Blumen auf dem letzten Weg – über den Tod

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Als ich in der Schweiz lebte, kam ich mit dem Thema Tod eigentlich selten in Berührung. Erst im jungen Erwachsenenalter sah ich einen toten Menschen, meinen Grossvater. Es war ein beängstigendes Gefühl diesen nun seelenlosen Körper zu sehen, und endgültig Abschied zu nehmen.

In der westlichen Welt ist der Tod und das Sterben ein grosses Tabuthema. Obwohl wir alle einmal gehen müssen und uns das Sterben und der Tod gewiss ist, sprechen die wenigsten darüber. Die Toten verschwinden schnell, leise und diskret in Särgen, grauen Leichenwagen und Aufbahrungshallen. Der Tod fällt nicht auf, er ist ganz leise und bescheiden. Erst wenn die Todesanzeige im Briefkasten liegt oder wir die Anzeige in der Zeitung lesen, realisieren wir, dass jemand von dieser Erde gegangen ist.

Hier in Chennai ist dies ganz anders. Bei den Hindus ist der Tod sichtbar und laut. Auch wenn man die verstorbene Person nicht gekannt hat, kommt man nicht darum herum den Tod zu sehen und wahrzunehmen.

Wenn in Indien jemand stirbt, findet sich die ganze Trauergemeinde am Wohnort des Verstorbenen ein. Meistens wird vor dem Haus ein Stoffzelt aufgebaut und viele Stühle werden arrangiert. Der Verstorbene wird aufgebahrt und alle nehmen Abschied und bringen Blumengirlanden. Es ist sehr wichtig, dass man den Körper nochmals sehen kann, um sich zu verabschieden und um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Durch das tropische Klima bedingt, geht es meistens schnell zum Krematorium. Auf einem Wagen wird der tote Mensch für alle sichtbar aufgebahrt und im Schritttempo zur nächsten Verbrennungsanlage gezogen oder gefahren. Hier im Süden gehen nur die Männer zum Krematorium. Je nach Kastenzugehörigkeit wird wild getanzt, getrommelt, Böller werden losgelassen und die Blumen der vielen Girlanden werden auf die Strasse gestreut. Manchmal geht es auch etwas ruhiger zu und man hört nur ein Muschelhorn.

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Am Verbrennungsort werden die letzten Rituale durchgeführt. In der Regel entzündet der älteste Sohn das Feuer für den Vater und der jüngste Sohn für die Mutter. Nach neun oder fünfzehn Tagen kommt die ganze Trauergemeinschaft nochmals zusammen um endgültig Abschied zu nehmen und bestimmte Rituale auszuführen.

An jedem Todestag wird dem Verstorbenen gedacht, man kocht seine Lieblingsspeise und führt eine Pooja durch. Da die Krähen als Boten zwischen der dies- und jenseitigen Welt angesehen werden, bekommen sie immer einen Leckerbissen davon ab.

Hier in Indien erlebe ich den Tod also immer wieder ganz nah, sehe die Toten auf dem Weg ins Krematorium, höre die Trommeln, die Böller, bemerke die gestreuten Blumen auf der Strasse, … und doch bin ich bis jetzt auch hier verschont geblieben und habe keine nahestehende Person verloren. Trotzdem wird einem die eigene Endlichkeit immer wieder präsent und ich habe mir auch schon überlegt, wie dies bei mir wohl sein wird, falls ich in Indien sterbe.

Hörnchen News

Heute ist mein 15. Tag als Hörnchenmama. Den beiden geht es sehr gut. Sie wachsen, legen Gewicht zu und sind viel aktiver und schneller geworden. Langsam kommen die süssen Öhrchen nach vorne und durch die längern Haare und den immer buschiger werdenden Schwanz sehen sie immer mehr aus wie Palmhörnchen.

