Indien wählt

Anstehen

Zwischen dem 11. April und dem 19. Mai wird in Indien das Unterhaus des indischen Parlaments, die Lok Sabha, gewählt.

Heute ist es in Tamil Nadu soweit. Mein Mann und meine Schwiegereltern brechen bereits kurz nach 7 Uhr auf, um ihre Stimmen abzugeben. Die Schulen sind heute alle geschlossen und viele werden als Wahllokale gebraucht. Die Sicherheitsmaßnahmen liegen hoch, und viele Polizisten sind vor Ort. Im Umkreis von 100 m ist jeder Wahlort für Motorfahrzeuge abgeriegelt. Bereits am frühen Morgen bilden sich Wartereihen. Meine Schwiegereltern wurden als Senior Citizens vorgelassen und konnten so die Warterei umgehen. Mein Mann jedoch musste sich artig in die Reihe stellen und rund eine halbe Stunde warten.

Wahllokal

Wahllisten der Kandidaten
Die Listen der Kandidaten

Jedes Wahllokal muss für schattenspendende Vorrichtungen, kostenloses Trinkwasser und auch für medizinische Versorgung aufkommen.

Wahlen stellen die indische Regierung vor riesige logistische Herausforderungen. Allein im Bundesstaat Tamil Nadu werden rund 40 Millionen Stimmberechtigte wählen gehen. Auch abgelegene Ortschaften müssen mit der nötigen elektronischen Technik ausgestattet werden. Die Geräte müssen einfach in der Bedienung und der Wartung sein. Manche können nicht gut oder gar nicht lesen. So hat jede Partei einfache Symbole, die die Bedienung vereinfachen soll. Auf einer großen elektronischen Tafel sind alle 40 Kandidaten aufgeführt und können per Knopfdruck gewählt werden.

Zeichen
Jeder Wahlberechtigte, der gewählt hat, wird mit einer braun-schwarzen Farbe, die man nicht wegbringt, am linken Zeigefinger gekennzeichnet. So verhindert man, dass mehrmals gewählt wird.

Während in der Schweiz die durchschnittliche Stimmbeteiligung bei rund 45 % liegt, nehmen viele Inder und Inderinnen ihr Stimmrecht wahr. 1962 verzeichnete Tamil Nadu eine Stimmbeteiligung von 63 % bei den Männern und 43 % bei den Frauen. Bei den letzten Parlamentswahlen 2014 erreichten die Anteile der Frauenstimmen 66 % und die der Männer 67 %. Bei diesen Wahlen wird eine Stimmbeteiligung von rund 70 Prozent erwartet.

Die Wahlen in der größten Republik der Welt sind auch mit immensen Kosten verbunden. Bei den Wahlen 2014 wurden 5 Milliarden US Dollar ausgegeben. Schätzungen zu folge, dürften diese in diesem Jahr noch bedeutend höher liegen.

Ich finde es schon unglaublich spannend, was hier abgeht. Die Leute nehmen langes Anstehen bei Temperaturen über 35 Grad in Kauf, um ihre politischen Rechte wahrzunehmen. In der Schweiz würde dies kaum jemand tun. Sogar durch die bequeme Variante mit der brieflichen Abstimmung steigt die Stimmbeteiligung nicht an.

Zwei Tage vor dem Wahltag begannen übrigens die Dry Days. Das heißt, dass kein Alkohol verkauft werden darf. Wer keinen Vorrat zu Hause hat, liegt diese Tage alkoholtechnisch auf dem Trockenen.

 

 

Happy New Year!

Happy Tamil New Year

Heute feiern wir das tamilische Neujahr. Es ist der erste Tag des Monates Chithirai. Das Datum richtet sich noch dem Sonnenzyklus des Hindu-Kalenders und fällt ungefähr auf Mitte April des gregorianischen Kalenders.

Als ich um neun Uhr die Küche meiner Schwiegereltern betrete, brutzelt und köchelt es schon in vielen Töpfen. Mein Schwiegervater hat um 10 Uhr Pläne. Er will sich eine Sendung im Fernseher ansehen, daher hat er bereits früher angefangen zu kochen. So helfe ich nur noch beim Finish mit. Ich schneide die Zwiebeln, Chilis und Curryblätter klein, die in den Vadai-Teig kommen und frittiere die Linsenküchlein gold-braun.

Vadai frittieren

Am tamilischen Neujahr sollte von jeder Geschmacksrichtung etwas auf den Tisch kommen.

