Attari-Wagah-Border

attariwagahborder

Nach rund 45 Minuten Autofahrt erreichten wir von Amritsar aus den berühmten Grenzort Attari. Kurz vor der Ankunft wurden uns mehrmals Indienflaggen und Indien-Caps zum Verkauf angeboten. Als wir den riesigen Parkplatz erreichten, wurde sofort klar, dass wir nicht die Einzigen sein sollten, die das militärische Spektakel an der Grenze zu Pakistan besuchten. Kaum ausgestiegen, bemalte ein junger Mann bereits Suriyans Hand mit der Indienflagge und auch unsere indischen Freunde waren bemalt und hatten, ganz patriotisch, Caps und Fahnen gekauft.

Unsere Taschen mussten wir im Auto zurücklassen, denn diese darf man nicht mitnehmen. Nur das Handy und das Portemonnaie hatte ich in der Jackentasche dabei. In geschlechtsgetrennten Reihen passierten wir die strengen Sicherheitskontrollen. Vor mir wurde eine junge Frau mit einer Powerbank nicht durchgelassen.

Eine lange Allee führte zum Grenzübergang und immer wieder gab es Verkaufsstände mit allerhand grün- weiß-safran-gestreiften Souvenirs.

Als Prabhu und ich bei der Tribüne ankamen, waren unsere Freunde und Suriyan bereits außer Sichtweite. Die Grenzsoldaten wiesen uns, dank meiner weißen Haut, zu den besseren Plätzen auf die rechte Seite. In der 2. Sitzreihe setzten wir uns zwischen die vielen ausländischen Besucher. Da die Sonne sehr unangenehm blendete, kauften wir jetzt etwas widerwillig auch zwei Caps und mein Liebster entdeckte für meine Kühlschrank-Magnet-Sammlung auch noch einen Attari-Wagah-Border Magneten.

attariwagahbordermagnet

Die Tribünen füllten sich immer mehr. Suriyan und unsere Reisegefährten entschlossen sich, den Platz nicht mehr zu wechseln. So erlebten wir die Grenzschließung aus der Nähe von der rechten, sonnigen Seite und sie aus der Ferne von der linken, schattigen Seite. Was für eine Symbolik!

Die meisten Inder sind Patrioten und sehr stolz auf ihre Armee und insbesondere auf die Border Security Force. Diese leisten an den Grenzen auch unglaubliche und gefährliche Dienste. Bei uns im Süden bekommt man davon, da wir so weit entfernt sind, natürlich kaum etwas mit.

Etwa 10 Minuten nachdem wir Platz genommen hatten, fuhr der letzte Reisebus dieses Tages mit grossem Jubel nach Lahore.

Kurz darauf ohrenbetäubende indische Musik! Die vielen Menschen auf den Tribünen jubelten und johlten. Frauen und Mädchen durften auf indischer Seite mit Nationalflaggen, die ihnen von Grenzsoldatinnen übergeben wurden, hin und her laufen und danach ausgelassen tanzen.

Danach begann die militärische Show. Die Border Security Force marschierte erst mit Hunden der Grenze zu. In den khakifarbenen Uniformen und den roten Fächerhüten erinnerten sie mich mit eher an Gockel, als an Soldaten. Synchronisiert mit der pakistanischen Grenzwache, die ähnliche Uniformen in Schwarz trugen, begann das Spektakel. In Stechschritten, bei denen ich schon fast beim Zuschauen einen Bandscheibenvorfall kriegte, marschierten sie aufeinander zu. Sie kickten theatralisch mit den Füssen in die Luft und zeigten einander die Fäuste. Die Zuschauer auf beiden Seiten wurde zusätzlich angeheizt. „*Bharat Mata ki Jai!“, schrie das indische Publikum immer wieder, sodass mir fast das Trommelfell platzte.

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Ich muss sagen, dass mich das Ganze etwas traurig stimmte und Prabhu ging es ebenso. Auch viele im Publikum erhoben Richtung Pakistan ihre Fäuste. Ich weiß, dass die beiden Länder eine schlimme, problematische Vergangenheit haben und bin mir bewusst, dass auch heute noch viele Konflikte bestehen. Doch die Wut gegeneinander so mitzuerleben, gab mir doch zu denken.

Endlich wurden dann die riesigen Flaggen auf beiden Seiten eingeholt und penibel gefaltet. Ich war froh, dass in der einstudierten Choreografie am Schluss noch ein Händedruck zwischen Indien und Pakistan zustande kam.

 

*Bharat Mata ist die Personifizierung Indiens als Mutter. Das Motto „Bharat Mata ki Jai“ bedeutet soviel wie „Sieg für Mutter Indien“. Es wird vor allem in der indischen Armee gebraucht.

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Informationen zum Goldenen Tempel von Amritsar:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/22/der-goldene-tempel-von-amritsar/

Mehr über die Geschichte des Punjabs findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/28/das-land-der-sikhs-blutgetraenkt-und-zweigeteilt/

1984 wurde der Goldene Tempel von der indischen Armee gestürmt. Mehr Informationen dazu findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/29/im-land-der-sikhs-die-operation-blue-star/

Jallianwallah Bagh, Amritsar:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/30/jallianwala-bagh-in-amritsar/

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht von

Irène in Indien

Seit über neun Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

7 Gedanken zu „Attari-Wagah-Border“

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