Verluste auf der muslimischen Seite viel höher ein und sprachen von 2000 Toten. Etwa 150‘000 Muslime wurden in Flüchtlingslager getrieben. Menschenrechtsorganisationen warfen Modis Regierung vor, nicht genügend gegen die Gewalt unternommen zu haben. 2005 wurde ihm sogar die Einreise in die USA wegen schweren Verletzungen gegen die Religionsfreiheit verwehrt.

Doch diese Vorfälle hinderten Modi nicht an weiteren politischen Erfolgen – im Gegenteil! 2012 wurde er vom höchsten Gericht wegen Mangel belastender Beweise freigesprochen und 2014 mit einem fulminanten Resultat zum Premierminister Indiens gewählt.

Seine wirtschaftsfreundliche Politik bringt ihm viel Unterstützung von reichen Unternehmern.

2014 hat er viel versprochen, aber wenig gehalten. Seine Versprechungen, viele neue Arbeitsplätze zu schaffen und auch die ökologischen Reformen, die er umsetzen wollte, blieben bisher weitgehend aus. Die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch.

Welche Probleme sollte Modi nun angehen?

Er sollte die Wirtschaft in Schwung bringen und viele neue Arbeitsplätze schaffen. Jeden Monat kommen rund eine Million neue Arbeitskräfte auf den Markt.

Die rasante Verarmung der Bauern ist ein riesiges Problem. Hier braucht es dringend und schnell neue Lösungen.

Meiner Meinung nach sollte Modi auch versuchen die sozialen Gräben in der Gesellschaft zu überbrücken. Die Spannungen zwischen den Religionen nehmen zu und die religiösen Minderheiten fühlen sich zunehmend bedroht. Doch dieser Punkt wird kaum auf seiner Prioritätenliste stehen.

Pad Man – Tabuthema Menstruation in Indien

Film Pad Man

Endlich habe ich mir den Bollywood-Film Pad Man angeschaut. Der Film widmet sich dem Thema Menstruation in Indien. Ein trauriges Kapitel, denn in Indien ist die Monatsblutung mit viel Aberglauben, Scham und uralten Traditionen verknüpft. So gilt eine Frau während ihrer Tage als unrein. Ein Besuch im Tempel ist undenkbar und viele Frauen, vor allem auf dem Land, dürfen während ihrer Tage nicht einmal das Haus, geschweige denn die Küche betreten.

Eine andere erschreckende Tatsache ist, dass nur 18 Prozent der indischen Frauen Zugang zu sicheren Hygieneartikel während ihrer Menstruation haben. Viele helfen sich mit alten Lappen, Zeitungspapier, trockenen Blättern und Asche.

Dadurch erkrankten jährlich viele Frauen an Infektionskrankheiten und werden teilweise sogar unfruchtbar. Viele junge Mädchen bekommen ihre erste Menstruation völlig unvorbereitet und haben keine Ahnung, was mit ihrem Körper geschieht. Die Aufklärung, wenn sie in der Schule überhaupt unterrichtet wird, ist laut Lehrplan im zehnten Schuljahr geplant. Die meisten Mädchen bekommen ihre Menstruation aber viel früher.

Der Film Pad Man beruht auf einer wahren Begebenheit, die jedoch bollywoodmäßig noch etwas dramatisiert und mit Tänzen farbig aufgefrischt wird. Die Geschichte des Tamilen Arunachalam Muruganatham aus Coimbatore wird im Film aufgenommen. Sie erzählt von einem Mann, der seine Frau liebt, sich sorgt und etwas verändern will.

Als er die schmutzigen, alten Lappen sieht, die seine Frau während ihrer Tage verwendet, kauft er ihr in der Apotheke ein Päckchen Binden. Seine Frau freut sich erst darüber, aber als sie den hohen Preis sieht, schickt sie ihn umgehend zur Apotheke zurück. Die Familie kann sich diese teueren Hygieneprodukte nicht leisten.

