Der liegende Shiva in Surutapalli

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Letzten Sonntag fuhren wir wiedermal zum Pallikondeswara Tempel in Surutapalli. Der Tempel liegt in Andhra Pradesh in der Nähe zum Bundesstaat Tamil Nadu und man erreicht ihn in rund zwei Autostunden von Chennai aus.

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Renovierungsarbeiten in Surutapalli

Die Gegend ist voller spannender Geschichten. Lord Brahma wollte hier in der Nähe seine Sünden mit einem Opferfeuer wieder gut machen und zu Shiva beten. Mitten im Urwald suchte er Feuerholz und wollte mit dem Arani-Holz ein Feuer entfachen. Doch aus dem Holz entsprang kein Feuer, sondern ein Fluss, der Arani-Fluss. Tatsächlich erschien Shiva und er fragte Brahma, was er für ihn tun könnte. Brahma bat Shiva, sich am Fluss Arani entlang den Menschen fünfmal zu offenbaren und zu zeigen. Shiva erfüllte ihm diesen Wunsch und so entstanden fünf Tempel am Arani-Fluss. Einer davon ist in Surutapalli.

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Der Nandi-Bulle, das Reittier von Lord Shiva beim Tempeleingang

Der Tempel ist etwas Besonderes in ganz Indien. Hier findet man den einzigen liegenden Shiva auf dem Schoss von Parvati und den einzigen Dakshinamurthy (ein Aspekt von Lord Shiva als Guru), der mit seiner Frau dargestellt ist. Auch das Prinzip von Pradosham soll hier entstanden sein. Pradosham ist die günstige Zeit, die zweimal im Monat stattfindet, um seine Sünden Lord Shiva zu übergeben. Immer am 13. Tag von jeder Fortnight (14 Tage), 1,5 Stunden vor und nach dem Sonnenuntergang herrscht eine besonders günstige Zeit um sich mit Lord Shiva zu verbinden und ihm die Sünden und Fehler zu übergeben.

Nachdem die Devas (Götter) und die Asuras (Dämonen) den Milchozean aufgerührt hatten, um den Nektar der Unsterblichkeit zu gewinnen, entstand auch das tödliche Gift Halahala. Um die Menschheit zu retten, trank Lord Shiva das Gift. Parvati hielt ihm jedoch die Kehle zu damit er es nicht runterschlucken konnte, das Gift stoppte in seinem Hals und färbte ihn blau.

Der Legende nach erreichte er ganz erschöpft und schwach Surutapalli. Hier lag er auf der Schoss seiner Frau Parvati und ruhte er sich aus. Die gesamte Götterwelt und viele Weise versammelten sich besorgt um den liegenden Shiva. Ganesha, Murugan mit seinen Frauen Valli und Deivanai, Vishnu, Brahma, Surya (Sonnengott), Chandra (Mondgott), Narada (Götterbote) und viele mehr standen um ihn herum und sorgten sich.

Ich finde diesen Tempel immer wieder schön und irgendwie kommt man hier zur Ruhe. Wir hatten einen wunderbaren Darshan und mit Sicherheit waren wir nicht zum letzten Mal in Surutapalli.

Lemon Rice

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Lemon Rice darf in der südindischen Küche nicht fehlen und ist schnell zubereitet. Der leicht zitronige Reis schmeckt zu verschiedenen Chutneys oder Joghurt-Raita. Wenn ich zuviel Reis gekocht habe, zaubere ich aus den Resten oft einen leckeren Lemon Rice.

Zutaten für eine Tasse Reis (ungekocht): 2-3 EL Öl, 2-3 rote Chilis, 1/2 TL Senfsamen, 1TL Channa Dhal, 1 TL gesplitteter Urad-Dhal, eine kleine Handvoll Cashew- oder Erdnüsse, feingeschnittener frischer Ingwer ca. 1-2 EL, ein Zweig Curryblätter, wenig Hing Pulver (Asafoetida), 4-5 kleingeschnittene grüne Chilis, 1/2 TL Turmeric powder (Kurkuma, Gelbwurz), Salz, Zitronensaft (1 Zitrone/ 3-4 Limetten), Reis

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Rezept-Anleitung

  1. 1-2 EL Öl in die Pfanne geben und heiss werden lassen.