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Ich füttere sie nun im 3.5–4-Stundentakt und freue mich schon auf den kommenden 5–6- Stundenrhythmus. Gestern ist endlich meine superteure Katzenaufzuchstmilch eingetroffen. Jetzt wo die beiden so gut auf die Babymilch mit Schwarztee und etwas Zwiebackpulver eingestellt sind! Ich habe jetzt trotzdem angefangen das Babymilchpulver zu reduzieren und dafür etwas Kittenmilchpulver dazuzugeben. Von Brei wollen beide immer noch gar nichts wissen und auch wenn die Milch mal etwas zuviel Zwieback enthält und etwas dickflüssiger ist, wollen sie nicht mehr trinken und scheinen ihre süssen Näschen zu rümpfen.

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Der wacklige Gang ist nun geschmeidiger und die beiden lieben es überall hochzukratzeln, rumzuklettern und neugierig auf Entdeckungstouren zu gehen.

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Doch inzwischen sind sie so flink, dass es mir schlicht zu gefährlich wurde sie auf dem Tisch freizulassen. So habe ich ihnen gestern eine Spielkiste eingerichtet, wo sie vor und nach dem Trinken spielen können. Die WC-Rolle wird immer aufs Neue erkundigt. Die Spielkiste ist ein Vergnügen für die ganze Familie geworden, denn Rosa und Speedy zu beobachten, macht einfach Freude.

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Seit einigen Tagen wollen beide nur noch im Liegen trinken. Die Pfötchen an die Spritze halten und ganz lang ausstrecken! Das sieht vielleicht lustig aus!

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Freunde – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

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Sudama stammte aus einer armen Brahmanen-Familie. Als Knaben wurden Sudama und Lord Krishna gemeinsam vom Weisen Sandeepany unterrichtet. Die beiden waren vorbildliche Schüler und eine tiefe Freundschaft verband sie. Sie nahmen ihr Lernen sehr ernst und halfen auch bei einfachen Aufgaben im Haushalt mit. Nachdem ihre Ausbildung zu Ende war, segnete sie ihr Guru und sie mussten schweren Herzens von einander Abschied nehmen.

Krishna ging nach Dwaraka zurück und bald darauf wurde König. Er heiratete Rukmini, die Prinzessin von Vidarbha.

Sudama ging zurück in sein Dorf und lebte ein einfaches Leben als frommer Brahmane. Er betete täglich zu Krishna und lobpreiste ihn. Seiner lieben Frau Susheela erzählte er von seiner Freundschaft zu Krishna, die seine Kindertage sehr geprägt hatte. Obwohl sie nicht reich waren, führten die beiden ein zufriedenes und einfaches Leben. Die Jahre vergingen und sie bekamen ein Kind. Die Familie musste immer wieder Nachbarn um Hilfe bitten, denn es fehlte an allem. Susheela bat Sudama mehrmals, Lord Krishna zu besuchen und ihn um Hilfe zu bitten, aber Sudama wollte Krishna nicht mit seinen Problemen belasten und aus eigennützigen Gründen vor ihn treten.

Die Familie wurde von Tag zu Tag ärmer und große Sorgen plagten die kleine Familie. Da sprach Susheela erneut zu ihrem Mann: „Mein Liebster, du musst Lord Krishna um nichts bitten. Du kannst ihn einfach besuchen und ihn um seinen Segen bitten. Ich bin sicher, dies wird und Glück und Wohlergehen bringen.“

Sudama dachte über die Worte seiner Frau nach und er beschloss seinen Freund Krishna in Dwaraka zu besuchen. Bevor er das Haus verließ, fragte er seine Frau, ob sie etwas hätte, das er Lord Krishna überbringen könnte. Susheela erinnerte sich sofort daran, dass Sudama ihr erzählt hatte, dass Lord Krishna Reisflocken sehr mochte. Schnell eilte sie ins Nachbarhaus, borgte sich etwas und verpackte die Flocken sorgfältig in ein sauberes Tuch.

Auf dem Weg nach Dwaraka drehten sich Sudamas Gedanken. Einen Moment lang war er sehr aufgeregt und freute sich darauf seinen Freund zu sehen und im nächsten Moment zweifelte er, ob Lord Krishna ihn überhaupt einlassen und wiedererkennen würde.