Doch er gibt nicht auf, untersucht die Binden und stellt fest, dass die Materialkosten einen kleinen Bruchteil des Verkaufspreises ausmachen. So beginnt er mit Watte und Gazestoff selbst Binden herzustellen. Nach langem Überreden lässt sich seine Frau darauf ein, diese zu testen. Die ersten Versuche scheitern kläglich und seine Frau bittet ihn eindringlich aufzuhören und sich aus diesem mit grosser Scham verbundenen Frauenthema endlich rauszuhalten.

Doch Lakshmikant, wie der Held im Film heißt, gibt nicht auf und bleibt hartnäckig daran eine Binde zu entwickeln, die auch für arme Frauen bezahlbar ist. Er experimentiert selbst mit Ziegenblut und zunehmend wird er aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und als verrückt erklärt. Die Scham ist so groß, dass seine Ehefrau und seine Mutter ihn schließlich verlassen.

In jahrelanger Entwicklungsarbeit hat er mit Cellulose endlich Erfolg, und er entwickelt einfache und preisgünstige Maschinen zur Herstellung von Binden. An einem Innovationswettbewerb in Delhi gewinnt er den Preis „Life-changing Innovation of the Year“ und gewinnt ein Preisgeld von 200‘000 Rupees.

Unser Held sucht jedoch mit seiner Erfindung nicht das große Geld, das er jetzt verdienen könnte. Nein, er bleibt seinen ursprünglichen Idealen treu. Sein Ziel ist es, Binden für unterprivilegierte Frauen preiswert und erschwinglich herzustellen. Mit seinen Maschinen zieht er von Dorf zu Dorf und verkauft seine Binden für nur 2 Rupees an die Frauen. Mit der Zeit entstehen Frauengemeinschaften, die mit Mikrokrediten den Verkauf und die Herstellung der Binden übernehmen. So kann er immer mehr Maschinen bauen und seine Idee fasst in vielen Dörfern in ganz Indien Fuss.

Pad Man wird langsam berühmt. Er wird sogar von der UNICEF nach New York eingeladen, um dort eine Rede zu halten. Durch seinen Erfolg kommt er auch mit seiner Ehefrau wieder ins Reine.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich bewerte ihn mit 8 von 10 Punkten.

Pad Man
Der richtige Pad Man! Arunachalam Muruganantham mit dem Schauspieler Akshay Kumar

Hier noch ein Video mit dem wahren Pad Man. Arunachalam Muruganatham hat mich in diesem Video sehr berührt. Absolut sehenswert!

Mehr zu diesem Thema findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/05/11/pubertaetszeremonie-in-tamil-nadu/

 

Snake Gourd – Schlangengurken-Gemüse

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Die Schlangengurke oder Chinesische Gurke ist ein subtropisches Gemüse, das aus der indischen Küche nicht wegzudenken ist. Das lange, schmale, schlangenähnliche Gemüse kann bis zu zwei Meter lang werden.

Das Gemüse ist sehr gesund und hilft bei verschiedenen Problemen. Diabetiker sollten das Gemüse regelmässig im Speiseplan integrieren, denn es hilft den Blutzucker zu regulieren. Ebenfalls hilft die Snake Gourd bei Fiebererkrankungen und wirkt fiebersenkend. Das Extrakt hilft auch die Blutzirkulation zu verbessern und kann so Herzproblemen vorbeugen.

Snake Gourd wird bei uns zu Hause regelmässig gekocht. Hier unser Rezept:

Zutaten: Snake Gourd Gemüse, Zwiebeln, grüne Chili, Ingwer, Salz, Kurkuma (Gelbwurz), Senfsamen, gesplitterter Urad-Dal, Kumin (Schwarzkümmel), geröstetes Gram-Dal Pulver, Curryblätter, frischer Koriander

1. Die Snake Gourd in sehr dünne Scheiben schneiden.

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2. Die geschnittenen Snake Gourds in einer Pfanne mit wenig Öl andünsten, Salz, Gelbwurz und Curryblätter beigeben und auf kleiner Stufe etwas köcheln lassen. Danach das Gemüse zur Seite stellen.

