Randen-Gemüse – Beetroot Poriyal

Zutaten: Senfsamen, gesplitteter Urad-Dal, Kumin (Kreuzkümmel), Öl, 2-4 grüne Chilis, ein Stück Ingwer, 2-3 Zwiebeln, 2 Knollen Randen (Rote Beete), eventuell Erbsen, gerösteter, halbierter Gram-Dal (rosted Gram Split Dal)

  1. 1-1,5 TL Senfsamen, 1-1,5 TL gesplitteter Urad-Dal und 1-1,5 TL Kumin (Kreuzkümmel) in etwas Öl frittieren.

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2. 2-4 grüne Chilis in Stücke geschnitten und ein Stück klein geschnittener Ingwer dünsten.

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3. 2-3 klein geschnittene Zwieben dazugeben und dünsten.

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4. 2 klein geschnittene Randenknollen und ev. Erbsen dazugeben.

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5. Alles gut mischen und 1-1,5 TL Salz und 1 TL Kurkuma (Gelbwurz) dazugeben.

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6. Wasser beigeben, sodass das Gemüse knapp bedeckt ist und ca. 15 Minuten kochen lassen bis das Wasser verdunstet ist.

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7. Eine Handvoll gerösteter, halbierter Gram-Dal im Mixer zu Pulver mahlen und dem fertig gekochten Gemüse beigeben.

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8. Das Dal-Pulver gut mit dem Gemüse mischen und servieren.

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Einen guten Appetit!

Blumenkohl-Curry

Zutaten: 2 Zwiebeln, ein Stück Ingwer, 2 Tomaten, ein kleiner Blumenkohl, 2 Handvoll Erbsen, Salz, Kurkuma (Gelbwurz), *Chili-Sambar-Pulver, Curry Blätter, Toor Dal, Tamarinde, Senfsamen, Urad Dal gesplittet, Kumin (Kreuzkümmel), Korianderblätter

*Unser Chili-Sambar-Pulver mischen wir selbst im folgenden Verhältnis: 200g rote Chilis, 200g Toor-Dal frittiert mit Korianderblättern, 400g Koriandersamen, 1 Handvoll Pfefferkörner.

  1. Eine Tasse Toor Dal im Dampfkochtopf weichkochen und zur Seite stellen.
  2. Den Ingwer und die Zwiebeln klein schneiden und in etwas Öl dämpfen.

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3. Die Tomaten klein geschnitten dazugeben.

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4. Den klein geschnittenen Blumenkohl und die Erbsen dazugeben.

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5. Wasser dazugeben, sodass das Gemüse knapp bedeckt ist.

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6. 1-1,5 TL Salz, 1 TL Kurkuma und 2-3 EL Chili-Sambar-Pulver und Curryblätter dazugeben , mischen und für rund 10-15 Minuten köcheln lassen.

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7. Den Toor-Dal etwas breiig rühren, die Tamarinde in etwas Wasser einlegen, ausdrücken und das Wasser dem Dal dazugeben.

8. Den Dal mit dem Tamarindwasser dem Gemüse beigeben, mischen und kurz aufkochen lassen.

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9. In einer separaten Pfanne in etwas Öl das Tempering zubereiten. 1-1,5 TL Senfsamen, 1-1,5 TL gesplitteter Urad-Dal und 1 – 1,5 TL Kumin (Kreuzkümmel) im Öl frittieren bis die Senfsamen springen.

10. Das Tempering (Senfsamen, Kumin, gesplitteter Urad-Dal) dem Curry zugeben und mit Korianderblättern abschmecken.

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11. Das Blumenkohl-Curry mit Reis servieren. Einen guten Appetit!

Rosenblatt – Gewinne eine kleine Kosmetiktasche

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Hallo liebe Leserinnen und Leser

Wie ihr vielleicht schon wisst, führe ich hier in Chennai ein kleines soziales Frauenprojekt. Wir unterstützen bedürftige Frauen mit einer festen Anstellung und einem fairen Lohn.