Dwaraka war eine wunderschöne Stadt. Schon von Weitem erblickte Sudama den prachtvollen Palast aus Marmor, der im Sonnenlicht hell erstrahlte. Wachen standen vor dem Tor und als Sudama näher kam, reagierten sie sehr unhöflich. „Wer bist du? Was willst du hier?“, fragten sie. „Ich heiße Sudama und ich bin ein alter Freund von Lord Krishna. Würdet ihr dem König bitte ausrichten, dass ich hier bin?“, sprach Sudama mit sanfter Stimme.

Nach seiner langen Reise sah Sudama sehr schmutzig und elend aus und die Wachen reagierten sehr skeptisch, überbrachten Krishna aber die Nachricht. Als Krishna die Nachricht vernommen hatte, eilte er so schnell wie möglich zum Tor und schloss seinen Freund in die Arme.

„Sudama, ich bin so froh, dich zu sehen. Es ist so lange her. Wie geht es dir, mein lieber Freund?“

Krishna nahm seinen Freund an der Hand und führte ihn in den Palast. Die Wachen waren sehr erstaunt, denn noch nie hatte Krishna einen Gast so empfangen. Krishnas Palast war riesig, die Böden waren aus weissem Marmor und die Wände waren mit wundervollen Schnitzereien verziert. Krishna führte Sudama in den Thronsaal und sagte zu seiner Frau Rukmini: „Das ist mein lieber Freund Sudama!“

Rukmini lächelte ihm zu und verbeugte sich. „Krishna hat immer viel von dir erzählt. Ich bin so froh, dass du gekommen bist!“ Krishna und Rukmini liessen Sudama Platz nehmen und wuschen seine Füße. Sudama wollte seinen Freund stoppen, doch Krishna beharrte darauf. „Sudama, deine Füße sind von der langen Reise sicher müde, lass sie mich bitte waschen,“ sprach Krishna sanft und besorgt. Als Sudama Krishnas Liebe und Fürsorge für ihn spürte, hatte er sogleich Tränen in den Augen.

Sudama wurde in den Speisesaal geführt und ein königliches Festessen wartete auf ihn. Rukmini selbst bediente ihn zuvorkommend. Sie verbrachten den ganzen Tag zusammen und sprachen über die guten alten Zeiten. Als es Nacht wurde, offerierte Lord Krishna seinem Freund sein eigenes Bett zum Schlafen. Doch Sudama war so überwältigt, dass er kaum schlafen konnte. Er fühlte sich so gesegnet und glücklich. Er war so zufrieden, dass er sogar vergessen hatte, Krishna um Hilfe zu bitten.

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Am nächsten Morgen als er sich von Krishna und Rukmini verabschieden wollte, fragte Krishna: „Sudama, was hast du eigentlich für mich mitgebracht?“ Sudama schaute betroffen zu Boden und versuchte, das kleine Bündel mit den Reisflocken zu verstecken. Nach allem was Krishna für ihn getan hatte, schämte er sich für das billige Geschenk. Aber Krishna entdeckte das Bündel und entriss es Sudama. Er öffnete es sofort und rief erfreut aus: „Sudama, du erinnerst dich noch daran? Ich liebe Reisflocken. Ich danke dir vielmals.“

Sudama war ganz überrascht, als er sah wie Krishna die Reisflocken genüsslich ass. Er dachte für sich: „Krishna hat allen Reichtum, den man sich nur vorstellen kann und doch freut er sich wie ein kleines Kind über Reisflocken.“

Nachdem sie sich verabschiedet hatten, machte sich Sudama auf den langen Heimweg. Doch die Reise zurück war überhaupt nicht ermüdend und er dachte immer wieder an die gemeinsamen, wundervollen Momente in Dwaraka zurück. Die gemeinsame Zeit mit Krishna ließ ihn alle Sorgen und Ängste einfach vergessen.