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3. Etwas Öl in der Pfanne erhitzen. Senfsamen, Kumin (Schwarzkümmel) und gesplitteter Urad-Dal fritieren bis die Senfsamen springen.

4. Ingwer, Chili und Zwiebeln beigeben und gut andünsten bis die Zwiebeln glasig werden.

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5. Das Snake Gourd- Gemüse beigeben, gut mit den Zwiebeln vermischen und auf kleiner Stufe etwas köcheln lassen. (Kein Wasser zugeben)

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6. Frischgeschnittener Koriander und eine Handvoll geröstetes Gram-Dal-Pulver dazugeben, mischen und servieren.

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Einen guten Appetit!

 

Pubertätszeremonie in Tamil Nadu

Pubertätszeremonie

Am Sonntag in der Früh bekam Prabhu einen Telefonanruf. Sein Freund berichtete stolz und aufgeregt, dass seine Tochter nun groß geworden sei.

Bekommt ein Mädchen in Tamil Nadu seine erste Menstruation, ist dies ein Grund zum Feiern. So wurde auch ich zum Fest eingeladen, das vor allem von Frauen besucht wird. Eigentlich hatte ich keine Lust hinzugehen, aber da ich bereits eine Hochzeit der Familie nicht wahrgenommen hatte, fühlte ich mich doch verpflichtet, einen Kurzbesuch zu machen.

An Manjal Neerattu Vizha, dem Pubertätsfest, werden die Mädchen reich beschenkt und je nach Familie werden verschiedene Rituale durchgeführt.

Manche Familien feiern es ganz privat nur im engsten Familien- und Freundeskreis und andere im großen Stil mit vielen Gästen und gebuchter Wedding Hall.

Wie eine Prinzessin sah Gayathri in ihrem Halbsari aus. Am Boden ausgebreitet die vielen Geschenke. Schmuck, viele neue Kleider, Schuhe, Kosmetika, Früchte, … auch der erste richtige Sari lag sorgfältig verpackt dabei.

Ich legte mein Geschenk, eine Uhr und ein Parfüm, dazu und wartete ab. Langsam begann die Zeremonie. Gayathri wurde mit Blumen geschmückt und nahm auf einem kleinen Schemel Platz. Vor ihr die Öllichter, Gelbwurzpaste, Kumkumpulver (rotes Pulver), Rosenwasser, Blütenblätter, Reiskörner und eine Schüssel mit Kumkumwasser.

Es erinnerte mich sehr an das Fest, das vor der Hochzeit meiner Nichte stattgefunden hatte.

Die ersten Geschenke der nahen Verwandten wurden überreicht und ich versuchte genau zu beobachten und mir einzuprägen, wie die Frauen das Mädchen segneten.

– Zuerst die beiden Öllichter und danach Gayathri mit einem Punkt Kumkumpulver schmücken.

– Etwas Gelbwurzpaste auf beide Wangen und beide Hände des Mädchens gegeben.

– Rosenwasser über das Mädchen spritzen.

– Blüten mit Reis über das Mädchen streuen.

– Den Teller mit dem Kumkumwasser vor dem Mädchen schwenken und nochmals einen Punkt auf die Stirn geben. (Scheinbar ist dies ein Ritual, das vor den bösen Blicken schützen soll. Nach der Zeremonie schüttet man das restliche Kumkumwasser vor der Haustüre aus.)

Die nahen Verwandten beschenkten Gayathri mit Goldschmuck, den sie auch sofort anziehen durfte. Das Pubertätsfest ist auch ein Beitrag zur Mitgift, die eine Familie für ihre Tochter bei der Hochzeit aufbringen muss.

Als ich als Letzte an die Reihe kam, wusste ich recht genau, was ich tun musste. Ich segnete Gayathri und übergab mein Geschenk.