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2. 2-3 rote Chillis in kleinere Stücke schneiden, zugeben und leicht fritieren

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3. 1/2 TL Senfsamen dazugeben und fritieren  bis sie springen

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4. 1 TL Channa-Dhal zugeben, fritieren

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5. 1 TL gesplitteter Urad-Dhal dazugeben, fritieren

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6. Eine kleine Handvoll halbierte Cashew- oder Erdnüsse zugeben, fritieren bis sie leicht braun werden

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7. 1-2 EL kleingeschnittener Ingwer zugeben, leicht fritieren

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8. Ein Zweig Curryblätter zugeben

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9. 2-3 Prisen Hing Powder (Asafoetida) zugeben

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10. 4-5 kleingeschnittene grüne Chilis zugeben, kurz fritieren

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11. 1/2 TL Turmeric Powder (Gelbwurz, Kurkuma) zugeben. Das ergibt dann die schöne gelbe Farbe.

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12. Mit Salz abschmecken (ca. 1 TL)

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13. Zitronensaft zugeben.

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14. gekochter Reis dazugeben und gut mischen

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Mit Joghurt -Raita oder verschiedenen Chutneys servieren.

Guten Appetit!

Das grosse Abenteuer der kleinen Rosa – Neues von meinen Palmhörnchen

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Ich gebe es zu, ich habe die kleinen Löcher im Drahtgitter gesehen. Doch die waren klein, eindeutig zu klein für ein Hörnchen und so habe ich ihnen nicht weiter Beachtung geschenkt.

Erst vor drei Tagen als Rosa plötzlich, wie durch Zauberhand, verschwunden war, habe ich entdeckt, dass meine beiden Süssen inzwischen Schwerstarbeit geleistet hatten. Ein Loch war stark vergrössert, genau passend für ein Hörnchen. So wurde das Rätsel schnell gelöst. Rosa war ausgebüxt, entflohen aus dem vertrauten Umfeld, auf Entdeckungsreise in die weite Welt unseres Quartiers. Mr. Speedy sass alleine im Badezimmer und schaute mich mit seinen schwarzen Knopfäuglein etwas mitgenommen und deprimiert an. Er schien nicht grade glücklich über sein unerwartetes Alleinsein. Sofort machte ich mich auf die Suche. Pfeifend und rufend ging ich ums Haus herum und auf die Dachterrasse. Doch von Rosa keine Spur. Den ganzen Tag über machte ich mir Gedanken, ob die Kleine es wohl schaffen würde und immer wieder besuchte ich Speedy, der sich nicht getraute durch das Loch zu schlüpfen. Weitere Suchrunden brachten auch keinen Erfolg.

Auch in der Nacht dachte ich immer wieder an Rosa. „Ob sie wohl ein Plätzchen zum Schlafen gefunden hat?“

Am nächsten Morgen sah das Badezimmer noch erstaunlich sauber und aufgeräumt aus. Speedy sass auf dem Duschkopf und kam schnell zu mir als er mich sah. Die kleine Rosa war also die Chaotin, die alles auf dem Boden zerstreute und mein Badezimmer täglich verunstaltete.

Unsere Hunde wollten nach draussen. Ich schloss die Haustüre auf und öffnete die Gittertür zur Dachterrasse als mich unerwartet etwas ansprang. Ich bin fast zu Tode erschrocken, aber als ich auf meine Schulter sah, entdeckte ich die kleine Rosa. Ich weiss nicht, wer von uns beiden in diesem Moment wohl glücklicher war, aber ich vermute es war meine Süsse. Speedy schnüffelte sie sofort liebevoll ab und Rosa machte sich sofort hungrig ans Frühstück.

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Nun sind die beiden wieder glücklich vereint und ich habe beschlossen, dass ich das Loch offen lasse.

Manchmal entdecke ich die beiden jetzt draussen auf dem Fenstersims.

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Zu grossen Abenteuer sind sie scheinbar noch nicht bereit, aber das Tor zur Freiheit steht offen.

Vijayadasami – mit dem Segen der Göttin Saraswati

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Aus meinem Tagebuch vom Oktober 2007:

Suriyan sieht aus wie ein kleiner Prinz in seiner traditionellen indischen Kurta und der dicken Goldkette, die er von seinen Großeltern geschenkt bekommen hat.