Aus indischen Stoffen und Bordüren nähen wir Glückwunschkarten, Taschen und Täschchen in vielen Größen und Formen, Haargummi, Augenkissen, Schlüsselanhänger, …

Gerne gehen wir auch auf persönliche Bedürfnisse ein und nähen nach Kundenwunsch.

Bei Interesse findet ihr auf meiner Webseite www.rosenblatt-india.com das gesamte Angebot.

Bis am 28. Februar verlose ich zwei hübsche Flamingo-Kosmetiktäschchen.

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Hast du Lust mitzumachen? Hinterlasse nach diesem Artikel bei WordPress einen netten Kommentar und du bist bei der Verlosung dabei.

Das Gewinnspiel läuft bis am 28. Februar 2019 um 00:00.

Die Gewinnerin oder der Gewinner wird nach dem Zufallsprinzip ermittelt und per E-Mail benachrichtigt.

Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Glück!

Mit lieben Grüßen aus Chennai

Irène

 

Wie zeichne ich ein südindisches Rangoli?

Rangoli und Kolams gehören in den indischen Alltag dazu. Natürlich kann man die schönen Muster auch auf Papier zeichnen und sie als Motive für Glückwunschkarten oder anderes gebrauchen. Vielleicht habt ihr Lust dies mal auszuprobieren?

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Südindisches Rangoli

Anleitung für ein einfaches Blumen-Rangoli

  1. Auf einer Blanko-Karte oder auf einem Blatt Papier die Mitte suchen und kennzeichnen. Auf beiden Seiten 10 Punkte in einer geraden Linie ergänzen. Die zweite Linie versetzt aufzeichnen.

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2.  Die weiteren Linien immer versetzt weiterführen bis nur noch 11 Punkte übrig sind.

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3. Das gleiche auf der oberen Blatthälfte einzeichenen. So ergibt sich die Startposition des Rangoli, ein 21 x 11 verschobenes Punktegitter.

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4. In einer Ecke mit dem Blumenmuster beginnen. Den 4. Punkt von der Ecke aus einkreisen.

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5. Das erste Blütenblatt einzeichnen.

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6. Die weiteren Blütenblätter rund um die Kreismitte aufzeichnen.

 

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7. Von den Spitzen der Blütenblätter die drei Punkte darüber zu einem Halbkreis verbinden.

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8. Die Punkte in den Halbkreisen mit einer Spirale verbinden.

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9. Das Blatt folgendermassen einzeichnen.

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10. Von der nächsten Ecke wieder den 4. Punkt einkreisen und die Blume mit Blatt wiederholen.

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11. Das Gleiche in jeder Ecke wiederholen.

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12. Die gleiche Blume in der Mitte zeichnen und 6 Blätter ergänzen.

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13. Das Rangoli mit einem wasserfesten Stift nachzeichnen und die Bleistiftlinien ausradieren.

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14. Das Muster farbig gestalten.

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15. Wer Lust und Zeit hat, kann das Rangoli noch mit einem Goldstift nachzeichnen und verzieren.

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Tipps für Indienreisende

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In Indien funktioniert vieles anders, als man sich von der westlichen Kultur her gewohnt ist. Glücklicherweise sind die Inder gegenüber Touristen und „Indian Greenhorns“ recht großzügig, wenn es ums Einhalten der indischen Etikette geht. Wer jedoch nicht gerne ins Fettnäpfchen tritt und Fehler vermeiden möchte, der sollte folgende Punkte beachten.

Kleider machen Leute

In der indischen Kultur ist ordentliche und saubere Kleidung etwas sehr Wichtiges. Der Hippie-Gammel-Look, den manche Touristen in Indien tragen, kommt in der Regel gar nicht gut an. Die meisten Inder sind bezüglich Kleidung konservativ eingestellt. In den Citys sieht man zwar immer mehr westliche Kleider, aber die wenigsten tragen Shorts, Miniröcke oder Spaghettiträger-Tops. Es sei denn, man ist in einer hippen Bar, einem Fünfstern-Hotel oder natürlich in Goa. Dort tragen sogar indische Frauen aus der Oberschicht körperbetonte Kleidung und zeigen viel Haut.

