Unser Osterfest in Indien

Ostern

Das Osterfest rückt in großen Schritten näher und wieder einmal habe ich vergessen, die Zwiebelschalen für die Ostereier-Färberei zurückzulegen. So werden die Eier auch dieses Jahr mehrheitlich im Schwarztee-Sud vor sich hin köcheln, um wenigstens etwas Farbe abzukriegen. Stände bei mir Ostern nicht groß im Kalender und wäre Good Friday nicht schulfrei, dann würde ich dieses schöne Frühlingsfest jährlich verpassen. Denn hier erinnert gar nichts daran. Draußen herrschen hochsommerliche, schwüle 35 Grad und im Moment sitze ich ehrlich gesagt lieber in der klimatisierten Wohnung.

Doch die schweizerische Ostertradition unserer Familie habe ich auch hier im fernen Indien immer weitergeführt.

Für mich ist und war es nie ein religiöses Fest. In meiner Kindheit gingen wir nicht in die Kirche oder wurden mit biblischen Geschichten vertraut gemacht. Es war einfach ein tolles Familienfest mit Kuchen, Butterzopf, schön gefärbten Eiern, vielen Süßigkeiten und natürlich durften wir Kinder ein Osternest suchen. Schöne, glückliche und zufriedene Erinnerungen fliegen herbei, wenn ich daran zurückdenke.

Das Osterfest begann jeweils am Ostersamstag in der Früh. Mit einem Körbchen gerüstet, ging ich immer zum Denkmal, denn hinter der Hecke wuchs viel Osterkraut. Die schönen, dekorativ-verzweigten Kräuter brauchten wir zum Eierfärben. Danach machte ich noch eine Runde um unser Haus und pflückte Gänseblümchen, Kleeblätter, Primeln und andere Blüten.

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Gänseblümchen – ich vermisse sie!

Meine Großmutter bereitete in der Zwischenzeit den Sud für die Eier zu. Gut organisiert, wie sie war, sammelte sie immer schon Monate im Voraus die Zwiebelschalen, die den Eiern einen tiefrot-braunen Farbton gaben. Später färbten wir dann einen Teil der Eier auch noch mit Rot- und Blauholz. Ein aufgeschlagenes Eiweiß, alte Nylonstrümpfe, eine Schere und zwei Spulen Bindfaden lagen immer schon auf ihrem Küchentisch bereit, wenn ich von meiner Kräutertour zurückkam. Dann begannen wir die Eier mit Kräutern und Blüten zu dekorieren. Mit Eiweiß „klebten“ wir die Pflänzchen sorgfältig auf die Eier, die danach mit einem Stück Strumpf überzogen und hinten mit Faden geschlossen wurden. Meine Mutter hatte zu wenig Geduld für diese Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Meine Großmutter und ich jedoch liebten es und je älter ich wurde, desto mehr wurde die Ostereier-Färberei zu einem Großmutter-Enkeltochter-Event. Waren genügend Eier eingewickelt, dann wurden sie im natürlichen Sud zehn Minuten gekocht. Mein Großvater schaute immer wieder hoffnungsvoll bei uns in der Küche vorbei. Er wartete sehnsüchtig aufs erste Ei, das einen Sprung hatte und das er schon vor dem Fest mit Senf verschmausen konnte. Er hatte immer Glück!

Nach dem Färben und Abkühlen wurden die wunderschönen Eier noch mit einem öligen Tuch geglänzt und in ein großes Osternest gelegt.

Am Ostersonntag durften wir Kinder unser Nest suchen und gegen elf Uhr kam die ganze Familie zum Osterbrunch zusammen. Die Tradition des Eiertütschens wurde hochgehalten. Der Kampf Ei gegen Ei war immer spannend und alle versuchten, im Eierkorb jeweils das Stärkste ausfindig zu machen.

Auch hier in Indien führe ich diese Tradition weiter. Nur die Eier schmuggle ich an meinen Schwiegereltern vorbei in den oberen Stock, aber das mache ich das ganze Jahr über. Die Kaste meines Mannes ist strikt vegetarisch. Fleisch, Fisch und Eier kommen niemals auf den Tisch. Ich bin zwar schon lange Vegetarierin, aber Eier verschmähen Suriyan und ich nicht. Solange sie unsichtbar in Kuchen und Biskuits verbacken, d. h. versteckt sind, isst mein Mann sie übrigens auch gerne ;-)! Er würde jedoch nie ein Oster- oder Spiegelei essen.

Als Suriyan klein war, haben wir oft Dekorationen gebastelt. Einmal haben wir Eier ausgeblasen, angemalt und aufgehängt. Als mein Schwiegervater in unsere Wohnung kam, traf ihn fast der Schlag. Er äußerte sich mir gegenüber wohlweislich nie darüber. Bei Prabhu fragte er jedoch schon nach, warum ich dies tun würde, das sei doch ekelhaft.

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Am Ostersamstag sammle ich in meinem Dachgarten Kräuter und Blüten und färbe die Eier mit natürlichem Tee-Zwiebelschalen-Sud. An diesem Tag fühle ich mich immer sehr mit meiner Großmutter verbunden, die schon vor vielen Jahren gestorben ist. Unser Sohn hilft jeweils rund eine Stunde mit, dann findet er es langweilig und verzieht sich.

Am Ostersonntag verstecke ich in der Früh, sodass die Schokolade nicht wegschmilzt und die Ameisen sich nicht daran laben können, Suriyans Osternest. Danach folgt unser Osterbrunch mit Butterzopf, Karottenkuchen, Käse, Konfitüre, … und natürlich fehlen auch die schön gefärbten Eiern nicht.

Ich freue mich schon jetzt darauf und wünsche euch allen frohe Ostern!

Dieser Artikel ist Teil einer Blogger Parade zum Thema Ostern . Vielleicht habt ihr Lust bei anderen Mitschreiberinnen und -schreiber reinzulesen. Unter folgendem Link findet ihr die anderen Texte.

https://bloggerparade.de/osterparade-alles-rund-ums-ei

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Veröffentlicht von

Irène in Indien

Seit über neun Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

6 Gedanken zu „Unser Osterfest in Indien“

  1. Hallo Irène, das ist viel Arbeit für dich: das ganze backen und dekorieren. Wie schmecken die typischen Osterkuchen deiner indischen Familie ? Ich mag sehr gerne Hefezopf & gugl & Karottenkuchen – das gibt es bei uns auch immer. Ich bin die einzige, die hefeteig mag, aber ich möchte nicht darauf verzichten. Alle anderen bevorzugen Karottenkuchen mit einer großen Portion Creme. Liebe Grüße , Anna.

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    1. Meine indische Familie ist hinduistisch und feiert das Osterfest nicht. Mein Mann macht natürlich mit. Daher gibt es schweizerische Ostertradition aus meiner Kindheit. Da ich nur einen kleinen elektrischen Miniofen habe, sind meine Backkünste ziemlich eingeschränkt. Es reicht grade für ein Karotten-Cake und einen Butterzopf zu backen. Natürlich nacheinander 😉! LG aus Chennai Irene

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    1. Oh, ihr reist in ein paar Tagen? Ja, da werdet ihr schnell sein müssen mit der Schokolade! Wohin geht die Reise? Ich hoffe, ihr habt ein paar Hillstations eingeplant. Zu dieser Zeit ist es in Indien fast überall unerträglich heiß 🥵! LG aus Südindien Irene

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