Das Mädchen strahlte glücklich. Sie schien es zu genießen, im Mittelpunkt zu stehen und so viele Geschenke zu erhalten.

Wie groß sind doch da die kulturellen Unterschiede! Mir wäre dies als junges Mädchen äusserst peinlich gewesen. Das gesamte Umfeld wissen zu lassen, dass ich meine Tage bekommen habe? Nein, das hätte ich mir wirklich nicht gewünscht.

Aus heutiger Sicht finde ich diesen Brauch jedoch sehr schön. Warum diese bedeutsamen Übergänge nicht feiern? Es ist doch etwas Schönes, wenn ein Mädchen zur Frau wird, wenn ein neuer Abschnitt beginnt.

Mehr zum Thema Menstruation findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/05/18/pad-man-tabuthema-menstruation-in-indien/

Schlechte Laune zum Endgame

Endgame

Endlich gelang es mir, zwei gute Sitzplätze zu ergattern. Das war gar nicht so einfach, da immer schon alles voll ausgebucht war. Es schien mir, dass ganz Chennai diesen Film sehen will. Letzten Dienstag war es dann so weit. Für Suriyan und mich hatte ich zwei Tickets IMAX 3D in den oberen Reihen mittig gebucht.

Rund 10 Minuten vor dem Filmstart sassen wir auf unseren Plätzen und standen auch brav für die Nationalhymne auf. Der Film startete pünktlich um 15:20. Indischer Kino ohne Indian stretchable time! Doch den Leuten schien dies nicht bewusst zu sein. Immer wieder suchten verspätete Zuschauer in einer Selbstverständlichkeit mit ihren Handy-Taschenlampen ihre Plätze und drängten sich zu ihren Sitzen durch.

Normalerweise bin ich diesbezüglich relativ relaxt, dies ist in Indien absolut normal. Letzten Dienstag nervte es mich jedoch dermaßen, dass ich alle Verspäteten am liebsten rausgeschmissen hätte.

Im Kinosaal sassen auffallend viele junge Männer, die ihre Semesterferien genossen. Immer wenn ein neuer Superstar die Kinoleinwand betrat, wurde gepfiffen und gejohlt, dass sich fast die Balken bogen. Ich fühlte wie der Ärger immer mehr in mir aufstieg und gerne hätte ich auch diese jungen Studenten zum Saal hinausbefördert. Immer wieder hörte man Handys klingeln und auch dafür konnte ich keinerlei Verständnis aufbringen.

Als Ironman im Sterben lag und ich, wie immer bei einer rührenden Szene, ein paar Tränchen vergoss, war es tatsächlich mal mucksmäuschenstill.

„Di-ding, di-ding, …“, klingelte es in die berührende Stille. Es war so absurd komisch, dass der ganze Saal in Gelächter ausbrach. Doch ich fand es nicht lustig.

Als der Film nach drei langen Stunden endlich zu Ende ging, suchte ich die Toiletten auf. Auch hier nervte ich mich. Inderinnen, die versuchten vorzudrängeln, schmutzige Klos und die Hälfte der Toiletten waren gesperrt.

Es sind im Moment Sommerferien in Chennai und die meisten Schulen und Colleges haben geschlossen. Die sonst schon überbevölkerte City scheint noch mehr bevölkert zu sein als üblich. Irgendwie vertrage ich diese Menschenmenge momentan schlecht.

Überall herrscht ein Gedränge und Gewimmel, dass es mir fast anders wird. Alles scheint mich zu nerven.

Sind es vielleicht die subtropischen Temperaturen, die jetzt gegen 40 Grad und drüber gehen, die mir so zusetzen?

Ist es mein zunehmendes Alter, dass mich kein Verständnis mehr aufbringen lässt?

Oder hatte ich letzten Dienstag einfach einen schlechten Tag?