Ich empfehle Indienreisenden sich konservativ, angemessen und achtsam zu kleiden. Die Beine und Schultern sollten bedeckt sein. Großzügige Ausschnitte sollten Frauen mit einem Schal abdecken. Männer haben etwas mehr Spielraum. An sehr touristischen Orten sind Shorts okay. Besucht man jedoch gehobenere Lokale oder religiöse Stätten sind auch bei Männern lange Hosen ein Muss.

Natürlich kann in Indien jede und jeder tragen, was sie oder er will. Wahrscheinlich wird auch niemand etwas sagen, höchstens ungläubig starren, heimlich schmunzeln oder innerlich den Kopf schütteln. Man wird jedoch mit Sicherheit anders, d. h., mit weniger Respekt und Achtung, auf unangemessene Kleidung reagieren.

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Schuhe bleiben draußen

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich, weil sie schmutzig und staubig sind.

Auch in vielen Geschäften stehen Schilder an der Tür „Please leave your shoes outside“.

Die rechte Hand

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In Indien gilt die linke Hand als unrein, da viele sich mit dieser nach dem Toilettengang reinigen.

Im Kontakt mit Essen sollte man darauf achten, dass man nur die rechte Hand braucht. Auch beim Weiterreichen oder beim Schöpfen von Speisen sollte man der rechten Hand stets Vorrang geben.

Das Gleiche gilt beim Bezahlen. Viele Inder sind sehr abergläubisch und deuten es als schlechtes Omen, wenn man Geld mit der Linken überreicht.

Finger und Füße

Wie bei uns in der westlichen Kultur ist es unhöflich, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Das Gleiche gilt bei den Füßen. Es ist respektlos etwas mit den Füßen zu berühren oder darauf zu zeigen. Passiert mal ein Missgeschick, sollte man sich sofort entschuldigen.

Auf der andern Seite ist es durchaus üblich, dass die Füße von älteren Respektspersonen berührt werden. Mit dieser Geste bringt man seine Achtung zum Ausdruck und bittet um den Segen.

Nicht beleidigt sein, wenn persönliche Fragen gestellt werden

Für Menschen, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind, erscheinen die indischen Landsleute oft etwas ungehobelt, manchmal sogar unhöflich. Da trifft man einen Inder zum ersten Mal und der fragt ungeniert: Are you married? Do you have children? What’s your profession?

In Indien kennen viele keine Privatsphäre und so sind Fragen nach Familie, Beruf oder sogar nach dem Gehalt üblich. Wem dies zu viel ist, der sollte es mit der Wahrheit nicht zu genau nehmen. Natürlich darf man auch zurückfragen! Oft sind die Leute darüber erfreut und man kommt ins Gespräch. Fragen über Politik und Religion können jedoch sehr heikel sein und sollten besser vermieden werden.

Bitte und Danke

Die Zauberwörter Bitte und Danke, die uns in der westlichen Kultur in Fleisch und Blut übergegangen sind, hört man in Indien selten. Ein Grund dafür liegt auch in der anderen Sprachkultur. Die formelle, höfliche Anrede schließt oft ein Bitteschön ein.

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangszeit in Indien. Ich dachte wirklich, dass ich nur von unhöflichen, unerzogenen Menschen umgeben bin.

In der Familie und unter Freunden ist danken unüblich. Man kann damit sogar jemanden verletzen und unnötig Distanz aufbauen. Wenn ich mich bei meiner Angestellten für etwas bedanke, dann sagt sie stets: „No thanks, Mam!“

Im Vergleich zu indischen Zeitgenossen bin ich auch heute noch sehr höflich. Ich wurde scheinbar gut erzogen und diese Wörter sind bei mir verinnerlicht.