In Tamil unterscheidet man sechs verschiedene Geschmackssinne: Salzig, süß, bitter, scharf, sauer und geschmacklos. Spinat, Vadai (frittierte Linsenküchlein, Payasam (süße Reisnudeln) und Sundal (Hülsenfrüchte) sind an diesem Tag für unsere Familie ein Muss auf dem Menuplan. Dazu gibt es noch Rasam, Kartoffeln und Reis.

Speisen für neu Jahr

Natürlich werden alle diese feinen Sachen zuerst in einer Pooja gesegnet. Als erste kosten die Ahnen von den Speisen. Kleine Portionen werden auf einem Bananenblatt den Krähen offeriert, die in Indien als Verbindung zu den Verstorbenen gesehen werden.

Viele tragen am Neujahrstag neue Kleider und besuchen ihren Haustempel.

In unserem Quartier hat es zwei Tempel, einen Shiva- und einen Vishnu-Tempel. Am Abend werden die Hauptgötter beider Tempel ausgeführt.

Auf einem schön dekorierten Wagen dürfen sie durchs Quartier fahren. Durch das laute Trommeln hört man sie schon von Weitem kommen, und die Anwohner strömen aus ihren Häusern, um sich segnen zu lassen.

Aus der Norm tanzend

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Heute habe ich Karotten gekocht. Schmunzelnd schaute ich mir die Karottenfamilie an, die es galt in kleine Stäbchen zu schnippeln. Was für eine vielfältige Truppe hat sich doch hier zusammengefunden! Hier dürfen kleine, abgebrochene, originellgewachsene und krumme Karotten und Karöttchen in den in den Verkauf und den Kochtopf.

Im Schweizerländchen und auch anderswo in Europa habe ich niemals solche Karotten zu Gesicht bekommen. Von Normgrößen und Richtlinien gebeutelt, können die Bauern diese nicht verkaufen. Wenn es hochkommt, landet das Obst und Gemüse, das nicht den verlangten Normen entspricht, in der Futterindustrie oder es bleibt auf dem Acker liegen und wird als Dünger wieder der Erde zugefügt.

Auf den Märkten der Wohlstandsländer ist jedoch nicht nur die passende Größe ausschlaggebend.
Nein, das Gemüse und das Obst darf auch keine Fleckchen und Schörfchen aufweisen. „Das entspricht dem Kundenwunsch! “, meinen die großen Supermarktketten. Die Welt des Wohlstandes verlangt perfektes Gemüse und Obst.

Diese Haltung tut mir im Innersten weh, und ich bin mir sicher, dass es auch vielen andern so geht. Wenigsten muss ich hier in der Ferne bei diesem Normperfektionismus nicht mitmachen. Im Gegenteil! Wenn ich eine besonders lustig-gewachsene Gemüsekreatur im Laden entdecke, dann landet sie absichtlich in meinem Einkaufskorb. Wie ein Bollywoodstar tanze ich gemüsetechnisch aus der Reihe!

 

 

Unser Osterfest in Indien

Ostern

Das Osterfest rückt in großen Schritten näher und wieder einmal habe ich vergessen, die Zwiebelschalen für die Ostereier-Färberei zurückzulegen. So werden die Eier auch dieses Jahr mehrheitlich im Schwarztee-Sud vor sich hin köcheln, um wenigstens etwas Farbe abzukriegen. Stände bei mir Ostern nicht groß im Kalender und wäre Good Friday nicht schulfrei, dann würde ich dieses schöne Frühlingsfest jährlich verpassen. Denn hier erinnert gar nichts daran. Draußen herrschen hochsommerliche, schwüle 35 Grad und im Moment sitze ich ehrlich gesagt lieber in der klimatisierten Wohnung.

Doch die schweizerische Ostertradition unserer Familie habe ich auch hier im fernen Indien immer weitergeführt.

Für mich ist und war es nie ein religiöses Fest. In meiner Kindheit gingen wir nicht in die Kirche oder wurden mit biblischen Geschichten vertraut gemacht. Es war einfach ein tolles Familienfest mit Kuchen, Butterzopf, schön gefärbten Eiern, vielen Süßigkeiten und natürlich durften wir Kinder ein Osternest suchen. Schöne, glückliche und zufriedene Erinnerungen fliegen herbei, wenn ich daran zurückdenke.