Sapota – Exot aus meiner neuen Heimat

Sapota

Die braune, kugelförmige Frucht Sapota und ich haben eines gemeinsam: Beide sind wir nicht aus Indien. Die exotische Frucht, die ursprünglich aus Mexico, Guatemala und Belize stammt, wurde durch die Kolonialisierung nach Asien gebracht und erreichte im späten 19. Jahrhundert Indien.

Der Breiapfelbaum, wie er in Deutsch genannt wird, hat sich in vielen Bundesstaaten Indiens verbreitet und sich scheinbar perfekt an die neue Heimat angepasst. Ich, aus dem schweizerischen Mittelland stammend, tue mich da eindeutig schwerer mit der Anpassung und dem Wurzeln schlagen.

Die Sapota-Frucht hat nun Saison. So wurde ich vor zwei Tagen von meinen Schwiegereltern mit Sapotas beglückt.

Ehrlich gesagt, bin ich mit der leicht mehligen, süßen Frucht, deren Aroma ich kaum beschreiben kann, bisher nicht wirklich warm geworden. Mit der Sapota ist es ähnlich wie mit incredible India – entweder man liebt sie oder man mag sie überhaupt nicht! Ich gehöre eher zu den Letzteren. Doch jetzt sind die Früchte reif und man muss sie konsumieren. Im Internet finde ich Rezepte für Sapota Halwa und Barfi, aber das ist mir dann doch zu viel Aufwand und ich entscheide mich für einen Milchshake. Warum nicht ausprobieren?

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Die Sapotas schälen und mit wenig Zucker mixen. Danach kalte Milch dazugeben, kurz verrühren und mit Eiswürfeln servieren.

Die Sapota zu verschmähen, macht eigentlich keinen Sinn, denn sie hat für die Gesundheit viel zu bieten. Sie ist reich an vielen Vitaminen und Mineralstoffen. Wenn ich mir die Health Benefits im Netz durchlese, sollte man sie wirklich mehr zu sich nehmen. Sie ist ein natürlicher Entzündungshemmer, gut für die Verdauung, reich an Antioxidantien, gut für die Knochen, gut für Haut und Haar, reguliert den Blutdruck, hilft beim Abnehmen, … Eine kleine runde Wunderfrucht!

Als Milkshake freunde ich mit der Sapota etwas an, aber Chancen im Kreis meiner Lieblingsfrüchte aufgenommen zu werden, hat sie definitiv nicht.

 

Der Zyklon Fani weckt schlechte Erinnerungen

 

Zyklon Fani

Die Bilder, die ich in der Zeitung und im Fernseher sehe, zeigen die Zerstörung, die der Zyklon Fani angerichtet hat. Bäume, die entwurzelt am Boden liegen, umgestürzte Strommasten, zerstörte Häuser und Hochwasser lassen die Gewalt dieses Sturmes nur erahnen. Mit 180 – 200 Stundenkilometer ist Fani auf die Küste Odishas getroffen. Diesmal hatte die indische Regierung ihre Hausaufgaben gemacht und über eine Million Menschen evakuiert. Vor 20 Jahren war dies anders. Damals starben bei einem Zyklon in der gleichen Region fast 10‘000 Menschen. Einmal mehr wird mir bewusst, wie hilflos wir doch den Naturgewalten ausgeliefert sind.

Als Ende April per WhatsApps Warnungen verschickt wurden, dass sich im Golf von Bengalen ein Zyklon aufbaut hatte und dieser direkt auf Chennai zusteuern würde, machte ich mir schon etwas Sorgen. Prabhu meinte schon, dass ich dann Notvorräte und extra Wasser kaufen sollte. Gottlob hatte Fani dann andere Pläne und wechselte die Richtung. Heftigst zugeschlagen hat der Zyklon nun doch – einfach woanders.

Erinnerungen werden wach, wenn ich diese Verwüstung sehe. 2016 fegte der Zyklon Vardah über Chennai hinweg. Doch im Vergleich zu Fani war Vardah noch gnädig und fegte nur mit 140 Stundenkilometern übers Land. Es war trotzdem ein Albtraum. Überall hatte es umgeknickte Bäume und Stromleitungen. Einige Menschen verloren sogar ihr Leben. In unserem Quartier hatten wir über eine Woche lang keinen Strom.