Ich komme so zurecht und viele wissen ein Danke auch zu schätzen.

Bei aufdringlichen Bettlern, übereifrigen Geschäftemachern oder bei schlechtem Service sollte man jedoch auf Höflichkeit definitiv verzichten.

Begrüßen

Namaskar oder Namaste ist die gängigste Grußform in vielen Teilen Indiens. Sehr schön finde ich die spirituelle Bedeutung von Namaste. Grob übersetzt bedeutet es: „Ich grüße das Göttliche in dir.“ Dabei hält man die gefalteten Hände vor der Brust zusammen und verbeugt sich leicht. Diese traditionelle Begrüßung wird auch gebraucht, um sich zu verabschieden.

Hier in Tamil Nadu sagt man Vanakkam.

Unter Männern etabliert sich der Händedruck immer mehr.

Als Frau sollte man den Händedruck zu Männern vermeiden, es sei denn man bewegt sich in der Oberschicht oder in der indischen Geschäftswelt.

Einkaufen und feilschen

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Mit weißer Haut steigen die Preise der Händler, Geschäftsinhaber, Autoriksha-Fahrer, … massiv an. Es ist zwar oft mühsam, ermüdend und zeitaufwendig, aber man muss um die Preise feilschen. In der Regel kann man als Tourist den Preis um die Hälfte runterhandeln. Leider sind die Inder uns im Handeln meist bei Weiten überlegen und sie lesen anhand unserer Mimik und Gestik genau, was uns interessiert. Ein Pokerface und Desinteresse zu zeigen, kann durchaus helfen, die überrissenen Touristenpreise zu senken. Hilfreich ist es auch, wenn man den Laden nach erfolglosen Preisverhandlungen einfach verlässt. Meistens wird man dann zurückgerufen und bekommt einen besseren Preis.

Vom Nein-Sagen

In Indien ist es oft wichtig und angebracht klar NEIN zu sagen. Wenn es jedoch um Einladungen zu Hochzeiten oder Hauseinweihungen geht, braucht es mehr Fingerspitzengefühl, um nicht respektlos und unfreundlich zu erscheinen. Man sollte bei Einladungen nie direkt Nein sagen. Besser man sagt: „Ich werde versuchen zu kommen.“

Indian Stretchable Time

Die Zeit tickt in Indien anders. Als pünktlicher Mensch aus der westlichen Kultur kann dies sehr nervenaufreibend und frustrierend sein. Man tut besser daran, sich auf die Indian Stretchable Time einzustellen. Durch den Verkehr bedingt, kann man sich in Indien tatsächlich schnell verspäten.

Mit einer Verspätung von 30 Minuten oder mehr zu einer Verabredung zu erscheinen, ist für Inder absolut normal. Am besten man richtet sich darauf ein, kommt selbst etwas später und hat etwas dabei um die Wartezeit zu überbrücken.

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit

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Sexualität ist in Indien ein großes Tabuthema. Die indische Gesellschaft ist diesbezüglich sehr konservativ eingestellt. In der Öffentlichkeit zu küssen, sich zu umarmen oder nur Händchen zu halten ist ein No-Go.

Junge Männer jedoch laufen oft Hand in Hand oder Arm in Arm durch die Gegend. Dies hat nichts mit Homosexualität zu tun, sondern ist Ausdruck der Freundschaft.

Rauchen und Alkohol

Das Rauchen und Trinken von Alkohol ist in Indien aus religiösen Gründen oft verpönt. Seit vielen Jahren darf nicht mehr auf öffentlichen Plätzen geraucht werden und das Einführen von E-Zigaretten ist verboten. In einigen Bundesstaaten, beispielsweise in Gujarat ist der Alkoholkonsum gänzlich verboten. Im Jahresverlauf gibt auch viele sogenannte „Dry Days“. Vor Wahlen, aber auch an vielen Festtagen darf kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden. In Indien ist es für Restaurants schwierig eine Lizenz für den Ausschank von Alkohol zu bekommen.