Als er in seinem Dorf ankam, war er ganz überrascht. Er konnte seine eigene Hütte nicht wieder finden. An dessen Stelle stand ein wunderschönes Herrenhaus. Während er noch verdutzt vor dem Haus stand, rannten seine Frau und sein Sohn ihm entgegen. Sie trugen schöne Kleider und Goldschmuck. Susheela erzählte ihrem heimgekehrten Mann von dem großen Wunder, das in seiner Abwesenheit passiert war. Die kleine Hütte hatte sich über Nacht in dieses wunderschöne Haus verwandelt.

Sudama war sprachlos. Obwohl er seine Sorgen mit keiner Silbe erwähnt hatte, kannte der allwissende Lord Krishna all seine Probleme. Krishna war Gott! Von da an wuchs seine Hingabe zu Krishna mehr und mehr. Letztendlich erreichte Sudama Moksha, die Befreiung der Wiedergeburt und er wurde eins mit Gott.

 

 

 

 

 

Das Festessen – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

Beim Aufräumen in Suriyans Bücherschrank sind wir auf alte Bilderbücher mit Göttergeschichten gestoßen. Ich liebe diese Geschichten! Und so habe ich angefangen, bevor ich die Bücher verschenke, einige Geschichten auf Deutsch zu übersetzen und sie in meinem Blog zu veröffentlichen. Während Kinder in der westlichen Kultur mit den Märchen der Gebrüder Grimm aufwachsen, so erzählt man hier in Indien die unzähligen Göttergeschichten …

Das Festessen

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Vor langer Zeit regierte Kubera über Lanka (heutiges Sri Lanka). Er war ein freundlicher König und teilte seine Güter und seinen Reichtum mit seinen Brüdern. Sein ehrgeiziger Bruder Ravana nutzte dies schamlos aus und scheute sich nicht davor ganz Lanka zu verlangen. Auf Rat von seinem Vater und um Blutvergießen zu verhindern, gab Kubera Lanka auf und überließ es seinem Bruder.

Er war verzweifelt, deprimiert und mittellos. Als treuer Anhänger von Shiva begann er darauf Tag und Nacht zu meditieren und zu beten. Er wünschte sich sehnlichst seinen Reichtum zurück. Seine aufrichtigen Gebete aus tiefstem Herzen erfreuten Lord Shiva. Eines Tages als Kubera im Gebet versunken war, erschien Lord Shiva vor ihm.

„Ich weiß, dass du dich nach Reichtum sehnst. Von jetzt an sollst du sehr wohlhabend werden und großen Reichtum erlangen. Was auch immer du ausgibst, dein Vermögen wird nicht weniger werden. Aber sei gewarnt: Reichtum alleine kann dich nie ganz zufriedenstellen und glücklich machen!“

Kurz darauf war Kubera ein reicher und wohlhabender Mann. Sein Traum wurde wahr und er dankte Lord Shiva überschwänglich für seine Großzügigkeit. Shivas Warnung jedoch vergaß er schnell.

Kubera baute eine prächtige Stadt auf dem Berg Mandara in der Nähe des Himalaya-Gebirges.

Alakapuri war die prachtvollste Stadt, die es je gegeben hatte. Der mächtige Palast war mit wundervollen Gärten umgeben. Anfangs herrschte Kubera freundlich, respektvoll und bescheiden über Alakapuri. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr änderte er sich. Er wurde arrogant und wollte seine Macht und seinen Reichtum überall zur Schau stellen. So beschloss er, ein riesiges Fest zu veranstalten, um allen seinen Wohlstand zu zeigen. Er arrangierte die besten Köche des Landes, suchte die besten Designer um die Stadt und den Palast zu dekorieren. Er scheute keinerlei Ausgaben, um das perfekte Fest auszurichten.