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Das Wasser war damals das kleinste Problem
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Nach dem Zyklon Vardah in unserem Wohnquartier

 

 

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Viele wunderschöne, schattenspendende Bäume sind wie Streichhölzer umgekippt.

Viel mehr Tote hatten wir in Chennai im Dezember 2015 zu beklagen. Über 300 Menschen starben in der Chennai Flut. Starke Regenfälle führten zu schlimmsten Überschwemmungen und legten die ganze Stadt lahm. Auch damals hatten wir Glück. Unser Haus hatte zwar im Erdgeschoss rund 5 cm Wasser und meine Schwiegereltern wohnten rund eine Woche bei uns im ersten Stock, aber ansonsten sind wir glimpflich davongekommen. Die Wohnung unserer Freunde wurde damals ganz geflutet, Kühlschrank, Waschmaschine, Möbel und vieles mehr gingen kaputt und sie konnten sehr lange nicht in ihre Wohnung zurück. Hier hat fast niemand eine Versicherung, die in solchen Fällen für Schäden aufkommt. Da muss man alles selbst bezahlen und die Armen trifft es immer am schlimmsten.

Wenn man den Klima-Wissenschaftlern glaubt, dann werden wir wohl öfters mit solchen schlimmen Naturkatastrophen rechnen müssen.

 

Ade Rosenblatt!

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Es ist vollbracht! Irgendwann müssen Entscheidungen, auch wenn sie schwerfallen, getroffen werden. Die letzten Tage waren ein Wechselbad der Gefühle. Einmal Klarheit und Zielstrebigkeit, danach wieder im Trüben fischen, Entscheidungen vermeiden und hoffnungsvoll festklammern. Normalerweise fällt es mir leicht, Entscheidungen zu treffen, manchmal treffe ich sie sogar unüberlegt, voreilig. Doch hier brauchte ich über ein Jahr, um mich durchzuringen. Immer wieder wollte ich mein Projekt Rosenblatt auflösen, hinschmeißen und immer wieder entschied ich mich dagegen, redete mir gut zu und dachte, dass halt alles seine Zeit braucht, um in die Gänge zu kommen. Doch ehrlich gesagt, tat sich nicht viel.

Einige kleine Bestellungen liessen mich hoffen, aber letztendlich sprachen doch die roten Zahlen für sich. Meine Schränke quellen über mit genähten Dingen, die sich nicht verkaufen lassen. Dabei entstand doch alles in guter Absicht. Ich wollte ein Frauenprojekt schaffen, dass arme und benachteiligte Frauen unterstützt. Viel Energie und Zeit sind in dieses Projekt geflossen. Daher fiel es wohl auch so schwer, es wieder loszulassen. Heute habe ich endlich den Mut gefasst, mich mit meiner Angestellten an den Tisch zu setzen und mit ihr zu sprechen. Grundsätzlich war ich mit ihrer Arbeit zufrieden, aber in den letzten zwei Jahren war sie ständig krank und fehlte immer wieder. So auch die ganze letzte Woche, die sie unentschuldigt fernblieb.

Ich war immer eine sehr großzügige Arbeitgeberin, die Verständnis aufbrachte. Sundari war eigentlich auch der Grund dafür, dass ich die Entscheidung immer wieder hinauszögerte. Die Gratwanderung zwischen Vertrauen haben und ausgenutzt werden, fiel mir zunehmend schwerer.

Tja, nun ist die Entscheidung gefallen. Im Juni wird es Rosenblatt in dieser Form nicht mehr geben. Sundari kann, wenn sie möchte, weiterhin vier Stunden als Maid bei mir arbeiten.

Ab sofort verkaufe ich alles auf meiner Webseite http://www.rosenblatt-india.com zum halben Preis.