Jackfruit

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Habt ihr schon mal den gelb-süßen, exotischen Geschmack der Jackfrucht genossen? Ich liebe es! Jetzt während des heißen Sommers in Chennai haben Mangos und Jackfruits Hochsaison. Leider habe ich eine Mango-Allergie und so genieße ich die Süße der Jackfruit.

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Auch die Kerne verwenden wir zum Kochen. Sie werden geschält und danach geröstet in einem Gemüsecurry gegessen und schmecken mit dem leicht nussigen Geschmack wunderbar.

Ganz lustig sehen die Früchte an den Jackfruchtbäumen aus. Am Stamm wachsen sie zu riesigen hellgrünen Geschwülsten heran. Die süßen Früchte muss man nach dem Pflücken aus dem öligen Gehäuse herausschneiden.

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Heute las ich einen Artikel über die 25 gesundheitsbringenden Vorteile der vitamin- und mineralreichen Powerfrucht. Hier kurz die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

  • Die Kerne kann man püriert mit Milch als Antifaltenpflege und Anti-Ageing-Produkt einsetzen. Auch einen makellosen Teint soll man davon bekommen!
  • Der ballaststoffreiche Kern hilft bei der Verdauung und entgiftet den Körper.
  • Die Kerne sind ausgezeichnete Eiweißlieferanten und fördern die Blutzirkulation.
  • Die Kerne enthalten Vitamin A- essenziell für Haut, Haare und Augen.
  • Die Früchte enthalten viel Vitamin C und Antioxidantien und stärken das gesamte Immunsystem und wirken vorbeugend gegen Krebserkrankungen und Asthma.

Kurzum ein süsses Wunderheilmittel, das mir wunderbar schmeckt. Ich werde die Saison voll auskosten und mal eine Anti-Ageing-Paste auflegen ;-)!

Schönes vor dem Tor

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Kolam oder Rangoli sind Muster, die indische Frauen jeweils am Morgen und am späten Nachmittag vor dem Eingang mit weissem Kalk- oder Reispulver malen, d. h. eigentlich streuen.

Die Muster sollen Besucher willkommen heißen und das Böse abwenden. Die meisten Inderinnen sind darin sehr geschickt. Meine Schwägerin kann ganz komplizierte Muster auswendig und fehlerlos „hinstreuen“, es ist wunderschön!

Zuerst wird der Boden mit Wasser gereinigt und gewischt. Nun werden die Dots, die Punkte, die sich je nach Kolam, Rangoli unterschiedlich anordnen, in gleichmäßigen Abständen ausgelegt. Das Pulver wird zwischen Daumen und Fingern gehalten und gestreut. Während beim Rangoli die Punkte verbunden werden und so Flächen entstehen, werden bei den südindischen Kolams die Punkte umwoben, dass letztlich kein Punkt mehr frei stehen bleibt.

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Meine Kolams sind immer noch klägliche Versuche und es will mir einfach nicht gelingen die Linien und Bögen schön sauber hinzustreuen.

An Festtagen vor allem an Pongal (tamilisches Erntedankfest) und an Dipawali (Lichterfest) werden auch farbige Pulver eingesetzt und die Muster werden weitaus aufwendiger und zeitintensiver.

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Im Januar, wenn das Klima in Chennai etwas angenehmer und kühler ist, finden immer viele Wettbewerbe statt. Auch hier in unserer Colony messen sich die Frauen einmal im Jahr im Rangoli streuen. Zu zweit arbeiten sie zwei Stunden und danach bewertet die Colony-Jury die Kunstwerke .

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Rangoli-Wettbewerb Januar 2019:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/01/21/rangoli-wettbewerb/

Göttlicher Besuch

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„Rama, Rama, hare, hare…“, höre ich es singen. Unsere Hunde beginnen sofort zu bellen, denn jemand ist an unserem Gate.

Hanuman, der Affengott, besucht uns heute. Der sonst so starke, muskulöse Hanuman ist schmächtig und klein. Nur durch seine rote Affenschnauze und vor allem den Affenschwanz erkennt man den beliebten Hindugott. Ich gebe ihm einen 10er und frage, ob ich ein Foto machen darf. Singend zieht er weiter von Haus zu Haus …

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Hanuman ist der Sohn des Windgottes Wayu und er kann jede beliebige Gestalt annehmen. Im großen hinduistischen Epos Ramayana spielt er eine wichtige Rolle. Er ist der treuste und hingebungsvollste Anhänger des Gottes Rama.