In der Playschool feiern wir heute Vijayadasami, es ist der Tag des Neustarts. Eigentlich der ideale Zeitpunkt, um ein Geschäft zu gründen, eine Ausbildung anzufangen oder die Schule zu beginnen. An der Schule von Suriyan werden neue Kinder aufgenommen und alle Schüler dürfen an einer Segnung teilnehmen. Vijayadasami ist der zehnte und letzte Tag von Navaratri und in Tamil Nadu ist die Schirmherrin die Göttin Saraswati. Sie ist die Göttin des Wissens und der Künste. Wenn es um Lernen, Erziehung, Ausbildung und Kunst geht, ist sie die richtige Ansprechperson.

Im Unterrichtsraum haben die Lehrerinnen einen schönen Altar aufgebaut. Bilder von Saraswati und Ganesha stehen mit Blumengirlanden geschmückt darauf. Lord Ganesha darf an diesem Tag natürlich auch nicht fehlen, denn er beseitigt alle Hindernisse.

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Am Boden sind farbige Rangoli gestreut. Suriyan darf seiner Playschool-Auntie auf den Schoss sitzen und in eine große, silberne Schüssel gefüllt mit Reis das heilige Zeichen OM schreiben. Bevor die Kinder beginnen zu schreiben, wird dieses Ritual durchgeführt.

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Unser Sohn faltet vor dem Altar kurz seine Hände zum Gebet und danach bekommt er ein kleines Geschenk.

Für die Lehrerinnen haben wir Früchte und einen großzügigen Batzen mitgebracht, denn es ist auch ein Tag, um sich beim Guru (Lehrer) zu bedanken, ihn zu ehren und zu beschenken.

Mehr Informationen zu Navaratri findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/14/navaratri-neun-naechte-fuer-die-goettinnen/

Ayudha Pooja – die Vereherung der Werkzeuge

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Die Geschäfte am Straßenrand haben die Eingänge mit jungen Bananenstauden, mit Blumen- oder mit Palmblattgirlanden dekoriert und viele geschmückte Autos, Lastwagen und Motorräder sind heute auf den Straßen unterwegs.

Es ist Ayudha Pooja. Als Teil von Navaratri werden heute, am neunten Tag,  alle Werkzeuge lobpreist und gesegnet. Für die Pooja sind Bananen absolut unerlässlich. Die Bananenpflanze steht für Fruchtbarkeit und Reichtum, denn von der Bananenpflanze kann alles verwendet werden. Die Blätter werden als Teller gebraucht, der Stamm, die Früchte und auch die Blüten werden gegessen.

Ayudham bedeutet in Tamil Waffen, Werkzeuge. In den meisten Familien werden die wichtigsten Gebrauchsgegenstände durch eine Pooja gereinigt und gesegnet.

Nach der Pooja vor dem Hausaltar, geht der Hausherr oder die Hausherrin mit einem Deepa-Aradhana (Deepa= Flamme, Aradhana= Umkreisung), einem Messinggefäß mit einer kleinen Flamme, im Haus umher und umkreist mit der Flamme alles was im Haus von Bedeutung ist. Dabei wird immer eine kleine Glocke geläutet. Die Wasserpumpe, der Sicherungskasten, der Mixer, die Nähmaschine, der Fernseher, der Computer, der Kochherd, der Kühlschrank, der Schmucktresor, die Waschmaschine, … alle diese selbstverständlichen Dinge, die uns den Alltag ungemein erleichtern, rücken ins Zentrum und werden gesegnet und lobpreist.

Auch die Schulbücher und Stifte der Schulkinder und Studenten liegen beim Hausaltar und werden gesegnet.

In jeder Berufsgruppe sieht die Ayudha-Pooja etwas anders aus. Soldaten und Polizisten segnen ihre Waffen, Handwerker ihre Werkzeuge, Schüler und Studenten ihre Bücher und Stifte, Rikshafahrer ihre Tuk-Tuks, …

Bei Prabhu auf der Baustelle werden immer alle Werkzeuge gereinigt und die Baustelle wird dekoriert. Jeder Arbeiter zerschlägt in einem kleinen Ritual einen gesegneten Backstein in zwei Teile. Danach bekommen alle Früchte, Süßigkeiten und einen Batzen, der dem Tageslohn entspricht.