Auch die Götter lud er zu seinem Fest ein. Mit seiner fliegenden, goldenen Kutsche Pushpaka, die selbst die Götter in Erstaunen versetzte, flog er nach Kailash um Lord Shiva und Parvati zum Fest einzuladen. Dass Lord Shiva ihm all diesen Reichtum erst möglich gemacht hatte, vergaß er dabei. Shiva durchschaute Kuberas Absichten und meinte:

„Es tut mir leid, ich bin im Moment sehr beschäftigt, aber ich werde zu meiner Repräsentation meinen Sohn Ganesha schicken.“

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Ganesha liebte gutes Essen. Auch wenn er noch ein Kind war, hatte er oft einen unbändigen Appetit. Als er hörte, dass er zum Fest durfte, freute er sich sehr und Kubera dachte, dass es ein leichtes sein würde ein Kind zufriedenzustellen.

Als sie Alakapuri erreichten, zeigte Kubera stolz seine Stadt, den Palast, die Gärten, … und Ganesha wurde immer hungriger. Als es endlich zum Speisesaal ging, begann Ganesha sofort zu essen.

Die königlichen Diener tischten die besten Speisen auf und in einigen Sekunden hatte Ganesha alles aufgegessen. Danach brachten sie die Süßspeisen und auch die waren im Nu verschwunden. Ganesha verlangte nach mehr und mehr. So servierten sie alles, was die Küche hergab. Doch auch dies befriedigte den kleinen Ganesha nicht. Er hatte immer noch einen unstillbaren Appetit. So begann er Teller, Stühle und alles was im Palast herumstand zu verschlingen. Kubera verzweifelte und bat Ganesha aufzuhören, aber der kleine Elefantengott konnte nicht mehr stoppen.

Kubera hatte Ganeshas Kräfte unterschätzt und flog in Panik wieder nach Kailash.

„Grosser Lord Shiva, bitte hilf mir ! Dein Sohn isst meine ganze Stadt auf!“, bat er.

Shiva blieb ganz ruhig und er wusste, dass Kubera seine Lektion gelernt hatte.

Er sprach: „Gib Ganesha diese Reisflocken. Übergebe sie mit Liebe und Demut, so wird mein Sohn genährt und erfreut sein.“

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Kubera dankte Lord Shiva und eilte zurück in seine Stadt. Währenddessen war Ganesha dabei die ganze Stadt aufzuessen. Kubera rannte zu ihm und bot ihm in Demut und Liebe die Reisflocken an. Sobald Ganesha die Flocken gegessen hatte, fühlte er sich satt und zufrieden.

Jetzt realisierte Kubera, dass er trotz seines unendlichen Reichtums nicht in der Lage war, den Appetit eines kleinen Jungen zu stillen und sah seinen Fehler ein.

Demut, Liebe und Respekt sind wichtiger als aller Reichtum dieser Welt.

Das Wettrennen – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

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Shiva und Parvati lebten mit ihren zwei Söhnen, Ganesha und Murugan auf dem Berg Kailash im Himalaya.

Ganesha, der ältere Sohn, war weise, bescheiden und geduldig. Murugan, der jüngere Sohn, war intelligent, voller Energie und mutig. Die beiden liebten und achteten sich gegenseitig und machten ihre Eltern Shiva und Parvati sehr stolz.

Eines Tages, als die zwei miteinander spielten, hörten sie jemanden singen: „Narayana, Narayana, …“ Ganesha und Murugan wussten sofort, dass dies nur Narada, der Götterbote sein konnte. Narada war ein grosser Verehrer von Lord Vishnu, den man auch Narayana nennt. Narada war dafür bekannt immer etwas Unsinn und Unmut zu stiften, aber er tat es immer mit guten Absichten.

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Lord Shiva fragte: „Was führt dich zu uns, weiser Narada?“ Narada verbeugte sich vor der göttlichen Familie und sprach: „Ich bringe euch die Mango der göttlichen Weisheit und des Allwissens. Wer von dieser Frucht kostet, wird damit gesegnet sein, aber nur eine Person darf davon essen.“

Sofort rannten die beiden Brüder zu ihrem Vater.

„Lieber Vater, ich bin der Ältere, bitte gib mir die Mango“, sprach Ganesha höflich.