Das Osterfest begann jeweils am Ostersamstag in der Früh. Mit einem Körbchen gerüstet, ging ich immer zum Denkmal, denn hinter der Hecke wuchs viel Osterkraut. Die schönen, dekorativ-verzweigten Kräuter brauchten wir zum Eierfärben. Danach machte ich noch eine Runde um unser Haus und pflückte Gänseblümchen, Kleeblätter, Primeln und andere Blüten.

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Gänseblümchen – ich vermisse sie!

Meine Großmutter bereitete in der Zwischenzeit den Sud für die Eier zu. Gut organisiert, wie sie war, sammelte sie immer schon Monate im Voraus die Zwiebelschalen, die den Eiern einen tiefrot-braunen Farbton gaben. Später färbten wir dann einen Teil der Eier auch noch mit Rot- und Blauholz. Ein aufgeschlagenes Eiweiß, alte Nylonstrümpfe, eine Schere und zwei Spulen Bindfaden lagen immer schon auf ihrem Küchentisch bereit, wenn ich von meiner Kräutertour zurückkam. Dann begannen wir die Eier mit Kräutern und Blüten zu dekorieren. Mit Eiweiß „klebten“ wir die Pflänzchen sorgfältig auf die Eier, die danach mit einem Stück Strumpf überzogen und hinten mit Faden geschlossen wurden. Meine Mutter hatte zu wenig Geduld für diese Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Meine Großmutter und ich jedoch liebten es und je älter ich wurde, desto mehr wurde die Ostereier-Färberei zu einem Großmutter-Enkeltochter-Event. Waren genügend Eier eingewickelt, dann wurden sie im natürlichen Sud zehn Minuten gekocht. Mein Großvater schaute immer wieder hoffnungsvoll bei uns in der Küche vorbei. Er wartete sehnsüchtig aufs erste Ei, das einen Sprung hatte und das er schon vor dem Fest mit Senf verschmausen konnte. Er hatte immer Glück!

Nach dem Färben und Abkühlen wurden die wunderschönen Eier noch mit einem öligen Tuch geglänzt und in ein großes Osternest gelegt.

Am Ostersonntag durften wir Kinder unser Nest suchen und gegen elf Uhr kam die ganze Familie zum Osterbrunch zusammen. Die Tradition des Eiertütschens wurde hochgehalten. Der Kampf Ei gegen Ei war immer spannend und alle versuchten, im Eierkorb jeweils das Stärkste ausfindig zu machen.

Auch hier in Indien führe ich diese Tradition weiter. Nur die Eier schmuggle ich an meinen Schwiegereltern vorbei in den oberen Stock, aber das mache ich das ganze Jahr über. Die Kaste meines Mannes ist strikt vegetarisch. Fleisch, Fisch und Eier kommen niemals auf den Tisch. Ich bin zwar schon lange Vegetarierin, aber Eier verschmähen Suriyan und ich nicht. Solange sie unsichtbar in Kuchen und Biskuits verbacken, d. h. versteckt sind, isst mein Mann sie übrigens auch gerne ;-)! Er würde jedoch nie ein Oster- oder Spiegelei essen.

Als Suriyan klein war, haben wir oft Dekorationen gebastelt. Einmal haben wir Eier ausgeblasen, angemalt und aufgehängt. Als mein Schwiegervater in unsere Wohnung kam, traf ihn fast der Schlag. Er äußerte sich mir gegenüber wohlweislich nie darüber. Bei Prabhu fragte er jedoch schon nach, warum ich dies tun würde, das sei doch ekelhaft.

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Am Ostersamstag sammle ich in meinem Dachgarten Kräuter und Blüten und färbe die Eier mit natürlichem Tee-Zwiebelschalen-Sud. An diesem Tag fühle ich mich immer sehr mit meiner Großmutter verbunden, die schon vor vielen Jahren gestorben ist. Unser Sohn hilft jeweils rund eine Stunde mit, dann findet er es langweilig und verzieht sich.

Am Ostersonntag verstecke ich in der Früh, sodass die Schokolade nicht wegschmilzt und die Ameisen sich nicht daran laben können, Suriyans Osternest. Danach folgt unser Osterbrunch mit Butterzopf, Karottenkuchen, Käse, Konfitüre, … und natürlich fehlen auch die schön gefärbten Eiern nicht.

Ich freue mich schon jetzt darauf und wünsche euch allen frohe Ostern!