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Mehr zu Navaratri findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/14/navaratri-neun-naechte-fuer-die-goettinnen/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/19/vijayadasami-aus-meinem-tagebuch-vom-21-oktober-2007/

Besuch in einem Hindutempel – das solltest du wissen

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Thanjavur

Wer eine Reise nach Indien wagt, kommt um einem Besuch in einem hinduistischen Tempel nicht vorbei. Berührungsängste braucht man eigentlich keine mitzubringen, denn in der Regel stehen Tempel Menschen aller Religionen offen. Manchmal darf man als AusländerIn nicht ins Allerheiligste, was man mit Gelassenheit respektieren sollte. Es gibt auch Tempel, die AusländerInnen keinen Zutritt gewähren. Im Guruvayur Tempel in Kerala wurde ich, obwohl ich ganz traditionell gekleidet war, nicht eingelassen. Nur mit einem hinduistischen Ehezertifikat hätte ich Zutritt bekommen. Diese Entscheidungen muss man einfach ruhig hinnehmen, denn argumentieren, bringt meistens gar nichts.

Tempel sind für gläubige Hindus heilige, bedeutsame Orte. Hier kommt man her um die Götter zu preisen, zu beten und oft auch um seine Sorgen und Nöte kundzutun.

Als ausländischer, andersgläubiger Gast sollte man sich daher immer ruhig und respektvoll verhalten.

 

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Chidambaram

Kleidung

Dies beginnt mit angemessener Kleidung. Wenn man einen Tempelbesuch plant, sollte man unbedingt auf saubere, gepflegte und eher konservative Kleidung achten. Es müssen nicht unbedingt traditionelle, indische Kleider sein, die Kleidung sollte jedoch die andern Tempelbesucher nicht stören und ablenken.

Männer sollten lange Hosen und ein sauberes Hemd oder T-Shirt tragen. Kurze Hosen werden nicht gerne gesehen und oft bekommt man so auch keinen Zutritt. In einigen Tempeln in Südindien müssen Männer einen Dhoti (Wickelrock) tragen. Den kann man sich oft in einem Geschäft ausserhalb des Tempels gegen ein kleines Entgelt ausleihen. Es gibt auch Tempel, wo Männer nur mit Dhoti und nacktem Oberkörper rein dürfen.

Frauen sollten lange Hosen oder einen langen Rock tragen und ihre Schultern sollten bedeckt sein. Es empfiehlt sich einen Schal mitzunehmen mit dem man die Schultern und die Brust abdecken kann.

Man sollte vermeiden Lederprodukte in einen Tempel mitzubringen.

 

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Thiruvannamalai

Opfergaben

Vor dem Tempel kann man meistens Opfergaben kaufen. Kokosnüsse, Früchte und Blumen gehören immer dazu. Hindus glauben, dass Opfergaben die Götter erfreuen und so die Gebete eher in Erfüllung gehen. Die Opfergaben werden vor dem Schrein dem zuständigen Priester überreicht und im innersten Zimmer dem entsprechenden Gott dargeboten. Ins Innerste des Schreins hat nur der Priester Zutritt. Nachdem der Priester die Gaben vor Gott gesegnet hat, lässt er einen Teil bei der Gottheit und den anderen Teil bringt er zurück und übergibt ihn.

Opfergaben sind kein Muss und man ist in keinster Weise verpflichtet etwas zu kaufen und mitzubringen. Wir bringen beispielsweise nur selten Opfergaben mit. Das Gleiche gilt für Spenden.

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Schuhe

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich auch, weil sie schmutzig, staubig sind.

In grösseren Tempeln gibt es immer Stellen, wo man seine Schuhe für einige Rupees abgeben kann. Man erhält dann einen Token, so kann man seine Schuhe nach dem Tempelbesuch wieder abholen.

Manchmal kann man die Schuhe auch in einem kleinen Geschäft oder bei den Blumenverkäuferinnen abgeben. Die passen gegen ein kleines Entgelt gerne darauf auf.