Lieber Vater, das ist nicht richtig. Die Älteren sollten zurückstehen und etwas für die jüngeren Geschwister opfern“, sprach Murugan überzeugend.

Narada meinte: „Grosser Lord Shiva, beide deiner Söhne haben recht. Wem willst du die Frucht nun geben?“

Lord Shiva überlegte, versank kurz in sich und verkündete:

„Liebe Söhne, ich konnte keine Entscheidung treffen. Derjenige soll die göttliche Frucht erhalten, der die Erde schneller umkreist hat.“

Murugan war begeistert. Er rief sofort seinen Pfau, stieg auf und startete die Umrundung der Erde. Murugan freute sich, denn er war sich sicher zu gewinnen. Ganesha würde mit seiner Ratte kaum eine Chance haben als Sieger ins Ziel zu kommen.

Ganesha jedoch war etwas enttäuscht. Er wusste, dass er mit seiner Ratte nicht so lange reisen konnte. Er war jedoch weise und wusste, dass man Probleme am besten lösen konnte, wenn man sich richtig konzentriert und fokussiert. So setzte er sich hin und meditierte. Da kam ihm eine wundervolle Idee. Er stand auf, bat seine Eltern aufzustehen, faltete seine Hände zum Gebet und umrundete Shiva und Parvati mit Ehrerbietung dreimal.

Danach streckte er liebevoll seine Hände aus und meinte: „Ich habe die Welt nicht nur einmal, sondern dreimal umrundet. Kann ich bitte die Mango haben?“

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Narada schaute verwirrt und sagte: „Wie kannst du gewinnen, ohne die Welt zu umrunden?“

„Meine Eltern sind die ganze Welt für mich und ich habe sie dreimal umrundet.“

Shiva und Parvati waren berührt und ergriffen von der Weisheit ihres kleinen Ganeshas. Sie gratulierten ihm und Shiva übergab ihm die göttliche Mango.

Als Murugan zurückkehrte, war er überrascht seinen Bruder Ganesha mit der Frucht zu sehen. Doch nachdem er vernahm, wie alles geschehen war, akzeptierte er Ganesha als Sieger.

Doch die Niederlage gab Murugan zu denken. Er beschloss, nach Südindien zu reisen und die Hügel in Palani zu besuchen um dort zu meditieren und zu beten. Seine Eltern Shiva und Parvati holten ihn einige Zeit später ab, um nach Kailash zurückzukehren. Ein wunderschöner Murugan-Tempel steht noch heute in Palani (Tamil Nadu). Es gibt sechs Haupttempel für Lord Murugan in Indien. Sie heißen die „Arupadai Veedu“ und dieser in Palani ist einer davon.

10 Tage als Palmhörnchen-Mutter

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Nun sind bereits 10 Tage vergangen, seit ich die Kleinen aufgenommen habe. Seit vorgestern hat nun auch Rosa beide Äuglein geöffnet und wirkt dadurch etwas wacher.

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Mein gestriger Versuch den beiden etwas zerdrückte Banane auf einem  Tellerchen zu servieren, scheiterte gänzlich. Die beiden haben nicht mal gecheckt, dass man Bananenbrei essen könnte, sind darin rumgelaufen und waren am Schluss mehr Bananen- als Palmhörnchen. So musste ich die beiden mit warmen Wasser sauber waschen, trockenen und danach mit Milch füttern. Mit einem weiteren Breiversuch warte ich definitiv noch zu. Während die beiden wachsen und gedeihen, werde ich scheinbar immer müder und reizbarer. Ich hätte nie gedacht, dass mir dies so sehr zusetzten würde. Ich versuche am Nachmittag jeweils etwas nachzuschlafen, aber mein Alltag läuft weiter und oft kommt etwas dazwischen und mein Schlaf wird wieder gestört.