Dieser Artikel ist Teil einer Blogger Parade zum Thema Ostern . Vielleicht habt ihr Lust bei anderen Mitschreiberinnen und -schreiber reinzulesen. Unter folgendem Link findet ihr die anderen Texte.

https://bloggerparade.de/osterparade-alles-rund-ums-ei

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte

Ich gebe zu, dass ich den indischen Schauspieler Dhanush mag. Daher war für mich der Film „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“ ein Muss und stand schon länger auf meiner Liste. Dhanush in einem internationalen Film zu sehen, konnte ich mir wahrlich nicht entgehen lassen.

In der Rolle als Aja, der sich in Mumbai als Straßenkünstler und Kleinkrimineller über Wasser hält, macht sich Dhanush gut. Mit viel Charme, Sympathie, Leichtigkeit und einer gewissen kindlichen Naivität schummelt sich Aja durchs Leben. Als seine geliebte Mutter, die ihn alleine großgezogen hat, unverhofft stirbt, ändert sich alles. Beim Stöbern in den Unterlagen seiner Mutter, findet er endlich die Antwort auf die Frage, die ihn immer schon beschäftigt hatte: Sein Vater war Franzose und kam aus Paris.

So beschließt er, den Traum seiner Mutter zu erfüllen und reist mit ihrer Asche und einem gefälschten 100 Euroschein in die Stadt der Liebe. Dort trifft er im berühmten, schwedischen Möbelhaus IKEA die bezaubernde Amerikanerin Marie. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie verabreden sich am nächsten Tag beim Eiffelturm.

Doch es kommt alles anders. Aus Geldmangel verbringt Aja die Nacht in der IKEA und schläft in einem Kleiderschrank selig ein.

In einem Lastwagen nach London wacht er durch die Gesänge einiger Flüchtlinge wieder auf und eine absurde, komisch-tragische Reise durch ganz Europa nimmt ihren Lauf.

Schon während des Filmes konnte mich die Story nicht wirklich begeistern. Als nette, leichte Unterhaltung ohne Tiefgang hätte der Film unter Umständen funktionieren können, als jedoch die ganze Flüchtlingskrise ins Spiel kam, war bei mir definitiv Schluss. Irgendwann fand ich die Story nur noch ermüdend, langatmig und ich hoffte auf das baldige Ende.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

 

 

Von einfachen indischen Lösungen und haarsträubenden Ideen der Schweizer

Abgezählte Medikamente

Die Medikamentenabgabe überzeugt mich Indien voll und ganz. Problemlos kann man hier in einer Apotheke eine einzige Kopfweh- oder Halswehtablette kaufen und nach einem Arztbesuch bekommt man beim Apotheker die abgezählten Tabletten, die verschrieben wurden. Es bleibt also nichts übrig, nichts muss entsorgt werden und man bezahlt genau für die Menge, die man braucht.

Was ich zuerst etwas befremdlich fand, war der fehlende Beipackzettel in Mikroschrift. In der Schweiz habe ich da jeweils kurz reingeschaut und dachte danach ängstlich, dass man dies mit all diesen Nebenwirkungen eigentlich nicht schlucken sollte. Also was solls! Inzwischen kann ich dieses Kleingedruckte ohne Lesebrille eh nicht mehr lesen und im Internet lassen sich, falls es nötig sein sollte, all die Informationen googeln.

Dieses System macht nicht nur aus spartechnischen Gründen Sinn, sondern vor allem auch aus ökologischen. Wenn ich da an die vielen Medikamente denke, die in den sogenannten Wohlstandsnationen einfach in den Müll geworfen werden! Auch wenn sie beim Apotheker zur vorbildlichen, fachgerechten Entsorgung zurückgebracht werden, ist dies im Grunde genommen ein ökologischer Schwachsinn.

Wie habe ich mich gefreut, als ich gehört habe, dass die Tessiner Apotheker in der Schweiz beschlossen haben, Antibiotika nur noch abgezählt abzugeben. Da jammert ganz Helvetien immer unter den hohen Gesundheitskosten und den exorbitanten Medikamentenpreisen und man kommt nicht auf diese simple Idee.

Doch im Verlauf des Berichtes sträubten sich mir die Haare. Der Kranke darf nämlich die ganze Packung bezahlen und bekommt dafür seine abgezählten Tabletten. Die überzähligen, einwandfreien Reste werden, sobald klar ist, dass der Kunde die Behandlung nicht weiterführen muss, entsorgt! Ja, entsorgt! Ist das nicht unfassbar? Und nun rühmen sich die Apotheker, dass dadurch etwas gegen die Antibiotikaresistenz getan wird.