Wer um seine teuren Schuhe Angst hat, sollte für den Besuch im Tempel ein paar einfache Flip-Flops anziehen. Im Meenakshi-Tempel in Madurai beobachtete ich, wie eine Ausländerin ihre Schuhe in ihre Tasche stopfte. Bei der Taschenkontrolle wurde sie jedoch sehr unfreundlich und mit zornigen Blicken umgehend zurückgeschickt. Bitte lasst eure Schuhe einfach draußen.

Wie sieht es aus mit Socken? Einige finden dies absolut unproblematisch und für andere gehören Socken zu den Schuhen. Da die Böden während der Sommermonate oft sehr heiß werden, behalten einige Touristen gerne ihre Socken an. Die Inder tun dies natürlich nie. Ich gehe immer barfuss in einen Tempel.

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Rameshwaram

Fotografieren

In vielen berühmten Tempeln ist fotografieren verboten. Oft darf man nicht mal die Kamera mitnehmen. Mit den Smartphones hat sich nun alles verändert. Viele Inder und Touristen setzen sich leider schamlos über diese Verbote hinweg, da sie nicht mehr zu kontrollieren sind. Wenn man Fotos macht, sollte man sehr mit Bedacht und Respekt vorgehen und andere Tempelbesucher nicht stören. Wenn es untersagt ist, dann würde ich mir als Gast niemals erlauben zu fotografieren, auch wenn viele andere sich über das Verbot hinwegsetzen. Betende Menschen zu fotografieren, finde ich persönlich nicht in Ordnung. Bei einem Tempelbesuch darf es nicht darum gehen, möglichst tolle Bilder zu knipsen, sondern in sich zu gehen und die Andacht und die Stimmung zu erleben.

 

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Tiruvannamalai

Im Tempel

Tempel sind in der Regel immer ähnlich aufgebaut. Meistens steht links Lord Ganesha. Ihm gehören immer die ersten Gebete. Er ist der Gott des Anfangs und der Überwinder aller Hindernisse. Danach geht man im Uhrzeigersinn durch den Tempel. Statuen von Gottheiten sollte man nicht berühren. In grossen Tempeln gibt es vor den Hauptschreinen oft separate Reihen für Frauen und Männer. Einfach gut beobachten und sich in die richtige Reihe stellen. Bei Unsicherheiten helfen die Besucher oder auch die Priester normalerweise gerne weiter.

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Priester

Priester sind auch nur Menschen und obwohl sie äusserst religiös sind, leuchten die Augen oft auf, wenn sie Ausländer erblicken. Geschäftstüchtig erhoffen sie sich einen grossen Batzen. So können sich Priester manchmal aufdringlich und geldgierig zeigen. Oft wollen sie Ausländern private Pooja-Zeremonien aufschwatzen oder sie zu unverschämten Spenden drängen. Manchmal offerieren sie sogar gegen eine entsprechend hohe Summe doch einen Blick ins Allerheiligste. Hier sollte man sich gänzlich zurückhalten, kein Interesse zeigen und nicht zahlen.

Es gibt leider auch sehr konservative Priester, die gar keine Freude haben, wenn Ausländer ihren Tempel besuchen. Ich wurde nach einem Darshan schon bewusst übergangen als ich mit offener rechter Hand vorbeiging um Vibhuti zu erhalten. Doch solche Erlebnisse sind nicht die Norm und kommen selten vor.

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Wunschbaum (vor allem für Kinderwünsche)

Beim Gott, Darshan

Vor dem Schrein faltet man seine Hände zum Namaste und verbeugt sich leicht. Wem dies zuviel ist oder wer sich dabei unwohl fühlt, sollte das Ganze aus der Entfernung beobachten. In grossen Tempeln hat es oft viele Menschen, die Gott sehen und sich segnen lassen wollen. So ist es oft eng und auch hier wird gedrängelt.

Der Hinduismus und seine Rituale sind sehr vielfältig und oft sogar für Hindus undurchschaubar. Je nach Tempel läuft der Darshan, die Lobpreisung Gottes durch die Priester etwas anders ab. Meistens werden Lobgesänge und Mantras angestimmt und die Gottheit wird mit Flammen umkreist. Danach kommt der Priester mit den Öllichtern zu den Gläubigen und überreicht je nach verehrter Gottheit Vibhuti, heilige Asche (Shiva) Kumkumpulver (Parvati), Sandelholzpaste (oft an Festtagen), Blumen oder Tulsi-Wasser (Vishnu). Oft bekommt man auch Prasad, gesegnete Speisen (meist Süssigkeiten oder Hülsenfrüchte).