Neulich hatte ich sogar einen Palmhörnchen-Baby Albtraum: Servierte mir doch tatsächlich ein Kellner eine Suppe mit lebenden Hörnchen-Babies darin. Ich war so empört und wollte auch diese retten und nach Hause nehmen. Der Kellner schüttelte darauf nur den Kopf und meinte, dies sei eine Delikatesse und alle hier im Restaurant würden diese Suppe essen. Und so war es auch. Als ich mich umblickte, assen alle Gäste Baby-Hörnchen! Gottlob erlöste mich dann der Hörnchen-Fütterungsalarm von diesem Horror. Zum ersten Mal war ich froh, mitten in der Nacht aufstehen zu dürfen, die süßen Hörnchen zu füttern und diesen Albtraum hinter mit zu lassen.

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Rajiv Gandhi Denkmal in Chennai

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Aus meinem Tagebuch vom März 2007

Es ist Sonntag. Für mich ist dieser Wochentag immer noch mit der westlich-christlichen Kultur verbunden und ein kleines Familienheiligtum. Doch hier in Indien sind nur grade 2,3 % Christen und so ist der Sonntag für viele ein ganz normaler Arbeitstag und es ist nicht mal unhöflich bereits um sieben Uhr morgens anzurufen und meinen Sonntagsfrieden zu stören. So wird mein Liebster, zu meinem Bedauern, auch sonntags nicht von vielen Geschäftsanrufen verschont. Heute, wir haben noch keine Pläne, ruft ausgerechnet ein Agent von Prabhu an und möchte ihm ein Stück Land außerhalb von Chennai zeigen. Prabhu wäre bereit, sich dies anzusehen, aber meine Sonntagsansichten stehen ihm natürlich im Weg. Elegant macht er mir die Landbesichtigung als Familienausflug schmackhaft. Da ich wenig Begeisterung zeige, zieht er noch den letzten Trumpf aus dem Ärmel: Das Rajiv Gandhi Denkmal! Schließlich willige ich in die Pläne meines arbeitswütigen Ehegatten ein und wir fahren los. Suriyan ist immer begeistert, wenn es mit dem Auto irgendwohin geht.

Die Landbesichtigung erweist sich als schwierig, da der Agent die Parzellen nur vom Plan her kennt. Pläne und Wirklichkeiten liegen in Indien teilweise weit auseinander. Es beeindruckt mich immer, wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Wildfremde Menschen nehmen sich Zeit und versuchen zu helfen.

Schließlich fahren wir zum Denkmal. Eine schöne, gepflegte Anlage, die von vielen indischen Sonntagsausflüglern besucht wird, erwartet uns. Die sieben großen Säulen, die mit Zitaten von Rajiv Gandhi beschrieben sind, fallen auf Anhieb ins Auge.

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Hier wurde Rajiv Gandhi an einer Kundgebung am 21. Mai 1991 von einer Selbstmordattentäterin der Tamil Tigers ermordet und mit ihm wurden 16 weitere Teilnehmer aus dem Leben gerissen. Rajiv Gandhi war von 1984 –1989  Premierminister von Indien und hatte gute Aussichten, wieder ins begehrte Amt gewählt zu werden.

Eine tragische, politische Familiengeschichte tut sich hier auf:

Rajiv Gandhis Großvater ist der berühmte Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister Indiens und damals enger Vertrauter von Mahatma Gandhi im gewaltlosen Widerstand gegen die Briten. Immer wieder wurde der gebildete Pandit, der in England Rechtswissenschaften studiert hat,  von den Briten ins Gefängnis gesteckt. Dort verfasste er 196 Briefe an seine einzige Tochter Indira und schilderte seine Ansichten und Ideologien. 1947 bis 1964 war Nehru im Amt und etablierte in Indien die demokratischen Werte und Strukturen, die er sehr an den Gesetzgebungen der ehemaligen Unterdrücker anglich.