Da sitze ich im fernen Indien, einem Schwellenland mit vielen grossen Problemen und verstehe für einen Augenblick die Welt nicht mehr.

Mangos – eine unglückliche Liebesgeschichte

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Unser Mangobaum am alten Wohnort. Die Blätter des Mangobaumes werden übrigens oft in Pooja-Zeremonien (Andachten) gebraucht.

 

Die Geschäfte und Märkte in Chennai haben ihre Regale und Körbe mit den schön arrangierten, fast schon göttlich-schmeckenden Früchten gefüllt.

Ja, sie sind da! Die Saison hat begonnen und von Woche zu Woche zeigen sich immer mehr Sorten der Nationalfrucht Indiens. Grüne, gelbliche und goldgelbe Früchte liegen in ihren Körben bereit und warten geduldig darauf bald mit Hochgenuss gegessen zu werden.

Die Preise sind zwar noch etwas hoch, aber gekauft werden sie trotzdem schon. Während die Temperaturen draußen immer unangenehmer und heisser werden, reifen die Mangos an den Bäumen und spenden mit ihrer Süße etwas Trost. Jetzt wird in den indischen Haushalten langsam Mango-Pickle, Mango-Sirup, Mango-Jam, Mango-Chutney und natürlich Mango-Lassi produziert. Vor allem aber werden die Früchte einfach so gegessen.

Mango ist definitiv nicht gleich Mango! Es gibt so viele unzählige Sorten, die im Verlauf des Sommers auf den Markt kommen. Ich staune immer darüber, dass die Verkäuferinnen an der Kasse auf Anhieb sehen, um welche Sorte es sich handelt.

Hier nur eine kleine Auswahl:

Alphonso
Die Königin der Mangos! Die Alphonso ist immer im höchsten Preissegment und kostet im Moment RS 240.00/-kg
Banganapalli
Banganapalli Mango RS 140/-kg
Himampasand
Himampasand Mango RS 240/-kg
Jawwathu Mango
Jawwathu Mango RS 180/-kg
Mango Kalapadi
Kalapadi Mango RS 160/-kg

Auch meine Schwiegereltern haben dieses Jahr schon Pickle zubereitet. Dazu werden die grünen, noch unreifen Früchte, die in Tamil Mangai (Mango-Gemüse) genannt werden, verwendet.

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Mangai- die unreifen grünen Früchte

Bei den Vorbereitungen habe ich sogar mitgeholfen und die 15 harten Mangai mit viel Liebe geschält und gewürfelt. Das weitere Prozedere haben dann die beiden übernommen.

Mango Pickle 2
Home-made Mango-Pickle! Mein Mann ist der Einzige in unserer Familie, der Pickle isst. Unser Sohn und ich mögen es überhaupt nicht.

Es gibt wohl keinen einzigen Menschen in Indien, der Mangos nicht mag. Nach den langen Monaten des Wartens, schmecken die ersten Früchte immer am besten.

Ich liebe Mangos!

Die Früchte, die man hier kaufen kann, lassen sich nicht annähernd mit dem Geschmack der Importfrüchte aus Südamerika vergleichen, die ich früher in der Schweiz aus ökologischen Gründen selten bis nie gekauft habe. Schon in der Vorstellung läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Doch leider beruht diese Liebe nicht auf Gegenseitigkeit. Ich habe vor zwei Jahren festgestellt, dass ich auf die wunderbare Frucht eine deftige Allergie entwickelt habe. Dabei sollten die Vitaminbomben doch so gesund sein! Esse ich nur ein wenig, dann beginnt es mich nach einer halben Stunde zu jucken und ein übler Hautausschlag breitet sich aus. Wie gemein ist das denn? Ich hätte dieses Jahr nochmals einen Versuch gewagt, aber nachdem ich vor etwa drei Wochen einen Früchtetee mit Mangoaroma getrunken und wieder heftig reagiert habe, lasse ich es lieber bleiben. So kaufe und schäle ich die Früchte für meine Liebsten, die sie mit Genuss verschlingen.

Das Leben ist wirklich ungerecht!