Wichtig hierbei ist, dass man es immer mit der rechten Hand entgegen nimmt. Die linke darf die rechte Hand stützen. Wer dies nicht beachtet, zieht mit Sicherheit den Zorn des Priesters auf sich.

Am besten man beobachtet genau und macht es einfach nach, dann geht in der Regel alles problemlos.

Nach dem Darshan sollte man den Tempel nicht sofort verlassen. Man setzt sich ausserhalb noch etwas hin und verweilt eine Weile im Tempel.

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Madurai

 Bettler

Wenn man den Tempel verlässt, sitzen meistens Bettler da, die um Almosen bitten. Oft sind es alte Frauen und Männer oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Viele Tempelbesucher ignorieren diese und laufen einfach vorbei. Ich tue mich schwer damit. Schon aus der Ferne beobachten und fixieren mich ihre Blicke. Das verzweifelte, hilflose „Amma, please!“ kann ich nicht übergehen. Aus diesem Grund schaue ich immer, dass ich Kleingeld dabei habe, so dass ich jedem einen 5er geben kann. Mehr als 10 Rupien sollte man nicht geben.

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Navaratri – neun Nächte für die Göttinnen

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Navaratri sind wichtige Feiertage im hinduistischen Jahreslauf. Das Fest dauert neun Nächte und wird nach dem Hindukalender im Monat Ashwin gefeiert. Das Fest richtet sich nach dem Mond und findet in der hellen Mondphase statt.

In Indien wird Navaratri sehr unterschiedlich gefeiert. Doch ein gemeinsames Thema zeigt sich überall: Der Sieg des Guten über das Böse.

In Tamil Nadu stehen die drei Göttinnen Durga, Lakshmi und Saraswati im Zentrum.

Es gibt viele Inkarnationen der Göttin Durga. Mit mindestens 108 Namen wird sie aufgerufen. Die wichtigste Funktion der Göttin ist es, das Böse zu zerstören und das Gute zu wahren. Sie gilt als Mutter des Universums. Sie ist die Kraft hinter der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums. Sie wird mit acht oder sogar zehn Armen dargestellt, trägt Waffen und reitet auf einem Löwen oder Tiger. In Tamil Nadu wird sie Amman genannt.

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Lakshmi ist die Göttin des Wohlstandes, des Glücks und der Schönheit. Sie ist die Frau Vishnus und eine gütige und gnädige Göttin.

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Saraswati ist die Göttin der Künste, des Wissens und der Weisheit. Sie ist die Frau von Brahma und wird mit vier Armen dargestellt. Sie hält die heiligen Schriften, eine Lotusblüte und mit zwei Händen spielt sie das indische Saiteninstrument Veena. Sie schliesst das zehntägige Navaratri-Fest am letzten Tag ab. An Vijayadashami legen die Schüler und Studenten ihre Bücher vor ihr nieder und bitten sie um ihren Segen.

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Während des Navaratri-Festivals bekomme ich immer wieder Einladungen. Viele Familien, vor allem Brahmanen, stellen während Navaratri in ihren Häusern Golus auf. Dabei handelt es sich um eine schöne Tradition in Tamil Nadu. Auf Treppenstufen werden farbige Figuren aufgestellt. Die Stufen symbolisieren quasi die Entwicklungsstufen. Auf den untersten Stufen stehen Steine, Pflanzen, Tiere und danach wird oft das ländliche Alltagsleben der Menschen dargestellt. Wieder eine Stufe höher stehen dann die Gurus, die Lehrer und die obersten Stufen sind für die Götter und Göttinnen.

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Liebevolle Details aus dem Alltagsleben

 

Ein Golu bleibt während der ganzen Navaratri-Zeit stehen. Man lädt Familie, Freunde und Bekannte ein. Meistens wird den Gästen Sundal (Hülsenfrüchte) und eine Süssigkeit angeboten. Verabschiedet wird man dann mit Sandelholzpaste, Kumkumpulver und Vibhuti, die man sich auf der Stirn aufträgt und immer gibt es auch noch ein kleines Geschenk.