Indira stieg, geprägt durch ihren Vater, schon in frühen Jahren in die Politik ein. Mit 21 Jahren war sie bereits Mitglied im Parlament. Sie heiratete den Politiker Feroze Gandhi, der nicht mit dem großen Mahatma Gandhi verwandt war, aber dessen Name ihr für die spätere Politkarriere sehr zu Gute kam. Bald darauf erblickten die beiden Söhne Rajiv und Sanjay das Licht der Welt. Indira wurde die engste Vertraute ihres Vaters und nach seinem Tod 1964 wurde sie nach kurzer Zeit zur Premierministerin gewählt. Die Herausforderungen und Probleme, die es während ihrer Amtszeit von 1966 bis 1977 zu bewältigen gab, waren riesig.

Armut, Bevölkerungswachstum, schlechte Wirtschaftslage, Korruption, Unruhen, … machten ihr das Leben schwer. Sie begegnete den Schwierigkeiten mit Härte, Skrupellosigkeit und autoritärer Macht. Als sie vom Gericht wegen Korruption im Wahlkampf verurteilt wurde, verhängte sie kurzerhand den Ausnahmezustand, ließ viele Oppositionsgegner verhaften und schränkte die Pressefreiheit ein.

Sanjay, ihren zweitgeborenen Lieblingssohn, baute sie zum Nachfolger auf. Dieser wurde in seinen Ansichten jedoch immer extremer. Er war Initiant für Millionen von Zwangssterilisationen, die im ganzen Land für Entsetzen sorgten. Indira Gandhi wurde schließlich abgewählt, kämpfte sich 1980 jedoch wieder an die Regierungsspitze zurück.

Ein schwerer Schlag traf sie, als ihr Sohn Sanjay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Böse Zungen hinterfragten jedoch den Unfall und wilde Spekulationen, ob nicht sogar die eigene Mutter die Hände im Spiel hatte, kursierten.

Nun wurde der ältere, zurückhaltendere Sohn Rajiv, der Pilot bei der Indian Airlines war, überredet in die Politik einzusteigen.

Die zweite Regierungszeit wurde von großen Unruhen überschattet. In Punjab verhinderte Indira Gandhi die Bildung eines autonomen Sikhenstaates mit der Stürmung des Goldenen Tempels in Amritsar, dem größten Heiligtum der Sikhs. Für diese Ungeheuerlichkeit bezahlte sie am 31. Oktober 1984 mit ihrem Leben. Sie wurde von zwei Sikhs ihrer eigenen Leibgarde erschossen.

Noch am selben Tag wurde Rajiv Gandhi als Premierminister vereidigt, während es in vielen Teilen des Landes zu blutigen Auseinandersetzung gegen die Sikhs kam. Rajiv Gandhi war mit Sonia Gandhi verheiratet und sie hatten zusammen zwei Kinder Rahul und Priyanka. Sonia Gandhi, ursprüngliche Italienerin, war gar nicht begeistert, als ihr Mann sich entschloss in die Politik einzusteigen. Sie hatte sich ihr Leben wohl anders vorgestellt, als sie Rajiv bei einem Sprachaufenthalt in Cambridge kennenlernte.

Nach dem tödlichen Attentat wurde jedoch auch sie von der Kongress Partei gedrängt, in die Politik einzusteigen.

Doch erst sechs Jahre später, als die Hindu-Nationalisten in Delhi an die Macht kamen, übernahm sie den Parteivorsitz. Sie fühlte sich durch ihre Angehörigen, die für die Kongress Partei gelebt und gestorben sind, verpflichtet. Obwohl sie wegen ihrer italienischen Herkunft immer wieder angegriffen wurde, führte sie die Kongress Partei wieder an die Spitze zurück.

2004 hat sie das Amt der Premierministerin jedoch ausgeschlagen und Manmohan Singh vorgeschlagen. Erstmals hatte das Land einen Sikh zum Regierungschef und Sonja Gandhi, die scheinbar so selbstlos verzichtete, wird vom Volk schon fast als Heilige verehrt.

Ihr Sohn Rahul mischt in der indischen Politik bereits mit. Dies erstaunt nicht, denn der Lebensweg des Stammhalters scheint vorbestimmt.