Die kleinen und großen Unterschiede meines Lebens in Südindien

Das Klima

Von einem mir entsprechenden, angenehmen Klima in der Schweiz bin ich klimatisch in einen Dampfkochtopf geraten. Verschwunden sind die geliebten vier Jahreszeiten und abgesehen von dem Monsun, der uns jeweils im Oktober, November heimsucht, gibt es hier nur eins: heiß, heißer, am heißesten! Bereits im Februar steigen die Temperaturen bis sie im April, Mai zu Höchsttemperaturen um oder sogar über 40 Grad ansteigen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt, fühlt sich die Hitze schier unerträglich an. So ist die Mittel- und Oberschicht bestens mit Ventilatoren und Klimaanlagen gegen die heißen Temperaturen gerüstet. Bei uns hat es in jedem Zimmer eine Klimaanlage und diverse Fans, die an der Decke angebracht sind.

Diese funktionieren leider nur, wenn es Strom gibt. Die Stromversorgung ist in den letzten Jahren zwar viel besser geworden, aber Stromausfälle kommen immer wieder vor und gehören zum indischen Alltag. Auch für diese Fälle sind wir gerüstet und können den Ausfall mit einer Inverter-Batterie für einige Stunden überbrücken. Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich hier ohne Ventilatoren und Klimaanlagen kaum leben könnte. Doch von diesem Luxus können die meisten nur träumen. Strom ist teuer und so versuchen viele, die Stromrechnung möglichst tief zu halten.

Überall hat es Menschen

Oft denke ich wehmütig an meine einsamen Spaziergänge im Auenwald meiner Heimat zurück. Wo man in Chennai auch ist, man ist niemals alleine. Überall hat es Menschen – viele Menschen. Die Überbevölkerung Indiens ist in den Metropolen deutlich sicht- und spürbar. Das bedeutet im Alltag, dass man viel Zeit und Geduld aufbringen muss. So ist mein Zuhause für mich eine wichtige, kleine Oase geworden, wo ich mich zurückziehen kann. Doch die meisten Inderinnen und Inder haben auch in ihren eigenen vier Wänden kaum Ruhe und Privatsphäre. Der Wohnraum in den Megacitys ist sehr teuer und oft leben drei Generationen auf engstem Raum.

Von Fenstern und Türen

Unlogisch, unpraktisch, unsinnig – das sind unsere Fenster! Obwohl wir im ersten Stock leben, sind sie alle vergittert. Ich sehe ein, dass dies in Indien aus sicherheitstechnischen Gründen Sinn macht, aber die Wahl dieser hässlichen Gitter, die damals meine Schwiegereltern getroffen haben, ist unverständlich. Vor jedem Fenster gibt es gefängniszellengleiche Vergitterungen. Anfangs waren die Grills, wie man hier sagt, schwarz gestrichen! Dabei gäbe es viel schönere Varianten in Form und Farbe.

 

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Meine Aussicht aus dem Küchenfenster, das natürlich auch vergittert ist.

Jetzt in Weiß und mit Vorhängen sieht es etwas freundlicher aus und das Gefängnis-Feeling ist etwas gewichen.

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Unsere Fenster lassen sich nur gegen Außen öffnen. Das hat den Vorteil, dass ich sie nicht putzen kann und den Nachteil, dass sie trotzdem schmutzig werden! So, schickt mir Prabhu drei- bis viermal pro Jahr zwei Arbeiter, die dann mit einer Bambusleiter, die ehrlich gesagt nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, abenteuerlich meine Fenster reinigen.

Dafür habe ich eine wunderschöne geschnitzte Ganesha-Tür! Das macht das Übel mit den Fenstern nicht ganz wett, aber mildert das Ganze wenigstens etwas ab ;-).

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Im oberen Teil sitzt die Göttin Lakshmi mit zwei Elefanten, die Glück bringen soll.

 

Vom Fernsehen

Ja, wir haben hier auch Netflix und ich bin froh darüber. Mein Sohn und ich schauen uns gerne Filme an. Doch wenn ein bedeutsamer Cricketmatch läuft, dann besetzt mein Liebster den Fernseher für Stunden. Dabei sollte ich noch erwähnen, dass in seinen Augen die meisten Spiele wichtig sind. Ich habe Cricket eine Chance gegeben und mir ein oder sogar zwei Spiele angeschaut. Mein gewinnbringendes Fazit: Stinklangweilig und reine Zeitverschwendung! Für diese Aussage würden mich jedoch die meisten Inder und auch Inderinnen fast lynchen.