An sehr touristischen Orten bekommt man manchmal auf diskrete Anfrage illegal ein Glas Wein oder ein Bier. Dieses wird dann meist unauffällig in einem normalen Trinkglas serviert.

Es ist jedoch nicht so, dass in Indien nicht getrunken und geraucht wird. Die Inder haben jedoch keine Trinkkultur, wie wir sie kennen. Gerne wird Whiskey und Rum getrunken – und dies nicht zu wenig!

Frauen, die rauchen oder trinken sind in Indien selten anzutreffen. Diese gehören in der Regel zur oberen Mittel-oder Oberschicht.

Im Beisein einer Respektperson wird in der Regel nicht geraucht oder getrunken. Mein Mann würde nie vor seinen Eltern rauchen oder etwas trinken. (Obwohl die inzwischen längst wissen, dass er dies ab und zu tut.)

Als Tourist bleibt einem nichts anderes übrig, als sich den gegebenen Umständen mit Umsicht anzupassen.

Schließe nicht von einem Erlebnis auf alle andern

Indien ist ein riesiges Land mit vielen kulturellen Hintergründen, vielen verschiedenen Menschen und Religionen. Was in einem Landesteil, in einer bestimmten Schicht oder Kaste üblich ist, muss nicht zwingend in ganz Indien so sein. Beurteile und verurteile die Menschen und ihr Verhalten nicht vorschnell. Vieles wird man auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick nicht verstehen können. Versuche diesem vielfältigen Land mit einer gewissen Offenheit und Respekt zu begegnen.

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Wenn du mehr über das richtige Verhalten in einem hinduistischen Tempel wissen möchtest, lies hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/17/besuch-in-einem-hindutempel-das-solltest-du-wissen/

Mehr über den Gebrauch der rechten Hand im indischen Alltag:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/10/rechts/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Valentin lässt grüssen – aus meinem Tagebuch vom 14. Februar 2007

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Die Valentins-Tradition schwappt auch nach Indien über, schließlich ist man modern, aufstrebend und wo Inder ein gutes Geschäft wittern, sprich Geld riechen, da werden alle Register gezogen.

Bereits Tage vor dem 14. Februar sind die Zeitungen mit Werbeinseraten überfüllt, es wird geworben, dass sich die Balken biegen. Schmuck, Restaurants, Kleidergeschäfte, Reiseangebote, Events, … es nimmt kein Ende.

Mein Mann lässt sich von dieser Werbung leider nicht inspirieren. Die Fachtipps vom Profi im Valentine’s Special, einer Beilage unserer Wochenzeitung, lassen ihn kalt. Er findet solche Tage einfach „*Chabis“. Tja, so muss ich wohl oder übel auf den vom Valentins-Fachmann empfohlenen I-Pod, das romantische Wochenende in Malaysia und auf das neue Handy verzichten. Eigentlich teile ich ja die Meinung meines Liebsten und finde den Tag der Liebenden vor allem  eine Geschäftemacherei.

Trotzdem habe ich am Vortag bei Prabhu zur Sicherheit – unter Androhung eines Heimweh-Heulanfalls – Blumen bestellt. Es ist nicht so, dass ich nie Blumen bekomme, aber am Valentinstag ist dies quasi obligatorisch.

Es hat tatsächlich geklappt und ich bekam einen Strauss mit roten Rosen ;-)!

Am Abend hat er mich, d. h. uns, sogar zum Essen ausgeführt. Eigentlich wollten wir in unser Stammrestaurant in der Nähe, aber als ich unseren Sohn auf dem Weg fragte, was er denn essen möchte und ihm die ganze indische Palette schmackhaft machte, meinte er nur: „Pizza ässe!“. Der liebende Vater fuhr umgehend in den Pizza Hut, wo wir wegen Valentinsandrang etwa eine Viertelstunde warten mussten, bis wir einen Tisch bekamen.