An der Schule unseres Sohnes findet auch immer die Garba-Night statt. Dies ist ein Brauch aus dem Norden. Man tanzt gemeinsam, viele bringen Dandiya-Stöcke mit, die zum traditionellen nordindischen Garba-Tanz gehören.

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Am neunten und zehnten Tag von Navaratri feiern wir in Tamil Nadu Ayudha Pooja und Vijayadashami. Mehr darüber erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/18/ayudha-pooja-die-vereherung-der-werkzeuge/

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/19/vijayadasami-aus-meinem-tagebuch-vom-21-oktober-2007/

Munnar – Tee soweit das Auge reicht

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Umringt von den höchsten Bergen Südindiens auf etwas mehr als 1500m ü. M. liegt das Städtchen Munnar. Die Hillstation, die zum Bundesstaat Kerala gehört, ist für viele Inder und inzwischen auch für Touristen aus aller Welt ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Die wunderschöne Aussicht und die scheinbar unendlichen Teeplantagen erfrischen die Augen mit ihrem leuchtenden Grün.

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Die indische Firma TATA, die inzwischen an der Spitze des indischen Teemarktes steht, betreibt hier grosse Teeplantagen und eine Teefabrik. Immer wieder entdeckt man an den Hängen Teepflückerinnen, die frischgewachsene, junge Teeblätter pflücken und die gesammelten Blätter in riesigen Bündeln auf dem Kopf tragen. Nach vielen gewerkschaftlich-organisierten Streiks und Verhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen verdienen die Plückerinnen nun ungefähr 500 Rupien pro Tag. Die Arbeit ist hart, anstrengend und nicht ganz ungefährlich in dem oft steilen Gelände.

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Auch die Kühe pflücken Tee 😉

Wenn man in Munnar weilt, sollte man sich unbedingt eine der vielen Teefabriken anschauen.

Wir hatten es damals gewagt mit dem Jeep zum Kottagudi Tea Estate (über 2000m) zu fahren. Auf der abenteuerlichen, holprigen und stark abfallenden Naturstrasse bin ich vor Angst zwar fast gestorben, aber der Ausblick hat sich alleweil gelohnt.

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Wer gerne sehen möchte, wie unsere gängigen Gewürze in Natur aussehen, der sollte einen der vielen Gewürzgärten besuchen. Nach der Führung wird man geschäftstüchtig in den eigenen Laden gebracht, wo man sich mit Gewürzmischungen und Honig eindecken könnte, die natürlich als hausgemacht und biologisch angepriesen werden. Hier empfiehlt sich eher Zurückhaltung, da oft hohe Preise verlangt werden.

Kardamom
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Zimt
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Kaffee
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Vanille

Ausser Natur und Ruhe hat Munnar eigentlich keine Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es lohnt sich jedoch die Umgebung zu erkunden. Auch geführte Trekkingtouren sind möglich.

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Rund 13 km von Munnar liegt der Mettupetty Stausee. Wenn man Glück hat, kommen hier frühmorgens oder am späten Nachmittag Elefanten vorbei um Wasser zu trinken. Leider ist Mettupetty inzwischen sehr kommerzialisiert. Zu horrenden Preisen werden Speedboat-Fahrten, Elefanten- und Pferdereiten, … angeboten. Auf das Elefantenreiten sollte man als Respekt zu diesen sensiblen Tieren unbedingt verzichten.

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Mehr über die grauen Riesen Indiens: https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/07/die-grauen-riesen/

Der Eravikulam National Park (15 km von Munnar entfernt) ist das Zuhause von der berühmten Niligri Thar Ziege. Leider wollte sich uns keine zeigen.

Wer sich vom indischen Alltagsstress erholen möchte und sich gerne in der Natur aufhält, für den ist Munnar und Umgebung genau das richtige Reiseziel. Ich fand es wunderschön!