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In der Küche

Neben den südindischen Speisen und den entsprechenden Gewürzen, die in meiner Küche immer mehr Fuß fassen, gibt es noch andere Unterschiede. Mein Gasherd ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und ich möchte nie wieder zurück zu einem Elektroherd.

Dafür vermisse ich das gute Wasser aus der Schweiz! Sorgenfrei Trinkwasser vom Hahn zu trinken, wäre hier undenkbar. Selbst mit unserem Water Purifier, der mit etlichen Kartuschen und Filtern gefüllt ist, traue ich der Wasserqualität nie ganz.

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Unser Wasserfilter, das gefilterte Wasser brauchen wir zum Trinken und zum Kochen.

Geschirr? Ja, es gibt das indische Stahlgeschirr in meinem Schrank, das alle Westler hässlich finden und an Gefängnisgeschirr erinnert. Zwar nur in einer bescheidenen Anzahl, aber es hat drei Stahlteller und einige Tumblers (Stahlbecher).

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Daneben habe ich auch einige praktische Geräte für die indische Küche angeschafft.

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Meine Limetten-Presse wird im Sommer oft gebraucht um den kühlenden Lime-Juice herzustellen
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Meine Tava, eine flache Bratpfanne. Unerlässlich, um Dosai und Chapati zu machen.
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Auch dieses Gitter brauche ich für Chapati – über die Gasflamme gehalten gegen sie nach dem Backen wunderbar auf.
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Indische Snacks gefällig? Mit dieser Presse werden Murukku oder Ribbon Pakoda hergestellt.

Von Hausangestellten

Ja, in Indien hat jeder aus dem Mittelstand eine Maid. Familien aus der höheren Mittel- und Oberschicht haben sogar Staff. „My maid is…, I’ve found a driver now …, do you know a good cook?, …” Wie oft geht mir dieses Wohlstandsgeplapper auf die Nerven! Eines habe ich jedoch schnell entdeckt, viele haben mit ihrem Staff Ärger und sind unzufrieden. Gutes und vertrauenswürdiges Personal zu finden, scheint wirklich schwierig zu sein.

Ich habe seit einigen Jahren eine Angestellte und mit ihr bin ich weitgehend zufrieden. Nur fehlt sie sehr oft, weil sie oder ihr Mann immer wieder krank sind. Eigentlich habe ich sie hauptsächlich zum Nähen meiner Rosenblatt-Produkte angestellt. Sie verdient für indische Verhältnisse hervorragend. Tatsächlich bezahle ich zu viel, aber ich will ihr bewusst einen guten Lohn geben, da sie ihre vierköpfige Familie alleine durchbringt. Morgens hilft sie mir rund eine bis zwei Stunden bei den Hausarbeiten und danach näht sie. Sie arbeitet 7 Stunden täglich, fünf Tage die Woche. Sie ist zuverlässig und ich muss nicht ständig hinterher kontrollieren. Oft sieht sie die Arbeit auch von selbst, worüber ich sehr glücklich bin. In Indien bin ich ein ganz schlechter Boss. Ich kann Leute nicht herumkommandieren und mit Strenge behandeln. Wenn ich jedoch beobachte wie die sogenannten Reichen und Gutausgebildeten dieses Landes mit ihrem Personal umgehen, dann bleibe ich sehr gerne eine schlechte, aber nette Chefin.

Obwohl das Kochen nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, habe ich keinen Koch. Da wir eine offene Küche haben, wäre dies auch etwas schwierig. Das Mittagessen koche in der Wohnung meiner Schwiegereltern gemeinsam mit meinem Schwiegervater. Wenn ich mal gar nicht kochen mag, bestelle ich bei Swiggi. Das ist ein Essenslieferant, der praktisch alle Restaurants in der Nähe abdeckt. Man bestellt via App beim Lieblingsrestaurant und lässt sich das Essen nach Hause bringen.

Für einen festangestellten Fahrer hätten wir zu wenig Beschäftigung. Wenn ich weggehe, denn rufe ich einfach einen Calldriver, der mich dann mit unserem eigenen Auto herumchauffiert.

Was ich in Indien sehr genieße, ist die Tatsache, dass ich nie bügeln muss. Die gewaschene Wäsche gebe ich auswärts und gegen Abend wird mir alles schön gebügelt und gefaltet zurückgegeben.

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Meine gebügelte Wäsche in den Schrank legen und fertig! 

Als Hausfrau, die nicht so gerne Hausarbeiten macht, lebt es sich in Indien ganz famos!