Die Pizza schmeckte lecker und die vielen roten Herzballons mit der Aufschrift „I love you“, die uns überall entgegen leuchteten, stimmten unglaublich romantisch, oder eben auch nicht….

*Chabis bedeutet eigentlich Kohl. Im berndeutschen Sprachgebrauch wird es oft verwendet, wenn man etwas doof oder unsinnig findet.

 

10 Jahre in Indien – Gedanken und Rückblick

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Wenn Menschen aus der Schweiz oder aus Deutschland erfahren, dass ich in Indien lebe, dann bekomme ich meistens mitleidige Blicke. Mit mitfühlender Stimme höre ich sie sagen: „ Oh, das ist sicherlich nicht einfach! In Indien könnte ich nie leben.“

Wenn Menschen aus Indien erfahren, dass ich aus der Schweiz stamme, dann bekomme ich interessierte, aber auch erstaunte Blicke. „Wie schaffst du es, in Indien zu leben? Ist dies nicht schwierig? Wie gefällt es dir hier? Die Schweiz ist doch so schön! Wann gehst du zurück?“

Seit Ende Dezember lebe ich insgesamt nun 10 Jahre in Chennai. Indien ist meine neue Heimat geworden und ich komme inzwischen sehr gut zurecht. Ich brauche kein Mitleid, denn ich leide hier nicht und es mangelt mir an nichts. Klar vermisse ich ab und zu meine alte Heimat, klar jammere ich während der Hitzemonate über das schier unerträgliche Klima. Natürlich gibt es auch in meinem indischen Alltag Hochs und Tiefs. Doch mein Leben ist hier so privilegiert, dass ich keinen Grund zum Klagen habe. Im Gegenteil – ich lebe hier weitgehend stressfrei und habe Zeit.

Ich kann es mir leisten meine Wäsche auswärts bügeln zu lassen, ich habe Sundari, die mir beim Putzen zur Hand geht, ich kann mir jeder Zeit einen Fahrer bestellen, um mich chauffieren zu lassen, und wir sind in der glücklichen Lage, Suriyan auf eine gute internationale Schule zu schicken. Einen Luxus, den wir uns in meiner alten Heimat niemals leisten könnten!

Indien hat meinen Horizont und meine Sichtweisen sehr verändert und erweitert. Vieles sehe ich nun mit ganz anderen Augen und viele Dinge habe ich erst hier richtig zu schätzen gelernt. Selbstverständlich ist hier nicht alles goldig und toll. Indien hat große Schattenseiten. Armut, Umweltverschmutzung, Korruption, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Überbevölkerung sind ständig präsent und oft ist es nicht einfach, diese Missstände auszuhalten. Doch wahrscheinlich ist der riesige Subkontinent genau aus diesem Grund so faszinierend und unglaublich. Es fällt wohl leichter das Licht, das Schöne zu sehen und zu entdecken, wenn es viel Schatten gibt.

Viele spirituell Suchende kommen nach Indien und praktizieren Yoga, meditieren, besuchen Ashrams und hoffen, Antworten von ihren Gurus zu bekommen. Sie scheinen auf der Suche nach dem Fehlenden, nach dem Sinn in ihren oft sehr gestressten Leben. Eines ist in Indien sicher, es entstresst und verlangsamt unseren Alltag. Wer hier gedenkt mit gleicher Geschwindigkeit weiterzumachen wie in der westlichen Welt, der wird seinen Albtraum erleben und wohl nie wieder zurückkehren. Wer hingegen versucht, mit Geduld und Gelassenheit auf oft widerliche und schwierige Umstände zu reagieren, der wird Indien faszinierend finden und in seinen Bann gezogen werden, der wird es vielleicht sogar lieben. Ich denke, erst wenn dies gelingt, kann man in diesem Land das Wunderbare und Schöne richtig entdecken.