 

 

 

 

Kanyakumari – die südlichste Stadt Indiens

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Dröhnend erschallen harsche, unfreundliche Parkanweisungen über Lautsprecher als wir die Kleinstadt Kanyakumari erreichen. Eine Heerschar von geparkten Bussen und Autos lassen mich schon Böses ahnen. Jährlich zieht es Millionen von Pilgern und Touristen nach Kanyakumari. Hässliche Neubauten reihen sich ohne Charme aneinander und der bedeckte Himmel, der bereits am Nachmittag für düstere Stimmung sorgt, macht es auch nicht wirklich besser.

Das soll dieser besondere Ort sein, wo man Sonnenaufgang und –untergang vom gleichen Platz beobachten kann?

Hier sollen sich die Bengalische See, der Indische Ozean und das Arabische Meer vereinen?

Meine Vorstellungen und Erwartungen waren eindeutig zu romantisch!

Die Lautsprecher dröhnen nervend weiter und wir suchen unser Hotel, das im Stadtzentrum liegt, natürlich in einem dieser hässlichen Gebäudekomplexe. Wenigstens hat Prabhu die Zimmer im obersten Stock gebucht und auf der riesigen Dachterrasse bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Auf den zwei Felsen, die nicht weit von der Küste liegen, sehen wir das Vivekananda Memorial. Hier soll der berühmte indische Philosoph Vivekananda 1893 drei Tage lang meditiert haben. Auf dem anderen Felsen steht die über 40m hohe Statue des tamilischen Dichters Tiruvallur. Beide Inseln kann man mit dem Boot besuchen. Auch entdeckten wir das Gandhi Mandapam, eine Gedenkstätte für den grossen Mahatma Gandhi, dessen Asche nach seinem Tod 1948 an dieser Stelle dem Meer übergeben wurde.

Insgeheim habe ich mir den Sonnenuntergang und –aufgang schon in allen orange-roten Farbstufen vorgestellt. Das wird sicherlich tolle Fotos geben. Zuversichtlich hoffe ich, dass der Himmel gegen Abend aufklärt.

Etwas später machen wir uns auf den Weg zum berühmten Kumari Amman Tempel. Kumari Amman ist die jungfräuliche Göttin, die viele zum Weinen bringt, wenn man zu ihr betet. Man glaubt, dass sie die Starrheit in unserem Geist auflösen kann. Dargestellt wird sie mit einer Gebetskette, einer Japamala und ihr Reittier ist ein Löwe oder ein Tiger.

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Eigentlich sollte die junge Prinzessin mit Lord Shiva vermählt werden. Der Hochzeitstag und die Uhrzeit, die man genau einhalten musste, waren schon ausgemacht und Shiva bereits auf dem Weg zu seiner Braut. Doch die Devas baten den Götterboten Narada inständig die Hochzeit zu verhindern, da nur eine Jungfrau den mächtigen Dämon Banasura vernichten könnte. So täuschte Narada in der Form eines Hahnes eine falsche Uhrzeit vor. Shiva, der dachte, dass er nicht pünktlich zur Hochzeit eintreffen würde, kehrte traurig um und die Hochzeit fand nicht statt. Kumari wurde sehr wütend, beschloss aber jungfräulich zu bleiben und weiterhin Lord Shiva die Treue zu halten. Ihr Zorn verlieh ihr ungeahnte Kräfte und später gelang es ihr den mächtigen Dämon Banasura zu töten.

Auf dem Weg zum Tempel säumen viele Marktstände den Straßenrand. Aufdringliche Händler und Verkäufer bieten lautstark ihre Waren feil. Die Menschenmassen nehmen immer mehr zu und der Tempel erscheint eng und klein. Während unsere Gäste sich mit unserem Fahrer in den Tempel wagen , warten wir geduldig bei den Ghats. Keiner von uns hat Lust sich in diese Menschenmenge zu stürzen.

Auch der Abend bringt uns kein Glück. Vom Sonnenuntergang ist nichts zusehen und auch der Sonnenaufgang am nächsten Morgen versteckt sich hinter einer dichten Wolkendecke.

Obwohl man Kanyakumari eine gewisse spirituelle Atmosphäre nicht absprechen kann, bin ich nicht warm geworden mit diesem Ort. Vielleicht müsste ich Kanyakumari nochmals bei schönem Wetter und in der Nebensaison eine Chance geben. Mit solchen Bildern könnte Kanyakumari dann auftrumpfen.

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