Mit seinen übermenschlichen Kräften, seiner unendlichen Treue und Liebe unterstützt er die göttliche Familie. Als Sita, Ramas Frau, von dem bösen Dämonen Ravana nach Lanka (Sri Lanka) entführt und dort versteckt wird, gelingt es Hanuman mit seinem Affenheer, sie zu finden. In der Gestalt eines normalen Affen schleicht er in Ravanas Palast und will Sita befreien. Die Göttergattin schenkt ihm erst Vertrauen, als sie zum Beweis den Ring Ramas sieht. Da Sita die Ehre Ramas nicht verletzten möchte, kann Hanuman sie nicht retten, denn scheinbar darf nur Rama selbst seine Frau befreien. Daraufhin zerstört der Affengott mit seiner Armee die Stadtmauern und den Palast des Dämonen. Hanumans Schwanz wird von Ravana in Brand gesetzt, worauf dieser eine Riesengestalt annimmt und mit dem brennenden Schwanz alles in Feuer und Flamme setzt. Danach holt Hanuman Rama, der seine Frau schliesslich befreit.

Wegen seiner großen Hingabe (Bhakti) wird Hanuman sehr verehrt. In jedem Vishnu Tempel ist der Affengott anzutreffen. Ihm zu Ehren genießen die Affen in den Hanuman-Tempeln Narrenfreiheit und werden gefüttert.

Hide and Seek

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Statistisch gesehen, verzehrt die indische Bevölkerung weltweit am wenigsten Fleisch. So finden sich in Indien viele vegetarische Restaurants und als Vegetarier kommt man hier zu sehr leckerem Essen. Das finde ich natürlich als selbstbekennende, langjährige Vegetarierin super. Sehr praktisch finde ich beim Einkaufen oder im Restaurant die grünen und roten Punkte. Grün bedeutet „pure vegetarian“ und das erleichtert das Leben als Vegetarier ungemein.

Meine indische Familie und alle Verwandten sind Laktovegetarier. Meine Schwiegermutter ist ganz streng, sie isst nicht mal einen Keks, wenn es Eier darin hat. Mein Mann hat in seinem ganzen Leben noch nie ein Stück Fleisch gegessen und er würde es auch niemals tun. Mit den Eiern nimmt er es jedoch nicht ganz so genau, jedenfalls solange man das Ei nicht erkennen kann ;-)!

Ich und mein Sohn hingegen mögen ab uns zu ein Ei und da meine Schwiegereltern Eier ekelerregend finden und im selben Haus wohnen, schmuggle ich die Eier jeweils an ihnen vorbei in den oberen Stock.

Heute bringt mir mein Liebster die Zeitung nach oben. “Lies mal diesen Artikel!“, meint er und streckt mir die Zeitung entgegen.

Eine Frau aus Mumbai berichtet undercover von ihrem heimlichen Fleischverzehr. Sie lebt in einer Siedlung, wo nur strikte Vegetarier leben. Die Wohnung hat sie nur erhalten, weil sie gelogen und sich als Vegetarierin ausgegeben hat. So kauft sie ihre Hühnchen weit außerhalb des Viertels, damit sie ja niemand erkennen kann, wenn sie die Metzgerei betritt und um den Geruch des gebratenen Fleisches zu vertuschen, setzt sie gezielt Räucherstäbchen ein. Als die Nachbarn, strikte Jains, einmal Eierschalen im Hof finden, versuchen sie die Quelle des Bösen sofort ausfindig zu machen. Die Putzfrau verrät nichts, aber trotzdem kommt die heimliche Fleischesserin in Verdacht und der Nachbar untersucht sogar ihren Kühlschrank. Dort findet er tatsächlich die unreinen Hühnereier, die natürlich vom Arzt verschrieben sind.

„Es ist wie ein Versteckspiel!“, erzählt die Frau, die sich, um sich nicht zu verraten, nur von hinten, unerkennbar ablichten lässt.

Sich als Fleischesserin zu outen, ist schlicht unmöglich. Die Nachbarn würden sie meiden, sie ausschließen, würden kein Essen mehr von ihr annehmen und sie würde ihre Wohnung verlieren.

Unvorstellbar! Ich kann es kaum glauben. Doch mein Mann erklärt mir daraufhin, dass auch seine Eltern die untere Wohnung ihres Hauses niemals an Fleischesser vermieten würden. „Lieber lassen sie die Wohnung jahrelang leer stehen!“, meint er und schmunzelt verlegen.

Geckos

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Als ich nach Indien kam, fand ich es sehr gewöhnungsbedürftig, mit Hausgeckos unter einem Dach zu leben. In unserem Haus wohnen bestimmt vier bis acht Geckos. Inzwischen sind mir die flinken Jäger ans Herz gewachsen. Sie fressen viele Moskitos und auch Kakerlaken oder anderes Ungeziefer sind vor ihnen nicht sicher. Also durchaus eine Win-win-Situation ;-)!