Ich behaupte, dass ich heute ein dankbarer Mensch bin und mich auch über kleine Dinge freuen kann. Auch bezüglich Geduld war und ist mir Bharat Mata (Mutter Indien) eine gute Lehrmeisterin. Wenn nicht heute, dann halt morgen oder übermorgen. Man hat Zeit zum Warten, man muss sich notgedrungen immer wieder in Geduld üben. Vieles erscheint im Lande Gandhis nicht mehr ganz so wichtig und dringend. Man wird oft auf sich selbst zurückgeworfen, es wird einem der Spiegel vorgehalten und man wird mehr mit den eigenen Schattenseiten, den eigenen Grenzen konfrontiert.

Bevor ich meinen Liebsten kennenlernte, habe auch ich in Indien nach Antworten gesucht. Ich war überzeugt, dass Sathya Sai Baba ein Heiliger war, habe mehrmals seinen Ashram in Puttaparthi besucht. Doch auch hier entdeckte ich beim genauen Hinsehen große Schatten. Wo Licht ist, findet man Schatten. Das ist und bleibt einfach ein Universalgesetz. Auch diesbezüglich hat sich mein Denken komplett verändert. Meiner Meinung nach braucht man keinen Meister, um sich weiterzuentwickeln. Unsere Beziehungen und unsere Leben sorgen von ganz alleine dafür, dass wir uns mehr oder weniger verändern. Alles liegt in uns selbst, und wir sind die Gestalter unseres Lebens.

Wenn ich das aktuelle Geschehen in der Schweiz mitverfolge, kann ich oft nicht mehr nachvollziehen, warum die Schweizer vieles so aufregt und beschäftigt. Manchmal kann ich mir das Jammern auf allerhöchstem Niveau nicht mehr anhören.

Die Schweiz ist so ein kleines Land. Indien ist fast 80-mal größer! Oft habe ich das Gefühl, dass das große Ganze vergessen geht, dass trotz Globalisierung gar nicht wahrgenommen wird.

Inzwischen mag ich mein Leben hier. Das war jedoch nicht immer so. Es hat mich viel Zeit und Geduld gekostet, um mich hier einzuleben, mich mit den Umständen zu arrangieren. Anfangs stand mir das ständige Vergleichen mit der Schweiz im Wege. „Das ist in der Schweiz schöner! Das ist in der Schweiz besser! Die Schweizer sind zuverlässiger, pünktlicher, organisierter, fleißiger,…“ Ich könnte die Liste endlos weiterführen! Jetzt habe ich das ständige Vergleichen weitgehend überwunden. Es bringt nämlich überhaupt nichts, sondern macht nur unglücklich und unzufrieden. Das Leben hier ist einfach anders!

Attari-Wagah-Border

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Nach rund 45 Minuten Autofahrt erreichten wir von Amritsar aus den berühmten Grenzort Attari. Kurz vor der Ankunft wurden uns mehrmals Indienflaggen und Indien-Caps zum Verkauf angeboten. Als wir den riesigen Parkplatz erreichten, wurde sofort klar, dass wir nicht die Einzigen sein sollten, die das militärische Spektakel an der Grenze zu Pakistan besuchten. Kaum ausgestiegen, bemalte ein junger Mann bereits Suriyans Hand mit der Indienflagge und auch unsere indischen Freunde waren bemalt und hatten, ganz patriotisch, Caps und Fahnen gekauft.

Unsere Taschen mussten wir im Auto zurücklassen, denn diese darf man nicht mitnehmen. Nur das Handy und das Portemonnaie hatte ich in der Jackentasche dabei. In geschlechtsgetrennten Reihen passierten wir die strengen Sicherheitskontrollen. Vor mir wurde eine junge Frau mit einer Powerbank nicht durchgelassen.

Eine lange Allee führte zum Grenzübergang und immer wieder gab es Verkaufsstände mit allerhand grün- weiß-safran-gestreiften Souvenirs.

Als Prabhu und ich bei der Tribüne ankamen, waren unsere Freunde und Suriyan bereits außer Sichtweite. Die Grenzsoldaten wiesen uns, dank meiner weißen Haut, zu den besseren Plätzen auf die rechte Seite. In der 2. Sitzreihe setzten wir uns zwischen die vielen ausländischen Besucher. Da die Sonne sehr unangenehm blendete, kauften wir jetzt etwas widerwillig auch zwei Caps und mein Liebster entdeckte für meine Kühlschrank-Magnet-Sammlung auch noch einen Attari-Wagah-Border Magneten.

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Die Tribünen füllten sich immer mehr. Suriyan und unsere Reisegefährten entschlossen sich, den Platz nicht mehr zu wechseln. So erlebten wir die Grenzschließung aus der Nähe von der rechten, sonnigen Seite und sie aus der Ferne von der linken, schattigen Seite. Was für eine Symbolik!

Die meisten Inder sind Patrioten und sehr stolz auf ihre Armee und insbesondere auf die Border Security Force. Diese leisten an den Grenzen auch unglaubliche und gefährliche Dienste. Bei uns im Süden bekommt man davon, da wir so weit entfernt sind, natürlich kaum etwas mit.

Etwa 10 Minuten nachdem wir Platz genommen hatten, fuhr der letzte Reisebus dieses Tages mit grossem Jubel nach Lahore.

Kurz darauf ohrenbetäubende indische Musik! Die vielen Menschen auf den Tribünen jubelten und johlten. Frauen und Mädchen durften auf indischer Seite mit Nationalflaggen, die ihnen von Grenzsoldatinnen übergeben wurden, hin und her laufen und danach ausgelassen tanzen.

Danach begann die militärische Show. Die Border Security Force marschierte erst mit Hunden der Grenze zu. In den khakifarbenen Uniformen und den roten Fächerhüten erinnerten sie mich mit eher an Gockel, als an Soldaten. Synchronisiert mit der pakistanischen Grenzwache, die ähnliche Uniformen in Schwarz trugen, begann das Spektakel. In Stechschritten, bei denen ich schon fast beim Zuschauen einen Bandscheibenvorfall kriegte, marschierten sie aufeinander zu. Sie kickten theatralisch mit den Füssen in die Luft und zeigten einander die Fäuste. Die Zuschauer auf beiden Seiten wurde zusätzlich angeheizt. „*Bharat Mata ki Jai!“, schrie das indische Publikum immer wieder, sodass mir fast das Trommelfell platzte.

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Ich muss sagen, dass mich das Ganze etwas traurig stimmte und Prabhu ging es ebenso. Auch viele im Publikum erhoben Richtung Pakistan ihre Fäuste. Ich weiß, dass die beiden Länder eine schlimme, problematische Vergangenheit haben und bin mir bewusst, dass auch heute noch viele Konflikte bestehen. Doch die Wut gegeneinander so mitzuerleben, gab mir doch zu denken.

Endlich wurden dann die riesigen Flaggen auf beiden Seiten eingeholt und penibel gefaltet. Ich war froh, dass in der einstudierten Choreografie am Schluss noch ein Händedruck zwischen Indien und Pakistan zustande kam.

 

*Bharat Mata ist die Personifizierung Indiens als Mutter. Das Motto „Bharat Mata ki Jai“ bedeutet soviel wie „Sieg für Mutter Indien“. Es wird vor allem in der indischen Armee gebraucht.

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Informationen zum Goldenen Tempel von Amritsar:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/22/der-goldene-tempel-von-amritsar/

Mehr über die Geschichte des Punjabs findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/28/das-land-der-sikhs-blutgetraenkt-und-zweigeteilt/

1984 wurde der Goldene Tempel von der indischen Armee gestürmt. Mehr Informationen dazu findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/29/im-land-der-sikhs-die-operation-blue-star/

Jallianwallah Bagh, Amritsar:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/30/jallianwala-bagh-in-amritsar/