Die scheuen und sehr schnellen Tiere sind vor allem nachtaktiv, tagsüber ziehen sie sich in Ritzen und Spalten zurück und sind eher selten zu sehen. An ihren Füssen kann man Haftlamellen und winzige Krällchen beobachten, die sie zu unglaublichen Kletterkünsten befähigen. So können sie glatte Wände, sogar Glasscheiben problemlos kopfüber erklettern. Wie die Eidechsen können sie in Notfällen ihren Schwanz abwerfen. Der Schwanz, in dem wichtige Fettreserven gespeichert werden, wächst wieder nach. Durch recht lautes Rufen, das sich fast wie ein Schnalzen anhört, scheinen sie sich untereinander zu verständigen. Es klappt auch mit dem Nachwuchs bestens, immer wieder begegne ich winzigen Babygeckos. Schon oft haben mich die blitzschnellen Tierchen erschrocken, wenn sie plötzlich an unerwarteten Stellen an mir vorbei flitzten. Manchmal passiert es auch, dass ein Tier sich nicht mehr halten kann und runter fällt. Vorgestern ist einer aus meiner Besteckschublade herausgesprungen und hat kurz meine rechte Hand berührt. Da musste ich schnell meine Liste hervorsuchen, um diese kurze Begegnung zu deuten! Auf der Rückseite des tamilischen Kalenders findet man neben astrologischen und numerologischen Angaben auch eine ausführliche Liste über Geckos. Es sieht nicht gut aus für mich! Schlechte Zeiten stehen bevor, wenn ein Gecko die rechte Hand berührt. Gott sei Dank nehme ich dies nicht ganz so ernst….

Strassenverkehr

Gestern ist es passiert! Gott Lob ist es nur Blechschaden, aber dieses Mal weit heftiger als alles bisher erlebte. Mein Mann stellte  seinem Angestellten unser kleines Zweitauto zur Verfügung, um eine Reise zu unternehmen. Früh morgens fuhren sie mit einem Fahrer los und kurz vor Trichy hatten sie einen Unfall. Ein Hund überquerte ganz überraschend die Fahrbahn und der Fahrer fuhr in die Abgrenzung zur anderen Fahrspur. Die Reparaturkosten werden auf rund 40 000 Rupien (rund 600 CHF) geschätzt, ein recht grosser Batzen für indische Verhältnisse.

Der Straßenverkehr in Indien ist immer noch sehr chaotisch. Autos, Tuk-Tuks, Busse, Motor- und Fahrräder, Kühe, Hunde und natürlich auch Fußgänger teilen sich die Straßen. Regeln gibt es wohl, aber keiner hält sich wirklich dran. Vor allem in den Städten ist das Verkehrssystem oft überlastet und es braucht viel Geduld und gute Nerven. Es wird gehupt, von Rechts oder Links überholt, was eben grade besser passt, einige  fahren auch noch bei Rotlicht über die Straße und die Tuk-Tuks und Motorräder nutzen jede kleine Lücke. Dazu kommt noch ein Straßenbelag, der immer wieder uneben ist und Schlaglöcher hat. Ich habe zweimal einen Versuch unternommen, selbst zu fahren, und bin gescheitert. Neben dem komplexen Verkehr war für mich die Umstellung auf den Linksverkehr eine zu große Herausforderung. In den neun Jahren in Indien bin ich schon an vielen Unfällen vorbeigefahren, einige auch mit Todesfolgen. Vor allem auf den Highways wird es durch die höhere Fahrgeschwindigkeit schnell gefährlich. Viele schockierende Überholmanöver habe ich selbst erlebt und Gott sei Dank überlebt! Indienreisenden würde ich dringend davon abraten, selbst zu fahren. Außerhalb der Städte steht es auch um die medizinische Versorgung im Falle eines Unfalles eher schlecht.

Der böse Blick – über den Aberglauben in Indien

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Im indischen Alltag gehört Religiosität, Spiritualität und Aberglaube stets dazu. Die meisten Rituale sind ins tägliche Leben eingeflochten. Läuft ein Inder oder eine Inderin an einem Tempel vorbei, falten viele schnell die Hände zum Namaste, verweilen einen kurzen Augenblick im Gebet und gehen weiter. In jedem hinduistischen Haushalt gibt es einen Pooja-Raum, wo die meisten Bewohner täglich zur Andacht finden und die Gottheiten mit Früchten, Blumen und Räucherstäbchen verehren.

Doch in Indien glaubt man nicht nur an die vielen Götter und Göttinnen, auch das Böse und Negative ist omnipräsent. Sicher hat sich schon mancher wachsame Reisende gefragt, warum man auf dem indischen Subkontinent so vielen Dämonen begegnet. Die teufelsartigen Dämonenfratzen, die einem immer wieder anstarren, dienen als Abwehr gegen das Böse. Man findet sie an vielen Häusern, aber auch an Autos und Lastwagen. Aufgehängte Schuhe und Steine sind andere Hilfen gegen das Böse. Manchmal entdeckt man alte Kinderschuhe an Autokarosserien oder an Bäumen aufgehängt.

Der böse Blick wird oft mit Neid und Missgunst in Verbindung gebracht und viele glauben, dass dies negative Auswirkungen auf das eigene Leben und Wohlbefinden hat. So werden besonders Babys und Kleinkinder vom „evil Eye“ geschützt. Um das Böse abzulenken, werden den Kindern schwarze, hässliche Augen ins Gesicht gemalt. So trifft der erste, vielleicht negative Blick nicht in die unschuldigen, wehrlosen Kinderaugen.

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